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Hinkelstein bis Hinrichs (Bd. 6, Sp. 350 bis 351)
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Artikelverweis Hinkelstein (»Hühnerstein«), soviel wie Hünenstein, s. Meyers Gräber, vorgeschichtliche, S. 195.
 
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Hinken (Claudicatio, Cholosis), derjenige fehlerhafte Gang, bei dem man mit dem einen Schenkel nicht vollständig ausschreiten und auftreten kann, daher man sich beim Gehen stärker und längere Zeit auf den gesunden als auf den kranken Schenkel stützt. Kann der Kranke mit beiden Schenkeln nicht vollständig ausschreiten und auftreten, dann erfolgt ein

[Bd. 6, Sp. 351]


gleichsam doppeltes H., der sogen. wackelnde Gang. Jedes H. wird entweder durch einen Unterschied in der Länge der Schenkel oder durch Störungen in der Beweglichkeit derselben veranlaßt. Das H. ist ein Symptom verschiedener Übel, die nicht allein im Schenkel selbst, sondern auch im Becken, sa in der Unterleibshöhle und in der Brusthöhle begründet sein können. Das angeborne H. (claudicatio congenita) ist gleich mit der Geburt des Kindes gegeben, kann aber natürlich erst dann wahrgenommen werden, wenn das Kind zu laufen beginnt. Es ist am häufigsten eine Folge von Mißgestaltungen der Schenkelknochen und des Hüftgelenks, namentlich von angeborner Verrenkung des Schenkelkopfes, ferner von Verkürzungen und abnormen Krümmungen des Schenkels, von fehlerhafter Bildung des Fußes, von mangelnden, mißgestalteten Zehen etc. Die angeborne Hüftgelenksverrenkung ist beim weiblichen Geschlecht weit häufiger als beim männlichen. Das erworbene H. (c. acquisita) ist entweder Folge von einem Schmerz (z. B. Ischias) oder von einer Schwäche und Lähmung des einen Schenkels, oder es findet sich vor bei Fehlern der Schenkelknochen, Hüftgelenkentzündungen und Ankylose. Namentlich die Hüftgelenkentzündungen verursachen das sogen. freiwillige H., wobei das Knie gebogen und der Fuß nach innen oder außen gestellt ist. Ist der Schenkel verkürzt, wie z. B. nach schlecht geheilten Brüchen der Schenkelknochen oder bei Verrenkungen des Schenkelkopfes nach oben und hinten, so stellt sich ein H. ein, wobei der Fuß nur mit der Fußspitze auftritt. Bei der Ankylose ist stets H. vorhanden. Eine durch anfallsweises Eintreten nach stärkerer Bewegung ausgezeichnete Form des Hinkens (intermittierendes H.) beruht häufig auf Verkalkung (Arteriosklerose) der Schlagadern des Beines, infolgedessen kann der bei Bewegung erforderliche verstärkte Blutzufluß nicht eintreten, und es erfolgt eine vorübergehende schmerzhafte Schwäche des Beines. Die Vorhersage beim H. richtet sich nach der Möglichkeit der Beseitigung der Ursachen. Die angeborne Hüftgelenksverrenkung wird oft durch andauerndes (monatelanges) Liegen geheilt, wenn das Bein in nach außen gespreizter Stellung durch einen Verband festgehalten wird; in andern Fällen durch operative Vertiefung oder Neuherstellung einer Gelenkpfanne. Das Wackeln, Watscheln (vacillatio, claudicatio anatica) ist eigentlich nichts weiter als ein doppeltes H.; es kann dieselben Ursachen haben wie das gewöhnliche H., kommt am häufigsten vor bei rachitischen Individuen, außerdem bei Rückenmarksleiden und schwerfälligen Personen.
 
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Hinkender Jambus, s. Skazon.
 
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Hinkende Teufel, der (Le Diable boiteux), berühmter Roman von Meyers Lesage (s. d.).
 
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Hinkmar, Erzbischof von Reims, einer der hervorragendsten Kirchenfürsten und Staatsmänner seiner Zeit, geb. um 806, erhielt im Kloster St.-Denis bei Paris durch Abt Hilduin seine Bildung und folgte seinem Lehrer 830 freiwillig ins Exil nach Korvei. 845 Erzbischof von Reims und Primas der westfränkischen Geistlichkeit, wachte H. eifrig über der Reinheit der Lehre (s. Meyers Gottschalk 1), trat mit Entschiedenheit gegen des Königs Lothar II. von Lothringen Ehescheidung und zweite Vermählung auf und wußte den Streit zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen zur Erhöhung der Autorität der Kirche zu benutzen. Papst Nikolaus I. gegenüber versuchte er seine Selbständigkeit vergeblich zu wahren. Größern Erfolg hatte er unter Hadrian II., gegen den er sich 870 weigerte, König Karl wegen der Besetzung Lothringens zu bannen, und das Recht der fränkischen Kirche, den Bischof H. von Laon, seinen eignen Neffen, abzusetzen, unter Zurückweisung der pseudoisidorischen Dekretalen mit Glück verteidigte. Er starb auf der Flucht vor den Normannen 21. Dez. 882 in Epernay. Seine Schriften, teils Abhandlungen dogmatischen Inhalts, wie die Schrift gegen Gottschalk: »De praedestinatione Dei«, teils Briefe und Gutachten, gab am vollständigsten Sirmond (Par. 1645. 2 Bde.) heraus. Am wichtigsten sind die Briefe als Hauptquelle für die Geschichte der karolingischen Periode. Die »Reichsannalen« (»Annales Bertiniani«, in Pertz' »Monumenta«, Bd. 1) hat H. von 881882 fortgesetzt. Vgl. v. Noorden, Erzbischof H. von Reims (Bonn 1863); Sdralek, Hinkmars von Reims kanonistisches Gutachten über die Ehescheidung Lothars II. (Freiburg 1881); Schrörs, H., Erzbischof von Reims (das. 1884).
 
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Hinlopen, Stadt, s. Meyers Hindeloopen.
 
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Hinlopenstraße, Meerenge in der Spitzbergengruppe, zwischen Westspitzbergen und dem Nordostland, mit der Lommebai im W. und der Wahlenbergbucht im O., bespült im südlichen Teil die Süd-Waygatsinseln, die Wilhelminsel und die Bastianinseln Die H. ist meist den ganzen Sommer hindurch durch Eis versperrt.
 
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Hinnenburg, Bergschloß, s. Meyers Brakel.
 
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Hinojōsa del Duque (spr. dūke), Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Cordoba, in dem weiten Tal Los Pedroches in der Sierra Morena gelegen, mit Getreide-, Wein- und Ölbau, Fabrikation von Tonkrügen und (1900) 10,673 Einw.
 
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Hinoki, s. Chamaecyparis.
 
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Hinrichs, 1) Johann Konrad, Buchhändler, geb. 30. Okt. 1763 in Harburg, gest. 8. Sept. 1813 in Leipzig, trat 1796 als Teilhaber in die von seinem Schwager Aug. Leberecht Reinicke (geb. 1764, gest. 1834) 1791 in Leipzig gegründete Buchhandlung und wurde 1801 deren alleiniger Besitzer. Nach seinem Tode führte die Witwe das Geschäft fort, seit 1819 mit ihrem Neffen Christian Friedr. Ad. Rost (geb. 1790, gest. 1856), der 1840 alleiniger Besitzer wurde, und dessen Enkel: C. F. Adolf R oft (geb. 5. Aug. 1858) und J. F. David Rost (geb. 27. Jan. 1865), Teilhaber seit 1887, bez. 1891, die gegenwärtigen Besitzer sind. Die »J. C. Hinrichssche Buchhandlung« in Leipzig ist besonders verdient um die deutsche Bibliographie durch Herausgabe von »H.' Halbjahrskatalog der im deutschen Buchhandel erschienenen Bücher, Zeitschriften, Landkarten etc.« (seit 1798), dem sich das »Wöchentliche Verzeichnis etc.« (seit 1842) und der »Fünfjahrskatalog« (seit 1856, die Literatur seit 1851 umfassend) anschließen. Außerdem pflegt der Verlag besonders Theologie, Assyriologie und Ägyptologie (Herzogs »Realenzyklopädie für die protestantische Theologie und Kirche«; »Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur«; »Griechisch-christliche Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte«; »Theologische Literaturzeitung«, seit 1876; »Assyriologische Bibliothek«, 1881 ff.; »Beiträge für Assyriologie«, 1889 ff.; »Zeitschrift für ägyptische Sprache«, 1863 ff.; Inschriftenwerke von Brugsch, Dümichen, Mariette u. a.).
   2) Hermann Friedrich Wilhelm, Philosoph, geb. 22. April 1794 zu Karlseck in Oldenburg, gest. 17. Sept. 1861 in Friedrichroda, am Gymnasium in Jever gebildet, studierte in Straßburg Theologie, dann in Heidelberg Philosophie unter Hegel, der seine

[Bd. 6, Sp. 352]


Schrift »Die Religion im innern Verhältnis zur Wissenschaft« (Heidelb. 1822) mit einer Vorrede einleitete. Nachdem sich H. 1819 in Heidelberg habilitiert hatte, wurde er 1822 außerordentlicher Professor in Breslau, 1824 ordentlicher Professor der Philosophie in Halle, wo er durch seine »Grundlinien der Philosophie der Logik« (Halle 1826) und die »Genesis des Wissens« (Heidelb. 1835, Bd. 1) ein Hauptvertreter der orthodox-hegelschen Richtung ward. In seinen schwer lesbaren ästhetischen Schriften: »Vorlesungen über Goethes Faust« (Halle 1825) und »Schillers Dichtungen nach ihrem historischen Zusammenhang« (Leipz. 183739, 2 Bde.) hat H. zuerst den Inhalt klassischer Dichtungen nach Hegelschen Kategorien abgehandelt. Er schrieb noch »Geschichte der Rechts- und Staatsprinzipien seit der Reformation bis auf die Gegenwart« (Leipz. 184852, 3 Bde.) und »Die Könige« (2. Aufl., das. 1853).
   3) Maria, Komponistin, Tochter des vorigen, Gattin von Robert Franz (s. Meyers Franz 3, S. 905).

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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