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Maffersdorf bis Magalhães (Bd. 6, Sp. 53 bis 54)
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Artikelverweis Maffersdorf, Marktflecken in Böhmen, Bezirksh. Reichenberg, an der Neiße und der Reichenberg-Tannwalder Eisenbahn, hat bedeutende Teppich- und Deckenfabrikation, Bierbrauerei, einen Sauerbrunnen, Badeanstalt, Versorgungshaus und (1900) 6566 deutsche Einwohner.
 
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Máfia (so richtiger als Maffia), ein Geheimbund in Sizilien, wie die Meyers Camorra (s. d.) in Neapel, der die Verletzung der Gesetze förmlich organisiert hat. Die Entstehung der M. wird abgeleitet aus den »Compagnie d'armi«, welche die Regierung um 1800 zur Aufrechthaltung der öffentlichen Sicherheit aus räuberischem Gesindel bildete, als dieses in der Folge der Auflösung der sozialen Verhältnisse des alten Feudalstaates allzusehr zugenommen hatte, und die nun die errungene Stellung zu Gewalttaten und Erpressungen aller Art mißbrauchten. Das Unwesen hörte nicht auf, als Garibaldi 1860 die Compagnie d'armi auflöste, und die M. gilt in Sizilien bis heute für eine mächtige Genossenschaft, vor der sich namentlich das niedere Volk mehr fürchtet als vor den Gerichten. Die Mitglieder der einzelnen Genossenschaften, Mafiosi genannt (sie selbst nennen sich Giovani d'onore, »ehrenhafte Jünglinge«, während die mit der Ausführung der Gewalttaten Beauftragten Malandrini, »Bösewichte«, heißen), verpflichten sich, für jede Unbill selbst Abhilfe zu suchen und niemals vor Gericht Zeugnis abzulegen, und haben bei ihrer Aufnahme eine Probe ihrer Ehrenhaftigkeit und ihres Mutes durch einen Messerzweikampf abzulegen. Räubereien und Morde vermeiden sie möglichst, soweit es sich nicht um Rache an Verrätern handelt; dagegen schützen sie von der Polizei oder den Gerichten Verfolgte, unterstützen oder betreiben selbst den einträglichen Schmuggel, organisieren Streiks oder willkürliche Preiserhöhungen u. dgl. und wollen vor allem herrschen. Viele Grundbesitzer in Sizilien waren genötigt, ihrer Sicherheit halber sich unter den Schutz der M. zu stellen, Mafiosi als Feldwächter, Gärtner etc. in ihren Dienst zu nehmen; dann war man unbedingt geschützt, während man unfehlbar der Vendetta anheimfiel, wenn man einen Mafioso der Behörde verriet oder sonst schädigte. Die M. steht unter Häuptlingen, deren Befehle streng befolgt werden. Alle Versuche, welche die italienische Regierung seit 1875 gemacht hat, haben nicht vermocht, die festbegründete Macht der M. im Volke völlig zu beseitigen. Vgl. Franchetti und Sonnino, La Sicilia nel 1876 (Flor. 1877, 2 Bde.); Umilta, Camorra et M. (Neuchâtel 1878); Alongi, La M. (Palermo 1886, 2. Aufl. 1904); Cutrera, La M. ei Mafiosi (das. 1900); Calon, La M. (Madr. 1905).
 
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Mafia, Insel an der Ostküste Deutsch-Ostafrikas (s. die Karten »Deutsch-Ostafrika«), Bezirksamt Rufidschi, 50 km lang, bis 13 km breit, 434 qkm groß und kaum 30 m hoch, eine reine Koralleninsel, die nur an einer Stelle Spuren älterer, vielleicht jurassischer Kalke aufweist. An der stark zurückweichenden Ostküste finden sich große Haufen von Bimsstein, die vielleicht von dem 1881ler vulkanischen Ausbruch in der Sundastraße herrühren. Im westlichen Teil gibt es mehrere permanente Bäche, der Pangani im O. hat teilweise unterirdischen Lauf. Die zahlreichen kleinen Seen des Innern (Tandas) führen süßes Wasser, hingen aber wohl früher mit dem Meer zusammen. Die Insel scheint gesünder zu sein als Sansibar und Pemba, das Fieber tritt hier viel schwächer auf als dort. Die Flußpferde scheinen aus der Rufidschimündung herübergewandert zu sein. Unter der 6000 Köpfe starken, ziemlich buntgemischten Bevölkerung sind die Wambwera, Verwandte der Suaheli, und die Shatiri, die nach ihrer Angabe aus Südarabien stammen, die ansehnlichsten. Die Kokospalme (200,000 Stück nach amtlichem Bericht) ist der wichtigste Kulturbaum; dazu: Maniok, Bohnen, Erbsenbäume, süße Kartoffeln, Bananen und Reis. Rinderzucht und Fischfang sind bedeutend, eine wichtige Hausindustrie bildet die Anfertigung von Matten aus den Blattfächern von Phoenix reclinata. Früher war M. Hauptsitz des Sklavenhandels. Mittelpunkt des Handels und Verkehrs ist Chole (spr. tschole) auf dem gleichnamigen Inselchen mit (1900) 3 Deutschen, 350 Arabern, 64 Indern. M. gehört zum Zivildistrikt Kilwa. Vgl. Baumann, Die Insel M. (Leipz. 1896); Voeltzkow, Wissenschaftliche Ergebnisse der Reisen in Madagaskar und Ostafrika, 18891895 (Frankf. a. M. 1897) und dessen Berichte in der »Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin«, 1904 und 1905.
 
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Mafiti (Maviti, Mafitu), Sulustamm auf der Hochebene östlich des Nyassasees bis zum Ruaha (Nebenfluß des Rufidschi), der das ackerbauende Volk der Manganja (oder Maravi) in Unterwürfigkeit hält und stammverwandt ist mit den Yao an beiden Ufern des Rovuma, den Watuta in Ugombo und den Wahehe im Quellgebiete des Ruaha und Urango (des obern Rufidschi). Als M. werden auch bezeichnet die Mahindsche (Mahenge) oder Wagwangara, ein Stamm, der zum größten Teil aus den Trümmern nördlicher Völker besteht, die sich um einen Kern

[Bd. 6, Sp. 54]


echter M. gesammelt haben. Nicht stammverwandt sind die Mahindsche im Rovumatal und die Watungu in Ulungu, die beide die Tracht, Waffen, Gesänge, Tänze sowie das kriegerische Gebaren jener nachgeäfft haben, um von den friedlichen Nachbarn gefürchtet zu sein. Von feinern Gesichtszügen als die übrigen Bantustämme, kaffeebrauner Hautfarbe, tätowieren sie sich, üben die Beschneidung, bekleiden sich mit einem Lendenschurz von Rindenstoff oder Affenfellen, tragen auf Kriegszügen ein Leopardenfell um die Schultern, auf dem Kopf einen mächtigen Federkranz und bemalen auch das Gesicht mit grellen Farben. Die Frauen tragen Armbänder aus Messingdraht. Sie haben Lanzen, Wurfspeere mit Widerhaken, große ovale Schilde von roher Rindshaut und durch die Sklavenhändler (bis in die neueste Zeit) auch Flinten. Ihre runden oder viereckigen Hütten mit kegelförmigem Strohdach halten sie sehr sauber. Die M. wanderten um 1825 von ihren südlichern Wohnsitzen über den Sambesi und unterwarfen sich die dortigen Völkerschaften bis über den Rufidschi, die Watuta drangen sogar bis zum Victoria Niansa vor, bedrohten auch die deutschen Stationen in Usaramo, Khutu und Usagara und vernichteten, nachdem Gravenreuth sie im Oktober 1889 zweimal bei Bagamoyo geschlagen hatte, 1891 die Expedition Zelewskis bei Mdawaro in Uhehe sowie 1892 die Brünings bei Kilosa in Usagara. v. Schele züchtigte die Wahehe 1894 und zerstörte ihre feste Stadt Kuirenga. Dennoch war der Mut der Wahehe nicht gebrochen, bis 1897 Prince sie der deutschen Herrschaft unterwarf.
 
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Ma foi! (franz., spr. fŭa), »meiner Treu!«
 
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Mafra, Stadt im portug. Distrikt Lissabon (Provinz Estremadura), 237 m ü. M., auf dürrer Hochebene, an der Eisenbahn Lissabon-Figueira da Foz, mit Marmorbrüchen und (1900) 4794 Einw. Oberhalb der Stadt erhebt sich der von König Johann V. 171730 erbaute Klosterpalast, ein riesiges, einförmig gebautes Viereck von 251 m Länge und 221 m Breite, mit 9 Höfen, 2500 Fenstern und 870 Gemächern. Der Palast enthält eine Bibliothek von 30,000 Bänden und dient jetzt als Kadettenschule. Er umschließt eine aus Marmor erbaute, mit Marmorstandbildern geschmückte Kuppelkirche mit zwei 68 m hohen Glockentürmen. Dabei ein Park mit Jagdgehege und Musterwirtschaft.
 
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Maftir, s. Meyers Sidra.
 
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Mâgadhî, Sprache, s. Meyers Pâli.
 
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Magadīno, Gemeinde im schweizer. Kanton Tessin, Bezirk Locarno, am Oberende des Lago Maggiore und zwar am Rande der durch die Arme des Ticino verursachten Deltasümpfe gelegen, Station der Gotthardbahn (Linie Bellinzona-Luino), 206 m ü. M., besteht aus zwei Dörfern, Ober- und Unter-M., mit (1900) 800 vorherrschend kath. Einwohnern und vor Eröffnung der Gotthardbahn Stapelplatz und Hafen für den obern Lago Maggiore.
 
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Magadis, ein der Harfe ähnliches Saiteninstrument der alten Griechen mit 20 Saiten. Im Mittelalter auch soviel wie Monochord (s. d.).
 
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Magalhães (spr. machaljāngs, span. Magallanes, engl. Magellan), 1) Fernão de, der erste Erdumsegler, um 1480 zu Saborosa in der portug. Provinz Tras os Montes geboren, gest. 27. April 1521, zeichnete sich in portugiesischen Diensten bei der Eroberung von Malakka und in Afrika aus, trat dann, von der portugiesischen Regierung zurückgesetzt, in spanische Dienste und erhielt vom Kaiser Karl V. fünf Schiffe mit etwa 280 Mann Besatzung, mit denen er 20. Sept. 1519 von San Lucar absegelte, um einen westlichen Weg nach den Molukken aufzusuchen. Nachdem er 10. Jan. 1520 die Mündung des La Plata erreicht und im Julianshafen Patagoniens fast fünf Monate überwintert hatte, entdeckte er 21. Okt. 1520 beim Vorgebirge De las Virgenes den Eingang der nach ihm benannten Straße und drang durch sie in die Südsee, die er 28. Nov. erreichte und wegen des ruhigen Wasserspiegels den »Stillen Ozean« nannte. Er durchschiffte ihn mit den drei ihm gebliebenen Schiffen (eins hatte Schiffbruch gelitten, ein andres war heimlich nach Spanien zurückgekehrt) binnen 3 Monaten und 20 Tagen und entdeckte, nahe daran, dem Mangel an Wasser und Lebensmitteln zu erliegen, 6. März 1521 die Marianen und 16. März die Philippinen, wo er den Beherrscher von Zebu zum Christentum bekehrte, aber im Kampf gegen den Beherrscher der Insel Matan fiel. Sein Geschwader ging von da nach den Molukken; aber nur eins der Schiffe, die Viktoria, kam unter Führung von Sebastian Elcano (s. d.) 6. Sept. 1522 mit 18 Personen nach Spanien zurück. Eine von einem Teilnehmer der Fahrt, dem Italiener Meyers Pigafetta (s. d.), verfaßte Beschreibung veröffentlichte Amoretti (»Primo viaggio intorno al globo«, Mail. 1800; neue Ausg., Rom 1894; franz., Par. 1801; engl., Cleveland, Ohio, 1905, 2 Bde.); einen Auszug aus dem Tagebuch eines andern Teilnehmers, des Mestre Bautista, gab Nuñez de Carvalho in den »Noticias para la historia e geographia das nações ultramarinas« (Lissab. 1831, 6 Bde.). Vgl. Bürck, Magellan, oder die erste Reise um die Erde (Leipz. 1844); Barras Arana, Vida y viajes de M. (Santiago 1864); Stanley, Magellan's first voyage round the world (Lond. 1874); Guillemard, Life of Ferdinand Magellan (das. 1890); Butterworth, The story of Magellan and the discovery of the Philippines (New York 1899).
   2) Domingo José Gonçalves, Visconde de Araguaya, brasil. Staatsmann, Philosoph und Dichter, geb. 13. Aug. 1811 in Rio de Janeiro, gest. 1882 in Rom, bereiste von 1833 ab Europa, ward 1836 der Gesandtschaft in Paris beigegeben, 1838 zum Professor der Philosophie in Rio de Janeiro ernannt, trat dann wieder in den diplomatischen Dienst als Gesandter in Turin, 1859 in Wien, 186771 in Washington. Später lebte er in Brasilien. War er in seinen romantischen »Poesias« (Rio de Janeiro 1832) noch portugiesischen Vorbildern gefolgt, so schlug er in seinen »Suspiros poeticos« (Par. 1836, 2. Aufl. 1859) die Richtung ein, auf der er in der Folge zum Haupte der nationalen Dichterschule Brasiliens wurde. Unter dem Einfluß der französischen Romantik stehen das philosophische Gedicht »Mysterios«, die erotischen Gedichte »Urania« (Wien 1862) und die »Canticos funebres«. Von seinen Dramen machten am meisten Glück: »Antonio José« (1839) und »Olgiato« (1841); von seinen Epen: »A confederação dos Tamoyos« (Rio de Janeiro 1857). Seine »Factos do espirito humano« (Par. 1858; franz. Übersetzung 1859) sind das früheste von einem Brasilier geschriebene philosophische Werk. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 8 Bänden (Par. 186465). Vgl. Wolf, Le Brésil littéraire (Berl. 1863).

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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