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Holt bis Holub (Bd. 6, Sp. 486 bis 489)
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Artikelverweis Holt, Marktstadt in der engl. Grafschaft Norfolk, 16 km nordwestlich von Aylsham, mit Lateinschule, Bibliothek und (1901) 1844 Einw. 11 km südwestlich Melton Constable, der stattliche Landsitz des Lord Hastings.
 
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Holtei, Karl von, Dichter und Schriftsteller, geb. 24. Jan. 1798 in Breslau, gest. daselbst 12. Febr. 1880, besuchte das Magdalenen-Gymnasium seiner Vaterstadt, gab aus Neigung zum Theater die akademische Laufbahn, für die er sich vorbereiten wollte, auf und debütierte 1819 als Mortimer in Schillers »Maria Stuart« auf der Breslauer Bühne. Schon 1821 entsagte er nach einem in Dresden erlebten Unfall der ausübenden Kunst wieder, heiratete die Schauspielerin Luise Rogée (s. unten) und wurde Theatersekretär und Theaterdichter in Breslau. 1823 siedelte er nach Berlin über, wo seine Frau am Hoftheater ein Engagement erhielt. H. verfaßte hier die mit größtem Beifall aufgenommenen Liederspiele: »Die Wiener in Berlin« und »Die Berliner in Wien« und gab auch »Gedichte« (Berl. 1826; 5. Aufl., Bresl. 1861) heraus. Für die Königsstädtische Bühne, der er sich nach dem frühen Tode seiner Gattin anschloß, lieferte er eine große Anzahl von Stücken, darunter die allbekannten: »Der alte Feldherr« und »Lenore«, die teils in den von H. herausgegebenen Bänden 810 des »Jahrbuches deutscher Bühnenspiele«, teils in seinen »Beiträgen für das Königsstädter Theater« (Wiesb. 1832, 2 Bde.) gedruckt erschienen. Gleichzeitig gab er die Sammlung »Schlesische Gedichte« (Berl. 1830, 21. Aufl. 1899) in schlesischer Mundart heraus und trat öffentlich als Vorleser klassischer Dramen (besonders Shakespeares) auf. Mit seiner zweiten Frau, Julie Holzbecher (s. unten), nahm er ein Engagement in Darmstadt an, kehrte aber 1830 nach Berlin zurück, schrieb hier: »Das Trauerspiel in Berlin«, in dem er den Berliner Jargon zu tragischen Zwecken benutzte, dichtete den Text zu Gläsers längere Zeit beliebter Oper »Des Adlers Horst« und schrieb das Schauspiel »Der dumme Peter«. Auch betrat er 1833 selbst wieder die Bühne und machte mit seiner Gattin eine Kunstreise, für die er unter anderm die Dramen: »Lorbeerbaum und Bettelstab« und »Shakespeare in der Heimat« (beide Schleusingen 1840) schrieb. Seit 1837 führte er die Direktion des Rigaer Theaters, legte sie aber nach dem Tode seiner zweiten Gattin (1839) nieder und trat von neuem ein Wanderleben durch Norddeutschland an, bis er die Direktion des Theaters in Breslau übernahm. In dieser Zeit ließ er außer seinen »Briefen aus und nach Grafenort« (Altona 1841) und dem autobiographischen Werk »Vierzig Jahre« (Berl. 184350, 8 Bde.; 4. Aufl. von Max Grube, Bresl. 1898, 2 Bde.). dem sich später als Anhang »Noch ein Jahr in Schlesien« (Berl. 1864, 2 Bde.) anschloß, seine dramatischen Werke in einem Band als »Theater« (Bresl. 1845; Ausg. letzter Hand, das. 1867, 6 Bde.) erscheinen. Seit 1850 lebte er abwechselnd in verschiedenen deutschen Städten, längere Jahre in Graz, zuletzt wieder in Breslau, wo er im Kloster der Barmherzigen Brüder starb. Zwei Jahre nach seinem Tode wurde ihm auf der sogen. Ziegelbastion daselbst (jetzt Holteihöhe genannt) ein Denkmal errichtet, ein andres (bronzenes Relief) 1902 auf der »Holteihöhe« am Kirschberg bei Obornigk. Außer den genannten Schriften hat H. auch eine Reihe von Romanen geschrieben, wie: »Die Vagabunden« (Bresl. 1851, 4 Bde.; 8. Aufl. 1894), »Christian Lammfell« (das. 1853, 5 Bde.; 4. Aufl. 1878), »Die Eselsfresser« (das. 1860, 3 Bde.), »Noblesse oblige« (Prag 1857), »Ein Schneider« (Bresl. 1854, 3 Bde.; 2. Aufl. 1858), »Ein Mord in Riga« (Prag 1855), »Schwarzwaldau«

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(das. 1856), »Haus Treustein« (Bresl. 1866, 3 Tle.), »Der letzte Komödiant« (das. 1863) u. a., die sämtlich in seinen »Erzählenden Schriften« (das. 186166, 39 Bde.) gesammelt erschienen. Diese Romane entbehren nicht liebenswürdiger Züge, leiden aber an Lockerheit der Komposition und Flüchtigkeit der Darstellung. Dagegen gebührt H. das unbestreitbare Verdienst, das Vaudeville in Form des deutschen gemütlichen Liederspiels in Deutschland eingebürgert zu haben. Viele seiner Lieder, von denen er u. d. T.: »Deutsche Lieder« (Schleusing. 1834, 2. Aufl. 1836) eine Sammlung herausgab, sind volkstümlich geworden. Auch die »Schlesischen Gedichte«, deren Wert man erst in neuerer Zeit erkannte, müssen als eine der schönsten Gaben der Holteischen Muse betrachtet werden. Der Krieg 1870/71 begeisterte den greifen Dichter zu einer Sammlung seiner »Königslieder« (Berl. 1870, 3. Ausg. 1878). Außerdem nennen wir von seinen Veröffentlichungen der letzten Zeit: »Charpie« (Bresl. 1866, 2 Bde.); »Nachlese. Erzählungen und Plaudereien« (das. 1871, 3 Bde.); »An Grabes Rande. Blätter und Blumen« (2. Ausg. 1876) und »Fürstbischof und Vagabund« (das. 1882), worin H. sein Verhältnis zum Fürstbischof Förster schildert. Auch gab er in den letzten Jahren aus seinen Autographenschätzen mehrere Sammlungen von Briefen heraus. Zu seinem 100. Geburtstag veröffentlichte Nentwig aus der Schaffgotschschen Bibliothek Holteis 1818 geschriebene »Reise ins Riesengebirge« (Warmbr. 1898). Vgl. »Karl v. H., Biographie« (Prag 1857); Kurnik, Karl v. H., ein Lebensbild (Bresl. 1880); F. Wehl, Zeit u. Menschen (Altona 1889); O. Storch, Karl v. H. (Waldenb. 1898); Lindau, K. v. Holteis Romane (Leipz. 1904). Holteis erste Gattin, Luise, geborne Rogée, geb. um 1800, betrat zuerst 1820 die Breslauer Bühne und starb als Mitglied des königlichen Theaters in Berlin 1825. Sie war in naiven und sentimentalen Rollen, besonders als Käthchen von Heilbronn, ausgezeichnet. H. feierte sie durch eine Sammlung von Gedichten: »Blumen auf das Grab der Schauspielerin H.« Seine zweite Gattin, Julie, geborne Holzbecher, geb. 1809 in Berlin, seit 1823 Mitglied des Königsstädter Theaters daselbst, 1830 des Theaters in Darmstadt, kehrte 1831 nach Berlin zurück und starb 1839 in Riga. Sie war im Lustspiel, namentlich in Berliner Lokalstücken, durch Keckheit und Anmut bezaubernd.
 
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Holten, Flecken im preuß. Regbez. Düsseldorf, Kreis Ruhrort, an der Staatsbahnlinie Oberhausen-Emmerich, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Viehzucht und (1900) 2462 Einw.
 
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Holtenau, Dorf im preuß. Regbez. Schleswig, Landkreis Kiel, an der Mündung des Eider- und des Nordostseekanals in den Kieler Busen (letzterer hier mit großartigen Schleusenanlagen, s. Karte »Kaiser Wilhelm-K. mal«, Fig. 3, und Karte »Kieler Hafen«), hat eine evang. Kirche, Leuchtturm, Denkmal Kaiser Wilhelms I., Seebad, ein Nebenzollamt 1 und (1900) 1843 Einw.
 
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Holthausen, 1) Dorf im preuß. Regbez. Düsseldorf, Kreis Mülheim a. d. Ruhr, hat eine Dampfmahlmühle und (1900) 3731 Einw. 2) (H. bei Kastrop) Dorf im preuß. Regbez. Arnsberg, Landkreis Dortmund, hat (1900) 3668 Einw.
 
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Hölty. Ludwig Heinrich Christoph, Lyriker, geb. 21. Dez. 1748 in Mariensee bei Hannover, gest. 1. Sept. 1776 in Hannover, erhielt durch seinen Vater, einen Prediger, eine sorgfältige Erziehung, besuchte das Gymnasium zu Celle und widmete sich seit 1769 in Göttingen dem Studium der Theologie. Hier wurde er eins der tätigsten Mitglieder des Göttinger Dichterbundes, der ihm zu seinen besten Gedichten die Veranlassung gab. Unglückliche Liebe (vgl. W. Nöldeke, Laura, eine H.-Studie, in der »Zeitschrift für den deutschen Unterricht«, Bd. 8, Leipz. 1894) und all m angestrengtes Arbeiten, wozu ihn seine Mittellosigkeit zwang, beschleunigten den Tod des schwindsüchtigen Dichters. Seinen Gedichten (z. B. »Wer wollte sich mit Grillen plagen«, »Üb' immer Treu' und Redlichkeit«, Elegie auf ein Landmädchen) sind anspruchslose Grazie, Naivität der Gedanken, Weichheit des Gefühls, liebliche Schwärmerei und Wehmut, Innigkeit und seltene Harmonie der Sprache eigentümlich. Tiefe, stille Liebe und Sinn für Freundschaft, wehmütige Freude an der Natur uno ihren Erscheinungen sind die Hauptelemente seiner Poesien. Seine Balladen gehören zu den frühesten deutschen Versuchen in dieser Gattung. Seine »Gedichte« wurden zuerst von Geißler (Halle 1782), dann von Voß und Stolberg (Hamb. 1783, mit manchen Änderungen des ursprünglichen Textes), in einer vermehrten Ausgabe von Voß mit einer vortrefflichen Biographie des Dichters (das. 1804, 3. Aufl. 1835), später von Voigts (2. Aufl., Hannov. 1858) und kritisch revidiert, mit Einleitung und Anmerkungen, von Karl Halm (Leipz. 1870) herausgegeben. Aus dem Englischen übersetzte H. Hurds moralische und politische Dialoge (Leipz. 1775, 2 Bde.) und des Grafen von Shaftesbury philosophische Werke (das. 1776). Friedr. Voigts benutzte dies einfache Dicht erleben zu einem Roman: »H., ein Roman« (Hannov. 1844). In Hannover wurde dem Dichter 1901 ein Denkmal gesetzt (am Eingang zum Nikolaikirchhof). Vgl. Ruete, Hölty. Sein Leben und Dichten (Guben 1883). Höltys Grof;nesse, Hermann H., geb. 4. Nov. 1828 zu Ülzen im Hannoverschen, 186382 Pastor an der St. Johanniskirche zu Hannover, gest. 16. Aug. 1887 in Bad Rehburg, veröffentlichte: »Lieder und Balladen« (H. nub. 1856), »Ostseebilder und Balladen« (Kiel 1862), »Alpenzauber und italische Gebilde« (Braunschw. 1367), »Bilder und Balladen« (2. Aufl., Hannov. 1874), »Aus der deutschen Götterwelt«, Balladen (das. 1877). die Dramen: »Das Gelübde« (Kiel 1862, 2. Aufl. 1865), »König Saul« (Hannov. 1865) und »Lon oda« (das. 1882). Seine »Gesamten Dichtungen« erschienen Hannover 1882.
 
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Holtz, Wilhelm, Physiker, geb. 15. Okt. 1836 in Saatel bei Barth in Neuvorpommern, studierte in Berlin, Dijon und Edinburg, lebte dann in Berlin, vorzugsweise mit elektrischen Untersuchungen beschäftigt, und konstruierte 1865 die Influenzmaschine mit einer festen und einer beweglichen Scheibe und 1867 die Influenzmaschine mit zwei entgegengesetzt rotierenden Scheiben. Eine Wechselstrominfluenzmaschine hatte er schon 1864 konstruiert. Nach mehrjähriger Nervenkrankheit wurde er Assistent am physikalischen Institut in Greifswald, wo er sich 1881 als Privatdozent habilitierte und 1884 zum Professor der Physik ernannt wurde. Seine Arbeiten betreffen besonders die Lehre von der Elektrizität, auch schrieb er: »Theorie, Anlage und Prüfung der Blitzableiter« (Greifsw. 1878); »Über die Zunahme der Blitzgefahr und ihre vermutlichen Ursachen« (das. 1880).
 
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Holtzendorff, 1) Karl Friedrich von, preuß. Artilleriegeneral, geb. 17. Aug. 1764 in Berlin, gest. daselbst 26. Sept. 1828, Sohn des Artillerieinspekteurs unter Friedrich d. Gr., Generals Georg Ernst von H. (171485), wurde 1781 Leutnant, erwarb

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1794 bei Wawriczow den Orden pour le mérite, nahm an der Verteidigung von Danzig teil, ward 1807 Major und 1809 Brigadier der gesamten reitenden Artillerie. 1813 dem Korps Bülows zugeteilt. zeichnete er sich bei Großbeeren, Dennewitz und Leipzig, 1814 bei Laon und 1815 bei Ligny und Waterloo aus, erhielt, seit 1813 Generalmajor, 1816 das Kommando der Gardeartillerie und das der 1. und 2. Artilleriebrigade, 1820 das der 2. Division und wurde 1825 Generalinspektor des Militärerziehungs- u. Bildungswesens der Armee. 1888 wurde das 8. preußische Feldartillerieregiment (1. rheinisches) nach H. benannt.
   2) Franz von, Rechtsgelehrter, geb. 14. Okt. 1829 zu Vielmansdorf in der Ukermark, gest. 5. Febr. 1889 in München, ward in Berlin 1861 außerordentlicher, 1873 ordentlicher Professor, folgte aber noch im Herbst d. J. einem Ruf an die Universität München. Zum Studium des Gefängnis- und Strafenwesens unternahm er Studienreisen durch ganz Europa. Unter seinen hierauf bezüglichen Schriften sind hervorzuheben: »Die Deportationsstrafe im römischen Altertum« (Leipz. 1859); »Die Deportation als Strafmittel« (das. 1859); »Das irische Gefängnissystem« (das. 1859); »Die Kürzungsfähigkeit der Freiheitsstrafen und die bedingte Freilassung der Sträflinge« (das. 1861); »Kritische Untersuchungen über die Grundsätze und Ergebnisse des irischen Strafvollzugs« (Berl. 1865); »Die Brüderschaft des Rauhen Hauses« (das 1861) und »Der Brüderorden des Rauhen Hauses und sein Wirken in den Strafanstalten« (das. 1862). Außerdem schrieb er noch: »Französische Rechtszustände« (Leipz. 1859); »Die Reform der Staatsanwaltschaft in Deutschland« (Berl. 1864); »Die Umgestaltung der Staatsanwaltschaft vom Standpunkt unabhängiger Strafjustiz« (das. 1865); »Die Prinzipien der Politik« (das. 1869, 2. Aufl. 1879); »Das Verbrechen des Mordes und die Todesstrafe« (das. 1875); »Wesen und Wert der öffentlichen Meinung« (Münch. 1879, 2. Aufl. 1880); »Rumäniens Uferrechte an der Donau« (Leipz. 1883; franz., das. 1884); »Zeitglossen des gesunden Menschenverstands« (München 1884). Von 186173 gab H. die »Allgemeine deutsche Strafrechtszeitung«, seit 1866 mit Virchow die umfangreiche »Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge«, seit 187176 das »Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtspflege des Deutschen Reiches« (neue Folge, mit Brentano, 187780; fortgesetzt von Schmoller), seit 1872 mit W. Oncken die »Zeit- und Streitfragen« heraus; ferner die »Enzyklopädie der Rechtswissenschaft in systematischer und alphabetischer Bearbeitung« (Leipz. 187071, 2 Tle. in 3 Bdn.; 5. Aufl. des 1. [systematischen] Teils 1890; in 6. Aufl. [1902 ff.] neubearbeitet von Kohler u. a.; 2. Teil: »Rechtslexikon«, 3. Aufl. 188081, 2 Bde.); das »Handbuch des deutschen Strafrechts« (Berl. 187177, 4 Bde.), das »Handbuch des deutschen Strafprozeßrechts« (das. 187779, 2 Bde.), das »Handbuch des Völkerrechts« (das. 1885 bis 1889, 4 Bde.) und mit E. v. Jagemann das »Handbuch des Gefängniswesens in Einzelbeiträgen« (Hamb. 1888, 2 Bde.). Nach dem Englischen bearbeitete er in Verbindung mit A. Jachmann T. S. Perrys »Franz Lieber. Aus den Denkwürdigkeiten eines Deutsch-Amerikaners« (Stuttg. 1885). Von seiner öffentlichen Wirksamkeit erwähnen wir die Begründung des deutschen Juristentags, die wesentlich sein Werk wat, seinen Anteil am Protestantentag, seine Tätigkeit für Verbesserung der sozialen Stellung der Frauen und seine Verteidigung des Grafen Harry von Arnim (1874). Vgl. Störk, Franz v. H. (Hamb. 1889); W. v. Holtzendorff, Die Holtzendorff in der Mark Brandenburg und Chursachsen (Berl. 1876).
 
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Holtzinger, Heinrich, Kunstgelehrter, geb. 15. Aug. 1856 in Oldenburg, ward 1883 Privatdozent für mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte an der Universität Tübingen, 1888 außerordentlicher Professor daselbst und erhielt 1891 eine ordentliche Professur an der Technischen Hochschule in Hannover. Seine Forschungen erstrecken sich vornehmlich auf die Architektur der altchristlichen Zeit, des Mittelalters und der Renaissance, deren Denkmäler er auf Reisen in Italien, Griechenland und Nordafrika studiert hat. Die Ergebnisse dieser Studien sind die Schriften: »Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre« (Leipz. 1882); »Kunsthistorische Studien« (Tübing. 1886); »Handbuch der altchristlichen Architektur« (Stuttg. 1889); »Die altchristliche und byzantinische Baukunst« (im »Handbuch der Architektur«, das. 1899); »Die Ruinen Roms« (das. 1903). Er bearbeitete auch die 3. u. 4. Auflage von Burckhardts »Geschichte der Renaissance in Italien« (Stuttg. 1890 u. 1893).
 
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Holtzmann, 1) Karl Julius, protest. Theolog, geb. 6. Mai 1804 in Karlsruhe, gest. daselbst 23. Febr. 1877, wurde 1816 Lehrer, später Professor am Lyzeum daselbst, 1847 Stadtpfarrer und Lehrer am evangelischen Predigerseminar zu Heidelberg, 1861 Prälat in dem erneuerten evangelischen Overkirchenrat in Karlsruhe. Als Mitglied der Generalsynode von 1861 wirkte er tätig mit zum Zustandekommen der neuen badischen Kirchenverfassung.
   2) Adolf, Germanist, Bruder des vorigen, geb. 2. Mai 1810 in Karlsruhe, gest. 3. Juli 1870 in Heidelberg, studierte in Halle und Berlin Theologie, wandte sich aber dann der Sprachwissenschaft zu und begab sich zur Vollendung seiner Studien mit Unterstützung der Regierung 1832 nach München, 1834 nach Paris. 1837 zum Erzieher der badischen Prinzen berufen, verweilte er eine Reihe von Jahren in dieser Stellung, bis er 1852 die Professur der deutschen und indischen Sprache an der Universität Heidelberg erhielt. Seine Arbeiten gehören dem Gebiete der orientalischen Sprachen (Indisch und Altpersisch) wie dem der deutschen Sprache- und Literatur an. Von jenen sind zu nennen seine Übersetzung des 2. Buches des indischen Epos »Ramajana« (Karlsr. 1841, 2. Aufl. 1843), die »Indischen Sagen« (das. 184547, 3 Bde.; 2. Aufl. 1854, 2 Bde.), die Schrift »Über den griechischen Ursprung des indischen Tierkreises« (das. 1841) und die »Beiträge zur Erklärung der persischen Keilinschriften« (das. 1845, Heft 1); dem Gebiete der deutschen Grammatik auf sprachvergleichender Grundlage gehören an: »Über den Umlaut« (Karlsr. 1843) und »Über den Ablaut« (das. 1844), der deutschen Literatur seine Ausgabe der althochdeutschen Übersetzung eines Traktats von Isidor (das. 1836), seine »Untersuchungen über das Nibelungenlied« (Stuttg. 1854), worin er der herrschenden Ansicht von Lachmann entgegentrat, und woran sich außer der Streitschrift »Kampf um der Nibelunge Hort« (das. 1855) seine Ausgabe des Nibelungenliedes (das. 1857) und der »Klage« (das. 1859) sowie die Schulausgabe des Nibelungenliedes (3. Aufl. 1874) anschlossen, endlich die Ausgabe des »Großen Wolfdietrich« (Heidelb. 1865). Großen Widerspruch fand sein Buch »Kelten und Germanen« (Stuttg. 1855), worin er die Identität beider Völker zu beweisen versuchte. Seine sehr verdienstliche

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»Altdeutsche Grammatik« (Leipz. 187075, Bd. 1) blieb unvollendet. Nach seinem Tod erschienen, von Holderherausgegeben: »Germanische Altertümer mit Text, Übersetzung und Erklärung von Tacitus' Germania« (Leipz. 1873), seine Vorlesungen über »Deutsche Mythologie« (das. 1874) und »Die ältere Edda, übersetzt und erklärt« (das. 1875).
   3) Heinrich Julius, protest. Theolog, Sohn von H. 1), geb. 17. Mai 1832 in Karlsruhe, wurde 1861 außerordentlicher, 1865 ordentlicher Professor der Theologie in Heidelberg, 1874 in Straßburg. In H. hat die kirchliche Richtung des Meyers Protestantenvereins (s. d.) ihren wissenschaftlichen Hauptvertreter gefunden, in dessen Schriften sich strenger, kritischer Geist mit lebenswarmer Erfassung der christlich-religiösen Probleme vereinigt. Außer zahlreichen Abhandlungen schrieb er: »Kanon und Tradition« (Ludwigsb. 1859); »Die synoptischen Evangelien, ihr Ursprung und geschichtlicher Charakter« (Leipz. 1863); »Kritik der Epheser- und Kolosserbriefe« (das. 1872); »Die Pastoralbriefe« (das. 1880); »Lehrbuch der historischkritischen Einleitung in das Neue Testament« (Freiburg 1885, 3. Aufl. 1892); »Das Neue Testament und der römische Staat« (Straßb. 1892); »Lehrbuch der neutestamentlichen Theologie« (Freiburg 1897, 2 Bde.); »R. Rothes spekulatives System« (das. 1899); »Die Entstehung des Neuen Testaments« (Straßb. 1904; erweiterter Abdruck, Halle 1904). Außer den neutestamentlichen Partien von Bunsens Bibelwerk veröffentlichte er auch: »Predigten, gehalten im akademischen Gottesdienst zu Heidelberg« (Elberf 1865); »Akademische Predigten« (Leipz. 1873); »Geschichte des Volkes Israel und der Entstehung des Christentums« (mit G. Weber, das. 1867, 2 Bde.); das »Lexikon für Theologie und Kirchenwesen« (mit Zöpffel, das. 1882; 3. Aufl., Berl. 1895), den »Handkommentar zum Neuen Testament« (mit Lipsius, Schmiedel und v. Soden, Freib. 189091, 3. Aufl. 1899 ff.). In dem »Kurzen Bibelwörterbuch« (hrsg. von Guthe, Tübing. 1903) bearbeitete er die neutestamentlichen Artikel.
 
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Holub, Emil, Afrikareisender, geb. 7. Okt 1847 zu Holitz in Böhmen, gest. 21. Febr. 1902 in Wien, studierte in Prag Medizin und Naturwissenschaften und ging 1872 nach Südafrika, wo er sich im Diamantdistrikt von Kimberley als Arzt die Mittel zu drei größern Expeditionen in die nördlich gelegenen Gebiete erwarb. Anfang 1880 mit reichen Sammlungen nach Europa zurückgekehrt, bereitete er sich sogleich zu neuen Reisen vor, begab sich, begleitet von seiner Frau, 1883 nach Kapstadt, konnte aber seinen Plan, ganz Afrika von Süden nach Norden zu durchqueren, nicht ausführen. Erst Anfang 1886 gelangte er zum Sambesi und verlor dann im August durch einen feindlichen Überfall den größten Teil seiner wissenschaftlichen Ausbeute. Nach seiner Rückkehr (1887) veranstaltete er eine große südafrikanische Ausstellung in Wien, verschenkte dann seine Sammlungen an verschiedene Institute und erhielt, in Not geraten, noch kurz vor seinem Tode vom Kaiser von Österreich einen Ehrengehalt von 5000 Kronen. Er veröffentlichte: »Kulturskizze des Marutse-Mambundareichs« (Wien 1879); »Sieben Jahre in Südafrika, 18721879« (das. 1881, 2 Bde.); »Die Kolonisation Afrikas« (das. 188182, 4 Hefte); »Von der Kapstadt ins Land der Maschukulumbe« (das. 188890, 2 Bde.).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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