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Hirsch bis Hirscheber (Bd. 6, Sp. 367 bis 370)
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Artikelverweis Hirsch, 1) Theodor, deutscher Geschichtsforscher, geb. 17. Dez. 1806 in Altschottland bei Danzig, gest. 17. Febr. 1881 in Greifswald, studierte Theologie, Geschichte und Geographie, war Lehrer am Friedrich Wilhelm-Gymnasium in Berlin, kam 1833 an das Gymnasium in Danzig, wo er 32 Jahre lang den Geschichtsunterricht leitete. Daneben widmete er sich besonders der Geschichte Danzigs, dessen Stadtarchiv er seit 1850 neu ordnete und leitete. Außer zahlreichen Arbeiten über Danzig und die Nachbarklöster Oliva und Zuckau, über den Handelsverkehr Danzigs mit den italienischen Staaten im 16. Jahrh. etc. schrieb er die von der Jablonowskischen Gesellschaft gekrönte Schrift »Danzigs Handels- und Gewerbegeschichte unter der Herrschaft des Deutschen Ordens« (Leipz. 1858) und gab mit Strehlke und Töppen die »Scriptores rerum prussicarum« (das. 186174, 5 Bde.) heraus. 1865 als ordentlicher Professor der Geschichte an die Universität Greifswald berufen, ward er zugleich Dirigent der königlichen Universitätsbibliothek. Von den »Urkunden und Aktenstücken zur Geschichte des Großen Kurfürsten« gab er 1880 den 6. Band der Politischen Verhandlungen heraus.
   2) Samson Raphael, jüd. Theolog, geb. 20. Juni 1808 in Hamburg, gest. 31. Dez. 1888 in Frankfurt a. M., wirkte als Rabbiner in Oldenburg, Emden und Nikolsburg in Mähren, seit 1852 als Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. Ein scharfer, ehrlicher Vertreter der orthodoxesten Richtung im deutschen Judentum, trat er für dieses zuerst in seinen »Neunzehn Briefen über Judentum« (Altona 1836; 3. Aufl., Frankf. 1901), dann in seiner Zeitschrift »Jeschurun« (Frankf. 185570, neue Folge 1882 ff.), in Streitschriften gegen Geiger, Holdheim u. a. und in Einzelwerken ein. Als Begründer und Direktor der Realschule seiner Gesellschaft schrieb er Beachtenswertes über jüdisches Erziehungswesen in Schulprogrammen. Größere exegetische Arbeiten sind: »Der Pentateuch, übersetzt und erläutert« (Frankf. 186778, 5 Bde.; 4. Aufl. 1903) und »Die Psalmen« (das. 1882, 2. Aufl. 1898). Ferner erschien von ihm »Israels Gebete, übersetzt und erläutert« (Frankf. 1895). Seine »Gesammelten Schriften« wurden von seinem Sohne N. H. herausgegeben (Frankf. 19021903, 2 Bde.).
   3) Siegfried, Geschichtsforscher, Vetter von H. 1), geb. 5. Nov. 1816 in Berlin, gest. 11. Sept. 1860 in Paris, studierte 183336 unter L. Ranke Geschichte,

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verfaßte zwei in Berlin und Göttingen gekrönte Preisarbeiten: 1834 über das Leben und die Taten König Heinrichs I. und 1837 über die Echtheit der Chronik von Korvei (mit Waitz zusammen) und ein größeres Werk über das Leben und die Schriften Siegeberts von Gembloux (»De vita et scriptis Sigiberti«, Berl. 1841). 1842 habilitierte er sich in Berlin und wurde 1844 außerordentlicher Professor. Seine ausgebreitete und erfolgreiche Lehrtätigkeit sowie sein lebhafter Anteil an den Bestrebungen der 1840er und 1850er Jahre, das kirchliche Leben zu heben und zu fördern, für die er in der Presse, namentlich in der »Kreuzzeitung«, sowie in Vereinen tätig war, und durch die er auch zu Stahl in nähere Beziehungen trat, hielten ihn von der Vollendung seines Hauptwerkes, der Geschichte Heinrichs II., ab, die erst nach seinem Tode, bearbeitet und ergänzt von Usinger, Pabst und Breßlau, in den »Jahrbüchern des Deutschen Reiches« erschien (Berl. u. Leipz. 186275, 3 Bde.).
   4) August, Mediziner, geb. 4. Okt. 1817 in Danzig, gest. 28. Jan. 1894 in Berlin, studierte seit 1839 in Berlin und Leipzig, ließ sich 1844 in Elbing, 1846 in Danzig als Arzt nieder und begann hier geographischpathologische, und im Anschluß daran historisch-pathologische Studien. Als Frucht derselben veröffentlichte er das »Handbuch der historisch-geographischen Pathologie« (Erlang. 185964, 2 Bde.; 2. Aufl. 18811886, 3 Tle.). 1863 als Professor der Geschichte der Medizin nach Berlin berufen, bereiste er 1865 die von der Genickstarre heimgesuchten Gegenden Westpreußens und veröffentlichte »Die Meningitis cerebrospinalis epidemica« (Berl. 1866). Auf seine und Pettenkofers Veranlassung wurde 1873 die Cholerakommission für das Deutsche Reich gebildet; er bereiste als deren Mitglied die 1873 von der Cholera heimgesuchten Gegenden des Weichselgebietes und erstattete über seine Beobachtungen einen Bericht (2. Aufl. 1876). 1878 war H. Mitglied der internationalen Pestkommission zu Wenjanka bei Astrachan. Er schrieb noch: »Über die Anatomie der alten griechischen Ärzte« (Berl. 1864); »Über Verhütung und Bekämpfung der Volkskrankheiten« (das. 1875); »Geschichte der Augenheilkunde« (Leipz. 1877); »Geschichte der medizinischen Wissenschaften in Deutschland« (Münch. 1893). Auch veröffentlichte er eine Sammlung der Arbeiten Heckers über die großen Volkskrankheiten des Mittelalters (Berl. 1865) und war seit 1866 Mitherausgeber von Virchows »Jahresbericht über die Fortschritte und Leistungen der Medizin«. Mit Gurll u. a. gab er das »Biographische Lexikon der hervorragendsten Ärzte aller Zeiten und Völker« (Wien 1884 bis 1888, 6 Bde.) heraus.
   5) Bruno, Apotheker, geb. 13. April 1826 in Görlitz, gest. 3. Dez. 1902 in Dresden, übernahm 1856 die Adlerapotheke in Grünberg in Schlesien, siedelte 1875 nach Gießen über, begründete später die Goethe-Apotheke in Frankfurt a. M. und lebte zuletzt in Berlin. Er schrieb: »Die Prüfung der Arzneimittel« (in 1. Aufl. mit Wolff, Berl. 1866; 2. Aufl. 1875); »Die Fabrikation der künstlichen Mineralwasser« (Braunschweig 1871; 3. Aufl., mit Siedler, 1897); »Die Pharmacopoea germanica verglichen mit den jüngsten Ausgaben der Pharmacopoea borussica« (Berl. 1873); »Vergleichende Übersicht zwischen der 1. und 2. Ausgabe der Pharmacopoea germanica« (das. 1883); »Supplement zu der 2. Ausgabe der Pharmacopoea germanica« (das. 1883); »Universal-Pharmakopöe« (Leipz., dann Götting. 18841890, 2 Bde.; 2. Aufl., Götting. 1902); »Handbuch der praktischen Pharmazie« (mit Beckurts, Stuttg. 188789, 2 Bde.); »Die Verschiedenheiten gleichnamiger offizineller Arzneimittel« (das. 1895). Sein »Kommentar zum Arzneibuch für das Deutsche Reich« (mit Schneider, 2. Aufl., Götting. 1895) wurde in 3. Au 9. (1900 ff.) selbständig von Schneider u. Süß weitergeführt.
   6) Jenny, Schriftstellerin, geb. 25. Nov. 1829 in Zerbst, gest. 10. März 1902 in Berlin, war zuerst in Zerbst Privatlehrerin, redigierte 186064 den belletristischen Teil des »Bazar« in Berlin und bekleidete 186683 das Schriftführeramt für den Letteverein (s. d. unter »Frauenvereine«). 187082 gab sie die Zeitschrift »Der Frauenanwalt, Organ des Verbandes deutscher Frauenbildungs- und Erwerbsvereine«, 188792 mit Lina Morgenstern die »Deutsche Hausfrauenzeitung« heraus. Außer vielen Aufsätzen in Zeitschriften, dem mit Mary Wall gemeinsam verfaßten Werk »Haus und Gesellschaft in England« (Berl. 1878) und der »Geschichte der 25jährigen Wirksamkeit des Lette-Vereins« (das. 1891) schrieb sie eine Reihe von Erzählungen und Romanen: »Fürstin Frau Mutter« (Dresd. 1881), »Der Amerikaner« (Mannh. 1894), »Theresens Glück« (Berl. 1899), »Auf Umwegen« (Mannh. 1900) und unter dem Pseudonym I. Arnefeldt: »Befreit« (Berl. 1882), »Der Väter Schuld« (1882), »Sch were Ketten« (3. Aufl. 1884), »Die Erben« (1889), »Schlangenlist« (1891), »Vermißt« (1894), »Umgarnt« (1895), »Löwenfelde« (1896), »Der Amtmann von Rapshagen« (Mannh. 1896, 2 Bde.), »Märchen« (das. 1900, 2 Bde.), »Camilla Feinberg« (1901) u. a. Auch übersetzte sie J. St. Mills »Subjection of woman« u. d. T. »Hörigkeit der Frau« (2. Aufl., Berl. 1892).
   7) Adolf, Astronom, geb. 21. Mai 1830 in Halberstadt, gest. 15. April 1901 in Neuchâtel, studierte seit 1847 in Heidelberg und Berlin, arbeitete auf den Sternwarten Wien und Paris und wurde 1859 Leiter der im Interesse der schweizerischen Uhrenindustrie begründeten Sternwarte Neuchâtel und Professor der Astronomie an der Akademie in Neuchâtel. Er wirkte erfolgreich für Vervollkommnung der Chronometrie und astronomischen Forschungsmittel, insbes. auch im Verein mit dem Neuchâteler Techniker Hipp für Einführung elektrischer Meßeinrichtungen in die astronomische Beobachtungskunst. In der Landesvermessung förderte H. hauptsächlich astronomische Bestimmungen geographischer Längendifferenzen, Basismessungen u. Präzisionsnivellements. Besondere Verdienste hat H. um Begründung und Entwickelung der internationalen Institutionen in der Erdmessung und dem Maß- und Gewichtswesen. Seit 1864 war er Sekretär der mitteleuropäischen, dann europäischen und jetzt internationalen Erdmessung, seit 1875 auch ständiger Sekretär des internationalen Maß- und Gewichtskomitees.
   8) Moritz, Baron von, Finanzmann und Philanthrop, geb. 9. Dez. 1831 in München, gest. 21. April 1896 auf seiner Besitzung O'Gyalla in Ungarn, Sohn des Hofbankiers Joseph H. in München, der 1869 von König Ludwig II. in den Freiherrenstand erhoben wurde, und dessen Geschäft er übernahm. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf den Orient, erlangte von der Pforte die Konzession für den Bau von Eisenbahnen und erwarb durch diese, durch industrielle Unternehmungen, glückliche Finanzspekulationen und Ankäufe von Grundbesitz in den verschiedensten Ländern ein ungeheures Vermögen. Einen Teil desselben (nahezu 15 Mill. Mk.) verwendete er nach dem Tode seines einzigen Sohnes (1888) zu wohltätigen Zwecken, besonders für die Juden in Rußland, Galizien,

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Rumänien, Ungarn und im Orient, für die aus Rußland ausgewanderten gründete er Kolonien in Argentinien, für die notleidenden in Galizien Stiftungen zu gewerblicher und landwirtschaftlicher Ausbildung. Hilfsbedürftige aller Nationen wurden durch seine Wohltätigkeitsbureaus in London, Paris, Wien, Lemberg, Krakau, New York u. a. O. unterstützt. Seine Frau Klara, Tochter des belgischen Senators Bischoffsheim, geb. 1833 in Antwerpen, gest. 3. April 1899 in Paris, vermachte vier Fünftel ihres Vermögens von 600 Mill. Mk. ebenfalls jüdischen Bildungs- und Wohltätigkeitsanstalten.
   9) Max, Volkswirt, geb. 30. Dez. 1832 in Halberstadt, studierte in Tübingen, Heidelberg und Berlin, bereiste Frankreich und Nordafrika, begründete 1859 in Berlin eine Verlagsbuchhandlung, übernahm nach dem Tode seines Vaters (1862) dessen Landesproduktengeschäft in Magdeburg, widmete sich aber dabei dem politischen und Vereinsleben und ward 1864 in den ständigen Ausschuß der deutschen Arbeiterbildungsvereine gewählt. 1867 siedelte er wieder nach Berlin über, um ganz den öffentlichen Angelegenheiten zu leben. Infolge einer Studienreise nach England veranlaßte er seit Herbst 1868 die Gründung der »deutschen (Hirsch-Dunckerschen) Meyers Gewerkvereine« (s. d., S. 803), als deren Anwalt und Herausgeber des Vereinsorgans »Der Gewerkverein« er in der Folge eine große organisatorische Tätigkeit entwickelte. 1869, dann 1877, 1881 und 1890 in den Reichstag gewählt, schloß er sich der Fortschrittspartei an und beteiligte sich namentlich an den Beratungen über die Gewerbeordnung und die Hilfskassengesetze. Auf seine Anregung ist 1878 der Wissenschaftliche Zentralverein und die Humboldtakademie, deren Sekretär er ist, begründet worden (vgl. seine Festschrift 1896). Von seinen Schriften erwähnen wir: »Über den Einfluß der Maschinen auf die Volkswirtschaft«; »Skizze der volkswirtschaftlichen Zustände in Algerien« (Götting. 1857); »Reise in das Innere von Algerien, durch die Kabylie und die Sahara« (Berl. 1862); »Soziale Briefe aus England«; »Normalstatuten für Einigungsämter« (2. Aufl., das. 1874); »Gutachten über den Arbeitsvertragsbruch« (in den Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Leipz. 1874); »Die gegenseitigen Hilfskassen und die Gesetzgebung« (Berl. 1875); »Gewerkvereins-Leitfaden« (mit Polke, 1876); »Der Staat und die Versicherung« (1881); »Das Krankenversicherungsgesetz vor dem Reichstag« (1883); »Die hauptsächlichsten Streitfragen der Arbeiterbewegung« (1886); »Die Grundzüge der Alters- und Invalidenversicherung und die Arbeiter« (1888); »Arbeiterstimmen über Unfall- und Krankheitsverhütung« (1889); »Das Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz« (2. Aufl., Bresl. 1890); »Die Arbeiterschutzgesetzgebung« (2. Aufl., das. 1892); »Leitfaden mit Muster und Statuten für freie Hilfskassen« (Berl. 1892); »Die Arbeiterfrage und die deutschen Gewerkvereine« (Leipz. 1893); »Die Entwickelung der Arbeiterberufsvereine in Großbritannien und Deutschland« (Berl. 1896); »Volkshochschulen« (das. 1901); »Leitfaden zum Gewerbegerichtsgesetze« (das. 1902). Periodisch gibt er eine Arbeitsstatistik der deutschen Gewerkvereine heraus. Vgl. Pache, Max H., ein Bild seines Lebens und Wirkens (Bremerhav. 1894).
   10) Ferdinand, Geschichtschreiber, Sohn von H. 1), geb. 22. April 1843 in Danzig, studierte 1861 bis 1864 Geschichte und ist seit 1867 Lehrer am Königstädtischen Realgymnasium zu Berlin. Er schrieb: »De Italiae inferioris annalibus« (Berl. 1864); »Das Herzogtum Benevent bis zum Untergang des longobardischen Reichs« (Leipz. 1871); »Byzantinische Studien« (das. 1876); »Der Winterfeldzug in Preußen 16781679« (Berl. 1897); ferner mehrere Abhandlungen in den »Forschungen zur deutschen Geschichte« und in Programmen. Von den »Urkunden und Aktenstücken zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg« bearbeitete er Bd. 11, 12 und 18 (Berl. 1887, 1892 u. 1902). Auch ist er Vorsitzender der Historischen Gesellschaft in Berlin und redigiert die von dieser herausgegebenen »Mitteilungen aus der historischen Literatur«.
 
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Hirschantilope (Gabelbock), s. Meyers Antilopen, S. 578.
 
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Hirschau, 1) Stadt im bayr. Regbez. Oberpfalz, Bezirksamt Amberg, an der Staatsbahnlinie Amberg-Schnaittenbach, 422 m ü. M., von Weihern umgeben, hat zwei kath. Kirchen, Rettungshaus, Schloß, Steingut- und Porzellanfabrikation mit Porzellanmalereianstalt und Kaolinschlämmerei, Ziegel- und Kalkbrennerei, Dampfschneidemühle und (1900) 1801 kath. Einwohner. In der Nähe Granitsteinbrüche und große Sandlager, die für die Porzellanbereitung abgebaut werden. In H. ward 1415 Hieronymus von Prag gefangen genommen. 2) Eisenwerk, s. Meyers Schwabing. 3) Benediktinerkloster, s. Meyers Hirsau.
 
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Hirschbart, die Barthaare der Berghirsche, die, kokardenartig zusammengefaßt, wie die Barthaare der Gemse, als Jägerschmuck dienen.
 
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Hirschberg, Berg, s. Meyers Beilngries.
 
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Hirschberg, 1) (H. in Schlesien) Kreisstadt im preuß. Regbez. Liegnitz, in anmutiger Lage am Einfluß des Zacken in den Bober, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Kohlfurt-Glatz, H.-Grünthal und H.-Schmiedeberg, 342 m ü. M., hat eine evang. Kirche (seit 1709, eine von den sechs sogen. Gnadenkirchen), 4 kath. Kirchen, Synagoge, mehrere Kriegerdenkmäler u. (1900) mit der Garnison (1 Jägerbataillon Nr. 5) 17,865 Einw., davon 4118 Katholiken und 335 Juden. Die Industrie erstreckt sich auf Kammgarnspinnerei, Fabrikation von Leinen- und Baumwollwaren, Rouleaus, Jalousien, Kartonnagen, Zigarren, künstlichen Blumen, Maschinen, Papier, Holz- und Strohstoff, Portlandzement, Porzellan, Obstwein und Fruchtsäften; ferner hat H. lebhaften Handel in Getreide, Wein, Zement, Leinwand, Butter etc. H. hat ein Gymnasium, Waisenhaus, Landgericht, Handelskammer und eine Reichsbanknebenstelle. Anziehende Punkte der Umgegend sind: der Kavalierberg mit schöner Aussicht, der Kreuzberg (Kramstaberg) mit Anlagen, der sagenreiche Hausberg, der Helikon und die Schlucht des Sattler am Bober mit Eisenbahnviadukt. Zum Landgerichtsbezirk H. gehören die zwölf Amtsgerichte zu Bolkenhain, Friedeberg, Greifenberg, Hermsdorf, H., Lähn, Landeshut, Liebau, Löwenberg, Schmiedeberg, Schömberg und Schönau. H. erhielt 1108 Stadtrechte und wurde durch Herzog Boleslaw II. von Liegnitz 1241 bedeutend vergrößert. Den Grund zu seinem Wohlstand legte im 16. Jahrh. die Lein- und Schleierweberei. Vgl. Hirschberger Tal. 2) (H. in Thüringen) Stadt im Fürstentum Reuß j. L., an der Saale und der sächsischen Staatsbahnlinie Schönberg-H., 441 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein fürstliches Schloß, Amtsgericht,

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Leder- und Messerfabrikation, Handelsmüllerei und (1900) 2014 evang. Einwohner. 3) Stadt in Böhmen, Bezirksh. Dauba, an der Böhmischen Nordbahn, mit einem gräflich Waldsteinschen Schloß und Park, Hopfenbau, Sägewerken und (1900) 2050 deutschen Einwohnern. In der Umgebung befinden sich ausgedehnte Waldungen und drei große Teiche. Südöstlich erhebt sich auf einem 603 m hohen Phonolithkegel die malerische Burgruine Bösig aus dem 12. Jahrh. mit weiter Rundsicht.
 
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Hirschberger Tal, die tiefe Einsenkung zwischen dem Riesen- und Katzbachgebirge in der preuß. Provinz Schlesien, eine anmutige, fruchtbare und stark bevölkerte Landschaft, durch die Berggruppe von Stonsdorf (Prudelberg 484 m, Stangenberg mit der Heinrichsburg 506 m) in ein östliches und westliches Becken geteilt. Der Bober durchfließt es in seinem nördlichen Teil und empfängt aus dem östlichen Becken die Lomnitz, aus dem westlichen den Zacken. Vgl. Eisenmänger, Der Kreis Hirschberg, seine Natur, Industrie etc. (Hirschb. 1879); Lange, Die Glasindustrie im H. (Leipz. 1889).
 
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Hirschbrunst, s. Elaphomyces.
 
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Hirschdorn, s. Meyers Rhamnus.
 
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Hirsche (Cervidae), eine Familie der Meyers Huftiere (s. d.).
 
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Hirscheber (Porcus Wagl.), Gattung der Paarzeher aus der Familie der Schweine (Suidae), mit der einzigen Art Babirussa (P. babyrussa Wagl., s. Tafel Meyers »Schweine I«, Fig. 4). Dieser ist 1,1 m lang, mit 20 cm langem Schwanz, 80 cm hoch, schlank und hochbeinig, mit kurzem Hals, kleinem, langgestrecktem Kopf, großen, runden Augen und beim Männchen sehr langen, halbkreisförmig nach oben und hinten gekrümmten obern und kürzern, dickern, mehr gerade aufwärts gerichteten untern Eckzähnen; die dicke, rauhe, schmutzig aschgraue Haut ist vielfach gerunzelt, im Gesicht und am Hals tief gefaltet und mit ziemlich kurzen, einzeln stehenden Borsten besetzt. Er bewohnt Celebes, Buro und Sulla-Mangoli, lebt gesellig in sumpfigen Waldungen, schwimmt gut, selbst über Meeresarme, schläft bei Tag und geht nachts auf Fraß aus. Seines Fleisches halber wird er gejagt. Die Sau soll einen oder zwei Frischlinge werfen, die, jung eingefangen, sich zähmen lassen.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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