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Hirschberg bis Hirschgerecht (Bd. 6, Sp. 369 bis 371)
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Artikelverweis Hirschberg, 1) (H. in Schlesien) Kreisstadt im preuß. Regbez. Liegnitz, in anmutiger Lage am Einfluß des Zacken in den Bober, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Kohlfurt-Glatz, H.-Grünthal und H.-Schmiedeberg, 342 m ü. M., hat eine evang. Kirche (seit 1709, eine von den sechs sogen. Gnadenkirchen), 4 kath. Kirchen, Synagoge, mehrere Kriegerdenkmäler u. (1900) mit der Garnison (1 Jägerbataillon Nr. 5) 17,865 Einw., davon 4118 Katholiken und 335 Juden. Die Industrie erstreckt sich auf Kammgarnspinnerei, Fabrikation von Leinen- und Baumwollwaren, Rouleaus, Jalousien, Kartonnagen, Zigarren, künstlichen Blumen, Maschinen, Papier, Holz- und Strohstoff, Portlandzement, Porzellan, Obstwein und Fruchtsäften; ferner hat H. lebhaften Handel in Getreide, Wein, Zement, Leinwand, Butter etc. H. hat ein Gymnasium, Waisenhaus, Landgericht, Handelskammer und eine Reichsbanknebenstelle. Anziehende Punkte der Umgegend sind: der Kavalierberg mit schöner Aussicht, der Kreuzberg (Kramstaberg) mit Anlagen, der sagenreiche Hausberg, der Helikon und die Schlucht des Sattler am Bober mit Eisenbahnviadukt. Zum Landgerichtsbezirk H. gehören die zwölf Amtsgerichte zu Bolkenhain, Friedeberg, Greifenberg, Hermsdorf, H., Lähn, Landeshut, Liebau, Löwenberg, Schmiedeberg, Schömberg und Schönau. H. erhielt 1108 Stadtrechte und wurde durch Herzog Boleslaw II. von Liegnitz 1241 bedeutend vergrößert. Den Grund zu seinem Wohlstand legte im 16. Jahrh. die Lein- und Schleierweberei. Vgl. Hirschberger Tal. 2) (H. in Thüringen) Stadt im Fürstentum Reuß j. L., an der Saale und der sächsischen Staatsbahnlinie Schönberg-H., 441 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein fürstliches Schloß, Amtsgericht,

[Bd. 6, Sp. 370]


Leder- und Messerfabrikation, Handelsmüllerei und (1900) 2014 evang. Einwohner. 3) Stadt in Böhmen, Bezirksh. Dauba, an der Böhmischen Nordbahn, mit einem gräflich Waldsteinschen Schloß und Park, Hopfenbau, Sägewerken und (1900) 2050 deutschen Einwohnern. In der Umgebung befinden sich ausgedehnte Waldungen und drei große Teiche. Südöstlich erhebt sich auf einem 603 m hohen Phonolithkegel die malerische Burgruine Bösig aus dem 12. Jahrh. mit weiter Rundsicht.
 
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Hirschberger Tal, die tiefe Einsenkung zwischen dem Riesen- und Katzbachgebirge in der preuß. Provinz Schlesien, eine anmutige, fruchtbare und stark bevölkerte Landschaft, durch die Berggruppe von Stonsdorf (Prudelberg 484 m, Stangenberg mit der Heinrichsburg 506 m) in ein östliches und westliches Becken geteilt. Der Bober durchfließt es in seinem nördlichen Teil und empfängt aus dem östlichen Becken die Lomnitz, aus dem westlichen den Zacken. Vgl. Eisenmänger, Der Kreis Hirschberg, seine Natur, Industrie etc. (Hirschb. 1879); Lange, Die Glasindustrie im H. (Leipz. 1889).
 
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Hirschbrunst, s. Elaphomyces.
 
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Hirschdorn, s. Meyers Rhamnus.
 
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Hirsche (Cervidae), eine Familie der Meyers Huftiere (s. d.).
 
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Hirscheber (Porcus Wagl.), Gattung der Paarzeher aus der Familie der Schweine (Suidae), mit der einzigen Art Babirussa (P. babyrussa Wagl., s. Tafel Meyers »Schweine I«, Fig. 4). Dieser ist 1,1 m lang, mit 20 cm langem Schwanz, 80 cm hoch, schlank und hochbeinig, mit kurzem Hals, kleinem, langgestrecktem Kopf, großen, runden Augen und beim Männchen sehr langen, halbkreisförmig nach oben und hinten gekrümmten obern und kürzern, dickern, mehr gerade aufwärts gerichteten untern Eckzähnen; die dicke, rauhe, schmutzig aschgraue Haut ist vielfach gerunzelt, im Gesicht und am Hals tief gefaltet und mit ziemlich kurzen, einzeln stehenden Borsten besetzt. Er bewohnt Celebes, Buro und Sulla-Mangoli, lebt gesellig in sumpfigen Waldungen, schwimmt gut, selbst über Meeresarme, schläft bei Tag und geht nachts auf Fraß aus. Seines Fleisches halber wird er gejagt. Die Sau soll einen oder zwei Frischlinge werfen, die, jung eingefangen, sich zähmen lassen.
 
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Hirscher, Johann Baptist von, kath. Theolog, geb. 20. Jan. 1788 zu Alt-Ergarten in Oberschwaben, gest. 4. Sept. 1865 in Freiburg, wurde 1810 Priester, 1812 Repetent an dem Seminar und Lyzeum in Ellwangen, 1817 Professor der christlichen Moral an der katholisch-theologischen Fakultät in Tübingen, 1837 in Freiburg, wo er 1839 Mitglied des erzbischöflichen Domkapitels, 1850 dessen Dekan wurde. Seine reformatorischen Vorschläge, die ihm manche Verfolgungen von seiten der ultramontanen Partei eintrugen, hat er niedergelegt in einer Reihe von Schriften, unter denen wir nennen: »Erörterungen über die großen religiösen Fragen der Gegenwart« (Freiburg 18461855, 3 Hefte; 2. Ausg. 1865); »Die kirchlichen Zustände der Gegenwart« (1.3. Aufl., Tübing. 1849); »Antwort an die Gegner« (das. 1850). Unter seinen sonstigen Veröffentlichungen nennen wir: »Die katholische Lehre vom Ablaß, pragmatisch dargestellt« (6. Aufl., Tübing. 1855); »Katechetik« (das. 1831, 4. Aufl. 1840); »Die christliche Moral« (das. 1835; 5. Aufl. 1851, 3 Bde.); »Betrachtungen über die sonntäglichen Evangelien des Kirchenjahrs« (das. 183743, 2 Bde.; 5. Aufl. 184852) und »über die Episteln« (das. 1860 bis 1862, 2 Bde.); »Geschichte Jesu Christi« (2. Aufl., das. 1845); »Das Leben der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria« (7. Aufl., Freiburg 1899). Durch seine katechetischen Lehrschriften ist er der Begründer einer bessern, aber freilich bald wieder verschwundenen kirchlichen Unterrichtsmethode geworden. Hirschers »Nachgelassene kleinere Schriften« wurden herausgegeben von Rolfus (Freiburg 1868).
 
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Hirschfänger, kurze, messerartige Waffe der Jäger zum Jagdgebrauch, gehört, in der Scheide getragen, zur Uniform der Forstbeamten; war als Seitengewehr der Jägertruppen zum Befestigen auf der Büchse behufs Verwendung als Bajonett eingerichtet, welche Einrichtung bei den neuen gezogenen Gewehren als Haubajonett etc. in wenig veränderter Gestalt für das gesamte Fußvolk angenommen ist.
 
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Hirschfeld, 1) Christian Cajus Laurenz, der Apostel der Gartenkunst für Deutschland, geb. 16. Febr. 1742 in Nüchel bei Eutin, gest. 20. Febr. 1792, studierte seit 1760 in Halle, war 1769 Kabinettssekretär des Fürstbischofs in Eutin und Lehrer von dessen Söhnen, mit denen er auf Reisen ging, ward nach seiner Rückkehr Sekretär des akademischen Kuratelkollegiums in Kiel, 1773 außerordentlicher Professor der Philosophie und leitete seit 1784 die Obstbaumschule zu Düsternbrook bei Kiel. 1773 erschienen seine »Anmerkungen über Landhäuser und Gartenkunst«, mit denen er die Verirrungen der Gartenkunst bloßlegte und gesunde Regeln für den landschaftlichen Gartenstil gab. 1775 erschien seine kleine »Theorie der Gartenkunst«, 177782 seine »Theorie der Gartenkunst« in 5 Bänden (deutsch und französisch), Lehrbücher, die von großer Bedeutung für die gesunde Entwickelung des landschaftlichen Gartenstils, im Gegensatz zum regelmäßigen französischen Stil, geworden und ein halbes Jahrhundert geblieben sind.
   2) Karl Friedrich von, preuß. General, geb. 16. Juli 1744 zu Strehlen in Schlesien, gest. 8. Okt. 1818 in Brandenburg, trat 1762 in das Heer, wurde Begleiter des Prinzen Eugen von Württemberg, war im holländischen Feldzug Adjutant des Herzogs von Braunschweig und wohnte 1793 und 1794 den Feldzügen am Rhein bei, worauf er das Kommando des Infanterieregiments Herzog von Braunschweig in Halberstadt erhielt. 1797, bald nach Friedrich Wilhelms III. Thronbesteigung, Kommandeur des 1. Bataillons der Leibgarde geworden, ward er 1801 Generalmajor, befehligte 1806 die Garde und ward bei Auerstedt gefangen. 1813 Führer einer Landwehrdivision, lieferte er 27. Aug. 1813 dem General Girard das siegreiche Treffen bei Hagelsberg, leitete die Einschließung von Magdeburg, wurde nach der Übergabe Kommandant dieser Festung und nahm 1815 als General der Infanterie seinen Abschied. Von seinen vier Söhnen fiel der älteste, Eugen v. H., geb. 1784, nachdem er 1807 aus preußischen Diensten in die des Herzogs von Braunschweig getreten war, 1811 in Spanien; der zweite, Moritz v. H., geb. 1791, gest. 13. Okt. 1859 in Koblenz, focht seit 1810 in einem spanischen Dragonerregiment gegen Napoleon, trat 1815 als Major in preußische Dienste zurück, befehligte 1849 als Generalleutnant die Truppen, die den Aufstand in der Pfalz und dann in Baden unterdrückten und war zuletzt Kommandeur des 8. Armeekorps; vgl. (v. Holleben) »Erinnerungen an Engen und Moritz v. H.« (Berl. 1863). Ein dritter, Adolf v. H., befehligte 1848 in Posen, wo er den Aufstand unterdrückte, 1849 in Schleswig-Holstein und starb 11. Mai 1858 als General der Kavallerie a. D. in Gotha.
   3) Otto, Geschichtsforscher, geb. 16. März 1843 in Königsberg, studierte Philologie, habilitierte sich

[Bd. 6, Sp. 371]


1869 für alte Geschichte in Göttingen, ward 1872 außerordentlicher Professor in Prag, 1876 ordentlicher Professor in Wien und 1885 in Berlin. Er schrieb: »Die Getreideverwaltung in der römischen Kaiserzeit« (Götting. 1869); »Untersuchungen auf dem Gebiet der römischen Verwaltungsgeschichte« (Berl. 1876, Bd. 1); »Zur Geschichte des latinischen Rechts« (in der »Festschrift zur fünfzigjährigen Gründungsfeier des Archäologischen Instituts in Rom«, Wien 1878); »Gallische Studien« (das. 188384, 3 Hefte) und gab in dem »Corpus inscriptionum latinarum« die römischen Inschriften der Gallia Narbonensis (Bd. 2, Berl. 1888), die der Provinzen Aquitania und Lugdunensis (in Bd. 13, 1899) und Supplemente dazu heraus.
   4) Gustav, Archäolog, geb. 4. Nov. 1847 zu Pyritz in Pommern. gest. 20. April 1895 in Wiesbaden, studierte in Tübingen, Leipzig und Berlin und verweilte seit 1870 als Stipendiat des preußischen Archäologischen Instituts in Griechenland, Italien und Kleinasien. Von 187577 stand er den Ausgrabungen in Olympia vor, worauf er 1878 zum außerordentlichen, 1880 zum ordentlichen Professor an der Universität in Königsberg ernannt wurde. Er veröffentlichte: »Tituli statuarum sculptorumque graecorum« (Berl. 1871); »Athena und Marsyas« (das. 1872); »Paphlagonische Felsengräber« (das. 1885); »Die Felsenreliefs in Kleinasien und das Volk der Hittiter« (das. 1887); »Griechische Inschriften des Britischen Museums« (das. 1893). Auch an den beiden ersten Bänden der »Ausgrabungen in Olympia« (Berl. 1877 bis 1878) war er beteiligt. In Moltkes »Gesammelten Schriften« gab er dessen »Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei« (Berl. 1893) heraus. Nach seinem Tod erschien: »Aus dem Orient« (Berl. 1897).
   5) Georg, Schriftsteller, geb. 11. Febr. 1873 in Berlin, war zuerst Kaufmann, widmete sich jedoch bald, gefördert durch Wildenbruch, Hauptmann und O. Brahm, ausschließlich der schriftstellerischen Tätigkeit. Er studierte 189395 in München und Berlin und wohnt jetzt in letzterer Stadt. Er schrieb die Erzählungen: »Dämon Kleist« (1895), »Der Bergsee« (1896) und »Freundschaft« (1902); den Einakter »Zu Hause« (1896); die Schauspiele: »Die Mütter« (1896, 3. Aufl. 1900, mit Erfolg ausgeführt durch die Freie Bühne in Berlin), »Agnes Jordan« (2. Aufl. 1898) und »Nebeneinander« (1904), sowie die Komödien »Pauline« (1899), »Der junge Goldner« (1901) und das Salzburger Märchendrama »Der Weg zum Licht« (1902), sämtlich in Berlin erschienen.
 
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Hirschfelde, Flecken in der sächs. Kreish. Bautzen, Amtsh. Zittau, an der Lausitzer Neiße und der Staatsbahnlinie Nikrisch-Zittau, hat eine evang. Kirche, Burgruine, Flachsspinnerei, mechanische Weberei, Elektrizitätswerk, Sägemühlen, Dampfziegelei, Kanarienzüchterer und (1900) 2160 Einw.
 
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Hirschgerecht, s. Meyers Gerecht.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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