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Histidīn bis Historĭa (Bd. 6, Sp. 378 bis 379)
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Artikelverweis Histidīn C6H9N3O2 entsteht aus Hämoglobin bei Behandlung mit rauchender Salzsäure und tritt als Zersetzungsprodukt von Eiweißkörpern auch im Darm auf, es ist als Aminomethyldihydropyrimidinkarbonsäure aufzufassen und steht in naher Beziehung zu den Purinderivaten, besonders der Harnsäure. Es bildet farblose Kristalle, deren Lösung nach links polarisiert, während seine kristallisierbaren Salze nach rechts polarisieren. Die schwach ammoniakalische Lösung wird durch Silbernitrat gefällt.
 
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Histĭodromie (griech.), Schiffahrtskunde.
 
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Histochemie (griech.), die Lehre von der chemischen Beschaffenheit der organischen Gewebe. Vgl. Molisch, Grundriß einer H. der pflanzlichen Genußmittel (Jena 1891).
 
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Histogenēse (griech.), die Entstehung der Meyers Gewebe (s. d., S. 776) bei Tieren und Pflanzen; Histogenie, die Lehre davon; Histographie, die Beschreibung der Gewebe.
 
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Histoire (franz., spr. istŭār'), Geschichte.
 
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Histologie (griech., »Gewebelehre«), die Lehre von dem feinern, meist nur mit Hilfe des Mikroskops zu ermittelnden Bau des Tierkörpers und im weitern Sinn auch des Pflanzenkörpers. In der Botanik behandelt man die Gewebelehre, für die der Ausdruck H. wenig gebräuchlich ist, als einen Teil der Pflanzenanatomie, die einen Abschnitt der Pflanzenmorphologie bildet. In der Zoologie ist eine scharfe Trennung der H. von der sogen. groben Anatomie, die mehr die mit bloßem Auge zugänglichen anatomischen Verhältnisse berücksichtigt, natürlich nicht möglich; vielmehr stehen beide in innigem Zusammenhang und ergänzen sich zugleich. Immerhin gilt die Zusammensetzung eines tierischen Körpers nicht für völlig erkannt, solange man ihr nicht bis zur äußersten Grenze der Sichtbarkeit nachgespürt hat. Dabei bedient sich aber die H. nicht bloß des Mikroskops zur Vergrößerung der sonst unsichtbaren Teile, sondern zieht auch alle Hilfsmittel der Physik und Chemie heran, untersucht also z. B. die Gewebe im polarisierten Licht, ferner in ihrem Verhalten gegen elektrische Reize, gegen Säuren, Basen, Salze etc., hat also eine Histophysik und Histochemie zur Voraussetzung. Ferner kommt der H. eine große Bedeutung für die pathologische Anatomie zu, denn in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen ist die Erkrankung der Organe auf diejenige der Gewebe und der sie zusammensetzenden Zellen zurückzuführen. Die genaue Kenntnis der H. der Organe des menschlichen Körpers bildet also die Grundlage der pathologischen Anatomie. In der Praxis wird daher die pathologische von der normalen H. unterschieden.
   Die H. reicht zurück bis in die Zeiten von Malpighi und Leeuwenhoeck, d. h. bis Mitte des 17. Jahrh., als besondere Wissenschaft kann sie jedoch erst seit Anfang des 19. Jahrh. bezeichnet werden, nämlich seit 1801, als das die eigentliche wissenschaftliche Gewebelehre begründende Werk von Bichat, »Anatomie générale«, erschien. In ihm wurden zum erstenmal die Gewebe nicht nur morphologisch charakterisiert, sondern auch in ihrer physiologischen Bedeutung gewürdigt und vom pathologischen Standpunkt aus behandelt. Der weitere Aufschwung der H. wurde aber erst möglich durch die fortschreitende Verbesserung der optischen Hilfsmittel und vor allem durch die Entdeckung der pflanzlichen und tierischen Zellen durch Schleiden und Schwann (1838). Erst durch sie wurde es möglich, den Bau und damit das Wesen der einzelnen Gewebsarten richtig zu erkennen sowie ihre Entstehung und Umbildung zu verfolgen. Naturgemäß waren es infolge der Beziehungen zum menschlichen Körper wie bei der Anatomie selbst so auch bei der mikroskopischen Anatomie die Wirbeltiere, deren Gewebe zunächst das Interesse der Forscher erregten, und die Untersuchungen von Bergmann, Reichert, Remak und M. Schultze, durch welche die wissenschaftliche H. mit begründet wurde, beziehen sich hauptsächlich auf Wirbeltiere. Dies gilt auch für die entwickelungsgeschichtlichen Untersuchungen, die den Ursprung und die Ausbildung der Gewebe kennen lehrten und sich besonders an die Namen von Bischoff, Reichert, Remak und Kölliker anknüpfen. In dem bereits 1852 erschienenen Handbuch der Gewebelehre des letztern Forschers wurden die Hauptergebnisse der jungen Wissenschaft in klarer Weise zusammengefaßt und die Bahn für die weitern Forschungen gezeigt. Übrigens waren diese von Kölliker und andern auch bereits auf die wirbellosen Tiere ausgedehnt worden, und auf diesem Gebiet erwarb sich besonders Leydig große Verdienste um die Förderung der H. Mit der Ausdehnung der Untersuchungen auf dem Gebiete der wirbellosen Tiere ergab sich von selbst eine Vergleichung der Zusammensetzung der Organe in den verschiedenen Tierklassen sowie die übrigens schon vorher geübte Vergleichung der Bestandteile der verschiedenen Organsysteme unter sich, und die Gewebelehre erhob sich damit zur vergleichenden H. Von großer Bedeutung wurde die Frage nach der Herkunft der die Gewebe zusammensetzenden Zellen, d. h. ob diese unabhängig von andern Zellen entstehen können oder nicht. In dieser Hinsicht wurden die Befunde auf dem Gebiete der pathologischen Anatomie von Bedeutung, und Virchow vertrat in seiner »Zellularpathologie« (1858) mit Entschiedenheit den ersten Standpunkt (Omnis cellula e cellula). In der Folge nahmen die Forschungen in den einzelnen Zweigen der H. einen großen Aufschwung. Die

[Bd. 6, Sp. 379]


für die Beurteilung der Funktion der Organe wichtige Kenntnis ihres Baues wurde bis in die kleinsten Einzelheiten hinein gefördert; ganz besonders gilt dies für die H. des Muskelsystems, des Nervensystems und der Sinnesorgane, auf welchen Gebieten infolge der immer mehr verfeinerten Untersuchungsmethoden und der verbesserten Instrumente eine ungemein genaue Kenntnis der Elementarteile erzielt wurde. Zu ungeahnter Höhe erhob sich in den letzten Jahrzehnten die Cytologie, die fast die Bedeutung einer eignen Wissenschaft erlangte. Als hauptsächlichste Förderer dieser Disziplin sind Leydig, Bütschli, Flemming, Rabl, E. van Beneden, O. und R. Hertwig, Boveri, E. B. Wilson zu nennen. Sie betrachtet die Zelle an sich und in ihren Beziehungen zu den Geweben, denen sie angehört, und die Forschungen der neuesten Zeit haben besonders über die Vermehrung der Zellen weitgehende Aufschlüsse geliefert (vgl. Zelle).
   Vgl. Leydig, Lehrbuch der H. des Menschen und der Tiere (Frankf. 1857); Kölliker, Handbuch der Gewebelehre (6. Aufl., Leipz. 188996, 2 Bde.; Bd. 3 von Ebner, 18991902); Stricker, Handbuch der Lehre von den Geweben (das. 186870, 2 Bde.); Frey, Handbuch der H. und Histochemie des Menschen (5. Aufl., das. 1876) und Grundzüge der H. (3. Aufl., das. 1885); Ellenberger, Handbuch der vergleichenden H. (Berl. 188491, 2 Tle.); Exner, Leitfaden bei der mikroskopischen Untersuchung tierischer Gewebe (2. Aufl., Leipz. 1878); Klein, Grundzüge der H. (a. d. Engl. von Kollmann, 3. Aufl., das. 1894); Stöhr, Lehrbuch der H., mit Einschluß der mikroskopischen Technik (11. Aufl., Jena 1904); Ranvier, Traité technique d'histologie (2. Aufl., Par. 1889; deutsch, Leipz. 1888); Behrens, Kossel und Schiefferdecker, Die Gewebe des menschlichen Körpers (Braunschweig 188991, 2 Bde.); Rindfleisch, Lehrbuch der pathologischen Gewebelehre (6. Aufl., Leipz. 1886); Israel, Praktikum der pathologischen H. (2. Aufl., Berl. 1893); Böhm und Davidoff, Lehrbuch der H. des Menschen (3. Aufl., Wiesb. 1902); O. Hertwig, Die Zelle und die Gewebe (Jena 1892 u. 1898); Schneider, Lehrbuch der vergleichenden H. der Tiere (das. 1902); Aschoff u. Gaylord, Kursus der pathologischen H., mit Atlas (Wiesb. 1900); Szymonowicz, Lehrbuch der H. und der mikroskopischen Anatomie (Würzb. 1901); Ribbert, Lehrbuch der pathologischen H. (2. Aufl., Bonn 1901); Schmorl, Die pathologisch-histologischen Untersuchungsmethoden (2. Aufl., Leipz. 1901). Atlanten: Braß, Atlas der normalen Gewebelehre des Menschen (u. Aufl., Braunschw. 1897); Löwenthal, Atlas für vergleichende H. der Wirbeltiere (Berl. 1904); Grawitz, Atlas der pathologischen Gewebelehre (das. 1893); Karg u. Schmorl, Desgleichen (Leipz. 1893).
 
Artikelverweis 
Histomēter (Gewebeprüfer), s. Meyers Gewebe, S. 778.
 
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Histone, stickstoffreiche Eiweißkörper von entschieden basischem Charakter, die durch Alkalien gefällt werden, im Überschuß aber meist löslich sind. Sie lösen sich leicht in Säuren. H. kommen als solche nicht vor, bilden aber, gepaart mit einer »prosthetischen« Gruppe, wichtige Zellbestandteile. In salzfreier Lösung werden sie durch Kochen nicht koaguliert, wohl aber in einer 0,5proz. Kochsalzlösung. Die bisher untersuchten H. sind: das Histon aus den Leukocyten der Thymusdrüse und aus den roten Blutkörperchen der Gans, das Globin (der Eiweißbestandteil des Hämoglobins), H. aus den Hoden von Fischen und andern Tieren, wie Seombrou, Arbacin, Salmon.
 
Artikelverweis 
Histōnen (griech.), vielzellige Wesen im Gegensatz zu den einzelligen (Protisten).
 
Artikelverweis 
Histophysik (griech.), die Lehre vom Verhalten der tierischen Gewebe in physikalischer Hinsicht.
 
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Historĭa (Historie, griech. u. lat.), Geschichte; H. naturalis, Naturgeschichte. Im Sinne von »Geschichtschreibung« (z. B. Literarhistorie) veraltet.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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