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Hipparchĭa bis Hipperholme (Bd. 6, Sp. 357 bis 359)
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Artikelverweis Hipparchĭa, die schöne Gemahlin des kynischen Philosophen Meyers Krates (s. d.), gebürtig aus Maronea in Thrakien aus reicher Familie, Schwester des Metrokles, war eine eifrige Anhängerin der kynischen Schule. die um 336 v. Chr. blühte, aber gleich ihrem Gatten durch ihre von der Überlieferung wohl übertriebene kynische Lebensweise berüchtigt.
 
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Hipparchos, 1) Sohn des Peisistratos, erbte mit seinem Bruder Hippias 527 v. Chr. des Vaters Gewalt über Athen, zeichnete sich durch Liebe zur Kunst und Wissenschaft aus, war aber sinnlich und lüstern und fiel am Feste der Panathenäen (514) unter den Dolchen der durch ihn beleidigten Jünglinge Aristogeiton und Harmodios (s. d.).
   2) H. von Nicäa, der Begründer der wissenschaftlichen Astronomie, lebte um 160125 v. Chr. zumeist in seiner Heimat Bithynien, zeitweilig aber auch in Rhodos und Alexandria. Von seinen Schriften ist uns nur eine Jugendarbeit erhalten, ein Kommentar zu den »Phaenomena« des Aratos und Eudoxos (hrsg. von Victorius, Flor. 1567, in des Petavius »Uranologium«, Par. 1630, und von Manitius, mit deutscher Übersetzung, Leipz. 1894). Was wir sonst von seinen zahlreichen astronomischen Schriften wissen, hat Ptolemäos im »Almagest« aufbewahrt. Die älteste ihm zugeschriebene Beobachtung ist die des Herbstäquinoktiums 161 v. Chr., die erste sichere die einer Mondfinsternis im J. 146, die letzte uns bekannte eine Mondbeobachtung von 126. Der genialste Astronom des Altertums, war er zugleich ausgezeichnet durch unermüdlichen Fleiß und die strenge Art, die Erscheinungen festzustellen und ohne Hypothese zu erklären. Er gilt für den Erfinder des Sehnenkalküls und der sphärischen Trigonometrie. Sein Hauptruhm gründete sich im Altertum auf den durch das Erscheinen eines neuen Fixsterns im J. 134 veranlaßten Sternkatalog, in dem er mit Hilfe teils neu erfundener, teils verbesserter Instrumente die Orte von 1080 Fixsternen feststellte; dabei führte ihn die Vergleichung der eignen Beobachtungen mit denen Früherer auf die Entdeckung der Meyers Präzession (s. d.). Die Länge des

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Sonnenjahrs bestimmte er auf 365 Tage 5 Stunden 55 Minuten (bisher 3651/4 Tage). Er berechnete die Exzentrizität der Sonnenbahn (freilich um ein Sechstel zu groß), suchte die Exzentrizität der Mondbahn und ihre Neigung gegen die Ekliptik sowie die Dauer des Mondumlaufs festzustellen, auch die Entfernung und Größe von Sonne und Mond vermöge einer indirekten Methode (später Diagramm des H. genannt) richtiger als bisher zu bestimmen (den Abstand des Mondes von der Erde bestimmte er nahezu richtig gleich 59 Erdhalbmessern, für den Abstand der Sonne fand er den zu kleinen Wert von 1200 Erdhalbmessern); bei den Planeten wies er das Unzureichende der bisherigen Hypothesen nach. Auch über Geographie schrieb H. (seine abfällige Kritik der mathematischen Geographie des Eratosthenes kennen wir aus Strabon) und führte die Ortsbestimmung nach Länge und Breite ein. Vgl. Berger, Die geographischen Fragmente des H. (Leipz. 1869).
 
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Hipparĭon, ein fossiles pferdeähnliches Tier, s. Meyers Einhufer, S. 455.
 
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Hipparmost (griech.), s. Meyers Hippeis.
 
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Hippe, ein Winzer- oder Gärtnermesser mit gebogener Klinge und im entgegengesetzten Sinne gebogenem Griff. Das Wort ist in dieser Form erst durch Luther in die Schriftsprache eingeführt. Er gebraucht es Offenbarung Joh. 14, 18 für ein Gartenmesser, mit dem man die Trauben schneidet (1545); 1522 setzte er dafür noch Sichel. Die Abbildungen bei den Ausgaben zu dieser Stelle zeigen den Engel mit einer H., nicht Sichel. In den Anmerkungen zu Luthers Bibel von Paulus Tossanus (1. Ausg. 1617) wird noch 1716 H. als Rebmesser erklärt. Erst im Verlaufe des 18. Jahrh. wird die H. dem Tod beigegeben, der in den Abbildungen zu Kap. 6 der Offenbarung Joh. 1522 eine dreizackige Gabel, 1545 eine Sense trägt. Saturn, das Vorbild unsers Gevatters Tod, erscheint abwechselnd mit Baummesser, Sichel und Sense.
 
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Hippeastrum Herb. (Ritterstern), Gattung der Amaryllidazeen, von der Gattung Amaryllis abgezweigte Arten mit trichterförmiger Blütenhülle und bisweilen auf wenige Blüten reduzierter Scheindolde. Mehr als 50 im tropischen und subtropischen Amerika weitverbreitete Arten, von denen mehrere, namentlich aber Hybriden und Spielarten in Gewächshäusern kultiviert werden.
 
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Hippeis (griech.), bei den alten Griechen Bezeichnung für Reiter (Reiterei) und Ritter; dann auch Name der zweiten Vermögensklasse der athenischen Bürger in der drakonischen Verfassung (s. Meyers Athen, S. 29). Die Reiterei des athenischen Staates bestand in dem Perikleischen Zeitalter aus 1000 Mann tauglichen Angehörigen der beiden obersten Vermögensklassen, die bei großen Staatsfesten auch in den Prozessionen mit auszogen; dazu kam noch eine Polizeimannschaft von 200 berittenen Bogenschützen (Hippotoxoten). Den Oberbefehl führten zwei Hipparchen, bei den Spartanern der Hipparmost. Zu wirklicher Bedeutung gelangte die Reiterei erst im mazedonischen Heer durch Philipp und Alexander d. Gr.; sie zerfiel dort in schwere und leichte, beide geteilt in Ilen (Schwadronen) von durchschnittlich 200 Mann Stärke.
 
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Hippel, 1) Theodor Gottlieb von, Schriftsteller, geb. 31. Jan. 1741 zu Gerdauen in Ostpreußen, wo sein Vater Schulrektor war, gest. 23. April 1796 in Königsberg, bezog in seinem 16. Jahr die Universität Königsberg, um Theologie zu studieren, und machte hier die Bekanntschaft des russischen Leutnants v. Keyser, der ihn 1760 mit nach Petersburg nahm und zuerst in die Kreise der großen Welt einführte. Nach seiner Rückkehr nach Königsberg ward H. Hauslehrer, gab aber 1762 diese Stelle auf, um sich dem Studium der Rechtswissenschaft zu widmen. Die Liebe zu einem vornehmen und reichen Mädchen hatte ihn zu diesem Entschluß gebracht, und er verfolgte sein Ziel mit unermüdlichem Eifer, entsagte aber nach Erreichung desselben seiner Liebe, um im ehelosen Stande seine hochfliegenden Pläne nachdrücklicher verfolgen zu können. Er erwarb sich ein bedeutendes Vermögen und stieg in der Beamtenlaufbahn rasch empor. 1765 wurde er Rechtskonsulent bei dem Stadtgericht in Königsberg, 1780 dirigierender Bürgermeister und Polizeidirektor daselbst mit dem Charakter eines Geheimen Kriegsrats und Stadtpräsidenten. Den vernachlässigten Adel seiner Familie ließ er 1790 erneuern. H. war einer der merkwürdigsten Charaktere, ein Sonderling, in dem sich die stärksten Gegensätze vereinigten. Schwärmerei und Neigung zum Aberglauben paarten sich in ihm mit einem hellen Verstand, eine an Bigotterie grenzende Frömmigkeit und warmer Tugendeiser mit Leidenschaftlichkeit und Sinnlichkeit, schwärmerische Freundschaft mit Verschlossenheit, Herrschsucht und Strenge mit heiterm und zuvorkommendem Wesen, Begeisterung für Natur und Einfachheit mit Neigung zum Luxus und leidenschaftlicher Geldgier, Uneigennützigkeit in seinen moralischen Grundsätzen mit dem größten Egoismus im praktischen Handeln. In seinen Schriften, die bis an seinen Tod anonym erschienen, behandelte er mit Vorliebe die tiefern Probleme des Lebens. Bei mehr oder weniger mangelhafter Form zeugen sie von großer Menschenkenntnis und enthalten eine Fülle dieser Beobachtungen, zu deren ruhiger Mitteilung es aber die stets abspringende, ungezügelte Phantasie und der launenhafte Witz des Autors selten kommen lassen. Sein bekanntestes Buch ist die Schrift »Über die Ehe« (Berl. 1774; neu hrsg. von Brenning, Leipz. 1872). In seinem Werk »Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber« (Berl. 1792) zieht er gegen die Ausschließung der Frauen von der bürgerlichen und gelehrten Tätigkeit zu Felde. Denselben Zweck verfolgt die Schrift »Über weibliche Bildung« (Berl. 1801). Seine »Lebensläufe nach aufsteigender Linie, nebst Beilagen A. B. C.« (Berl. 177881, 3 Bde.; neu bearbeitet von A. v. Öttingen, Leipz. 1878, 3 Bde.; 3. Aufl. 1892), ein Roman, dessen Humor aus dem tiefsten Ernste der Lebensanschauung geboren ist, der die innern Kämpfe einer reichbegabten Natur darstellt, ist eine höchst charakteristische Schöpfung für jene Übergangsperiode, in der sich die Romandichtung von Reflexionen über das Leben zur Wiedergabe des Lebens selbst durcharbeitete. In dem Werk »Zimmermann I. und Friedrich II., von Joh. Heinr. Friedr. Quittenbaum, Bildschnitzer in Hannover; London, gedruckt in der Einsamkeit 1790« wie in dem Roman »Kreuz- und Querzüge des Ritters A bis Z« (Berl. 179394, 2 Bde.) besprach er politische Zustände und Zeitereignisse, in letzterm namentlich das Treiben der geheimen Gesellschaften damaliger Zeit, mit scharfer Satire, aber in abspringender, ungleicher Darstellung, unter welcher der Eindruck leidet. Er gab auch geistliche Lieder und andre poetische Versuche heraus, unter denen seine idyllischen »Handzeichnungen nach der Natur« (Berl. 1790) hervorzuheben sind. Sein von Lessing in der Dramaturgie (Stück 22) besprochenes Lustspiel »Der Mann nach der Uhr« (2. Aufl. 1771) ist reich an drolligen Einfällen. Er schrieb auch »Über das Königsberger Stapelrecht«

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(Berl. 1791). Seine Selbstbiographie in Schlichtegrolls »Nekrolog« ist besonders gedruckt (Gotha 1800). Eine Ausgabe seiner »Sämtlichen Schriften« erschien in Berlin 182839, 14 Bde. Vgl. A. v. Öttingen, Vor hundert Jahren. Gedenkblatt zur Säkularfeier des ältesten baltischen Romans (Dorpat 1878); Czerny, Sterne, Hippel und Jean Paul (Berl. 1904). Sein Neffe Theodor Gottlieb v. H., gest. 10. Juni 1843 als pensionierter Regierungspräsident in Bromberg, war der Verfasser des bei Beginn der Befreiungskriege vom König Friedrich Wilhelm III. von Preußen unterm 17. März 1813 von Breslau aus erlassenen Aufrufs »An Mein Volk«. Auch veröffentlichte er »Beiträge zur Charakteristik Friedrich Wilhelms III.« (Bromb. 1841). Seine Biographie schrieb Th. Bach (Bresl. 1863).
   2) Artur von, Mediziner, geb. 24. Okt. 1841 auf der Domäne Fischhausen in Ostpreußen, studierte seit 1860 in Königsberg, Berlin, Würzburg, Wien und Paris, wurde 1865 Assistent bei Professor Jacobson in Königsberg, habilitierte sich daselbst 1868 als Privatdozent, wurde 1874 außerordentlicher Professor, ging 1879 als ordentlicher Professor und Direktor der ophthalmologischen Klinik nach Gießen und 1890 nach Königsberg und 1892 als Nachfolger Gräfes nach Halle. Er arbeitete über den Einfluß der Nerven auf die Höhe des intraokularen Druckes, über die Behandlung totaler stationärer Hornhauttrübungen, über Transplantation der Cornea, über einseitige kongen itale Farbenblindheit, über die Inquirity-Ophthalmie, über eine neue Methode der Hornhauttransplantation. Er schrieb: »Über die Wirkung des Strychnins auf das normale und kranke Auge« (Berl. 1873); »Über den Einfluß hygienischer Maßregeln auf die Schulmyopie« (Gießen 1889); »Über totale angeborne Farbenblindheit« (Berl. 1894), auch gab er den »Bericht über die ophthalmologische Universitätsklinik in Gießen 18791881« (Stuttg. 1881) heraus.
 
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Hippemolgen (»Stutenmelker«), griech. Bezeichnung für die Nomaden der nordeuropäischen und asiatischen Steppen, wird schon in der »Ilias« gebraucht.
 
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Hippen, Gebäck, s. Meyers Hohlhippen.
 
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Hipperholme, Stadt im Westbezirk von Yorkshire (England), 3 km nordöstlich von Halifax, mit Lateinschule, Steinbrüchen und (1901) 4205 Einw.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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