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Hormus bis Hornaci (Bd. 6, Sp. 556 bis 559)
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Artikelverweis Hormus (Ormuz), kahle, zu Persien gehörige Felsinsel in der gleichnamigen Meerenge, die den Persischen Meerbusen mit dem Indischen Ozean verbindet, Bender Abbas gegenüber, 15151622 unter den Portugiesen einer der wichtigsten Handelsplätze der asiatischen Meere, geriet aber nach der Eroberung durch Abbas d. Gr. in Verfall. Von der alten Stadt H., die 40,000 Einw. zählte, ist nur noch ein Ruinenfeld übrig; jetzt liegt nur ein Fort auf der Insel. S. Karte »Persien«.
 
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Hormuzân (Harmosan), pers. Satrap der Susiana, ward 640 n. Chr. nach tapferer Verteidigung in Schuschter von den Arabern gefangen genommen und nach Medina geschickt, wo Omar ihn zum Tode verurteilte, H. aber sich durch seine Geistesgegenwart das Leben rettete (vgl. die Romanzen »Harmosan« und »Hormusan« von Platen und Schwetschke). H. trat zum Islam über, wurde aber 644, weil er, vermutlich unschuldig, im Verdacht stand, die Ermordung Omars angestiftet zu haben, von dessen Sohn Abdallah getötet.
 
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Horn, der Auswuchs am Kopfe der Rinder, Ziegen etc., auch der Giraffe und des Rhinozeros; im weitern Sinn ähnliche Gebilde am Körper andrer Tiere, z. B. mancher Insekten. Echtes H. sind der solide Zapfen des Rhinozeros (Nashorns) und die hohlen Überzüge der Knochenzapfen der Wiederkäuer (Hohlhörnige, Cavicornia). Das Meyers Geweih (s. d.) der Hirsche besteht dagegen aus Knochensubstanz, ebenso das H. des Einhorns (Narwals), das ein Zahn (Stoßzahn) ist. Bei den Vögeln tragen der Kasuar und viele Nashornvögel ein H. auf dem Kopf oder dem Schnabel; auch der Sporn der Hühner etc. besteht aus Hornsubstanz. Diese bildet auch die Schwielen (Sohlenballen), die Schuppen der Säugetiere (Schuppentiere etc.), Vögel und Reptilien (Schildkröten, Schlangen etc.), die Federn bei den Vögeln, die Zungenstacheln der Katzenarten, die Hornzähne des Schnabeltiers, des Neunauges etc., die Barten des Walfisches, die Platten auf der Zunge, im Gaumen und im Magen der Vögel und mancher Säugetiere. Krankhaft sind mancherlei hornartige Bildungen bei Pferden, Katzen, Wölfen, bei Gänsen, Enten und Hühnern, bei Kapaunen hat man die Sporen in Kopfwunden eingesetzt und sie hier zum An- und Weiterwachsen gebracht. Das echte H. wie auch die Schuppen, Barten (Fischbein), Stacheln, Nägel, Hufe und die übrigen oben genannten Gebilde aus Hornsubstanz bestehen aus mächtigen Lagen von Oberhaut- (Epidermis-) Zellen, die verhärtet und bis zur Unkenntlichkeit abgeplattet sind, jedoch bei Behandlung mit Kalilauge zu erkennen sind. Beim Erwärmen wird das H. weich und läßt sich schweißen; beim Zerreiben entwickelt es einen eigentümlichen, vom Schwefelgehalt herrührenden Geruch. Verdünnte Kalilauge löst unter Bildung von Ammoniak den größten Teil des Horns auf; konzentrierte Essigsäure verwandelt es beim Kochen in eine Gallerte und löst eine Substanz auf, die durch Ammoniak wieder gefällt wird. Der Hauptsache nach besteht das H. aus einem Albuminoid Keratin (Hornstoff), das bei Extraktion mit Äther, Alkohol etc. zurückbleibt. Bei Behandlung mit Schwefelsäure liefert es wie Eiweißkörper Leucin und Tyrosin. Die Hörner der Tiere dienten den alten Völkern als Trinkgeschirre und zu Blasinstrumenten, wie dem Schosak der Juden. Da das H. als Zeichen der Macht, Kraft und Würde galt, so stellte man Götter, Heroen etc. gehörnt dar, wie z. B. Serapis, Ammon, Dionysos, Isis, Moses, Alexander d. Gr. und seine Nachfolger. Die Hörner der Opfertiere wurden bei den Griechen, Römern und Juden vergoldet. Vorgeschichtliche Horngeräte, aus Rinderhorn, kommen sehr selten vor, wahrscheinlich wegen der geringen Widerstandsfähigkeit gegen Verwesung und Verwitterung. Im Pfahlbau zu Schussenried (Württemberg) wurde ein kleiner, wohl als Schmuck dienender Gegenstand aus Horn gefunden. Über Hirschhorn s. d. findet gemeines Ochsenhorn, das aber nur Sekundaware bildet. Wertvoller sind die großen südamerikanischen Hörner, die an der Spitze bis zu einem Drittel abwärts schwarz, im übrigen weiß, in der Masse sehr fest, rein und durchscheinend sind und schöne Beize annehmen. Büffelhörner sind fest, von seiner Masse, dunkelbraun oder schwärzlich, nehmen schöne Politur an und kommen besonders aus Ungarn, Siebenbürgen, der Walachei, Italien, Spanien etc. in den Handel. Ziegen-, Widder- und Gemshörner sind von geringerer Bedeutung. Die massiven Spitzen der Hörner werden besonders von Drechslern, die Hohlstücke (Hornschroten) von Kammachern verarbeitet. Das rohe H. wird 26 Wochen in kaltes Wasser gelegt und dann leicht von dem Kern (Morch) befreit. Man sägt nun die massive Spitze des Hornes ab, legt das röhrenförmige Stück einige Tage in kaltes, dann einige Stunden in siedendes Wasser, erhitzt es über Feuer, schneidet es von einem Ende zum andern auf und biegt es unter fortwährendem Erwärmen zu Hornplatten auseinander, die zwischen warmen Eisenplatten eben gepreßt werden. Zu größerer Durchsichtigkeit wird das H. über Kohlenfeuer erweicht, abgeschabt, zwei Tage in kaltem und einige Stunden in heißem Wasser erweicht, in geschmolzenen Talg getaucht und zwischen erwärmten Eisenplatten stark gepreßt Zum Löten schrägt man die zu vereinigenden Kanten ab, reibt sie mit Schachtelhalm, stellt sie zur Entfettung kurze Zeit in heißen Alkohol und preßt sie zwischen den Backen einer ziemlich stark erhitzten Lötzange in einem Schraubstock stark zusammen. Größere Platten erweicht man vor dem Zusammenlöten in heißem Wasser und preßt sie nach dem Trocknen zwischen Kupferplatten. Längere Hornstäbe stellt man dar, indem man die in heißem Wasser erweichten Hornschroten in einer Spirale zu einem langen Streifen zerschneidet und zwischen erwärmten Walzen zu einem geraden Stab streckt und diesen in verschlossenen Eisenröhren so lange in siedendem Wasser läßt, bis er die Stabform der Röhre angenommen hat. Dieser Stab wird in Wasser oder Öl gelegt und zu Peitschenstöcken, Reitgerten, Schirmgestellen etc. benutzt. Zum Polieren des Horns dient Bimsstein, Tripel, Schachtelhalm etc.

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Die bei der Bearbeitung des Horns abfallenden Meyers Hornspäne (s. d.) werden als Dünger, als Streusand und in der Blutlaugenfabrikation angewendet; man vereinigt sie, sein gemahlen, aber auch wieder durch Pressen in heißen Metallformen zu einem Kuchen (Gießen des Horns), aus dem Dosen, Knöpfe etc. verfertigt werden. Zum Schwarzfärben legt man das H. in eine Lösung von 120 g Quecksilber in 120 g Salpetersäure und 500 g Wasser, spült es nach 12 Stunden gut ab, bringt es 12 Stunden in eine Lösung von 15 g Schwefelleber in 500 g Wasser und spült wieder. Um H. dem Schildpatt ähnlich zu machen, legt man es einige Stunden in ein Bad aus 1 Teil Salpetersäure und 3 Teilen Wasser von 3038°, bedeckt es dann stellenweise mit einem Brei aus 2 Teilen Soda, 1 Teil gebranntem Kalk und 1 Teil Mennige, spült es nach 1015 Minuten ab, trocknet durch Aufdrücken eines Tuches und legt es in ein Bad aus 4 Teilen Rotholzabkochung von 10° B. und 1 Teil Ätznatronlauge von 20° B., spült dann ab und trocknet und poliert es nach 1216 Stunden. Um dem H. ein metallartiges Ansehen zu geben, taucht man es in Chlorzink (gelb), chromsaures Zink (grün), Chlorkupfer (schwarz), chromsaures Kupfer (braun); Jodkalium, auf diesen Farben angebracht, verwandelt sie in Rot. Die eingetauchten Gegenstände werden bei 68° getrocknet und dann mit Musivgold abgerieben. Vgl. Kühn, Handbuch für Kammacher, Horn- und Beinarbeiter (2. Aufl., Weim. 1864); Schmidt, Beizen, Schleifen und Polieren des Holzes, Horns, der Knochen etc. (7. Aufl., das. 1891); Andes, Die Verarbeitung des Horns etc. (Wien 1885); Fischer, Bearbeitung der Hölzer, des Horns (Leipz. 1890); weitere Schriften von Siddon-Nöthling (5. Aufl., das. 1897), Soxhlet (Wien 1899) u. a.
 
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Horn (ital. Corno, franz. Cor, engl. Horn), das bekannte, durch Weichheit des Tones vor allen andern ausgezeichnete Blechblasinstrument, entweder als Naturinstrument (Naturhorn, Waldhorn, Corno di caccia, Cor de chasse, French horn) oder (in neuerer Zeit fast ausnahmslos) mit Ventilen, Zylindern, Pistons, d. h. einem Mechanismus, der die Schallröhre durch Einschaltung kleiner Extrawindungen verlängert und dadurch die Naturskala verschiebt (Ventilhorn). Auf dem Wald- oder Naturhorn (s. Tafel Meyers »Musikinstrumente III«, Fig. 1 la) werden Töne verschiedener Höhe nur durch verschieden starkes Überblasen hervorgebracht. Es ist ein sogen. Halbinstrument, d. h. so eng mensuriert, daß der tiefste Eigenton nicht anspricht, sondern sogleich in die Oktave überschlägt; obgleich die Schallröhre mehr als 16 Fuß lang ist (im Kreis gewunden), so ist doch der tiefste Ton des C-Horns das große und nicht Kontra-C. Man schreibt seltsamerweise diejenigen Töne des Horns, die man im Baßschlüssel notiert, eine Oktave tiefer, als man sie im Violinschlüssel notieren würde. Das Waldhorn existiert in den Stimmungen von hoch B bis tief A (eine Septime höher bis eine kleine Terz tiefer als die C-Stimmung). Während in der Tiefe der Umfang stets durch denselben Ton der Naturskala begrenzt wird (dem zweiten Ton der Reihe, vgl. Klang), bestimmt in der Höhe die wirkliche Tonhöhe die Grenze für den Orchestergebrauch (c´´ cis´´ d´´). Die nach der Tiefe hin immer größern Lücken der Naturskala werden z. T. ausgefüllt durch gestopfte Töne, da jeder Naturton um einen halben, zur Not auch um einen ganzen Ton dadurch vertieft werden kann, daß der Bläser die Hand in die Stürze schiebt. Stopftöne haben aber im Vergleich mit den natürlichen, weich und voll tönenden einen gepreßten, dumpfen Klang. Die Einführung der Ventile beseitigt die Notwendigkeit, gestopfte Töne zu gebrauchen, beläßt aber die Möglichkeit ihrer Anwendung für charakteristische Effekte. Man unterscheidet im Orchester erstes und zweites H., bei stärkerer Besetzung Gruppen zu je zwei Hörnern, von denen eins als erstes, das andre als zweites H. behandelt wird. Das erste H. gebietet über die höchsten, das zweite über die tiefsten Töne, jenes hat ein engeres Mundstück als dieses. Ein Mittelding, dem die höchsten wie die tiefsten Töne schwer werden, aber ein großer mittlerer Umfang zu Gebote steht, ist das von französischen Hornvirtuosen in Aufnahme gebrachte Cor mixte. Das Instrument wird zuerst 1637 von Mersenne beschrieben; seine älteste Stimmung ist die in hoch D (7 Fuß lang). Zuerst wurde es wohl, wie auch der Name Waldhorn andeutet, bei Jagden zum Signalgeben gebraucht (Prätorius [16201 nennt ein Instrument »Jägertrompete«). 1664 taucht es zuerst in einer Opernpartitur auf (in Lullys »Princesse d'Elide« als Trompe de chasse). Neben der ursprünglichen Stimmung in hoch D kamen allmählich tiefere auf, deren Zahl durch Einschaltung besonderer Bogen dicht unterm Mundstück (die sogen. Stimmbogen) um 1760 durch Hampel (»Inventionshorn«) derart vermehrt wurde, daß nun für alle Töne der chromatischen Skala besondere Hornstimmungen herstellbar wurden. Derselbe Hampel ist auch der Erfinder der Stopftöne. 1765 ersteht bereits in Rodolphe in Paris der erste bedeutende Hornvirtuos. Das um 1770 auftauchende Klappenhorn war nicht ein H., sondern ein Meyers Bügelhorn (s. d.). Seine Vollendung in bezug auf Spielgeläufigkeit erhielt aber das H. erst durch die von Blühmel und Stölzel in Breslau 1814 erfundenen und in der Folge von Dauprat (Paris, 1818), C. A. Müller (Mainz, 1830) und Sattler in Leipzig verbesserten Ventile (vgl. Piston). Stölzel selbst brachte zwei Ventile an, deren eins den Ton um einen halben, das andre um einen ganzen Ton, beide zugleich angewendet um eine kleine Terz erniedrigten; Müller fügte ein drittes Ventil hinzu, das, allein angewendet, den Ton um anderthalb, mit den beiden andern zugleich gebraucht, um eine übermäßige Quarte erniedrigt. Dem Ventilhorn (corno cromatico, s. Tafel Meyers »Musikinstrumente III«, Fig. 1 lb) steht eine chromatische Skala durch ca. drei Oktaven zu Gebote. Der Hornist Meifred in Paris erfand 1826 die »Auszüge« zur Regelung der Ventilröhrenstücke bei Einschaltung eines andern Stimmbogens (die Ventilhörner werden gewöhnlich in F gebaut). Andre unwesentliche Verbesserungen rühren von Cerveny in Königgrätz her (Tonwechselmaschine, vermittelst der man ohne Aufsetzen von Bogen nur durch Drehen eines Zeigers auf einem mit den chromatischen Tonstufen bezeichneten Zifferblatt die Stimmung des Instruments sofort beliebig verändern kann). Ein ganz neues System der Ventile (pistons indépendants) erfand in neuerer Zeit Ad. Sax in Paris. Danach wird durch die Ventile die Schallröhre nicht verlängert, sondern verkürzt, und statt dreier Ventile sind sechs angebracht. Notiert wird auch für das Ventilhorn stets die Naturstimmung der Instrumente als C dur. Aus der nicht gerade reichen Literatur für H. sei Schumanns Quadrupelkonzert für vier Hörner (Op. 86) hervorgehoben. Ausgezeichnete Hornschulen schrieben Domnich, Duvernoy, Dauprat, Gumbert und Kling. Das Posthorn ist keineswegs eine kleinere Hornart, hat vielmehr wie das Bügelhorn weitere Mensur, daher gemeinern Klang und die Möglichkeit der Benutzung

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seines tiefsten Naturtons; aus ihm entwickelte sich durch Anbringung des Ventilmechanismus das Cornet á pistons (s. Meyers Kornett). Vgl. Gumbert, Posthornschule (Leipz. 1904); Niemann, Das Posthorn (im »Daheim«, 1904, Nr. 34). Das Meyers Englisch Horn (s. d.) hat mit dem Waldhorn nichts gemein.
 
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Horn (großer H.), alter Name des Meyers Januars (s. d.).
 
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Horn, Kap, s. Meyers Hoorn.
 
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Horn, 1) Stadt im Fürstentum Lippe, am Teutoburger Wald und an der Staatsbahnlinie Herford-Altenbeken, hat eine alte gotische evang. Kirche, eine kath. Kirche, Synagoge, eine alte Burg, Amtsgericht, Sandsteinbrüche, Dampfmolkerei, 2 Dampfsägewerke und (1900) 2063 meist evang. Einwohner. Dabei die Meyers Externsteine (s. d.). H. erscheint schon 1248 als Stadt. 2) Stadt in Niederösterreich, an der Staatsbahnlinie Sigmundsherberg-Hadersdorf, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine alte Pfarrkirche, ein Piaristenkollegium, ein gräflich Hoyos-Sprinzensteinsches Schloß mit Park, ein Landes-Real- und Obergymnasium mit Konvikt, eine Sparkasse, Krankenanstalt und (1900) 2727 Einw. Südwestlich im Kamptal liegt die Rosenburg, ein wohlerhaltenes Schloß aus dem 16. Jahrh. mit schöner spätgotischer Kapelle, und westlich das 1144 gegründete Benediktinerstift Altenburg. 3) Früher Vorort im Osten von Hamburg, mit dem bekannten Rauhen Meyers Hause (s. d.), seit 1894 in Hamburg einverleibt. 4) Gemeinde im bremischen Gebiet, östlich von Bremen, an der Bremisch-Hannoverschen Kleinbahn und einer Straßenbahn nach Bremen, hat eine evang. Kirche, Idiotenanstalt, Kistenfabrik, Silberwarenfabrik u. (1900) 2968 Einw. 5) Stadt in Nordholland, s. Meyers Hoorn.
 
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Horn, 1) Georg, deutscher Historiker, geb. 1620 zu Kemnat in der Oberpfalz, gest. 10. Nov. 1670 in Leiden, studierte nach einer durch die Stürme des Dreißigjährigen Krieges bedrängten Kindheit 16371638 in Altorf und 164445 in Leiden, wurde Anfang 1648 dort zum Doctor theologiae promoviert, erhielt unmittelbar danach die Professur für Geschichte, Politik und Geographie an der neugegründeten geldrischen Universität Harderwijk und bekleidete seit 1653 als Nachfolger des Historikers Marcus Zuerius Boxhorn in Leiden dieselbe Professur, die vor ihm Scaliger, Voß und Saumaise innegehabt hatten. Groß ist die Zahl seiner Werke, die sich auf die Gebiete der Theologie, Geschichte, Medizin, Chemie und Orientalistik erstrecken, obwohl er seit 1665 zeitweise geisteskrank war. Epochemachend wurde er dadurch, daß er, entgegen der bis dahin gültigen Bierweltreichstheorie, mit der um 300 n. Chr. einsetzenden großen »skythischen« (d. h. teutonisch-hunnisch-slawischen) Völkerwanderung die alte Geschichte endigt (»Arca Noae«, 1666), und in seinem »Orbis politicus« (1667) scheidet er das »Medium aevum« (Mittelalter), das bis 1500 reiche, bereits deutlich von der Neuen Zeit. Vgl. v. Schmitz-Aurbach, Georg H. (Karlsr. 1880).
   2) Heinrich Wilhelm von, preuß. General, geb. 31. Okt. 1762 in Warmbrunn, gest. 31. Okt. 1829, verließ 1778 das Kadettenkorps, machte den Bayrischen Erbfolgekrieg und als Adjutant des Generals v. Grawert den Feldzug am Rhein 1793 mit, zeichnete sich bei der Belagerung von Danzig durch die Verteidigung des Hagelsbergs aus, erhielt 1808 das Kommando des Leibregiments, führte 1812 im russischen Krieg eine Brigade und im Befreiungskrieg 1813 eine Brigade des Yorckschen Korps; aber 1815 kam seine Brigade nicht vor den Feind. Einer der vorzüglichsten Truppenführer im Befreiungskrieg, wegen seiner eisernen Energie, seiner volkstümlichen Derbheit, seiner Herzensgüte und edlen Gesinnung als »der alte Herr« im Volk wie im Heer beliebt, zeichnete er sich besonders durch die Erstürmung von Wartenburg aus (3. Okt. 1813), wofür ihn Yorck besonders ehrte. 1817 wurde er Generalleutnant u. Kommandant von Magdeburg und 1820 kommandierender General des 7. Armeekorps. 1888 ward nach ihm das 29. Infanterieregiment benannt. Vgl. Wellmann, Leben des Generalleutnants H. W. von H. (Berl. 1890).
   3) Franz, Schriftsteller, geb. 30. Juli 1781 in Braunschweig, gest. daselbst 19. Juli 1837, studierte in Jena und Leipzig Philosophie und Geschichte, wurde 1803 Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, 1805 am Lyzeum zu Bremen, kehrte 1809 nach Berlin zurück, wo er privatisierte und Vorlesungen über Shakespeare und deutsche Literaturgeschichte hielt. Seine Romane, wie: »Guiscardo, der Dichter« (Leipz. 1801, neue Aufl. 1817), »Der Einsame« (das. 1801), »Otto« (Brem. 1810), »Kampf und Sieg« (das. 1811), »Liebe und Ehe« (Berl. 1819) etc., und »Novellen« (das. 181920, 2 Bde.), unter denen der »Ewige Jude« am bekanntesten wurde, waren nicht ohne Phantasie, aber süßlich und schwächlich in der Ausführung, so daß sie mit Recht rasch vergessen wurden. Etwas größern Wert beanspruchen seine literarhistorischen Arbeiten, z. B. »Umrisse zur Geschichte und Kritik der schönen Literatur Deutschlands während der Jahre 17901818« (Berl. 1819, 2. Aufl. 1821); »Die Poesie und Beredsamkeit der Deutschen von Luthers Zeit bis zur Gegenwart« (das. 182229, 4 Bde.); »Shakespeares Schauspiele erläutert« (das. 182331, 5 Bde.). Eine Auswahl aus seinem Nachlaß gaben G. Schwab und F. Förster heraus u. d. T.: »Psyche« (Leipz. 1841, 3 Bde.).
   4) Karl Friedrich Wilhelm, Freiherr von, bayr. General, geb. 16. Febr. 1847 in Würzburg, verließ, in der Pagerie zu München erzogen, 1866 das Gymnasium, ward bei Ausbruch des deutschen Krieges Leutnant im 1. Infanterieregiment, machte den Feldzug 1870/71 als Adjutant der 1. bayrischen Infanteriebrigade mit und besuchte 187174 die Kriegsakademie. Nacheinander Adjutant des Generals Freiherrn v: d. Tann sowie der bayrischen Kriegsminister v. Maillinger und v. Heinleth, war H. zwei Jahre lang (188688) zum preußischen Großen Generalstab kommandiert, ward 1891 Chef des Generalstabs des 1. bayrischen Armeekorps, 1895 Kommandeur des Infanterie-Leibregiments, führte 18961900 die 9. Infanteriebrigade in Landau, 190004 die 6. Division in Regensburg und wurde im März 1904 kommandierender General des 3. bayrischen Armeekorps in Nürnberg. ‚‚
   5) W. O. von, Pseudonym, s. Meyers Ortel.
 
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Horn, 1) Klas Kristersson, Freiherr, schwed. Feldherr und Admiral, geb. um 1517 in Åbo, gest. 19. Sept. 1566 in Östergötland, bekleidete seit 1553 in seiner finnländischen Heimat mehrere wichtige militärische Posten, ging 1561 im Auftrag Erichs XIV. (s. d.) nach Esthland, dessen Einwohner er bewog, sich der Krone Schweden freiwillig zu unterwerfen, focht nach Ausbruch des Nordischen siebenjährigen Meyers Krieges (s. d.) teils zu Lande, teils zur See mit Auszeichnung gegen Dänemark und verschaffte durch wiederholte glänzende Seesiege über die dänisch-lübische Flotte (156466) den Schweden die Alleinherrschaft auf der Ostsee. 1561 wurde er in den Freiherrenstand erhoben. Vgl. A. Munthe, Klas Kristersson H. (Stockh. 1902).

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   2) Gustaf, Graf, schwed. Feldherr, geb. 1. Nov. 1592 in Örbyhus (Upland), gest. 20. Mai 1657 in Skara, genoß eine treffliche Jugenderziehung, focht 161214 als Offizier im schwedisch-russischen Krieg und war 161920 an den Verhandlungen wegen der Heirat Gustav Adolfs mit der brandenburgischen Prinzessin Maria Eleonora (s. d.) hervorragend beteiligt. Seit 1621 Oberst, kämpfte er mit Auszeichnung gegen Polen und wurde 1625 Reichsrat, 1628 Feldmarschall sowie Oberbefehlshaber der schwedischen Armee in Livland, folgte 1630 Gustav Adolf, der ihn seine »rechte Hand« zu nennen pflegte, nach Deutschland und eroberte Kolberg, befehligte 1631 in der Schlacht bei Meyers Breitenfeld (s. d.) den linken Flügel und hierauf, ebenfalls zumeist siegreich, ein schwedisches Korps in Süddeutschland. Nach des Königs Tod (1632) entstanden zwischen H. und Herzog Bernhard von Weimar (s. Meyers Bernhard 8), den beiden Oberbefehlshabern der schwedischen Armee in Deutschland, häufig militärische Differenzen, die nach ihrer Vereinigung 1634 die Niederlage bei Meyers Nördlingen (s. d.) verschuldeten. H. wurde gefangen genommen und erst 1642 ausgewechselt. In seine Heimat zurückgekehrt, leitete er 1644 im schwedisch-dänischen Krieg erfolgreich eine Expedition gegen Schonen, wurde 1651 in den Grafenstand erhoben und trat 1653 als Generalfeldherr an die Spitze des schwedischen Kriegswesens. Seine Briefe 162554 an seinen Schwiegervater Axel Meyers Oxenstierna (s. d.) hat P. Sondén (Stockh. 1897) veröffentlicht. Vgl. Beßberg, Bidrag till historien om Sveriges krig med Danmark 16431645. G. Horns fälttåg (Stockh. 1895).
   3) Arvid Bernhard, Graf, schwed. Staatsmann, geb. 16. April 1664 auf Vuorentaka (Finnland), gest. 27. April 1742 auf Ekebyholm (bei Stockholm), stand 168795 in kaiserlichen, bez. in englisch-holländischen Kriegsdiensten und erfreute sich in den ersten Regierungsjahren Karls XII. der besondern Gunst des Königs, der ihn 1700 zum Generalmajor und Freiherrn, 1704 zum Generalleutnant, 1705 zum königlichen Rat, 1706 zum Grafen, 1710 zum Kanzleipräsidenten und damit zum Leiter der innern Politik des Reiches machte. 1704 Gesandter in Warschau, wo er die Wahl von Stanislaus Leszczynski zum polnischen König durchsetzte, geriet er vorübergehend in sächsische Gefangenschaft. Nach der Heimkehr Karls XII. aus der Türkei (1715) fiel er in Ungnade und erhielt, wenigstens faktisch, Meyers Görtz (s. d. 1) zum Nachfolger. Nach dem Tode Karls (1718) trug er zum Sturz der unumschränkten Königsgewalt wesentlich bei, beteiligte sich an der Ausarbeitung der neuen Verfassung und war zu Beginn der Meyers Freiheitszeit (s. d.) als Kanzleipräsident (172038) der eigentliche Regent Schwedens. Seine innere und äußere Politik, die eine Versöhnung der Parteien und, unter Wahrung der Selbständigkeit des Landes, den Frieden mit dem Ausland erstrebte, übte auf die wirtschaftliche Entwickelung Schwedens einen segensreichen Einfluß aus. Erst seit 1731 stießen seine Bestrebungen auf eine allmählich wachsende Opposition. Als die Partei der Meyers Hüte (s. d.) 1738 auf dem Reichstag zur Herrschaft gelangte, trat er zurück. Vgl. Svedelius, Arvid Bernhard H. (Stockh. 1879, 2 Tle.).
 
Artikelverweis 
Horn. oder Hornem., bei Pflanzennamen Abkürzung für Jens Wilken Hornemann, geb. 6. März 1770 auf Aerve, gest. 30. Juli 1841 in Kopenhagen als Professor der Botanik. Dänische Flora.
 
Artikelverweis 
Hornaci, s. Meyers Hornyaken.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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