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Hirschhorn bis Hirschling (Bd. 6, Sp. 371 bis 372)
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Artikelverweis Hirschhorn (Hirschgeweih, Cornu cervi), vom Edelhirsch und Damhirsch abstammend (s. Meyers Geweih). kommt ganz oder in Stücken in den Handel, läßt sich bohren und abdrehen und wird zu Kronleuchtern, Möbeln, allerlei Gebrauchsgegenständen, namentlich Messer- und Gabelheften, Stockknöpfen etc., auch, in dünne Scheiben geschnitten und gebleicht, zum Furnieren von Kästchen benutzt. Es gleicht in seiner Zusammensetzung den Knochen und enthält etwa 57 Proz. phosphorsauren, 7 Proz. kohlensauren Kalk und 36 Proz. leimgebende Substanz. Die beim Verarbeiten des Hirschhorns abfallenden Späne (geraspeltes H., Cornu cervi raspatum, Rasura cornu cervi) geben, anhaltend mit Wasser gekocht, eine Gallerte, die früher als stärkendes Nahrungsmittel benutzt wurde, aber keinen höhern Wert als jede andre Leimlösung hat. Bei trockner Destillation liefert H., außer brennbaren Gasen, das Hirschhornsalz (Sal volatile cornu cervi, Ammonium carbonicum pyro-oleosum), durch Hirschhornöl braun gefärbtes kohlensaures Ammoniak; ferner eine braune, wässerige Flüssigkeit (Hirschhorngeist, Hirschhornspiritus), der außer kohlensaurem Ammoniak noch essigsaures Ammoniak, Cyanammonium und Schwefelammonium enthält und früher wie das Salz medizinisch benutzt wurde. Das Hirschhornöl (Tieröl, Oleum animale foetidum, Oleum cornu cervi) stinkt heftig und besitzt sehr komplizierte Zusammensetzung. Diese Präparate werden jetzt kaum noch angewendet. Als Rückstand der trocknen Destillation bleibt das schwarz gebrannte H., das der Knochenkohle gleichwertig ist. Beim Luftzutritt erhitzt, liefert das H. weißgebranntes H. von der Zusammensetzung der Knochenasche. In China wird das Geweih des Altaihirsches, besonders aber das des gefleckten Hirsches als Heilmittel sehr hoch geschätzt. Hirschhorngeräte (Hämmer, Harpunen, Pfriemen, Äxte etc.) aus Hirsch-, Elch- und Rehgehörn wurden schon in vorgeschichtlicher Zeit dargestellt. Die einfachste Art der Benutzung des festen und zähen Materials bestand darin, daß man den Hauptstamm oberhalb der Stirnsprosse dicht unter der ersten Gabelung abschnitt und als Stiel, die Stirnsprosse aber als spitzige Hacke benutzte. Die Enden der Zacken benutzte man bei der Herstellung von Flechtwerk aus stärkern Seilen und Stricken und bei der Seilerei, ferner in der Form von Keilen zum Spalten von Baumstämmen etc. Ein in den schweizerischen Pfahlbauten aufgefundenes Gerät besteht aus einer Hirschgeweihstange mit einer einzigen Sprosse, die beim Hinziehen des Werkzeugs über den Erdboden eine Ackerfurche bildete. Außerdem faßte man die Steinbeile manschettenförmig in kurze Stammenden, die in den eigentlichen Holzschaft eingesetzt wurden und das Aufspalten des letztern verhüten sollten. Ferner fertigte man Meißel, Pfriemen, Pfeilspitzen, Nadeln, Kämme und Harpunenspitzen aus den Stammenden. Gegenwärtig werden Hirschgeweihe von Jagdliebhabern vielfach gesammelt und zur Dekoration von Gemächern verwendet, wofür sich zahlreiche Beispiele in fürstlichen Schlössern (Reinhardsbrunn in Thüringen) finden. Schon Dürers Freund Pirckheimer war ein eifriger Sammler von Hirschgeweihen. Seit der Renaissancezeit wurde das H. sehr mannigfaltig zu Schnitzereien verarbeitet (vgl Abbildung bei Artikel »Leuchterweibchen«), und auch gegenwärtig findet es noch mannigfache Verwendung.

[Bd. 6, Sp. 372]



 
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Hirschhorn, Stadt in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim, am Neckar und an der badischen Staatsbahnlinie Heidelberg-Würzburg, hat eine evangelische und 3 kath. Kirchen, Synagoge, Amtsgericht, 2 Oberförstereien, Schiffahrt, Seidenfärberei, Holz- und Furnierschneiderei, Steinbrüche, Steinsägerei und (1900) 1994 meist kath. Einwohner. Über der Stadt liegt die noch teilweise erhaltene Burg der 1632 ausgestorbenen Ritter von H. und dabei ein 1406 gegründetes, 1803 aufgehobenes Karmeliterkloster mit den Ruinen einer gotischen Kirche. 1802 fiel H. an Hessen.
 
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Hirschhornsalz, bei trockner Destillation von Hirschhorn gewonnenes unreines kohlensaures Ammoniak (s. Meyers Hirschhorn, S. 371). Der Name hat sich auch für das reine Salz erhalten, das man statt Hefe beim Backen benutzt.
 
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Hirschhund, s. Meyers Hund.
 
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Hirschkäfer (Lucanus L.), Gattung der Blatthörner (Lamellicornia), Käfer mit länglichem, flach gewölbtem Körper, querem, seitlich gerundetem Thorax und beim Männchen sehr großem, querem Kopf mit sehr langen, geweihartigen Mandibeln. Der gemeine H. (L. cervus L., Schröter, Horn-, Baum-, Feuerschröter, Donnerpuppe, s. die Abbildung und Tafel Meyers »Käfer I«, Fig. 1921), bis 8 cm lang, matt schwarz mit kastanienbraunen Flügeldecken, braunroten Mandibeln von einem Drittel der Körperlänge, mit großem Zahn am Innenrand und zweizinkiger Spitze, der größte europäische Käfer, findet sich in Mittel- und Nordeuropa bis Asien hinein im Juni am ausfließenden Safte der Eichen und fliegt 34 Wochen in der Mittagshitze und abends; das Weibchen legt seine Eier in das faulende Holz alter Eichen, und hier entwickelt sich die Larve in 45 Jahren und erreicht eine Länge von 10,5 cm. Sie fertigt dann einen faustgroßen, festen Kokon, in dem binnen drei Monaten die Verwandlung erfolgt. Die Römer hingen den H. Kindern als Heilmittel um den Hals, die Larven wurden gegessen; bei den alten Deutschen war der H. dem Thor heilig und durfte in kein Haus gebracht werden, weil er den Blitz anziehen sollte. Die Sage läßt ihn auch glühende Kohlen auf die Häuser tragen und sie in Brand stecken. Nahe verwandt ist der Balkenschröter (Dorcus parallelepipedus L., s. Tafel Meyers »Käfer I«, Fig. 22), 1824 mm lang, mit nur mäßig vorragendem Oberkiefer, mattschwarz, auf den Flügeldecken sehr dicht und zusammenfließend punktiert, lebt in Europa in faulendem Holz und am ausfließenden Saft verschiedener Laubbäume.
 
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Hirschklee, s. Eupatorium.
 
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Hirschkrankheit des Pferdes, soviel wie Starrkrampf, wegen der eigentümlichen Stellung des Halses.
 
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Hirschkuh (Hindin), s. Meyers Hirsch.
 
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Hirschkuhantilope (Haartebeest), s. Meyers Antilopen, S. 577.
 
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Hirschlausfliege, s. Meyers Lausfliegen.
 
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Hirschling (Reizker), s. Lactarius.

 

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