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Horizont bis Horizontaltransport (Bd. 6, Sp. 550 bis 552)
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Artikelverweis Horizont (v. griech. horizein, »begrenzen«, Gesichtskreis), der Kreis, in dem sich scheinbar der halbkugelförmige Himmel und die Erdoberfläche schneiden, wenn man sich auf offenem Meer oder in einer weiten Ebene befindet. Der Standpunkt des Beobachters bildet den Mittelpunkt dieses Kreises. In der Astronomie unterscheidet man den scheinbaren und den wahren oder geozentrischen H.; ersterer ist der Durchschnitt der scheinbaren Himmelskugel mit der die Erde im Standpunkt A des Beobachters berührenden Ebene, letzterer der Schnitt einer parallelen, durch den Erdmittelpunkt O gelegten Ebene mit der Himmelskugel. In Fig. 1 bedeutet der kleine Kreis um O die Erde, der große die Himmelskugel; der scheinbare H. von A ist daher ein Kreis mit dem Durchmesser H1H1, der senkrecht zur Papierebene steht, der wahre H. aber hat HH als Durchmesser. Für einen Himmelskörper M mit merklicher Parallaxe, wie für den Mond, ist die auf den wahren H. bezogene Höhe h größer als die auf den scheinbaren H. bezügliche h 1, welche die Beobachtung liefert; der Unterschied ist der Winkel P 1, die sogen. Höhenparallaxe. Steht ein Himmelskörper für den Beobachter A im (scheinbaren) H., so ist seine Höhe über dem wahren H. noch gleich dem Winkel H1OH = P, der Horizontalparallaxe des Himmelskörpers; vgl. Parallaxe. Bei Beobachtung von Fixsternen kann man wegen der außerordentlich großen Entfernung derselben beide Horizonte als zusammenfallend betrachten. Die Ebene des Horizonts heißt die Horizontalebene; sie steht senkrecht auf der Richtung der Schwere, die uns das Lot, ein ruhendes Pendel, angibt, und wird unmittelbar durch die Oberfläche einer ruhenden Flüssigkeit bezeichnet. Darin liegt der Grund für die Verwendung der Wasserwage zum Horizontalstellen von Linien und Ebenen bei astronomischen und geodätischen Beobachtungsinstrumenten. Zu manchen Beobachtungen, insbes. zur Messung von Sonnen- und Sternhöhen auf dem Festland mit dem Spiegelsextanten, benutzt man eine spiegelnde horizontale Ebene, einen sogen. künstlichen H., um dann den scheinbaren Abstand (Winkelabstand) zwischen der Sonne oder dem Stern und dem Spiegelbild, also die doppelte gesuchte Höhe, messen zu können. In der Regel benutzt man hierzu ein flaches, mit Quecksilber angefülltes Gefäß (Quecksilberhorizont) oder eine mit Hilfe eines Niveaus horizontal gestellte Spiegelglasplatte. Der Kreis, in dem für unser Auge Himmel und Erde zusammenzustoßen scheinen, fällt indes niemals streng mit dem scheinbaren H. zusammen; er liegt nicht in der Berührungsebene der Erde, sondern in einer ihr parallelen, und zwar um so tiefer unter jenem, je höher der Standpunkt des Beobachters ist. In Fig. 2 ist O der Mittelpunkt und OA = r der Radius der kugelförmig angenommenen Erde, B ist das Auge eines Beobachters in der Höhe AB = h über der Erdoberfläche. In diesem Fall ist

der Durchmesser des vom Beobachter übersehenen Kreises, des sogen. natürlichen Horizonts. Die Linie vom Auge nach einem Punkt auf dem Umfang dieses Kreises bildet mit der Horizontalen B H den Winkel HBC = d, die sogen. Kimmtiefe oder Depression des Horizonts, die durch die Formel

bestimmt wird (vgl. Kimmtiefe). In der Meßkunst heißt H. soviel wie Meyers Niveau (s. d.). In der Geologie eine ihrer Versteinerungsführung, ihrem Alter, ihrer Lagerung oder ihrer petrographischen Beschaffenheit nach gut charakterisierte Schicht oder Schichtengruppe, Zone, Stufe.
 
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Horizontāl (griech., wage- oder wasserrecht), dem Horizont eines Ortes parallel, also rechtwinklig gegen die durch das Lot angegebene vertikale Richtung. Zur Bestimmung der horizontalen Ebene dient die Wasserwage (Libelle oder Niveau). Horizontalen oder Niveaukurven heißen in der Geodäsie die Linien gleicher Erhebung über dem Meeresspiegel.
 
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Horizontalbohrmaschine, Zylinderbohrmaschine mit wagerecht liegender Bohrstange.
 
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Horizontāle (Niveaulinie, Isohypse, Höhenschichtenlinie), s. Meyers Aufnahme, topographische, S. 95.
 
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Horizontāle, Brocasche, Frankfurter etc., s. Meyers Schädel.
 
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Horizontalebene (Frontalebene), eine durch die Quer- und Längsachse der Bilateraltiere gelegte Ebene, bez. alle ihr parallelen Schnitte. Vgl. auch Horizont.
 
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Horizontalfeuer, s. Meyers Flachfeuer.
 
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Horizontalkreis, s. Meyers Hof, S. 412.
 
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Horizontalparallaxe, s. Meyers Horizont und Meyers Parallaxe.
 
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Horizontalpendel (Pendelwage), ein 1831 von Hengler in München erfundener Apparat zum Nachweis und zur Messung kleiner Kräfte, die eine Veränderung in der Lage der Lotlinie hervorbringen. Das H. geriet in Vergessenheit und wurde erst 1862 von Parrot in Paris und 1869 von Zöllner sowie von Gérard u. Close wieder erfunden. Bei dem Zöllnerschen Instrument (Fig. 1) sind an dem einen Ende eines durch ein Gewicht beschwerten Glasstabes A B in geringer Entfernung voneinander zwei nahezu gleichlange seine Stahldrähte a und a´ befestigt, deren freie Enden am obern und untern Teil eines auf drei Stellschrauben ruhenden Stativs eingeklemmt sind. Durch das Gewicht des Glasstabes werden die Drähte straff gespannt, der Stab stellt sich horizontal und hat das Bestreben, in der durch die beiden Aufhängepunkte gelegten Vertikalebene zur Ruhe zu kommen. Liegen beide Aufhängepunkte vertikal übereinander, so wird die Gleichgewichtslage des Pendels unbestimmt. Durch Drehung der Fußschrauben des Stativs kann man sich diesem Fall beliebig nähern und dadurch die Empfindlichkeit

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des Pendels erheblich erhöhen. Jede auch sehr geringe Veränderung der Richtung der Lotlinie, die sich sonst der Wahrnehmung entzieht, wird eine Verschiebung der Gleichgewichtslage des Pendels hervorbringen, die mit Hilfe des am einen Ende des Glasstabes angebrachten Spiegels B mit Fernrohr und Skala gemessen wird. Um die Torsion der Drähte zu vermeiden, welche die Lage des Pendels erheblich beeinflussen kann, hat v. Rebeur-Paschwitz den Pendelstab an einem Ende mit einem vertikalen metallenen Querstück versehen, in dessen beiden Enden zwei kleine konkav ausgeschliffene Achatplättchen eingelassen sind, in die zwei am Stativ befestigte Stahlspitzen eingreifen. Auch werden die Schwingungen des Pendels, um fortlaufende Beobachtungen zu ermöglichen, auf einem durch ein Uhrwerk fortgeführten Streifen lichtempfindlichen Papiers photographisch registriert. Mit Pendeln dieser Konstruktion, die Veränderungen in der Richtung der Lotlinie von nur wenigen Tausendstel einer Bogensekunde zu bestimmen gestatten, hat v. Rebeur-Paschwitz in Karlsruhe, Potsdam, Wilhelmshaven und auf Teneriffa eine größere Reihe von Beobachtungen angestellt, die eine tägliche Oszillation der Lotlinie sowie eine Einwirkung des Mondes deutlich erkennen lassen. Das v. Rebeursche H., das auch zu seismischen Beobachtungen (s. Seismometer) viel benutzt wird, ruht in der ihm von Ehlert gegebenen Form (Fig. 2) auf den beiden Stahlspitzen i und i´ und bewegt sich um die durch die beiden Stahlspitzen gelegte Vertikalachse wie eine Tür um ihre Angeln. Auf der dem Gewicht m gegenüberliegenden Seite trägt es den Spiegel S neben dem Spiegel 8´, der mit dem sehr schweren, hufeisenförmigen Gußeisengehäuse fest verbunden ist. Ein den Spiegeln S und S' gegenübergestelltes beleuchtetes Signal (Spalt) wird von diesen reflektiert und fällt durch die vor den Spiegeln befindliche Öffnung auf eine Linse, die jedes der beiden Bilder, zu einem scharfen Punkte vereinigt, auf eine mit lichtempfindlichem Papier überzogene Walze wirft. Während dann das von dem festen Spiegel 8´ reflektierte Licht auf der gleichmäßig rotierenden Walze eine gerade Linie liefert, wird der mit dem H. fest verbundene Spiegel S die von dem H. und somit auch von ihm ausgeführten Schwingungen in Form einer neben jener Geraden verlaufenden Kurve auszeichnen. Da bei einem einfachen H. die Erdbewegungen in der Richtung des Pendelarmes (oder der Pendelebene) keinen Ausschlag geben können, hat Ehlert empfohlen, drei solche H., die miteinander den Winkel von 120° einschließen, zu verwenden. Eine derartige, auf vielen seismologischen Instituten eingeführte Kombination (das sogen. dreifache horizontale Leichtpendel), bei der durch eine entsprechende Stellung der Pendelspiegel es ermöglicht wird, die Schwingungen der drei H. auf demselben Papierstreifen nebeneinander zu registrieren, erlaubt die Bewegungen der Erdrinde in verschiedenen Azimuten zu beobachten und besonders die Richtung der Erdstöße genau zu bestimmen. Ein andres H. ist das sogen. Straßburger horizontale Schwerpendel (Fig. 3), das wegen seines billigern Preises (ca. 260 Mk.) für die seismischen Stationen zweiter Ordnung hauptsächlich in Betracht kommt. Es trägt an einer 1,3 m hohen u. 50 kg schweren gußeisernen Säule mit breitem Fuß eine kräftige Stahlspitze, auf der ein horizontales Messingrohr mit einem 10 kg schweren Bleigewicht ausruht. Letzteres wird durch einen Draht, der am obern Ende der Säule leicht drehbar befestigt ist, gehalten. Die Registrierung erfolgt durch eine sehr leichte Schreibfeder (Strohhalm mit Aluminiumspitze), welche die ihr von dem Pendel mitgeteilten Schwingungen auf berußtem Papier auszeichnet. Letzteres ist auf eine Trommel gespannt, die sich in der Stunde einmal um ihre Achse dreht und dabei gleichzeitig seitwärts etwas verschiebt, der Art, daß die vom Schreibstift auf dem berußten Papier gezogene Linie eine spiralförmige

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Kurve darstellt. Auch dieses H. erhält erst seine volle Bedeutung, wenn zwei Apparate von gleichen Dimensionen rechtwinklig zueinander (im Meridian und senkrecht dazu) zur Auszeichnung beider Komponenten der Horizontalbewegung aufgestellt werden.
   Die Firma J. u. A. Bosch in Straßburg i. E. hat bisher eine große Zahl von horizontalen Leichtpendeln und für etwa 40 Stationen Horizontalschwerpendel geliefert. Auch das neue von Hecker konstruierte und von derselben Firma gefertigte H., das sogen. Tromometer, ist ein dem Horizontalschwerpendel ähnliches Schwerpendel, nur durch größere Masse und stärkern Ausschlag der registrierenden Feder ausgezeichnet. Vgl. Hengler, Astronomische Pendelwage (in Dinglers »Polytechnischem Journal«, 1832); Zöllner, Über eine neue Methode zur Messung anziehender und abstoßender Kräfte (Leipz. 1869) und Über die Konstruktion und Anwendung des Horizontalpendels (das. 1871); v. Rebeur-Paschwitz, Über das Zöllnersche H. und neue Versuche mit demselben (»Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins« in Karlsruhe, Bd. 10, und »Astronomische Nachrichten«, Nr. 2809, 2874, 3001, 3109, 3147); Hecke r, Das H. (»Zeitschrift für Instrumentenkunde«, Bd. 16, 1896); Ehlert, Das dreifache H. (»Beiträge zur Geophysik«, Bd. 3, Leipz. 1898); Gerland, Die kaiserliche Hauptstation für Erdbebenforschung in Straßburg (ebenda, Bd. 4, Leipz. 1900).
 
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Horizontaltransport, im weitesten Sinne jeder Transport auf ganz oder nahezu horizontaler Bahn und die Mittel dazu, im engern Sinne die Beförderung von Materialien, besonders Massengütern (Getreide, Kohlen, Erze, Schlacken, Steinschlag, Ziegeln, Zement etc.) innerhalb industrieller Anlagen in horizontaler Richtung (z. B. vom Gewinnungsort, bez. Lagerplatz zur Verladestelle, von Ausladestellen aus Schiffen und Eisenbahnen nach den Lagerplätzen oder Maschinen und Apparaten, von einer Maschine zur andern etc.). Dieser Transport wurde in frühern Zeiten dadurch bewerkstelligt, daß die Materialien in Kübeln, Säcken od. dgl. von Menschen oder Tieren getragen wurden, später beförderte man sie in Wagen. Letztere Transportart findet zurzeit unter Benutzung von Schienengleisen ausgedehnteste Anwendung. Auf diese Weise transportiert man in Bergwerken die gewonnenen Produkte von der Gewinnungsstelle (vor Ort) in horizontalen oder schräg geneigten Stollen ins Freie oder in sogen. Strecken nach den Förderschächten. Auf Hüttenwerken werden ebenso die zu verschmelzenden Materialien von den Lagerplätzen den Öfen zu- und die gewonnenen Produkte abgeführt. Die Zugkraft zum Befördern der Wagen wird dabei von Menschen, Tieren oder Maschinen geleistet. Letztere werden entweder als Lokomotiven vorgespannt, oder sie stehen fest und wirken ziehend mittels endloser, am Gleise entlang geführter, in ständiger Bewegung befindlicher Ketten oder Seile, mit denen die Wagen leicht gekuppelt werden können (horizontale Ketten-, Seil- oder Kabelförderung). Auch in Kalk- und Gipsbrennereien, Ziegeleien, Fabriken aller Art, auf Lagerplätzen etc. werden Gleisanlagen zum H. verwendet.
   In den letzten Jahrzehnten ist ferner die Beförderung der Materialien in losem Zustand, also ohne Wagen, zu hoher Ausbildung gekommen. Dieser H. ist in der Regel nur für kürzere Entfernungen geeignet, hat aber den Vorzug vollständiger Selbsttätigkeit. d. h. er nimmt ohne besondere Bedienung kontinuierlich die Materialien am einen Ende auf, befördert sie und schüttet sie am andern Ende aus. Hierher gehört zunächst die Transportschraube (Transportschnecke, Mehlschraube), Fig. 1 und 2. In einer horizontalen oder wenig geneigten Rinne a (aus Blech, Gußeisen, Holz etc.) dreht sich eine mit steilen Schraubengängen (der Schnecke) b versehene Welle c, die an den Enden der Rinne (bei größerer Länge auch noch zwischen den Enden) durch Lager d gestützt ist, mit kleinem Spielraum langsam um. Ein Stück dieser Welle ist neben der Rinne liegend abgebildet (Fig. 2). e ist die zum Antrieb dienende Riemenscheibe. Das Fördergut wird bei f von oben in die Rinne aufgegeben, von der Schnecke allmählich nach dem andern Ende der Rinne hingeschoben und fällt hier, bei g, durch eine Öffnung im Rinnenboden heraus. Man stellt die Schraubengänge entweder kontinuierlich her aus Blech oder Flacheisen, welch letzteres durch Stehbolzen in größerer Entfernung von der Welle gehalten wird, mitunter auch aus einzelnen (event. verstellbar angeordneten) Schaufeln. Die Transportschraube wird namentlich in Mühlen zum Fördern von Getreide, Mehl und Gries, in Getreidespeichern (Silos), in Ölmühlen, chemischen und Zuckerfabriken, Zementwerken, Aufbereitungsanstalten etc. angewendet. Der Nutzeffekt der Transportschrauben ist sehr klein und deshalb ihre Verwendung nur da zu empfehlen, wo es sich um den Transport mäßiger Materialmengen auf ganz kurze Strecken handelt, und wo das Durchwühlen des Materials nicht schädlich ist. Weit leistungsfähiger sind die Transportbänder oder Bandtransporteure (Transportgurte, Transporttücher). Eine solche Vorrichtung ist in Fig. 3 und 4 dargestellt. Sie besteht aus einem (ca. 2001000 mm) breiten, endlosen Gurt a (aus Hanf, Gummi mit Leineneinlage, Balata, Baumwolltuch, Kokosläufer, Drahtgeflecht etc.), der nach Art eines Treibriemens zwischen den beiden Rollen b und c horizontal ausgespannt ist und durch Drehen der einen (in der Figur durch Riemen und Zahnradvorgelege angetriebenen) Rolle b (in der Pfeilrichtung) in Umlauf versetzt wird. Das in der Nähe der Rolle b durch den Trichter d auf das obere Trum aufgegebene Fördergut wird dadurch nach dem andern Ende hinbefördert und beim Umlaufen des Gurtes um die Rolle c in den Rumpf e abgeworfen. Die Lager für die eine Rolle c sind in Schlitten beweglich

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und stehen behufs Spannung des Bandes unter der Einwirkung von Spanngewichten oder sonstiger Spannvorrichtungen (Schrauben). Damit der Gurt nicht zu sehr nach unten durchhängt, muß das belastete obere Trum durch eine größere, das leergehende untere Trum durch eine geringere Anzahl von Zwischenrollen f gestützt werden. Ein solches Transportband kann entweder flach gelassen oder für größere Mengen kleinkörnigen Materials in seiner Querrichtung muldenförmig gestaltet werden. Zu letzterm Zweck wendet man zur Führung des obern, tragenden Gurtes entweder konkav profilierte Rollen oder besser noch je zwei, bez. drei im Winkel zueinander gestellte glattzylindrische Rollen an. Eine besondere Abwurfvorrichtung ist erforderlich, wenn das Band nicht immer an seinem Ende abwerfen soll, und besteht aus einem an der Abwurfstelle einzustellenden Wagengestell mit zwei übereinander gelagerten Rollen, über die das Band in S-Form geleitet ist, so daß das Material beim Umwenden des Bandes an der obern Rolle in einen darunter befindlichen Trog fällt. Die Förderbänder eignen sich zum Fördern jedes pulverförmigen, körnigen und stückigen Materials, sowohl in trockenem als auch in feuchtem Zustand. Zum Transport scharfkantiger Materialien (Zementklinker, Steine etc.), welche die Bänder aus genannten Stoffen rasch zerstören würden, werden häufig solche aus gelenkig untereinander verbundenen eisernen Platten benutzt (eiserne Bandtransporteure).
   In Fällen, in denen das Fördergut mit derselben Vorrichtung sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung transportiert werden soll (z. B. Kohlen, Asche und Schlacken in Kesselhäusern, Lokomotivbekohlungsanlagen etc.), sind neuerdings die sogen. Becherwerke (Bechertransporteure) sehr beliebt geworden. Bei denselben kommt an Stelle des Bandes eine endlose Reihe becher-, mulden- oder kastenförmig gestalteter Gefäße zur Verwendung, die gelenkig untereinander, bez. durch Ketten oder Seile miteinander verbunden sind. Das Füllen, bez. Entleeren der Gefäße geschieht mit Hilfe besonders konstruierter Speise-, bez. Entladevorrichtungen an beliebiger Stelle. Transportvorrichtungen dieser Art sind: Hunts Couveyor (gebaut von J. Pohlig, Köln a. Rh.), Bradleys Becherwerk (gebaut von der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau-Aktiengesellschaft, Berlin), der Link-Belt- F ör derer (gebaut von W. Fredenhagen, Offenbach a. M.) u. a.
   Mitunter kommen auch sogen. Kratzertransporteure (zum Transport von Rübenschnitzeln, Trebern, auch Kohlen etc.) sowie Schubrinnen oder Schiebetransporteure (zum Transport von schlammigem, pulverförmigem und gemischtem Fördergut, z. B. Massen mit Steinbrocken etc.) zur Anwendung. Fig. 5 zeigt einen Kratzertransporteur. An einer endlosen, zwischen den beiden Rollen b und c horizontal ausgespannten Kette a (oder einem Seil) sind Rechen oder Schaufeln, die sogen. Kratzer d, befestigt. Die eine Rolle (c) wird (mittels Riemens etc.) in Drehung und dadurch die Kette mit den Kratzern in der Pfeilrichtung in Umlauf versetzt. Die andre Rolle (b) steht unter der Einwirkung von Spannvorrichtungen (Rolle e dient zur Unterstützung des obern Kettentrums). Das untere Kettentrum ist von einer Rinne f umgeben, in die das Fördergut bei g aufgegeben wird. Dieses wird von den Kratzern nach dem andern Ende der Rinne geschoben und verläßt dieselbe bei h.
   Eine Schubrinne ist schematisch in Fig. 6 und 7 dargestellt. Die halbkreisförmige, auf Rollen laufende Rinne t wird mittels Kurbelgetriebes a, b hin und her bewegt. Auf der im Mittelpunkte der Rinne angeordneten, drehbaren Welle w sind halbkreisförmige Kratzer k befestigt. Beim jedesmaligen Hubwechsel wird diese Welle um 180° gedreht. Während der Bewegung der Rinne von links nach rechts stehen die Kratzer nach oben, und das ruhig in der Rinne

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liegende Fördergut kann sich ungehindert mit letzterer bewegen (Fig. 6). Ist die Kurbel im rechten Totpunkt angelangt, so werden die Kratzer nach unten gedreht und bei der nun folgenden Bewegung der Rinne von rechts nach links das Fördergut von denselben in der Rinne vorwärts geschoben (Fig. 7). Dieselbe Förderwirkung wird erzielt, wenn bei feststehender Rinne die Welle w neben der drehenden auch die hin und her gehende Bewegung ausführt. Mitunter sind auch die Kratzer an einem über der Rinne hin und her bewegten Gestänge derart gelenkig befestigt, daß sie beim Vorwärtsgang das Fördergut vor sich herschieben, beim Rückwärtsgang aber nach oben umklappen und über das Fördergut hinweggleiten, ohne dasselbe mitzunehmen.
   In neuerer Zeit finden auch häufig sogen. Förderrinnen für den H. Anwendung. Sie eignen sich gleich gut für fast alle vorkommenden Materialien (selbst faserige, teichige oder dickbreiige, klebrige, zerbrechliche, heiße oder glühende) und sind sehr leistungsfähig bei verhältnismäßig geringem Kraftbedarf. Das Fördergut wird sehr geschont. In Fig. 8 ist die sogen. Schwingeförderrinne von E. Kreiß, Hamburg, dargestellt. Sie besteht aus einer wagerechten Rinne a (aus Blech oder Holz), die durch schräge, federnde Stützen b getragen wird. Mittels eines gewöhnlichen Kurbelgetriebes (c sind auf der Kurbelwelle sitzende Schwungräder, d die Antriebsriemenscheibe, e die an der Rinne angreifende Schubstange) wird diese Rinne in einer gegen die Wagerechte (um ca. 1415°) geneigten Richtung (verursacht durch die schräge Stützung) hin und her bewegt. Bei der Vorwärtsbewegung der Rinne (in der Förderrichtung ansteigend) wird das Fördergut infolge der (durch die ansteigende Bewegung noch vergrößerten) Reibung zwischen ihm und dem Rinnenboden mitgenommen und beschleunigt, während des Rückganges der Rinne gleitet es unter Überwindung der (durch die fallende Bewegung der Rinne noch verringerten) Reibung in dieser weiter. Infolge dieser Vorgänge bewegt sich das bei f aufgegebene Fördergut ziemlich stetig in der Rinne vorwärts und verläßt dieselbe bei g in nahezu kontinuierlichem Strom. Die sogen. Propellerrinne von H. Marcus in Köln unterscheidet sich von der Kreißschen Förderrinne dadurch, daß die Rinne nicht auf schräg zu ihr gerichteten Stützen, sondern auf zylindrischen Rollen in ihrer eignen Richtung hin und her bewegt wird und zwar mit stetig wachsender Geschwindigkeit vorwärts (in der Förderrichtung) und rasch zurück. Das beim Vorwärtsgang der Rinne von dieser infolge der (hier konstanten) Reibung auf dem Rinnenboden mitgenommene und beschleunigte Fördergut kann der raschen Rückwärtsbewegung der Rinne nicht folgen und bewegt sich daher in derselben (unter Überwindung der Reibung) weiter vorwärts. Die eigenartige hin und her gehende Bewegung der Rinne wird durch sogen. Wurfgetriebe erzielt. In der einfachsten Ausführung sind dies (mit gleichförmiger Winkelgeschwindigkeit umlaufende) Kurbelgetriebe, bei denen der Kurbelzapfen am Kurbelarm verschiebbar angeordnet ist und in einer besondern (eventuell kreisförmigen, zum Wellenmittel exzentrischen) Laufbahn derart geführt wird, daß sich seine Entfernung vom Wellenmittel (der Kurbelradius) während des Vorwärtsganges der Rinne vergrößert, während des Rückganges verkleinert.
   Für leichtes Fördergut (Getreide, Kleie, Holzspäne etc.) kann man auch den pneumatischen Transport verwenden. Bei demselben wird das Fördergut durch einen (mittels Ventilator oder Gebläse erzeugten) Luftstrom angesaugt und, in demselben schwebend (fliegend), durch eine Rohrleitung nach dem Bestimmungsort geblasen. Er findet hauptsächlich Verwendung in Getreidelagerhäusern im Anschluß an pneumatische Elevatoren zur Schiffsentladung.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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