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Kambiform bis Kambryk (Bd. 6, Sp. 501 bis 504)
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Artikelverweis Kambiform (lat.), s. Meyers Leitungsgewebe.
 
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Kambing, portug. Sundainsel, im äußersten Osten der Gruppe, zwischen den Inseln Ombai im W. und Wetter im O., nördlich von Timor, von dem aus sie verwaltet wird, 94 qkm, bis 1000 m hoch.
 
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Kambĭum, s. Meyers Bildungsgewebe.
 
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Kambodscha (Kambodja, Camboja), franz. Schutzstaat in Hinterindien (s. Karte »Französisch-Indochina«), zwischen 10°30'13°30' nördl. Br. und 103°50'106°20' östl. L., begrenzt von Siam im W. und N., Anam im O., von Kotschinchina im S. und dem Meerbusen von Siam im SW., 96,900 qkm mit (1900) 1,102,244 Einw., darunter 40,000 Malaien, 250,000 Chinesen u. Anamiten, 350 Christen. Längs der niedrigen Küste liegen zahlreiche kleine Inseln, deren Bewohner sich mit Trepangfischerei beschäftigen. Den Westen und Nordwesten durchziehen bis 1200 m hohe, bewaldete Hügelketten, den östlichen äußerst fruchtbaren flachen Teil durchfließt der hier durchweg schiffbare Mekong, der sich bei der Hauptstadt Pnom Penh in zwei Arme spaltet und zugleich den Abfluß des 2400 qm großen und bis 14 m tiefen Sees Tonlesap aufnimmt, ihm aber in der Regenzeit bedeutende Wassermassen zusendet. Das Klima ist angenehm; die Temperatur im Sommer übersteigt selten 33°, fällt im November bis Februar nur bei sehr kühlen Nächten bis 15°; mittlere Jahrestemperatur ist 26°. Die Pflanzenwelt bildet mit der von Anam und Siam ein eignes, durch zahlreiche Klusiazeen, besonders Gummiguttbäume ausgezeichnetes, aber wenige Palmen enthaltendes Gebiet und ist außerordentlich reich an kostbaren Hölzern sowie an Pfeffer, Kardamomen, Harzen, Lack u. a., die aber bisher wenig ausgebeutet sind. Die Tierwelt ist die ostindische; Tiger, Leoparden, Elefanten (das einzige Lasttier), Rhinozerosse, wilde Rinder bevölkern die großen Wälder; Blutegel und Moskitos sind arge Plagen. Von Metallen finden sich Gold, silberhaltiges Blei, Kupfer und Eisen, letzteres von den Kui gewonnen und bearbeitet. Die Bevölkerung besteht meist (906,255) aus Eingebornen und Malaien, im übrigen aus 70,295 Anamiten, 117,755 Chinesen und nur 497 Europäern. Die Eingebornen sind den Siamesen nahe verwandt, haben aber weit gröbere Züge, sind auch weniger zivilisiert, dabei friedlich und gelehrig, aber phlegmatisch. Sie leben meist an den Flüssen in Bambushütten auf Pfählen. Es herrscht Polygamie. Die größere Hälfte bilden die Meyers Khmer (s. d.); in den Bergen haben sich noch Reste der unzivilisierten Urbewohner (Kui, Penong, Stieng) erhalten. Die soziale Stellung wird bedingt durch die Einteilung in fünf Klassen; dies sind die (steuerfreie) zahlreiche königliche Familie, der Adel (Pré-Wong, Abkömmlinge der alten Könige), die Baku (Nachkommen der alten Brahmanen), die Buddhapriester, das übrige Volk (vgl. Faque in »Mémoires de la Société d'anthropologie«, 2. Serie IV, Par. 1893). Die Sklaverei ist seit 1884 abgeschafft. Die alte Sprache, jetzt mit zahlreichen Fremdwörtern versetzt, nähert sich dem Siamesischen und Anamitischen; Schrift und Literatur sind dem indischen Pâli entlehnt. Vgl. Aymonier, Dictionnaire français-cambodgien (Saigon 1874) und L'épigraphie kambodjéenne (das. 1881); Barth, Inscriptions sanscrites du Cambodge (das. 1885). Vorherrschende Religion ist ein mit Brahmanismus verquickter Buddhismus, worin die Mönche (Talapoins) eine große Rolle spielen; ihre beiden Oberhäupter stehen nur dem König nach. Die Malaien sind Mohammedaner. Die christliche Religion ist durch die katholische Kirche seit langer Zeit verbreitet worden, doch sind von 16,000 eingebornen Christen die meisten Anamiten und nur 900 Kambodschaner. In Pnom Penh besteht eine höhere Schule mit 276, außerdem eine Elementarschule mit 193 Schülern; sonst ist die Sorge für den Unterricht den buddhistischen Mönchen überlassen. Die Zeitrechnung ist eine dreifache: eine religiöse, eine politische und eine bürgerliche; die letzte, gebräuchlichste, beginnt 638 n. Chr. Hauptbeschäftigung ist Landwirtschaft. Man baut vornehmlich Reis, das Hauptnahrungsmittel, dann Baumwolle, Tabak, Mais, Zimt, Kaffee, Pfeffer (jährlich 750,000 kg), Indigo, Kardamomen, ausgezeichnete Areka- und Muskatnüsse. Auch gewinnt man Palmzucker, Wachs, Gummi; außerordentlich ergiebig ist die Fischerei im Tonlesap. Starke Ponies werden in Lande gezüchtet, auch die Seidenraupenzucht ist beträchtlich, ebenso die Weberei von schönen Seiden- wie von Baumwollenstoffen. In Khsach-Kandal bei Pnom Penh befinden sich wichtige Fabriken zur Schälung

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von Baumwollsamen. Der Handel zur See geht über Meyers Kampot (s. d.), den einzigen, aber nur für kleine Schiffe zugänglichen Hafen des Landes, sonst durch den Mekong über Saigon; daher wird auch die Handelsstatistik mit Meyers Kotschinchina (s. d.) gemeinsam verrechnet, wie auch Post und Telegraphen beiden Kolonien gemeinsam sind; die Einfuhr besteht hauptsächlich aus Salz, Wein, Geweben, Waffen. Das Geld- und Maßwesen ist dem anamitischen ähnlich; die alte Lochmünze aus unedlem Metall heißt Peti, 10 Schnüre von 60 solchen Tschutschu. Nach ausgiebiger Prägung des französischen Handelspiasters und seiner Teilstücke in Silber zu 20 und 10 Cent sowie in Bronze zu 1 und (Sapèque) 1/5 Cent verschwinden allmählich die heimischen Lochmünzen, die mexikanischen Piaster und siamesischen Münzen, das Kop oder Bat etwa = 1/2 Piaster. Man bedient sich neben den metrischen Maßen auch des chinesischen Handelsgewichts und für Reis des Thang von 48 Kätti; 1 Piom oder Wa = 2 m. In der Kolonie rechnen die Behörden wie in Frankreich und setzen den Piaster = 5,40 Frank; Chinesen zahlen häufig mit Blattgold, und im Handel mit Europa ist englische Rechnung üblich.
   Staatsverfassung und Geschichte. Der König (seit 1860 Norodom) hat absolute Gewalt über seine Untertanen und ist alleiniger Herr alles Grund und Bodens; die Zivilliste für ihn und die Prinzen beträgt 525,000 Piaster. Ihm zunächst steht der abgedankte König (eine regelmäßige Institution), der nächste Prinz von Geblüt und die erste Prinzessin (gewöhnlich die Königin-Mutter), dann folgen die fünf Minister. Seit 1884 ist die Verwaltung einem vom Generalgouverneur von Meyers Französisch-Indochina (s. d.) ressortierenden französischen Oberresidenten in der Hauptstadt Meyers Pnom Penh (s. d.) unterstellt, der das Recht privaten und persönlichen Zutritts beim König hat. Wenn auch die eingebornen Beamten noch ihr Amt unter der Aussicht der französischen Residenten oder Vizeresidenten in den acht Provinzen mit 33 Arrondissements ausüben, so bestimmen doch die Franzosen direkt über Steuern, Zölle, indirekte Abgaben, öffentliche Arbeiten etc. Frankreich hat hier 300 Mann Marinesoldaten stationiert. Die Einnahmen bestehen aus Grundsteuern (0,1 der Ernte), Frondiensten, Verpachtung von Domänen, Zöllen, Abgaben für einige Kulturen und für das Schlagen von Bäumen. Das Budget balancierte 1902 auf 2,033,653 Piaster.
   Um die Mitte des 1. Jahrh. n. Chr. sehen wir die Tschamim Besitz eines Reiches, das ungefähr die Größe des heutigen K. hatte und sich zeitweise auch über Südtongking, Anam und Kotschinchina erstreckte. Die Kultur war schon um 150 brahmanisch; namentlich Gott Siwa fand in zahlreichen prächtigen Tempeln, von denen noch jetzt großartige Ruinen zeugen, neben Wischnu (Prachttempel von Angkor Wât, laut Inschriften 825 erbaut) brünstige Verehrung. Erst mit dem Niedergange des Tschampareichs machte der Brahmanismus dem seit etwa 700 auftretenden Buddhismus schrittweise Platz, bis dieser 1320 zur Staatsreligion von K. erklärt ward. Inzwischen war das ältere Reich zu einem Seeräuberstaat herabgesunken; an seiner Stelle hatte sich ein Reich der ursprünglich ebenfalls brahmanischen Khmer, die sich seit dem 7. Jahrh. südwärts schoben, unter dem Namen K. zu großer Blüte entfaltet. Ein kräftiger Vorstoß des wilden Bergvolks der Thai wurde durch König Phra Ruang zurückgeschlagen, dessen mit 638 anhebende Regierung für die Zeitrechnung Mittelhinterindiens den festen Punkt abgibt. Doch 959 gründeten die von neuem vordringenden Thai auf Kosten des Khmerstaates ein selbständiges Reich, aus dem sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. Siam gebildet hat. Mit dem Verfall seiner Macht wurde K. der Zankapfel zwischen Anam und Siam, das 1353 und 1357 K. bekriegte und besiegte und 1385 sogar die Hauptstadt zerstörte; dasselbe Schicksal hatte die Residenz Lawek 1583, als der König von K. das mit Pegu kämpfende Siam hinterrücks überfallen hatte, aber dabei unterlag. 1610 fand das Christentum schüchtern Eingang in K. Bald danach fiel der Süden in die Gewalt Kotschinchinas (Anams). Ein Zurückweichen nach Saigon änderte an dem Niedergang nicht viel. Das Ende war, daß K. seit 1806 beiden Nachbarstaaten Tribut zahlen mußte. Nachdem Frankreich Kotschinchina besetzt hatte, schloß es 15. Juli 1864 einen Freundschaftsvertrag mit K., der aber erst 1867 Geltung erlangte, nachdem Siam die Schutzherrschaft über K. gegen Überlassung der Provinzen Angkor und Battombang anerkannt hatte. Ein zwischen Frankreich und K. 17. Juni 1884 abgeschlossener Vertrag stellte den jetzigen Zustand her (s. oben: Staatsverfassung). Seit 12. April 1888 bilden Kotschinchina, K., Anam und Tongking das einheitliche Verwaltungsgebiet Meyers Französisch-Indochina (s. d.). Als Frankreich 1893 in Konflikt mit Siam geriet, machten die Kambodschaner vergebens den Versuch, die beiden 1867 abgetretenen Provinzen wiederzugewinnen. Günstig wirkte die eingreifende Kolonisierung des Generalgouverneurs Doumer (18971902). König von K. ist seit dem Tode Norodoms (24. April 1904) Sisawath.
   Vgl. Aymonier, Le Cambodge (Par. 190004, 3 Bde.); Moura, Le royaume de Cambodge (das. 1882, 2 Bde.); Boumais u. Paulus, Le royaume du Cambodge (das. 1884); Delaporte, Voyage an Cambodge. L'architecture khmer (das. 1880); Leclère, Cambodge, contes et legendes (das. 1894) und dessen rechtsgeschichtliche Schriften; L. Henry, Promenade an Cambodge et an Laos (das. 1894); Lunet de Lajonquière, Inventaire descriptif des monuments du Cambodge (das. 1902); E. Kemy u. H. Arnaud, Histoire de l'établissement du protectorat français an Cambodge (Grénoble 1897); Emil Schmidt im 2. Bande von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1902).
 
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Kambodscha, Fluß, s. Meyers Mekong.
 
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Kambrais (franz., spr. kangbrä, eigentlich Toile de Cambrai, engl. Cambrics), locker gewebte, dünne Batistleinwand, auch Kammertuch und in Frankreich Claires genannt, wurde am schönsten zu Cambrais verfertigt. Das leinene Gewebe ist durch die überall aufgekommene Nachahmung in Baumwolle sehr in den Hintergrund gedrängt worden; man fertigt dergleichen Stoffe, die sich durch Feinheit, Schönheit und Billigkeit auszeichnen, glatt und gemustert, auch gedruckt und gestickt. Mittelfeine Ware heißt Baumwolltaft.
 
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Kambrer, altbritische Völkerschaft in Cambria (s. d.). Zur Literatur vgl. die Artikel »Britannien« (S. 431) und »Großbritannien« (S. 418).
 
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Kambriks, Baumwollenstoff mit eingepreßten Figuren zu Frauenrockfutter, mit 28 Ketten- und 27 Schußfäden auf 1 cm. Garne: Kette Nr. 30 engl. = 50 metrisch Schuß Nr. 38 engl. = 64 metrisch Bindung Leinwand. Für Verbandzwecke ist ein dünner, gebleichter Baumwollenstoff mit 15 Ketten- und 10 Schußfäden auf 1 cm. Kette Nr. 40, Schuß Nr. 8 engl. Auch soviel wie Kambrais.

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Kambrische Formation (hierzu Tafel Meyers »Kambrische Formation«), nach ihrem Vorkommen in Cambria, dem heutigen Wales, 1833 von Sedgwick und Murchison benannte versteinerungsführende, alte Sedimentärgebilde, welche die kristallinischen Schiefer der Huronischen Meyers Formation (s. d.) diskordant überlagern und die Basis der Silurischen Meyers Formation (s. d.) bilden. Sie setzt sich aus meist stark gefalteten grünlichgrauen, rötlichen oder schwärzlichen, in der Regel stark glänzenden Tonschiefern, Grauwacken und Sandsteinen (in Norwegen z. T. Sparagmit genannt), untergeordneten Kalksteinen und in tiefern Lagern auch Konglomeraten zusammen; den Sedimenten sind vielfach Lager von Eruptivgesteinen, und zwar von Diabas (Böhmen, Vogtland, Norwegen, Wales) und Porphyr eingeschaltet.
   Die k. F. ist an organischen Resten nicht gerade sehr reich. Von Pflanzen sind tangähnliche Fukoiden zu erwähnen, die besonders dem schwedischen Fukoidensandstein eigen sind (vgl. Phycodes circinnatus aus dem thüringischen Phykodenschiefer auf der Tafel, Fig. 11); noch zweifelhafter sind die als Eophyton, Cruziana und Oldhamia bezeichneten Gebilde. Die Fauna umfaßt über 800 Arten. Die wichtigste Rolle spielen die Trilobiten, krebsartige Tiere, von denen die Gattungen Olenellus (Tafel, Fig. 17), Paradoxides (Fig. 1), Ellipsocephalus (Fig. 7), Sao (Fig. 5), Olenus (Fig. 10), Conocoryphe (Fig. 14), Agnostus (Fig. 9) etc. sehr charakteristische Formen geliefert haben. Unter den Brachiopoden sind die hornschaligen, schloßlosen Gattungen Lingula (Fig. 2 u. 12), Lingulella (Fig. 6), Obolus (Fig. 4) etc. sehr verbreitet, während die kalkschaligen und schloßtragenden Gattungen, wie Orthis (Fig. 8 u. 13), Leptaena etc., sich viel seltener einstellen. Im ganzen nur spärlich sind die Spongien (Protospongia, Archaeocyathus, Fig. 16), die Medusen, die Hydrozoen mit den Graptolithengattungen Dictyonema (Fig. 15) und Dendrograptus, die Gastropoden mit Bellerophon, Enomphalus, und der wohl auch zu den Pteropoden oder Conulariden gerechneten Gattung Hyolithes (Fig. 3) etc. und die Cephalopoden mit Orthoceras vertreten. Die eigentümlichen, oft meterlangen Gebilde der Nereïten (Fig. 18) werden als Kriechspuren von Ringelwürmern (Anneliden) gedeutet. Fische, Süßwasser- und Landtiere sowie Landpflanzen existieren noch nicht.
   Außer in England, Schweden, Norwegen, Böhmen und im Vogtland ist die k. F. auch in den russischen Ostseeprovinzen, in den Ardennen, in Spanien sowie in Nordamerika und in Ostasien verbreitet. In der Regel lassen sich drei Abteilungen der kambrischen Formation unterscheiden. In England, wo sich kambrische Ablagerungen in Wales, in Shropshire, Warwickshire und Herfordshire finden, sowie in Schottland und Irland liegen zu unterst meist sandig-schieferige Gesteine, z. T. dunkelviolette Schiefer und Sandsteine mit Trilobiten (besonders Olenellus), Nereïten und Lingula primaeva; es folgen als mittlere Abteilung Paradoxides, Conocoryphe, Agnostus, Orthis und Hyolithes führende Schiefer, dann als obere Abteilung etwa 1500 m mächtig entwickelte dunkle Tonschiefer mit eingelagerten Sandsteinen, Lingula flags, so benannt nach der oft massenhaft auftretenden Lingula (Lingulella) Davisii (Fig. 6) und Graptolithenschiefer (Dictyonemaschiefer) mit Dictyonema flabelliforme (Fig. 15), an die sich dann, den Übergang zur Silurischen Meyers Formation (s. d.) vermittelnd, die sogen. Tremadokschiefer anschließen, blaugraue Grauwackenschiefer und Sandsteine, reich an Trilobiten, wie Olenus, Conocoryphe und Agnostus, aber auch sehr viele silurische Typen enthaltend. Das Unterkambrium ist in Schweden als ein mächtiger Sandstein, an Kriechspuren (früher für Pflanzenreste gehalten) reich, unten als sogen. Eophyton-, oben als sogen. Fukoidensandstein entwickelt und enthält an seiner obern Grenze Reste von einer Olenellus-Art; das mittlere und obere besteht aus dunkeln, bituminösen Schiefertonen, sogen. Alaunschiefern, die unten durch die Trilobitengattung Paradoxides, oben durch die Gattung Olenus charakterisiert sind und demgemäß als Paradoxides- und Olenusschiefer bezeichnet werden. Auf Bornholm enthalten die Alaunschiefer Plattenkalke (sogen. Andrarumkalk) eingelagert. Hier und in Schweden liegen ebenso wie in England, in den Ostseeprovinzen und in den Ardennen an der Grenze gegen die silurische Formation Graptolithen, insbes. Dictyonema, führende Schiefer. Die Entwickelung der kambrischen Formation im baltischen Gebiet schließt sich der schwedischen an, nur ist der Alaunschiefer durch einen lockern gelblichen Sandstein (Obolussandstein), oft ganz erfüllt von Resten des Wurzelfüßers Obolus Apollinis (Fig. 4), vertreten; man hat den Sandstein wegen der Ähnlichkeit der Schalenabdrücke von Obolus mit einem Pferdehuf (ungula) auch wohl als Ungulitensandstein bezeichnet. In Böhmen wird die auf den vorkambrischen Přibramer Schiefern (Barrandes Etage A) diskordant ausgelagerte Přibramer Grauwacke (Barrandes Etage B, unten aus groben Konglomeraten, oben aus einem Wechsel von Grauwackensandsteinen, Quarziten, Schiefern und Konglomeraten zusammengesetzt) in das Unterkambrium gestellt, während die von Tonschiefern (mit Einlagerungen von Sandsteinen, Konglomeraten und Eruptivgesteinen) gebildete Primordialzone (C) Barrandes auf Grund ihrer Fauna (der sogen. Primordialfauna) dem Paradoxidesschiefer und somit dem mittlern Kambrium parallelisiert wird. Das obere Kambrium ist in Böhmen durch früher von Barrande zu seiner Etage D gerechnete, versteinerungsarme quarzitische Grauwacken (Diabase und Diahastuffe) vertreten. Mit den Diabasen in Verbindung stehen auch die reichen Blei- und Silbererzgänge, die in den Přibramer Schiefern und Grauwacken aufsetzen und Gegenstand eines sehr umfangreichen Bergbaues sind (s. Meyers Erzlagerstätten). Die kambrischen Schichten im mittlern Deutschland (phyllitische Tonschiefer und Phykodenschiefer mit Einlagerungen von Quarziten, Dachschiefern und Kieselschiefern in Thüringen und im Vogtland, Quarzite von Siegmundsburg in Thüringen mit Lingula, Schiefer von Leimitz bei Hof mit Trilobiten etc.) lassen keine sichere Identifizierung zu, ebensowenig die Tonschiefer und Phyllite des Hohen Venn und der Ardennen, wo in der Regel die von Salm (mit Dictyonema etc.) einer höhern, die von Revin und Fumay mit Eophyton, Oldhamia, Nereites (Fig. 18) einer tiefern Stufe des Kambriums zugerechnet werden. Besser charakterisiert durch eine reichere Fauna ist das Kambrium im südlichen Teil des französischen Zentralplateaus (Montagne noire); hier sind tiefere kambrische Schichten mit Archaeocyathus (Fig. 16) überlagert durch Paradoxides-Schiefer und diese durch Schiefer und Sandstein mit Kriechspuren (Fig. 18); auch in Spanien (Asturien, Leon und Aragon) und in Sardinien ist die Entwickelung eine ganz analoge. Sehr mächtig (45000 m) ist die kambrische Schichtenreihe in Nordamerika. Man unterscheidet dort über den an der Basis gelegenen Konglomeraten und

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Sandsteinen zunächst die Georgiagruppe, eine Folge von Sandsteinen, dolomitischen Kalksteinen und Mergeln, charakterisiert durch das Auftreten der Trilobitenart Olenellus (Olenellusschichten), dann als mittleres Kambrium die Paradoxides führenden Schiefer und Sandsteine (St. John- oder Akadische Schichten) und als oberes Kambrium den rötlich gefärbten sogen. Potsdamsandstein mit den Trilobitengattungen Dicellocephalus, Bathyurus, Agnostus etc., der den englischen Lingulaflags oder dem baltischen Ungulitensandstein gleichzustellen ist, und an den sich dann an seiner obern Grenze noch Dictyonema führende Schiefer anschließen. In Ostasien sind kambrische Schichten in China, Korea, Nordsibirien und Ostindien bekannt geworden. Die in China, besonders in der Provinz Liautung bis zu 6000 m mächtig entwickelte sogen. Sinische Formation ist auf Grund ihrer ziemlich reichen Fauna zur kambrischen Formation zu stellen. Sie besteht in ihrer untern Abteilung wesentlich aus rotem Sandstein, in ihrer obern Abteilung aus Kalksteinen, die wegen ihres Gehalts an Trilobiten, wie Conocoryphe und Agnostus, und an Brachiopoden, wie Orthis etc., als mittel- oder oberkambrisch anzusprechen sind. An der untern Lena, am Wiluifluß, am Olenek und an der Tunguska in Sibirien sind ebenfalls mittelkambrische Schichten mit Agnostus etc., aber auch unterkambrische mit Olenellus, Archaeocyathus etc. nachgewiesen worden. In Indien, in der östlichen Salt-Range, sind bis jetzt hauptsächlich nur unterkambrische Schichten mit Olenellus, Hyolithes etc. gefunden worden; hier sind dem Kambrium auch technisch wichtige Salzlager eingeschaltet. Über Verteilung von Wasser und Land zur Zeit der kambrischen Formation s. »Geologische Formationen«, Tafel III.-Vgl. die ausführlichen Literaturangaben bei Credner, Elemente der Geologie (9. Aufl., Leipz. 1903); Frech, Lethaea palaeozoica, Bd. 2 (Stuttg. 1897). S. auch Meyers Silurische Formation.
 
Artikelverweis 
Kambrisches Gebirge, s. Cambria.
 
Artikelverweis 
Kambryk, Stadt, s. Meyers Cambrai.

 

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101) Lügde
 ... ( Villa Ludihi ) feierte Karl d. Gr. 784 das Weihnachtsfest.
 
102) Lyra
 ... als Pastor prim . in Gehrden (Hannover), komponierte eine Weihnachtskantate, liturgische Altarweisen und Lieder (gesammelt als »Deutsche Weisen«, 5 Hefte),
 
103) Mannhardt
 ... »Die Götter der deutschen und nordischen Völker« (das. 1860) und »Weihnachtsblüten in Sittte und Sage« (das. 1864). Aus Gesundheitsrücksichten zog er
 
104) Matutinum
 ... rezitiert werden. Im Volksmund heißt die vor der Mitternachtsmesse zu Weihnacht feierlich gesungene Matutin Christmette , die ebenfalls feierlicher abgehaltene
 
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 ... den ersten Rang ein, die M. als Transparentbilder für die Weihnachtsausstellungen im Berliner Akademiegebäude malte: Christus unter den Schriftgelehrten (1851, existiert
 
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107) Meyer
 ... aus dem Familienleben: das Jubiläum eines hessischen Pfarrers (1843), der Weihnachtsabend, die Wochenstube, die Heimkehr des Kriegers, die Überschwemmung (1846), die
 
108) Michăel
 ... wegen freimütiger Äußerungen zum Tode verurteilt. Eine Verschwörung gegen Leo (Weihnachten 820) befreite ihn, und noch mit Ketten belastet wurde er
 
109) Mysterĭen
 ... auf Straßen und öffentlichen Plätzen, besonders zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Geschichtlich kann man die M. auf kirchliche Zeremonien des 8.
 
110) Narrenfest
 ... innocentium , Dezemberfreiheit ), im Mittelalter ein Volksfest um Weihnachten, besonders 28. Dez., 1. und 6. Jan., wahrscheinlich ein Rest
 
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