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Hitzpocken bis Hjelm (Bd. 6, Sp. 387 bis 388)
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Artikelverweis Hitzpocken beim Pferde, s. Meyers Hautkrankheiten (der Haustiere), S. 3.
 
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Hitzschlag, ein Komplex von Krankheitserscheinungen, der aufzufassen ist als eine schwere Störung der Wärmeökonomie des Körpers, derart, daß bei stark gesteigerter Wärmebildung die Verhältnisse der Wärmeabgabe sich ungünstig gestalten, so daß eine Wärmestauung und damit eine gefährliche Überhitzung des Körpers zustande kommt. Vom H. zu unterscheiden ist der Meyers Sonnenstich (s. d.), bei dem es sich um längere Einwirkung direkter Sonnenstrahlen auf das Gehirn handelt. Der menschliche Körper gibt die überschüssige Wärme, die er besonders durch Muskeltätigkeit produziert, und die bei stärkern Anstrengungen sehr bedeutend werden kann, einmal fortwährend durch Strahlung und Leitung und dann besonders durch Verdunstung des Schweißes, die, wenn ungehindert, eine fortwährende Abkühlung des erhitzten Körpers bewirkt, wieder ab. Das Maß der Wärmeabgabe wird in weiten Grenzen je nach dem augenblicklichen Bedürfnis durch sehr feinarbeitende nervöse Vorgänge geregelt, infolge deren die Haut mehr oder weniger blutreich, also wärmer oder kühler, von Schweiß befeuchtet oder trocken wird. Der H. entsteht nun, wenn bei starker Erhitzung des Körpers durch hohe Außentemperatur und starke Muskeltätigkeit diese Quellen der Abkühlung des Körpers behindert sind. Man beobachtet den H. der Natur der Sache nach am häufigsten bei Soldaten auf dem Marsch und bei Heizern, die in schlecht ventilierten Schiffsräumen der Glut des Feuers und der Außentemperatur bei angestrengter Arbeit ausgesetzt sind; auch bei Feldarbeitern tritt H. zur Sommerszeit auf; häufig unterliegen auch Tiere, wie Pferde, Kamele etc., bei Märschen dem H. Bei der Entstehung des Hitzschlages spielt die sogen. schwüle Luft bei bewölktem Himmel eine Hauptrolle, d. h. eine Luft, die warm und stark mit Wasserdämpfen gesättigt ist, wie das z. B. unmittelbar vor Gewittern der Fall ist. Eine solche wassergesättigte Luft ist für Schweißverdunstung ungünstig, da sie eben keine Feuchtigkeit mehr aufzunehmen vermag; dazu kommt dann oft Windstille, so daß die Abkühlung durch Verdunstung auf der Hautoberfläche auf ein Minimum reduziert wird. Unter solchen Verhältnissen kann z. B. die Körpertemperatur des Infanteristen bei anstrengenden Märschen mit Gepäck im Sommer bis zur Fiebertemperatur (39, ja 40 Grad) steigen. Diese Überhitzung wirkt sehr verderblich auf den Körper, namentlich auf das Zentralnervensystem; sie besteht oft noch stundenlang nach Entfernung der Schädlichkeiten, ein Zeichen, daß tiefergehende, z. T. noch unbekannte Störungen in den nervösen Zentren der Wärmeregulation vorliegen. Beim Fieber sind im Gegensatz zum H. diese Zentren zunächst gestört, während sie bei diesem zunächst leistungsfähig sind, aber auch bei äußerster Leistung der Ungunst der äußern Verhältnisse gegenüber erliegen. Ermüdete oder geschwächte Personen (z. B. durch Alkoholmißbrauch) verfallen dem H. besonders leicht; Mangel an Trinkwasser begünstigt denselben ebenfalls durch Beeinträchtigung der Schweißabsonderung.
   Wird also bei Fortdauer der Körperanstrengung, bez. der Muskeln, die innere Körperwärme allmählich gesteigert, so stürzt schließlich der Kranke unter krampfartigem Stillstand der linken Herzkammer und starker Überfüllung aller venösen Blutgefäße des Körpers, wie vom Blitz getroffen, bewußtlos zusammen. Eine Reihe von Vorboten zeigt bei sorgsamer Beobachtung, besonders bei Truppenmärschen, die drohende Gefahr an. Der Kranke erscheint teilnahmlos, der vorher in Strömen ergossene Schweiß hört auf zu fließen, die Haut wird klebrig, allmählich wird der Gang unsicher, der Kranke taumelt umher, sieht gedunsen aus und stürzt schließlich, wenn nicht Hilfe kommt, wie oben geschildert, bewußtlos um. Meist liegt der Kranke mit geschlossenen Augen, tief schnarchend atmend, bewußtlos da, reagiert auf keinerlei äußern Reiz und preßt oft die Kinnladen krampfhaft gegeneinander (trismus), so daß es unmöglich ist, ihm Flüssigkeit zuzuführen

[Bd. 6, Sp. 388]


Zuweilen treten allgemeine Krämpfe auf, und oft folgt rasch der Tod.
   Die wichtigste Behandlung des Hitzschlages besteht in seiner Verhütung, also in Vermeidung von allem, was ihn herbeizuführen geeignet ist (wie Exzesse in Baccho et Venere); vielmehr ist zu halten auf frühes Schlafengehen am Tage vor anstrengendem Marsch, Einnehmen des gewohnten Frühstücks vor Antritt des Marsches, Beförderung der Schweißverdunstung (Kragen und obere Rockknöpfe öffnen), Marschieren in größern Abständen, wiederholte Halte, Vermeidung von Spirituosen während des Marsches, dagegen reichliche Wasserzufuhr, die auch bei stark erhitztem Körper nicht schadet, vorausgesetzt, daß das Wasser nicht ungewöhnlich (eis-) kalt ist und mit Pausen in kleinen Schlucken getrunken wird. Das Verlegen der Märsche in heißer Jahreszeit in die Nachtzeit ist unzweckmäßig, da der Mensch, der gewohnt ist, nachts zu schlafen, nicht auf einmal bei Tage, und noch dazu nicht an heißem Tage, schlafen kann. Eine Truppe, der man hintereinander Nachtmärsche zumuten wollte, wäre in wenigen Tagen erschöpft. Der vom H. Betroffene muß, wenn möglich, an einem schattigen Ort gelagert und des Gepäcks und der Kleider entledigt werden. Alsdann muß für Einverleibung von Wasser und für Abkühlung gesorgt werden. Man flößt dem Kranken Wasser ein, oder geht dies nicht, weil der Mund krampfhaft verschlossen, so gibt man Wasserklistiere oder spritzt Wasser unter die Haut ein. Um den Kranken abzukühlen, macht man, nachdem man ihn bis auf die Hosen entkleidet, die Körperoberfläche naß und verursacht durch Schwingen des Rockes über dem Kranken einen Luftzug. Gleichzeitig regt man die Herzkraft durch Ätherinjektion an, unter Umständen ist ein Aderlaß nützlich. Auch kann man den ganzen Körper in nasse Tücher schlagen, kalte Umschläge auf den Kopf machen und, wenn die Atmung stockt, die künstliche Atmung einleiten. Vgl. Jacubasch, Sonnenstich und H. (Berl. 1879); Hiller, Der H. auf Märschen (das. 1902).
   H. bei Tieren kommt namentlich bei Pferden, aber auch bei wanderndem Herdenvieh vor, ebenfalls infolge beeinträchtigter Wärmeabgabe bei vermehrter Wärmebildung infolge großer Anstrengung. Die Symptome, die den H. vom Meyers Sonnenstich (s. d.) unterscheiden, sind: Mattigkeit, auffälliger Schweißausbruch, Atemnot, Schwanken, Taumeln, Niederstürzen und Zuckungen mit fieberhaft erhöhter Körperwärme. H. endet meist tödlich. Gegenmittel sind Lager im Schatten, Getränk, Ruhe, Abkühlung und belebende Mittel (Kampfer, Äther, Kaffein, Branntwein). Fette Schweine sterben sehr häufig plötzlich, wenn sie bei Hitze zu Fuß oder zu Wagen transportiert werden. Hier kommt zu der Aufregung, dem Schreien und Sträuben beim Verladen, resp. der ungewohnten Anstrengung des Fußmarsches neben der Wirkung der Hitze noch die Beschränkung der Wärmeabgabe durch den Hautspeck und die stets vorhandene Herzverfettung. Alle diese Umstände bedingen eine Herzlähmung, wie sie auch bei eigentlichem H. das Ende bildet.
 
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Hitzsteine, s. Meyers Glühsteine.
 
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Hiung nu, s. Meyers Hunnen.
 
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Hiwaoa (Dominica), eine der Markefasinseln (s. d.), unter 9°45´ südl. Br. und 138°49´ westl. L., ist 400 qkm groß, bis 1070 m hoch, mit rauhen, kahlen Bergen, aber schönen Tälern und (1888) 2639 Einw. Der beste Hafen ist die Bai von Taähuku.
 
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Hiwen-tsang, chines. Buddhamönch, s. Hsüentsang.
 
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Hizen-Porzellan, das feinste japan. Porzellan, das seit etwa 1520 in der Provinz Hizen auf der Insel Kiusiu, hauptsächlich in Arita und Imari, aus dem in den dortigen Gebirgen gewonnenen Kaolin angefertigt wird. Von dieser Provinz wurde Europa im 17. und 18. Jahrh. mit Porzellan versorgt. Die Dresdener Sammlung besteht meist aus H., das an der weißen, dichten und harten Masse und an der Dekoration in Blau, Rot und Gold kenntlich ist. Als Motive für die Dekoration dienen Vögel, Blumen, Bäume und phantastische Ranken. In Hizen wird auch ein glasartiges Porzellan von grünlichweißer Farbe fabriziert. Die Dekoration beschränkt sich bei den besten Stücken auf zarte Malereien in Gold und Rot.
 
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Hjarbäk, dän. Hafenplatz bei Meyers Viborg (s. d. 1).
 
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Hjarbäksjord, s. Meyers Limfjord.
 
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Hjärne, Harald von, schwed. Historiker und Politiker, geb. 2. Mai 1848 auf Klastorp Westergötland, wurde, nachdem er mit der Schrift »Om den fornsvenska nämnden enligt Götalagarne« promoviert hatte, 1872 Dozent, 1885 außerordentlicher und 1889 ordentlicher Geschichtsprofessor zu Upsala, das er seit 1903 in der Zweiten Reichstagskammer als linksliberales Mitglied vertritt. Seine unionspolitischen Anschauungen, die er unter andern in der Broschüre »Unionsfrågan och Sveriges försvar« (1892) erörterte, verwickelte ihn in eine Polemik mit Bj. Meyers Björnson (s. d.). In der finnländischen Frage verteidigte er (seit 1899) das Vorgehen der Panslawisten gegen das Großfürstentum. Verdient machte sich H. um die Förderung des akademischen Geschichtsunterrichts in Upsala, wo er ein historisches Universitätsseminar nach deutschem Vorbild einrichtete. Zahlreiche Beiträge, meistens zur schwedisch-russischen Geschichte, veröffentlichte er in »Svenskt historiskt Bibliotek«, »Svensk Tidskrift«, »Ny svensk Tidskrift«, »Svensk historisk Tidskrift«, »Nordisk Tidskrift« etc. Von seinen selbständigen Arbeiten, die sich durch geistvolle Hypothesen auszeichnen, nicht selten aber kritischen Widerspruch gefunden haben, seien genannt: »Om förhållandet mellan landslagens båda redaktioner« (Ups. 1884); »De äldsta svensk-ryska legationsakterna« (1884); »Sigismunds svenska resor« (1884); »Öfversigt af Sveriges ställning till främmande makter vid tiden för 1772 års statshvälfning« (1884); »Till belysning af Polens nordiska politik före och efter kongressen i Stettin 1570« (1884); »Från Moskau till Petersburg. Rysslands omdaning« (188889, 2 Hefte); »Helsingelif under Helsingelag« (Söderhamn 1893); »Reformationsriksdagen i Vesterås 1527« (Stockh. 1893); »Inledning till Skandinaviens historia« (Upsala 1893); »Sveriges statsskick under reformationstiden 15201611« (1893); »Medeltidens statsskick 8001350. Valda texter« (1895); »Svensk-ryska förhandlingar 15641572« (1897); »Gustaf Adolf, protestantismens förkämpe« (Stockh. 1901, auch deutsch); »Karl XII. Omstörtningen i Osteuropa 16971703« (1902); »Blandade spörsmål« (1903). 187476 war H. Redakteur der »Svensk Tidskrift«. Seit 1903 ist er Mitglied der schwedischen Akademie.
 
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Hjelm (spr. jelm), kleine dänische Insel an der Ostküste von Jütland, nordöstlich von Samsö.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
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85) Kalender
 ... Januar, Epiphanias 6. Januar, Johannis 24. Juni, Michaelis 29. September, Weihnachten 25. Dezember, teils beweglich. Die beweglichen Feste richten sich sämtlich
 
86) Karageorgiević
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 ... Herrschaft brachte endlich die Tatsache zum Ausdruck, daß ihm am Weihnachtstage (25. Dez.) 800 Leo III. in der Peterskirche zu Rom
 
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89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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