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Lubbock bis Lübisch (Bd. 6, Sp. 755 bis 760)
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Artikelverweis Lubbock (spr. löbb-), Sir John, seit 1899 Lord Avebory, Naturforscher, geb. 30. April 1834 zu Eaton Place in London, trat in das Bankgeschäft seines Vaters, das er bei dessen Tode 1865 übernahm, und führte vielfache Verbesserungen im Bankwesen durch; auch wurde er 1870 liberales Parlamentsmitglied für Maidstone und 1880 parlamentarischer Vertreter der Universität London, an der er früher als Vizekanzler fungierte. 1900 wurde er in das Oberhaus berufen. 1871 wurden auf seine Anregung die Bankfeiertage gesetzlich eingeführt, auch machte er sich verdient um die Erhaltung britischer Altertümer und um das Erziehungswesen. Er unternahm biologische, zoologische und botanische Untersuchungen im Interesse der Entwickelungsgeschichte. Seine Beobachtungen an Ameisen und Bienen bieten einen Einblick in die Entstehung des menschlichen Empfindungs- und Denkvermögens. Auch lieferte er wertvolle Arbeiten über die Anfänge der menschlichen Kultur und den Urzustand des Menschen. Er schrieb: »Prehistoric times, as illustrated by ancient remains and the manners and customs of modern savages« (1865, 6. Aufl. 1900; deutsch von Passow, Jena 1874, 2 Bde.); »The origin of civilization and the primitive condition of man« (1870, 6. Aufl. 1901; deutsch, Jena 1875); »On the origin and metamorphoses of insects« (1874; deutsch, Jena 1876); »On British wild flowers considered in relation to insects« (1875; deutsch, Berl. 1877); »Relations between plants and insects« (1878); »Ants, bees and wasps« (1882, 9. Aufl. 1889; deutsch, Leipz. 1883); »Flowers, fruits and leaves« (1886); »On the senses, instincts and intelligence of animals« (1888; deutsch, Leipz. 1889); »The pleasures of life« (1887; deutsch, 3. Aufl., Berl. 1891; 2. Teil 1890); »A contribution to our knowledge of seedlings« (1892, 2 Bde.); »The beauties of nature and the wonders of the world« (1892, 5. Aufl. 1893; deutsch, Basel 1900); »The use of life« (1894); »The scenery of Switzerland« (1896, 3. Aufl. 1898); »On buds and stipules« (1898); »The scenery of England« (1902 u. ö.). Außerdem erschienen von ihm: »Addresses, political and educational« (1879); »Scientific lectures« (1873, 2. Aufl. 1890); »Fifty years of science, addresses to the British Association« (1882, 4. Aufl. 1890); »Short history of coins and currency« (1902); »Essays and addresses, 1900 to 1903« (1903); »Free-trade« (1904).
 
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Lübeck (Freie und Hansestadt L.), deutscher Freistaat, dessen Gebiet, zwischen 53°32´-54° nördl. Br. und zwischen 10°29´-10°53´ östl. L. gelegen, teils aus einem abgeschlossenen, von der Ostsee,

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Holstein, dem oldenburgischen Fürstentum L., Lauenburg und Mecklenburg begrenzten Ganzen, teils aus einzelnen Enklaven in Lauenburg, im Fürstentum L. und in Mecklenburg-Strelitz besteht (s. den Stadtplan und Karte »Schleswig-Holstein«). Es wird eingeteilt in die Stadt L. mit den Vorstädten, das Städtchen Travemünde und die Landbezirke. Das Gebiet umfaßt einen Flächenraum von 298 qkm (5,41 QM.) mit (1900) 96,775 (1904: ca. 106,200) Einw., von denen auf die Stadt und Vorstädte 82,098 (1904: ca. 91,300), auf Travemünde 1849, auf die Landbezirke 12,828 Einw. kommen. Von der Bevölkerung waren 1900 nur 53 Proz. im Staate L. geboren, 44,8 Proz. in andern Staaten des Deutschen Reiches, 2,1 Proz. sonst im Auslande (meist in Schweden und Norwegen, Rußland und Österreich). L. enthält 2 Städte, 49 Dörfer, 34 Höfe. Der arrondierte Hauptteil des Gebiets bildet eine Ebene, die nur östlich von der Stadt L. durch einen niedrigen Höhenzug ein welliges Ansehen erhält. Diese Ebene wird von der Trave und deren Nebenflüssen Wakenitz und Stecknitz durchflossen. Die Trave bildet an ihrer Mündung mehrere Buchten (Wyken) und steht durch den Meyers Elbe-Travekanal (s. d., Großschiffahrtsweg), der unter teilweiser Mitbenutzung des alten Stecknitzkanals in den Jahren 18951900 mit einem Kostenaufwand von ca. 24 Mill. Mk., zu denen Preußen 7,5 Mill. Mk. beigetragen, von L. erbaut worden ist, mit der Elbe in Verbindung. Was die Benutzung des Bodens betrifft, so kamen 1903 auf Äcker und Gärten 57,7 Proz., auf Wiesen 9, auf Weiden 2,8, auf Waldungen 13,6, auf Haus- und Hofräume, Wege, Gewässer 16,9 Proz. des Areals. Die Landwirtschaft wird in derselben Weise wie in Holstein betrieben. In dem die Stadt umgebenden Bezirk ist der Gartenbau nebst Kunst- und Handelsgärtnerei, die bedeutenden Absatz über die See haben, Hauptbeschäftigung. Der Handel und die gewerbliche Tätigkeit konzentrieren sich in der Stadt L. Nach der Berufszählung von 1900 waren im Staate L. 40,2 Proz. der Erwerbstätigen in der Industrie, 29 Proz. in den Handels- und Verkehrsgewerben beschäftigt. Die Verfassung des Freistaats ist republikanisch. Nach der Verfassung vom 7. April 1875 und 9. Aug. 1905 steht die Staatsgewalt dem Senat und der Bürgerschaft gemeinschaftlich zu. Der Senat besteht aus 14 Mitgliedern, von denen 8 dem Gelehrtenstand (davon mindestens 6 Rechtsgelehrte) und unter den übrigen 6 mindestens 5 dem Kaufmannsstand angehören müssen. Wählbar ist jeder Bürger, der das 30. Lebensjahr vollendet hat und im vollen Genuß der bürgerlichen Rechte sich befindet. Die Wahl geschieht durch eine für jeden Erledigungsfall besonders zu ernennende, aus einer gleichen Zahl von Mitgliedern des Senats und der Bürgerschaft bestehende Kommission. Der Erwählte bekleidet sein Amt lebenslänglich. Der Vorsitzende des Senats, den dieser selbst aus seiner Mitte auf je zwei Jahre wählt, führt während dieser Zeit den Titel Bürgermeister mit dem Prädikat Magnifizenz. Dem Senat als Regierung steht die Aussicht über sämtliche Zweige der Verwaltung und über die Justizbehörden zu; ihm und der Stadt leisten die Bürger den Eid der Treue; er bewahrt Siegel und Archive der Stadt; er ernennt und beeidigt den größten Teil der Staatsbeamten, übt das Begnadigungsrecht und unter Mitwirkung der Bürgerschaft das Recht der Gesetzgebung. Die Bürgerschaft besteht aus 120 Mitgliedern; Wähler und wählbar ist jeder im vollen Genuß der bürgerlichen Rechte stehende Staatsbürger, der das 25. Lebensjahr vollendete, seit dem 1. April des vierten dem Jahre der Wahl vorangehenden Jahres dauernd seinen Wohnsitz im lübeckischen Staatsgebiete gehabt und während dieser Zeit alljährlich Einkommensteuer bezahlt hat. Die Wahlen geschehen in zwei Abteilungen, und zwar wählen in der ersten Abteilung diejenigen Bürger, die in den letzten drei Steuerjahren vor der Wahl durchschnittlich mehr als 2000 Mk. versteuert haben, 105, in der zweiten Abteilung alle übrigen 15 Vertreter. Die Bürgerschaftsmitglieder bekleiden ihr Amt sechs Jahre und werden alle zwei Jahre durch Neuwahlen zum dritten Teil ergänzt. Ein von der Bürgerschaft aus ihrer Mitte auf zwei Jahre gewählter und alljährlich zur Hälfte durch Neuwahlen zu ergänzender Ausschuß von 30 Mitgliedern übt die Rechte der Bürgerschaft aus bei Geldbewilligungen bis zur Höhe von 6000 Mk. auf einmal oder 300 Mk. jährlich und bei Fragen über Erwerb oder Veräußerung von Grundstücken bis zu einem Wert von 12,000 Mk. Außerdem liegt dem Bürgerausschuß die vorgängige Begutachtung aller an die Bürgerschaft zu richtenden Senatsanträge ob. L. gehört zum Bezirk des hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg und ist Sitz eines mit dem großherzoglich oldenburgischen Fürstentum L. gemeinsamen Landgerichts sowie eines Amtsgerichts, Gewerbe- u. Kaufmannsgerichts. Die hauptsächlichen Zweige der Staatsverwaltung stehen unter der Leitung von besondern Behörden (Departements oder Deputationen), zusammengesetzt aus Mitgliedern des Senats, deren eins den Vorsitz führt, und aus bürgerlichen Deputierten; mehrere Behörden, wie das Polizeiamt, das Medizinalamt und das Stadt- und Landamt, werden ausschließlich aus Mitgliedern des Senats gebildet. Das Staatsbudget für 1905 war in Einnahme und Ausgabe auf 7,646,972 Mk. festgesetzt. Neben dem Staatsbudget steht ein solches der Stadt, das zuzüglich derjenigen der öffentlichen Wohltätigkeitsanstalten mit 3,396,318 Mk. balanciert. Unter den Staatseinnahmen betrugen: Zinsen 492,250 Mk., direkte Steuern 2,707,000, indirekte Steuern 1,474,980, Ertrag der Domänen 720,897 Mk. Hauptsächlichste Steuer ist die 1870 eingeführte Einkommensteuer, deren Ertrag für 1905 auf 2,365,000 Mk. angesetzt war. Daneben waren die Hafenabgaben auf 433,700 Mk., der Anteil an den Zöllen und Stempelabgaben des Reiches auf 368,230 Mk. berechnet. Dagegen betrug der für L. ausgeschriebene Matrikularbeitrag 459,770 Mk. Die Staatsschuld betrug Anfang 1905: 41,273,520 Mk. L. führt eine Stimme im Bundesrat und entsendet einen Abgeordneten zum deutschen Reichstag. Über das gesamte Kirchenwesen übt der Senat die Oberaufsicht aus. Das Kirchenregiment in der evangelisch-lutherischen Kirche wird in seinem Auftrage von dem Kirchenrat wahrgenommen; die Kirchengemeinden in ihrer Gesamtheit werden durch die Synode vertreten. Man zählte 1900: 93,671 Evangelische, 2190 Katholiken, 670 Israeliten und 244 sonstige Christen und Einwohner unbekannter Konfession. Das Schulwesen, dessen Verhältnisse durch das Gesetz vom 17. Okt. 1885 neu geregelt worden sind, steht unter der Leitung der Oberschulbehörde. Die Ausgaben für Schulzwecke waren für 1905 auf 1,726,033 Mk. veranschlagt. Das Wappen Lübecks (s. Tafel Meyers »Wappen I«, Fig. 10) ist der zweiköpfige rotbewehrte schwarze Adler mit einem weiß über rot geteilten Brustschild. Im großen Staatswappen erscheint der Adler in einem

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goldenen Schilde, der von zwei naturfarbenen Löwen gehalten wird. Die Landesfarben sind Weiß und Rot (s. Tafel Meyers »Deutsche Flaggen« im 4. Bd.).
 
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Lübeck (hierzu der Stadtplan nebst Kärtchen Meyers »Gebiet der Freien und Hansestadt Lübeck«, mit Registerblatt), Hauptstadt des gleichnamigen Freistaates, einst Haupt des Hansabundes, an der Mündung der Wakenitz und des Elbe-Travekanals in die Trave gelegen, bildet den Knotenpunkt der Eisenbahnen Eutin-L., L.-Büchen, L.-Hamburg, L.-Travemünde und L.-Schlutup sowie der Linie L.-Strasburg der Mecklenburgischen Friedrich Franz-Bahn und besteht aus der eigentlichen Stadt und drei Vorstädten. Der alte Wall zwischen der Trave und dem frühern Stadtgraben ist seit 1802 zu Promenaden umgeschaffen, zum Teil abgetragen worden. Die Straßen der innern Stadt sind meistens breit und freundlich, gut gepflastert und kanalisiert. Der in der Mitte der Stadt liegende Marktplatz sowie der Klingenberg sind mit sehenswerten Brunnenmonumenten geschmückt. Auf dem Geibelplatz erhebt sich ein schönes, dem Dichter Emanuel Geibel 1889 errichtetes Denkmal, auf dem Bahnhofsvorplatz ein solches für den Fürsten Bismarck (errichtet 1903). Die Häuser der innern Stadt haben meist ein altertümliches Aussehen und zeigen oft reiche architektonische Ornamente, doch gibt es auch zahlreiche Gebäude im modernen Stil. Unter den öffentlichen Gebäuden stehen die Kirchen voran. Namentlich ist die Marienkirche, 116370 gegründet (der jetzige Bau stammt aus den Jahren 12761310), eine der schönsten frühgotischen Kirchen Deutschlands. Sie ist 102 m lang, 56,7 m breit und hat zwei 124 m hohe Türme, drei Schiffe (das mittlere 38,5 m hoch), mehrere sehenswerte Kapellen (darunter eine mit berühmtem Totentanz, ursprünglich im 15. Jahrh. auf Holz gemalt, 1701 in jetziger Gestalt auf Leinwand übertragen) und Grabdenkmäler, einen Hochaltar (1697 von Th. Quellinus gearbeitet) und eine Kanzel von schwarzem Marmor, eine Anzahl von Meisterwerken der ältern deutschen Skulptur, ein künstliches Uhrwerk (von 1565), Gemälde von Overbeck (Einzug Christi in Jerusalem und die berühmte Grablegung Christi), von Mostaert (1518) und Orley sowie eine vorzügliche Orgel. Die Domkirche, 1173 gegründet und im 14. Jahrh. um die Hälfte vergrößert, mit zwei 120 m hohen Türmen, enthält schöne Sarkophage, wertvolle Kunstschätze, darunter ein treffliches Altarbild von Memling (von 1491), und eine neue Orgel (seit 1893). Die Jakobikirche (vor 1227 gegründet), mit einem schlanken, 96,5 m hohen Turm, und die Petrikirche (vor 1170 gegründet), mit einem durch vier Nebenspitzen gezierten Turm von fast 87 m Höhe, enthalten ebenfalls sehenswerte Kunstdenkmäler. Erwähnung verdienen nach die Ägidienkirche, mit 76,5 m hohem Turm, sowie die nicht mehr zum Gottesdienst benutzte schöne Katharinenkirche. Die St. Jürgenkapelle (von 1645) ist von geringerm Umfang, aber ansprechendem Stil.
   Unter den weltlichen Gebäuden ist besonders das Rathaus, ein großes, aus roten und schwarzen verglasten Backsteinen zu verschiedenen Zeiten errichtetes Gebäude, bemerkenswert; es ist im Innern neuerdings einem durchgreifenden Umbau unterworfen (schönes Treppenhaus). Unter dem Rathaus befindet sich der schon im 13. Jahrh. angelegte Ratsweinkeller, ein interessantes Bauwerk mit hohen, seit 1900 durch den Ausbau des sogen. Germanistenkellers fast verdoppelten Gewölben, von Einheimischen und Fremden viel besucht. Die Kriegsstube im Rathaus sowie das Fredenhagensche Zimmer (im Hause der Kaufmannschaft) enthalten sehenswerte Schnitzwerke aus Holz und Alabaster. Ein zierlicher Bau aus dem 13. Jahrh. ist das Hospital zum Heiligen Geist, mit alten Malereien und kunstvollen Schnitzaltären. Beachtung verdienen ferner das Holstentor von 1476 und das Burgtor sowie das Haus der Schiffergesellschaft. In dem 1893 vollendeten Museumsgebäude sind die wertvollen, der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit gehörenden Sammlungen vereinigt, nämlich das Museum Lübeckischer Kunst- und Kulturgeschichte, die Sammlung vorgeschichtlicher Altertümer, das Gewerbemuseum, das Naturhistorische Museum, das Handelsmuseum und die Sammlung von Gemälden, Kupferstichen und Gipsabgüssen (vgl. die Schrift »Das Museum zu L.«). Von Interesse sind noch das neue Schlachthaus mit der Quarantäneanstalt, das städtische Wasserwerk, die Markthalle, das Elektrizitätswerk, das neue Gerichtsgebäude und das Gebäude der Landesversicherungsanstalt der Hansestädte. Die Einwohnerzahl bezifferte sich 1904 mit der Garnison (Infanterieregiment L. 3. Hanseatisches Nr. 162 und Stab der 81. Infanterie-Brigade) auf ca. 91,300 Seelen, meist Evangelische. Die Industrie umfaßt folgende Hauptzweige: Branntweinbrennereien, Bier- und Essigbrauereien, Zigarren- und Zigarettenfabriken und Seifensiedereien, Konserven-, Weißwarenfabriken, Konditoreien, Eisengießereien, Blechemballagen-, Emaillierwerke, Maschinen- und Schiff- und Baggerbauanstalten, Ziegeleien, Portefeuille-, Galanteriewaren- und Mineralwasserfabriken, Fabriken für Präzisions- und hygienische Apparate sowie mehrere bedeutende Säge- und Hobelwerke und die hochentwickelte Fischindustrie. Bei weitem wichtiger aber sind Handel und Schiffahrt. L. ist ein bedeutender Speditionsplatz für die Ostsee und vermittelt in großartigem Maßstab den Handel zwischen Hamburg und dem Innern Deutschlands einer- und den Ostseeküsten anderseits. Nach dem Eintritt der Stadt in den Zollverein (1868) sowie infolge der Ausdehnung ihres Eisenbahnnetzes hat der Handel bedeutend zugenommen. Die Einfuhr betrug:

Die Einfuhr zur See belief sich 1903 auf 83,006,585, die Ausfuhr auf 173,011,867 Mk. Die wichtigern Einfuhrartikel sind: aus Rußland Getreide, Butter, Eier, Holzwaren, Pottasche, Teer, Petroleum, Hanf und Hanföl, Kupfer, Talg; aus Schweden Bauholz, Bretter, Eisen, Kupfer, Stahl; aus Preußen Getreide, Spirituosen, Käse; aus Dänemark Getreide, Fettwaren, Ölsamen, Butter; aus Großbritannien Steinkohlen, Steingut, Roh- und Stangeneisen, Eisenwaren, Leinöl; aus Frankreich Wein, Spirituosen; aus Nordamerika Petroleum etc. Von hervorragendster Bedeutung ist die Einfuhr von Bau- und Nutzholz aus dem Norden. Die Schiffahrt Lübecks geht größtenteils nach europäischen Ländern, vornehmlich nach Schweden, Dänemark und Rußland, dann nach Großbritannien, Preußen und Frankreich. Es kamen an:

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Dampfschiffahrtsverbindung wird durch regelmäßige Fahrten nach verschiedenen Orten der russischen, schwedischen, dänischen und schleswig-holsteinischen Küste unterhalten, besonders nach Kopenhagen, Malmö, Gotenburg, Stockholm, Kalmar, Helsingfors, Wasa, Abo, Hangö, Wiborg, Riga, Reval, Petersburg, Stettin, Königsberg, Danzig, den Rheinhäfen etc. Die die Wasserverbindung zwischen L. und der Ostsee vermittelnde Trave ist seit 1878 mit bedeutendem Kostenaufwand bis zur Stadt selbst auf 7,5 m vertieft worden (bis spätestens 1912 soll die Tiefe 8,5 m erreichen), so daß infolgedessen schon jetzt die größten Seeschiffe an die Stadt gelangen können. Die Hafenanlagen haben in den letzten Jahren großartige Erweiterungen erfahren, an denen im Anschluß an den 1900 vollendeten Bau des Elbe-Travekanals noch fortgesetzt gearbeitet wird. Die lübeckische Reederei ist in starkem Aufschwung begriffen. Während sie noch 1901 nur 25 Schiffe mit 24,792 cbm Nettoraumgehalt zählte, weist sie Anfang 1905 bereits 49 Dampfschiffe und ein Segelschiff mit zusammen 113,007 cbm auf. Zur Unterstützung des Handels dienen: eine Handels- und eine Gewerbekammer, eine allgemeine und eine Produktenbörse, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1904: 925,9 Mill. Mk.), drei Privatbanken, zwei Sparkassen, mehrere Versicherungsanstalten etc.; den Verkehr in der Stadt vermitteln zwei elektrische Straßenbahnen.
   An Anstalten für Unterricht und Bildung bestehen in L.: das seit alters berühmte Katharineum (im ehemaligen Katharinenkloster, Gymnasium, verbunden mit Realgymnasium), ein Reformrealgymnasium, das Johanneum, 2 Realschulen (eine davon Privatanstalt), eine staatliche sowie mehrere private höhere Mädchenschulen, 2 staatliche Haushaltungsschulen, eine Frauengewerbeschule, 4 Mittelschulen, 23 Volksschulen, eine Gewerbeschule, eine Baugewerkschule, eine kaufmännische Fortbildungsschule, mehrere Privathandelslehranstalten, eine Navigationsschule, eine Seedampfschiffsmaschinistenschule, ein staatliches Schullehrer- und ein Lehrerinnenseminar, ein Privat-Lehrerinnenseminar, eine Schule für taubstumme und schwachbefähigte Kinder etc. Ferner hat L. eine Stadtbibliothek mit 153,000 Bänden, einen Ärztlichen Verein mit einer Bibliothek von 30,000 Bänden, eine öffentliche Lesehalle, einen Landwirtschaftlichen Verein, einen Kunstverein, zwei Theater etc. Das Armenwesen ist musterhaft geordnet; unter den Wohltätigkeitsanstalten sind hervorzuheben: die Armenanstalt mit bedeutendem Grundbesitz und einem Kapitalvermögen von etwa 1,450,000 Mk., das St. Johannis-Jungfrauenkloster und die Brigittenstiftung (Versorgungsanstalten für weibliche Personen), das Hospital zum Heiligen Geist (mit 156 Pfleglingen), die Irrenanstalt, das Waisenhaus, die Kinderpflegeanstalt, das allgemeine Krankenhaus, das Kinderhospital, außerdem zahlreiche Privatstiftungen. Das Gesamtvermögen der letztern (ohne den Grundbesitz) wurde 1904 auf 6,569,000 Mk. berechnet, wogegen das der öffentlichen Wohltätigkeitsanstalten zu derselben Zeit 4,187,000 Mk. betrug. L. ist Sitz der Staatsbehörden, eines Hauptzollamtes, der Landesversicherungsanstalt der Hansestädte für die Invalidenversicherung und vieler auswärtiger Konsulate.
   [Geschichte.] Eine Stadt namens L. (Liubice) wird zuerst unter dem christlichen Wendenfürsten Gottschalk (gest. 1066) erwähnt; sie lag an der Mündung der Schwartau in die Trave und wurde 1138 von Race, Fürsten der Rugier, erobert und verwüstet. Graf Adolf II. von Holstein erbaute 1143 ein neues L. auf einem Werder zwischen Trave und Wakenitz, und dieses gewann so rasch an Bedeutung, daß die Kaufleute aus Bardowiek nach L. übersiedelten. Heinrich der Löwe erkannte die günstige Lage, erwirkte 1157 von dem Grafen Adolf die Abtretung der Stadt und widmete der jungen Ansiedelung eifrige Fürsorge. Er gab ihr städtische Verfassung und ein eignes Recht und lud die Städte und Reiche des Nordens zum Handelsverkehr mit L. ein, verlegte 1163 den Bischofssitz aus Oldenburg dahin und erbaute den Dom. Die Stadt hing ihm auch nach seiner Ächtung treu an, bis Friedrich I. 1181 mit einem Heer Gehorsam erzwang. Er bestätigte und erweiterte die Gerechtsame der Stadt durch eine Urkunde von 1188. Heinrich der Löwe gewann 1189 die Herrschaft noch einmal, konnte sie aber nicht behaupten. Die Eroberung Holsteins durch Waldemar II., König von Dänemark, brachte 1201 auch L. unter dessen Gewalt. Nachdem es sich der dänischen Herrschaft entledigt hatte (t 225), erhob es Kaiser Friedrich II. 1226 zur Reichsstadt (civitas imperii). Waldemars Versuch, die nordalbingischen Lande wiederzugewinnen, vereitelte die Schlacht bei Bornhövede (22. Juli 1227); einen in Verbindung mit dem Grafen Adolf IV. gegen L. gerichteten Angriff wehrte die Stadt selbst ab und gewann an der Mündung der Warnow 1234 den ersten Seesieg über die Dänen. Sie gelangte dann rasch zu großer und dauernder Blüte und trat an die Spitze des allmählich sich bildenden Hansabundes (s. Hausa). Unter den Kriegen, die L. in Verbindung mit der Hansa während des 14. Jahrh. führte, ist der bedeutendste der mit Waldemar IV. von Dänemark. Er begann 1361 und endete mit der Einnahme von Kopenhagen und mit dem ruhmvollen Frieden zu Stralsund 24. Mai 1370, in dem der dänische Reichsrat die Wahl eines Königs von der Zustimmung der Hansa abhängig machte. Das Jahr 1408 brachte eine Revolution: der alte patrizische, sich selbst ergänzende Rat mußte sein Amt niederlegen und die Stadt verlassen; ein neuer demokratischer Rat trat an seine Stelle. Als aber Kaiser Siegmund Ernst machte, die über die Stadt ausgesprochene Acht zu vollstrecken, auch König Erich von Dänemark drohte, trat der neue Rat freiwillig zurück, und der alte Rat, an der Spitze der Bürgermeister Jordan Pleskow, zog 1416 wieder ein. Der größtenteils aus Patriziern bestehende Rat regierte dann noch ein Jahrhundert mit Erfolg, bis die Reformation neue Bewegung brachte. Der Bürgermeister Nikolaus Brömse verhalf dem jungen Gustav Wasa zur schwedischen Königskrone; die von den Dänen besetzte Stadt Stockholm ergab sich 1523 den Anführern der lübeckischen Flotte, Berend Bomhauer und Hermann Plönnies, und von diesen empfing Gustav Wasa seine Hauptstadt. Durch ein Bündnis mit L. (5. Febr. 1523) sicherte sich Friedrich I., Herzog von Holstein, als er nach Christians II. Vertreibung die Berufung auf den dänischen Königsthron annahm Gegen Brömse, der zugleich eifrig katholisch war, erhob sich wieder eine Volksbewegung, die ihn zur Flucht nötigte. Die Reformation ward durch Meyers Bugenhagen (s. d.) seit 1530 eingeführt, und Jürgen Meyers Wullenweber (s. d.) trat auf kurze Zeit an die Spitze der Stadt. Er wollte noch einmal die Herrschaft

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über Dänemark gewinnen, wurde aber gestürzt; die Stadt erlangte einen ehrenvollen Frieden (1535), und zugleich wurde die alte Verfassung nochmals wieder eingeführt. Brömse kehrte zurück. Das Verhältnis mit Dänemark wurde nach der Thronbesteigung Friedrichs II. durch den Vertrag von Odense 1560 neu geordnet, und dieser König wurde dann der Verbündete Lübecks in einem Kriege mit Schweden. Zwar wurde der Stadt im Frieden zu Stettin 1570 eine Entschädigungssumme zugesprochen, aber niemals bezahlt. Seitdem führte L. keinen Krieg mehr, die politische Größe war vorüber. Auch der Handel, die Grundlage der Macht, verlor seine frühere Bedeutung und ging auch absolut zurück. Am 12. Mai 1629 wurde hier zwischen Kaiser Ferdinand II. und König Christian IV. von Dänemark der das zweite Viertel des Dreißigjährigen Meyers Kriegs (s. d., S. 190) beendende Friede geschlossen (vgl. E. Wilmanns, Der Lübecker Friede 1629; Bonn 1904).
   In der Mitte des 17. Jahrh. entstanden neue bürgerliche Unruhen, und nun erlangte die Bürgerschaft durch die Rezesse von 1665 und 1669 eine wirkliche Teilnahme an der Regierung der Stadt, die dauernd unter den Kriegen der nordischen Mächte und durch die Belästigungen der mächtiger gewordenen Nachbarn litt. Doch schwebte immer noch ein Glanz um den Namen der Hansa und sicherte ihr eine ehrenvolle Stellung. Seit Mitte des 18. Jahrh. hob sich der Verkehr wieder und erzeugte einen steigenden Wohlstand, ja die Blockade der Elbe 1803 veranlaßte sogar einen großen Teil des hamburgischen Handels zum Übergang nach L. L. suchte, wie in frühern Kriegen, Neutralität zu bewahren, aber eine Abteilung (20,000 Mann) des bei Jena geschlagenen preußischen Heeres unter Blücher besetzte es 5. Nov. 1806, ward jedoch schon tags darauf von Bernadotte, Soult und Murat vertrieben, worauf die mit Sturm genommene Stadt drei Tage lang der Plünderung preisgegeben wurde. 1810 ward sie dem Departement der Elbmündung einverleibt. Im Frühjahr 1813 durch die Russen für kurze Zeit befreit, bildete L. die hanseatische Legion mit, wurde abermals von den Franzosen okkupiert und erhielt vom Kronprinzen von Schweden 5. Dez. die Selbständigkeit und Freiheit zurück, worauf die frühere Verfassung wiederhergestellt wurde. In der folgenden Friedenszeit war das Hauptaugenmerk der Regierung auf Belebung des Verkehrs zu Wasser und zu Lande gerichtet. Die Pariser Februarrevolution ging auch an L. nicht spurlos vorüber. Man ging aus eignem Antrieb an eine Reform der immer noch in Kraft gebliebenen Rezesse von 1665 und 1669. Schon 11. März 1848 ward durch Senatsbeschluß die Preßfreiheit eingeführt, und 8. April trat eine zwischen Senat und Bürgerschaft vereinbarte neue Verfassung in Kraft, und die neu konstituierte Bürgerschaft ward zum erstenmal 2. Juni 1848 vom Senat zusammenberufen. Am 30. Dez. 1848 wurde die revidierte Verfassung in ihrer neuen Form publiziert, aber durch die vom 29. Dez. 1851 (revidiert 7. April 1875) außer Geltung gesetzt. Als See- und Handelsstadt empfand L. die Rückwirkungen des Krieges mit Dänemark (1849), mit dem es in besonders lebhaftem Handelsverkehr gestanden hatte, schwer, aber die Regierung bahnte dem Verkehr, besonders durch Handelsverträge mit fremden Mächten, neue Wege. Am 18. Aug. 1866 trat L. dem Bündnisvertrag zwischen Preußen und den übrigen Staaten des Norddeutschen Bundes bei, nachdem es schon mit seinem Kontingent, einem Bataillon Infanterie, in der oldenburgisch-hanseatischen Brigade an den Operationen der preußischen Mainarmee teilgenommen hatte. Am 27. Juni 1867 schloß L. eine Militärkonvention mit Preußen und trat 11. Aug. 1868 in den Zollverein, nachdem ihm mehrere Erleichterungen, namentlich für den bedeutenden Weinhandel und das nordische Geschäft, vertragsmäßig zugesichert worden waren. Zur Hebung des Schiffsverkehrs haben die Erbauung des 1900 eröffneten Elbe-Travekanals für 23 Mill. Mk. sowie beträchtliche Hafenerweiterungen beigetragen; gegenwärtig beträgt der Tiefgang bis an die Stadt 7,5 m. Als Bundesstaat ist L. im Bundesrat vertreten und unterhält mit Bremen und Hamburg gemeinsam die hanseatische Gesandtschaft in Berlin, wie ebenfalls das hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg und die Versicherungsanstalt für die Invaliditäts- und Altersversicherung in L. den drei Städten gemeinsam ist. Ende 1904 wurde eine Lotteriegemeinschaft mit Preußen abgeschlossen, derzufolge die preußischen Lose ausschließlich im Lübecker Staatsgebiet zugelassen sind und L. eine jährliche Entschädigung von 200,000 Mk. bekommt. Seit 1904 trägt das 3. hanseatische Infanterieregiment Nr. 162 den Namen »Lübeck«. In seiner »Bürgerschaft« hatte L. 1. Jan. 1905 keinen Sozialdemokraten: eine seltene Ausnahme innerhalb der einzelstaatlichen Parlamente des Deutschen Reiches. Um diesen Zustand zu erhalten, wurde 1905 eine Verfassungsänderung durchgeführt.
   Vgl. Deecke, Die Freie und Hansestadt L. (4. Aufl., Lüb. 1881); »Die Freie und Hansestadt L.« (hrsg. von der Geographischen Gesellschaft in L., das. 1891); »Lübeck«, Festschrift zur 67. Naturforscherversammlung in L. (das. 1895); Holm, L., die Freie und Hansestadt (Bielef. 1900); »Statistik des Lübeckschen Staats« (Lüb. 1871 ff.); Becker, Geschichte der Stadt L. (das. 17821805, 3 Bde.); M. Hoffmann, Geschichte der Freien und Hansestadt L. (das. 188992); Deecke, Lübische Geschichten und Sagen (3. Aufl., das. 1891); Waitz, L. unter Jürgen Wullenweber (Berl. 1855 bis 1856, 3 Bde.); Geffcken, L. in der Mitte des 16. Jahrhunderts (Lüb. 1905); Klug, Geschichte Lübecks während der Vereinigung mit dem französischen Kaiserreich (das. 1857); Frensdorff, Stadt- und Gerichtsverfassung Lübecks im 12. und 13. Jahrhundert (das. 1861); Pauli, Lübecksche Zustände im Mittelalter (das. 1872); »Urkundenbuch der Stadt L.« (das. 18431904, Bd. 111); Stiehl, Geschichte des Theaters in L. (das. 1901); »Chroniken der deutschen Städte«, Bd. 19, 26 und 28: Lübecker Chroniken (Leipz. 18841903); »Zeitschrift des Vereins für lübeckische Geschichte« (Lüb. 1860 ff.); Weiteres s. Meyers Hansa.
 
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Lübeck, zum Großherzogtum Oldenburg gehöriges Fürstentum (s. Karte »Oldenburg«), an der Ostsee (Lübecker Bucht) zwischen holsteinischem und lübeckischem Gebiet gelegen, 541 qkm (9,83 QM.) groß mit (1900) 34,340 Einw., davon 392 Katholiken und 15 Juden, bildet eine wellenförmige, größtenteils fruchtbare, von Wäldern, Seen und anmutigen Hügel ketten durchzogene Ebene. Die Bevölkerung ist niedersächsischen Stammes und fast ausschließlich evangelisch. Das Fürstentum, von der Ostholsteinischen und der Eutin-Lübecker Bahn durchschnitten, zerfällt in die Stadtgemeinde Eutin und die Ämter Eutin und Schwartau. Hauptstadt und Sitz der Regierung ist Eutin, woselbst sich auch der Provinzialrat von elf Mitgliedern versammelt. Das Land gehörte ursprünglich zum Gebiete des Hochstifts Lübeck (vgl. Lübeck [Stadt], S. 758,2. Spalte). König Otto I. gründete 948 in der Stadt Aldenburg (Oldenburg) in

[Bd. 6, Sp. 760]


Wagrien (dem östlichen Holstein) ein Bistum, das dem Erzstift Bremen unterstellt ward. Adalbert von Bremen trennte 1052 die beiden Bistümer Meyers Ratzeburg (s. d.) und Mecklenburg (-Schwerin) ab. Der heil. Vicelin, der Apostel der Wagrier und Obotriten, war hier Bischof 114954. Im J. 1163 verlegte Heinrich der Löwe den Sitz des Bistums nach Lübeck, die Residenz des Bischofs aber war Eutin. Nach Heinrichs Ächtung wurde das Bistum reichsunmittelbar, und unter Bischof Heinrich III. drang 1530 die Reformation in Lübeck ein. Nach seinem Tode (1535) wurde Detlev v. Reventlow erster evangelischer Bischof, 1586 aber wählte das Domkapitel den Herzog Johann Adolf von Holstein-Gottorp, und weil dieses Haus die Säkularisierung des Hochstifts im Westfälischen Frieden verhinderte, so wählte das Kapitel fortan stets Bischöfe aus dem Hause Holstein-Gottorp. Als 1802 durch den Hauptdeputationsrezeß das Bistum und Domkapitel aufgehoben wurden, erhielt der Herzog von Oldenburg die genannten Besitzungen zur Entschädigung für die Aufhebung des Elsflether Weserzolles als weltliches Fürstentum, wobei jedoch der Stadt Lübeck die Domgebäude u. einige Kapitelsdörfer zufielen. Nachdem Oldenburg 1842 das holsteinische Kirchspiel Gleschendorf gegen das Kirchspiel Ratekau durch Vertrag mit Dänemark eingetauscht hatte, erwarb es 1867 das holsteinische Amt Ahrensböck von Preußen. Das Wappen ist ein goldenes, schwebendes, mit einer silbernen, goldverzierten Bischofsmütze bedecktes Kreuz im blauen Feld. Vgl. Laspeyres, Die Bekehrung Nordalbingiens und die Gründung des Wagrischen Bistums Aldenburg-Lübeck (Brem. 1864); »Codex diplomaticus Lubecensis«, 2. Abt. (Oldenb. 1856); Alberts, Das Fürstentum L., Heimatskunde (Eutin 1883); Kollmann, Statistische Beschreibung der Gemeinden des Fürstentums L. (Oldenb. 1901); Illigens, Geschichte der lübeckischen Kirche von 15301896, d. i. des ehemaligen katholischen Bistums etc. (Paderb. 1896); Schreiber, Die Reformation Lübecks (Halle 1902).
 
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Lübeckern, s. Meyers Kegelspiel.
 
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Lüben (L. in Schlesien), Kreisstadt im preuß. Regbez. Liegnitz, an der Staatsbahnlinie Ziegenhals-Randten, 128 m ü. M., hat. eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Schloß, Denkmäler Kaiser Wilhelms I. und Bismarcks, Amtsgericht, Provinzial-Irrenanstalt, Zuckerfabrik, Klaviaturen- und Sattelfabriken, Molkerei, 3 Dampfsägemühlen, Dampfziegelei und (1900) mit der Garnison (ein Dragonerregiment Nr. 4) 6112 meist evang. Einwohner.
 
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Lüben, 1) August, Volksschulpädagog, geb. 28. Jan. 1804 in Golzow bei Küstrin, gest. 27. Okt. 1873 in Bremen, wurde 1822 Hilfslehrer am Seminar in Weißenfels unter Harnisch, 1825 Lehrer zu Alsleben an der Saale, 1829 Lehrer, später Oberlehrer und Leiter der Bürgerschule zu Aschersleben, 1850 Rektor der Bürgerschule zu Merseburg und 1858 Seminardirektor in Bremen. Unter seinen zahlreichen methodisch-pädagogischen Schriften hat besonders die »Anweisung zu einem methodischen Unterricht in der Pflanzenkunde« (Halle 1832, 6. Aufl. 1879), der 1836 eine gleiche für den »Unterricht in der Tierkunde und Anthropologie« (4. Aufl., Leipz. 1879) folgte, epochemachend gewirkt, indem sie den Unterricht statt von systematischer Übersicht von der Anschauung charakteristischer Typen jeder Art, Gattung etc. ausgehen läßt. Außerdem sind hervorzuheben: »Einführung in die deutsche Literatur« (10. Aufl. von Huth, Leipz. 18921396, 3 Tle., mit Nacke, mit dem er auch das weitverbreitete »Lesebuch für Bürgerschulen« herausgab); dazu als Beispielsammlung: »Auswahl charakteristischer Dichtungen und Prosastücke zur Einführung in die deutsche Literatur« (7. Aufl. von Huth, das. 1897, 3 Tle.); »Die Hauptformen der äußern Pflanzenorgane« (das. 1846, 2. Aufl. 1871) sowie die von L. herausgegebenen Zeitschriften: »Pädagogischer Jahresbericht« (seit 1857) und »Der praktische Schulmann« (seit 1871). Vgl. »A. L., sein Leben und seine Schriften, von ihm selbst beschrieben« (Leipz. 1873).
   2) Adolf, Maler, geb. 1. Sept. (20. Aug.) 1837 in Petersburg, bildete sich seit 1853 in Berlin, seit 1860 in Antwerpen, trat dann zur Landwirtschaft über, gab sie aber bald wieder auf und übte in Berlin selbständig seine Kunst aus. 1876 siedelte er nach München über. Seine Hauptwerke sind: verunglückte Medizin (sechsmal wiederholt, 1872), Entwischt (1872), Schützenzug (1876), Aschermittwoch (1876), Versteigerung, Schnaderhüpfel (1879), Wilderer (1883), der Gang zum Kranken (1886), Taufschmaus (1888), auf dem Friedhofe (1891), Aussegnung einer Kinderleiche, Erwartung, nach der Arbeit, in der Sommerfrische, Taubenfütterung (1901) und musikalische Versuche (1903). Die Behandlung humoristischer Stoffe gelingt ihm am besten.
 
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Lubentīna (Lubentia), Göttin, s. Libitina.
 
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Luberon (spr. lüb'róng, Léberon), Gebirgszug der westlichen Kalkalpen im franz. Depart. Vaucluse, zieht sich zwischen den Tälern der Durance und des Coulon von O. nach W. hin und erhebt sich bis zu 1125 m.
 
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Lubilasch, linker Nebenfluß des Kongo, s. Meyers Lomami.
 
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Lübisch (Lübisch-Kurant), die früher in Lübeck und Hamburg übliche Kurantwährung, nach der bis 1797 Silbermünzen von 33/4, 3, 2 und 1 Mark, 8, 4 und 2 Schilling geprägt wurden, 34 Mark aus der hamburgischen Kölner Mark sein, die Kurantmark mit 6,873 g Silber. Das Gesetz vom 16. Dez. 1856 setzte den Wert der Kurantmark wegen Abschleifens auf 1/3 Kölner Mark = 1,2 Mk. Reichswährung herab.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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