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Magenfistel bis Magenkrebs (Bd. 6, Sp. 65 bis 69)
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Artikelverweis Magenfistel, ein Fistelgang, der die Magenwand und die Bauchwand durchsetzt, entsteht nach vorheriger entzündlicher Verklebung, Verwachsung zwischen Magen- und Bauchwand, durch Durchbruch eines Magengeschwürs oder eines Abszesses, oder sie bleibt nach Verletzungen zurück, oder sie wird bei Undurchgängigkeit der Speiseröhre (z. B. infolge von Krebs) künstlich angelegt (Gastrotomie), um den Kranken vor dem Hungertode zu retten. Man schließt eine nicht beabsichtigte M., indem man ihre Ränder anfrischt und durch Naht verbindet. Je nach der Lage und Größe der M. verursacht sie verschiedene Beschwerden,

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und infolge des Verlustes an Säften leidet die Ernährung beträchtlich. Bei künstlich angelegter M. läßt man daher einen Trendelenburgschen Obturator tragen, um das Ausfließen von Magensaft zu verhindern. Patienten mit M. wurden von Physiologen zum Studium des Verdauungsprozesses benutzt, so namentlich von William Beaumont, der an dem kanadischen Jäger San Martin sehr lehrreiche Beobachtungen über die Absonderung und die Wirkung des Magensaftes anstellte.
 
Artikelverweis 
Magengegend, s. Meyers Bauch.
 
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Magengeschwür, eins der häufigsten Magenleiden, tritt in verschiedenen Formen auf und hat für die Gesundheit und das Leben sehr verschiedene Bedeutung. Kleine, flache Substanzverluste von Hanfkorngröße mit gerötetem Grund, sogen. hämorrhagische Erosionen, haben keine größere Bedeutung und verheilen meist, ohne eine Spur zurückzulassen. Verschwärungen der geschlossenen Drüsenfollikel der Magenschleimhaut sind an sich selten und heilen mit Zurücklassung einer unbedeutenden Narbe, ohne dem Kranken auf längere Zeit belästigende Symptome zu verursachen. Eine sehr wichtige und schwere Form des Magengeschwürs dagegen ist das sogen. chronische, runde oder durchbohrende M. (Ulcus ventriculi chronicum, s. rotundum, s. perforans). Dies beruht auf einer umschriebenen Selbstverdauung der Magenwand und wird daher auch Ulcus pepticum genannt. Warum die Magenwand von dem stark eiweißlösenden Magensaft normalerweise nicht angegriffen wird, ist auf sehr verschiedene Weise erklärt worden. Jedenfalls bestehen gewisse Schutzvorrichtungen für die lebende Schleimhaut, die durch schädigende Einflüsse an umschriebenen Stellen unwirksam gemacht werden können. Nach Virchows Ansicht entsteht das M. dadurch, daß zunächst eine Verstopfung kranker arterieller Gefäße eintritt, daß infolgedessen die Magenwand, soweit sie das kapillare Stromgebiet der verstopften Arterie bildet, brandig abstirbt, und daß der Magensaft die brandig gewordene Stelle, die seiner Einwirkung keinen Widerstand leisten kann, durch Selbstverdauung zur Erweichung und zum Zerfall bringt. Wenn auch auf diese Weise im Tierexperiment ein M. künstlich erzeugt werden kann, so ist doch der Hergang beim natürlichen M. meistens ein andrer, indem nämlich irgend eine spezifische Widerstandsfähigkeit des lebenden Gewebes die Verdauung verhindert und irgend eine beliebige Schädigung des Zellebens diese Fähigkeit vermindert. Neuerdings wird behauptet, daß die Magenwand (ebenso wie die Darmwand) sogen. Antifermente enthalte, d. h. Körper, die den Zellen Schutz gegen die Fermente der natürlichen Verdauungssäfte biete. Die Disposition für das chronische M. ist sehr verbreitet, denn unter 20 Leichen ist je eine mit einem M. oder mit der Narbe von einem solchen versehen. Das chronische M. kommt im reisen Alter häufiger als in der Kindheit, bei Frauen und bleichsüchtigen Personen häufiger als bei Männern und kräftigen Individuen vor. Häufig werden Diätfehler, Genuß zu kalter und zu heißer Speisen, Mißbrauch von Spirituosen als Ursachen bezeichnet; doch ist dies völlig unbewiesen. Das chronische M. hat seinen Sitz am häufigsten in dem an den Pförtner angrenzenden Teil des Magens, häufiger an der hintern als an der vordern Magenwand und fast immer an dem kleinen Bogen des Magens oder in seiner Nähe. Selten kommt es im Magengrund vor. Zuweilen ist nur ein Geschwür vorhanden, häufiger zwei oder mehrere, mitunter 30 bis 40, die sich dann gewöhnlich in verschiedenen Stadien befinden. Das M. zeigt scharfe Umgrenzung, der Grund ist meist völlig rein, ohne Sekret oder abgestorbene Gewebsteile, Entzündung fehlt oder findet sich nur in geringem Maß bei ältern Geschwüren. Bei sehr tief gehenden ältern Geschwüren sieht man am Magen von außen her ein kreisrundes Loch mit scharfem Rand, von innen her gesehen bildet das Geschwür gleichsam Terrassen und stellt einen flachen Trichter dar. Die Größe schwankt zwischen 6 mm im Durchmesser bis zur Größe eines Talerstücks und darüber, in seltenen Fällen bis zur Handtellergröße. Oft heilt das Geschwür, bevor es alle Magenhäute durchbrochen hat. Es bildet sich dabei eine Narbe in der Magenwand, die gewöhnlich ein strahlenförmiges Aussehen hat. War das Geschwür sehr groß, so kann seine Heilung zu einer Verengerung deo Magens führen, indem die anfangs weiche Narbe sich später stark zusammenzieht. Eine solche Verengerung des Magens führt zu starken Beschwerden. Häufig wird ein M. durch Verwachsung der Magenwand mit dem ihr zunächst benachbarten Organ (Bauchspeicheldrüse, Leber, Zwerchfell etc.) gleichsam verlegt, so daß es nicht nach der Bauchhöhle durchbrechen kann. Während das Geschwür um sich greift, werden durch dasselbe nicht selten größere oder kleinere Blutgefäße des Magens zerstört, und es kommt dann zu bedeutenden Blutergüssen in die Magenhöhle. In seltenen Fällen von chronischem M. sind die Anzeichen einer Magenaffektion so geringfügig, daß man die Krankheit ganz übersieht, bis plötzlich nach allmählicher Durchbohrung der Schichten der Magenwand zuletzt auch die die letztern gegen die Bauchhöhle abgrenzende seröse Haut durchbrochen wird und durch Austritt des Mageninhalts in die Bauchhöhle eine tödliche Unterleibsentzündung entsteht, oder bis durch Anfressung eines größern Blutgefäßes eine gefährliche Magenblutung eintritt. Es kann aber auch das M., nachdem der Magen sich mit seinen Nachbarorganen verlötet hat, in den Pleurasack, in die Lungen, in den Herzbeutel, in den Darm, ja nach außen durch die Bauchwand durchbrechen, oder es bildet sich durch Durchbruch des Geschwürs in einen hinter dem Magen gelegenen Raum ein Abszeß unter dem Zwerchfell.
   Das gewöhnlichste Zeichen des Magengeschwürs sind Schmerzen in der Magengegend. Diese Schmerzen sind andauernd, vermehren sich bei Druck, sind an einer Stelle besonders heftig und steigern sich periodisch zu den heftigsten Anfällen, wobei sie in der Magengegend beginnen und nach dem Rücken hin ausstrahlen. Die Anfälle pflegen sich fast immer kurze Zeit nach der Mahlzeit einzustellen und stehen mit der Schwerverdaulichkeit und der reizenden Eigenschaft der genossenen Speisen in geradem Verhältnis. Durch Erbrechen tritt Erleichterung ein; die Schmerzen dauern aber oft stundenlang fort, wenn sich kein Erbrechen einstellt. In einzelnen Ausnahmefällen treten die Schmerzen gerade bei leerem Magen auf und werden durch Zufuhr von Speisen erleichtert, oder die Kranken bleiben, wenn sie schwerverdauliche Speisen genossen, von Schmerzen verschont, während leichter verdauliche Speisen heftige Schmerzen hervorrufen. Die Schmerzen bei der Verdauung werden hauptsächlich durch den Reiz verursacht, den der saure Magensaft auf die Geschwürsfläche ausübt. Zudem ist der abgeschiedene Magensaft beim M. meistens besonders stark sauer durch einen gegenüber der Norm stark gesteigerten Salzsäuregehalt. Die Untersuchung des Mageninhalts auf seinen Prozentgehalt auf

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Salzsäure (im Erbrochenen oder einer mit der Magensonde entnommenen Probe) dient daher im Zweifelsfalle zur Sicherstellung eines Geschwürs. Fast immer kommt bei dem chronischen M. auch, periodisches Erbrechen vor, das durch dieselben Veranlassungen, welche die Schmerzanfälle bedingen, hervorgerufen zu werden pflegt und bald kürzere, bald längere Zeit nach der Mahlzeit eintritt. Wenn zu den heftigen Magenschmerzen und zu dem Erbrechen, die regelmäßig nach der Mahlzeit eintreten, sich noch Blutbrechen hinzugesellt, so besteht über das Vorhandensein eines chronischen Magengeschwürs kaum ein Zweifel. Manche Kranke leiden an Ausgetriebenheit der Magengegend, an Aufstoßen und heftigem Sodbrennen, ihr Appetit liegt gänzlich danieder; andre befinden sich in den schmerzfreien Stunden verhältnismäßig wohl, und selbst ihr Appetit ist kaum vermindert. Fast stets ist dauernde Stuhlverstopfung vorhanden. Das chronische M. kann frühzeitig die Ernährung untergraben, in andern Fällen aber leidet die Ernährung weniger oder fast gar nicht. Der Verlauf der Krankheit ist meist sehr langwierig, wenn man von den Fällen absieht, wo die Magenblutung oder die Durchbohrung der Magenwand scheinbar das erste Symptom der Affektion ist. Das Übel kann viele Jahre lang bestehen, während der die Beschwerden mannigfache Schwankungen darbieten. Nicht selten tritt mitten in der scheinbaren Genesung plötzlich Blutbrechen auf. Es können auch die Leiden mit aller Heftigkeit wieder zurückkehren, nachdem sie jahrelang ganz verschwunden waren. Am häufigsten endet das chronische M. mit Genesung. Dieselbe ist aber sehr oft unvollständig, wenn nämlich das M. durch eine Narbe heilt, welche die Bewegungen des Magens an einer bestimmten Stelle hemmt, oder wenn der Magen infolge des Geschwürs an ein benachbartes Organ angelötet wurde und nun bei Bewegungen von der Verwachsungsstelle aus gezerrt wird. Solche Störungen bedingen die Fortdauer der Schmerzanfälle, die zuweilen noch heftiger sind als zuvor.
   Bei der Behandlung des Magengeschwürs ist vor allem der Magen möglichst zu schonen, seine Arbeit auf das Mindestmaß einzuschränken, da die langanhaltenden Bewegungen des Magens, seine Zusammenziehungen bei der Entleerung in den Darm, die Dehnung durch den Speisebrei und die Abscheidung des stark sauren Verdauungssaftes die Heilung natürlich erschweren. In schweren Fällen ist es daher sehr vorteilhaft, zunächst einige Tage lang unter völliger Umgehung des Magens nur durch Nährklistiere (s. Meyers Ernährungstherapie) Nahrung zuzuführen. Demnächst wird als schonendste Kost Milch, Suppe mit verrührtem Ei, Kakao, gelöste Fleisch- und Eiweißpräparate, Zwieback und ähnliches gegeben, nach ca. einer Woche schließt sich hieran eine etwas gehaltreichere, aber noch vorwiegend breiige, weiche, leichtverdauliche Kost mit Fleisch vom Huhn, Kalbshirn und -bries, Kartoffelbrei. Allmählich erfolgt dann der Übergang zu leichtverdaulicher Vollkost. Bei dieser Kostordnung ist strengste Bettruhe und in der ersten Zeit dauernde Anwendung heißer Umschläge auf die Magengegend erforderlich. Trinken von Karlsbader Wasser ist dabei zweckmäßig. Bei chronischen Fällen von M. kann manchmal auch eine ambulante Behandlung durchgeführt werden. Hierbei ist besonders die Anwendung großer Gaben von basischsalpetersaurem Wismut bewährt, das sich als schützender Niederschlag auf die Geschwürsfläche auslegt. Die heftigen Schmerzanfälle erfordern manchmal narkotische Mittel (Morphium), bei heftiger Blutung ist vollkommene Körperruhe notwendig. Stark blutende und sehr langwierige Geschwüre müssen häufig chirurgisch behandelt werden durch Resektion (Ausschneidung) des betreffenden Teiles der Magenwand. Daß man bei Perforation unter Umständen versuchen muß, den Kranken durch den Bauchschnitt zu retten, ist wohl zweifellos. Vernarbt das M. und tritt narbige Verengerung, z. B. des Pförtners, ein, so ist Magenerweiterung (s. d.) die Folge, die alsdann nur durch die dort erwähnten operativen Eingriffe beseitigt werden kann.
 
Artikelverweis 
Magengrube, s. Meyers Bauch.
 
Artikelverweis 
Magenhusten, s. Meyers Husten.
 
Artikelverweis 
Mageninsuffizienz, s. Meyers Magenerweiterung.
 
Artikelverweis 
Magenkatarrh (Status gastricus, Gastrizismus), Störung der Magensekretion mit Steigerung der Schleimabsonderung. Der M. tritt in den verschiedensten Graden und Formen, mit sehr wechselnden Symptomen auf, und zwar richten sich die genannten Momente wesentlich nach der Dauer und den Ursachen der Krankheit sowie nach dem Alter und den sonstigen Verhältnissen des Patienten. Der M. ist bald akut, bald chronisch; beide Formen sind häufige Krankheiten, noch häufiger aber werden Störungen der Magentätigkeit von rein funktioneller Natur (s. Meyers Magenneurosen) irrtümlich als M. bezeichnet.
   Die Disposition für den akuten M. ist bei verschiedenen Menschen sehr verschieden. Es scheint, als ob eine mangelhafte Absonderung von Magensaft die Disposition für den M. erhöhe, weil dadurch die Bildung abnormer Zersetzungsprodukte im Magen begünstigt wird. So tritt z. B. fast bei allen Fieberkranken M. auf, weil die Absonderung von Magensaft gestört ist, und kaum jemals bei Fieberkranken die Nahrungszufuhr entsprechend der Verminderung des Magensaftes herabgesetzt werden kann.
   Auch bei heruntergekommenen und schlecht genährten Individuen, z. B. bei Rekonvaleszenten, scheint die Neigung zu derartigen Erkrankungen in mangelhafter Absonderung jenes Verdauungssaftes ihren Grund zu haben. Hat jemand wiederholt an M. gelitten, so wird er nur noch mehr zu ähnlichen Affektionen disponiert. Der akute M. wird hervorgerufen durch eine Aufnahme ungewöhnlich großer Quantitäten selbst leichtverdaulicher Speisen. Der Magensaft reicht dann zur Verdauung nicht aus, vor allem aber entsteht durch mechanische Überlastung des Magens Stauung des Inhalts, der dann leicht in Zersetzung übergeht. Wird ein Teil des Mageninhalts erbrochen und reicht der Magensaft hin, den Rest zu verdauen, so kommt es nicht zum Katarrh. M. kann auch durch mäßigen Genuß schwerverdaulicher Speisen oder durch Einfuhr grober, wenig zerkleinerter Nahrung bei ungenügendem Kauen, zumal wenn das Gebiß mangelhaft ist, hervorgerufen werden, er entsteht häufig auch infolge von Reizung der Magenschleimhaut durch sehr heiße oder sehr kalte Speisen und Getränke, durch manche Arzneien, vor allem durch zu starke oder zu viele spirituöse Getränke, durch scharfe Gewürze, wenn sie in größerer Menge genossen werden, und durch Diätfehler jeder Art (daher der Ausdruck verdorbener Magen); auch Erkältungen können M. hervorrufen. Zu gewissen Zeiten treten endlich Magenkatarrhe ohne bekannte Veranlassungen epidemisch auf, meist als Begleiterscheinung von Darmkatarrh, so besonders bei dem fieberhaften Magendarmkatarrh, der sogen. Sommercholera oder Cholerine (Cholera nostras).
   Tritt der M. nur in geringem Grad ohne oder nur mit mäßigem Fieber auf, so geht er meist schnell

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vorüber. Die Kranken fühlen sich matt, klagen über Frösteln und fliegende Hitze, drückenden Stirnkopfschmerz, Flimmern vor den Augen. Auch bei leerem Magen kann Druck und Schmerz in der Magengegend vorhanden sein; der Appetit fehlt, es besteht Übelkeit und Widerwille gegen Speisen. Häufig werden übelriechende oder geruchlose Gase durch Aufstoßen entleert, oft gelangen dabei sauer oder ranzig schmeckende Flüssigkeiten in den Mund. Die Zunge ist schleimig belegt, der Geschmack fade und pappig; es pflegt ein übler Geruch aus dem Munde vorhanden zu sein. Wenn, wie es häufig der Fall ist, der Darm mit beteiligt ist, kann sich Kolik und Durchfall hinzugesellen. Ist der akute M. die Folge einer stärker einwirkenden Schädlichkeit, so tritt stärkere Übelkeit mit Würgen und Erbrechen ein. Mitbeteiligung des Darms führt auch hier zu heftigem Durchfall. Erbrechen und Durchfall stellen hierbei Abwehrmaßregeln der Natur dar, durch die Beseitigung der schädlichen Stoffe erzielt und die Heilung beschleunigt wird. Häufig ist der dem Magen zunächst liegende Darmteil, der Zwölffingerdarm, mit erkrankt (Gastroduodenalkatarrh).
   Ist der akute M. mit stärkerm, einige Tage anhaltendem Fieber verbunden, so kann er eine schwerere Erkrankung vortäuschen, einen beginnenden Typhus. Diese Fälle bezeichnet man als Gastrizismus oder auch bisweilen als gastrisches Fieber (Febris gastrica. mucosa, biliosa). Dasselbe tritt seltener mit einem einmaligen, stärkern Frostanfall, häufiger mit wiederholtem, leichtem Frösteln auf. Die Pulsfrequenz ist dem Fieber entsprechend erhöht, das Allgemeinbefinden ist in noch höherm Grade gestört als bei den oben beschriebenen Zuständen. Es kann dabei große Mattigkeit mit Gliederschmerzen, Schlaflosigkeit und schwerem Krankheitsgefühl bestehen. Diese Erscheinungen pflegen Ende der ersten oder Anfang der zweiten Woche nachzulassen, allmählich stellt sich Appetit ein, und es beginnt die Genesung. Die Kranken erholen sich aber nur langsam, bleiben lange Zeit sehr reizbar und bekommen leicht Rückfälle. Daß die katarrhalischen Erkrankungen des Darms, zumal der zunächstgelegenen Teile des Dünndarms, häufig zusammen mit M. vorkommen, ist bekannt; so kompliziert sich der akute M. besonders leicht mit katarrhalischer Gelbsucht. Auch die Cholerine (s. Meyers Cholera) ist stets mit akutem M. verbunden. Der Ausdruck gastrisches Fieber wird übrigens häufig (unberechtigterweise) für leichtere Fälle von Unterleibstyphus angewendet.
   Was die Behandlung des akuten Magenkatarrhs anbetrifft, so ist die wichtigste Aufgabe die, den M. zu verhüten. Besonders bei Fieberkranken und Genesenden, bei Neugebornen und Säuglingen muß die Diät überwacht werden. Wenn sich schädliche Dinge, z. B. in Zersetzung begriffene Nahrungsmittel, im Magen befinden, so ist deren Entfernung, gründliche Reinigung des Magens durch Spülung mittels der Magensonde das beste Mittel. Auch kann durch Trinken größerer Mengen warmen Salzwassers Erbrechen erzielt werden. Weniger geeignet ist die Darreichung von Brechmitteln. Sind Kolikschmerzen, Blähungen etc. vorhanden, so sind Abführmittel am Platze. Bei abnormer Säurebildung ist gebrannte Magnesia, in Wasser eingerührt, ganz zweckmäßig, ebenso das doppeltkohlensaure Natron. Bei kleinen Kindern tut ein Pulver von Magnesia mit Rhabarber sehr gute Dienste. Während eines akuten Magenkatarrhs muß der Kranke gänzlich fasten oder doch nur milde Nahrungsmittel, am besten einfache Wassersuppe, zu sich nehmen. Bei der schwerern Form (s. oben) muß man, um die Kräfte des Kranken zu schonen, etwas gehaltvollere Kost (konzentrierte Fleischbrühen, Ei) geben. Um das übermäßige Erbrechen und den Durchfall zu stillen, läßt man den Kranken kleine Eisstückchen verschlucken und gibt ihm Opiumpräparate.
   Der chronische M. entwickelt sich bald aus dem akuten M., wenn dieser sich in die Länge zieht oder häufig von neuem erscheint, bald tritt er von Anfang an als chronische Erkrankung auf. Alle Schädlichkeiten, die einen akuten M. hervorrufen, können, wenn sie lange anhalten oder sich häufig wiederholen, auch Ursachen des chronischen Magenkatarrhs werden. Am häufigsten führt zu chronischem M. dauernder mißbräuchlicher Genuß spirituöser Getränke (s. Meyers Trunksucht). Außerdem hängt der chronische M. häufig von Stauungen des Blutes in den Gefäßen des Magens ab, wie dies bei Krankheiten der Leber, des Herzens und der Lungen der Fall ist. Lungentuberkulose sowie andre chronische Krankheiten sind sehr häufig, Magenkrebs, Magenerweiterung und andre Entartungen des Magens stets mit chronischem M. verbunden, da bei diesen Leiden die natürliche Magenbewegung in hohem Grade daniederliegt, so daß die Nahrung zu lange im Magen verweilt und sich allerlei Gärungsprozesse, insbes. die Milchsäurebildung, im Magen entwickeln (s. Meyers Magenkrebs). Die Magenschleimhaut ist nach langer Dauer der Erkrankung häufig verdickt und mit warzenförmigen Schleimhautwucherungen besetzt. Bei sehr langer Dauer kann es zu Atrophie der Schleimhaut mit teilweisem oder gänzlichem Schwund der Drüsen kommen. Bei dem chronischen M. klagen die Kranken meist über ein Gefühl von Druck und Vollsein in der Magengegend, das nach dem Essen vermehrt wird, sich aber selten zum eigentlichen Schmerz steigert. Die Magengrube ist dabei vorgewölbt, weil der Magen mit Gasen und mit den lange Zeit in ihm verweilenden Speisen erfüllt und erweitert ist. Die Gase werden von Zeit zu Zeit durch Aufstoßen entleert, wobei auch etwas Mageninhalt von saurem oder ranzigem Geschmack in den Mund gelangt. Häufig entsteht durch diese sauren Massen ein garstiges Gefühl im Schlund und Schlundkopf (Sodbrennen). Seltener tritt Erbrechen auf. Das Erbrochene ist gewöhnlich nur zäher Schleim, der nach langem Würgen entleert wird. Dieses Erbrechen begleitet ganz gewöhnlich den chronischen M. der Säufer und stellt den berüchtigten Wasserkolk (vomitus matutinus) dar. Bei vielen Kranken ist das Hungergefühl, auch wenn sie schon abgemagert sind und der Körper dringend Ersatz bedarf, fast erloschen. In einzelnen Fällen, namentlich bei starker Säurebildung, entsteht zeitweise großes Hungergefühl, von schmerzhaften Empfindungen im Magen und Schlund begleitet, der sogen. Heißhunger. Die Zunge ist beim chronischen M. dick belegt, zeigt an den Rändern die Eindrücke der Zähne; der Geschmack ist fade und pappig, der Geruch aus dem Munde mehr oder weniger widerwärtig und stinkend (foetor ex ore). Gewöhnlich gesellen sich zu den Symptomen des chronischen Magenkatarrhs auch noch die des chronischen Darmkatarrhs: hartnäckige Verstopfung abwechselnd mit dünnen Stuhlgängen, Blähungen, Ausgetriebenheit des Leibes. Die Symptome des chronischen Magenkatarrhs können mehr oder weniger heftig und mit häufigen Schwankungen in ihrer Intensität monate-, selbst jahrelang fortbestehen. Dabei entwickeln sich häufig psychische Alterationen depressiver Art, die man gewöhnlich als Hypochondrie bezeichnet. Lassen sich

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die Ursachen des chronischen Magenkatarrhs beseitigen, so endet die Krankheit bei zweckmäßiger Behandlung gewöhnlich mit Genesung. Die Heilungsaussichten sind um so besser, je kürzer das Leiden besteht, und unter je günstigern äußern Verhältnissen der Kranke lebt.
   Die Behandlung des chronischen Magenkatarrhs erfordert vor allen Dingen die Beseitigung seiner Ursachen, worüber schon beim akuten M. gesprochen wurde. Notwendig ist das Verbot spirituöser Getränke, wenn der anhaltende Mißbrauch derselben die Krankheit hervorgerufen hat und unterhält. Die Speisen müssen mit der größten Sorgfalt ausgewählt werden, und der Kranke darf nichts andres, als was der Arzt bestimmt hat, genießen. Allgemein gültige Speisezettel können nicht angeführt werden, da die verschiedenen Formen der Erkrankung und die individuellen Verhältnisse berücksichtigt werden müssen. Die Speisen müssen in flüssiger oder breiiger reizloser Form dargeboten werden (Suppen, Reisbrei, Kartoffelbrei, weiche Eier). Später sind leichtverdauliche nicht fette Fleisch- und Fischsorten, junge Gemüse, Zwieback, Weißbrot u. a. erlaubt. Die Speisen müssen sehr gut gekaut und stets nur in kleinen Mengen auf einmal genossen werden. Eine Milchkur bekommt manchen Kranken vortrefflich, andern aber gar nicht. Besser als frische Milch bekommt vielen Kranken die Buttermilch. Fleischextrakte und Peptonpräparate sind nur in kleinen Mengen ratsam und stellen Arznei- und Reizmittel, nicht Nahrungsmittel dar. Bei schwereren Fällen von chronischem M. ist die tägliche Ausspülung des Magens mittels des Magenschlauches das beste Mittel, zumal wenn Gärungen bestehen. Häufig sind Mineralwassertrinkkuren von günstigem Erfolg. Bei M. mit starker Schleimabsonderung und Säurebildung empfehlen sich Trinkkuren mit alkalisch-muriatischen Wässern (Neuenahr, Vichy, Ems), bei gleichzeitiger Verdauungsträgheit solche mit alkalisch-salinischen Quellen (Karlsbad, Marienbad), bei schwer daniederliegender Magensaftbildung sind Kochsalzwässer (Kissingen, Homburg) besonders angezeigt. Von Arzneimitteln sind die Bitterstoffe und das salpetersaure Silber besonders bewährt. Literatur bei Artikel »Magen« (Krankheiten).
 
Artikelverweis 
Magenkoller, s. Meyers Koller.
 
Artikelverweis 
Magenkrampf (Gastralgia, Cardialgia, Gastrospasmus), eine schmerzhafte Affektion des Magens, die nicht von wahrnehmbaren Strukturveränderungen des Organs abhängt, sondern eine sensible Magenneurose (s. d.) darstellt. Sie wird auch als nervöse Kardialgie bezeichnet. Man beobachtet den M. wie auch andre Formen der Neuralgie häufig bei blutarmen Individuen. So gehören leichtere und schwerere Anfälle von M. bei bleichsüchtigen Mädchen zu den gewöhnlichsten Erscheinungen, die verschwinden, sobald die Bleichsucht gehoben wird. Der M. ist eines der häufigsten Symptome der Hysterie (s. d.). In andern Fällen hängt der M. von gewissen Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks sowie von substantiellen Veränderungen des Lungen-Magennervs und des sympathischen Nervs ab, die den Magen mit Nervenfäden versorgen. Der M. kann auch eine Teilerscheinung chronischer Malaria oder Gicht sein. Oft ist jedoch kein Grund für heftige und langwierige Magenkrämpfe zu finden. Der M. hat einen typischen Verlauf, indem auf schmerzfreie Zeiträume Anfälle der heftigsten Schmerzen folgen, die zuweilen regelmäßig sich täglich zu derselben Stunde oder alle zwei oder drei Tage wiederholen. Dabei befällt entweder plötzlich oder nach vorangegangenem Gefühl von Druck den Patienten ein heftiger zusammenziehen der Schmerz in der Magengrube, der sich bis zum Rücken verbreitet und mit Ohnmachtsgefühl, verfallenem Gesicht, Kälte der Hände und Füße und kleinem, aussetzen dem Puls einhergeht. Der Schmerz steigt so, daß der Kranke laut ausschreit. Die Magengegend ist meist eingezogen; die Bauchdecken sind gespannt. Der Anfall dauert einige Minuten bis 1/2 Stunde. Dann nimmt der Schmerz allmählich ab, oder er hört plötzlich auf mit Aufstoßen oder auch Erbrechen. Druck von außen auf den Magen oder Zufuhr von Speise erleichtert häufig den M., während der Schmerz beim Magengeschwür dadurch gesteigert wird. In den schmerzfreien Intervallen fehlen beim M. die Zeichen einer gestörten Verdauung, im Gegensatz zu andern schmerzhaften Magenkrankheiten. Ebenso leidet die Ernährung bei M. wenig. Die Anfälle beim M. treten oft bei leerem Magen ein, während die Schmerzanfälle beim Magengeschwür fast immer auf eine Mahlzeit folgen. Die Prognose des Magenkrampfes ist günstig, wenn dieser sich als reine Magenneurose darstellt, auf Blutarmut, Gebärmutterleiden, Malariainfektion und Gicht beruht, sobald nur die Grundkrankheiten einer erfolgreichen Behandlung zugänglich sind. Schlechte Aussichten dagegen geben die auf Krankheiten des Gehirns und Rückenmarks beruhenden Formen. Die Behandlung des Magenkrampfes besteht in Beseitigung der genannten Grundkrankheiten (s. Meyers Bleichsucht). Von Medikamenten sind besonders im Anfall Wismut in großen Dosen, auch unter Zusatz von kleinen Dosen Morphium, zu benutzen.
 
Artikelverweis 
Magenkrankheiten, s. Meyers Magen, S. 63.
 
Artikelverweis 
Magenkrebs (Carcinoma ventriculi), ein bösartiges Gewächs des Magens, das, von der Magenschleimhaut ausgehend, bald in die Magenhöhle hineinwächst, bald eine knotige Verdickung der Magenwand darstellt oder auch gleichmäßig diese durchsetzt, so daß nur eine unscharf begrenzte Verdickung und Verhärtung der Magenwand zustande kommt. Unter allen Organen des Körpers ist der Magen nächst den Geschlechtsorganen des Weibes am häufigsten, in 60 Proz. der Fälle, vom Krebs betroffen. Im ganzen erkranken Männer häufiger an M. als Frauen. Zwischen dem 40. und 60. Jahr ist die Krankheit am häufigsten, doch tritt der M. auch schon zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Nicht selten entwickelt sich der M. in der Narbe eines vorhergegangenen Magengeschwürs. Der M. entwickelt sich am häufigsten in der Pförtnergegend und an der kleinen Kurvatur, seltener in der Nähe des Mageneinganges oder im Magengrund und an der großen Kurvatur. Da der M. ein gewisses Bestreben zeigt, sich in die Quere auszubreiten, so entstehen leicht ringförmige krebsige Einschnürungen des Magens am Pförtner und am Magenmund. Die Magenkrebse sind bald zellenreicher und weich (Markschwamm), bald zellenärmer und hart (Scirrhus); bald sind ihre Zellen schleimig entartet, wodurch der sogen. Gallertkrebs entsteht. Zuweilen sind sie sehr gefäßreich und sitzen wie Pilze mit breiter Basis der Innenfläche auf (Fungus haematodes, Blutschwamm). Durch Wachstum der anfänglich kleinen Knoten oder nicht scharf umschriebenen Verdickungen entsteht eine großhöckerige Geschwulst, in die allmählich die Schleimhaut in ihrer ganzen Dicke, später auch die Muskelhaut und Serosa des Magens eingeht. Die weichen Magenkrebse breiten sich viel schneller aus als die harten. Beide wachsen, ohne eine Begrenzung zu finden, an ihrer Peripherie und zugleich

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in der Dicke fort, während ihre mittlern Partien sich schon dem Zerfall zuneigen. Hat nämlich die Geschwulst die freie Schleimhautfläche erreicht, so beginnt sie auf ihrer Oberfläche zu schwärzlichen, zottigen, weichen Massen zu zerfallen, die abgestoßen werden und unter sich ein kraterförmiges Geschwür zurücklassen, das von aufgeworfenen Rändern wie von einem Wall umgeben ist. Von diesem Geschwür aus schreitet der Zerfall der Geschwulst nach außen weiter, das Geschwür erreicht eine oft sehr ansehnliche Größe, dabei kann die krebsige Wucherung so bedeutend sein, daß die Höhle des Magens darmartig verengert ist. Häufig greift die krebsige Entartung des Magens auf die Nachbarorgane über, und durch Zerfall der Krebsmasse können abnorme Kommunikationen zwischen den Höhlen dieser Organe eintreten, z. B. der Höhle des Magens und Grimmdarms. Zerfällt der M. bis zu seinem Bauchfellüberzug, bevor letzterer mit andern Organen verklebt ist, so öffnet sich der Magen nach der Bauchhöhle hin, und es entsteht eine tödliche Unterleibsentzündung. Die Symptome und der Verlauf des Magenkrebses hängen wesentlich von dem Orte seines Auftretens ab, so daß sich zwischen einem M., der den Mageneingang verlegt, und einem solchen, der den Ausgang verschließt, die größten Unterschiede ergeben. Wenn die Krebsgeschwulst zur Verengerung des Pförtners führt, so wird der übrige Magen vor dem Pförtner stark ausgedehnt und seine Wand hypertrophisch (Magenerweiterung). Ist dagegen Verengerung des Mageneinganges durch einen dort sitzenden Krebs vorhanden, so pflegt der ganze Magen zusammengezogen, seine Höhle verengert zu sein; die Erscheinungen können dabei ähnlich denen bei Speiseröhrenkrebs sein (Schluckbeschwerden). Schmerzen können vorhanden sein, aber auch fehlen; vor allem leidet der Kranke in beiden Fällen an schwerer allgemeiner Verdauungsstörung, er magert stark ab und bekommt eine schmutzig gelbgraue (kachektische) Hautfarbe. Meist gesellt sich hierzu Erbrechen, das besonders dann nach jeder Mahlzeit eintritt, wenn der M. am Pförtner sitzt und diesen verengert. Teilweiser Zerfall eines am Pförtner sitzenden und diesen verengernden Magenkrebses kann vorübergehendes Nachlassen des Brechens und der übrigen Krankheitserscheinungen zur Folge haben. Ein M., der nicht am Mageneingang oder Pförtner liegt, kann, da die Nahrungsaufnahme und die Magenentleerung wenig gestört ist, oft lange Zeit ohne sehr erhebliche Beschwerden verlaufen. Die erbrochenen Massen bestehen aus den genossenen, häufig mit dickem Schleim umhüllten Speisen, die mehr oder weniger verändert sind. Bei dem Zerfall der Krebsgeschwulst kommen gewöhnlich leichte kapillare Blutungen vor; das Blut vermischt sich mit dem Mageninhalt, und dieser wird dann als schwärzliche, krümelige, kaffeesalzähnliche Masse erbrochen. Seltener werden beim Zerfall des Magenkrebses größere Gefäße angefressen, und dann kommt es zu reichlichen Magenblutungen mit oft tödlichem Blutbrechen. Das sicherste Zeichen für das Vorhandensein eines Magenkrebses ist das Auftreten einer Geschwulst, die, falls der M. nicht an der hintern Magenwand seinen Sitz hat, am Magen selbst bemerkbar wird; später aber fühlt man auch metastatische, d. h. auf dem Wege der Verschleppung von Krebsgeschwulstkeimen durch die Blut- und Lymphbahnen vom primären M. in das Lebergewebe hinein entstandene Krebsgeschwülste in der Leber durch die Bauchdecken hindurch. Dieses Symptom fehlt jedoch in vielen Fällen von M. Ist die Neubildung ein weicher, zellenreicher Krebs, so ist der Verlauf meist in mehreren Monaten abgeschlossen; der harte Krebs dagegen, und vor allem der Gallertkrebs, kann mehrere Jahre lang bestehen. Der M. endigt niemals anders als mit dem gewöhnlich unter den Zeichen allmählicher Erschöpfung eintretenden Tode, viel seltener nach Durchbohrung der Magenwand und schnell tödlich verlaufender Bauchfellentzündung. Noch seltener führen Magenblutungen den Tod herbei. Die Unterscheidung des Magenkrebses vom chronischen Magenkatarrh und chronischen Magengeschwür ist in den Anfangsstadien des Krebsleidens recht schwierig. Neben der fühlbaren Geschwulst, dem Erbrechen, der Kachexie ist für die Erkennung des Magenkrebses das Fehlen von freier Salzsäure im Mageninhalt nach Nahrungsaufnahme von großer Bedeutung. Dieser Mangel, über dessen Erklärung noch nicht Einstimmigkeit herrscht, ist bei andern Magenkrankheiten jedenfalls selten. Daneben findet sich meist abnorm reichlicher Milchsäuregehalt infolge der Gärung des Mageninhalts, die durch die Abwesenheit der gärungswidrigen Salzsäure und langes Verweilen des Speisebreies im Magen begünstigt wird. Es ist nämlich auch, wenn der Pförtner nicht ergriffen ist, die Entleerungszeit des an Krebs erkrankten Magens verspätet.
   Bei der Behandlung des Magenkrebses ist vor allem Regelung der Diät wichtig. Die zweckmäßigste Nahrung ist die Milch, die aber nicht immer vertragen wird; daneben muß andre leichtverdauliche Kost (Eier, Suppen, künstliche Eiweißpräparate u. a.) in häufigen kleinen Mahlzeiten gereicht werden. Wenn alles Genossene sofort wieder erbrochen wird, sind Nahrungsklistiere erforderlich. Die im Magen fehlende oder zu gering vorhandene Salzsäure kann man durch Darreichung von verdünnter Salzsäure wenigstens teilweise zu ersetzen suchen. Bei starker Stauung des Mageninhalts infolge Pförtnerverengerung sind häufige Magenspülungen äußerst nützlich. Auch Einführung von geeigneten antiseptischen Arzneimitteln (Thymol, Salizylpräparate) ist in solchen Fällen nützlich zur Einschränkung der im Magen vor sich gehenden Zersetzungen. Operative Behandlung ist in günstig gelagerten Fällen oft aussichtsreich. Verhältnismäßig selten wird es freilich möglich sein, einen M. durch Entfernung eines Stückes der Magenwand, die Magenresektion (zuerst von Billroth versucht), oder bei Pförtnerkrebs durch die Resectio pylori (Rydigier) völlig zu heilen, da in den meisten Fällen das Leiden nicht mehr scharf umschrieben ist und daher bald nach der Operation Rückfälle eintreten. Bei der Pförtnerresektion wird der Anhang des Zwölffingerdarms an eine Öffnung des Magens angenäht, die nach teilweiser Vernähung der großen Magenwunde in geeigneter Größe zurückbleibt. In vorgeschrittenern Fällen, wo diese Operationen wegen zu großer Ausdehnung des Careinoms nicht mehr ausführbar sind, wo der Pförtner unwegsam geworden und der Hungertod die armen Kranken bedroht, wird der Magendarmschnitt (Gastroenterostomie) von Wölfler oft noch mit Erfolg gemacht, d. h. man bringt eine nicht zu tiefe, leicht bewegliche Dünndarmschlinge an den Magen heran, schneidet in die Wand des letztern und der Darmschlinge eine Öffnung und vernäht Magen und Darm in der Weise, daß die Öffnungen auseinander passen und der Mageninhalt aus dem Magen direkt in den Darm treten kann mit Umgehung des unwegsamen Pförtners. Man lindert damit den Kranken die Schmerzen und rettet sie vom Verhungern, auch wird das Leben dadurch oft erheblich verlängert.

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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