Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Kapverdische Inseln bis Karabaks (Bd. 6, Sp. 607 bis 609)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Kapverdische Inseln (Inseln des Grünen Vorgebirges), portug. Inselgruppe an der westafrikanischen Küste, 560 km vom Grünen Vorgebirge zwischen 14°45'17°30' nördl. Br. und 22°30'25°10' westl. L., besteht aus neun bewohnten Inseln nebst einigen Felseilanden (s. das Kärtchen) und ist 3795 qkm groß. Die Inseln, die in zwei Gruppen zerfallen, eine nordwestliche über dem Winde (Barlavento) und eine südöstliche unter dem Winde (Sotavento), werden durch tiefe und sichere Kanäle getrennt. Sie sind hoch, auf einigen erheben sich sogar ansehnliche, fast beständig mit Schnee bedeckte Berge, so auf São Antão der 2200 m hohe Tope da Corõa (Pão

[Bd. 6, Sp. 608]


d'Açucar), auf Fogo der Pico (2970 m), ein noch tätiger Vulkan, der 1847 großen Schaden anrichtete. Die Inseln bestehen vorwiegend aus jungvulkanischen Gesteinen (Phonolithen und Basalten), unter denen aber auch (auf São Vicente, São Thiago und besonders auf Maïo) als Reste eines alten Festlandes Gneise und kristallinische Schiefer, ältere Kalksteine sowie Diorit, Syenit und Diabas hervortreten. Das Klima ist vom Dezember bis Juli heiß (Praya auf São Thiago: Jahrestemperatur 24,5°, Februar 22,2°, September 26,6°); im August beginnen die bis Oktober anhaltenden Winterregen, nach denen das ohnehin ungesunde Klima am gefährlichsten ist. Während der Regenzeit sind Tornados, Gewitterböen, häufig. Die trockne Jahreszeit herrscht beim Wehen des Nordostpassats. Gelegentlich werden die Inseln von Winterwinden überweht. Regenmenge: Praya 26 cm, Januar bis Juni fast regenlos. Zusammenhängende größere Wälder fehlen. Nur vereinzelte angepflanzte Kokos- und Dattelpalmenhaine sowie Kaffeeplantagen und Fruchtbäume sind sichtbar. An den Berghängen läßt sich eine tropische Region bis 500 m und eine gemäßigte bis 1500 m unterscheiden. Die erstere zerfällt in die Formation der geselligen strauchartigen Euphorbia Tuckeyana, zusammen mit Ficus Sycomorus und Gossypium punctatum wachsend, in die Gesträuchformation der endemischen Kompositen Nidorella Steetzii und N. varia, und in die Formation der Felspflanzen aus Lavendula rotundifolia, Campanula Jacobaea, Echium hypertropicum u. a. Die gemäßigte Region läßt zu unterst gesellige, meist endemische Sträucher von Kompositen aufkommen, wie Inula leptoclada und Conyza-Arten, denen weiter aufwärts meist eingewanderte Labiaten aus den Gattungen Rosmarinus, Ocimum und Lavendula folgen.
   Die Kapverden gehören zur äthiopischen Region, besitzen aber, wie alle Inseln, eine Fauna für sich. Die Vogelwelt ist durch afrikanische Arten schwach vertreten, die Reptilien durch einen Gecko und einen Skink. Amphibien und Süßwasserfische sind dagegen nicht bekannt. Die Mollusken verteilen sich auf 7 Süßwasser- und 22 Landschnecken: sie kommen sämtlich in bedeutender Höhe über dem Meeresspiegel vor. Von den Insekten sind am besten die Käfer bekannt mit 272 Arten, von denen eine große Zahl den Kapverden eigentümlich, ein Teil identisch ist mit Formen von den Kanaren und Madeira, ein andrer mit solchen von Afrika und nur wenige mit europäischen Arten. Schmetterlinge sind selten, Hymenopteren weniger selten, die Fliegen sind durch Repräsentanten dreier Formen vertreten; besonders reich an Arten wie an Individuen sind die Orthopteren.
   Die Bevölkerung betrug 1900: 147424 Seelen; nach einer Berechnung von Vasconcellos bewohnen

Die Felseneilande Branco und Razo (8 qkm) sowie Grande und Rombo (7 qkm) sind unbewohnt, Santa Luzia (28 qkm) hat nur 20 Einw. Die Portugiesen bilden nur einen geringen Bruchteil der Bevölkerung (etwa 1/20), die Hauptmasse Neger und Mulatten. Für jedes Kirchspiel besteht eine Knabenschule, für jede Insel eine Mädchenschule. Dazu gibt es noch eine Anzahl Gemeindeschulen und auf São Nicolão ein Seminarlyzeum. Die Sprache ist eine Mischung portugiesischer und afrikanischer Elemente. Bei dem geringen Umfang des Kulturbodens (ca. 303,000 Hektar) ist der Ackerbau unbedeutend, und der Ertrag an Reis, Mais, Hirse, Kaffee, Wein, Zuckerrohr, Tabak wird nicht selten durch Dürre und Heuschreckenzüge vernichtet. Den Hauptreichtum bildet der Viehbestand, der 1897 umfaßte: 3000 Pferde, 19,607 Esel, 387 Maultiere, 14,858 Rinder, 9441 Schafe, 39,532 Ziegen und 28,545 Schweine. Die Küsten sind reich an Fischen. Die Einfuhr bewertete 1900: 2,843,314, die Ausfuhr (hauptsächlich geschätzter Kaffee): 351,948 Milreis; der Schiffsverkehr wies 3841 Schiffe mit 4,787,000 Ton. auf. Die 27 Postanstalten beförderten 1900: 542,472 Briefsendungen. São Antão ist reichlich bewässert, fruchtbar, aber schwer zugänglich, doch bietet die Bai von Tarrafal einen guten Ankerplatz. Hauptort ist Ribeira Grande an der Nordostküste mit 4500 Einw. São Vicente ist 1000 m hoch, wasserlos und unfruchtbar, enthält aber den besten Hafen der Gruppe Porto Grande, ist Sitz eines deutschen Konsuls, Kohlenstation für zahlreiche Dampferlinien und Stützpunkt für transatlantische Kabel. São Nicolão ist dürr, wenig gesund, im Monte Gordo 1347 m hoch und hat zur Hauptstadt Ribeira Brava mit 4000 Einw.; der besuchteste Hafen ist aber Preguizo (Freshwater). Auf dem wegen seiner Risse und Sandbänke schwer zugänglichen, sandigen Boavista und auf Sal wird Salz in bedeutender Menge gewonnen, auf letzterm 23,000 Ton. jährlich. Sal ist Sitz eines deutschen Konsuls. São Thiago ist von Bergen erfüllt (Pico da Antonia 1800 m), aber in den Tälern fruchtbar; Praia an der Südostküste ist Hauptstadt der ganzen Gruppe, Sitz des Gouverneurs, aber sehr ungesund und hat 21,000 Einw. Maïo hat schroffe Steilküsten, kein Trinkwasser, aber große Salzlager. Fogo hat einen 2970 m hohen Vulkanhügel, den Pico, der 1841 einen großen Lavastrom bis zum Meer sandte, ist gesund, fruchtbar und reich an Schwefel und Bimsstein. Die Inseln wurden 1441 von den Genuesen Antonio und Bartolomeo di Nolli entdeckt und für Portugal in Besitz genommen; 1456 wurden sie von Cadamosto mit Ansiedlern besetzt, doch folgten ihnen nur wenige Portugiesen nach; man führte danach Negersklaven ein. Vgl. Dölter, Über die Kapverden nach dem Rio Grande und Futa-Djallon (Leipz. 1884) und Die Vulkane der Kapverden (Graz 1882).
 
Artikelverweis 
Kapweine, die Weine vom Kap der Guten Hoffnung. Der Weinbau am Kap wurde 1660 durch Hugenotten begründet, und 1665 wurden die ersten Weinproben nach Holland gesandt. Im 18. Jahrh. und bis in die neuere Zeit galt der Kapwein für das edelste Getränk der Erde; gegenwärtig aber ist dieser Nimbus geschwunden, zumal die feinern, edlern Sorten nur in geringer Quantität erzeugt werden und wenig in den Verkehr kommen. Die Constantiaweine (Gesamtproduktion nicht über 1000 hl im Jahr) sind rote und weiße Likörweine erster und zweiter Klasse, von köstlichem Gewürz und einer Süßigkeit, die in vollkommenem Einklang zum Alkoholgehalt steht; ihnen am nächsten steht der Rota aus Stellenbosch, ein roter Muskatwein, und der trockne,

[Bd. 6, Sp. 609]


weiße Witteboom. Den Charakter der Bordeauxweine hat der Kap- Frontignau. Gute leichte, trockne Weißweine werden auch im Tal von Drakenstein, besonders beim Dorf Paarl, produziert, und diese Weine gehen meist als Kap- Rheinweine (Cape Hock; vgl. Hock). Man unterscheidet jetzt auch edlere K. und südafrikanische Weine, um die neuern, im Charakter, Körper und Geschmack wesentlich vervollkommten Weine nicht durch den übeln Ruf leiden zu lassen, den viele K. ehemals hatten. Die Gesamtproduktion wird auf 45 Mill. Gallonen angegeben.
 
Artikelverweis 
Kapwolken, s. Meyers Magalhãessche Wolken.
 
Artikelverweis 
Kapys, 1) Sohn des Assarakos, Fürst der. Dardaner, Vater des Anchises. 2) Begleiter des Äneas und Gründer der nach ihm genannten Stadt Capua.
 
Artikelverweis 
Kar (in Schweden Botner), in den Deutschen Alpen und in allgemein wissenschaftlicher Anwendung des Begriffs in andern einst oder jetzt vergletscherten Hochgebirgen kesselartige, talähnliche Ausweitungen (Zirkustäler) im Hochgebirge, die oft als Weide benutzt werden und mit der Eiszeit, bez. den Wirkungen von Schnee und Eis in Zusammenhang stehen; in Tirol auch die nächste Umgebung der Almhütte. Der Karboden stürzt meist unvermittelt und oft in steiler Wand auf eine tiefere Tal- (oder Erosions-)stufe ab; nicht selten finden sich Seen mitten im K. (vgl. Tafel Meyers »Seebildungen I«, Fig. 1). Das Wort kommt auch in Namen von Bergen, Gletschern etc. vor, z. B. Karwendel, Schöttelkarspitze, Eiskar, Gemskarkogel u. a. Vgl. Ed. Richter, Geomorphologische Untersuchungen in den Hochalpen (Gotha 1900).
 
Artikelverweis 
Kara (türk.), in zusammengesetzten Ortsnamen, bedeutet »schwarz« (Gegensatz: Ak, »weiß«).
 
Artikelverweis 
Kara Aghatsch, Eisenbahnstation von Adrianopel, 4,5 km von ihm entfernt, Dorf mit englischem und italienischem Konsulat und 4000 Einw.
 
Artikelverweis 
Kara-Amid, Stadt, s. Meyers Diarbekr.
 
Artikelverweis 
Karabacek, Joseph, Orientalist, geb. 20. Sept. 1845 in Graz, habilitierte sich 1868 als Privatdozent für Geschichte des Orients an der Universität Wien und wurde 1872 zum Professor ernannt; im August 1899 wurde er Direktor der Hofbibliothek in Wien. Außer zahlreichen Abhandlungen über orientalische Kultur und Kunst (»Die persische Nadelmalerei in Susanschird«, Leipz. 1881; »Das arabische Papier«, Wien 1887) schrieb er: »Beiträge zur Geschichte der Mazjaditen« (Leipz. 1874). Hervorragende Verdienste erwarb er sich um die Ordnung und Bearbeitung der bedeutenden Papyrusfunde von El Fayum, von denen Erzherzog Rainer 1882 einen großen Teil erwarb. Er schrieb darüber: »Der Papyrusfund von El Faijum« (Wien 1882); »Ergebnisse aus dem Papyrus Erzherzog Rainer« (das. 1887); »Die Th. Grafschen Funde in Ägypten« (das. 1883, gleichzeitig Katalog); »Mitteilungen aus der Sammlung der Papyrus Erzherzog Rainer« und »Papyrus Erzherzog Rainer. Führer durch die Ausstellung« (das. 1894).
 
Artikelverweis 
Karabagh (pers., »schwarzer Garten«), ehemals selbständiges Chanat, jetzt der südlichste Teil des russ. Gouvernements Jelissawetpol in Transkaukasien (s. Karte »Kaukasien«), von Persien durch den Araxes getrennt, mit den Bezirken Schuscha, Dschewanschir, Sangesur und Dschebrail, ein von Ausläufern des armenischen Hochlandes (Karabaghbergen) erfülltes Gebirgsland, das im Kapudschich 3918 m, Gjamysch (Kjambu) 3740 m u. a. die Schneegrenze überragt, im O. aber in die Schirimkumsteppe übergeht. Die meist türkischen und armenischen Einwohner treiben Acker- und Obstbau, Viehzucht, Seidenraupen- und Bienenzucht. Hauptstadt ist Schuscha. Das Land stand unter armenischen Fürsten (Melik), bis die tatarischen Einwohner den Dorfältesten Pana-Chan zum Fürsten erhoben, der Schuscha erbaute und zur Residenz machte. Der letzte karabaghische Chan, Mechti Kuli, floh 1822 nach Persien, worauf die Russen K. unter ihre Verwaltung nahmen. Vgl. Radde, Karabagh (Gotha 1890).
 
Artikelverweis 
Karabaks, s. Meyers Pferde (Rassen).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 101 bis 110 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
101) Lügde
 ... ( Villa Ludihi ) feierte Karl d. Gr. 784 das Weihnachtsfest.
 
102) Lyra
 ... als Pastor prim . in Gehrden (Hannover), komponierte eine Weihnachtskantate, liturgische Altarweisen und Lieder (gesammelt als »Deutsche Weisen«, 5 Hefte),
 
103) Mannhardt
 ... »Die Götter der deutschen und nordischen Völker« (das. 1860) und »Weihnachtsblüten in Sittte und Sage« (das. 1864). Aus Gesundheitsrücksichten zog er
 
104) Matutinum
 ... rezitiert werden. Im Volksmund heißt die vor der Mitternachtsmesse zu Weihnacht feierlich gesungene Matutin Christmette , die ebenfalls feierlicher abgehaltene
 
105) Menzel
 ... den ersten Rang ein, die M. als Transparentbilder für die Weihnachtsausstellungen im Berliner Akademiegebäude malte: Christus unter den Schriftgelehrten (1851, existiert
 
106) Messe
 ... Erlaubnis an einem Tage nur eine M. lesen, nur am Weihnachtsfest (25. Dez.) sind ihm drei Messen erlaubt. Nach den bestimmten
 
107) Meyer
 ... aus dem Familienleben: das Jubiläum eines hessischen Pfarrers (1843), der Weihnachtsabend, die Wochenstube, die Heimkehr des Kriegers, die Überschwemmung (1846), die
 
108) Michăel
 ... wegen freimütiger Äußerungen zum Tode verurteilt. Eine Verschwörung gegen Leo (Weihnachten 820) befreite ihn, und noch mit Ketten belastet wurde er
 
109) Mysterĭen
 ... auf Straßen und öffentlichen Plätzen, besonders zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Geschichtlich kann man die M. auf kirchliche Zeremonien des 8.
 
110) Narrenfest
 ... innocentium , Dezemberfreiheit ), im Mittelalter ein Volksfest um Weihnachten, besonders 28. Dez., 1. und 6. Jan., wahrscheinlich ein Rest
 
Artikel 101 bis 110 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer