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Karawane bis Karbazōl (Bd. 6, Sp. 616 bis 617)
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Artikelverweis Karawane (v. pers. karwân, kerwân, eigentlich kâr-bân, »Handelsschutz«), Benennung der Reisegesellschaften im Orient, wo die Unsicherheit das Alleinreisen unmöglich macht. Die Karawanen sind zumeist Handelskarawanen (s. Meyers Karawanenhandel); in den Pilgerkarawanen ziehen die Gläubigen aus allen Teilen der islamischen Welt nach Mekka, Kerbela und andern berühmten Wallfahrtsorten. An der Spitze der K. befindet sich der Kerwan-Baschi (Karawanenoberhaupt), in einigen Ländern vom Fürsten dazu ernannt und sogar mit dem jus gladii bekleidet. Karawanenstraße nennt man jeden sichern Handelsweg. Karawansereien sind die öffentlichen Gebäude in den Städten und an der Handelsstraße, in denen jene Reisegesellschaften mit ihren Pferden und Kamelen Unterkunft finden. In Städten bestehen sie zumeist aus viereckigen, oft mit Pracht aufgeführten, ein oder zwei Stock hohen Gebäuden, deren Zimmer in den obern Stockwerken auf rund um einen Hof laufende Galerien sich öffnen. In diesen Zimmern wohnen die Kaufleute mit ihrer Ware, während das Erdgeschoß und die Kellerräume von den Tieren eingenommen werden. In der Mitte einer derartigen Herberge befindet sich meist ein Wasserbassin zum Tränken der Tiere und zu den Waschungen vor dem Gebet. Die Karawansereien, in der Türkei gewöhnlich Chane (s. Meyers Chan) genannt, sind zumeist fromme Stiftungen reicher Kaufleute, hoher Würdenträger und fürstlicher Personen. In der Türkei haben sich in der Errichtung solcher Gebäude besonders hervorgetan: Sultan Murad I., Mohammed II., Soliman der Prächtige und Achmed IV.; in Persien Schah Abbas II. und dessen Mutter, in Mittelasien Abdullah Chan Scheibani. Vgl. Vambéry, Sittenbilder aus dem Morgenland (Berl. 1876).
 
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Karawanenhandel, die Art des Handels, bei der die Beförderung von Waren durch Karawanen stattfindet, wie sie namentlich in Asien und Afrika seit alters betrieben wird. Während ein großer Teil von Asien und Nordafrika fast ausschließlich auf Kamel und Dromedar als Verkehrsmittel angewiesen ist, treten in Nordasien Pferd, Hund und Renntier, im Himalaja Yak und Schaf, im tropischen Afrika und auf den malaiischen Inseln der Mensch, in Südamerika das Maultier und in den Anden das Lama an seine Stelle. Ganz Vorderasien, die arabisch-kaspischen Steppen, die Kirgisensteppe und das Balchaschgebiet überspannend, reicht die Zone des Kamels über Innerasien bis nach Indien (Powindahkarawanen), Tibet und China hinein, selbst ganz Nordwestchina nördlich vom Yangtsekiang ist auf das Kamel als Verkehrsmittel angewiesen. Doch tritt in Persien vielfach das Maultier an seine Stelle, in Sibirien das Pferd und der Renntier- oder Hundeschlitten. Die wichtigste Karawanenstraße Zentralasiens zieht von Taschkent ins Ilital nach Kuldscha, dem größten Markt im nördlichen Tiënschan, folgt diesem Gebirge ostwärts und überschreitet es zwischen Barkul und Chami. Dann beginnt die Wüstenreise nach Sutschoufu, von wo die Straße den Nordrand des Nanschangebirges begleitet, bis sie den Huangho bei Lantschau erreicht. Das ist die berühmte Jiemönnpassage, die verhältnismäßig bequem aus Westasien nach China führt. Von Lantschau durchläuft sie Kansu und Nordschensi in der Richtung nach Singanfu im Tal des Hweiho, von wo die Waren einerseits nach Peking, anderseits nach dem Yangtsekiang gebracht werden. Eine zweite große Karawanenstraße, die den Handel zwischen China und Sibirien vermittelt, führt von Kiachta über Urga nach Kalgan und Peking. In Nordafrika ist das Kamel gleichfalls das Verkehrsmittel; die Zone der Dromedarkarawane reicht aus der Sahara bis in den Sudân hinein. Im zentralen tropischen Afrika wird das Kamel durch den Menschen abgelöst. Die Länder der Trägerkarawanen sind das ganze Kongobecken, die Hinterländer der Niederguineaküsten, teilweise auch die von Oberguinea, Ostafrika, das Seengebiet, das Obernilgebiet, die Länder zwischen dem Uëlle und dem Weißen Nil sowie alles Land bis südlich an den Sambesi und Kunene. Auch in Afrika haben sich, bedingt durch den Wüstencharakter der Sahara, über die nur wenige durch Anlage von Brunnen gangbare Wege führen, den Steppencharakter des Ostens und die Urwälder des Innern und des Westens sowie wegen der Notwendigkeit des Zusammenschlusses zahlreicher Menschen zu einer Expedition bestimmte Pfade herausgebildet, auf denen sich der Handel und Verkehr zwischen den einzelnen Ländern bewegt. Die Karawanenstraßen Afrikas vgl. Artikel »Afrika«, S. 146. In neuester Zeit hat der K. einige Einbuße erlitten durch die Eröffnung der Dampfschiffahrt auf tief ins Land eindringenden Flüssen sowie durch die Anlage von Eisenbahnen. Übrigens kann auch von einem K. zur See während des Altertums und Mittelalters gesprochen werden, indem damals zu gegenseitiger Sicherung vor Seeräubern eine Anzahl von Kauffahrteischiffen bei gemeinsamer Fahrt sich zu einer Admiralschaft zusammenschloß oder von Kriegsschiffen (Convoi) begleiten ließ. Vgl. Andree, Geographie des Welthandels, 2. Aufl., Bd. 1, S. 93 bis 306 (Stuttg. 1877).
 
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Karawanken, Gebirgszug der Ostalpen (s. Karte »Krain-Küstenland«), zur südlichen Kalkalpenzone gehörig, westlich von den Karnischen Alpen durch den Gailitzbach getrennt, erstreckt sich an der Grenze von Kärnten und Krain über 100 km weit östlich bis zum Mißlingbach und bildet im westlichen Teil eine geschlossene, mauerartige Bergkette, während er sich nach O. in einzelne Stöcke und Gruppen auflöst. Die höchsten Gipfel sind der Stou (Hochstuhl, 2239 m), Vertača (2179 m), Mittagskogel (2144 m), Hochobir (2141 m), Koschutta (2135 m), Storschitz (2134 m), Petzen (2124 m). Über den 1370 m hohen Loiblpaß führt eine Straße von Klagenfurt nach Laibach; die Tauernbahn durch das Bären-in das Savetal ist im Bau. Die kahle, wild zerrissene, blaßrötliche Kalksteinkette gewährt besonders vom Drautal aus einen imposanten Anblick. Vgl. Jahne, Führer durch die K. (Wien 1896).
 
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Karawanserei, s. Meyers Karawane.

[Bd. 6, Sp. 617]



 
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Karawélow, 1) Ljuben, bulgar. Schriftsteller und Politiker, geb. 1838 in Koprivščica, gest. 21. Jan. 1879 in Rustschuk, studierte in Moskau Philologie und Geschichte, lebte danach abwechselnd in Serbien und Rumänien und spielte seit 1870 in der jungbulgarischen Bewegung eine führende Rolle. Aus seiner 1869 in Bukarest begründeten Druckerei gingen unter anderm die revolutionären, gegen die Pforte gerichteten bulgarischen Zeitungen »Svoboda« und »Nezavisimost« hervor. Später entzweite er sich mit den übrigen Agitatoren und war an dem Aufstand von 18) 6 nicht mehr beteiligt. K. hat sich auch als Dichter (Novellist) und Sammler von Volksliedern, Märchen etc. um die bulgarische Literatur verdient gemacht. Seine gesammelten Werke erschienen in Rustschuk 1886 bis 1888 (8 Bde.). Die von ihm herausgegebenen Memoiren des Revolutionärs Panajot Chitow erschienen deutsch in Rosens »Balkanhajduken« (Leipz. 1878).
   2) Petko, bulgar. Politiker, Verwandter des vorigen, geb. 1845 in Koprivščica, gest. 7. Febr. 1903 in Sofia, ward in Moskau erzogen, studierte in Dorpat und wurde Lehrer in Poltawa, dann in Philippopel. Nach Ausbruch des russisch-türkischen Krieges 1877 wurde er zum Vizegouverneur von Widin ernannt. 1879 zum Mitgliede der Nationalversammlung in Trnowo gewählt, hatte er als ihr Vizepräsident großen Anteil an der Abfassung der Konstitution und galt für den Führer der Radikalen. Unter Zankow 1880 Finanzminister, ward er 1881 Ministerpräsident, aber durch den Staatsstreich bald beseitigt. 1884 ward er zum Präsidenten der Sobranje gewählt und nach Zankows Rücktritt an die Spitze der Regierung gestellt. K. betrieb nun die Revolution in Philippopel 18. Sept. 1885 und bewog den Fürsten, diese anzuerkennen und die Vereinigung Ostrumeliens mit Bulgarien durchzuführen. Durch den Gewaltstreich gegen Alexander 21. Aug. 1886 wurde auch K. gestürzt, vereinigte sich aber mit Mutkurow und Stambulow zu einer Gegenrevolution, welche die Verschwörer der Herrschaft beraubte. Vom abdankenden Fürsten Alexander 7. Sept. zu einem der drei Regenten ernannt, entzweite er sich, andauernd russenfreundlich, mit Mutkurow und Stambulow und nahm 13. Nov. 1886 seine Entlassung. Im März 1887 wegen Verdachts des Hochverrats verhaftet, indes bald freigelassen, wurde er 1892 wegen Teilnahme an einer Verschwörung zu mehrjährigem Gefängnis verurteilt und erlangte erst 1895 seine Freiheit wieder. Am 4. März 1901 wurde K. abermals zum Finanzminister und Präsidenten eines neuen Ministeriums ernannt; die chronisch gewordene Finanznot des Fürstentums brachte jedoch schon im Dezember 1901 dies Kabinett zu Falle.
 
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Karaya, Indianerstamm in Brasilien, von noch unbekannter Verwandtschaft, der in zwei getrennten A bleil ungen am mittlern Araguaya und am Schingu lebt. Die K. sind Fischer, treiben aber auch Ackerbau. Die Männer tragen Holz- oder Steinpflöcke in der Unterlippe; beide Geschlechter bemalen in ausgedehntem Maß ihre Körper. Vgl. Ehrenreich, Beiträge zur Völkerkunde Brasiliens (Berl. 1891).
 
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Karbamīd, soviel wie Harnstoff.
 
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Karbamīnsäure (Amidoameisensäure) CH3NC2 oder NH2. COOH ist im freien Zustande nicht bekannt, ihr Ammoniumsalz NH2. COONH4 ist im Hirschhornsalz, dem käuflichen kohlensauren Ammoniak, enthalten und entsteht aus Ammoniak und Kohlensäure: 2NH3+CO2 = NH2. CO2. NH4. Salze der K. finden sich im Hundeblut und entstehen aus Leucin und Tyrosin bei Behandlung mit übermangansaurem Kali. Das karbaminsaure Ammoniak fällt Salze der Erd- und Schwermetalle nicht; erst beim Erhitzen werden Karbonate ausgeschieden, indem das Karbaminsäuresalz durch Aufnahme von Wasser in kohlensaures Ammoniak übergeht. Beim Erhitzen im geschlossenen Rohr zerfällt es bei 130° in Harnstoff und Wasser. Die Ester der K. nennt man Urethane (s. Urethan). Karbaminsäurechloride s. Meyers Harnstoffchloride.
 
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Karbanīl (Phenylisocyanat) C7H5NO oder C6H5N. CO entsteht bei Einwirkung von Karbonylchlorid auf Anilin, von Phosphorsäureanhydrid auf Karbanilsäureester, von Kaliumcyanat und Kupfer auf Diazobenzolsalze. Es bildet eine farblose Flüssigkeit von scharfem, zu Tränen reizendem Geruch, siedet bei 166°, bildet mit Wasser Diphenylharnstoff, mit Alkoholen und Phenolen Ester der Karbanilsäure (Phenylkarbaminsäure) C7H7NO2 oder NH. C6H5. COOH. Diese Säure ist im freien Zustande nicht bekannt. Ihre Ester sind die Phenylurethane. Mit Ammoniak und Aminbasen bildet K. substituierte Harnstoffe.
 
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Karbatsche (türk. Kurbatsch), aus ledernen Riemen geflochtene Peitsche.
 
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Karbazōl (Diphenylenimid, Dibanzopyrrol) C12H9N oder C6H4. NH. C6H4 findet sich im Rohanthracen und entsteht aus Dämpfen von Diphenylamin oder Anilin im glühenden Rohr (daher Nebenprodukt bei der Darstellung des Anilins). Es bildet farblose Blättchen, löst sich in Alkohol und Äther, nicht in Wasser, schmilzt bei 238°, siedet bei 351°, ist sehr beständig, bildet nur mit Pikrinsäure ein beständiges Salz. Durch Behandlung des Karbazols mit Eisessig und Salpetersäure kann man ein Dinitrokarbazol und durch Reduktion dieser Verbindung Diamidokarbazol erhalten, das mit salpetrigsaurem Natron und Salzsäure eine Tetrazoverbindung liefert. Durch Paarung der letztern mit Salicylsäure erhält man Karbazolgelb.

 

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