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Kanzleidirektor bis Kanzōne (Bd. 6, Sp. 582 bis 583)
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Artikelverweis Kanzleidirektor, s. Meyers Kanzlei.
 
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Kanzleiformat, Kanzleipapier, s. Meyers Papier.
 
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Kanzleischreiben (Lettre de chancellerie), die feierlichere Form der Mitteilungen von Souverän zu

[Bd. 6, Sp. 583]


Souverän. Das K. wird in förmlicher Weise abgefaßt, mit dem großen Staatssiegel versehen und meistens vom Minister des Auswärtigen gegengezeichnet. Minder feierlich ist das Kabinettsschreiben (s. Meyers Kabinett).
 
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Kanzleischrift, Schriftgattung (Deutsch), bei deren Zeichnung die geschriebene K. in edlen Formen nachgeahmt ist (s. Meyers Schriftarten). S. auch Meyers Schreibkunst.
 
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Kanzleisprache, deutsche, diejenige Art des schriftlichen Ausdrucks, die sich seit dem 14. Jahrh. in den deutschen Kanzleien entwickelte. Im 15. Jahrh. und im Beginn des 16. Jahrh. waren besonders die Sprache der kaiserlichen und der kursächsischen Kanzlei von maßgebendem Einfluß. Diese bildeten denn auch die Grundlage zu Luthers Bibelübersetzung und damit auch der neuhochdeutschen Schriftsprache. Kanzleistil, eine Art des sprachlichen Ausdrucks, die sich von der lebendigen Rede des Gebildeten, namentlich durch altertümlichen Wortschatz, formelhafte Redewendungen, verwickelten Periodenbau und langes Ausspinnen der Sätze unterscheidet.
 
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Kanzleistil, s. Kanzleisprache.
 
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Kanzleizeremoniell, s. Meyers Zeremoniell.
 
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Kanzler (lat. Cancellarius, franz. Chancelier, engl. Chancellor), der Beamte, der die Ausfertigung der Staatsurkunden zu besorgen hat. Die Kanzlerwürde war anfänglich eine der höchsten in den europäischen Reichen, die regelmäßig mit Geistlichen besetzt wurde, da diese fast allein im Besitz literarischer Kenntnisse waren. In Deutschland führte der Erzbischof und Kurfürst von Mainz den Titel Erzkanzler des heiligen römischen Reiches deutscher Nation. Der von ihm ernannte Vizekanzler war der eigentliche Reichsminister und mußte stets um den Kaiser sein. In Frankreich wurde der K. aus dem Stande der Rechtsgelehrten genommen; er war der oberste Staatsbeamte und wurde lebenslänglich ernannt. Da dies jedoch zu Unzuträglichkeiten führen konnte, wurde neben ihm noch ein Siegelbewahrer (Garde des sceaux) ernannt, welcher der eigentliche Justizminister war. In England ist der Großkanzler oder Lord-Kanzler (Lord High Chancellor of Great Britain) der erste Staatsbeamte, Mitglied des Geheimen Rats (privy Council), Präsident oder Sprecher des Oberhauses, Chef der Reichskanzlei, Justizminister und Vorsitzender des in dem obersten Gerichtshof bestehenden Appellationsgerichts (Court of appeal); er wird durch Übergabe des Staatssiegels ernannt und heißt daher auch Großsiegelbewahrer (Keeper of the Great Seal). Außerdem hat man in England noch einen K. des Herzogtums Lancaster und einen K. des Lehnshofs und der Finanzkammer (Chancellor of the Exchequer); letzterer ist der Finanzminister von England. Irland hat wieder seinen besondern Reichskanzler. In Deutschland wurden seit dem 15. Jahrh. auch die Präsidenten der obersten Gerichtshöfe K. genannt. In Preußen errichtete König Friedrich II. 1746 die Würde eines Großkanzlers, der an der Spitze der Justiz stand. Der erste und einzige war Samuel v. Cocceji (s. d.); später wurde der Fürst von Hardenberg zum Staatskanzler ernannt, nach dessen Tod aber diese Stelle nicht wieder besetzt. Nach der Verfassung des nunmehrigen Deutschen Reiches steht an der Spitze der Reichsverwaltung der Meyers Reichskanzler (s. d.), der den Vorsitz im Bundesrat führt und vom Kaiser ernannt wird. In Österreich führte eine Zeitlang Graf Beust den Titel »Reichskanzler«; außerdem wurden wiederholt Ministerpräsidenten zu Staatskanzlern ernannt. In der Schweiz ist der Bundeskanzler der Vorstand der Bundeskanzlei (s. Meyers Kanzlei). Auch die Bureauchefs der Konsuln und Gouverneure von Schutzgebieten führen zuweilen den Titel K. Endlich kommt die Bezeichnung K. als bloßer Titel vor. So gehört z. B. der »K. im Königreich Preußen« zu den vier großen Landesämtern des Königreichs Preußen und zu den erblichen Mitgliedern des preußischen Herrenhauses. Auch führt bei manchen Universitäten der Kurator den Titel K. Vgl. Stumpf, Die Reichskanzler (Innsbr. 186573, 3 Bde.); Seeliger, Erzkanzler und Reichskanzleien (das. 1889).
 
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Kanzler, Hermann, General im Dienste des Papstes, geb. 1822 in Baden, gest. 5. Jan. 1888, trat 1845 in den päpstlichen Militärdienst, kämpfte 1848 gegen Österreich, ward 1859 zum Obersten ernannt und nach seinem kühnen Durchbruch durch das piemontesische Korps von Pesaro bis Ancona von Lamoricière zum General befördert. Seit Oktober 1865 Oberkommandant des päpstlichen Heeres und Prominister der Waffen, kämpfte er 3. Nov. 1867 bei Mentana, leitete die Scheinverteidigung von Rom im September 1870 und behielt seine Ämter, obwohl sie durch die Einverleibung des Kirchenstaats in Italien jegliche Bedeutung verloren hatten, bis zu seinem Tode. Vgl. »Der italienische Raubzug wider Rom im September 1870«, mit Bildnis des Generals K. (Münster 1871).
 
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Kanzlist, ein auf einer Meyers Kanzlei (s. d.) beschäftigter Subalternbeamter.
 
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Kanzōne (ital. Canzone, »Lied«), eine lyrische Dichtform, die sich schon bei den Provenzalen und Nordfranzosen findet und von den Italienern besonders ausgebildet wurde. Sie dient stets nur zum Ausdruck der edelsten Gedanken und Gefühle und besteht aus einer Reihe gleichgeformter Strophen (bei den ältern Italienern meist 510), denen oft ein kürzeres »Geleit« folgt. Eine Strophe hat in der Regel 720 Verse, Endecasillabi, Settenari und selten Quinari. Meist hat jede Strophe neue Reime. Die Strophe zerfällt in zwei, seit Petrarca durch einen Reim verbundene ungleiche Teile. Der erste ist entweder ungegliedert (fronte), oder, weit häufiger, in zwei gleiche Teile gegliedert (piedi). Der zweite ist ungegliedert (sirima, coda) oder in zwei gleiche Teile gegliedert (volte, versi). Die Strophe hat piedi und volte, piedi und sirima oder fronte und volte. Fronte und sirima verwirft schon Dante. Das Geleit (congedo etc.) schließt sich im Bau genau an den zweiten Teil der Strophe an, nur braucht es nicht so lang zu sein. Ende des 17. Jahrh. führte Guidi die K. mit freien Strophen ein. Leopardi schrieb die berühmtesten dieser Art. In Deutschland dichteten Kanzonen außer den Romantikern (Schlegel etc.) Platen, Rückert, Zedlitz (»Totenkränze«), Bechstein (»Luther«), K. Förster, Dingelstedt, M. Waldau u. a. - In der Musik bezeichnete man mit K. im 15.16. Jahrh. vorzugsweise weltliche mehrstimmige Gesänge von volksmäßiger Faktur. Die Canzonette napoletane, siciliane und die ebenfalls zu den Kanzonen gehörigen Villoten und Villanellen etc. entsprechen den deutschen »Liedern« (Frische teutsche Liedlein, Gassenhäwerlin, Reuterliedlein etc.). Die bereits bei Johann de Muris (14. Jahrh.) vorkommende Bezeichnung Cantilena für mehrstimmige Sätze schlichter Faktur dürfte wohl die ältere Form des Namens sein. Kunstvoller als die italienischen waren die französischen Kanzonen (Chansons, Canzoni francesi) gearbeitet, die bereits gegen Ende des 17. Jahrh. durch die beiden Gabrieli auch auf die Orgel und ein Ensemble von Instrumenten übertragen wurden (Canzoni da sonar, auch kurzweg Sonate genannt). Vgl. Sonate.

[Bd. 6, Sp. 584]


 

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 ... ( Villa Ludihi ) feierte Karl d. Gr. 784 das Weihnachtsfest.
 
102) Lyra
 ... als Pastor prim . in Gehrden (Hannover), komponierte eine Weihnachtskantate, liturgische Altarweisen und Lieder (gesammelt als »Deutsche Weisen«, 5 Hefte),
 
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107) Meyer
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110) Narrenfest
 ... innocentium , Dezemberfreiheit ), im Mittelalter ein Volksfest um Weihnachten, besonders 28. Dez., 1. und 6. Jan., wahrscheinlich ein Rest
 
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