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Hohlcelte bis Höhlenflora (Bd. 6, Sp. 458 bis 462)
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Artikelverweis Hohlcelte, s. Meyers Metallzeit.
 
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Hohldelta (hohle Mündung), soviel wie Ästuarium, s. Ästuarien.
 
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Hohleisen, s. Meyers Stemm- und Stechzeug.
 
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Höhlen (hierzu Tafel Meyers »Höhlen I und II«), natürliche, unterirdische Hohlräume in den verschiedensten Gesteinen, oft ohne jede Kommunikation mit der Erdoberfläche, so daß der Nachweis ihrer Existenz Zufälligkeiten (Wegbauten, Tunnelbohrungen, Einstürzen etc.) zu verdanken ist, bisweilen mit mehr oder weniger breiten natürlichen Schächten oder Stollen, die den Zugang ermöglichen oder wohl auch Bäche ein- oder austreten lassen. Man kennt H. vorzugsweise in den in Wasser leichter löslichen Gesteinen, so in Gips (darin die »Gipsschlotten«, s. Meyers Gips, S. 857, und Schlotten), ferner in den verschiedensten Kalksteinen und Dolomiten, im Kalktuff (Olgahöhle bei Lichtenstein und andre Orte der Schwäbischen Alb), im Grobkalk (Lunel), im Kreidekalk (Blaue Grotte auf Capri, Jerusalem), im Juradolomit (Muggendorfer H. in der Fränkischen Schweiz), im Muschelkalk (Erdmannshöhle im badischen Oberland, Höhle bei Nagold in Württemberg), Zechsteindolomit (Altensteiner Höhle in Thüringen), im Zechsteingips (Barbarossahöhle im Harz), im karbonischen und devonischen Kalk Englands, der Rheinlande und Westfalens (Sundwicher,

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Balver und Dechenhöhle bei Iserlohn), des Harzes (Baumannshöhle und Hermannshöhle; vgl. untenstehendes Längenprofil u. Grundriß der letztern), im körnigen Kalk (Antiparos). Armer an H. sind die andern Gesteine. So zeigen die Sandsteine fast nur offene Grotten oder Tore (Prebischtor und Kuhstall im Quadersandstein der Sächsischen Schweiz), ebenso selten sind die Höhlenbildungen in Ton- und Glimmerschiefer (Sillaka auf Thermia) sowie in den Graniten und Gneisen der Alpen (sogen. Kristallkeller). Mitunter bergen Basalte (Fingalshöhle auf Staffa) und Laven (Kanarische Inseln) H., die meist durch Unterwaschung und Zusammensturz von Basalt oder durch Aufblähung der noch fließenden Lava infolge entweichender Dämpfe sowie durch Abfließen der Lava unter schon erstarrter Decke entstanden sind.
   Die Temperatur in den H. ist meist der Mitteltemperatur des betreffenden Ortes gleich, bisweilen auch höher oder niedriger. In den Meyers Eishöhlen (s. d.) schmilzt das Eis zu keiner Jahreszeit. Die meisten H. sind relativ trocken (trockne H. oder Grotten); manche besitzen unterirdische Wasserbassins oder werden von Bächen und Flußläufen durchströmt (Wasserhöhlen); wieder andre (die sogen. Gashöhlen) sind, wenigstens an ihrem Boden, mit Kohlensäure (Dunsthöhle bei Pyrmont, Hundsgrotte bei Neapel) oder mit schwefliger Säure (Schwefelgrotte am Berg Büdös, Siebenbürgen) gefüllt. Die sogen. blauen Grotten (außer der oft genannten auf der Insel Capri ist nur noch eine auf der dalmatinischen Insel Busi bekannt) verdanken die wunderbaren Lichtreflexerscheinungen dem Umstande, daß die Eingangsöffnung direkt über dem Meeresspiegel, bei der Flut sogar unter demselben liegt.
   Den Untersuchungen von Männern wie Gümbel, Zittel, Fraas, Quenstedt, Fuhlrott, v. Hochstetter, Schmidl, Kraus, Tietze, Martel etc. und den eifrigen Bestrebungen einer Reihe von Fachvereinen (wie Schwäbischer Höhlenverein zu Gutenberg in Württemberg, Société spéléologique zu Paris, Verein Anthron in Adelsberg, Abteilung für Grottenforschung der Sektion Küstenland des Deutsch-österreichischen Alpenvereins, Club Touristi Italiani, Società delle Alpe Giule, die letzten drei in Triest) ist es zu danken, daß eine große Zahl von H. ihrer Lage und ihrer Ausdehnung nach auf das genaueste bekannt ist, und für größere oder kleinere Gebiete (z. B. für Bayern, Salzkammergut, den Karst, verschiedene Teile von Frankreich, Belgien, Griechenland etc.) ziemlich genaue Höhlenkarten existieren, welche die Lage und die Ausdehnung der H. in übersichtlicher, grundrißticher Darstellung erkennen lassen. Es geht aus ihnen hervor, daß die Größe der H., die oft in mehrere Abteilungen (Kammern, Säle) gegliedert sind, sehr verschieden ist. So ist die Dechenhöhle 270 m, sind mehrere H. des Harzes etwa 200 m, einige der Fränkischen Schweiz über 100 m, die Adelsberger Höhle im Karstgebirge in ihrem zugänglichen Teil über 5 km, die Planinahöhle in Krain ebenfalls 5 km lang, und die Mammuthöhle in Südkentucky soll gangbare Strecken von zusammen 240 km Länge haben. Besonders genau erforscht sind die H., in welche die Reka bei St. Kanzian im Karst verschwindet, um nach einem etwa 30 km langen unterirdischen Verlauf unter dem Namen Timavo plötzlich wieder zutage zu treten. Ein Teil der Rekahöhlen ist nach der Aufnahme von Hanke in Fig. 1 auf Tafel I im Grundriß und Profil zur Darstellung gebracht; die Figuren 2,3 und 4 auf Tafel II geben eine Vorstellung von den innern, sehr mannigfaltig gestalteten Räumen; Fig. 1 der Tafel II zeigt die Vorderwand der großen Doline bei St. Kanzian, die, anscheinend durch Einsturz der Höhlendecke gebildet, eine Tiefe von 160 m bei einem Durchmesser von 400 m hat und bis zum Niveau der Reka hinabreicht.

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Man hat die H. früher eingeteilt in solche, in denen Wasserläufe verschwinden (Wasserschlinger, Flußschwinden, Sauglöcher, Schlundhöhlen, Katavothren, besonders in Arkadien [vgl. Fig. 2 auf Tafel I], in Krain [ebenda, Fig. 1 j, in Kroatien und in Bosnien und Herzegowina verbreitet und oft zum Betriebe von Mühlen hergerichtet, s. auch Meyers Fluß, S. 731), in solche, aus denen sich Wasserläufe ergießen (Wasserspeier, Speihöhlen, Riesenquellen, Kephalarien; sie sind, wie die Rekahöhlen zeigen, oft nur das Ende der Wasserschlinger), und ferner in die mehr oder weniger vertikal in die Tiefe sich erstreckenden, teils trocknen, teils mit Wasser ganz oder nur im Grunde angefüllten Schlunde (Erdfälle, Einsturztrichter, Dolinen, Schlotten, s. d.). Jetzt unterscheidet man in strengerer Weise zwischen ursprünglichen, zwischen später gebildeten natürlichen und zwischen künstlichen H. Die ursprünglichen H. sind am seltensten; es gehören zu ihnen viele der Kristallkeller (am Tiefengletscher, im Rauris etc.), manche, zumal trockne H. in Laven (Island, Mount Shasta in Kalifornien etc.), ferner in Sedimentgesteinen die horizontalen Riffhöhlen sowie die vertikal niedersetzenden Klippenbrunnen, die beide in Korallenriffen durch das ungleiche Wachstum der Korallen entstehen können, und einige der sogen. Spalthöhlen. Letztere haben sich meistens nachträglich erweitert und bilden daher einen Übergang zu den spätergebildeten H. Unter diesen, deren Zahl am größten ist, werden unterschieden: 1) Spaltenhöhlen, wesentlich entstanden durch mechanische Vorgänge, die mit der Ausrichtung und Faltung der Schichten, Austrocknung von Gesteinen, Erdbeben etc. zusammenhängen, und durch das im Gestein zirkulierende, vorwiegend auslösende, seltener Absätze zurücklassende Wasser allmählich verändert; hierher gehören die engen klammartigen H., wie sie z. B. im Karst an der Reka (s. oben) etc. und am Bonheurfluß in den Cevennen (Frankreich) auftreten, aber auch die seltenen, durch Senkungen und Einstürze infolge von Unterwaschungen gebildeten Klufthöhlen. 2) Erosions- und Korrosionshöhlen, besonders häufig in den in Wasser leichter löslichen Gesteinen, wie Gips, Kalkstein und Dolomit, und lediglich entstanden durch das von der Oberfläche in die Gesteine eindringende und hier allmählich durch mechanische (Erosion) und chemische Tätigkeit (Korrosion) Hohlräume erzeugende fließende Wasser, bald in vertikaler (Schach t- oder Schlundhöhlen), bald in horizontaler (Tunnelhöhlen) oder schräger Richtung (Etagenhöhlen) niedersetzend, entweder fließendes oder stehendes Wasser führend (Wasserhöhlen) oder infolge später veränderten Wasserlaufes trocken geworden (Grotten). 3) Überdeckungshöhlen, durch Überdeckung von bestehenden Spalten, Klüften, Klammen etc. mit Schuttmassen oder Kalktuffbildungen erzeugte H. von meist geringen Dimensionen, zu denen auch die Windlöcher, Windröhren und Eislöcher gerechnet werden können. Zu den künstlichen und künstlicherweiterten, wesentlich anthropologisch interessanten H. gehören die sogen. Erdställe, fast ausschließlich in Lehm oder Löß gegraben (Niederösterreich, Bayern, Zigeunerwohnungen in Granada, Lößwohnungen in China etc.), die für Kultus-, Begräbnis- oder Verteidigungszwecke eingerichteten künstlichen oder umgestalteten natürlichen H. (z. B. die Antonsgrotte bei Wien, die Türkenluke bei Kleinzell in Niederösterreich, die Katakomben von Rom etc., die Felsengräber in Ägypten etc.), ferner die durch Bergwerke, zumal durch die sogen. Sinkwerke (österreichische und bayrische Steinsalzbergwerke in den Alpen) und unterirdische Steinbrüche (Petersberg bei Maastricht, Niedermendig etc.) entstandenen Hohlräume. Die Wasserhöhlen und Grotten sind oft mit prachtvollen Sinterbildungen ausgekleidet. Meistens ist es Kalkspat (Höhlenkalk, Tropfstein), aus dem besonders die von den Decken herab sich bildenden Stalaktiten und die ihnen entgegenwachsenden Stalagmiten, oft zu Säulen oder Orgeln vereinigt, bestehen, so in der großen Aggteléker Höhle in Ungarn, einer der schönsten Tropfsteinhöhlen (Fig. 5. und 6 auf Tafel II); seltener findet sich Aragonit (Antiparos) oder Bergkristall, Adular etc. (Kristallkeller der Alpen), noch seltener Bleiglanz, Eisenkies und Zinkblende (am obern Mississippi und bei Raibl in Kärnten). Zuweilen verkittet der Kalksinter am Boden der H. Knochen der ehemaligen Höhlenbewohner; besonders aber finden sich in dem rötlichen sandigen Lehm (Höhlenlehm), der den Boden der Knochenhöhlen bedeckt, oft zahlreiche wohlerhaltene Überreste diluvialer Höhlentiere und des Höhlenmenschen. Die Nischenhöhlen oder Halbhöhlen, nischenartige Vertiefungen im Gestein, und die Felsbrücken, denen beiden man besonders an steilen Küsten, aber auch vielfach im Binnenlande begegnet, sind keine eigentlichen H., sondern entweder durch Einsturz größerer H. oder durch Erosion und Brandung etc. entstanden. Vgl. auch Windhöhlen.
   Seit der Mitte des 18. Jahrh., insbes. nachdem Esper 1774 die in der Gailenreuther Höhle gefundenen Knochen richtig gedeutet hatte, ist den H. ein stets wachsendes Interesse zuteil geworden, zuerst durch die Geologen, die sie hinsichtlich ihrer Ausdehnung und Entstehung sowie ihres Gehaltes an Resten diluvialer Höhlenbewohner (s. Diluvium) durchforschten; später durch die Anthropologen, die in den H. die ältesten, an vorgeschichtlichen Gegenständen aller Art besonders reichen Wohnstätten des Menschen erkannten, und zuletzt durch die Zoologen und Botaniker, welche die lebende Höhlenfauna und - Meyers Flora (s. d.) studierten. Neuerdings verfolgt die Höhlenforschung aber auch praktische Gesichtspunkte: man sucht durch Erschließung bisher unbekannter H. und durch Beseitigung unterirdischer Hindernisse Abflußwege für Hochwasser zu schaffen, wie dies für mehrere Kesseltäler in Krain bereits geschehen ist, oder man versorgt wasserarme Gegenden, wie die des Karstes, aus den die H. durchziehenden unterirdischen Wasserläufen mit Wasser, wobei zugleich das Gefälle der unterirdischen Flüsse zur Beschaffung der motorischen Kraft benutzt werden kann, durch die das Wasser den hochgelegenen Orten zugeführt wird. Die Höhlenkunde (Speläologie) hat sich geradezu zu einer besondern Wissenschaft herausgebildet, die ihre eignen Forschungsmethoden besitzt.
   [Vorgeschichtliches.] Die H. sind die von der Natur den Menschen und Tieren gebotenen, gegen böse Wetter, auch gegen die Angriffe von Feinden den besten Schutz gewährenden Zufluchtsstätten und deshalb von der allerältesten bis in die neueste Zeit hinein als solche benutzt worden. Der Boden der H. ist bedeckt mit den Niederschlägen des Wassers, die aus dem durchflossenen Gebirge stammen, meist lehmiger oder toniger (Höhlenlehm) oder sandiger Natur sind und häufig Tierknochen (Knochenhöhlen) und Erzeugnisse menschlicher Hand enthalten. In den feuchten H., in denen Sinterbildungen stattfinden, sind die auf dem Boden lagernden Schichten häufig von Sinterschichten durchsetzt oder überdeckt. Je nach dem Grade der

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Feuchtigkeit der Höhlenwände und der Löslichkeit des Gesteins geht die Sinterbildung bald schneller, bald langsamer vor sich, und deshalb gibt die Mächtigkeit der Sinterdecke keinen sichern Maßstab für die Berechnung ihres Alters. Die in den H. gefundenen Gegenstände (Höhlenfunde) können von Tieren und Menschen herrühren, denen die H. zu vorübergehendem oder stetigem Aufenthalt dienten (Wohnhöhlen, Höhlenwohnungen im eigentlichen Sinne), sie können aber auch von entlegenen Stellen durch Wasserfluten eingeschwemmt sein. Die gefundenen Tierknochen stammen meistens von Raubtieren (Bären, Hyänen, Wölfen, Füchsen etc.), aber auch vom Mammut, Rhinozeros, Rind, Hirsch, Pferd, Renntier sowie kleinern, jetzt den Polarländern angehörigen Tieren, wie Lemming, Polarhase u. a. Die Beurteilung der Höhlenfunde erfordert große Vorsicht, da die Individuen vieler Völker und Stämme in den verschiedenen Ländern und zu den verschiedensten Zeiten die H. als Zufluchts- und Wohnstätten, wohl auch als Begräbnisstätten benutzt haben, und da man in den seltensten Fällen Gewißheit hat, die Fundstücke (menschliche und tierische Skelettreste, letztere häufig als Überbleibsel der Mahlzeiten der Höhlenbewohner aufzufassen, sowie Geräte), die für die Beurteilung des Alters der Funde maßgebend sind, in situ anzutreffen. Aus diesem Grunde sind in vielen Fällen, wo man in den aus solchen H. zutage geförderten Menschenschädeln mit Sicherheit Reste des diluvialen Menschen zu erkennen geglaubt hat, später gegen das vermeintliche hohe Alter dieser Menschenreste Einwürfe erhoben worden. Ob die Bewohner dieser H. dieselben nur im Winter aufgesucht, im Sommer aber, wie vielfach angenommen wird, in Fellzelten gewohnt haben, ist kaum zu entscheiden. Boyd Dawkins teilt die H. nach den Funden in historische, prähistorische und pleistocäne (postpliocäne); andre scheiden sie nach den Tierresten in solche mit Knochen von ausgestorbenen Tierarten (Mammut, Höhlenbär, Höhlenlöwe) und solche mit Resten ausgewanderter Tiere, als deren Hauptrepräsentant das Renntier gilt, und nehmen für letztere eine eigne Renntierzeit an, der eine Mammutzeit vorausgegangen sein soll. In Belgien haben die in den Tälern der Maas und ihrer Nebenflüsse in der Provinz Lüttich gelegenen H., insbes. die Engishöhle (bekannt durch den in ihr aufgefundenen »Engisschädel«), das Trou de la Naulette, aus dem ein durch seine Form bemerkenswertes menschliches Unterkieferfragment zutage gefördert wurde, ferner das Trou du Frontal, die H. von Engihoul, Chauvaux und Sclaigneux u. a. für das Studium der alteuropäischen Menschenrassen wichtiges Material geliefert. Ob diese Rassen allerdings diluvial sind, ist zweifelhaft. In neuerer Zeit haben die beiden menschlichen Skelette aus der Grotte von Spy wegen der bemerkenswerten Übereinstimmung, welche die betreffenden Schädel mit dem bekannten Neandertalschädel und denen von Krapina aufweisen, Aufsehen erregt. In Südfrankreich sind die H. der Dordogne (Périgord) von Lartet, Christy, Rivière, Capitan, Daleau, Moissan, Peroney, Breuil u. a. eingehend untersucht worden. Insbesondere haben die H. von Les Eyzies, Cromagnon, La Madeleine, Laugerie, La Mouthe, Pair-non-Pair, Chabot, Combarelles, Font-de-Gaume und Le Monstier eine reiche Ausbeute an Menschenresten, altsteinzeitlichen Geräten, Felsenbildern und Überresten von Mahlzeiten des paläolithischen Menschen geliefert. Die Höhle von Solutré (Saône-et-Loire) ist bemerkenswert durch die in ihr massenhaft aufgefundenen Pferdeknochen. Großes Aufsehen erregten die in den der »Renntierzeit« angehörigen südfranzösischen H. aufgefundenen figürlichen Darstellungen, meistens Tierzeichnungen, die in Renntierhorn oder Mammutelfenbein eingraviert sind, in den letzten Jahren dann die zahlreichen Wandgemälde (s. Meyers Felsenbilder, vorgeschichtliche). Unter den H. Englands sind die Viktoriahöhle bei Settle, die von Kirkdale in Yorkshire, die Kenthöhle und die Dream-Cave in Derbyshire von Interesse. In Deutschland haben sich Fraas durch die Erforschung der Hohlefels- und Bocksteinhöhlen der Schwäbischen Alb, Engelhard, Nehring und Joh. Ranke durch die Erforschung der H. und Grotten der Fränkischen Schweiz, die großenteils bis in eine ziemlich späte Zeit bewohnt waren, Verdienste erworben. Die Neandertalhöhle, aus der der vielumstrittene Schädel zutage gefördert wurde, ist von Fuhlrott, die in der Rheinprovinz, Nassau und dem Harz gelegenen H. sind von Schaaffhausen, Bracht, Cohausen, Virchow, Dücker u. a. erschlossen worden. Ebenso wie die südfranzösischen H. der Renntierzeit haben die von Nüesch, Heierli u. a. erschlossenen H. im Keßlerloch bei Thayngen und die unter einem Felsen gelegene renntierzeitliche Niederlassung »beim Schweizersbild« (beide im schweizerischen Kanton Schaffhausen) bemerkenswerte Tierzeichnungen ergeben. In der letztern fand man auch die Skelettreste kleinwüchsiger Menschen, die von Kollmann als Angehörige eines Zwergvolkes, das während der jüngern Steinzeit in jenen Gegenden gelebt hätte, angesprochen werden. Im Heppenloch am Nordabhang der Schwäbischen Alb bei Gutenberg fand Edinger rohe Steingeräte von beilförmiger, messerförmiger und keilförmiger Gestalt derart vergesellschaftet mit den Resten von pliocänen Tieren, daß die Existenz des Menschen zur Tertiärzeit kaum noch bezweifelt werden kann. In der von Wankel durchforschten Byciskálahöhle bei Adamsthal (Mähren) wurden den verschiedensten vorgeschichtlichen Epochen entstammende Funde gemacht. Vgl. Dawkins, Die H. und die Ureinwohner Europas (a. d. Engl. von Spengel, Leipz. 1876); Fraas, Die alten Höhlenbewohner (Berl. 1873); Fruwirth, Über H. (Salzb. 1885); Thury, Etudes sur les glacières naturelles (Genf 1861); Fuhlrott, Die H. und Grotten in Rheinland-Westfalen (Iserl. 1869); Martel, Les abîmes, les eaux souterraines, les cavernes, etc. (Par. 1894); Kraus, Höhlenkunde (Wien 1895); Klaatsch, Entstehung und Entwickelung des Menschengeschlechts (in »Weltall und Menschheit«, 2. Bd., Berl. 1902); Heierli, Urgeschichte der Schweiz (Zürich 1901); Fraipont, Les cavernes et leurs habitants (Par. 1895); Hörnes, Der diluviale Mensch in Europa (Braunschw. 1903); Neischl, Die H. der Fränkischen Schweiz etc. (Nürnb. 1904). Weiteres s. Meyers Felsenbilder, vorgeschichtliche.
 
Artikelverweis 
Höhlenasseln, s. Meyers Höhlenfauna.
 
Artikelverweis 
Höhlenbär, s. Meyers Bär, S. 360.
 
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Höhlenburg, zu einer Burg ausgebaute Höhle, wie z. B. das Puxer Loch in Steiermark und Kronmetz in Tirol. Vgl. Piper, Österreichische Burgen (Wien 1902).
 
Artikelverweis 
Höhlenente (Tadorna), s. Meyers Enten, S. 833.
 
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Höhlenfauna (Grottenfauna), die Gesamtheit der in Höhlen lebenden Tiere, die ganz verschiedenen Ordnungen angehören. Für die H. kommen nur die meist Kalkgebirgen angehörigen, oft sehr geräumigen Höhlen in Betracht, die wenigstens teilweise vom Tageslicht abgeschlossen sind. Berühmt durch ihre reiche

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H. sind die Krainer Höhlen, die Grotten in Montenegro, Ungarn, Kroatien, Dalmatien und den Pyrenäen, die Mammuthöhle in Kentucky in Nordamerika, die Grotte Cacahuamilpa in Mexiko und Höhlen auf den Philippinen. Auch die Tropfsteinhöhlen Deutschlands enthalten eine interessante H., die aber andern Höhlen nachsteht. Nicht als Höhlentiere werden solche Tiere bezeichnet, die sich selbst Höhlen oder Gänge in der Erde graben. Auch die in den vordern, noch Dämmerlicht zeigenden Partien größerer Höhlen lebenden Tiere gehören nicht eigentlich zur H. Am besten unterscheidet man drei Gruppen von Höhlentieren: 1) zufällige Höhlenbewohner, die überall, auch außerhalb der Höhlen, unter den ihnen zusagenden Bedingungen leben; 2) Höhlenliebende (Troglophilen), deren Vorkommen in Höhlen normal, außerhalb derselben selten und mehr zufällig ist; sie leben überwiegend in den vom Tageslicht erreichten Teilen; 3) in Höhlen lebende Tiere (Troglobien), die ausschließlich in unterirdischen Grotten in völliger Nacht leben. Die höchsten Formen der H. sind Amphibien, so der in unterirdischen Wasserläufen der Adelsberger Grotte und andern Höhlen in Krain lebende Olm (Proteus anguineus) und ein andrer in Texas gefundener farbloser und blinder Molch (Typhlomolge Rathbuni) von 10 cm Länge, mit blutroten Kiemen, langen, steifen Beinen, vierfingerigen Händen u. fünfzehigen Füßen. Von Fischen ist aus der Mammuthöhle in Kentucky eine Reihe von Arten bekannt (Amblyopsis spelaeus [s. Höhlenfisch], Typhlichthys subterraneus u. a.), in einem etwa 8 km vom Eingang befindlichen Wasserbecken lebend, und ebenso andre Arten aus asiatischen Höhlen. Sie zeigen gleich dem Olm die Merkmale der Höhlenbewohner: Pigmentlosigkeit und rudimentäre Sehorgane. Sehr zahlreich sind unter der H. die Insekten vertreten, so in den Höhlen von Krain Käfer in zahlreichen Gattungen, ebenso in amerikanischen und spanischen Höhlen, z. B. die Gattungen Anophthalmus, Adelops, Leptoderus u. a., viele davon sind blind. Orthopteren, Hymenopteren und Dipteren finden sich nur wenige, dagegen häufig Springschwänze, die fast in keiner Höhle fehlen und in verschiedenen Gattungen und Arten bekannt sind. Tausendfüßer, Spinnen und Milben sind ebenfalls häufig. Von den Krebsen ist am bekanntesten der blinde Flußkrebs der Mammuthöhle; häufig sind Amphipoden, Asseln und Ruderfüßer. Von Würmern finden sich einige Ringelwürmer, Nematoden und Planarien (die farblose Planaria cavatica). Von Schnecken kennt man verschiedene kleine Formen (Zospeum, Carychium), in den Gewässern auch Hydrobia und Paludina. Protozoen werden gewiß häufig zur H. gehören, man kennt Infusorien (Carchesium, Dendrocometes, Amöben u. a.). Die völlige Dunkelheit, in der die echte H. lebt, hat vielfach zu einer Verkümmerung und selbst zum vollständigen Schwund der Sehorgane geführt, eine für die H. sehr charakteristische Erscheinung. Bei dem Olm und den sogen. blinden Höhlenfischen sind zwar die Augen noch vorhanden, aber sie sind klein und von der Körperhaut überzogen; auch bei Krustern, Mollusken und Insekten der H. finden sich rudimentäre Augen oder an deren Stelle (z. B. bei Springschwänzen) sogar tasterähnliche Bildungen. Zahlreiche Tiere der H. sind aber völlig blind, von denen einige Hundert blinde Insektenarten, besonders Käfer, bekannt sind, aber auch viele andre Gliedertiere (Springschwänze, Tausendfüßer, Spinnentiere, Kruster), bei denen sich alle Übergänge in der Rückbildung der Augen bis zu völligem Augenmangel verfolgen lassen. Eine zweite, ebenfalls dem Mangel an Licht zuzuschreibende, bei vielen Arten der H. sich findende Eigentümlichkeit ist die Pigmentlosigkeit, wie sie besonders auffallend beim Olm und den Fischen sich zeigt und auch vielen Krebsen, besonders Asseln und Amphipoden, sowie auch den Springschwänzen eigen ist. Ihre Nahrung finden die Höhlentiere teils in den Resten der abgestorbenen oder, wenn sie Räuber sind, in andern Höhlentieren, teils aber in den von außen hineingeschwemmten vegetabilischen Resten, doch ist die Ernährung jedenfalls recht spärlich, wie überhaupt die Existenzbedingungen für die Entwickelung einer reichern Fauna recht ungünstige sind. Vgl. Rougemont, Etude de la faune des eaux privées de la lumière (Par. 1876); Wiedersheim, Beiträge zur Kenntnis der württembergischen H. (Würzb. 1873); Fries, Die Falkensteiner Höhle, ihre Fauna und Flora (das. 1874); Hamann, Europäische H. (Jena 1896).
 
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Höhlenfisch (Amblyopsis spelaeus Dekay), ein Fisch aus der Familie der Heringsfische und der Unterfamilie der Kehlafter (Heteropygii), 13 cm lang, ohne Augen, mit vor den Brustflossen liegendem After, ungefärbt, lebendiggebärend, scheint in allen unterirdischen Flüssen vorzukommen, welche die Kalkfelsenschicht unter den kohleführenden Gesteinen in der Mitte der Vereinigten Staaten von Nordamerika durchfließen. Vgl. Höhlenfauna.
 
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Höhlenflora, die in unterirdischen Räumen gedeihenden Gewächse. Durch ihr Lichtbedürfnis sind alle chlorophyllhaltigen Pflanzen bis zu den Algen abwärts von gänzlich lichtlosen unterirdischen Räumen ausgeschlossen, dagegen hat man in Bergwerken, tiefen Kellern, Brunnenschächten u. dgl. eine ganze Reihe von Pilzen aufgefunden, deren Mycelien in der Zimmerung der Wände, in alten Holzteilen etc. wuchern und nicht selten auch ihre Fruchtkörper zur Ausbildung bringen. So fand Harz in dem oberbayrischen Braunkohlenwerk Hausham Thelephorazeen (Stereum sanguinolentum, Corticium ferrugineum), Polyporazeen (Merulius papyraceus, Trametes scutata, Polyporus albidus und caesius). Auch die steril bleibende, an ihrem Anisgeruch erkennbare Trametes odorata und die durch ihr Leuchtvermögen ausgezeichneten, früher als Rhizomorpha bezeichneten Mycelstränge von Agaricus melleus werden nicht selten in den Gruben und Schachtzimmerungen angetroffen. Außerdem sind Spaltpilze, wie z. B. Micrococcus (Leucocystis) cellaris, der feuchte Kellerwände mit dickem, gallertartigem Schleim überzieht, sowie Saprolegniazeen gelegentlich auch in Höhlen und deren Gewässern aufzufinden. In schwach beleuchteten Felsaushöhlungen und Grotten gedeihen auch manche chlorophyllhaltige Pflanzen, wie z. B. zahlreiche Algen aus den Gruppen der Diatomeen (z. B. Frustulia saxonica), Desmidiazeen (Arten von Cosmarium u. a.), Chrookokkazeen, Oszillarieen, Nostokazeen, Rivularieen u. a., die gallertartige, schleimige oder fadenförmige Überzüge auf nassen und schattigen Felswänden u. dgl. bilden. In Felsklüften des Urgebirges entwickelt sich bisweilen das smaragdgrün schimmernde Leuchtmoos (Schistostega osmundacea). An ähnlichen Orten siedeln sich einige andre Laubmoose, wie Pterygophyllum lucens, ferner zahlreiche Lebermoose, endlich auch Farne an, wie z. B. Adiantum capillus Veneris, Scolopendrium vulgare, Hymenophyllum tunbridgense u. a. Eine reiche Meeresalgenflora enthalten einige an der See gelegene Grotten Italiens, wie z. B. die von Falkenberg

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näher untersuchte Grotta del Tuono bei Neapel. Ihre Sohle liegt nur wenige Zentimeter unter dem Meeresspiegel, empfängt aber kein direktes Sonnenlicht und beherbergt in ihrem dunkelsten Teil solche Algen, die sonst als charakteristische Bewohner der Meerestiefen zwischen 50 und 60 m, wie Phyllophora Heredia, Peyssonelia rubra, Bonnemaisonia asparagoides u. a., bekannt sind; an den hellern Stellen wachsen dagegen Algen, die im übrigen Golf in einer Tiefe von etwa 3 m angetroffen werden, wie z. B. Delesscria hypoglossum, Bornetia secundiflora u. a., ein deutlicher Beweis für den Einfluß des Lichtes auf die Lebensverhältnisse der Grottenbewohner. Vgl. A. v. Humboldt, Florae Fribergensis specimen plantas cryptogamicas praesertim subterraneas exhibens (Berl. 1793); Nees, Nöggerath und Bischoff, Die unterirdischen Rhizomorphen (in »Nova acta Acad. Leopold. Carol.«, Bd. 11 u. 12); Harz, Über Bergwerkspilze (im »Botanischen Zentralblatt«, Bd. 36, 1888); Schröter, Bemerkungen über Keller- und Grubenpilze (im »Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur«, 1883); v. Wettstein, Beitrag zur Pilzflora der Bergwerke (in der »Österreichischen Botanischen Zeitschrift«, Bd. 35); Falkenberg, Die Meeresalgen des Golfs von Neapel (in den »Mitteilungen der zoologischen Station in Neapel«, 1. Bd., 2. Heft); Fries, Die Falkensteiner Höhle, ihre Fauna und Flora (Würzb. 1874).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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