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Kapitōl bis Kapitulation (Bd. 6, Sp. 592 bis 594)
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Artikelverweis Kapitōl (lat. Capitolium), die Burg des alten Rom und als solche sowie als Stätte des römischen Nationalheiligtums der religiös-politische Mittelpunkt des Reiches, lag auf der südwestlichen Kuppe des kapitolinischen Hügels (Mons Capitolinus), der sich aus der Tiberniederung zu 50 m Höhe ü. M. erhebt und durch das Tal Velabrum von dem südöstlich liegenden palatinischen Hügel getrennt wird (vgl. den Plan des alten Rom bei Art. »Rom«). Dieser kleinste der sieben Hügel Roms (sein Umfang beträgt wenig über 1000 m) besteht aus drei Teilen: dem südwestlichen Gipfel mit dem Palast Caffarelli (jetzt deutsche Botschaft), dem nordöstlichen mit der Kirche Santa Maria in Araceli und der beide trennenden Vertiefung mit den Museen. Der nur auf der Südostseite nach dem Forum zu durch einen fahrbaren Weg (Clivus Capitolinus) zugängliche, sonst überall steil abfallende Berg wurde der Sage nach bereits durch Servius Tullius mit einem Mauerring umgeben, von dem an der Nordwestseite noch Überbleibsel gefunden wurden. Aber erst die Tarquinier erhoben den Berg, bez. dessen Südwestkuppe durch den Bau des Jupitertempels zu seiner staatlichen Bedeutung als idealen Hauptes der, Siebenhügelstadt. Unter Tarquinius Priscus begonnen, wurde der Bau kurz nach der Vertreibung des Tarquinius Superbus 509 vollendet. Daß derselbe an Stelle des Palastes Caffarelli gestanden hat, ist durch

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die 1865, 1875 und 1876 unter Leitung von Jordan und Lanciani angestellten Ausgrabungen endgültig erwiesen worden. Über der Erde befindet sich jetzt nur ein Stück des Fundaments; auch sind dem Tempel angehörige Architekturfragmente aus Marmor gefunden worden. Seine Vorhalle hatte dreimal sechs Säulen, die nach etruskischer Weise weit (9,210,9 m von Zentrum zu Zentrum) voneinander abstanden; an den beiden Seiten zog sich je eine Säulenreihe entlang. Das Tempelhaus selbst war 30,5×28,75 m groß und durch Längswände in drei Zellen für Jupiter, Minerva und Juno geteilt. Der Tempel wurde wiederholt durch Feuer zerstört, aber immer wieder und unter Beibehaltung des alten Grundplans, jedoch in größerer Höhe und mit prächtigerer Ausstattung aufgebaut, so 69 v. Chr. durch Q. Lutatius Catulus, 70 n. Chr. durch Vespasian und zehn Jahre später durch Domitian, der ihn mit prächtigen Säulen von pentelischem Marmor schmückte. Erst im Mittelalter ging er dann allmählich durch Plünderung zugrunde. Der umgebende Tempelhof (Area Capitolina), in dem sich unter andern Tempel des Jupiter Custos und des Fides und zahlreiche Denkmäler befanden, war mit einer Mauer umgeben. Außerhalb dieser an der Südecke des Hügels lag der Tarpejische Fels, von dem in älterer Zeit die Staatsverbrecher hinabgestürzt wurden. Auf dem nordöstlichen, 49 m hohen Hügel war die Burg (Arx) errichtet; 344 v. Chr. wurde hier ein Tempel der Juno Moneta erbaut, mit dem später auch das Münzamt verbunden wurde. Nach dem Forum zu war die obenerwähnte Einsattelung begrenzt durch das großartige Tabularium mit dem Staatsarchiv, von Quintus Lutatius Catulus 78 v. Chr. errichtet, dessen Unterbau aus Peperinquadern in das Untergeschoß des jetzigen Senatorenpalastes verbaut ist. Mit dem Erwachen des städtischen Freiheitsgeistes wurde das K. wieder politisches Zentrum der Stadt; über den Trümmern des Tabulariums erhob sich im 12. Jahrh. der Senatorenpalast, 1348 wurde die große Treppe von Araceli angelegt. Die jetzige Gestalt des Kapitols beruht auf den Plänen Michelangelos, den Papst Paul III. mit einer würdigen Ausschmückung der alten Nationalstätte betraute, der selbst aber nur die herrliche Doppeltreppe vor dem Senatorenpalast ausführen konnte. Auf der früher schroff abfallenden Nordwestseite des Hügels führt seitdem von der modernen Stadt her (neben der Treppe von Araceli) eine breite Rampe hinauf zur Einsattelung, der Piazza di Campidoglio. Am obern Ende der Rampe stehen auf kräftigen Piedestalen die antiken Statuen von Kastor und Pollux mit ihren Pferden, während die Mitte des Platzes die schöne, einst ganz vergoldete bronzene Reiterstatue des Kaisers Mark Aurel einnimmt. Im Hintergrund erhebt sich der Senatorenpalast mit der erwähnten Freitreppe, schöner Brunnenanlage und viereckigem Turm, südwestlich der Konservatorenpalast (mit einer ausgezeichneten Sammlung antiker Bronzen, Marmorstatuen, Reliefs, einer etruskischen Sammlung, Büsten berühmter Männer, einer Gemäldesammlung), gegenüber das berühmte kapitolinische Museum (Museo Capitolino), das eine ausgezeichnete Sammlung von Antiken, eine Schöpfung der Päpste, enthält. Vgl. Jordan, K., Forum und Sacra Via (Berl. 1881) und Topographie der Stadt Rom, Bd. 1, Abt. 2 (das. 1885); Righetti, Descrizione del Campidoglio (Rom 183550, mit 390 Tafeln); Helbig, Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1899); Hülsen, Bilder aus der Geschichte des Kapitols (Rom 1899); Rodocanachi, Le capitole romain antique et moderne (Par. 1904).
   Nach dem Vorbilde des Kapitols in Rom besaßen übrigens auch andre Städte des römischen Reiches Kapitole als munizipale und religiöse Zentren, z. B. Verona, Benevent, Cirta und Lambäsis in Numidien, Visontio etc. (vgl. Kuhfeldt, De capitoliis imperii romani, Berl. 1883), wie denn auch der Palast des Vereinigten Staaten-Kongresses in Washington den Namen K. führt.
 
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Kapitolinische Hochzeit, antike marmorne Einfassung eines Brunnens im kapitolinischen Museum zu Rom (im 18. Jahrh. vor der Porta del Popolo gefunden), auf der die zwölf Götter in feierlichem Zug und in archaisierender Auffassung dargestellt sind. Die Hochzeit der Athene und des Herakles soll das Motiv der Darstellung bilden.
 
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Kapitolinisches Museum, s. Kapitol.
 
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Kapitolinische Wölfin, Bronzefigur einer Wölfin mit den (im 16. Jahrh. durch Guglielmo della Porta hinzugefügten) saugenden Zwillingen Romulus und Remus im Konservatorenpalast auf dem Kapitol in Rom. Sie wird von einigen für ein Werk etruskischer Künstler aus der Zeit um 300 v. Chr. von andern für eine Arbeit des 5. Jahrh. v. Chr. gehalten. Nach andrer Vermutung soll sie mittelalterlichen Ursprungs sein, was aber nach der Beschaffenheit der unberührten Teile der stark zerstörten und restaurierten Figur nicht wahrscheinlich ist.
 
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Kapitulant, s. Meyers Kapitulation 2).
 
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Kapitulantenschulen wurden 1876 in Preußen, dann im ganzen deutschen Heere zur Hebung der Bildung der Unteroffiziere eingerichtet, zunächst in zwei Stufen, deren erste Schreiben, Lesen, Rechnen, Geographie und Geschichte umfaßt, während für die zweite außer Vervollkommnung in diesen Fächern noch Zeichnen hinzutritt. Eine seit 1899 eingerichtete dritte Stufe bereitet ältere Unteroffiziere auf ihre spätere Zivilstellung vor (Französisch, Gesetzeskunde etc.). Der Unterricht erfolgt im Winterhalbjahr durch Militär- und Zivillehrer. Bei den Spezialwaffen können ihrer Eigenart entsprechend noch besondere Unterrichtsgegenstände hinzutreten. S. auch Meyers Kompanieschule und Bataillonsschule. Vgl. v. Wedell, Leitfaden für den Unterricht auf der Kapitulantenschule (10. Aufl., Berl. 1899).
 
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Kapitulantenzulage, s. Meyers Kapitulation 2).
 
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Kapitulār (Domkapitular), s. Meyers Kapitel.
 
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Kapitularĭen (lat. Capitularia) hießen in karolingischer Zeit von ihrer Einteilung in mehrere kleine, mit fortlaufenden Zahlen versehene Abschnitte (capitula) die Satzungen der fränkischen Könige, unter den Merowingern auctoritas, edictum, praeceptum, decretio genannt. Es gab drei Arten von K.: die Capitularia legibus addenda (addita), pro lege tenenda, bezweckten die Fortbildung der Volksrechte (s. Meyers Volksrecht), die Capitularia per se scribenda wurden vom König allein oder doch nur unter Mitwirkung der Großen auf den Reichstagen erlassen, die Capitula missorum sind Instruktionen für die königlichen missi zur Vornahme der Aufsichtsreisen. Sie sind in lateinischer Sprache abgefaßt. Die älteste, aus vier Büchern bestehende Sammlung der K. stammt vom Abt Ansegis von Fontanella (um 827). Die um die Mitte des 9. Jahrh. wahrscheinlich durch Benediktus Levita zusammengestellte Sammlung ist eine absichtliche Fälschung, die allerdings auch einige echte K. enthält. Die fränkischen K. sind herausgegeben von Baluzius

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Capitularia regum Francorum«, 16771780), von Pertz in den »Monumenta Germaniae historica«, Bd. 1 u. 2; in verbesserter Ausgabe von Boretius und Krause und dann von Zeumer u. Werminghoff (Hannover 188397). Vgl. Boretius, Beiträge zur Kapitularienkritik (Leipz. 1874); Seeliger, Die K. der Karolinger (Münch. 1893).
 
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Kapitularvikār, s. Meyers Kapitel.
 
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Kapitulation (neulat.), 1) Vertrag, namentlich eine in verschiedene Abschnitte (Kapitel) eingeteilte völkerrechtliche Abmachung; insbes. ein Vertrag zwischen zwei kriegführenden Korps wegen Einstellung des Kampfes. Fehlt es der Besatzung eines festen Platzes an Munition oder an Lebensmitteln und ist Entsatz durch Ersatztruppen nicht möglich, so ist die K. unvermeidlich. Will der Kommandant wegen der K. unterhandeln, so gibt er dies dem Angreifer durch Ausziehen einer weißen Fahne zu erkennen und entsendet Parlamentäre zur Unterhandlung über die Kapitulationsbedingungen. Die Unterzeichnung der K. selbst geschieht durch die beiderseitigen Oberbefehlshaber. Die Bedingungen für die Besatzung sind entweder »Übergabe auf Gnade und Ungnade«, auf Grund welcher früher der Sieger die Kapitulierenden »über die Klinge springen lassen« durfte, nach der modernen Anschauung jedoch nur noch zu Kriegsgefangenen machen darf, oder »freier Abzug« mit ihrem Privateigentum, jedoch ohne Waffen, oder »Abzug mit Waffen und militärischen Ehren« in die Heimat, wie bei der K. von Belfort 1871, mit der Verpflichtung, eine bestimmte Zeit nicht gegen den Sieger zu fechten. Nach Vereinbarung von Zeit und Ort findet die Übergabe der Besatzungstruppen und Einzug des Siegers in die Festung, Übergabe der Pulvermagazine, Festungspläne etc. an hierzu delegierte Offiziere statt. Die Haager Kriegsrechtskonvention von 1899 bestimmt dagegen, daß die Bedingungen der K. den Forderungen der militärischen Ehre entsprechen müssen und von beiden Teilen gewissenhaft und peinlich zu beobachten sind. Kapitulationen von größern Truppenmassen oder Armeen im freien Felde kommen, wie leicht begreiflich, selten vor; besonders bekann le und historisch wichtige Fälle sind: die K. der Sachsen bei Pirna 16. Okt. 1757, die des preußischen Generals Fink bei Maxen 1759, die K. des Fürsten Hohenlohe bei Prenzlau 28. Okt. 1806, Blüchers bei Ratkau 7. Nov. 1806, Görgeis zu Világos 13. Aug. 1849. Die denkwürdigste K. aber ist die von Sedan 2. Sept. 1870, durch die sich Napoleon III. mit einer Armee von 83,000 Mann, der Festung Sedan und allem Kriegsmaterial den Deutschen ergab. Daneben ist vornehmlich der K. von Metz 27. Okt. 1870 und der von Paris 28. Jan. 1871 zu gedenken.
   2) K. (Dienstverpflichtung) heißt im deutschen Heere die Eingehung der Verpflichtung zu einer längern als der gesetzlichen Dienstzeit, im allgemeinen nur für Leute angängig, die Aussicht geben, als Unteroffiziere dem Dienst wesentlichen Nutzen zu bringen. Durch Abschluß der Kapitulationsverhandlung zwischen dem Kapitulanten einer- und der Truppe (Regiment etc.) anderseits wird das Anrecht auf das Kapitulationshandgeld (100 Mk.), die Kapitulantenzulage zur Löhnung, Umzugskosten bei Versetzung und das Eigentumsrecht an ausgetragenen Kleinbekleidungsstücken erworben. Die K. ist aufzuheben: bei schlechter Führung, Ehrenstrafen, Freiheitsstrafen über sechs Wochen und nach Übereinkunft mit Rücksicht auf häusliche Verhältnisse. Wird ein Kapitulant 4 Jahre weder gerichtlich mit Freiheitsstrafe noch disziplinarisch mit Arrest bestraft, so sind alle vor dieser Zeit erlittenen Disziplinarstrafen zu löschen. Nach der ersten K. erfolgt meist jährliche Erneuerung, diese fällt nach dem 12. Dienstjahre weg, und die Entlassung kann dann nur noch mit Zustimmung des Kapitulanten erfolgen. Vgl. »Besoldungsvorschrift für das preußische Heer im Frieden vom 10. März 1898«; v. Wenckstern, Der Kapitulant (3. Aufl., Minden 1898); Fircks, Taschenkalender für das Heer (Berl. 1905). S. Meyers Dienstprämie, Meyers Militärversorgung.
   3) Bezeichnung der völkerrechtlichen Verträge, die früher zwischen der Türkei und fremden Mächten (der erste von Frankreich 1535) und später zwischen den christlichen Staaten und den nichtchristlichen überhaupt zum Schutze der dort lebenden Christen abgeschlossen wurden. Der Ausdruck K. erklärt sich daraus, daß man ehedem mit der Türkei keinen eigentlichen Frieden, sondern nur Waffenstillstand abzuschließen pflegte. In neuerer Zeit sind von besonderer Bedeutung die zum Zweck des Rechtsschutzes der in Ägypten leben den Fremden mit der dortigen Regierung getroffenen Vereinbarungen (s. Meyers Internationale Gerichte). Endlich ist K. gleichbedeutend mit Meyers Wahlkapitulation (s. d.).

 

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