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Hoensbroech bis Hofagent (Bd. 6, Sp. 411 bis 414)
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Artikelverweis Hoensbroech (spr. hōnsbrōch), Reichsgraf Paul von und zu, geb. 29. Juni 1852 zu Schloß Haag im Kreise Geldern, kam mit neun Jahren in die von Jesuiten geleitete Erziehungsanstalt zu Feldkirch (Vorarlberg), besuchte 186971 die Unter- und Oberprima des Gymnasiums in Mainz unter besonderer Leitung des Bischofs v. Ketteler, studierte ein Jahr Philosophie in dem englischen Jesuitenkolleg von Stonyhurst, dann in Deutschland drei Jahre die Rechte und arbeitete ein Jahr im preußischen Justizdienst. Er unternahm Reisen nach England, Frankreich, Portugal, Spanien, Italien und Nordafrika und trat 1878 in den Jesuitenorden ein, als dessen literarischer Anwalt er dann eine Reihe von Schriften veröffentlichte: »Der Kirchenstaat in seiner dogmatischen und historischen Bedeutung« (Freiburg 1889), »Warum sollen die Jesuiten nicht nach Deutschland zurück?« (das. 1890), »Geist des heiligen Franz Xaver« (Paderb. 1891), »Die Preußischen Jahrbücher, Professor Harnack und die Jesuiten« (Berl. 1891), »Professor Tschackert und die authentischen Gesetze des Jesuitenordens« (das. 1891), »Christ und Widerchrist« (Freiburg 1892) u. a. 1892 verließ H. aber den Orden, trat 1895 zum Protestantismus über und heiratete die Tochter des Senatspräsidenten am Kammergericht zu Berlin Lettgau. Seit seinem Austritt aus dem Jesuitenorden ist H. einer der rührigsten Bekämpfer des ultramontanen Systems, auf katholischer Seite gefürchtet und gehaßt, gibt seit 1902 in Verbindung mit E. v. Hartmann, O. Pfleiderer u. a. in Berlin die Zeitschrift »Deutschland« heraus und wohnt in Großlichterfelde bei Berlin. Außer zahlreichen kleinern Schriften (»Mein Austritt aus dem Jesuitenorden«, Berl. 1893 u. ö.; »Ultramontane Leistungen«, 1895; »Die römische Frage«, 1895; »Die deutschen Jesuiten der Gegenwart und der konfessionelle Friede«, 1896; »Religion oder Aberglaube«, 1896; ». Der Zweck heiligt die Mittel', als jesuitischer Grundsatz erwiesen«, 3. Aufl., Berl. 1904, u. a.) verfaßte er seitdem noch: »Der Ultramontanismus, sein Wesen und seine Bekämpfung« (2. Aufl., Berl. 1897) und »Das Papsttum in seiner sozialkulturellen Wirksamkeit« (Leipz. 190002, 2 Bde.; 4. Aufl. 1902; verkürzte Volksausgabe 1904; vgl. dazu seine Schrift »Die katholische Kritik über mein Werk etc.«, das. 1902). Von den vereinigten Ordnungsparteien wurde er 1903 als Reichstagskandidat im 22. sächsischen Wahlkreis aufgestellt, unterlag aber dem sozialdemokratischen Gegner.
 
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Hoëvell, Wolbert Robert, Baron van, niederländ. Schriftsteller, geb. 15. Juli 1812 in Deventer, gest. 10. Febr. 1879 im Haag, studierte in Groningen Theologie und ging 1836 nach Batavia, wo er elf Jahre als Geistlicher und Vorstand der Bibel- und Missionsgesellschaft wirkte und nebenbei die Erforschung Niederländisch-Indiens zu seiner Aufgabe machte. Die Resultate seiner Studien legte er in der 1837 von ihm begründeten und seither redigierten »Tijdschrift voor Nederlandsch-Indie« nieder. Um die Kenntnis der Kolonien in der Heimat zu fördern, gab er die »Reis over Java, Maduraen Bali in het midden van 1847« (Amsterd. 184951) heraus und später »Uit het Indische leven« (das. 1860), Skizzen von großer literarischer Bedeutung. Weiter erschienen von ihm: »Batavia in 1740« (Batavia 1840), eine historische Skizze, und »Geschiedkundig overzicht der beoefening van kunstenen wetenschappen in Nederlandsch-Indie«, »Onderzoek naar de oorzaken van het onderscheid tusschen de Soendaneezenen eigenlijke Javanen«, endlich »Aanteekeningen omtrent de Badoeïnen in het zuiden van Bantam«. Er gab auch das malaiische Gedicht »Sjair Bidasari« mit einer Übersetzung heraus (Batavia 1843). Seine Schriften, die sich mit der Emanzipation der Sklaven im niederländischen Indien (»De emancipatie der slaven in Ned. Indie«, 1848, und »Slavenen vrijen onder de Nederlandsche wet«, 1854) beschäftigten, machten Aufsehen und trugen viel zur Abschaffung der Sklaverei in den westindischen Kolonien bei. 1848 kehrte H. nach Holland zurück, wo er an die Spitze der liberalen kolonialen Bewegung trat. Er wurde in die Kammer gewählt, der er 14 Jahre als einer der glänzendsten Redner angehörte; seine Reden, eine lange Verteidigung der Sache Indiens, gab er selbst noch in 4 Bänden (»Parlementaire redevoeringen«, Zalt-Bommel 186265) heraus, als er 1862 schon zum Staatsrat ernannt worden war.
 
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Hoeven (spr. hūfen), Jan van der, Naturforscher, geb. 9. Febr. 1801 in Rotterdam, gest. 10. März 1868 in Leiden, studierte daselbst Naturwissenschaften und Medizin, dann in Paris Zoologie, ließ sich als Arzt in seiner Vaterstadt nieder und wurde 1826 außerordentlicher, 1835 ordentlicher Professor der Zoologie in Leiden. In seinem Hauptwerk, dem »Handboek der dierkunde« (Leid. 182733, 3 Bde.; 2. Aufl., das. 184655; deutsch von Schlegel, Leipz. 185056. 2 Bde.), suchte er unter Beachtung der Systematik die ganze Zoologie physiologisch aufzufassen. Außerdem schrieb er: »Recherches sur l'histoire naturelle et l'anatomie des limules« (Leid. 1838); »Redevoeringenen verhandelingen« (Amsterd. 1846; deutsch u. d. T.: »Ergebnisse der Naturforschung für das Leben«, Berl. 1848); »Bijdragen tot de naturlijke geschiedenis van den Negerstam« (Leid. 1842) und »Philosophia zoologica« (das. 1864); mit de Briefe gab er 183445 die »Tijdschrift voor naturlijke Geschiedenisen Physiologie« heraus. Sein älterer Bruder, Cornelis Pruys van der H., geb. 13. Aug. 1792 in Rotterdam, seit 1824 Professor der Medizin an der Universität in Leiden, gest. 5. Dez. 1871, schrieb mehrere vortreffliche Werke über Pathologie und Geschichte der Medizin: »Initia disciplinae pathologicae« (Leid. 1834); »De arte medica« (das. 1840, 2 Bde.); »De historia medicinae« (das. 1842); »De historia morborum« (das. 1846); »De historia medicamentorum« (das. 1847); »Examen anthropologique« (das. 1851); »Etudes de la vie humaine« (Amsterd. 1857).

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Hoe von Hoenegg, Matthias, kursächs. Oberhofprediger, geb. 24. Febr. 1580 (a. St.) in Wien, gest. 4. März 1645 (a. St.) in Dresden, einer lutherischen Familie entstammend, wurde früh vergeblich von seinen Lehrern zur Rückkehr in die katholische Kirche beredet, studierte in Wittenberg Theologie, wurde 1600 Dozent, 1602 dritter Hofprediger in Dresden, 1604 Superintendent in Plauen, ging 1610 nach Prag, um dort Kirchen- und Schulwesen einzurichten, kehrte aber 1613 als erster Hofprediger nach Dresden zurück mit dem eigens für ihn geschaffenen Titel »Oberhofprediger«. Ehrgeizig drängte H. alle andern zurück, gewann großen Einfluß auf die kurfürstliche Familie und zog großen materiellen Vorteil aus seiner Stellung. H. beherrschte besonders den bigotten und schwachen Kurfürsten Johann Georg I. (gest. 1656), wurde auch in politischen Dingen dessen Ratgeber, bestimmte namentlich seine Haltung zur böhmischen Königswahl (1619) sowie in der Folgezeit die gegenüber dem Kaiser und den katholischen Reichsständen. Erst nach der Veröffentlichung des Restitutionsedikts 1629 empfahl H. dem Kurfürsten Bekämpfung der Papisten, riet ihm jedoch zum Abschluß des Prager Friedens (1635), griff aber nachdem nicht mehr wie vorher durch Streitschriften in die Politik ein. Überall nach Einfluß strebend, zog er sich den Spottnamen »lutherischer Papst« oder »Hoher Priester« zu und bekämpfte als orthodoxer Lutheraner wenigstens anfangs die Calvinisten heftiger als die Katholiken. Seine Schriften sind zusammengestellt von Otto (Programm des Vitzthumschen Gymnasiums, Dresd. 1898). Vgl. Knapp, Matthias H. v. H. und sein Eingreifen in die Politik und Publizistik des Dreißigjährigen Krieges (Halle 1902).
 
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Hof, freier, eingefriedigter Platz, besonders der Raum neben einem Gebäude, zu diesem gehörig und mit Mauern, einem Geländer oder mehreren Gebäuden eingeschlossen. Bei größern Bauwerken unterscheidet man Vorder- und Hinte r- oder Haupt- und Nebenhöfe. Landwirtschaftlich versteht man unter H. auch ein ganzes Gut mit Feldern etc. oder bloß den gesamten Gebäudekomplex (Gehöft, Wirtschaftshof). Hofraum oder Hofraite heißt dann der von diesem umschlossene Raum. Man liebt die Anlage im (länglichen) Viereck, damit vom Wohnhaus aus alles übersehen werden kann, zieht aber da, wo sehr weitläufige Bauten nötig sind, die Anlage von Querbauten vor, um nicht zuviel Hofraum mit unnötigen Unterhaltungskosten (Pflaster, Reinigen etc.) zu haben. In solchem Falle kann im Mittelbau ein Turm mit Uhrwerk und Verwalterstube zu freiem Überblick angebracht werden. Gebäude mit feuergefährlichen Anlagen vereinigt man wohl in einem besondern H. (Maschinenhof, Brennereihof etc.), wie man auch gesonderte Höfe für Futteraufbewahrung (Feimenhof), Stallungen (Viehhof), Schäferei (Schafhof etc.) hat. Für die ganze Hofanlage wird vorteilhaft die Mitte der Längsachse des Gutes gewählt, oder es entscheidet die Nähe des Wassers, der Landstraße etc. Bei kleinern Anlagen bringt man die Düngerstätte in der Mitte des Hofes an, damit sie von allen Stallungen gleich zugänglich sei und bequeme An- und Abfahrt biete. Wenn möglich, sollen die Ställe nach Norden, das Wohnhaus nach Süden liegen. Übersichtlichkeit und Vermeidung jeglicher Art von Luxus sind Hauptbedingungen für die Anlage eines Hofes (s. Meyers Grundstück und Meyers Landwirtschaftliche Gebäude). In Gebirgsgegenden mit starkem Schneefall bringt man überdachte Gänge zwischen und vor den Gebäuden an, anderwärts nur erhöhte Steinwege (Heisten). H. heißt auch in Dörfern der herrschaftliche Besitz im Gegensatz zu den Gehöften der Bauern, Hofbauer der Besitzer des größten Gutes. In manchen Ländern wird das zur Anlage des Hofes erforderliche Areal nicht mit zur Grundsteuer herangezogen oder überhaupt steuerfrei gelassen, weil keinen Ertrag gebend.
 
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Hof, ein weißlicher oder farbiger Kreis um die Sonne oder den Mond. Man unterscheidet kleinere und größere Höfe, von denen die letztern oft in Verbindung mit Nebensonnen oder Nebenmonden und andern Lichterscheinungen auftreten. Die kleinern Höfe (Lichtkränze, Coronac, Aureolen, H in der Abbildung) entstehen, wenn dünne niedrige Wolken an dem Gestirn vorüberziehen oder die Luft stark wasserdampfhaltig ist. Der leuchtende Körper ist zunächst von einem gräulichblauen Kreis umgeben. der außen von einem gelben und roten Kreis begrenzt ist. Auf diese folgen zuweilen noch anders gefärbte Kreise, die nach außen hin abwechselnd grün und rot sind. In dieser Vollständigkeit erscheinen die Höfe nur selten, meist sind die Farben nur schwach oder verschwinden ganz, so daß dann nur ein H. als heller Schein ohne Farben oder, wie oft beim Monde, mit braunrotem Rande sichtbar ist. Die Durchmesser der farbigen Ringe betragen wenige Grade und sind nach der Größe der Wassertröpfchen verschieden; je größer diese, desto kleiner jene, und man kann die Größe der Tröpfchen aus dem Durchmesser der Ringe berechnen. Die kleinern Höfe werden durch die Beugung der Lichtstrahlen (s. Meyers Beugung des Lichtes) an den Tröpfchen hervorgerufen und lassen sich nachahmen, wenn man eine Flamme durch ein schwach angehauchtes oder mit seinem Staub (Semen Lycopodii) bestreutes Glas betrachtet. Die größern Höfe (Sonnen-, Mondringe, griech.-lat. Halo) zeigen sich in ihrer einfachsten Form als helle, zuweilen als farbige Kreise, in deren Mittelpunkt der leuchtende Körper steht. Ihr Radius hat entweder eine Größe von 2223° (R, der obenstehenden Abbildung) oder von 4647° (R2), der innere Rand ist schärfer, der äußere mehr verwaschen, und wenn Farben sichtbar sind, befindet sich das Rot auf der innern Seite. Zu diesem einfachen Kreis treten öfters noch andre Erscheinungen hinzu. Zunächst ist ein horizontaler heller Streifen zu nennen, der sich in gleicher Höhe mit der Sonne hinzieht. Da, wo dieser Horizontalkreis (K, Nebensonnenkreis) den Ring schneidet (genauer etwa 2° nach außen), ist er am hellsten; diese hellen

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Stellen heißen Nebensonnen und Nebenmonde (Ne und Nr). Bisweilen erscheinen Nebensonnen auch senkrecht über (No) oder unter (Nu) der Sonne am höchsten und tiefsten Punkte des Sonnenringes, oder es zeigt sich an diesen Stellen ein Berührungsbogen (B1 und B2) von entgegengesetzter Krümmung als der Sonnenring. Oft sind von der ganzen Erscheinung nur die Nebensonnen ohne irgend welche Kreise sichtbar, und endlich zeigt sich zuweilen auch ein der Sonne genau gegenüberstehender und mit derselben in gleicher Höhe befindlicher weißer Fleck, eine Gegensonne (Anthelien), der im horizontalen Streifen steht, wenn dieser sichtbar ist. Man sieht diese Erscheinungen der größern Höfe am häufigsten während der kältern Jahreszeit und in nördlichen Gegenden. Besonders schöne und vollständige Erscheinungen sind unter dem Namen des römischen, Petersburger und Danziger Phänomens bekannt. Die Ringe, deren Halbmesser 22° beträgt, entstehen aus einer Brechung der Lichtstrahlen in sechs- oder dreiseitigen Prismen der in der Luft schwebenden Eiskristalle, deren brechender Winkel 60° beträgt; das unter kleinerm Winkel reflektierte Licht gelangt nicht in unser Auge, weshalb der Innenraum der Höfe dunkler ist als der äußere. Die größern Kreise oder Ringe entstehen durch eine Brechung der Lichtstrahlen in sechsseitigen Prismen, bei denen der rechte Winkel, den die Seitenflächen des Prismas mit seiner Basis bilden, der brechende Winkel ist. Den horizontalen Nebensonnenkreis erklärt man durch die Reflexion der Sonnenstrahlen an den senkrechten Flächen der Eiskristalle sowie die Entstehung der Nebensonnen dadurch, daß die Schnittpunkte der Sonnenkreise und des horizontalen Streifens am hellsten sein müssen, weil hier zwei Ursachen für die Erleuchtung zusammenwirken. Die bei lief stehender Sonne zuweilen sichtbaren senkrechten Streifen (Lichtsäulen, L), die mit dem Horizontalkreis ein Kreuz (L, K) bilden können, entstehen durch äußere und innere Reflexion an den Endflächen der vertikalen Prismen. Die Höfe zeigen in bezug auf ihre Häufigkeit eine ausgesprochene jährliche Periode, und zwar sind die von der Sonne erzeugten am häufigsten von April bis Juni und am seltensten im Dezember und Januar, während die vom Monde bewirkten im Hochsommer am seltensten und im Winterhalbjahr (der langen Nächte wegen) am häufigsten vorkommen. Die Ringe von 221/2° (R.) sind im allgemeinen Vorboten schlechten Wetters. Vgl. Hellmann in der »Meteorologischen Zeitschrift«, 1893, S. 415, und Messerschmitt in den »Annalen der Hydrographie«, 1900, S. 32; Pernter, Meteorologische Optik (Wien 190205).
 
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Hof (lat. Curia, Aula, franz. Cour, engl. Court) war ursprünglich der von den Gebäuden eines Gutes umschlossen e freie Platz, auf dem sich die Gefolgschaft des Gutsherrn versammelte, dann diese Gefolgschaft selbst; ferner Bezeichnung für die Residenz eines Fürsten (Hoflager) sowie für den Fürsten selbst mit seiner Familie und Umgebung. Im Altertum fielen die Obliegenheiten der Hofbeamten regelmäßig mit solchen von Staatsdienern zusammen, so unter den römischen Cäsaren, bei denen die hohen Militärbefehlshaber zugleich die unmittelbare Umgebung und den Hofstaat des Kaisers bildeten. Besonders verwickelt war die Hofhaltung in Byzanz, die vielfache Nachahmung fand. Im Deutschen Reich waren die Kurfürsten als Inhaber der Meyers Erzämter (s. d.) zugleich die ersten Hofbeamten des Kaisers; doch lief dies im wesentlichen auf eine bloße Titulatur hinaus, wie dies später auch in Ansehung der Meyers Erbämter (s. d.) des Reiches der Fall war. Die Höfe der Gegenwart sind zwar im ganzen gleichartig eingerichtet, im einzelnen aber ist die Gliederung des Hofdienstes, namentlich auch mit Rücksicht auf den Umfang der Hofhaltung, sehr verschieden. Die Hofbediensteten bilden zusammen den Hofstaat des Fürsten; sie zerfallen in Hofbeamte und Hofdiener (Hofoffizianten), je nachdem es sich um den Ehrendienst bei dem Monarchen und seiner Familie und um die höhere Hofverwaltung oder nur um niedere Dienstverrichtungen handelt. Die höhern Hofbeamten sind die Inhaber der eigentlichen Hofämter (Hofchargen, Hofstäbe), während die übrigen nur Ehrendienste verrichten (Kammerherren, Kammerjunker). Die Hofämter werden regelmäßig nur von Adligen bekleidet, wie früher überhaupt der Adel die notwendige Voraussetzung der Hoffähigkeit (Courfähigkeit), d. h. der Befugnis, bei Hofe zu erscheinen, war, während jetzt auch die höhern Staatsbeamten und Offiziere hoffähig sind und auch hervorragende Gelehrte und Künstler, Mitglieder der parlamentarischen Körper etc. Einladungen zu Hofe erhalten. Die Meyers Hofrangordnung (s. d.) bestimmt die Rangfolge der bei Hofe erscheinenden Personen. Ein besonderes Hofzeremoniell (Hofetikette) wird an den Höfen aufrecht erhalten, zu dessen Wahrung besondere Beamte (Zeremonienmeister) bestellt sind (s. Meyers Zeremoniell). Auch ist zum Erscheinen bei Hofe eine Hofkleidung erforderlich, die bei besondern Gelegenheiten, namentlich bei Hoftrauer, im einzelnen vorgeschrieben wird.
   Sämtliche Hofbeamte sind regelmäßig dem Minister des fürstlichen Hauses (Hausministerium) unterstellt, so namentlich in Preußen, wo ihm zunächst das Heroldsamt für Standes- und Adelssachen, das königliche Hausarchiv und die Hofkammer der königlichen Familiengüter untergeordnet sind. Unter dem Hausminister stehen die Hofchargen, die in Preußen in oberste, Ober- und einfache Hofchargen eingeteilt werden. Oberste Hofchargen sind: der Oberstkämmerer, der Oberstmarschall, der Oberstschenk, der Obersttruchseß und der Oberstjägermeister. Oberhofchargen sind: der Obermundschenk, der Oberschloßhauptmann und Intendant der königlichen Gärten, der Oberhof- und Hausmarschall, Oberstallmeister, der Oberzeremonienmeister, der Obergewandkämmerer (grandmaître de la garderobe), der Oberjägermeister, die Vize-Oberhofchargen, darunter der Generalintendant der königlichen Schauspiele. Hofchargen sind: die Schloßhauptleute, die über die königlichen Schlösser gesetzt sind, die Zeremonienmeister und die Hofjägermeister. Zum Hofstaat gehören ferner der Generalintendant der königlichen Hofmusik, der Leibarzt, die Schatullverwaltung und Privatkanzlei. In Österreich umfaßt der H.: oberste Hofämter, nämlich Obersthofmeister, Oberstkämmerer, Obersthofmarschall und Oberststallmeister, ferner die Garden, nämlich den Oberst sämtlicher Leibgarden, die Kapitäne der Arcierenleibgarde, der ungarischen Leibgarde, der Trabantenleibgarde, Leibgarde-Infanteriekompagnie und der Leibgarde-Reitereskadron, endlich die sogen. Hofdienste, Oberstküchenmeister, Oberstsilberkämmerer, Oberststabelmeister, Oberstjägermeister, Oberzeremonienmeister. Das militärische Haus des Kaisers besteht aus den General- und den Flügeladjutanten sowie der Militärkanzlei und der Kabinettskanzlei. Auch die Gemahlinnen der gekrönten Häupter haben ihren Hofstaat, der sich z. B. in Preußen bei der Kaiserin-Königin aus der Oberhofmeisterin,

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den Palastdamen, dem Oberhofmeister, dem Leibarzt und dem Kabinettssekretär zusammensetzt, abgesehen von den niedern Chargen; ebenso die Prinzen und Prinzessinnen der fürstlichen Häuser. Eigentümlich ist die Unterscheidung zwischen geistlichen und weltlichen Hofchargen bei dem päpstlichen Stuhl. Die obersten geistlichen Hofchargen sind hier die Kardinäle des Palastes: der Protodatarius (s. Dataria), der Sekretär der Breven, der Sekretär der Bittschriften, der Staatssekretär, dann die Prälaten des Palastes: Obersthofmeister und Palastpräfekt, Oberstkämmerer, Auditor, Großmeister des apostolischen Palastes; die weltlichen Hofchargen sind: der Großmeister des heiligen Hospizes, der Obersthofmarschall, der Oberststallmeister und der Generalpostmeister. Außer den geistlichen Oberhof- und Hofchargen kommen dann noch die obersten Erbämter (die beiden Thronassistenten Fürsten Colonna und Orsini und der Marschall der römischen Kirche und Hüter des Konklave Fürst Chigi), ferner die Führer der päpstlichen Leibgarden hinzu (vgl. das Jahrbuch »Gerarchia cattolica«). Schon im Mittelalter wurde den Fürsten die päpstliche Erlaubnis erteilt, sich eigne Hofgeistliche, sogen. Hofbeichtväter, halten zu dürfen, wie sie sich auch schon früher besondere Hofkirchen gegründet hatten. Die Stellen dieser Beichtväter wurden zumeist mit Jesuiten besetzt, die nicht selten den bedeutendsten Einfluß zu erlangen wußten. Die protestantischen Fürsten stellten dann an ihren Hofkirchen Hofprediger oder Hofkapläne an. Vgl. Malortie, Der Hofmarschall (3. Aufl., Hannov. 1866); »Zeremonialbuch für den königlich preußischen H.« (von Graf Stillfried, Berl. 18711877, 12 Tle.); dann den »Gothaischen genealogischen Hofkalender«.
 
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Hof, 1) (Stadt zum H.) unmittelbare Stadt im bayr. Regbez. Oberfranken, an der Saale, nördlich vom Fichtelgebirge, Knotenpunkt der bayrischen Staatsbahnlinien München-Bamberg-H. und H.-Steben und der sächsischen Staatsbahnlinie Leipzig-H., 505 m ü. M., nach dem Brand von 1823 fast ganz neu aufgebaut, hat 3 evang. Kirchen (darunter die Michaeliskirche im gotischen Stil, mit schönen Glasmalereien nach Entwürfen von Pfannschmidt und Müller) und eine kath. Kirche, ein Rathaus im gotischen Stil, ansehnliche Schulgebäude, schöne öffentliche Anlagen und (1900) 32,789 Einw., davon 3432 Katholiken und 78 Juden. Die Industrie ist bedeutend. H. hat ansehnliche Woll- und Baumwollspinnerei, Fabrikation von Baumwoll- und Halbwollwaren mit überseeischer Ausfuhr, von Maschinen, Chemikalien, Eisen- und Zuckerwaren, Färbereien und Appreturanstalten, Teppichdruckerei, bedeutende Exportbierbrauereien, Gerbereien, Mühlen, Zellulose- und Porzellanfabrikation, Kalksteinbrüche, Getreidehandel etc. Die Stadt ist Sitz eines Bezirksamts, eines Landgerichts, einer Handelskammer, eines Hauptzollamts, einer Reichsbanknebenstelle, einer Filiale der königlichen Bank in Nürnberg und hat ein Gymnasium, Realschule, Waisenhaus, Rettungsanstalt, ein reiches Hospital (seit 1262) und zahlreiche milde Stiftungen. Zum Landgerichtsbezirk H. gehören die 8 Amtsgerichte zu H., Kirchenlamitz, Münchberg, Naila, Rehau, Selb, Thiersheim und Wunsiedel. Die Stadt H., früher Regnitzhof genannt, entstand 1080 und war der Hauptort der Reichsvogtei an der Regnitz, die unter der Obervogtei der Herzoge von Meran von den Vögten von Weida verwaltet ward. Nach dem Aussterben der Herzoge von Meran (1248) wurden die Burggrafen von Nürnberg damit belehnt, denen die Vögte von Weida 1273 ihr Recht an H. verkauften. Doch bald darauf kam H. durch Heirat wieder an die Vögte von Weida, die 1373 die Stadt nochmals an die Burggrafen verkaufen mußten. Die Reformation wurde 1529 durchgeführt. 1792 kam H. an Preußen, 1806 an Frankreich, und 1810 ward es Bayern einverleibt. Ein großer Brand legte die Stadt 4. Sept. 1823 größtenteils in Asche. Tuchmanufaktur und Schönfärberei blühten bereits im 15. Jahrh.; dazu trat im 16. Jahrh. die Fabrikation von Schleiern und im 18. die der bunten Kattune und Zitze. Vgl. Ernst, Geschichte und Beschreibung des Bezirks und der Stadt H. (Hof 1866); Tillmann, Die Stadt H. und ihre Umgebung (2. Aufl., das. 1899); Widmann, Chronik der Stadt H., abgedruckt in Chr. Meyers »Quellen zur Geschichte der Stadt H.« (das 189496, 2 Bde.). 2) Dorf im deutschen Bezirk Lothringen, Kreis und Kanton Saarburg, hat eine kath. Kirche, Siechenhaus, 2 Uhrfedernfabriken und (1900) 603 Einw. 3) Stadt in Mähren, Bezirksh. Sternberg, in einem Gebirgstal der Sudeten, an der Staatsbahnlinie Bärn- H., hat ein Bezirksgericht, Seiden-, Leinenwaren- und Teppichfabrikation und (1900) 2648 deutsche Einwohner.
 
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Hofacker, Ludwig, schwäb. Theolog, geb. 15. April 1798 in Wildbad, gest. 18. Nov. 1828 als Pfarrer in Rielingshausen, hat in ungemein viel gelesenen Predigten (Stuttg. 1828, 44. Aufl. 1898) auf Verbreitung einer ernst pietistischen, den Sühnetod Jesu zum Mittelpunkt machenden Gläubigkeit hingewirkt. In derselben Richtung war sein Bruder Wilhelm H. (geb. 16. Febr. 1805 in Gärtringen, gest. 10. Aug. 1848 als Diakonus in Stuttgart) tätig. Vgl. A. Knapp, Leben von Ludwig H. (5. Aufl., Heidelb. 1883); Ludwig Hofacker (Sohn Wilhelms), Wilhelm H. (Stuttg. 1872). Von Ludwig H. zu unterscheiden ist der gleichnamige Prokurator, der seit 1832 in Gemeinschaft mit dem Bibliothekar Immanuel Tafel in Tübingen für die »neue Kirche« Swedenborgs wirkte.
 
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Hofacker-Sadlersche Hypothese, s. Meyers Bevölkerung, S. 789.
 
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Hofagent (Hoffaktor), ein Hofbeamter, der die Einkäufe von Waren etc. für die Hofhaltung zu besorgen hat; oft ein bloßer Titel.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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