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Höritz bis Horizontalpendel (Bd. 6, Sp. 550)
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Artikelverweis Höritz, Marktflecken in Böhmen, Bezirksh. Krumau, an der Staatsbahnlinie Budweis-Salnau, mit Wallfahrtskapelle und (1900) 1232 deutschen Einwohnern. In H. werden seit 1893 jedes fünfte Jahr Passionsspiele abgehalten.
 
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Horizont (v. griech. horizein, »begrenzen«, Gesichtskreis), der Kreis, in dem sich scheinbar der halbkugelförmige Himmel und die Erdoberfläche schneiden, wenn man sich auf offenem Meer oder in einer weiten Ebene befindet. Der Standpunkt des Beobachters bildet den Mittelpunkt dieses Kreises. In der Astronomie unterscheidet man den scheinbaren und den wahren oder geozentrischen H.; ersterer ist der Durchschnitt der scheinbaren Himmelskugel mit der die Erde im Standpunkt A des Beobachters berührenden Ebene, letzterer der Schnitt einer parallelen, durch den Erdmittelpunkt O gelegten Ebene mit der Himmelskugel. In Fig. 1 bedeutet der kleine Kreis um O die Erde, der große die Himmelskugel; der scheinbare H. von A ist daher ein Kreis mit dem Durchmesser H1H1, der senkrecht zur Papierebene steht, der wahre H. aber hat HH als Durchmesser. Für einen Himmelskörper M mit merklicher Parallaxe, wie für den Mond, ist die auf den wahren H. bezogene Höhe h größer als die auf den scheinbaren H. bezügliche h 1, welche die Beobachtung liefert; der Unterschied ist der Winkel P 1, die sogen. Höhenparallaxe. Steht ein Himmelskörper für den Beobachter A im (scheinbaren) H., so ist seine Höhe über dem wahren H. noch gleich dem Winkel H1OH = P, der Horizontalparallaxe des Himmelskörpers; vgl. Parallaxe. Bei Beobachtung von Fixsternen kann man wegen der außerordentlich großen Entfernung derselben beide Horizonte als zusammenfallend betrachten. Die Ebene des Horizonts heißt die Horizontalebene; sie steht senkrecht auf der Richtung der Schwere, die uns das Lot, ein ruhendes Pendel, angibt, und wird unmittelbar durch die Oberfläche einer ruhenden Flüssigkeit bezeichnet. Darin liegt der Grund für die Verwendung der Wasserwage zum Horizontalstellen von Linien und Ebenen bei astronomischen und geodätischen Beobachtungsinstrumenten. Zu manchen Beobachtungen, insbes. zur Messung von Sonnen- und Sternhöhen auf dem Festland mit dem Spiegelsextanten, benutzt man eine spiegelnde horizontale Ebene, einen sogen. künstlichen H., um dann den scheinbaren Abstand (Winkelabstand) zwischen der Sonne oder dem Stern und dem Spiegelbild, also die doppelte gesuchte Höhe, messen zu können. In der Regel benutzt man hierzu ein flaches, mit Quecksilber angefülltes Gefäß (Quecksilberhorizont) oder eine mit Hilfe eines Niveaus horizontal gestellte Spiegelglasplatte. Der Kreis, in dem für unser Auge Himmel und Erde zusammenzustoßen scheinen, fällt indes niemals streng mit dem scheinbaren H. zusammen; er liegt nicht in der Berührungsebene der Erde, sondern in einer ihr parallelen, und zwar um so tiefer unter jenem, je höher der Standpunkt des Beobachters ist. In Fig. 2 ist O der Mittelpunkt und OA = r der Radius der kugelförmig angenommenen Erde, B ist das Auge eines Beobachters in der Höhe AB = h über der Erdoberfläche. In diesem Fall ist

der Durchmesser des vom Beobachter übersehenen Kreises, des sogen. natürlichen Horizonts. Die Linie vom Auge nach einem Punkt auf dem Umfang dieses Kreises bildet mit der Horizontalen B H den Winkel HBC = d, die sogen. Kimmtiefe oder Depression des Horizonts, die durch die Formel

bestimmt wird (vgl. Kimmtiefe). In der Meßkunst heißt H. soviel wie Meyers Niveau (s. d.). In der Geologie eine ihrer Versteinerungsführung, ihrem Alter, ihrer Lagerung oder ihrer petrographischen Beschaffenheit nach gut charakterisierte Schicht oder Schichtengruppe, Zone, Stufe.
 
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Horizontāl (griech., wage- oder wasserrecht), dem Horizont eines Ortes parallel, also rechtwinklig gegen die durch das Lot angegebene vertikale Richtung. Zur Bestimmung der horizontalen Ebene dient die Wasserwage (Libelle oder Niveau). Horizontalen oder Niveaukurven heißen in der Geodäsie die Linien gleicher Erhebung über dem Meeresspiegel.
 
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Horizontalbohrmaschine, Zylinderbohrmaschine mit wagerecht liegender Bohrstange.
 
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Horizontāle (Niveaulinie, Isohypse, Höhenschichtenlinie), s. Meyers Aufnahme, topographische, S. 95.
 
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Horizontāle, Brocasche, Frankfurter etc., s. Meyers Schädel.
 
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Horizontalebene (Frontalebene), eine durch die Quer- und Längsachse der Bilateraltiere gelegte Ebene, bez. alle ihr parallelen Schnitte. Vgl. auch Horizont.
 
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Horizontalfeuer, s. Meyers Flachfeuer.
 
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Horizontalkreis, s. Meyers Hof, S. 412.
 
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Horizontalparallaxe, s. Meyers Horizont und Meyers Parallaxe.
 
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Horizontalpendel (Pendelwage), ein 1831 von Hengler in München erfundener Apparat zum Nachweis und zur Messung kleiner Kräfte, die eine Veränderung in der Lage der Lotlinie hervorbringen. Das H. geriet in Vergessenheit und wurde erst 1862 von Parrot in Paris und 1869 von Zöllner sowie von Gérard u. Close wieder erfunden. Bei dem Zöllnerschen Instrument (Fig. 1) sind an dem einen Ende eines durch ein Gewicht beschwerten Glasstabes A B in geringer Entfernung voneinander zwei nahezu gleichlange seine Stahldrähte a und a´ befestigt, deren freie Enden am obern und untern Teil eines auf drei Stellschrauben ruhenden Stativs eingeklemmt sind. Durch das Gewicht des Glasstabes werden die Drähte straff gespannt, der Stab stellt sich horizontal und hat das Bestreben, in der durch die beiden Aufhängepunkte gelegten Vertikalebene zur Ruhe zu kommen. Liegen beide Aufhängepunkte vertikal übereinander, so wird die Gleichgewichtslage des Pendels unbestimmt. Durch Drehung der Fußschrauben des Stativs kann man sich diesem Fall beliebig nähern und dadurch die Empfindlichkeit

[Bd. 6, Sp. 551]


des Pendels erheblich erhöhen. Jede auch sehr geringe Veränderung der Richtung der Lotlinie, die sich sonst der Wahrnehmung entzieht, wird eine Verschiebung der Gleichgewichtslage des Pendels hervorbringen, die mit Hilfe des am einen Ende des Glasstabes angebrachten Spiegels B mit Fernrohr und Skala gemessen wird. Um die Torsion der Drähte zu vermeiden, welche die Lage des Pendels erheblich beeinflussen kann, hat v. Rebeur-Paschwitz den Pendelstab an einem Ende mit einem vertikalen metallenen Querstück versehen, in dessen beiden Enden zwei kleine konkav ausgeschliffene Achatplättchen eingelassen sind, in die zwei am Stativ befestigte Stahlspitzen eingreifen. Auch werden die Schwingungen des Pendels, um fortlaufende Beobachtungen zu ermöglichen, auf einem durch ein Uhrwerk fortgeführten Streifen lichtempfindlichen Papiers photographisch registriert. Mit Pendeln dieser Konstruktion, die Veränderungen in der Richtung der Lotlinie von nur wenigen Tausendstel einer Bogensekunde zu bestimmen gestatten, hat v. Rebeur-Paschwitz in Karlsruhe, Potsdam, Wilhelmshaven und auf Teneriffa eine größere Reihe von Beobachtungen angestellt, die eine tägliche Oszillation der Lotlinie sowie eine Einwirkung des Mondes deutlich erkennen lassen. Das v. Rebeursche H., das auch zu seismischen Beobachtungen (s. Seismometer) viel benutzt wird, ruht in der ihm von Ehlert gegebenen Form (Fig. 2) auf den beiden Stahlspitzen i und i´ und bewegt sich um die durch die beiden Stahlspitzen gelegte Vertikalachse wie eine Tür um ihre Angeln. Auf der dem Gewicht m gegenüberliegenden Seite trägt es den Spiegel S neben dem Spiegel 8´, der mit dem sehr schweren, hufeisenförmigen Gußeisengehäuse fest verbunden ist. Ein den Spiegeln S und S' gegenübergestelltes beleuchtetes Signal (Spalt) wird von diesen reflektiert und fällt durch die vor den Spiegeln befindliche Öffnung auf eine Linse, die jedes der beiden Bilder, zu einem scharfen Punkte vereinigt, auf eine mit lichtempfindlichem Papier überzogene Walze wirft. Während dann das von dem festen Spiegel 8´ reflektierte Licht auf der gleichmäßig rotierenden Walze eine gerade Linie liefert, wird der mit dem H. fest verbundene Spiegel S die von dem H. und somit auch von ihm ausgeführten Schwingungen in Form einer neben jener Geraden verlaufenden Kurve auszeichnen. Da bei einem einfachen H. die Erdbewegungen in der Richtung des Pendelarmes (oder der Pendelebene) keinen Ausschlag geben können, hat Ehlert empfohlen, drei solche H., die miteinander den Winkel von 120° einschließen, zu verwenden. Eine derartige, auf vielen seismologischen Instituten eingeführte Kombination (das sogen. dreifache horizontale Leichtpendel), bei der durch eine entsprechende Stellung der Pendelspiegel es ermöglicht wird, die Schwingungen der drei H. auf demselben Papierstreifen nebeneinander zu registrieren, erlaubt die Bewegungen der Erdrinde in verschiedenen Azimuten zu beobachten und besonders die Richtung der Erdstöße genau zu bestimmen. Ein andres H. ist das sogen. Straßburger horizontale Schwerpendel (Fig. 3), das wegen seines billigern Preises (ca. 260 Mk.) für die seismischen Stationen zweiter Ordnung hauptsächlich in Betracht kommt. Es trägt an einer 1,3 m hohen u. 50 kg schweren gußeisernen Säule mit breitem Fuß eine kräftige Stahlspitze, auf der ein horizontales Messingrohr mit einem 10 kg schweren Bleigewicht ausruht. Letzteres wird durch einen Draht, der am obern Ende der Säule leicht drehbar befestigt ist, gehalten. Die Registrierung erfolgt durch eine sehr leichte Schreibfeder (Strohhalm mit Aluminiumspitze), welche die ihr von dem Pendel mitgeteilten Schwingungen auf berußtem Papier auszeichnet. Letzteres ist auf eine Trommel gespannt, die sich in der Stunde einmal um ihre Achse dreht und dabei gleichzeitig seitwärts etwas verschiebt, der Art, daß die vom Schreibstift auf dem berußten Papier gezogene Linie eine spiralförmige

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Kurve darstellt. Auch dieses H. erhält erst seine volle Bedeutung, wenn zwei Apparate von gleichen Dimensionen rechtwinklig zueinander (im Meridian und senkrecht dazu) zur Auszeichnung beider Komponenten der Horizontalbewegung aufgestellt werden.
   Die Firma J. u. A. Bosch in Straßburg i. E. hat bisher eine große Zahl von horizontalen Leichtpendeln und für etwa 40 Stationen Horizontalschwerpendel geliefert. Auch das neue von Hecker konstruierte und von derselben Firma gefertigte H., das sogen. Tromometer, ist ein dem Horizontalschwerpendel ähnliches Schwerpendel, nur durch größere Masse und stärkern Ausschlag der registrierenden Feder ausgezeichnet. Vgl. Hengler, Astronomische Pendelwage (in Dinglers »Polytechnischem Journal«, 1832); Zöllner, Über eine neue Methode zur Messung anziehender und abstoßender Kräfte (Leipz. 1869) und Über die Konstruktion und Anwendung des Horizontalpendels (das. 1871); v. Rebeur-Paschwitz, Über das Zöllnersche H. und neue Versuche mit demselben (»Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins« in Karlsruhe, Bd. 10, und »Astronomische Nachrichten«, Nr. 2809, 2874, 3001, 3109, 3147); Hecke r, Das H. (»Zeitschrift für Instrumentenkunde«, Bd. 16, 1896); Ehlert, Das dreifache H. (»Beiträge zur Geophysik«, Bd. 3, Leipz. 1898); Gerland, Die kaiserliche Hauptstation für Erdbebenforschung in Straßburg (ebenda, Bd. 4, Leipz. 1900).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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