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Helvētisches Kollegium bis Hemau (Bd. 6, Sp. 160 bis 161)
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Artikelverweis Helvētisches Kollegium (Collegium Helveticum), Seminar in Mailand, zur Ausbildung katholischer Geistlichen für die Schweiz vom Kardinal-Erzbischof Karl Graf Borromeo (s. Borromeo 1) 1579 begründet, hat während seines 200jährigen Bestehens zur Befestigung des Katholizismus und des jesuitischen Einflusses in den katholischen Schweizer Kantonen viel beigetragen. Die Anstalt ward in der Revolutionszeit gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufgehoben.
 
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Helvētische Stufe, Unterabteilung der jüngern Meyers Tertiärformation (s. d.).
 
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Helvétius (spr. elwēßīüs), Claude Adrien, franz. Philosoph aus der Schule der Enzyklopädisten, geb. 1715 in Paris, gest. daselbst 26. Dez. 1771, war für das Finanzfach bestimmt und erhielt 1738 die einträgliche Stelle eines Generalpächters, die er jedoch bald wieder aufgab, um sich im Umgang mit den ersten Männern seiner Zeit, mit d'Alembert, Diderot, Holbach, zurückgezogen den Wissenschaften zu widmen. 1764 reiste H. nach England und Deutschland und fand besonders am Hofe Friedrichs II. eine ehrenvolle Ausnahme. Später lebte er in Paris. Sein durch Lockes »Versuch über den menschlichen Verstand« angeregtes Hauptwerk: »De l'esprit« (Par. 1758, neue Ausg. 1843 und 1880; deutsch von Gottsched, Leipz. 1759), ward als staats- und religionsgefährlich auf Befehl des Parlaments 1759 verbrannt; ein zweites:

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»De l'homme, de ses facultés intellectuelles et de son éducation« (Lond. 1773, 2 Bde.; deutsch von Wichmann, Bresl. 1774, und von Lindner, Wien 1877), erschien erst nach seinem Tod. Eine vollständige Ausgabe seiner »Œuvres« erschien Paris 1796, 14 Bde., und das. 1818, 3 Bde. H. ist entschiedener Sensualist und Materialist. Alle Vorstellungen führt er zurück auf den Eindruck äußerer Gegenstände auf unsre Sinne; alle Tätigkeit entspringt aus der angebornen Selbstliebe, dem Streben nach sinnlicher Lust und dem Abscheu vor sinnlicher Unlust. Wer sich selbst so nützt, daß er andern nicht schadet, sondern ihr Wohl vielmehr fördert, ist der wahrhaft gute Mensch. H., von dessen Ansichten eine geistreiche Frau sagte, er habe darin »das Geheimnis aller Welt« ausgeplaudert, war persönlich ein zartfühlender, liebenswürdiger und wohltätiger Mann. Seine schöne und geistreiche Gattin, ein Fräulein de Ligneville, geb. 1719, gest. 12. Aug. 1800, machte nach dem Tod ihres Mannes ihr Haus in Auteuil zum Mittelpunkt eines Kreises von Gelehrten und Künstlern. Vgl. Avezac-Lavigne, Diderot et la société du baron Holbach (Par. 1875); Mostratos, Die Pädagogik des H. (Berl. 1891); Rose, Das Verhältnis des H. zu Larochefoucault (Lahr 1891); Guillois, 1, e salon de madame H. (Par. 1894); Plechanow, Beiträge zur Geschichte des Materialismus (Stuttg. 1896); Arnd, Das ethische System des H. (Kiel 1904).
 
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Helvetius van den Bergh, s. Meyers Bergh 1).
 
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Helvig, Amalie von, geborne Freiin von Imhoff, Schriftstellerin, geb. 16. Aug. 1776 in Weimar, gest. 17. Dez. 1831 in Berlin, eine Nichte der Frau von Stein, erhielt eine sorgfältige Erziehung und machte schon in jüngern Jahren große Reisen durch Frankreich, England und Holland. In Weimar, wo sie nach dem Tode des Vaters bei ihrer Mutter lebte, lernte sie Griechisch und von Goethe den Bau des Hexameters, in welchem Versmaß sie ihr bestes Gedicht: »Die Schwestern von Lesbos« (zuerst im Schillerschen »Musenalmanach für 1800«, dann Heidelberg 1801, 2. Aufl. 1833), verfaßte. Sie wurde Hofdame bei der Herzogin von Weimar und verheiratete sich 1803 mit dem schwedischen Obersten, spätern Generalfeldzeugmeister Karl Gottfried v. H., dem sie nach Stockholm folgte. Das dortige Klima zwang sie jedoch, 1810 nach Deutschland zurückzukehren; sie lebte darauf eine Zeitlang in Heidelberg, mit Malerei und dem Studium der altdeutschen Kunst beschäftigt, und seit 1815, nachdem ihr Gatte infolge der Abtretung Pommerns in preußische Dienste übergetreten war, meist in Berlin, vorübergehend auch in Dresden. Ihre Dichtungen zeichnen sich durch Zartheit und Gemütlichkeit aus. Wir nennen noch: »Die Schwestern auf Corcyra«, dramatisches Idyll (Leipz. 1812); »Die Tageszeiten« (das. 1812); »Die Sage vom Wolfsbrunnen« (Berl. 1814); »Helene von Tournon« (das. 1824); »Gedichte« (das. 1826). Sie übersetzte auch Tegnérs »Frithjofssage« (Stuttg. 1826, 8. Aufl. 1879) und gab mit Karoline de la Motte-Fouqué das »Taschenbuch der Sagen u. Legenden« (Berl. 1812 u. 1813) heraus. Ihr Leben beschrieb auf Grund von Briefen und Tagebüchern Henriette v. Bissing (Berl. 1889).
 
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Helvĭn, Mineral, ein Manganberylliumsilikat mit 5,7 Proz. Schwefel, findet sich in tetraedrischen Kristallen und auch in kugeligen Aggregaten, honiggelb bis rötlichbraun, glasglänzend, kantendurchscheinend, Härte 6, spez. Gew. 3,3, auf Erzlagerstätten zu Schwarzenberg im Erzgebirge und zu Kapnik in Ungarn sowie im Schriftgranit von Miask etc.
 
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Helvĭus, Publius H. Pertinax, röm. Kaiser, s. Pertinax.
 
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Helvĭus Cinna, Gajus, röm. Dichter des 1. Jahrh. v. Chr., Freund des Catullus, Anhänger der gelehrten alexandrinischen Richtung, verfaßte ein mythologisches Epos: »Smyrna« (über die unnatürliche Liebe der Myrrha zu ihrem Vater Kinyras), an dem er neun Jahre feilte; es war mit so dunkler Gelehrsamkeit erfüllt, daß zu seinem Verständnis ein besonderer Kommentar geschrieben wurde. Ob er identisch ist mit dem Volkstribunen Cinna, der nach Cäsars Ermordung, 44 v. Chr., vom Pöbel infolge einer Verwechselung (s. Meyers Cinna 2) erschlagen wurde, ist fraglich. Die dürftigen Bruchstücke seiner Dichtungen finden sich in Bährens' »Fragmenta poetarum romanorum« (Leipz. 1886).
 
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Helwa, s. Meyers Halwa.
 
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Hemans (spr. hīmĕus), Felicia Dorothea, engl. Dichterin, geb. 25. Sept. 1793 in Liverpool, gest. 16. Mai 1835 auf dem Landgut Redesdale bei Dublin, war die Tochter eines irischen Kaufmanns in Liverpool, Namens Browne. Nach einer verunglückten Spekulation zog sich die Familie nach Gwrych in Nordwales zurück, und in der romantischen Umgebung dieses Ortes wurde das Mädchen zur Dichterin, während ihr die britischen Heldentaten in Spanien, die ihr von einem Verwandten in Briefen geschildert wurden, eine romantische Richtung gaben. Als sie 14 Jahre alt war, druckte man schon ihre »Poems« (Liverpool 1808). Trotz der ungünstigen Kritik darüber folgte noch in demselben Jahre die Dichtung »England and Spain, or valour and patriotism« (1808), hervorgerufen durch die Teilnahme ihrer Brüder am Pyrenäischen Kriege; dann eine lyrische Sammlung: »Domestic affections« (1812), sowie 2 Bände »The restoration of the works of art in Italy« (1816) und »Modern Greece« (1817). Shelley und Byron gehörten zu ihren Lobrednern. Inzwischen hatte sie 1812 den Kapitän H. geheiratet; nachdem sie ihm aber fünf Söhne geboren, wurde die Ehe 1818 gelöst. Später veröffentlichte sie Balladen in den »Tales and historic scenes in verses« (1819), ferner »Welsh melodies« (1822) und »The forest sanctuary« (1825; deutsch, wie viele andre ihrer Gedichte, von Freiligrath: »Das Waldheiligtum«, Stuttg. 1871), worin sie das protestantische Märtyrertum verherrlichte. Dem Studium des Spanischen entsprang ihr »Siege of Valencia, the last Constantine« (1823), dem des Deutschen, namentlich Herders, die »Songs of Cid« und »The lays of many lands« (1825). Religiöses Gefühl erfüllt die »Songs of the affections« (1830) und ihre spätern Hymnen. Geschickte Zartheit und romantische Wärme verschafften ihr in jenen Tagen eine ungemeine Beliebtheit; tiefe und dauernde Wirkung blieb ihr versagt. Ihre »Poetical works« wurden zuerst 1839 von ihrer Schwester Mrs. Hughes gesammelt (Lond., 7 Bde.), die auch eine Lebensbeschreibung (neue Ausg. 1857) voranstellte; dann 1850, 6 Bde.; 1867, 3 Bde.; Ausgaben in 1 Band 1897 u. ö., in Amerika besonders von Tuckerman (Philad. 1850). Ausgewählte Gedichte übersetzten Schlüter und Jüngst (Münst. 1878). Vgl. Chorley, Memorials of Msr. H. (Philad. 1836, 2 Bde.).
 
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Hemau, Stadt im bayr. Regbez. Oberpfalz, Bezirksamt Parsberg, auf dem Fränkischen Jura, 515 m ü. M., hat eine kath. Kirche, Schloß, Waisenhaus, Amtsgericht, Bierbrauerei und (1900) 1578 Einw. H. kam 1305 als bambergisches Lehen an die Wittelsbacher und erhielt 1350 Stadtrecht.

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61) Güll
 ... neue Ausg., Gütersloh 1876; 6. Aufl. 1889; Auswahl, das. 1901); »Weihnachtsbilder« (Berl. 1840); »Neue Bilder für Kinder« (mit Zeichnungen von Tony
 
62) Handlungsgehilfe
 ... Beschäftigung sie nicht daran hindert, gestattet werden muß. Am ersten Weihnachts - , Oster - und Pfingstfeiertag dürfen Handlungsgehilfen überhaupt nicht,
 
63) Hans
 ... dramatisch bearbeitet. Als Fuhrmann des Christkindes tritt H. in zahlreichen Weihnachtsspielen des 17. und 18. Jahrh. als lustige Person auf. Vgl.
 
64) Heiberg
 ... la Barca «. Als er 1816 in seiner berühmten Komödie »Weihnachtsscherze und Neujahrsspäße« im Stil der deutschen Romantiker die Tränenseligkeit Ingemanns
 
65) Heilige
 ... Heilige Nacht , soviel wie Weihnachten (s. d.); in der Malerei Bezeichnung für die Darstellung
 
66) Heilige
 ... daß ganze Schiffsladungen des in Frankreich noch häufigern Schmarotzers zu Weihnachten nach England gehen. Die Kelten hielten außerdem eine Anzahl niederer
 ... heute in Frankreich und England, woselbst die Mistel bei den Weihnachts - und Neujahrszeremonien dient, so daß ganze Schiffsladungen des in
 
67) Heiliger
 ... Feier zu begehen pflegte; insbes. aber der Abend vor dem Weihnachts - , Neujahrs - und Dreikönigstag, namentlich der erstere. Ein
 ... den sog. Christmetten am Vorabend oder am Morgen des Weihnachtstags erhalten.
 
68) Heiliger
 ... Heiliger Christ , s. Weihnachten .
 
69) Heinrich
 ... Der Anschlag wurde entdeckt, H. in Ingelheim gefangen gehalten, zu Weihnachten 941 in Frankfurt a. M. nach reuevoller Buße begnadigt und
 
70) Hellebŏrus
 ... niger L . ( schwarze Nieswurz, Christwurz, Christblume, Christrose, Weihnachts - , Winter - oder Schneerose , s.
 ... als Abortivmittel. Die Blüten benutzt man zu Totenkränzen und als Weihnachtsschmuck. Der H. melas des Hippokrates, der bei den Alten
 
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