Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Kanalisierung bis Kananor (Bd. 6, Sp. 548 bis 550)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Kanalisierung (Flußkanalisierung), eine Art des Flußbaues, durch die vorzugsweise die Schiffbarkeit der Flüsse ermöglicht oder verbessert werden soll, aber auch die Landeskultur gehoben und die Industrie gefördert werden kann. Wenn ein Fluß zuzeiten so wenig Wasser führt, daß durch bloße Einengung des Niederwasserbettes auf die mit dem Bestande des Flußbettes verträgliche Breite (Normalbreite, s. d.) die Fahrwassertiefe immer noch zu gering bliebe, um die Fortdauer der Schiffahrt zu sichern, dann ist die K. des Flusses zu erwägen. Hierdurch sind z. B. in Frankreich sehr wasserarme Flüsse längst schiffbar gemacht worden. Die K. besteht in der Anwendung beweglicher Meyers Wehre (s. d.), um das Niederwasser aufzustauen, und in der Anlage von Kammerschleusen (s. Meyers Schleuse), um den Höhenunterschied zu überwinden zwischen den durch streckenweisen Aufstau gebildeten Haltungen oder, was dasselbe ist, zwischen Ober- und Unterwasser des betreffenden Wehres. Der Aufstau ist so zu bemessen, daß unterhalb jedes Wehres die geringste für die Schiffahrt festgesetzte Fahrwassertiefe auf die ganze Länge der Haltung mindestens erreicht wird. Bei vollschiffigen und höhern Wasserständen, also auch bei Hochwasser, wird die bewegliche Stauwand beseitigt, und das Wasser fließt ungehindert über den festen Unterbau des Wehres hinweg. Die Schiffahrt folgt dem Strom und nimmt ihren Weg durch eine als Schiffdurchlaß mit niedrigerer Schwelle ausgebildete Öffnung, während eine zweite Öffnung mit höherer Schwelle als Überfallwehr dient. Von niedrigen bis zu annähernd vollschiffigen Wasserständen nimmt die Schiffahrt ihren Weg durch die neben dem Wehr im Flußbett oder in einem Seitenkanal angebrachte Kammerschleuse. Am Ende der Schifffahrtzeit, also zu Beginn des Winters, muß das Wehr niedergelegt, d. h. die Stauwand entfernt werden.

[Bd. 6, Sp. 549]


Der Eisgang erfolgt später über das niedergelegte Wehr hinweg. Die Schiffahrt bewegt sich dann im offnen Strom, bis bei fallendem Wasser das Wehr ausgerichtet und die Schiffahrt durch die Kammerschleuse geleitet wird. Es ist von Fall zu Fall festzustellen, ob die Natur des Flusses nicht befürchten läßt, daß die, auf die feste Wehrschwelle niedergelegten, beweglichen Teile durch Grundeis, Eisverstopfungen u. dgl. beschädigt werden. Danach wird die Bauart des Wehres zu wählen sein. Die K. eines Flusses bedingt allzeit kostspielige Bauten. Allein, wenn z. B. ein kanalisierter Fluß dem Schiffer gestattet, unter allen Umständen sein Schiff mit 68000 Ztr. zu beladen, so wird er, trotzdem er Schleusen durchfahren und sich möglicherweise schleppen lassen muß, doch besser daran sein, als wenn im unkanalisierten Flust durch Wochen und Monate ihm nur 23000 Ztr. gestattet sind. Die Frage, wie im kanalisierten Fluß die Flößerei zu behandeln sei, ist von Fall zu Fall eingehend zu erwägen, insbes. ob sie bei niedrigem Wasser, wenn auch in beschränktem Maß, aufrecht erhalten und durch lange Floßrinnen geleitet werden könnte. Die Flößerei wird übrigens durch die Verfrachtung des Holzes in Schiffen vielfach verdrängt, denn durch das Flößen leidet die Güte und sinkt der Verkaufswert des Holzes, so daß die Nachfrage nach ungeflößtem Holz immer vorwiegt. Die Bedenken, die aus dem Grunde gegen die K. geltend gemacht werden, weil sie die freie Schiffahrt durch einen Teil des Jahres verhindert, sind teilweise berechtigt. Ein Entwurf, der den freien Fluß neben einem jederzeit leistungsfähigen Schiffahrtskanal bestehen läßt, verdient unter Umständen große Beachtung. Ein solcher mit Schleusen versehener Seitenkanal läßt sich oft z. T. im Flußbett oder doch im Hochwasserprofil anlegen. Für die Landeskultur wird die Flußkanalisierung wichtig, wenn durch Heben des Wasserspiegels eine Bewässerung der hochgelegenen Uferländereien vorgenommen werden kann, sie wirkt nachteilig, wo das Ufergelände niedrig ist und die Entwässerung erschwert oder der Grundwasserstand zu stark gehoben wird. Flußkanalisierungen erfordern daher in der Regel tief eingeschnittene Flußbetten. Zuweilen läßt sich das gestaute Wasser zum Betrieb von Fabriken mit benutzen. Die bekannteste K., die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland ausgeführt wurde, ist die des Mains von Frankfurt bis zum Rhein; durch sie hat sich der Schiffahrtsverkehr auf dem Main in den Jahren 188591 auf das Hundertfache des frühern Verkehrs gehoben. Die Arbeiten hierzu waren im Herbst 1886 beendet; es sind dazu aus öffentlichen Mitteln 5,5 Mill. Mk. aufgewendet worden. Der Tiefgang des Mains ist dadurch von 0,90 auf 2 m gebracht und erlaubt den größten Rheinbooten bis Frankfurt stromauf zu fahren. In Frankfurt enden die Anlagen in einem großen Hafen, der mit dem neuen Zentralbahnhof in Verbindung steht. Außerdem ist zu erwähnen die Saarkanalisierung von Saargemünd bis Luisenthal.
 
Artikelverweis 
Kanaljauche (Kanalwasser, Stadtlauge), die in den Kanälen der Meyers Kanalisation (s. d.) sich bewegende Flüssigkeit, s. Meyers Abwässer.
 
Artikelverweis 
Kanalriff (Wallriff), s. Meyers Koralleninseln und Meyers Korallenriffe.
 
Artikelverweis 
Kanalschiffahrt, s. Meyers Binnenschiffahrt und Meyers Kanäle.
 
Artikelverweis 
Kanalstrahlen. Teilt man eine Entladungsröhre (s. Meyers Elektrische Entladung, S. 614) durch das die Kathode bildende Metallblech derart in zwei Teile, daß der eine die Anode enthält, während beide Teile nur durch in der Kathode angebrachte Öffnungen miteinander in Verbindung stehen, so tritt auf der Seite der Kathode, die der Anode zugekehrt ist, das blaue Kathodenlicht auf, an der andern Seite hingegen zeigt sich ein rötlichgelbes Licht. Von einer jeden Öffnung der Kathode geht ein schwach divergentes Strahlenbündel aus. Im Gegensatz zu den schwach blauen Kathodenstrahlen, die gegen die Achse der Kathodenplatte divergieren, und zwar in um so stärkerm Maße, je größer der Grad der Luftverdünnung wird, konvergieren die gelben Strahlen gegen die Achse der Platte, und die Konvergenz nimmt zu mit wachsender Gasverdünnung. Die Achse eines jeden gelben Lichtbündels liegt in der Richtung, in der bei undurchbrochener Kathode der blaue Strahl vom Mittelpunkte der entsprechenden Öffnung austreten würde. Diese aus den Durchbohrungskanälen der Kathode hervorquellenden gelben Strahlen nennt Goldstein K. Am reinsten erhält man die K., wenn man als Kathode ein den Querschnitt der Röhre nahezu ausfüllendes Drahtnetz verwendet. Geht der Durchmesser der Kanäle bei bestimmter Plattendicke über ein gewisses Maß hinaus, so mischt sich den K. gewöhnliches Kathodenlicht bei. Je dicker die Kathodenplatte ist, um so größer können auch die Durchmesser der Kanäle, bei denen man noch reine K. erhält, werden. Während Kathodenstrahlen lebhafte Phosphoreszenz der Glaswände hervorrufen, besitzen K. diese Eigenschaft nur in schwachem Maße. Nach Goldstein (1902) ist sogar die gewöhnliche rotgelbe Fluoreszenz des von K. getroffenen Glases tatsächlich keine solche, sondern lediglich das Leuchten von vergastem Natrium. Nach W. Wien (1902) hängt die Fluoreszenzerregung von der Natur des Gases ab, ferner auch von der elektrostatischen und magnetischen Ablenkbarkeit der Strahlen. Aluminiumoxyd fluoresziert braun, grün oder blau, Magnesia rot, Zinkoxyd grün. Die Energie der K. beträgt etwa 1118 Proz. der dem Entladungsrohr zugeführten Energie. Sie werden selbst von starken Magneten nur in geringem Maße beeinflußt. Gegen elektrische Schwingungen üben K. eine starke Schirmwirkung aus, sie absorbieren dieselben in so hohem Maße, daß eine empfindliche Röhre hinter ihnen nicht mehr leuchtet. Endlich rufen sie im Gegensatz zu den Kathodenstrahlen, die reduzierend wirken, eine Oxydation hervor; allerdings wirken sie meist nur zersetzend. Metallniederschläge im Innern der Vakuumröhre werden durch auftreffende K. verflüchtigt. Nach der Ansicht von Goldstein, Wehnelt u. a. sind die K. identisch mit der dicht auf der Kathode haftenden leuchtenden Schicht auf der der Anode zugekehrten Seite; beide bestehen aus den von der Anode zur Kathode wandernden positiven Ionen, die beim Auftreffen auf die Kathode Kathodenstrahlen auslösen oder bei durchbrochener Kathode als K. weiterwandern. Für diese Auffassung spricht der Umstand, daß, wie ein in die Kanalstrahlenbündel gebrachter fester Körper einen Schatten wirft, so auch ein in den dunkeln Kathodenraum eingeführter Körper sich als Schatten auf der Lichthaut der ersten Kathodenschicht abzeichnet. Einen weitern Beweis liefert das Vorhandensein gewisser charakteristischer Eigentümlichkeiten im Spektrum beider, die in dem Spektrum der übrigen Teile des Kathodenlichts fehlen. Wien hat auch die positive Ladung der K. direkt nachgewiesen. Die Geschwindigkeit der K. fand er gleich 3,6×10: cm in 1 Sekunde, das Verhältnis von Masse zur Ladung in CGS-Einheiten 3,2×10-3, die Masse selbst 650 mal so groß wie die eines Wasserstoffatoms, die Ladung gleich der eines

[Bd. 6, Sp. 550]


Wasserstoffions. Man hat die K. auch Anodenstrahlen genannt, sie können indes nach Goldstein und Ewers unmöglich von der Anode ausgehen. Nach Goldstein (1902) treten den K. verwandte Strahlen tangential an einer gewöhnlichen Kathode aus. Die Strahlen der ersten Kathodenschicht sind den K. wohl ähnlich, aber nicht damit identisch.
 
Artikelverweis 
Kanalwage, s. Meyers Nivellieren.
 
Artikelverweis 
Kanalwasser, s. Meyers Kanaljauche.
 
Artikelverweis 
Kanalzellen, die axile Reihe zur Auflösung bestimmter Zellen im Hals- und Bauchteil der Archegonien (s. Meyers Farne, S. 335, und Moose).
 
Artikelverweis 
Kanan (Khanal), in Siam der Inhalt einer Kokosnuß mit gesetzlich 800 Reiskörnern = rund 0,5 Lit., 25 im Sad.
 
Artikelverweis 
Kanangaöl, s. Ylang-Ylangöl.
 
Artikelverweis 
Kananor (Cananore, Kannanur, »Krischnas Stadt«). Stadt im Distrikt Malabar der britisch-ind. Präsidentschaft Madras, am Arabischen Meer, hat einen wegen starker Brandung unsichern Hafen, festes Fort, große Kasernen, berühmte Moscheen, ist Sitz der Nachkommen der alten arabischen Seekönige, einer deutschen protestantischen, anglikanischen und katholischen Mission, Hauptquartier der Malabar- und Kanaradivision, hat eine Garnison von 2 Regimentern und (1901) 27,811 Einw. (3180 Christen), die Kokosnüsse, Hölzer und Pfeffer ausführen. Die sehr alte Stadt gehörte zum Reiche der Tschirrakal-Radscha. Vasco da Gama gründete hier 1498 eine Kolonie, 1502 eine Faktorei; 1656 erbauten die Holländer hier ein Fort, das sie verloren, als Haider Ali (176182) Malabar eroberte. Im Kriege mit seinem Sohn Tippu Sahib wurde es 1791 von den Engländern genommen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 101 bis 110 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
101) Lügde
 ... ( Villa Ludihi ) feierte Karl d. Gr. 784 das Weihnachtsfest.
 
102) Lyra
 ... als Pastor prim . in Gehrden (Hannover), komponierte eine Weihnachtskantate, liturgische Altarweisen und Lieder (gesammelt als »Deutsche Weisen«, 5 Hefte),
 
103) Mannhardt
 ... »Die Götter der deutschen und nordischen Völker« (das. 1860) und »Weihnachtsblüten in Sittte und Sage« (das. 1864). Aus Gesundheitsrücksichten zog er
 
104) Matutinum
 ... rezitiert werden. Im Volksmund heißt die vor der Mitternachtsmesse zu Weihnacht feierlich gesungene Matutin Christmette , die ebenfalls feierlicher abgehaltene
 
105) Menzel
 ... den ersten Rang ein, die M. als Transparentbilder für die Weihnachtsausstellungen im Berliner Akademiegebäude malte: Christus unter den Schriftgelehrten (1851, existiert
 
106) Messe
 ... Erlaubnis an einem Tage nur eine M. lesen, nur am Weihnachtsfest (25. Dez.) sind ihm drei Messen erlaubt. Nach den bestimmten
 
107) Meyer
 ... aus dem Familienleben: das Jubiläum eines hessischen Pfarrers (1843), der Weihnachtsabend, die Wochenstube, die Heimkehr des Kriegers, die Überschwemmung (1846), die
 
108) Michăel
 ... wegen freimütiger Äußerungen zum Tode verurteilt. Eine Verschwörung gegen Leo (Weihnachten 820) befreite ihn, und noch mit Ketten belastet wurde er
 
109) Mysterĭen
 ... auf Straßen und öffentlichen Plätzen, besonders zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Geschichtlich kann man die M. auf kirchliche Zeremonien des 8.
 
110) Narrenfest
 ... innocentium , Dezemberfreiheit ), im Mittelalter ein Volksfest um Weihnachten, besonders 28. Dez., 1. und 6. Jan., wahrscheinlich ein Rest
 
Artikel 101 bis 110 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer