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Lotophāgen bis Lotstörung (Bd. 6, Sp. 731 bis 732)
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Artikelverweis Lotophāgen (griech., »Lotosesser«), bei Homer ein an der Nordküste Libyens wohnendes Volk, das von den Früchten des dort einheimischen Lotosbaums lebte. Sie nahmen den Odysseus mit seinen Gefährten gastfrei auf; doch vergaßen letztere über der Süßigkeit der Lotosfrucht ihr Vaterland und die Heimkehr. Spätere Autoren setzen die L. an die Küste der Kleinen Syrte (vgl. Dscherba).
 
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Lotos, antiker Pflanzenname, der sich auf sehr verschiedene Pflanzen bezieht. Unter dem L. der Lotophagen des Homer hat man Bäume oder Sträucher mit süßen, saftigen Beeren zu verstehen, und man glaubt ihn in Zizyphus lotus und Z. spina Christi, auch in Celtis australis zu erkennen. Der L., den bei Homer die Pferde fressen, ist wohl eine Kleeart, vielleicht Melilotus, aber nicht unser heutiger Meyers Lotus (s. d.). Endlich hat man unter L. (Lotosblumen) verschiedene Wasserlilien zu verstehen, besonders Nymphaea lotus, N. caerulea, N. edulis und Nelumbium speciosum (s. Tafel Meyers »Wasserpflanzen«). Die symbolische Behandlung des L. in den Mythologien bezieht sich ausschließlich auf diese Wasserlilien, die Vorstellung einer Schöpfung aus dem Wasser und die befruchtende Wirkung des Wassers für das Land. Es kommt hinzu die sogen. Sympathie mit den großen Himmelsleuchten, sofern einzelne Seerosen morgens mit der Sonne aus der Flut emportauchen und abends mit ihr untersinken, andre mit einbrechender Nacht dem Mond ihren Kelch erschließen. Ägyptische, assyrische und indische Tempelwände, Säulen und Kultgeräte sind mit Lotosbildern bedeckt (s. Tafel Meyers »Pflanzenornamente I«, Fig. 1). Insbesondere hat die ägyptische Baukunst aus der Lotosblume das sogen. Lotoskapitell entwickelt, das zu den am meisten charakteristischen Gliedern ihres Systems gehört (s. Abbildung aus dem Tempel in Karnak, auch Tafel Meyers »Architektur I«, Fig. 13, 14). Vgl. Foucart, Histoire de l'ordre lotiforme (Par. 1897); Borchardt, Die ägyptische Pflanzensäule (Berl. 1897).
 
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Lotperlen, s. Perlmuschel.
 
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Lotrecht, soviel wie in der Richtung des Lotbleies, senkrecht, perpendikulär (s. Meyers Lot, S. 725).
 
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Lötrohr, ein Metallrohr zum Anblasen der Flamme beim Löten und bei der Analyse von Mineralien und andern Körpern. Als L. kann ein etwas konisches, am dünnern Ende rechtwinklig gebogenes Metallrohr dienen, in der Regel aber steckt man ein gerades, etwas konisches, mit Mundstück versehenes Messingrohr mit seinem schwächern Ende in einen erweiterten zylindrischen Körper (Wassersack), der als Sammler der aus der ausgeatmeten Luft sich absetzenden Feuchtigkeit dient und eine zweite Öffnung besitzt, in der rechtwinklig zu dem erstern Rohr ein kurzes, dünnes, ebenfalls konisch zulaufendes Rohr mit einer sein durchbohrten Platinspitze steckt. Letztere hält man an den Mantel der Öl-, Spiritus- oder Gasflamme, während man durch das Mundstück einen gleichmäßigen starken Luftstrom erzeugt. Die Länge des Lötrohrs richtet sich nach der Weite des deutlichen Sehens und beträgt gewöhnlich 2025 cm. An der erzeugten Stichflamme unterscheidet man die innere Reduktions- und die äußere Oxydationszone, in der vollständige Verbrennung stattfindet und überschüssiger Sauerstoff vorhanden ist. Im Innern der Flamme befinden sich noch unverbrannte Gase, und diese wirken bei völliger Abwesenheit von Sauerstoff reduzierend, indem sie bei der hohen Temperatur auf Kosten des erhitzten Körpers zu verbrennen suchen. Man bläst mit Hilfe der Wangenmuskeln und muß während des Blasens ruhig atmen, damit die Flamme nicht gestört wird. Man benutzt aber auch Gebläse, am besten zwei Gummibälle, deren einer als Windsack dient. Die vor dem L. zu untersuchenden Substanzen erhitzt man auf Holzkohle, auf Platinblech oder in einem Platindrahtöhr entweder allein oder mit Lötrohrreagenzien (Soda, Phosphorsalz, Borax) und schließt aus den Erscheinungen, die hierbei auftreten, auf die Natur und die Bestandteile des Körpers. Man beachtet das Verhalten in der Oxydations- und Reduktionsflamme, die Schmelzbarkeit, Flüchtigkeit, das Verhalten des aus Oxyden reduzierten Metalls, die Bildung eines Beschlages von Metalloxyd auf der Kohle, die Beschaffenheit der im Platindrahtöhr gebildeten Phosphorsalz- oder Boraxperle etc. Die Lötrohranalyse liefert sofort Resultate. Diese sind meist nur qualitativer Art und oft nur andeutend, doch kann man einige Körper auch quantitativ mit dem L. bestimmen. Das L. wurde zuerst 1670 von Erasmus Bartholin benutzt und in Schweden bald als wichtige Hilfe bei mineralogischen und chemischen Untersuchungen geschätzt. Gahn, der dem L. seine jetzige Gestalt gab, legte auch den Grund zu dessen wissenschaftlichem Gebrauch. Berzelius veröffentlichte Gahns Methode und 1820 ein eignes Werk über das L. Harkort zeigte 1827, daß das L. auch zu quantitativen Untersuchungen zu benutzen sei, und Plattner erweiterte seine Methode und gab dem L. das Mundstück. Vgl. Plattner, Die Probierkunst mit dem L. (6. Aufl. von Kolbeck, Leipz. 1897); Kerl, Leitfaden bei qualitativen und quantitativen Lötrohruntersuchungen (2. Aufl., Klausthal 1877); Kobell, Tafeln zur Bestimmung der Mineralien (14. Aufl. von Öbbeke, Münch. 1901); Landauer, Lötrohranalyse (2. Aufl., Berl. 1881); Roß, Das L. in der Chemie und Mineralogie (deutsch, Leipz. 1889); Hirschwald, Anleitung zur systematischen Lötrohranalyse (das. 1891); Redlich, Anleitung zur Lötrohranalyse (2. Aufl., Leoben 1903).
 
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Lötschental, ein rechtsseitiges Nebental der Rhone in Wallis, steigt von Gampel (641 m) aus schluchtartig in das Gebirge hinauf und öffnet sich bei Ferden (1200 m) zu dem breitern, in Dörfern und Weilern bewohnten, angebauten Muldental der Lonza, das zwischen zwei Bergzügen der Finsteraarhorngruppe eingebettet liegt. Das Tal hat ca. 1200 Deutsch redende und wesentlich Alpwirtschaft treibende Einwohner. Aus dem L. führen drei Pässe nach Leukerbad, über den Ferdengletscher, den Restigrat und über Faldum, sowie einer über den Lötschberg nach dem Kandertal.

[Bd. 6, Sp. 732]



 
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Lotse (Lotsmann, franz. Pilote, engl. Pilot), Seemann, der die Führung fremder Schiffe auf schwierigem, ihm genau bekannten Fahrwasser übernimmt. Seelotsen lotsen Schiffe zwischen der See und den Außenhäfen oder zwischen der See und den Eingängen der Binnengewässer; Binnenlotsen (Strom-, Haff-, Revierlotsen) führen die Schiffe auf Binnengewässern; Hafenlotsen besorgen das Verholen der Schiffe in den Häfen sowie in die Trockendocks und durch die Flutschleusen. Der L. hat seinen Platz auf der Kommandobrücke. Lotsenboote (Lotsenkutter) sind in der Bauart Rettungsbooten ähnlich. Lotsendampfer zum Absetzen der Lotsen werden vor wichtigen Seehäfen gebraucht. Lotsenschoner kreuzen oft weit seewärts vor ihren Häfen, um ankommende Schiffe zeitig mit Lotsen zu versorgen. Die Tätigkeit des Lotsen, Schiffe ein- und auszubringen, wird Lotsen und die Strecke, auf der ein L. nach Ortspolizeivorschrift genommen werden muß, wo also Lotsenzwang besteht, heißt Lotsenfahrwasser. Die Lotsen betreiben ihr Geschäft entweder als Gewerbe, oder sie sind Angestellte der Gemeinden oder des Staates, der Lotsenstationen unterhält, die durch Lotsenkommandeure und Oberlotsen verwaltet werden. Die Bremer Lotsen, deren Reglement von 1710 datiert, sind die ältesten Weserlotsen. In Hamburg führen die vor der Elbmündung kreuzenden Seelotsen (Kreuzerlotsen) die Schiffe bis Kuxhaven. Dort übernimmt der Binnenlotse oder Revierlotse (Admiralitäts-, Galeotslotse) die Führung bis zu der Hamburger Lotsenstation Bösch (daher auch Böschlotse genannt). Kontorlotsen sind bei großen Dampfergesellschaften fest angestellte Lotsen. Die deutsche Gewerbeordnung (§ 31, 34) verlangt zum Betrieb des Lotsengewerbes den Befähigungsnachweis und überläßt es der Landesgesetzgebung, ob sie eine besondere Genehmigung für den Betrieb des Lotsengewerbes als erforderlich bezeichnen will. Regelmäßig bestehen feste Tarife für das zu zahlende Lotsengeld. Im Interesse der Verkehrssicherheit ist vielfach der Lotsenzwang eingeführt, d. h. die Verpflichtung zur Annahme eines Lotsen für Schiffe in bestimmten Küstengewässern. Für den größten Teil der deutschen Küste besteht Lotsenzwang. Nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (Art. 622) ist das Lotsengeld, wenn keine Verabredung darüber getroffen wurde, vom Verfrachter zu tragen. Auch besteht die Bestimmung (Art. 740), daß der Reeder, wenn sich das Schiff unter Führung eines Zwangslotsen befunden hat, bei dem Zusammenstoß des Schiffes mit einem andern für den Schaden nicht aufzukommen braucht, wofern die zur Schiffsbesatzung gehörigen Personen ihre Pflichten erfüllt haben und der Zusammenstoß durch den Zwangslotsen verursacht worden ist. Die Lotsen sind verpflichtet, auch bei stürmischer See an Bord der Schiffe zu gehen, die sie durch das sogen. Lotsensignal, die Lotsenflagge, rufen. Nach der deutschen Not- und Lotsensignalordnung vom 14. Aug. 1876 (Reichsgesetzblatt, S. 187) gelten als Lotsensignale die am Vormast geheißte, mit einem weißen Streifen umgebene Reichsflagge (Lotsenflagge, s. Tafel Meyers »Deutsche Flaggen«, Fig. 19, zum Artikel »Deutschland«, S. 799) oder das Signal P. T. des internationalen Signalbuches (s. Tafel Meyers »Flaggen II«, Bd. 6), bei Nacht Blaufeuer oder ein in kurzen Zwischenräumen gezeigtes weißes Licht. Vgl. Purlitz, Das deutsche Lotsenwesen (Bremerhaven 1903).
 
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Lotsenfisch, s. Meyers Pilot.
 
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Lotsengaljot, s. Meyers Galjaß.
 
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Lotsenglas, s. Meyers Nachtfernrohr.
 
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Lotstörung, s. Meyers Lotablenkung.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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