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Magensaft bis Magenstärkende Mittel (Bd. 6, Sp. 71 bis 72)
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Artikelverweis Magensaft, Absonderungsprodukt der Labdrüsen der Magenschleimhaut, eine farblose, klare oder etwas getrübte Flüssigkeit von stark saurer Reaktion, enthält außer gewissen anorganischen Salzen und etwa 98 Proz. Wasser vor allem Pepsin und Salzsäure. Das Pepsin ist ein Enzym und vermag in saurer Lösung eine fast unbegrenzte Menge von Eiweiß zu verdauen. Die Salzsäure ist in Mengen von 0,10,4 Proz. im M. enthalten. Die Absonderung des Magensaftes stockt im nüchternen Zustand und wird durch die Einführung von Nahrungsmitteln angeregt. Schon die Aufnahme von Speisen in die Mundhöhle, ja sogar der Geruch und der Anblick begehrenswerten Futters regt bei Tieren die Magensaftsekretion an. Dabei machen sich Einflüsse des Nervensystems, besonders des Nervus vagus, geltend. Wenn man Hunden, die eine dem entstehenden Magensafte zum Abfluß dienende Magenfistel tragen, auch eine Speiseröhrenfistel anlegt, durch die alle ihnen gereichte und verschluckte Nahrung austritt, ohne in den Magen hineinzugelangen, so kann man nach Pawlow an solchen Tieren, die natürlich für gewöhnlich von der Magenfistel aus ernährt werden müssen, Scheinfütterungen vornehmen, die von mächtigem Einfluß auf die Magensaftabsonderung sind. Manche Tiere fressen auf diese Weise 56 Stunden lang, natürlich ohne jemals satt zu werden, und dabei sondern sie, obwohl die Speise in den Magen gar nicht hineingelangt, enorme Mengen von M. ab. Nach Durchschneidung der Vagusnerven ist dagegen die Scheinfütterung wirkungslos. Die Nahrungsaufnahme an sich hat also, offenbar dadurch, daß dabei ein Verlangen nach Speise eintritt und durch den Genuß derselben befriedigt wird, eine lebhafte Erregung der Absonderungsnerven der Magendrüsen zur Folge, oder, wie man auch sagen kann: der Appetit ist ein starker, vermutlich der stärkste Erreger der Magensaftsekretion. Ohne seine Mithilfe kommt es überhaupt zu keiner erheblichen Absonderung. Bringt man nämlich den Tieren gewisse Speisen direkt durch die Fistel in den

[Bd. 6, Sp. 72]


Magen hinein, und beobachtet man dabei die Vorsicht, sie dies nicht merken zu lassen, schließt man also die psychische Erregung aus, so tritt entweder gar keine Magensaftsekretion ein, oder es wird eine geringe Menge nur schwach wirksamen Saftes geliefert. Die Anfüllung des Magens allein ist also ohne oder fast ohne jede Wirkung. Aber neben dem psychischen Moment ist noch ein andres wirksam, nämlich die durch die chemische Beschaffenheit der Nahrung verursachte Erregung der Absonderungsnerven und damit der von diesen abhängigen Magendrüsen. Manche Stoffe, wie z. B. Milch, rohes Fleisch, besonders aber Fleischbrühe, Fleischextrakt etc., regen die Absonderung an, und zwar auch nach Durchschneidung der Vagusnerven. Es handelt sich dabei um einen vielleicht durch den Sympathikus vermittelten Absonderungsreflex. Die chemische Beschaffenheit der Nahrung kann sich aber auch in hemmender Weise wirksam zeigen, denn durch Fett und einige andre Stoffe wird die psychisch angeregte Absonderung beeinträchtigt. Die Bedeutung des Magensaftes für den Verdauungsvorgang beruht auf seiner Einwirkung auf die Eiweißkörper, die er löst und in Albumosen und Peptone verwandelt. Auch der Leim und die elastische Substanz wird durch ihn verändert; dagegen hat er auf Muein, Nukleïn und Hornsubstanz keinen Einfluß (Näheres s. Meyers Verdauung). Der M. enthält außer dem Pepsin noch ein andres Ferment, das Labenzym, das auch ohne Mitwirkung von Säuren Milch zur Gerinnung bringt (vgl. Lab). Künstlichen M., der Eiweißstoffe bei Körperwärme in ähnlicher Weise verdaut wie natürlicher M., erhält man durch Ausziehen von gut gewaschener und zerkleinerter Schleimhaut des Schweinemagens mit 0,2 Proz. Salzsäure. Einen Glyzerinauszug der Magenschleimhaut kann man Jahre hindurch unzersetzt aufbewahren, und es genügt der Zusatz weniger Tropfen desselben zu einer 0,2 proz. Salzsäure, um sofort einen sehr kräftigen künstlichen M. zu erhalten.
 
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Magensarcine, s. Sarcina.
 
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Magenscheid, s. Meyers Mage.
 
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Magenschleimhaut, s. Meyers Magen, S. 63.
 
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Magenschmerz (Gastralgia), s. Meyers Magenkrampf.
 
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Magenschnitt (Gastrotomie), eine Operation, die notwendig wird, um in den Magen gelangte Fremdkörper (verschluckte Gebisse, von Gauklern verschluckte Gabeln etc.) zu entfernen, um bei Unwegsamkeit der Speiseröhre (durch narbige Verengerungen oder durch bösartige Geschwülste [Krebs] eingekeilte Fremdkörper), um Geschwüre und Geschwülste, die der innern Behandlung nicht weichen, zu beseitigen, oder um eine Meyers Magenfistel (s. d.) anzulegen, durch die der Kranke ernährt werden kann. Am häufigsten wird der M. ausgeführt bei Verengerung des Pylorus, um eine hier gelegene Geschwulst oder ein Geschwür zu beseitigen, oder um an Stelle der unwegsam gewordenen Ausmündung eine neue Verbindung mit dem Darm herzustellen (Gastroenterotomie). Man durchschneidet die Bauchdecken, zieht den Magen hervor, durchschneidet die Magenwand, entfernt den Fremdkörper, verschließt die Magenwunde sorgfältig durch die Naht, versenkt den Magen und vernäht nunmehr die Bauchwunde ebenfalls. Ist das untere Ende der Speiseröhre, also der Magenmund, die Kardia, so stark narbig verengert, daß die Sonde nicht mehr hindurchgeht, so sucht man vom Magen aus die Verengerung zu erweitern (mit Sonden). Meistens muß man hiervon absehen; um aber den Tod des Kranken durch Verhungern zu verhüten, vereinigt man durch Nähte die Ränder der Magenwunde, diese dabei etwa auf 1 cm verkleinernd, vollkommen wasserdicht mit den Rändern der Bauchwunde und legt in die Fistel ein entsprechend starkes Drain. Während der M. früher gewöhnlich mit einem Mißerfolg endete, wird er jetzt ohne besondere Gefahr ausgeführt und hat namentlich bei Geschwüren, Geschwülsten, Narben etc. geradezu glänzende Erfolge aufzuweisen.
 
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Magenschwäche (schwacher Magen), die Neigung zu katarrhalischer Erkrankung der Magenschleimhaut. Je häufiger ein Individuum an akutem Magenkatarrh erkrankt, desto größer ist die M., d. h. also die Neigung zu erneuter gleichartiger Erkrankung. Auch Magenneurosen werden vielfach unter M. verstanden.
 
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Magenschwindel, ein bei manchen magenkranken Individuen auf reflektorischem Wege hervorgerufenes Schwindelgefühl, das ohne besondern Anlaß plötzlich auftritt und nach einiger Zeit wieder schwindet. Die Kranken haben das Gefühl, als drehe sich alles um sie herum, und als wanke der Fußboden unter ihnen. Sie werden blaß, schließen die Augen und halten sich krampfhaft an oder setzen sich nieder. Eine Behandlung des Leidens kann sich natürlich nur gegen das Grundleiden, den chronischen Magenkatarrh, richten.
 
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Magensenkung (Gastroptose), ungewöhnlicher Tiefstand des Magens, meist mit allgemeiner Senkung der Bauchorgane (Enteroptose, Splanchnoptose, Glénardische Krankheit) verbunden. Die M. befällt vorwiegend das weibliche Geschlecht. Durch Erschlaffung und Verlängerung der dem Bauchfell angehörenden Aushängeapparate des Magens ermöglicht, wird die M. am häufigsten durch Geburten, durch Erschlaffung der Bauchdecken, durch Tragen enger Korsette, körperliche Anstrengungen und durch Schwund des Fettpolsters herbeigeführt. Bei der M. findet sich die untere Magengrenze unterhalb des Nabels, die obere (kleine) Magenkrümmung etwas über dem Nabel. Vielfach macht sie keine krankhaften Erscheinungen, in andern Fällen verursacht sie Verdauungsstörungen, z. B. Druck und Vollgefühl, Aufstoßen, Appetitmangel, Verstopfung, außerdem verschiedene nervöse Störungen. Die Absonderung des Magensaftes und die Magenentleerung sind ungestört, wenn sich nicht, wie es nicht selten vorkommt, eine Magenerweiterung zur M. hinzugesellt. Die Behandlung erfordert Beseitigung einengender Kleidungsstücke, Tragen einer gutsitzenden elastischen Leibbinde, nahrhafte Kost, auch Elektrisierung und Massage der Bauchdecken.
 
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Magensonde, elastische, etwa 70 cm lange hohle Sonde mit seitlichem Fenster, wird durch den Mund und die Speiseröhre in den Magen eingeführt und zu diagnostischen Zwecken, zum Ausspülen des Magens und zur künstlichen Ernährung benutzt. Vgl. Leube, Die M. (Erlang. 1879) und die Lehrbücher der Magenkrankheiten.
 
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Magenstärkende Mittel, soviel wie Meyers Bittermittel (s. d.).

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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