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Hoffnung bis Hofgericht (Bd. 6, Sp. 428)
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Artikelverweis Hoffnung (Spes), derjenige Affekt, der aus der Vorstellung eines zukünftigen Angenehmen, wie die Meyers Furcht (s. d.) aus jener eines zukünftigen Unangenehmen, entspringt. Die H. ist durch die Annehmlichkeit des Gehofften der Freude, durch dessen Abwesenheit der elegischen Gemütsstimmung (Wehmut) verwandt, von jener durch die Beimengung der Trauer über die Abwesenheit des Erfreulichen, von dieser als rückwärts gekehrtem Affekt durch den Umstand unterschieden, daß das Erfreuliche nicht hinter, sondern vor dem Hoffenden liegt. Da die Vorstellung eines Angenehmen den Wunsch danach erzeugt, so kommt der Affekt, der dessen Erreichung voraussieht, dem letztern entgegen; auf den Fittichen der Phantasie schwebt die H. dem Wunsche voraus, spornt den Geist zur Tätigkeit und erwärmt die sehnende Brust zu mutigem Aufschwung. Wird die H. von der (wenn auch nur subjektiv) sichern Überzeugung begleitet und getragen, daß das erhoffte Angenehme sich verwirklichen wird, so geht sie in Zuversicht über, wie die Furcht unter gleichen Umständen in Trostlosigkeit. Während H. und Furcht als reine Affekte der logischen Begründung entbehren und sich deshalb auch sehr häufig als töricht erweisen (wenn auch eingeräumt werden muß, daß ohne die Gabe der H. manches Gute und Große nicht unternommen werden würde, und durch die Gabe der Furcht manches Schlimme und Böse im Keim unterdrückt wird), so haben im Gegensatz dazu Zuversicht und Trostlosigkeit einen logischen (verständigen) Charakter. H. tröstet zwar, aber nur für den Augenblick und nur wie ein willkommener Rausch, der schmeichelhafte Traumbilder heraufführt; nur die auf Gründe (philosophische, religiöse, empirische) bauende Zuversicht gewährt nachhaltigen Trost. Jene ward daher wohl als beflügelten Schrittes einhereilende Göttin mit leichtem, durchsichtigem Gewande, diese dagegen, die als »göttliche Tugend«, mit Glauben und Liebe vereinigt, auch H. heißt, wird als ruhende Gestalt, auf einen ehernen Anker gestützt, dargestellt. Vgl. Spes.
 
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Hoffnung, mathematische, in der Wahrscheinlichkeitsrechnung der Einsatz, den man bei einem Spiel, einem Unternehmen oder einer Wette nicht überschreiten darf, wenn die Aussicht auf Gewinn und die Aussicht auf Verlust einander die Wage halten sollen; sie ist gleich dem Produkt aus dem etwaigen Gewinn und der mathematischen Meyers Wahrscheinlichkeit (s. d.) dieses Gewinnes. Hat man z. B. einen Gewinn von 10 Mk. zu erwarten, wenn man mit einem Würfel 6 Augen wirft, so sind im ganzen 6 Würfe möglich, von denen nur einer 6 Augen ergibt, die mathematische Wahrscheinlichkeit des Gewinnes ist daher 1/3, und die m. H. beträgt 10. 1/3 = 1,67 Mk. Setzt man jedesmal diese Summe ein, so werden sich bei sehr oft wiederholten Würfen Gewinn und Verlust annähernd ausgleichen. Als moralische Hoffnung bezeichnet man das Verhältnis der mathematischen Hoffnung zum Vermögen des Spielers, sie ist bei gleicher mathematischen Hoffnung für den Armen groß, für den Reichen klein.
 
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Hoffnungshöhe, evang. Mission in Deutsch-Ostafrika, s. Dar es Salam 2).
 
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Hoffnungskauf (Emtio speï) bezeichnet den Kauf einer Sache, von der man hofft, daß sie entstehen werde, wie z. B. Kauf künftiger Ausbeute eines Bergwerkes oder künftiger Jagdbeute. Der Kaufpreis muß bezahlt werden, auch ' wenn die gehoffte Sache nicht zur Entstehung kommt, also z. B., wenn das fragliche Bergwerk keine Ausbeute liefert. Verschieden davon ist der sogen. Kauf einer gehofften Sache (emtio rei speratae) in der Weise, daß der Kauf dadurch bedingt sein soll, daß die Sache entsteht. Die aus dem Kaufvertrag entstehenden Rechte und Pflichten treten hier erst dann und auch nur dann in Geltung, wenn die Sache auch wirklich entstanden ist. Über H. (Promessengeschäft) im Börsenverkehr s. Meyers Heuergeschäft.
 
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Hoffsg., bei Pflanzennamen Abkürzung für J. C. Graf von Meyers Hoffmansegg (s. d.).
 
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Hoffurīer (Kammerfurier), unterer Hofbeamter, namentlich mit Überwachung des Ordnungs- und Sicherheitsdienstes an den Höfen und in den fürstlichen Schlössern, wird aber auch mit Dienstleistungen in der Hofwirtschaft betraut. An manchen Höfen findet der H. auch im Hofzeremoniell Verwendung, soz. B. in Österreich, woselbst aber der Kammerfurier auf höherer Rangstufe steht als der H.
 
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Hofgänger, besonders in Mecklenburg übliche Bezeichnung für ländliche Hilfsarbeiter, die im Dienste der Meyers Instleute (s. d.) oder Hoftagelöhner stehen. Sie werden meist von der Schule entwachsenen Kindern derselben oder auch von angeworbenen Arbeitern gebildet. Anderwärts werden sie Scharwerker genannt.
 
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Hofgarde, s. Meyers Garde.
 
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Hofgastein, s. Meyers Gastein.
 
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Hofgeismar, Kreisstadt im preuß. Regbez. Kassel, an der Esse und der Staatsbahnlinie Schwerte-Kassel, 148 m ü. M., hat 3 evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, evang. Predigerseminar, Progymnasium, landwirtschaftliche Winterschule, Amtsgericht, Oberförsterei, Siechenhaus, Mineralquelle mit Bad und Parkanlagen, Buch- und Steindruckerei, Metall- und Papierwaren-, Malz-, Obstwein- und Essigfabrikation, Branntweinbrennerei, Holzschneiderei, Ziegeleien, bedeutende Buchenwaldungen und (1900) mit. der Garnison (ein Dragonerregiment Nr. 5) 4621 meist evang. Einwohner. Nahebei die Burgruinen Schönburg und Schöneberg.-H. wird schon 1082 als kurmainzische Besitzung erwähnt, kam 1462 als Pfand und 1583 definitiv an Hessen. Vgl. Schnackenberg, Bad H. (2. Aufl., Götting. 1859).
 
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Hofgericht war ehedem Bezeichnung für ein Obergericht, namentlich für das ehemalige Reichskammergericht und den Reichshofrat. In Baden bestanden noch in neuester Zeit Hofgerichte und als höchste Instanz das Oberhofgericht in Mannheim; mit der allgemeinen deutschen Gerichtsorganisation ist diese Bezeichnung in Wegfall gekommen.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
 ... Alexander 23), der vom 14. Sept. 1842 bis Weihnachten 1858 Fürst von Serbien war, und Michael, der 1875 eine
 
87) Karl
 ... die Großen um sich, hier feierte er am liebsten das Weihnachtsfest (19 mal in Aachen, nur 6 mal in Gallien). Stets
 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
88) Kinderlieder
 ... Gebiet. Luther z. B. dichtete »ein sein Kinderlied, auf die Weihnacht zu singen« (»Vom Himmel hoch, da komm' ich her« etc.);
 
89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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