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Hermelin bis Hermesfeuer (Bd. 6, Sp. 218 bis 221)
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Artikelverweis Hermelin (großes Wiesel, Putorius ermineus Ow.), Raubtier aus der Familie der Marder (Mustelidae), 28 cm lang, mit 56 cm langem Schwanz, ist oberseits braunrot, unterseits weiß, im Winter ganz weiß, stets aber mit schwarzer Schwanzspitze, findet sich in ganz Europa bis zu den Pyrenäen und dem Balkan, in Nord- und Mittelasien, lebt in allerlei Schlupfwinkeln, jagt nachts und ist ungemein gewandt, sehr mutig, mordlustig und blutdürstig. Es raubt kleine Säugetiere, Hühner, Tauben und andre Vögel, auch Reptilien. Die Spur zeigt die Abbildung u. Tafel Meyers »Fährten und Spuren«, Fig. 13. Es wirft im Mai oder Juni 58 Junge. Diese werden sehr zahm, während alt eingefangene Tiere den Verlust der Freiheit in der Regel nicht ertragen. Die Sage, daß das H. lieber durch Feuer als durch Kot laufe und lieber sterbe als sich beschmutze, machte es früh zum Symbol der Reinheit u. Unschuld.
 
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Hermelinfelle, die weißgelben bis reinweißen Winterpelze des Hermelins, die aus Sibirien und

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Rußland in den Handel kommen. Nach den Gegenden, aus denen sie stammen, heißen die schönsten Ischimsky, die geringern Jakutzky. Je reiner und silberglänzender das Fell ist, um so höher steht es im Preis. Eine gelbgrüne Verfärbung am Bauch gilt beim Publikum als untrügliches Zeichen der Echtheit, verringert aber den Wert erheblich. Man verarbeitet H. zu Mänteln, Futter, Pelerinen, Muffen, Besatz etc., wobei die schwarzen Schwänzchen mit verarbeitet werden. Früher war das Tragen der mit den schwarzen Schwanzspitzen des Tieres geschmückten Hermelinmäntel ein Vorrecht der Fürsten. Jetzt sind sie überall, namentlich auch in China und der Türkei, allgemeine Tracht geworden. Sehr häufig werden H. durch weiße Kaninchenfelle und Fehwammen (Squirrelhermelin) mit angesetzten echten oder andern Schwänzen imitiert. Im heraldischen Sinne s. Meyers Pelzwerk.
 
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Hermelinspinner, s. Meyers Gabelschwanz.
 
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Hermella, s. Meyers Röhrenwürmer.
 
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Hermen (griech.), im eigentlichen Wortsinne Bilder des Hermes (Mercurius), der häufig unter dem Bild eines viereckigen, oben breitern, unten schmäler zulaufenden Pfeilers (Herme) verehrt wurde; dann allgemeiner gebraucht für vierseitige Pfeiler, die in Büsten enden oder mit dem Oberkörper einer menschlichen Figur verbunden sind (s. Abbildung) und im alten Griechenland häufig auf öffentlichen Plätzen, Straßen und besonders an Kreuzwegen (als Wegweiser) aufgestellt wurden. Von letzterer Form finden sich die schönsten, aus Griechenland stammenden Beispiele in der Villa Ludovisi in Rom. Die erstere pflegt an den Seiten des Pfeilers nahe am Kopfe je einen würfelartigen Vorsprung (Hände, griech. cheires, genannt) zum Aufhängen von Kränzen, vorn einen ausgerichteten Meyers Phallos (s. d.) zu haben. Die Entstehungszeit dieser Kunstform ist noch dunkel. Die älteste Zeit kennt sie noch nicht. Erst in der letzten Epoche der altertümlichen Kunst finden sich Beispiele; diese verbinden aber den menschlichen Oberkörper, der bis zu den Hüften reicht, mit dem vierseitigen Pfeiler und lassen sogar lebhafte Bewegung der Figur zu (so die Herme eines Diskobols in der Villa Ludovisi zu Rom). Später wird gewöhnlich Kopf und Pfeiler zusammen verbunden. Wenn auf der Herme das Bild eines andern Gottes oder Heros als des Merkur stand, so verband man den Namen Herme mit dem Namen des aufgestellten Kopfes; daher die Benennungen Hermares (Herme des Ares), Hermathene (der Athene), Hermerakles (des Herakles), Hermeros (des Eros), Hermapollon (des Apollon), Hermamithras (des Mithras), Hermalkibiades (des Alkibiades, sehr zahlreich in Athen). Gewöhnlich waren die H. nackt, selten bekleidet oder mit charakteristischen Attributen, desto häufiger mit Inschriften versehen, auch meist männlich. In der spätern Zeit wurde die Hermenform auch allgemein für Bildnisdarstellungen gewählt, auch wurden zwei solcher Büsten zu Doppelhermen zusammengestellt. Von den Griechen kamen die H. zu den Römern (vgl. Terminus), von denen sie die Kunst der Renaissance-, Barock- und Rokokozeit übernommen hat. Auch in der modernen Bildhauerkunst wird die Hermenform für Porträtbüsten und -Halbfiguren vielfach angewendet. Vgl. A. G. Meyer, Zur Geschichte der Renaissance-Herme (Leipz. 1894).
 
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Hermeneutik (griech., von hermeneuein, »auslegen, dolmetschen«), im allgemeinen Theorie der Auslegekunst, d. h. die wissenschaftliche Darstellung und Begründung der die Auffindung und Reproduzierung des Inhalts einer Schrift, Rede u. dgl. vermittelnden Technik. Biblische H. ist die Theorie der Bibelauslegung, also die spezielle Anwendung der allgemeinen H. auf die Schriften des Alten und Neuen Testaments. Während die katholische Kirche von dem Grundsatz ausgeht, daß die Bibel, weil vom Heiligen Geist eingegeben, auch nur durch die vom Heiligen Geist regierten Organe der Kirche, d. h. in alter Zeit durch die Kirchenväter, zu jeder Zeit aber durch die Konzile und die in Übereinstimmung damit lehrenden rechtgläubigen Lehrer auszulegen sei, unter oberster Autorität des Papstes, also »nach der Analogie des katholischen Lehrbegriffs« stellt der Protestantismus den Lehrsatz auf, die Schrift sei fähig, sich selbst auszulegen (semet ipsam interpretandi facultas), d. h. es ergebe sich aus ihren klarsten Stellen ein unverkennbarer und unfehlbarer Maßstab für die Auslegung auch der dunklern; s. Analogie (des Glaubens). Da man nun der Überzeugung lebte, die Schriftwahrheit in den Bekenntnisschriften zum Ausdruck gebracht zu haben, so lief jener Auslegungskanon in der Praxis auf die Monopolisierung einer gänzlich in den Dienst der Rechtgläubigkeit getretenen Auslegungskunst hinaus. Immerhin trat der Protestantismus der seit den Anfängen der kirchlichen Exegese üblich gewesenen Allegorik entgegen und ging mit aller Bestimmtheit auf den Wortsinn (sensus literalis) als den einzigen Gegenstand der exegetischen Operation zurück. Hierdurch blieben auch in den Jahrhunderten der dogmatisch befangenen Auslegung die linguistischen, lexikalischen, grammatischen Studien innerhalb der Theologie lebendig, und es konnte, als mit der Zeit auch der historische Sinn wieder erwacht war, schon von J. A. Ernesti (»Institutio interpretis Novi Testamenti«, 1761) der alle großen Fortschritte der neuern Exegese bedingende Grundsatz der »grammatisch- (besser philologisch-) historischen Auslegung« ausgesprochen und mit Klarheit durchgeführt werden. Wenn in der Zeit der theologischen Romantik und der sie beherrschenden Gemütsbedürfnisse vielfach eine sogen. theologische Auslegung, als für die Bibel speziell in Betracht kommend, der philologisch-historischen Methode an die Seite gestellt oder übergeordnet wurde, so ist man neuerdings von solchen der Pektoraltheologie gemachten Zugeständnissen wieder zurückgekommen, indem man gleichzeitig anerkannte, daß es, wenn die grammatisch-historische Auslegung ihr Werk getan hat, darauf ankomme, ihr Ergebnis in lebendige Beziehung zum religiösen Geistesleben der Gegenwart zu setzen, welches Geschäft alsdann der sogen. praktischen Auslegung anheimfällt. Vgl. Immer, H. des Neuen Testaments (Wittenb. 1873).
 
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Hermengildo, Orden des heiligen, span. Orden, 28. Nov. 1814 vom König Ferdinand VII. gestiftet und 1815 zum Militärverdienstorden für die Land- und Seemacht und 40 Dienstjahre erhoben, in drei Klassen: Großkreuze, für Generalkapitäne und Generale, mit dem Titel Exzellenz; Offiziere, abwärts vom Brigadier; Ritter, für 25 Dienstjahre, und wenn davon wenigstens 10 Jahre Offizier. Nach zehnjährigem Besitz des Ordens und stetem Dienst erhält der

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Besitzer Pension und zwar die erste Klasse 10,000, die zweite Klasse 4800, die dritte Klasse 2400 Realen. Die Zahl der Pensionäre beträgt seit 1852: 60 Großkreuze, 160 Komture (sogen. Sterne) und 270 Ritter. Das Ordenszeichen ist ein achtspitziges, weiß emailliertes, goldbordiertes Kreuz; auf dem blauen Felde des runden Mittelschildes vorn das Reiterbild des heiligen Königs Meyers Hermenigild (s. d.) mit der von einem grünen Lorbeerkranz umgebenen Umschrift: »Premio a la constancia militar« (»Lohn der militärischen Beharrlichkeit«), hinten »F. VII.« Die Großkreuze tragen das Kreuz von der rechten Schulter zur linken Hüfte am Bande, dazu einen achtspitzigen diamantierten Stern von Silber, auf dem das Kreuz in Gold liegt, mit dem obigen Avers, umgeben von einem Lorbeerkranz; die zweite Klasse trägt Stern und Kreuz, aber, wie die dritte Klasse, das Kreuz im Knopfloch.
 
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Hermenigild, ältester Sohn des arianischen westgotischen Königs Leovigild (569586), vermählte sich mit Ingunde, Tochter des katholischen Königs Siegbert von Austrasien und der Brunichilde, nahm das katholische Glaubensbekenntnis an, empörte sich gegen den Vater, ward aber 585 in Tarragona enthauptet; seine Gemahlin (die auf der Überfahrt nach Byzanz starb) und sein Sohn Athanagild fanden beim oströmischen Kaiser Maurikios Zuflucht. Von seinen Glaubensgenossen wurde H. als Märtyrer verehrt und später kanonisiert.
 
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Hermes, griech. Gott, Sohn des Zeus und der Maia, der Tochter des Atlas, geboren auf dem arkadischen Gebirge Kyllene (daher der Kyllenier genannt), zeigte, nach einem alten Hymnus, gleich nach seiner Geburt die Grundzüge seines Wesens: Erfindungsgabe, mit Anmut gepaarte Gewandtheit, List und Verschlagenheit. Vier Stunden alt, springt er aus der Wiege, erfindet, indem er über die Schale einer Schildkröte Saiten spannt, die Lyra, eilt in der Dämmerung nach Pierien und stiehlt 50 Rinder aus der Herde des Apollon, die er rückwärts vor sich her treibt und in einer Grotte verbirgt. Dann legt er sich ruhig in seine Wiege. Aber Apollons Seherkunst entdeckt den Dieb dem Zeus, der die Rückgabe der Rinder befiehlt: doch überläßt sie ihm Apollon für die Lyra und fügt noch den goldenen Stab des Glückes und Reichtums hinzu, Zeus aber macht H. zum Götterboten und Geleiter der Toten in den Hades. Im Mythus erscheint H. hauptsächlich als der Bote des Zeus, der mit Windeseile durch die Lüfte schwebt und seine Aufträge gewandt auszuführen weiß, wie die Tötung des 100äugigen Argos, von der man seinen Namen Argeiphontes als Argostöter deutete. Wie er in der Dichtung neben Athene als Helfer und Berater von Helden auftritt, so ist er überhaupt ein menschenfreundlicher Gott. In manchen Gegenden Griechenlands, besonders seiner Heimat Arkadien, galt er als Weiden und Herden Fruchtbarkeit verleihender Gott, der am liebsten unter Hirten und Nymphen weilt, von denen er Vater zahlreicher Kinder ist, wie des Pan und Daphnis, andernorts als Spender des Getreidesegens und der metallischen Schätze im Erdenschoß, auch des unvermuteten Fundes (nach ihm Hermäon genannt) Ein Förderer allen Verkehrs, allen Han dels und Wandels, allen Gewinnes, auch des listigen, ist er Schutzgott der Kaufleute, sogar der Diebe (sein Sohn Autolykos erscheint in der Sage als der größte Dieb), sowie auch der Wege und Straßen. Als solcher errichtete man ihm namentlich an Kreuzwegen Steinhaufen, sogen. Hermeshügel, denen jeder Wanderer einen Stein zufügte, und an Straßen, öffentlichen Plätzen und vor den Häusern Meyers Hermen (s. d.) genannte Pfeiler. Selbst rüstig, gewandt und anmutig, ist er Gott der Kraft und Schönheit verleihenden Gymnastik; als solcher waren ihm Palästren und Gymnasien geheiligt und wurden ihm eigne Feste (Hermia oder Hermäen) gefeiert. Als Erfinder der Lyra (nach manchen auch der Hirtenflöte) ist er ein Freund musischer Künste und ihrer Vertreter. Von ihm als Herold leitete man die Gabe einer starken Stimme, guten Gedächtnisses und kluger, gewandter Rede ab. Spätere sahen in ihm sogar den Erfinder der Schrift, der Zahlen, der Mathematik und der Astronomie. Auch als Gott des Schlafes und der Träume galt er, der durch Berührung mit seinem Stabe die Augen schließt und öffnet. Als Geleiter der Seelen in die Unterwelt (Psychopompos) steht er auch zu den unterirdischen Göttern in Beziehung, neben denen er bei Totenorakeln und Beschwörungen angerufen wurde. Über seine Gleichsetzung mit dem römischen Mercurius s. Meyers Merkur. Zu den Attributen des H. gehört der Pilos (pileus), ein glockenartiger Hut, oder der Petasos, ein breitkrempiger Reisehut, schon bei Homer Flügel an den Sohlen, später auch am Hut, am Stab und an den Schultern; ferner der Hermes- oder Heroldsstab (s. Caduceus).
   Die künstlerischen Darstellungen des H. waren so mannigfaltig wie seine Bedeutung: als Hirt, als Dieb, als Kaufmann (mit dem Beutel), mit der

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Lyra oder als Götterbote oder Herold. Die altertümliche Kunst stellte ihn bärtig und als kräftigen Mann dar; früh aber machte sich auch die jugendliche Bildung geltend. Er trägt kurzes, gelocktes Haar und hat forschenden, klugen Ausdruck des Gesichts. Unter den erhaltenen Statuen sind vor allen das in Olympia ausgegrabene Meisterwerk des Praxiteles, H. mit dem Dionysosknaben auf dem Arm (Fig. 1, ergänzt auf Tafel Meyers »Bildhauerkunst IV«, Fig. 2), die früher fälschlich Jason genannte Statue (in München und im Kapitolinischen Museum) und eine Bronzestatue des ruhenden Götterboten (im Museum zu Neapel) zu erwähnen. Als Vorsteher der Ringschule stellt ihn der prächtige sogen. Antinous des Belvedere im Vatikan dar, als H. Logios, d. h. Vorsteher der rhetorischen Kunst, der »H. Ludovisi« in Rom (Fig. 2), als Gott des Handels u. Verkehrs (mit gefülltem Beutel in der Hand) eine schöne Statue im Kapitol zu Rom u. eine Bronzestatuette des Britischen Museums. Unter den Köpfen des H. ragt besonders der in der Sammlung Lansdowne in London hervor. In römischen Bildwerken sind ihm häufig Hahn und Widder beigegeben (Fig. 3). Vgl. Kuhn in der »Zeitschrift für deutsches Altertum«, Bd. 6, S. 125 ff.; Roscher, H., der Windgott (Leipz. 1878) und dessen »Lexikon der griechischen Mythologie«, Bd 1, Sp. 2342 ff.; Scheffler, De Mercurio puero (Königsb. 1884).
 
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Hermes, 1) Johann Timotheus, Schriftsteller, geb. 31. Mai 1738 in Petznick bei Stargard, gest. 24. Juli 1821 in Breslau, studierte in Königsberg Theologie, bekleidete mehrere geistliche Ämter und war zuletzt Superintendent und Professor der Theologie in Breslau. Unter Hermes' Schriften, die unter dem Einfluß Richardsons und Wielands stehen, erregten die »Geschichte der Miß Fanny Wilkes« (Leipz. 1766, 2 Bde.; 3. Aufl. 1781), »Sophiens Reise von Memel nach Sachsen« (das. 177075, 5 Bde.; 3. Aufl. 1778, 6 Bde.) und »Für Töchter edler Herkunft« (das. 1787, 3 Bde.), namentlich aber der zweitgenannte Roman, ein gewisses Aufsehen. Goethe und Schiller verspotteten ihn in den Xenien wegen der verfänglichen Situationen, die sich trotz der moralisierenden Tendenz in seinen Romanen finden. Eine geistreiche Analyse von »Sophiens Reise« gab Prutz im »Literarhistorischen Taschenbuch« (Bd. 6, 1848, wiederholt in dessen »Menschen und Bücher«, Leipz. 1862).
   2) Georg, Begründer einer philosophisch-dogmatischen Schule in der katholischen Kirche, geb. 22. April 1775 in Dreierwalde, gest. 26. Mai 1831 in Bonn, wurde 1807 Professor der Dogmatik in Münster, 1819 an der Universität in Bonn. In seinen Schriften: »Untersuchungen über die innere Wahrheit des Christentums« (Münster 1805), »Philosophische Einleitung in die christkatholische Theologie« (das. 1819; 2. Aufl. 183134, 2 Bde.), »Christkatholische Dogmatik« (hrsg. von Achterfeldt, das. 18341836, 3 Bde.) versuchte H., an dem die kritische Philosophie nicht spurlos vorübergegangen war, eine Erkenntnistheorie aufzubauen, die so angelegt war, daß sie mit einer gewissen Notwendigkeit auf den katholischen Glauben führte (Hermesianismus), und zog allmählich eine große Anzahl von Schülern (Hermesianer) heran, die bald die philosophischen und theologischen katholischen Lehrstühle in Westfalen und Rheinpreußen einnahmen. Solange der Erzbischof Spiegel von Köln lebte, blieb der Hermesianismus unangefochten; nach dessen Tode 1835 jedoch verdammte ein Breve Gregors XVI. ihn als ketzerisch. Der neue Erzbischof, Meyers Droste zu Vischering (s. d.), schritt sofort gegen die Hermesianer ein, die sich umsonst in Rom zu rechtfertigen suchten. Die Professoren J. W. Braun (s. Meyers Braun 2) und Meyers Achterfeldt (s. d.) in Bonn wurden 1844 ihres Lehramtes enthoben. Die Professoren des Trierer Seminars sowie Baltzer in Breslau, der sich bereits unter den Einfluß der Lehre von Ant. Meyers Günther (s. d., S. 524) begeben hatte, unterwarfen sich. Die meisten spätern Konflikte zwischen Staat und katholischer Kirche in Preußen (bis 1848) haben in näherm oder entfernterm Zusammenhang mit dem Hermesianismus gestanden. Das Hauptorgan der Hermesianer, zu denen außer den Genannten noch Esser, Elvenich, Droste-Hülshoff, Rosenbaum, Hilgers u. a. gehörten, war die »Zeitschrift für Philosophie und katholische Theologie« (Bonn 183252). Vgl. Esser, Denkschrift auf G. H. (Köln 1832); Elvenich, Acta Hermesiana (Götting. 1836); »Acta Romana« (hrsg. von Braun und Elvenich, Hannov. 1838); Niedner, Philosophiae Hermesii explicatio (Leipz. 1839); Stupp, Die letzten Hermesianer (Wiesbad. 184445, 5 Hefte).
   3) Otto, deutscher Politiker, geb. 10. Sept. 1838 in Meyenburg, studierte Pharmazie und ward 1871 Direktor des Aquariums in Berlin. Seit 1873 einflußreiches Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung, seit 1886 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, gehörte er 188184 und seit 1887 dem Reichstag an, in dem er sich der freisinnigen Volkspartei anschloß. Sein älterer Bruder, Hugo, war 187177 und 189093 auch Reichstagsmitglied.
 
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Hermesfeuer, s. Elmsfeuer.

 

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71) Herloßsohn
 ... (das. 1842, 3. Aufl. 1872); »Wallensteins erste Liebe« (das. 1844); »Weihnachtsbilder« (das. 1847); »Die Mörder Wallensteins« (das. 1847). Auch veröffentlichte
 
72) Heyse
 ... Es folgten: »Der Roman der Stiftsdame« (1886, 12. Aufl. 1903), »Weihnachtsgeschichten« (1891), »Aus den Vorbergen« (1892), »In der Geisterstunde und andre
 
73) Hildebrandt
 ... (1830), die seine realistische Tendenz nicht zu beeinflussen vermochten. Der Weihnachtsabend (1840), Empfang des Kardinals Wolsey im Kloster (1842), Doge und
 
74) Hirsch
 ... gelt sind, auch mehr, Spießer etwa ebensoviel und Kälber zur Weihnachtszeit 2025 kg. Die Zahl der Enden entscheidet nicht sicher
 
75) Hofmann
 ... frische Gelegenheitsdichtungen und durch schriftstellerische Unternehmungen zu wohltätigen Zwecken (»Weihnachtsbaum für arme Kinder«, 25 Jahrgänge) verdient. Eine Auswahl seiner Gedichte
 
76) Homilĭus
 ... der Kreuzschule daselbst. H. war seinerzeit als Komponist hochgeschätzt (Passionen, Weihnachtsoratorien, Motetten, Kantaten u. a.), schrieb auch ein Lehrbuch des Generalbasses.
 
77) Hutzelbrot
 ... Hutzelbrot ( Hutzel - , Birnenwecken ), süddeutsches Weihnachtsgebäck aus Roggenmehlteig mit zerschnittenen getrockneten Birnen und Pflaumen ( Hutzeln
 
78) In
 ... süßem Jubel«), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in
 
79) Jensen
 ... schwerer Vergangenheit«, ein Geschichtenzyklus (das. 1888, 3. Aufl. 1901), »Vier Weihnachtserzählungen« (das. 1888), »Jahreszeiten« (das. 1889), »Sankt - Elmsfeuer« (das. 1889),
 
80) Jesus
 ... die aufblühende Kultur des Bürgertums gefördert wurde (s. Weihnachtsspiele , Passionsspiele , Osterspiele). Neues Leben
 
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