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Kant-Laplacesche Theorie bis Kantonreglement (Bd. 6, Sp. 578 bis 580)
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Artikelverweis Kant-Laplacesche Theorie, s. Kosmogonie und Meyers Welt.
 
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Kanton (franz., spr. -tóng), Landbezirk, Unterabteilung eines größern Bezirks, in Frankreich Bezeichnung für die aus mehreren Gemeinden bestehenden Unterabteilungen des Arrondissements; in der Schweiz, wo der Name seit der Mitte des 16. Jahrh. den ältern Namen »Ort« allmählich verdrängte, Bezeichnung für die einzelnen (selbständigen) Bundesglieder der Eidgenossenschaft; daher Kantönligeist etc., soviel wie engherziger Partikularismus etc. Über K. in militärischer Beziehung s. Meyers Kantonverfassung.
 
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Kanton (Canton, chines. Kwang-tschou- su), Hauptstadt der chinesischen Küstenprovinz Kwangtung, unter 23°8' nördl. Br. und 113°17' östl. L., am linken Ufer des Perl- oder Kantonflusses, der durch die Meyers Bocca Tigris (s. d.) in die Kantonstraße mündet. Das Thermometer steigt im Frühsommer bis 35,5° und sinkt im Winter bis 4,5°, Schnee kommt als Seltenheit vor. Die Stadt wird von einer 10 km langen, 12 m hohen und an der Krone 7 m breiten Mauer nebst Graben umgeben und zerfällt in die dem Fluß zugekehrte Neustadt und die durch Mauer mit Graben von ihr getrennte, fünf Sechstel der Gesamtfläche einnehmende alte Tatarenstadt, die aber nur im südlichen Teil Stadt, zum größten Teil noch Ackerland ist. Hervorzuheben sind hier der Palast des Generalgouverneurs, die Residenz des Tatarengenerals, das Konfuziuskollegium, die Prüfungshalle, der kaiserliche Tempel, die Fünfstockpagode, 120 andre Tempel, eine mohammedanische Pagode, mehrere buddhistische Klöster, die 1889 errichtete Münze, die mehr Prägemaschinen besitzt als irgend eine andre der Erde, der große Exerzierplatz und die großartige französische katholische Kirche mit zwei stattlichen Türmen. Neu-Kanton mit seinen dichtgedrängten, durch äußerst enge Gassen getrennten, meist einstöckigen, aber meist gemauerten Häusern ist die eigentliche Geschäftsstadt. Auf dem flachen, durch zahllose

[Bd. 6, Sp. 579]


Kanäle durchkreuzten Ufer (außerhalb der Mauer), z. T. auf Pfahlbauten, sowie in den bis nahe an die Flußmitte verankerten Booten der »Wasserstadt« wohnt gleichfalls eine zahlreiche Bevölkerung. Die Fremdenniederlassung befindet sich auf der Insel Schamien, die, ehemals eine Schlammbank, 18591861 durch die Regierung mit 325,000 Doll. Kosten verfestigt wurde. Die Engländer erhielten vier, die Franzosen ein Fünftel. Unter den erstern haben sich auch Deutsche, Amerikaner, Holländer niedergelassen. Am rechten Ufer des Flusses, K. gerade gegenüber, liegen die fast ganz in Baumgruppen verborgenen Häuser und Hütten von Honan auf der gleichnamigen Insel. Die Bevölkerung der Stadt wird auf 800,000 Seelen angegeben, darunter 2000 Mönche und Nonnen (neun Zehntel buddhistische); mehr als 100,000 Menschen wohnen auf den 84,000 Schiffen im Strom. Als Industriestadt nimmt K. unter allen Städten Chinas den ersten Rang ein als Hauptsitz der Seidenweberei und Seidenstickerei, durch Borten- und Schnurenfabrikation, Färberei und Appretur, Glasbläserei, Glas- und Steinschleiferei, Lackwaren- und Papierfabrikation, Holz- und Elfenbeinschnitzerei, Möbelschreinerei; in der Umgebung beschäftigt die Seiden-, Metall- und Porzellanindustrie ganze Dörfer, zur Zeit der Zuckerernte arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in den Zuckermühlen. Von europäischem Einfluß auf die fast rein chinesische Industrie Kantons ist bisher wenig zu verspüren; nur in den staatlichen Pulvermagazinen und Arsenalen wird ausschließlich fremdes Material verwendet. Der Handel Kantons, der vor dem Opiumkrieg (1841) und der Eröffnung andrer Häfen den ganzen Verkehr Chinas mit dem Westen darstellte, liegt zum größten Teil in englischen Händen, ist aber durch das die chinesischen Schiffe begünstigende Hoppo- (chinesische Seezoll-) Amt beeinträchtigt gewesen, das 1902 mit dem Seezollamt (früher nur für ausländische Schiffe) vereinigt

[Bd. 6, Sp. 580]


worden ist. Durch Konsuln sind fast alle europäischen Staaten und die Union vertreten. Über den umfassenden Küstenhandel werden nunmehr auch genauere Angaben veröffentlicht werden. Die Einfuhr ausländischer Waren betrug 1901: 16,514,578, die einheimischer Waren 19,839,346, die Ausfuhr 23,636,340 Haikwan-Taels. Werden die auch meist für K. bestimmten, in Kaulun und Lappa verzollten Waren eingerechnet, so ergeben sich 39,096,699, bez. 31,825,934, bez. 52,802,665 Haikwan-Taels, der Gesamtwert des Handels von K. stellte sich für 1901 also auf 123,725,298 Taels. Hauptposten der Ausfuhr sind Tee, Rohseide und Seidenwaren (für über 22 Mill. Taels), Matten, Zucker, Kassia, Tabak, Porzellan, Feuerwerkskörper; bei der Einfuhr Opium (für über 6 Mill. Taels), Baumwollenzeuge, Baumwollengarne, Wollwaren, Metalle, Petroleum, Kohlen, Erdnüsse. Der Handel Kantons wird stark durch das vor der Kantonstraße liegende Hongkong beeinflußt, wo der Schwerpunkt des auswärtigen Geschäfts liegt. Der eigentliche Hafen von K. ist das 50 km unterhalb gelegene Whampoa, da Schiffe mit mehr als 3,5 m Tiefgang nicht nach K. hinauskommen können. In Whampoa befindet sich ein Zollamt, große staatliche Docks, eine See- und Militärakademie, ein Torpedo- und Seeminendepartement. In den Hafen von K. (mit Whampoa) liefen 1901 ein: 3031 Schiffe fremder Bauart von 1,882,413 Ton., darunter 3002 Dampfer (1796 englische, 124 deutsche, 121 französische, 920 chinesische) von 1,879,651 T.; die deutsche Dampfschiffahrt steht an Tonnenzahl über der chinesischen. Der Schleppdampferverkehr ist auf dem Perl- und Westfluß sehr im Zunehmen. Die seit 1899 konzessionierte Eisenbahn K.-Hankou ist noch nicht begonnen, ebensowenig die ebenfalls bewilligte Bahn K.-Kaulun. Stadt und Hafen sind durch Forts und Batterien geschützt: auf den im N. der Stadt gelegenen Bergen liegen fünf kleine Forts, auf der Südseite vier, darunter Dutch Folly (aus »Fort«) auf einer kleinen Felseninsel mitten im Fluß, am Westende der Insel Whampoa, wo der Fluß durch eine Pfahlbarriere gesperrt ist, das Haukwa-, Napier- und Barrierenfort. Die Forts an der Bocca Tigris, mit vielen Geschützen armiert, aber ungeschickt gebaut, wurden in den Konflikten mit England 1841, 1847 und 1857 leicht genommen.
 
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Kantonade (franz.), der Raum der Schaubühne hinter den Kulissen.
 
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Kantonāl (franz.), zu einem Kanton gehörig, darauf bezüglich.
 
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Kantoniēre (ital.), in der Schweiz und Tirol Name der steinernen Zufluchtshäuser an den Alpenstraßen.
 
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Kantoniert (franz.) heißt eine Mauerecke oder ein eckiger Pfeiler, der in den Ecken mit einer in einen Falz gesetzten (s. Abbildung) oder einer vorspringenden Halbsäule besetzt ist.
 
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Kantonierung, s. Meyers Ortsunterkunft.
 
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Kantonisten, von der Meyers Kantonverfassung (s. d.) Friedrich Wilhelms I. herrührende volkstümliche Bezeichnung der ausgehobenen Rekruten, im Gegensatz zu den freiwillig Eingetretenen. Unsichere K., Wehrpflichtige, die sich der Gestellung entziehen, ohne sich der Fahnenflucht schuldig zu machen. In Rußland hießen Soldatenkinder, die gegen spätere Dienstverpflichtung auf Staatskosten erzogen wurden, früher ebenfalls K.
 
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Kantonnement (franz.), s. Meyers Ortsunterkunft.
 
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Kantonreglement, s. Meyers Kantonverfassung.

 

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