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Höhlenflora bis Höhlenlehm (Bd. 6, Sp. 462 bis 463)
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Artikelverweis Höhlenflora, die in unterirdischen Räumen gedeihenden Gewächse. Durch ihr Lichtbedürfnis sind alle chlorophyllhaltigen Pflanzen bis zu den Algen abwärts von gänzlich lichtlosen unterirdischen Räumen ausgeschlossen, dagegen hat man in Bergwerken, tiefen Kellern, Brunnenschächten u. dgl. eine ganze Reihe von Pilzen aufgefunden, deren Mycelien in der Zimmerung der Wände, in alten Holzteilen etc. wuchern und nicht selten auch ihre Fruchtkörper zur Ausbildung bringen. So fand Harz in dem oberbayrischen Braunkohlenwerk Hausham Thelephorazeen (Stereum sanguinolentum, Corticium ferrugineum), Polyporazeen (Merulius papyraceus, Trametes scutata, Polyporus albidus und caesius). Auch die steril bleibende, an ihrem Anisgeruch erkennbare Trametes odorata und die durch ihr Leuchtvermögen ausgezeichneten, früher als Rhizomorpha bezeichneten Mycelstränge von Agaricus melleus werden nicht selten in den Gruben und Schachtzimmerungen angetroffen. Außerdem sind Spaltpilze, wie z. B. Micrococcus (Leucocystis) cellaris, der feuchte Kellerwände mit dickem, gallertartigem Schleim überzieht, sowie Saprolegniazeen gelegentlich auch in Höhlen und deren Gewässern aufzufinden. In schwach beleuchteten Felsaushöhlungen und Grotten gedeihen auch manche chlorophyllhaltige Pflanzen, wie z. B. zahlreiche Algen aus den Gruppen der Diatomeen (z. B. Frustulia saxonica), Desmidiazeen (Arten von Cosmarium u. a.), Chrookokkazeen, Oszillarieen, Nostokazeen, Rivularieen u. a., die gallertartige, schleimige oder fadenförmige Überzüge auf nassen und schattigen Felswänden u. dgl. bilden. In Felsklüften des Urgebirges entwickelt sich bisweilen das smaragdgrün schimmernde Leuchtmoos (Schistostega osmundacea). An ähnlichen Orten siedeln sich einige andre Laubmoose, wie Pterygophyllum lucens, ferner zahlreiche Lebermoose, endlich auch Farne an, wie z. B. Adiantum capillus Veneris, Scolopendrium vulgare, Hymenophyllum tunbridgense u. a. Eine reiche Meeresalgenflora enthalten einige an der See gelegene Grotten Italiens, wie z. B. die von Falkenberg

[Bd. 6, Sp. 463]


näher untersuchte Grotta del Tuono bei Neapel. Ihre Sohle liegt nur wenige Zentimeter unter dem Meeresspiegel, empfängt aber kein direktes Sonnenlicht und beherbergt in ihrem dunkelsten Teil solche Algen, die sonst als charakteristische Bewohner der Meerestiefen zwischen 50 und 60 m, wie Phyllophora Heredia, Peyssonelia rubra, Bonnemaisonia asparagoides u. a., bekannt sind; an den hellern Stellen wachsen dagegen Algen, die im übrigen Golf in einer Tiefe von etwa 3 m angetroffen werden, wie z. B. Delesscria hypoglossum, Bornetia secundiflora u. a., ein deutlicher Beweis für den Einfluß des Lichtes auf die Lebensverhältnisse der Grottenbewohner. Vgl. A. v. Humboldt, Florae Fribergensis specimen plantas cryptogamicas praesertim subterraneas exhibens (Berl. 1793); Nees, Nöggerath und Bischoff, Die unterirdischen Rhizomorphen (in »Nova acta Acad. Leopold. Carol.«, Bd. 11 u. 12); Harz, Über Bergwerkspilze (im »Botanischen Zentralblatt«, Bd. 36, 1888); Schröter, Bemerkungen über Keller- und Grubenpilze (im »Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur«, 1883); v. Wettstein, Beitrag zur Pilzflora der Bergwerke (in der »Österreichischen Botanischen Zeitschrift«, Bd. 35); Falkenberg, Die Meeresalgen des Golfs von Neapel (in den »Mitteilungen der zoologischen Station in Neapel«, 1. Bd., 2. Heft); Fries, Die Falkensteiner Höhle, ihre Fauna und Flora (Würzb. 1874).
 
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Höhlenfunde, s. Meyers Höhlen, S. 460 f.
 
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Höhlengans, soviel wie Höhlenente (Tadorna), s. Meyers Enten, S. 833.
 
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Höhlengräber, bei den steinzeitlichen Völkern Europas, aber auch bei einigen Kulturvölkern des Altertums übliche Art der Beisetzung Verstorbener. Besonders reich an Höhlengräbern sind große Teile Ost- und Südfrankreichs, Belgiens, Englands, der Jura, der Nordrand Afrikas (s. Meyers Afrikanische Altertümer und Meyers Ägypten, S. 195). Ihrem Wesen nach berührt sich die Sitte mit dem Brauch vieler heutiger Naturvölker, ihre Toten in den Wohnungen zu belassen, die damit für die Überlebenden unbewohnbar werden. Das ist auch stets bei den Höhlen der Fall, die, wo sie vorhanden sind, fast immer zu den eigentlichen Begräbnisplätzen geworden sind. Sie bilden manchmal (in Ägypten, bei Petit Morin im Departement Marne) ganze Totenstädte. Wo natürliche Höhlen nicht vorhanden oder auf die Dauer nicht benutzbar sind, geht man zu künstlichen Nachbildungen durch Zusammenstellen von Steinen, die man mit Erde überdeckt, über (Dolmen, Hünengräber etc. [s. Gräber, vorgeschichtliche]). Künstliche H. sind z. T. auch die Mounds. Unsre Bestattung in Erdgruben geht nach Schurtz ebenfalls auf die altgermanische Wohnweise in Erdlöchern zurück. Vgl. Schurtz, Urgeschichte der Kultur (Leipz. 1900).
 
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Höhlenhain, Bélaer, s. Meyers Béla (Stadt).
 
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Höhlenhyäne, s. Meyers Hyäne.
 
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Höhleninsekten, s. Meyers Höhlenfauna.
 
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Höhlenkalk, soviel wie Meyers Tropfstein (s. d. u. Höhlen. S. 460).
 
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Höhlenkrebs, s. Meyers Grottenkrebs.
 
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Höhlenkultus (Grottenkultus), der in Indien und Kleinasien, besonders aber bei den klassischen Völkern herrschende Brauch, die in das Erdinnere führenden Höhlen mit ihrem geheimnisvollen Dunkel als Geburtsplätze und Aufenthalt der Gottheiten, Musen und Nymphen zu verehren und zur geweihten Stätte mannigfacher Zeremonien, Opfer und Wallfahrten zu machen. Die Höhle des Zeus auf Kreta, des Dionysos und viele dem Pan, den Musen-, Wind- und Quellengöttern gewidmete Grotten, namentlich aber die unzähligen künstlichen Höhlen des Mithras gehören hierher. Oft waren die dem Apollo, Äskulap, Trophonius, der Proserpina und andern chthonischen Gottheiten geweihten Höhlen Schauplätze des Orakeldienstes, der Totenbefragung und Traumheilung, wobei betäubende Erddünste und Quellen, namentlich kohlensäure- und schwefelwasserstoffhaltige, als begeisternde Ausflüsse der Gottheit galten, z. B. in Delphi und Dodona, in Nysa, Hierapolis und Kolophon (Kleinasien), in Cumä etc. (vgl. Quellendienst). Auch im nördlichen Europa galten die Höhlen als Wohnorte von Zwergen, Feen, verzauberten Helden, Dämonen und Drachen und erfuhren einen entsprechenden Kultus; am berühmtesten im Mittelalter war die vielbesuchte St. Patrickshöhle in Irland, durch die man angeblich an den Ort des Fegfeuers gelangte.
 
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Höhlenlehm, Höhlenmensch, s. Meyers Höhlen, S. 460 f.

 

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