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Magnesīt bis Magnesiumlicht (Bd. 6, Sp. 80 bis 82)
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Artikelverweis Magnesīt (Talkspat, Bitterspat), Mineral, kohlensaure Magnesia MgCO3 meist mit kohlensaurem Eisen- und Manganoxydul, findet sich in rhomboedrischen Kristallen ein- und aufgewachsen und besonders in körnigen und körnig-stängeligen Aggregaten, farblos, gelblich oder grau, glasglänzend, durchsichtig bis kantendurchscheinend, Härte 44,5, spez. Gew. 2,93,1, im Talkschiefer am St. Gotthard, Zillertal, Pfitschtal, im Serpentin von Snarum (Norwegen), bei Bruck, Trieben u. a. O. in Steiermark, auch in Kalifornien. Der krypto-kristallinische, dichte M. erscheint ziemlich häufig in weißen und gelblichgrauen Massen, zuweilen mit Opalsubstanz gemengt (Kieselmagnesit) im Serpentin bei Baumgarten und Frankenstein in Schlesien, Hrubschitz in Mähren, Kraubat in Steiermark, in Piemont etc. M. dient zur Darstellung von Kohlensäure durch Brennen oder durch Zersetzung mit Schwefelsäure, wobei Bittersalz als Nebenprodukt gewonnen wird, auch in der Porzellanfabrikation, zu feuerfesten Ziegeln etc.
 
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Magnesitplatten, Platten von 13 cm Dicke aus Magnesit, Sägespänen und einer Sackleinwandeinlage. Sie dienen zur Herstellung von Scheidewänden, zur Bekleidung von Holztreppen, um diese feuersicher zu machen, zur Herstellung provisorischer Gebäude, zur Schließung von Rohrschlitzen etc., sind aber mit Vorsicht anzuwenden, da sie sich bei Feuchtigkeit leicht werfen.
 
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Magnesĭum Mg, Metall, findet sich nicht gediegen, aber sehr verbreitet in verschiedenen Verbindungen. Magnesiumoxyd (Magnesia) bildet mit Tonerde den Spinell; kieselsaure Magnesia bildet den Meerschaum, Talk, Speckstein, Serpentin und findet sich auch im Augit, Asbest, Olivin, in der Hornblende

[Bd. 6, Sp. 81]


und in sehr zahlreichen andern Mineralien; kohlensaure Magnesia bildet den Magnesit, mit kohlensaurem Kalk den Dolomit und findet sich auch in den meisten Kalksteinen und als doppeltkohlensaure Magnesia gelöst in Quellwassern; schwefelsaure Magnesia ist ein Bestandteil der Staßfurter Abraumsalze und vieler Mineralwässer, ebenso das Chlormagnesium, das, wie Brom- und Jodmagnesium, auch im Meerwasser vorkommt; phosphorsaure Magnesia findet sich in Pflanzen (besonders in den Samen) und Tieren; phosphorsaure Ammoniakmagnesia bildet den Struvit, borsaure Magnesia findet sich im Boracit, etc. Zur Darstellung des Magnesiums erhitzt man ein trockenes Gemenge von 1 Teil Flußspatpulver, 10 Teilen geschmolzenem Kaliummagnesiumchlorid (Carnallit) und 1 Teil Natrium in einem bedeckten Tiegel zum Schmelzen, rührt um und läßt erkalten. Das Chlor geht hierbei vom M. an das Natrium, und ersteres scheidet sich metallisch aus. Das rohe M. wird durch absteigende Destillation gereinigt. In neuerer Zeit wird das M. durch Elektrolyse im großen dargestellt. Man schmelzt z. B. entwässerten Carnallit MgKCl3 in einem eisernen Tiegel, wobei dieser als Kathode, ein eingetauchter Kohlenstab als Anode dient. Das an der Anode sich entwickelnde Chlor wird abgeleitet, das M. scheidet sich an der negativen Elektrode aus und sammelt sich am Boden der Gefäße. Man trägt von Zeit zu Zeit entwässerten Carnallit ein und unterbricht die Operation, sobald sich Kaliumsubchlorür zu bilden beginnt. Wegen seines niedrigen elektrochemischen Äquivalents (1 Amperestunde scheidet theoretisch 0,4542 g M. ab gegen 0,8596 g Natrium) erfordert es von allen elektrolytisch hergestellten Stoffen die größte Menge Energie, nämlich mehr als 50 Kilowattstunden für 1 kg. M. ist silberweiß, stark glänzend, vom spez. Gew. 1,743 und der Härte des Kalkspats, nicht sehr fest, läßt sich hämmern und walzen, aber nicht zu Draht ausziehen (der Magnesiumdraht des Handels ist gepreßt), schmilzt etwa so leicht wie Zink, wird aber nur teigig und läßt sich daher schlecht formen; es siedet bei etwas über 1000° und ist destillierbar, das Atomgewicht ist 24,36, es hält sich in trockner Luft unverändert, läuft allmählich in feuchter Luft an, doch beschränkt sich die Oxydation auf die obern Schichten; an der Luft entzündet es sich beim Erhitzen und verbrennt unter Ausstoßung von dichtem weißen Rauch von Magnesiumoxyd und mit blendend bläulichweißem Licht (Magnesiumlicht), das sehr reich an chemisch wirksamen Strahlen ist. Um zehn Stunden lang ein Licht von 74 Stearinkerzen (von denen 10 auf 1 kg gehen) zu erzeugen, muß man 72,2 g M. an der Luft verbrennen. Magnesiumdraht läßt sich in der Spiritusflamme entzünden. M. verbindet sich beim Erhitzen mit Chlor unter Feuererscheinung, zersetzt Wasser bei 30°, sehr lebhaft bei 100°, entzündet beim Übergießen mit Salzsäure den sich entwickelnden Wasserstoff und fällt aus Metallsalzen Metalle (selbst Zink) oder Metallhydroxyde. Das M. ist zweiwertig und bildet mit Sauerstoff das Magnesiumoxyd (Magnesia) MgO. Man benutzt M. in Form von schmalen Blechstreifen (Band) und als Pulver in der Feuerwerkerei, zu Signallichtern (Chatamlicht) und zur photographischen Aufnahme bei Ausschluß des Sonnenlichts. Für diese Zwecke sind Lampen konstruiert worden, die das Magnesiumband oder das Pulver kontinuierlich einer kleinen Flamme zuführen. Der bei der Verbrennung sich entwickelnde Rauch wird in geschlossenen Räumen bald sehr lästig und muß abgeleitet werden. Zur Erzeugung von Signallichtern bläst man ein Gemisch von Magnesiumpulver und Harzpulver mittels eines Blasebalges in eine Spiritusflamme. Bengalische Flammensätze werden aus Magnesiumpulver und Schellack mit Zusatz von salpetersaurem Baryt und salpetersaurem Strontian für rotes Licht hergestellt. Auch eine Mischung von Magnesiumpulver mit salpetersaurem oder übermangansaurem Kali, die in eine Flamme geblasen wird (Magnesiumblitzlicht), benutzt man zum Photographieren in geschlossenen Räumen. Durch einen geringen Zusatz von M. werden Nickel und Kobalt schmiedbar und walzbar gemacht. In der Chemie wird M. als Reduktionsmittel und als Reduktionsmittel für Stickstoff benutzt. Legierungen des Magnesiums sind ebenfalls zu Beleuchtungszwecken dargestellt worden. Verwendet man in der Messingfabrikation statt Galmei Dolomit, so entsteht eine messingähnliche Kupfermagnesiumlegierung. Größere Bedeutung hat eine Aluminiummagnesiumlegierung, das Magnalium. Schwefelsaure Magnesia wurde zu Ende des 17. Jahrh. durch Grew bekannt, der es aus der Mineralquelle von Epsom darstellte, 1717 wurde es in Thüringen aus der Mutterlauge der Salzsolen gewonnen. Im Anfang des 18. Jahrh. machte ein römischer Domherr die kohlensaure Magnesia als Heilmittel bekannt, und 1755 unterschied Black die Magnesia als eigentümliche Erde, worauf sie 1775 von Bergman genauer untersucht wurde. M. wurde zuerst von Davy dargestellt, Buff und Liebig erhielten M. mittels Kalium, Bunsen gewann es durch Elektrolyse, und Caron und Deville begründeten die Magnesiumindustrie.
 
Artikelverweis 
Magnesium, alter Name des Mangans (s. d.).
 
Artikelverweis 
Magnesiumblitzlicht, s. Meyers Magnesium.
 
Artikelverweis 
Magnesiumbromīd (Brommagnesium) MgBr2 findet sich im Meerwasser, in den Abraumsalzen von Staßfurt und in vielen Solen; es entsteht beim Erhitzen von Magnesia mit Kohle in Bromdampf und bildet eine farblose kristallinische Masse, die bei Rotglut schmilzt und sich leicht in Wasser löst. Aus der Lösung (die man auch aus Magnesía und Bromwasserstoffsäure erhalten kann) kristallisiert ein sehr zerfließliches Salz MgBr2+6H2O, das wie auch die Lösung beim Erhitzen leicht Bromwasserstoff abgibt. Aus den Mutterlaugen der Staßfurter Abraumsalze gewonnenes M. wird zur Darstellung von Brom benutzt.
 
Artikelverweis 
Magnesiumchlorīd (Chlormagnesium) MgCl2 findet sich in Verbindung mit Chlorkalium als Carnallit, mit Chlorcalcium als Tachydrit in den Staßfurter Abraumsalzen, gelöst im Meerwasser, in Mineralquellen und Salzsolen; es entsteht beim Verbrennen von Magnesium in Chlor, beim Erhitzen von Magnesia mit Kohle in Chlor, beim Entwässern des wasserhaltigen Salzes in Chlorwasserstoffgas und beim Glühen von wasserfreiem Ammoniummagnesiumchlorid. Zur technischen Darstellung mischt man heiße konzentrierte Lösung von M. mit 50 Proz. wasserfreiem M., läßt erkalten, erhitzt die Masse auf 400° und zuletzt in einem Strome getrockneter Luft. M. bildet farblose Kristallblätter vom spez. Gew. 2,177, schmilzt bei 708° und bildet dann seine wasserhelle, leicht bewegliche Flüssigkeit, die sich mit Spuren von Feuchtigkeit in Chlorwasserstoff und Magnesiumoxyd zersetzt und an der Luft raucht, es läßt sich bei Rotglut im Wasserstoffstrom destillieren, ist sehr zerfließlich, in 0,25 Teilen Wasser unter starker Erhitzung leicht löslich und bildet beim Erhitzen mit Braunstein Chlor. Eine Lösung von M. entsteht beim Behandeln von Magnesia oder kohlensaurer Magnesia mit Salzsäure;

[Bd. 6, Sp. 82]


sie bildet (schwierig zu erhaltende) große farblose Kristalle von MgCl2+6H2O vom spez. Gew. 1,561,65, die scharf bitter schmecken, an feuchter Luft zerfließen, sehr leicht in Wasser, auch in Alkohol löslich sind und schon bei 105° Chlorwasserstoff verlieren, so daß das Salz durch Erhitzen nicht ohne Zersetzung entwässert werden kann. Bei 119° ist es vollständig geschmolzen. Eine 30 proz. Lösung von M. erstarrt beim Anrühren mit dichter gebrannter Magnesia zu einer festen Masse (Sorelscher Zement). In der Technik erhält man M. als Nebenprodukt besonders als Endlauge bei Verarbeitung der Staßfurter Abraumsalze. Die Lauge wird verdampft, bis sie beim Erkalten erstarrt (MgCl2+6H2O), oder noch weiter (geschmolzenes M., mit amorphem Bruch). Kaliummagnesiumchlorid KMgCl3+6H2O findet sich in der Natur als Carnallit (s. d.), kristallisiert aus der Mutterlauge der Salzsolen und des Meerwassers in der Kälte, zersetzt sich an feuchter Luft, indem Chlormagnesium abfließt, und aus der Lösung in heißem Wasser kristallisiert Chlorkalium. Man benutzt M. zum Schlichten von Baumwolle, um diese infolge der Hygroskopizität des Salzes weich zu erhalten, ferner um Holz und Gewebe schwer verbrennlich zu machen, zur Konservierung von Eisenbahnschwellen, zum Reinigen und Scheiden des Runkelrübensaftes, zur Darstellung von Chlorbaryum, zum chlorierenden Rösten von Pyrit- und Kupferkiesabbränden, zur Darstellung von Magnesiazement (Sorelscher Zement), Magnesium, Chlor und Chlorwasserstoffsäure, zum Besprengen von Straßen, um sie staubfrei zu erhalten, als Feuerlöschmittel, zum Karbonisieren der Wolle, zum Füllen von Gasuhren, als Wärmeträger bei Zentralheizungen (Tekterion), zur Desinfektion, zur Reinigung von Abfallwässern etc.; Carnallit wird auf Kalisalze verarbeitet. Die Menge des bei der Verarbeitung der Staßfurter Abraumsalze entfallenden Magnesiumchlorids wird auf 186,000350,000 Ton. im Jahre geschätzt. Die Lauge fließt großenteils in die Bode und mit dieser in die Saale. Hergestellt wurden 1893 nur 12,764 Ton.
 
Artikelverweis 
Magnesiumhydroxyd (Magnesiumoxydhydrat) Mg(OH)2 findet sich in der Natur als Brucit und Nemalith, entsteht bei Einwirkung von Wasser auf Magnesiumoxyd und wird aus der Lösung von Magnesiasalzen durch Kalilauge gefällt. Es ist farb- und geruchlos, schmeckt sehr schwach bitter, reagiert alkalisch, löst sich in 55,000 Teilen Wasser, viel leichter bei Gegenwart von Ammoniumsalzen, verliert beim Erhitzen sehr leicht Wasser, absorbiert an der Luft Kohlensäure und bildet mit Säuren die Magnesiasalze.
 
Artikelverweis 
Magnesiumkarbonat, s. Meyers Magnesia.
 
Artikelverweis 
Magnesiumlegierungen s. Meyers Magnesium.
 
Artikelverweis 
Magnesiumlicht s. Meyers Magnesium.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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