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Höhlenburg bis Höhleninsekten (Bd. 6, Sp. 461 bis 463)
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Artikelverweis Höhlenburg, zu einer Burg ausgebaute Höhle, wie z. B. das Puxer Loch in Steiermark und Kronmetz in Tirol. Vgl. Piper, Österreichische Burgen (Wien 1902).
 
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Höhlenente (Tadorna), s. Meyers Enten, S. 833.
 
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Höhlenfauna (Grottenfauna), die Gesamtheit der in Höhlen lebenden Tiere, die ganz verschiedenen Ordnungen angehören. Für die H. kommen nur die meist Kalkgebirgen angehörigen, oft sehr geräumigen Höhlen in Betracht, die wenigstens teilweise vom Tageslicht abgeschlossen sind. Berühmt durch ihre reiche

[Bd. 6, Sp. 462]


H. sind die Krainer Höhlen, die Grotten in Montenegro, Ungarn, Kroatien, Dalmatien und den Pyrenäen, die Mammuthöhle in Kentucky in Nordamerika, die Grotte Cacahuamilpa in Mexiko und Höhlen auf den Philippinen. Auch die Tropfsteinhöhlen Deutschlands enthalten eine interessante H., die aber andern Höhlen nachsteht. Nicht als Höhlentiere werden solche Tiere bezeichnet, die sich selbst Höhlen oder Gänge in der Erde graben. Auch die in den vordern, noch Dämmerlicht zeigenden Partien größerer Höhlen lebenden Tiere gehören nicht eigentlich zur H. Am besten unterscheidet man drei Gruppen von Höhlentieren: 1) zufällige Höhlenbewohner, die überall, auch außerhalb der Höhlen, unter den ihnen zusagenden Bedingungen leben; 2) Höhlenliebende (Troglophilen), deren Vorkommen in Höhlen normal, außerhalb derselben selten und mehr zufällig ist; sie leben überwiegend in den vom Tageslicht erreichten Teilen; 3) in Höhlen lebende Tiere (Troglobien), die ausschließlich in unterirdischen Grotten in völliger Nacht leben. Die höchsten Formen der H. sind Amphibien, so der in unterirdischen Wasserläufen der Adelsberger Grotte und andern Höhlen in Krain lebende Olm (Proteus anguineus) und ein andrer in Texas gefundener farbloser und blinder Molch (Typhlomolge Rathbuni) von 10 cm Länge, mit blutroten Kiemen, langen, steifen Beinen, vierfingerigen Händen u. fünfzehigen Füßen. Von Fischen ist aus der Mammuthöhle in Kentucky eine Reihe von Arten bekannt (Amblyopsis spelaeus [s. Höhlenfisch], Typhlichthys subterraneus u. a.), in einem etwa 8 km vom Eingang befindlichen Wasserbecken lebend, und ebenso andre Arten aus asiatischen Höhlen. Sie zeigen gleich dem Olm die Merkmale der Höhlenbewohner: Pigmentlosigkeit und rudimentäre Sehorgane. Sehr zahlreich sind unter der H. die Insekten vertreten, so in den Höhlen von Krain Käfer in zahlreichen Gattungen, ebenso in amerikanischen und spanischen Höhlen, z. B. die Gattungen Anophthalmus, Adelops, Leptoderus u. a., viele davon sind blind. Orthopteren, Hymenopteren und Dipteren finden sich nur wenige, dagegen häufig Springschwänze, die fast in keiner Höhle fehlen und in verschiedenen Gattungen und Arten bekannt sind. Tausendfüßer, Spinnen und Milben sind ebenfalls häufig. Von den Krebsen ist am bekanntesten der blinde Flußkrebs der Mammuthöhle; häufig sind Amphipoden, Asseln und Ruderfüßer. Von Würmern finden sich einige Ringelwürmer, Nematoden und Planarien (die farblose Planaria cavatica). Von Schnecken kennt man verschiedene kleine Formen (Zospeum, Carychium), in den Gewässern auch Hydrobia und Paludina. Protozoen werden gewiß häufig zur H. gehören, man kennt Infusorien (Carchesium, Dendrocometes, Amöben u. a.). Die völlige Dunkelheit, in der die echte H. lebt, hat vielfach zu einer Verkümmerung und selbst zum vollständigen Schwund der Sehorgane geführt, eine für die H. sehr charakteristische Erscheinung. Bei dem Olm und den sogen. blinden Höhlenfischen sind zwar die Augen noch vorhanden, aber sie sind klein und von der Körperhaut überzogen; auch bei Krustern, Mollusken und Insekten der H. finden sich rudimentäre Augen oder an deren Stelle (z. B. bei Springschwänzen) sogar tasterähnliche Bildungen. Zahlreiche Tiere der H. sind aber völlig blind, von denen einige Hundert blinde Insektenarten, besonders Käfer, bekannt sind, aber auch viele andre Gliedertiere (Springschwänze, Tausendfüßer, Spinnentiere, Kruster), bei denen sich alle Übergänge in der Rückbildung der Augen bis zu völligem Augenmangel verfolgen lassen. Eine zweite, ebenfalls dem Mangel an Licht zuzuschreibende, bei vielen Arten der H. sich findende Eigentümlichkeit ist die Pigmentlosigkeit, wie sie besonders auffallend beim Olm und den Fischen sich zeigt und auch vielen Krebsen, besonders Asseln und Amphipoden, sowie auch den Springschwänzen eigen ist. Ihre Nahrung finden die Höhlentiere teils in den Resten der abgestorbenen oder, wenn sie Räuber sind, in andern Höhlentieren, teils aber in den von außen hineingeschwemmten vegetabilischen Resten, doch ist die Ernährung jedenfalls recht spärlich, wie überhaupt die Existenzbedingungen für die Entwickelung einer reichern Fauna recht ungünstige sind. Vgl. Rougemont, Etude de la faune des eaux privées de la lumière (Par. 1876); Wiedersheim, Beiträge zur Kenntnis der württembergischen H. (Würzb. 1873); Fries, Die Falkensteiner Höhle, ihre Fauna und Flora (das. 1874); Hamann, Europäische H. (Jena 1896).
 
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Höhlenfisch (Amblyopsis spelaeus Dekay), ein Fisch aus der Familie der Heringsfische und der Unterfamilie der Kehlafter (Heteropygii), 13 cm lang, ohne Augen, mit vor den Brustflossen liegendem After, ungefärbt, lebendiggebärend, scheint in allen unterirdischen Flüssen vorzukommen, welche die Kalkfelsenschicht unter den kohleführenden Gesteinen in der Mitte der Vereinigten Staaten von Nordamerika durchfließen. Vgl. Höhlenfauna.
 
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Höhlenflora, die in unterirdischen Räumen gedeihenden Gewächse. Durch ihr Lichtbedürfnis sind alle chlorophyllhaltigen Pflanzen bis zu den Algen abwärts von gänzlich lichtlosen unterirdischen Räumen ausgeschlossen, dagegen hat man in Bergwerken, tiefen Kellern, Brunnenschächten u. dgl. eine ganze Reihe von Pilzen aufgefunden, deren Mycelien in der Zimmerung der Wände, in alten Holzteilen etc. wuchern und nicht selten auch ihre Fruchtkörper zur Ausbildung bringen. So fand Harz in dem oberbayrischen Braunkohlenwerk Hausham Thelephorazeen (Stereum sanguinolentum, Corticium ferrugineum), Polyporazeen (Merulius papyraceus, Trametes scutata, Polyporus albidus und caesius). Auch die steril bleibende, an ihrem Anisgeruch erkennbare Trametes odorata und die durch ihr Leuchtvermögen ausgezeichneten, früher als Rhizomorpha bezeichneten Mycelstränge von Agaricus melleus werden nicht selten in den Gruben und Schachtzimmerungen angetroffen. Außerdem sind Spaltpilze, wie z. B. Micrococcus (Leucocystis) cellaris, der feuchte Kellerwände mit dickem, gallertartigem Schleim überzieht, sowie Saprolegniazeen gelegentlich auch in Höhlen und deren Gewässern aufzufinden. In schwach beleuchteten Felsaushöhlungen und Grotten gedeihen auch manche chlorophyllhaltige Pflanzen, wie z. B. zahlreiche Algen aus den Gruppen der Diatomeen (z. B. Frustulia saxonica), Desmidiazeen (Arten von Cosmarium u. a.), Chrookokkazeen, Oszillarieen, Nostokazeen, Rivularieen u. a., die gallertartige, schleimige oder fadenförmige Überzüge auf nassen und schattigen Felswänden u. dgl. bilden. In Felsklüften des Urgebirges entwickelt sich bisweilen das smaragdgrün schimmernde Leuchtmoos (Schistostega osmundacea). An ähnlichen Orten siedeln sich einige andre Laubmoose, wie Pterygophyllum lucens, ferner zahlreiche Lebermoose, endlich auch Farne an, wie z. B. Adiantum capillus Veneris, Scolopendrium vulgare, Hymenophyllum tunbridgense u. a. Eine reiche Meeresalgenflora enthalten einige an der See gelegene Grotten Italiens, wie z. B. die von Falkenberg

[Bd. 6, Sp. 463]


näher untersuchte Grotta del Tuono bei Neapel. Ihre Sohle liegt nur wenige Zentimeter unter dem Meeresspiegel, empfängt aber kein direktes Sonnenlicht und beherbergt in ihrem dunkelsten Teil solche Algen, die sonst als charakteristische Bewohner der Meerestiefen zwischen 50 und 60 m, wie Phyllophora Heredia, Peyssonelia rubra, Bonnemaisonia asparagoides u. a., bekannt sind; an den hellern Stellen wachsen dagegen Algen, die im übrigen Golf in einer Tiefe von etwa 3 m angetroffen werden, wie z. B. Delesscria hypoglossum, Bornetia secundiflora u. a., ein deutlicher Beweis für den Einfluß des Lichtes auf die Lebensverhältnisse der Grottenbewohner. Vgl. A. v. Humboldt, Florae Fribergensis specimen plantas cryptogamicas praesertim subterraneas exhibens (Berl. 1793); Nees, Nöggerath und Bischoff, Die unterirdischen Rhizomorphen (in »Nova acta Acad. Leopold. Carol.«, Bd. 11 u. 12); Harz, Über Bergwerkspilze (im »Botanischen Zentralblatt«, Bd. 36, 1888); Schröter, Bemerkungen über Keller- und Grubenpilze (im »Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur«, 1883); v. Wettstein, Beitrag zur Pilzflora der Bergwerke (in der »Österreichischen Botanischen Zeitschrift«, Bd. 35); Falkenberg, Die Meeresalgen des Golfs von Neapel (in den »Mitteilungen der zoologischen Station in Neapel«, 1. Bd., 2. Heft); Fries, Die Falkensteiner Höhle, ihre Fauna und Flora (Würzb. 1874).
 
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Höhlenfunde, s. Meyers Höhlen, S. 460 f.
 
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Höhlengans, soviel wie Höhlenente (Tadorna), s. Meyers Enten, S. 833.
 
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Höhlengräber, bei den steinzeitlichen Völkern Europas, aber auch bei einigen Kulturvölkern des Altertums übliche Art der Beisetzung Verstorbener. Besonders reich an Höhlengräbern sind große Teile Ost- und Südfrankreichs, Belgiens, Englands, der Jura, der Nordrand Afrikas (s. Meyers Afrikanische Altertümer und Meyers Ägypten, S. 195). Ihrem Wesen nach berührt sich die Sitte mit dem Brauch vieler heutiger Naturvölker, ihre Toten in den Wohnungen zu belassen, die damit für die Überlebenden unbewohnbar werden. Das ist auch stets bei den Höhlen der Fall, die, wo sie vorhanden sind, fast immer zu den eigentlichen Begräbnisplätzen geworden sind. Sie bilden manchmal (in Ägypten, bei Petit Morin im Departement Marne) ganze Totenstädte. Wo natürliche Höhlen nicht vorhanden oder auf die Dauer nicht benutzbar sind, geht man zu künstlichen Nachbildungen durch Zusammenstellen von Steinen, die man mit Erde überdeckt, über (Dolmen, Hünengräber etc. [s. Gräber, vorgeschichtliche]). Künstliche H. sind z. T. auch die Mounds. Unsre Bestattung in Erdgruben geht nach Schurtz ebenfalls auf die altgermanische Wohnweise in Erdlöchern zurück. Vgl. Schurtz, Urgeschichte der Kultur (Leipz. 1900).
 
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Höhlenhain, Bélaer, s. Meyers Béla (Stadt).
 
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Höhlenhyäne, s. Meyers Hyäne.
 
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Höhleninsekten, s. Meyers Höhlenfauna.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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