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Maienwand bis Maifröste (Bd. 6, Sp. 119 bis 120)
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Artikelverweis Maienwand, s. Meyers Mayenwand.
 
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Maier (Meier, Majer, Mayer, v. lat. major, der Größere, Mächtigere), ursprünglich ein Beamter der Grundherrschaft (lat. villicus), der die von den Grundholden zu entrichtenden Zinsen und Gefälle einzog und der Hauptverwaltung verrechnete und ablieferte. Später wurden die Leistungen der Kolonen bestimmter fixiert und der M. zur Abführung eines bestimmten Zinses an die grundherrliche Kammer verpflichtet. Mit der Entwickelung der Landeshoheit trat der landesherrliche Vogt an die Stelle des Maiers, und diese Bezeichnung ging auf die Verwalter herrschaftlicher Güter (Maiergut, Maierhof) und auch auf die Kolonen selbst über, die dem Gutsherrn einen jährlichen Zins (Maierzins) zu entrichten hatten. Maierbrief hieß die Urkunde, welche die nähern Bedingungen des Verhältnisses zwischen Gutsherrn und Kolonen enthielt. In manchen Gegenden wird das Wort M. auch für Pächter gebraucht, daher Malerei (Meierei) soviel wie Pachthof und dann gleichbedeutend mit landwirtschaftlichem Gut. Vgl. die Artikel »Bauer, Bauerngut, Kolonat«.
 
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Maifeier, Feier des 1. Mai als des Weltfeiertags der Arbeiter. Sie beruht auf dem Beschluß des im Juli 1889 abgehaltenen internationalen Arbeiterkongresses und sollte ursprünglich eine mit einer allgemeinen Arbeitseinstellung verbundene Kundgebung für den achtstündigen Normalarbeitstag sein. Die Vorbereitungen für die erste Maifeier 1890 verursachten unter den Arbeiterparteien selbst Spaltungen und zogen eine Reihe von Lohnkämpfen nach sich; ebenso führten die tatsächlich erfolgenden Arbeitseinstellungen und die damit zusammenhängenden Entlassungen der feiernden Arbeiter seitens der Arbeitgeber zu mehreren für die Arbeiter ungünstigen Streiks. Übrigens war die Arbeitsfeier durchaus keine allgemeine. 1891 kam es in Belgien, Italien und Frankreich zu Demonstrationen und blutigen Zusammenstößen, aber seit 1892 verlief der 1. Mai zumeist ruhig; nur ganz vereinzelt wurde die Arbeit seitens der Arbeiter ausgesetzt, vielmehr die M. entweder am Abend des 1. Mai oder am darauffolgenden Sonntag begangen.
 
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Maifeld, s. Meyers Märzfeld.
 
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Maifeld, bei Seedeichen der begrünte, vom übrigen Vorlande durch einen 3 m breiten Bermegraben abgegrenzte, natürliche Geländestreifen, von dem aus die 2,55fache Außenböschung des Deiches sich erhebt. Das M. wird von den gewöhnlichen Springfluten nicht mehr überschwemmt und ist bei hohem, grünem Vorland gleichbedeutend mit der Außenberme.
 
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Maifeld (Maiengau), Landstrich in der Eifel (s. d., S. 439). Vgl. v. Ledebur, Der Maiengau oder das Mayenfeld (Berl. 1842).
 
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Maifest, eine altherkömmliche, durch das ganze nordwestliche Europa verbreitete und früher außerordentlich volkstümliche Feier des neu erwachenden Lebens in der Natur. Sie zerfiel in zwei getrennte Teile, deren erster, die Vertreibung des Winters, an vielen Orten bereits in den Fastenzeiten oder zu Ostern stattfand. Eine Puppe in Gestalt eines alten Mannes wurde hierbei bekämpft, in dramatischen Spielen besiegt, enthauptet oder gesteinigt und endlich verbrannt, ins Wasser gestürzt oder aufgehängt. Um damit symbolisch auch alles Ungemach, Krankheit und Tod, die der Winter im Gefolge führt, mit zu verbannen, ward diese Zeremonie auch das Meyers Todaustragen (s. d.) genannt. Auf die Verbannung des Winters folgt dann die Einführung oder Eroberung des Frühlings, denn oft, wie z. B. im englischen Meyers Morrisdance (s. d.), nahm das ganze Fest die Gestalt eines Kampfes (Niederwerfung des Winterdrachens) oder eines Waffentanzes (s. d.) an und wurde im Süden meist schon 23. April (Georgsfest), in Mitteldeutschland 1. Mai, in England am Pfingstfest gefeiert. Die Hauptrolle dabei spielt meist das Gesundheits- und Fruchtbarkeitssymbol, der Maibaum, gewöhnlich eine stattliche Birke mit eben entfaltetem Blätterschmuck (Maien), die feierlich eingeholt, mit Bändern, Kränzen, Kronen etc. aufgeputzt, in Prozession von Haus zu Haus geführt und schließlich auf einem Hauptplatz eingepflanzt wird, um darum zu tanzen oder die üblichen Spiele zu begehen. Auch pflanzen die jungen Leute zum M. ihren Bräuten einen Maibaum vor das Fenster. An vielen Orten wird der Mai auch noch durch die Laubeinkleidung, d. h. durch Puppen oder junge Leute personifiziert, die gänzlich in grünes Laub gekleidet werden (grüner Georg, Pfingstlümmel, Gras- oder Lattichkönig etc.) und zur Erzielung eines fruchtbaren Jahres schließlich ins Wasser geworfen werden. Häufig reiht sich ein Wettrennen zu Pferde an, womit in Thüringen, Bayern etc. ein Kran z- oder Bosselstechen verbunden wird. Der Sieger ist für das nächste Jahr Mai-, Blumengraf oder Pfingstkönig, der sich eine Pfingstkönigin wählt und alle beim M. stattfindenden Umzüge und Unterhaltungen als Anführer zu leiten hat. Vielfach verbindet sich mit dem M. der Gebrauch des Meyers Mailehen (s. d.). Die wichtigste der weitern Zeremonien besteht in einem Umzug durch die Ortschaft und um die Saatfelder, der gewöhnlich mit Musik und Pomp zu Pferde geschieht (Umritt, Mai- oder Pfingstritt), und mit dem in Hannover und Westfalen zugleich der erste allgemeine Austrieb des Viehes (Wettaustreiben) stattfindet. Auch das Maibad, ein Baden im Maientau der Wiesen in der Nähe der Walpurgiskapellen, und das Maientrinken, das der heil. Walpurgis gewidmete Minnetrinken im Maitau, durch das man sich neue Kraft und Gesundheit für das ganze Jahr zu erwerben hoffte, war weit verbreitet. Vgl. Mannhardt, Wald- und Feldkulte (Berl. 187577, 2 Bde.; Bd. 1 in 2. Aufl. von Heuschkel, 1904); Rochholz, Drei Gaugöttinnen als deutsche Kirchenheilige (Leipz. 1870); Pabst, Die Volksfeste der Maigrafen (Berl. 1865).

[Bd. 6, Sp. 120]



 
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Maifeuer, s. Meyers Mailehen.
 
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Maifisch, s. Meyers Alse, Meyers Rohrkarpfen und Killifisch.
 
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Maiforelle (Seeforelle), s. Meyers Forelle.
 
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Maifröste, Kälterückfälle (s. d.) im Mai, besonders die Kälterückfälle am 11., 12. und 13. Mai, den sogen. Gestrengen Herren oder Eisheiligen, Eismännern (Mamertus, Pankratius und Servatius), da der Volksglaube an diesen Tagen schadenbringenden Frost erwartet. Die Temperatur der Luft liegt in dieser Zeit dem Gefrierpunkt noch so nahe, daß bei stärkerer Abkühlung Frost und damit Schädigung der noch jungen Vegetation erfolgt. Diese Kälterückfälle treten nicht in jedem Jahr ein, können sich auch verfrühen oder verspäten, scheinen aber in einer Reihe von Jahren häufiger, dann aber wieder seltener zu sein. Trotz eingehender Untersuchungen kennt man ihre Ursache nicht. Gewöhnlich bewirkt eine (aus noch unbekanntem Anlaß erscheinende) Depression im Südosten im Verein mit einem Hochdruckgebiet im Nordwesten von Europa einen Kälterückfall in dem einen oder andern Teile Zentraleuropas; darauf bringt oft das Hochdruckgebiet von Nordwesten her vor und verstärkt den Rückfall teils durch kalte nordöstliche Winde, teils durch Wärmeausstrahlung in der Nähe des Erdbodens. Zur Geschichte der M. vgl. Hellmann in der »Meteorologischen Zeitschrift« 1900, und Maurer, ebenda 1903.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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