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Madras bis Madrid (Bd. 6, Sp. 46 bis 47)
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Artikelverweis Madras, Hauptstadt der gleichnamigen britischindischen Präsidentschaft (s. oben), an der Koromandelküste unter 13°4' nördl. Br., drittgrößte Stadt des britisch-indischen Kaiserreichs, im Sommer Europäern durch Cholera, Fieber und Dysenterie gefährlich, im Winter gesund; höchste Temperatur im Januar 20°, im Juni 34°. Sein Trinkwasser bezieht M. aus zwei großen Bassins von 20, bez. 6 qkm im NO. der Stadt. Sie bedeckt 70 qkm und umfaßt 23 Ortschaften, die einen besondern Verwaltungsdistrikt bilden. Der kleine, unsaubere Fluß Kuwam teilt M. in zwei ziemlich gleichgroße Teile. Im N. liegt Black Town, das Quartier der Eingebornen, mit engen Straßen, Sitz des Handels mit den Banken, Zollhaus, Hafen, Geschäftshäusern, Obergericht. Im S. davon erhebt sich, von einer Esplanade umschlossen, das Fort St. George, als Festung heute unbedeutend, mit den Bureaus der Zivil- und Militärverwaltung. Nördlich davon steht der 38 m hohe Leuchtturm, dessen Feuer 24 km weit reicht. Jenseit des Flusses liegt im Quartier Tiruallikane (Triplicane) die von Gärten umgebene Residenz des Gouverneurs, der Palast des pensionierten Nawabs von Karnatik und das Villenviertel. M. hat 15 anglikanische, 11 andre protestantische und 15 kath. Kirchen neben vielen Bethäusern und Hindutempeln. Mit seinem Kranz von Seen im W., seinen Parken und botanischen Gärten hat M. einen mehr ländlichen Anstrich als andre große indische Städte. Die Bevölkerung einschließlich der Garnison betrug 1901: 509,346 Personen (256,730 männlich, 252,616 weiblich), davon 410,648 Hindu, 57,331 Mohammedaner und 40,958 Christen. Die Industrie ist noch nicht bedeutend, doch ist die Baumwollfabrikation von steigender Wichtigkeit. 1894 waren in der Stadt und Umgebung 11 Baumwollfabriken mit 239,200 Spindeln und 973 Kraftstühlen tätig, die Musseline, Tücher (Madrastaschentücher) etc. herstellen; von Belang sind ferner Gerberei, Lederzurichtung, Ölpressen, Glas-, Zigarren- und Zuckerfabrikation, Töpferei, Salzsiederei. Der Handel, der 1902 bei der Einfuhr einen Wert von 67,679,230, bei der Ausfuhr von 45,972,136 Rupien hatte, führt namentlich Baumwollwaren und Baumwollengarn, Getreide, Metalle und Metallwaren, Eisenbahnmaterial, Schiffsvorräte, Schreibwaren, Drogen ein und besonders Häute und Felle, Indigo, Baumwolle, Kaffee, Sämereien aus. Der Handel richtet sich vornehmlich nach England und indischen Häfen; Deutschland ist bei der Einfuhr mit 1,09 Mill. Rupien beteiligt. Im Hafen von M. verkehren regelmäßig die Dampfer der Hansa (Hamburg), des Österreichisch-Ungarischen Lloyd, der British India Steam Navigation Co. und der Messageries-Maritimes. Eisenbahnen führen nach drei Richtungen ins Land. Von Banken sind nennenswert die Agra Bank, Bank of Bengal, London and China Bank, Madras Bank, Commercial and Land Mortgage Bank u. a. Von Unterrichtsanstalten bestehen eine Universität (nur Prüfungsbehörde), ein Presidency College mit 26 Dozenten, eine medizinische Schule, eine Polytechnische Schule, Gewerbeschule, Feuerwerkerschule, 19 höhere Colleges, eine Abteilung der Asiatischen Gesellschaft, ein naturhistorisches Museum, eine Sternwarte. M. hat 26 Zeitungen, darunter 9 in englischer Sprache, und 102 Buchdruckpressen, davon 36 englische. M. ist Sitz der Regierung und obersten Rechtspflege der Präsidentschaft, Hauptquartier der Madrasarmee mit einer Garnison von 3250 Mann, Residenz zweier katholischer Bischöfe und eines protestantischen sowie Sitz eines deutschen Konsuls. Von den Vorstädten sind zu nennen Rajapet mit der schönen St. Georgskirche westlich von Tiruallikane, das aristokratische Adyar und 5 km südlich das befestigte St. Thomas Mount oder Malaïpur, eine portugiesische Gründung, von Thomaschristen bewohnt, mit dem isolierten Mount Thomas, Wallfahrtsort der syrischen Christen.
   Die Englisch-Ostindische Kompanie erlangte bereits 1639 vom Radscha von Bisnagar die Erlaubnis, an der Stelle des heutigen M. eine Niederlassung zu gründen. Das Fort St. George oder Madraspatnam wurde erbaut, und die Kaufleute der ausgegebenen Station Armagárn siedelten hierher über. Das war der erste englische Besitz in Indien. Die schnell aufblühende Agentschaft, die Ende des 17. Jahrhunderts bereits 300,000 Seelen zählte, wurde 1653

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zur Präsidentschaft erhoben, 1746 von einer französischen Flotte fast ohne Schwertstreich genommen, im Aachen er Frieden 1748 wieder zurückgegeben. Gegen Haider Ali 1767 wurde die Stadt von den Engländern gehalten. Aber erst nachdem 1799 Seringapatam im Sturm genommen war, wobei Tippu Sahib fiel, ist England im ungestörten Besitz der Stadt geblieben. Vgl. Wheeler, M. in the olden time (Madras 186162, 3 Bde.); W. Foster, The founding of Fort St. George (Lond. 1902); Lawson, Memories of M. (das. 1905).
 
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Madrashanf, soviel wie Bengalischer Hanf, s. Crotalaria.
 
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Madrastücher, bunt gegitterte baumwollene Tücher, werden wegen ihrer echten glänzenden Farben und ihrer Feinheit in Asien und Afrika sehr geschätzt und kommen auch nach Europa.
 
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Madrazo y Agūdo (spr. madrādso), 1) José de, span. Maler, geb. 22. April 1781 in Santander, gest. 8. Mai 1859 in Madrid, erhielt seine Ausbildung auf der Akademie in Madrid, unter David in Paris und in Rom, wurde nach seiner Rückkehr in sein Vaterland zum königlichen Kammermaler und 1818 zum Dirktor der Akademie von San Fernando ernannt und gewann durch seine Werke sowie durch zahlreiche Schüler bedeutenden Einfluß auf die Kunstentwickelung Spaniens. Seine besten Werke sind: Jesus in dem Hause des Hannas (Museum in Madrid); Tod der Lucretia; Tod des Viriathus; Kampf der Griechen und Trojaner um die Leiche des Patroklos (im Quirinal); Triumph der göttlichen Liebe über die weltliche (Museum in Madrid); Madonna mit dem Kind, umgeben von Engeln; Schlacht von Cerignola; Einnahme von Breda; das heilige Herz Jesu mit der Glorie der Engel (Kloster der Salesianerinnen in Madrid). Er veröffentlichte: »Coleccion lithographica de cuadros del rey de España« (Madr. 1826 bis 1832, 3 Bde.).
   2) Federico, Sohn des vorigen, geb. 12. Febr. 1815 in Rom, gest. 10. Juni 1894 in Madrid, bildete sich bei seinem Vater und bei Winterhalter in Paris zum Geschichts- und Bildnismaler und machte sich vorzugsweise durch seine vornehm aufgefaßten Bildnisse bei der spanischen Aristokratie beliebt. Von seinen Geschichtsbildern sind hervorzuheben: Gottfried von Bouillon zum König von Jerusalem ausgerufen (1839, Museum in Versailles); Marie Christine als Nonne am Bett Ferdinands VII. (1843); die Frauen am Grabe Christi; die Bestattung der heil. Cäcilia in den Katakomben. In der letzten Zeit malte er auch Genrebilder mit glänzender Technik (die musikalische Matinee etc.). Sein Bruder Pedro de M. y Kuntz (geb. 1816, gest. 20. Aug. 1898 in Madrid) hat sich als Maler, Dichter und Kunstschriftsteller einen Namen gemacht und verfaßte unter anderm den Katalog der Madrider Galerie. Er war zuletzt Direktor des Museums für moderne Kunst und der Akademie der schönen Künste in Madrid, lebenslänglicher Sekretär der königlichen historischen Akademie und Senator.
   3) Raimondo, Maler, geb. 24. Juli 1841 in Rom als Sohn von M. 2), bildete sich nach Fortuny und malt in dessen Art Genrebilder aus dem spanischen Volksleben und elegante Damenbildnisse mit lebhafter Färbung und pikanter Auffassung. Von seinen Genrebildern sind eine Pierrette und das Ende des Maskenballes am bekanntesten geworden.
 
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Madre, Laguna de la, seichtes Haff an der Küste von Texas, nördlich vom Rio Grande, 180 km lang, durch die Inseln Mustang und Isla del Padre vom Golf von Mexiko getrennt und im N. mit der tiefern Corpus Christi- Meyers Bai (s. d.) sowie mit der Aransasbai und Masagordabai verbunden, öffnet sich im S. durch den stark versandeten, schlecht schiffbaren Brazos de Santiago (s. d.).
 
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Madre austrāl, Laguna de la, seichtes Haff an der Ostküste von Mexiko, südlich vom Rio Grande, 170 km lang, bis 30 km breit, durch vier größere und mehrere kleinere Nehrungsinseln vom Mexikanischen Golf getrennt und von dort in der Mündung des Rio de San Fernando und den Boquillas Cerradas nur kleinen Booten nahbar.
 
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Madre de Dios (Amaru-mayu, Mayutata), linker Nebenfluß des Meyers Beni (s. d.) in Südamerika, entspringt in den Anden von Cuzco als Rio Tono und mündet, 1400 km lang, unter 11° südl. Br. Das von ihm durchflossene Land ist reich an Gold, Cinchonabäumen, an Kaffee, Kakao, Kautschuk und wertvollen Holzarten.
 
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Madrepōren (Madrepora), s. Meyers Korallen.
 
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Madreporenkalk, der Korallenkalk (coral-rag) der Juraformation, insbes. aber rezenter jüngster Korallenkalk, aus lauter Madreporen bestehend, im Roten Meer, in der Südsee, im Indischen Ozean etc. noch fortwährend sich bildend; s. Meyers Koralleninseln.
 
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Madreporenplatte, s. Meyers Stachelhäuter.
 
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Madrid, span. Provinz in der Landschaft Neukastilien, grenzt im N. an die Provinz Segovia, im O. an Guadalajara, im S. an Cuenca und Toledo, im W. an Avila und hat ein Areal von 7989 qkm (145,1 QM.) mit (1900) 775,034 Einw., d. h., die Hauptstadt M. nicht mitgerechnet, 29 auf 1 qkm. Die Provinz umfaßt 18 Gerichtsbezirke, wovon auf die Hauptstadt 10 entfallen.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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