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Hofstede de Groot bis Hogarth (Bd. 6, Sp. 436 bis 437)
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Artikelverweis Hofstede de Groot, Peter, reformierter Theolog, geb. 8. Okt. 1802 zu Leer in Ostfriesland, gest. 7. Dez. 1886 in Groningen, wo er seit 1829 Professor und Haupt einer zwischen »Orthodoxen« und »Modernen« vermittelnden Schule war. Sein bedeutendstes Werk sind die »Voorlezingen over de geschiedenis

[Bd. 6, Sp. 437]


der opvoeding des menschdoms door God« (3. Aufl. 1855, 2 Tle.; 3. Teil in 2. Aufl. 1885).
 
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Hofsystem nennt man die Ansiedelung in isolierten Hofgütern, bei denen alle Grundstücke desselben Eigentümers ein um das Gehöft liegendes, räumlich geschlossenes Ganzes bilden (Hofschluß). Den Gegensatz zu demselben bildet das Dorfsystem, bei dem die Eigentümer aller Güter einer Gemarkung in zusammenhängenden Ortschaften wohnen. Das H. bietet große Vorteile für die Bewirtschaftung. Es gestattet dem Eigentümer freie Verfügung über die Ausnutzung des Bodens, erleichtert Wege- und Wasserregulierung, während bei dem Dorfsystem, zumal bei zersplittertem Grundbesitz, der Flurzwang (s. Meyers Flurregelung, S. 728) nicht zu vermeiden ist, viele Verluste durch Wegeanlagen, Begrenzung der Grundstücke etc., dann auch Zeitverluste durch Hin- und Herlauferei u. dgl. entstehen. Dies gab schon früher Veranlassung, den Übergang vom Dorfsystem zum H. (Vereinödung) zu fördern. Bei dem Meyers Abbau (s. d.) gehen die bereits vorhandenen Gebäude verloren, dann hat das H. auch schwerwiegende Schattenseiten, das Dorfsystem wichtige Vorzüge vor jenem. Bei dem H. ist es kleinen Leuten schwer oder unmöglich, Grundeigentum zu erwerben; viele Anstalten für Sicherheit, Verkehr, Bildung, Gesundheitspflege etc., die eine Gemeinsamkeit vieler erfordern, werden zu teuer oder undurchführbar. Dagegen kann vielen Nachteilen des Dorfsystems durch Zusammenlegung kleiner Parzellen je eines Eigentümers in den verschiedenen Gewannen einer Gemarkung abgeholfen werden. Bei intensiver Wirtschaft, die kleine Besitzungen ermöglicht, ist naturgemäß das Dorfsystem mit seinem die Kultur fördernden Zusammenwohnen (Bauern, auch Gewerbtreibende, Lehrer, Arzt etc.) am Platz. Extensivere Wirtschaft bedingt kleinere Dörfer; mit ihr treten, zumal im Gebirge, mehr die Vorteile des Hofsystems in den Vordergrund. Das H. findet sich in Deutschland besonders in Westfalen, im übrigen kommen in vielen Gegenden geschlossene Höfe neben Dörfern vor (südlicher Schwarzwald, Alpen, Rhön etc.), dann findet es sich in Teilen des südlichen Frankreich, in der Bretagne, Irland, Norwegen, im nördlichen Schweden, ferner in Nordamerika und Kanada, wo nur die gewerbliche und Handel treibende Bevölkerung in geschlossenen Orten wohnt.
 
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Hoftaue, s. Meyers Takelung.
 
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Höfte, s. Meyers Hafen, S. 603.
 
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Hoftitel, s. Meyers Hofprädikat.
 
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Hoftrauer, s. Meyers Trauer.
 
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Hof- und Gerichtsadvokat bedeutete in Österreich einen Advokaten, der nicht nur bei den niedern Gerichtsbehörden auftreten durfte (Gerichtsadvokat), sondern auch bei den sogen. Hofstellen installiert war, was den günstigen Erfolg eines besondern, bei der Regierung abzulegenden sehr strengen Examens voraussetzte. Schon 1780 übrigens wurde den Gerichtsadvokaten gestattet, die bei den untern Instanzen eingeleiteten Geschäfte auch bei den höhern Behörden durchzuführen. Heute ist die Bezeichnung H. nur noch eine Titulatur.
 
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Hofwil (Hofwyl, früher Wilhof), Landgut nebst Schloß im schweizer. Kanton Bern, zur Gemeinde Münchenbuchsee gehörig, 8 km von der Stadt Bern, berühmt durch Meyers Fellenbergs (s. d.) Lehranstalten, die, 180408 gegründet, in den 20er oder 30er Jahren einen europäischen Ruf hatten, aber 1848, wenige Jahre nach dem Tode des Gründers, zum größern Teil eingingen. Seit 1884 ist H. Sitz des staatlichen Lehrerseminars.
 
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Höganäs, Gemeinde im schwed. Län Malmöhus, am Sund und durch Zweigbahn mit der Linie Malmö-Engelholm verbunden, mit kleinem Hafen, bedeutenden Steinkohlengruben und 2600 Einw.
 
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Hogarland, s. Meyers Ahaggar.
 
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Hogarth (spr. hō-), William, engl. Zeichner, Maler und Kupferstecher, geb. 10. Nov. 1697 in London, gest. 26. Okt. 1764 auf seinem Landgut Chiswick bei London, kam zu einem Goldschmied, Elias Gamble, in die Lehre, bei dem er Wappen, Namenszüge, Halbfiguren und Arabesken auf goldene und silberne Gefäße gravierte. Zugleich besuchte er eine Zeichenakademie, forschte aber bald auf den Straßen und in den Kneipen nach Originalen für seinen satirischen Stift. Um seinen Unterhalt zu erwerben, stach er dabei Etiketten, Wappen und andre Gegenstände und kam dadurch bald mit Buchhändlern in Verbindung. So stach er 13 Blätter zu Aubry de la Motrayes »Travels through Europe etc.« (Lond. 1723), 12 für Butlers »Hudibras« und mehrere für den »Don Quijote«. Hierauf versuchte er sich im Porträtieren und verschaffte sich auch darin, namentlich durch sein Talent zu treffen und Familienbilder gut zu gruppieren, viele Kundschaft. Um diese Zeit wurde er von seiner Wirtin wegen einer Schuld in das Gefängnis gebracht; aus Rache stellte er diese Frau in einer karikierten Zeichnung dar. Der gewonnene Beifall veranlaßte ihn zu einer ähnlichen Darstellung, die auf die Schwärmerin Maria Tosts Bezug hatte (1726). Von dieser Zeit an reiste in ihm der Entschluß, die Torheiten und Gebrechen der Menschen in zusammenhängenden Bilderreihen darzustellen und zu geißeln. Alle seine Arbeiten dieser Art sind ein zusammenhängendes Sittengemälde, ein Spiegel der menschlichen Leidenschaften in geistreicher und witziger Auffassung. Am bedeutendsten sind seine zyklischen Sittenbilder, die, meist in Öl gemalt und in Kupferstich reproduziert, politische und gesellschaftliche Krebsschäden seiner Zeit, mit der absichtlichen, auch in der künstlerischen Darstellung sich äußernden Übertreibung des Satirikers, an den Pranger stellten. Hogarths berühmteste Werke dieser Art sind: The harlot's progress (das Leben einer Buhlerin), 6 Blätter; The rake's progress (das Leben eines Liederlichen), in 8 Blättern; Southwark fair (der Jahrmarkt in Southwark); A modern midnight conversation (die Punschgesellschaft); The distressed poet (der unglückliche Dichter) und Strolling actresses in a barn (die Komödiantinnen in der Scheune). Dabei wollte H. aber auch einen Rang unter den Geschichtsmalern einnehmen; die Satire war ihm jedoch so sehr zur Gewohnheit geworden, daß er seiner Neigung, zu karikieren, wider seinen Willen in seinen ernsthaften Kompositionen freien Lauf ließ, wie dies seine Bilder. der Teich von Bethesda, der barmherzige Samariter u. a. beweisen. Nachdem er wieder ganz die ihm eigentümliche Richtung eingeschlagen, erschienen von ihm: The enraged musician (der wütende Musikant. 1741); The marriage à la mode (die Heirat nach der Mode, 1745), in 6 Blättern (Originalgemälde in der Nationalgalerie zu London); The effects of industry and idleness (die Folgen des Fleißes und des Müßiggangs, 1747); The march to Finchley (der Marsch nach Finchley in Schottland, 1748); The gate of Calais (das Tor von Calais, 1749, eine Satire gegen die Franzosen); The stages of cruelty (die Grade der Grausamkeit, 1751), in 4 Blättern. 1753 gab er seine von seinen Zeitgenossen mit Recht lächerlich gemachte »Zergliederung der Schönheit« (deutsch von

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Mylius, Berl. 1754) in Druck, worin er die Schlangenlinie als die angenehmste Form für das Auge darstellte und sogar die Linien bestimmen wollte, welche die Form des Schönen enthielten. Hierauf erschienen: Four prints of an election (die Wahl eines Parlamentsmitgliedes, 1755), in 4 Blättern, und The times (die Zeitläufe, 1762), eine beißende Satire auf Pitt. Sein lächerliches Bild: Sigismunde trauert über das Herz des Guiscardo (1757), das der schwach gewordene Kunstter als ein Gegenstück zu einem Bild von Correggio betrachtet sehen wollte, zog ihm viele Kränkungen zu. Die fortwährenden Kämpfe mit seinen zahlreichen Gegnern zerrütteten seine ohnehin schwache Gesundheit und beschleunigten seinen Tod.
   Merkwürdige Gemälde Hogarths wurden 1819 in einem Hause zu London entdeckt, wo sie, am Getäfel eines Zimmers befindlich, von H. während seiner Mußestunden in der Zeit der schönsten Blüte seines Geistes gefertigt worden waren. Sie stellen in fünf Abteilungen die Schicksalsgöttin dar, wie sie aus höherer Region ihre günstigen wie ihre unheilbringenden Gaben auf die Bewohner der sublunarischen Welt herabfallen läßt. Ein andres, um dieselbe Zeit wieder entdecktes Werk Hogarths ist eine launige und belebte Darstellung eines Bacchantenzugs. 1825 entdeckte man in London ein drittes Bild: Garrick bei der Probe eines neuen Stückes, mit den Bildnissen der Mrs. Abington, Popes, Macklins, Palmers etc. Das Beste und Unvergänglichste hat H. in Bildnissen (Selbstbildnis, die Schauspielerin Miß Felton und Mrs. Solter, seine Schwester, in der Nationalgalerie zu London, und Garrick und seine Frau im Schlosse zu Windsor) und in Genrefiguren (das Crevettenmädchen in der Londoner Nationalgalerie) geleistet. Hogarths satirische Werke bedürfen eines Kommentars, um in ihren historischen und moralischen Beziehungen erfaßt werden zu können. Noch zu Lebzeiten Hogarths erschienen die »Lettres de Mr.*** (Rouquet) à un de ses amis à Paris, pour lui expliquer les estampes de M. H.« (Par. 1746). Dann gab J. Trusler eine ähnliche Arbeit von größerm Umfang heraus: »H. moralised« (Lond. 1768, mit 76 Kupfern; neue Auflagen 1831 u. 1841). Später erschienen teils als Erklärung, teils als vollständige Kommentare zu Hogarths Werken: Gilpins »Essay on prints«; Nichols' »Biographical anecdotes of W. H.« (2. Aufl. 1782); »H. illustrated by John Ireland« (Lond. 1791, 3 Bde.) und die »Graphic illustrations of H., from pictures, drawings etc.« (das. 1794, 4 Bde., mit 60 Kupfern). Alle diese Kommentatoren übertraf aber G. Chr. Lichtenberg (s. d.) durch seine witzige »Ausführliche Erklärung der Hogarthschen Kupferstiche« (Götting. 1794). Eine schöne Ausgabe von Hogarths Werken nach den von Heath retouchierten Originalplatten erschien unter Nichols' Leitung (Lond. 182022); andre Ausgaben erschienen in Leipzig (zuletzt 1886), in verkleinerten Kopien von Riepenhausen (neue Ausg., Götting. 1897, 88 Blätter), mit der Lichtenbergschen Erklärung von Kottenkamp (3. Aufl., Stuttg. 1873, 87 Blätter). Vgl. Sala, William H. (Lond. 1866); J. Beavington-Atkinson in Dohmes »Kunst und Künstler« (Leipz. 1880); Dobson, William II. (neue Ausg. 1898); Benoit, Hogarth (Par. 1904).

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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