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Magus aus Norden bis Mahâbhârata (Bd. 6, Sp. 100 bis 101)
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Artikelverweis Magus aus Norden, s. Meyers Hamann.
 
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Magyar (spr. mádjar), László, ungar. Reisender, geb. 1817 in Maria-Theresiopel, gest. 9. Nov. 1864, studierte in Fiume die nautischen Wissenschaften, ging dann nach Argentinien, wo er am Kampfe gegen Uruguay teilnahm, 1847 nach Westafrika, zunächst zum Kongo, dann nach den portugiesischen Besitzungen, wo er sich mit der Tochter eines Negerhäuptlings in Bihé verheiratete und Reisen in das Land des Muata Jamvo, zum Kunenefluß und in das Quellgebiet des Sambesi unternahm. Nach der Ermordung seines Schwiegervaters nach der Küste zurückgekehrt, starb er in großer Armut zu Dombo Grande. Der erste Teil seiner auf Kosten der ungarischen Akademie gedruckten Reiseberichte erschien 1859 in ungarischer Sprache (deutsch von Hunfalvy: »Reisen in Südafrika 18491857«, Pest 1859).
 
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Magyarád (spr. mádjărād), 1) Großgemeinde im ungar. Komitat Arad, als Muszka-M. Station der Bahnlinie Arad-Brád, in der Arader Hegyalja, mit hervorragendem Weinbau, Dampfmühle und (1901) 2337 meist rumänischen (griechisch-oriental.) Einwohnern. 2) Dorf und Badeort im ungar. Komitat Hont, nordwestlich von Ipolyság, mit Schwefelthermen und (1901) 311 magyarischen (römisch-kath.) Einwohnern.
 
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Magyaren (spr. mădjāren, »Söhne der Erde«), der bedeutendste Volksstamm im Königreich Ungarn, den. einige zur ugrischen Familie des finnischen Zweiges der Uralaltaier, andre zur türkisch-tatarischen Familie rechnen. Sie wohnten ursprünglich am Ural, wo noch jetzt ihre nächsten Verwandten, die Ostjaken

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und Wogulen, sitzen, in Jugorien, Iuharia oder Ogorland (daher der Name Ugri, Ogri, »Ungarn«). Während ihrer Wanderzeit wurden sie Nachbarn türkischer Völker, welche die Sprache der M. beeinflußten. Von hier zogen sie gegen SW., hielten sich 830862, nach andern bis 890, in der Nachbarschaft der Chasaren an den nördlichen Ufern des Schwarzen Meeres, in Lebedia und bis zum Kuban, auf, wurden aber durch die Petschenegen nach W. gedrängt, worauf sie sich in Atel-Kuzu (Bessarabien, zwischen Bug und Dnjepr) niederließen. Hier wählten sie auch auf Betreiben des Chasarenfürsten ihren ersten Stammesfürsten, Arpad (s. d.). Bald nach dem erfolgreichen Kriege mit den Bulgaren als Bundesgenossen der Oströmer (Leo VI.) wurden die M. um 895 von den verbündeten Bulgaren und Petschenegen aus den untern Donauländern und aus Atel-Kuzu vertrieben, worauf sie sich unter der Führung Arpáds um 896899 wie ein Keil zwischen den südosteuropäischen Slawen in ihrem heutigen Vaterland niederließen. Der Weg der Einwanderung und die nähern Umstände der Landeseroberung sind in Dunkel gehüllt, da die Erzählung des Anonymen Notars (einer Geschichtsquelle des 13. Jahrh.) wenig Glauben verdient. So viel steht indes fest, daß die M. sich zum Sturz des von Swatopluk begründeten Slawenreiches mit Kaiser Arnulf verbündeten. Ihre Hauptsitze nahmen sie im ehemaligen Pannonien und in den Ebenen, wo sie ihre nomadischen Neigungen als Reitervolk noch lange bewahrten. Seit etwa 900 wurden sie der Schrecken Westeuropas, ihre Raubzüge reichten bis Frankreich und Süditalien. Mit der Zeit mit Germanen und Slawen vermischt und zum Christentum bekehrt, bildeten sie später Jahrhunderte hindurch ein Bollwerk des christlichen Abendlandes gegen die Türken. Ihre Zahl betrug 1900: 8,742,301 (1890 nur 7,426,730), 45,4 Proz. der Gesamtbevölkerung ganz Ungarns (früher 42,8). Das Hauptkontingent der M. stellt das ungarische Flach- und Hügelland, 51,4 Proz. der Bevölkerung des eigentlichen Ungarn, dazu kommen in Siebenbürgen die M. und die Szekler (32,9 Proz.) und die in Fiume (7,4 Proz.), Kroatien und Slawonien wohnenden M. (3,8 Proz. der dortigen Bevölkerung). Einige tausend M. wohnen in Rumänien und der Bukowina, ferner in den größern österreichischen Städten, wie Wien, Graz etc. Die Zahl der Einwanderer nach Amerika (bis zum Jahre 1904 ca. 400,000) ist im Steigen begriffen. Von der Gesamtbevölkerung Ungarns (1900: 19,254,559) sprachen 10,175,514 Magyarisch (s. Meyers Ungarische Sprache), doch gehört ein großer Teil der nach der Sprache als M. Gezählten ethnographisch nicht zu diesem Volksstamme, wie denn (1890) von 725,222 Juden nicht weniger als 454,475 das Magyarische als ihre Muttersprache angegeben haben. Die Sprache der kumanischen Palóczen in den Komitaten Neograd, Heves, Borsod und Gömör und jene der Abkömmlinge der Kumanen unterscheidet sich nur in einigen Eigentümlichkeiten von der magyarischen Sprache. Dem Religionsbekenntnis nach waren (1900) Römisch-Katholische ca. 55 Proz., Evangelische helvetischer Konfession ca. 30, Evangelisch-Lutherische ca. 4 Proz. S. Meyers Ungarn. Vgl. die »Ethnographische Karte von Österreich-Ungarn«; Ujfalvy, Sur le berceau du peuple magyar (Par. 1874); v. Löher, Die M. und andre Ungarn (Leipz. 1874); Vámbéry, Der Ursprung der M. (das. 1882); P. Hunfalvy, Ethnographie Ungarns (deutsch von J. H. Schwicker, Budap. 1877) und Die Ungarn oder M. (Teschen 1881); die einschlägigen Werke von J. Budenz, A. Vámbéry und Jul. Pauler; Marienescu, Der philologische Ursprung und die Bedeutung des Volksnamens »M.« (1898); Marquart, Osteuropäische und ostasiatische Streifzüge (Leipz. 1903); v. Wlislocki im 5. Bande von Helmolts »Weltgeschichte« (das. 1905).
 
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Magyarische Sprache, s. Meyers Ungarische Sprache.
 
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Magyarország (spr. mádjar-órßāg, »Magyarenland«), soviel wie Ungarn; Kis-M. (spr. kisch-, »Klein-M.«), Siebenbürgen.
 
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Magyar-Ovár (spr. mádjar-ówār), s. Meyers Ungarisch-Altenburg.
 
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Magyar-Pécska (spr. mádjar pētschka), s. Meyers Pécska.
 
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Mahabaleschwar, Sanatorium, s. Meyers Puna.
 
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Mahabalipur (Mahavellipur), Dorf im Distrikt Tschingelpat der britisch-ind. Präsidentschaft Madras, unter 12°37' nördl. Br., berühmt durch seine Höhlentempel, Monolithen, meist aus der letzten buddhistischen Zeit, mit zum Teil wundervollen Reliefs, aber bereits teilweise vom Meer verschlungen.
 
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Mahâbhârata (»das große Gedicht von den Bharata«), Titel eines altindischen Heldengedichts, dem Inhalte nach fast mehr eine Enzyklopädie der Sagen und der Philosophie der Inder als die Erzählung einer bestimmten Begebenheit. Letztere ist teilweise zum Rahmen herabgesunken, in den die übrigen Erzählungen und Abhandlungen (so die Bhagavad-Gîtâ, s. d.) eingefügt sind. Als Verfasser des aus über 100,000 Doppelversen (Çloka) bestehenden Gedichts wird ein mythischer Vyâsa genannt, ein Name, der nichts weiter als die personifizierte Diaskeuase (Anordnung, Redaktion) bezeichnet. In dem Gedicht selbst werden kürzere Redaktionen von 8800 und von 24,000 Doppelversen erwähnt. In der Tat ist das Werk unzweifelhaft erst durch lange Jahrhunderte zu seinem gegenwärtigen ungeheuern Umfang angeschwollen. Die Geschichte dieses Vorgangs liegt im wesentlichen noch, und vielleicht für immer, im Dunkel; sein Abschluß reicht bis in späte, vielleicht gar in nachchristliche Zeit herab. Der Inhalt des Epos scheint nicht ohne historischen Kern zu sein; man dürfte an Vorgänge des jüngern vedischen Zeitalters zu denken haben. Das Epos erzählt den Thronfolgestreit zwischen den Söhnen zweier Brüder, Pându und Dhritarâschtra (beide vom Bharatastamm). Der erstere hat fünf Söhne; 100 zählt Dhritarâschtra, der ältere, aber blinde Bruder. Das 1. Buch berichtet die Genealogie und Jugendzeit der Helden sowie die Eifersucht, die sich gegen die Pândusöhne in ihren Nebenbuhlern, den Kaurava, erhebt. Erstere sollen heimlich durch Feueranlegen an ihr Haus aus der Welt geschafft werden. Doch sie entkommen in die Wildnis. In die Öffentlichkeit treten sie bei der Werbung um die schöne Draupadî, wobei Ardschuna im Bogenspannen alle übrigen Bewerber übertrifft und Draupadî den fünf Brüdern gewonnen wird. Dhritarâschtra überläßt nun das halbe Reich Pândus Söhnen. 2. Buch: Neidisch auf das Glück jener bringen die Söhne Dhritarâschtras ein Würfelspiel in Vorschlag; Judhischthira, der älteste der Pândava, ein leidenschaftlicher Spieler, verliert sein Königreich, seine Brüder, seine eigne Freiheit, sein Weib. Von dem durch böse Vorzeichen erschreckten Dhritarâschtra werden zwar die Pândusöhne freigegeben; allein Judhischthira wird noch einmal zum Spiel geladen, und da er wiederum verliert, wird er mit seinen Brüdern zu einem Exil von zwölf Jahren verurteilt. Das episodenreiche 3. Buch füllt die Beschreibung des Aufenthalts der Brüder in der Einsamkeit; das 4. beschreibt ihre Abenteuer im 13. Jahr und ihre Leistungen im Dienste des Königs Virâta, dem sie sich

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gegen Ende des Jahres zu erkennen geben; dieser wird ihr Verbündeter zur Wiedergewinnung ihres Reiches. Das 5. Buch zählt die beiderseitigen Vorbereitungen zum Krieg auf und beschreibt die einzelnen Verbündeten; das 6.10. Buch sind ausführlicher Schilderung der ungeheuern Kämpfe gewidmet, in denen das ganze Heldengeschlecht untergeht; nur die Pândusöhne und der ihnen verbündete Krischna bleiben am Leben. Das 11. Buch erzählt die Totenklage und die Bestattung der Helden; das 12. ergeht sich in ermüdender Breite über die Pflichten der Könige, den Nutzen guter Werke und die Mittel, um endliche Erlösung von der Existenz zu erreichen. Ebenso breit behandelt das 13. Buch die Kastenvorschriften und andres mehr und ist, wie das vorhergehende, reich an Einschiebseln und Erzählungen. Im 14. bis 18. Buche wird das große Roßopfer erzählt, das Judhischthira vollzieht, das Fortziehen und der Tod Dhritarâschtras, sodann der Tod des Krischna, die Thronentsagung Judhischthiras und das Eingehen der Helden zum Himmel. Eine Art Supplement mit dem besondern Titel »Harivamça« (s. d.) bildet den Schluß des Ganzen. Der Text des M. wurde zu Kalkutta 183439 gedruckt und füllt vier starke Foliobände und einen Registerband; später Bombay 1863 u. ö.; eine kritische Neuausgabe wird von einer Vereinigung von Akademien vorbereitet. Die französische Übersetzung von Hippolyte Fauche in 10 Bänden (Par. 186370) ist unvollendet und philologisch ungenügend. Englische Übersetzung herausgegeben von Protap Chandra Roy, 7 Bde. (Kalk. 188696). Einzelne Episoden sind mehrfach herausgegeben und übersetzt worden; so die Episode von Meyers Nala (s. d.), von der Sintflut von Bopp (Ausgabe u. Übersetzung, Berl. 1829), von Meyers Sâvitrî (s. d.), Meyers Harivamça (s. d.), Meyers Bhagavad-Gîtâ (s. d.); Mehreres von A. Holtzmann, Indische Sagen (2. Aufl., Stuttg. 1854, 2 Bde.), wo unter anderm der kühne Versuch gemacht wird, die ursprüngliche Gestalt des Epos zu gewinnen. Wichtig waren die Untersuchungen von Lassen in der »Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes«, Bd. 13, und in der »Indischen Altertumskunde«, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1867). Vgl. ferner Mon. Williams, Indian epic poetry (Lond. 1863); Wheeler, History of India, Bd. 1: The Vedic period and the M. (das. 1867); A. Holtzmann (der Jüngere), Über das alte indische Epos (Durlach 1881) und Arjúna, Ein Beitrag zur Rekonstruktion des M. (Straßb. 1879) und Das M. und seine Teile (Kiel 189295, 4 Bde.); Bühler und Kirste, Indian Studies, Nr. 2 (Wien 1892); Dahlmann, Das M. als Epos und Rechtsbuch (Berl. 1895; hierzu die große Besprechung von Barth im »Journal des savants«, April, Juni, Juli 1897) und Genesis des M. (Berl. 1899); Oldenberg, Die Literatur des alten Indien, S. 146177 (Stuttg. u. Berl. 1903); Jacobi, Mahâbhârata (Bonn 1903).

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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