Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Madonnenbilder bis Madre, Laguna de la (Bd. 6, Sp. 43 bis 47)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Madonnenbilder (Marienbilder), gemalte und plastische Darstellungen der Jungfrau Maria mit dem Jesuskinde, die in der Geschichte der christlichen Kunst eine sehr bedeutsame Stelle einnehmen. Die Legende erzählt, daß der Evangelist Lukas das erste Bild der Madonna mit dem Kinde nach dem Leben (s. Meyers Lukasbild) gemalt haben soll, weshalb er in mittelalterlichen und modernen Bildern in dieser Tätigkeit dargestellt wird (Gemälde von R. van der Weyden in der Münchener Pinakothek). Die ersten Bilder der Mutter Jesu finden sich, doch nur vereinzelt, in Katakombenmalereien des 2. und 3. Jahrh. Erst seit dem 5. Jahrh. wurden die M. häufiger, und von da ab machte sie die byzantinische Malerei allgemein. Doch ist die Mehrzahl dieser M. durch den Bildersturm vernichtet worden. Aus den Fesseln byzantinischer Starrheit befreite Cimabue zu Ende des 13. Jahrh. die M., und von da ab hat die italienische Malerei und Plastik ihre höchste Aufgabe in Madonnenbildern gesehen, bis Raffael den Typus der Madonna mit dem Kind in zahlreichen Gemälden (Madonna della Sedia, Sixtinische Madonna) zur Vollendung brachte (vgl. auch Heilige Familie). Dem italienischen Schönheitskultus trat bald das schlicht-bürgerliche Empfinden der deutschen Kunst (Dürer und Holbein) gegenüber, in welcher der Marienkultus seinen tiefsten und

[Bd. 6, Sp. 44]


reinsten Ausdruck gefunden hat. Hier sind besonders der unter dem Namen »das Marienleben« bekannte Zyklus von Holzschnitten von Dürer und die Madonna des Bürgermeisters Meyer von H. Holbein dem Jüngern zu nennen. Eine in der mittelalterlichen Kunst beliebte zyklische Darstellung waren auch die sieben Freuden und die sieben Schmerzen der Maria. Besondere Gruppen bilden die Darstellungen der Madonna mit dem Kind, als Himmelskönigin auf dem Halbmond schwebend (nach Offenbar. Joh., Kap. 12), und die Madonna mit dem Leichnam Christi (s. Pieta). Die Madonna allein kommt häufig auf Darstellungen des Englischen Grußes, der unbefleckten Empfängnis (Murillo), der Mater dolorosa, des Todes Mariä und der Himmelfahrt Mariä vor. Beispiele von Madonnendarstellungen zeigen unsre Tafeln »Bildhauerkunst VII«, Fig. 3, Tafel VIII, Fig. 2, 6, 7 u. 9; Tafel IX, Fig. 1, 5 u. 13; Tafel X, Fig. 6, und Tafel XVII, Fig. 13. Vgl. Gruyer, Les Vierges de Raphael et l'iconographie de la Vierge (Par. 1869, 3 Bde.); Rohault de Fleury, La sainte Vierge (das. 187879, 2 Bde.); A. Schultz, Die Legende vom Leben der Jungfrau Maria und ihre Darstellung in der bildenden Kunst des Mittelalters (Leipz. 1878); Eckl, Die Madonna als Gegenstand christlicher Kunstmalerei und Skulptur (Brixen 1883); Fäh, Das Madonnenideal in den ältern deutschen Schulen (Leipz. 1884); v. Schreibershofen, Die Wandlungen der Mariendarstellung in der bildenden Kunst (Heidelb. 1886); E. Baumbach, Die Madonnendarstellung in der Malerei (2. Aufl., Dresd. 1893); Venturi, La Madonna. Svolgimento artistico delle rappresentazioni della Vergine (Mail. 1899; deutsch von Th. Schreiber, Leipz. 1900); Muñoz, Iconografia della Madonna (Flor. 1905); Rothes, Die Madonna in ihrer Verherrlichung durch die bildende Kunst (Köln 1905).
 
Artikelverweis 
Madon (spr. -dū), Jean Baptiste, belg. Maler, geb. 1796 in Brüssel, gest. daselbst 3. April 1877, machte sich zuerst als Lithograph durch Herausgabe von Sammelwerken über belgische Kostüme, dann einer »Physionomie de la sociétéen Europe de Louis IX à nos jours« (183536) einen Namen. Besonders bekannt sind die »Scènes de la vie des peintres de l'école flamande et hollandaise« (1840). Seine zahlreichen Öl- und Aquarellbilder behandeln meist Genreszenen mit Figuren in der Tracht des 17. und 18. Jahrh.; sie zeigen Geist und Humor in der Erfindung und große Gewandtheit in der Ausführung.
 
Artikelverweis 
Madoz, Pascual, span. Staatsmann, geb. 17. Mai 1806 in Pamplona, gest. 13. Dez. 1870, fiel 1823 in die Gefangenschaft der Franzosen und widmete sich literarischen Arbeiten und der Redaktion des »Catalan«. Seit 1835 wirkte er als Advokat in Barcelona, wurde 1836 für Lerida in die Cortes gewählt, trat 1843 in Opposition gegen Espartero und ward 9. Aug. 1854 zum Gouverneur von Barcelona und als Führer der Progressistenpartei zum Präsidenten der Cortes, 21. Jan. 1855 aber zum Finanzminister ernannt, in welcher Stellung er das berühmte Desamortisationsgesetz (Verkauf der Staats- und Kirchengüter) vor die Cortes brachte und dessen Annahme durchsetzte. Im Juli d. J. trat er zurück, beteiligte sich an der Revolution vom 14. Juli 1856 und begab sich hierauf ins Ausland. Nach der Revolution 1868 wurde er Zivilgouverneur von Madrid. Später wurde er unbedingter Anhänger Prims, begleitete, als dieser den Herzog von Aosta zum König ausrief, die Krondeputation nach Florenz, starb aber auf der Rückfahrt. Seine Hauptwerke sind das »Diccionario geográfico, estatístico y histórico de España« (Madr. 184850, 16 Bde.) und die »Coleccion de causas celebres« (das. 1840, 16 Bde.).
 
Artikelverweis 
Madrapas, Art grober ostindischer Musselin.
 
Artikelverweis 
Madras, halbwollener Damenkleiderstoff mit 23 bis 34 Ketten- und 2832 Schußfäden auf 1 cm aus Baumwollenzwirn Nr. 100 engl. zur Kette und West Nr. 30 engl. oder Mohair Nr. 36 engl. zum Schuß. Bindung vierbindiger Schußköper.
 
Artikelverweis 
Madras (offiziell: Presidency of Fort Saint George), Präsidentschaft des britisch-ind. Kaiserreichs (s. Karte »Ostindien«), der südlichste Teil der vorderindischen Halbinsel, erstreckt sich vom Kap Komorin unter 8°4' nördl. Br. am Golf von Bengalen (Koromandelküste) 1930 km bis zum 20.°, am Indischen Ozean (Malabarküste) 870 km bis zum 14.° nördl. Br., wird ganz vom Meer umgeben außer im N., wo das nahezu von ihm umschlossene Maisur, Bombay, Haidarabad, die Zentralprovinzen und Bengalen die Grenze bilden, und besteht aus drei verschiedenen Teilen: den 22 britischen Distrikten mit den Lakkadiven, 278,984 qkm mit (1901) 30,960,089 Einw., den drei Agentschaften Gandscham, Wisagapatam und Godaweri, 86,681 qkm mit 7,248,520 Einw., und den fünf Tributärstaaten Vanganapalla, Sundur, Pudukota, Travankor und Kotschin, 24,886 qkm mit 4,190,322 Einw., so daß das ganze, dem Gouverneur von Madras unterstellte Gebiet ein Areal von 390,551 qkm mit (1901) 42,398,931 Einw. hat.
   Physische Geographie. Das Land wird durchzogen von den Ost- und Westghats. Die Ostghats mit 500 m mittlerer Erhebung und bis 1500 m hohen Gipfeln gehören ganz zu M., sie lassen überall einen breiten, ebenen Streifen zwischen sich und dem Meer, werden von drei großen Flüssen: Godaweri, Kistna und Kaweri, durchbrochen und schließen sich im S., wo die Palni Hills 2233, die Anaimudi-Berge 2694 m und nördlich von letztern die Nilgiri 2630 m erreichen, an die Westghats, die, mit einer mittlern Höhe von 1000 m und in einer Entfernung von nur 20 bis 60 km der Küste parallel laufend, eine wirkliche Wasserscheide bilden. Das zwischen beiden Ketten eingeschlossene, 300900 m hohe Plateau neigt sich nach O. Das Klima ist nur auf den Hochebenen gesund. Dürren und Hungersnot sind häufig, dazu kommen Sumpffieber, Cholera, Pocken. Im Winter wird das Gebiet vom Nordostpassat beherrscht, im Sommer vom Südostmonsun (Übergangszeit April und Oktober mit veränderlichen Winden, böigem Wetter und verheerenden Wirbelstürmen). Man unterscheidet die kühle Jahreszeit von Oktober bis März, die heiße von April bis zur allgemeinen Regenzeit und die Regenzeit. Temperatur Madras: Jahr 27,9°, kältester Monat Januar 24,7°, wärmster Mai 30,8°; mittlere Jahresextreme 42,7 und 16,1°; Regenmenge Madras 1230 mm. Die Koromandelküste hat vorwiegend Herbstregen beim Eintritt des Nordostpassats, mit dem sie südwärts fortschreiten. Die Mineralschätze werden noch wenig ausgebeutet, nur Eisen wird seit alters von den Eingebornen in primitiver Weise aus trefflichem Magneteisenstein dargestellt. Die Kohle der ziemlich mächtigen Lager des Godaweridistrikts ist sehr aschenreich und deshalb geringwertig, dagegen werden die Goldquarzgänge und Goldseifen des Wainad neuerdings stärker bearbeitet, hauptsächlich bei Devala, 44 km südöstlich von Manentavadi. Mangan findet sich in den Nilgiri und bei Bellari, Kupfer an mehreren Stellen der Ostghats,

[Bd. 6, Sp. 45]


Antimon und Silber in Madura. Im N. und an der Koromandelküste führen die Sande der Flüsse und manche Alluvionen (Edelsande) neben andern Edelsteinen besonders Granaten und Zirkone; auch Diamanten kommen vor. Bedeutende Mengen von Salz gewinnt man aus den Strandlagunen, wofür eine Abgabe an die Regierung gezahlt wird. Die tropischen regengrünen Waldungen des Hochlandes von Dekkan, zum Teil freilich verwüstet, reichen bis M. Hier sind Charakterbäume: der wertvolle Tiekbaum (Tectona grandis), der Ebenholzbaum, der Sandelholzbaum (Pterocarpus santalinus), die Leguminose Butea frondosa, mehrere Palmen, darunter Borassus flabelliformis und Phoenix silvestris. Eingeführt sind zur Aufforstung australische Eukalyptusbäume, die jetzt in den Nilgiri ganze Wälder bilden. Die Waldungen nahmen (1901) rund 5,450,000 Hektar ein, wovon über die Hälfte unter Kontrolle der Regierung; die Holzausfuhr ergab 1903: 1,029,725 Rupien. Hinsichtlich der Tierwelt gehört M. zur indischen Subregion der orientalischen Region. Unter den Raubtieren stehen Tiger und Panther an der Spitze, zahlreich sind giftige Schlangen. Die als Haustiere gehaltenen Rinder und Schafe sind minderwertig.
   Die Bevölkerung (18,841,284 männlich, 19,368,152 weiblich) gehört zu neun Zehntel zum drawidischen Volksstamm, von dem das Tamil 15,224,447, Telugu 14,276,509, Kanaresisch 1,557,644, Malayalam 2,861,297, Tulu 499,056 sprechen, während die Bewohner der Ostghats (Toda, Kota, Kodagu) verwandte Dialekte sprechen. Englisch sprechen 37,675, Portugiesisch 2011, Deutsch 314 Personen. Die Auswanderung betrug 18911901: 2,547,124, davon 491,583 nach andern Teilen von Britisch-Indien; jährlich ziehen 120,000 Tamulen in die Teepflanzungen von Ceylon, von denen viele mit ihren Ersparnissen zurückkehren; ferner viele nach Birma. Nach Malakka sind 18921901: 219,170 Personen gegangen, nach Natal 21,405, nach Mauritius 3542. Die Volksbildung steht auf sehr niedriger Stufe, nicht weniger als 937 vom Tausend waren 1901 Analphabeten. Unterricht empfingen 1901 über 700,000 Personen, darunter nur 60,000 weiblichen Geschlechts. Indes ist die Teilnahme der Bevölkerung und die Zahl der höhern Schulen, Gewerbeschulen, Seminare, Lehranstalten für Ärzte, Apotheker und Hebammen im Steigen. Die Universität in der Hauptstadt ist eine Prüfungsbehörde, die fast ausschließlich von Hindu besucht wird (1901: 1423 Studenten). Der Religion nach zählte man 1901: 34,048,097 Hindu, 2,467,351 Mohammedaner und 1,024,071 Christen, darunter 628,755 Katholiken, 2798 syrische Christen, 139,877 Anglikaner und 77,776 Lutheraner. Unter sämtlichen Christen befanden sich 13,998 Ausländer, vornehmlich Briten. Das Christentum wurde hier vielleicht schon seit dem ersten christlichen Jahrhundert verbreitet; neben englischen und amerikanischen Missionsgesellschaften arbeiten seit vielen Jahren auch deutsche (Baseler, Leipziger, Hermannsburger, Brecklumer Mission). Vgl. Penny, The Church in M., being the history of the ecclesiastical and missionary action of the East India Company, etc., in the 17. and 18. centuries (Lond. 1904). Jedenfalls gab es Manichäer oder Nestorianer, d. h. persische Christen, bereits im 7.8. Jahrh. auf der Westküste, wie eine Inschrift in Pehlewi (Altpersisch) und ein in Kotschin aufgefundenes, jetzt in Cambridge aufbewahrtes Manuskript beweisen. Eigentümlich ist die Einteilung der Kasten der Hindu in rechtshändige (Valankai), zu denen sich die Paria (s. d.) und mehrere Händlerkasten rechnen, und in linkshändige (Idankai), denen die übrigen angehören. Als Reste des Urvolkes der Halbinsel sind die zwerghaften Naturanbeter der Waldgebirge anzusehen.
   Von den Erwerbszweigen steht der Ackerbau voran, obschon das Land keineswegs als besonders fruchtbar gelten kann. Von dem Gesamtareal (ohne die Tributärstaaten) waren 1901 unter Kultur 24,509,613 Acres, davon ein Fünftel künstlich bewässert. Hauptkulturen sind Reis (in den Uferlandschaften), Hirse, viel Baumwolle, Ölsaaten, Indigo, Tabak, Zuckerrohr, Kaffee und Tee an den Abhängen der Berge, Cinchona namentlich auf den Nilgiri. Von Früchten werden Tamarinden, Mango, Arekanüsse in den Westghats, Kokosnüsse an den Lagunen der Malabarküste gewonnen. Der Viehstand bezifferte sich 1894 auf 42,838 Pferde, 124,695 Maulesel und Esel, 12,587,844 Rinder, 2,377,401 Büffel, 13,727,372 Schafe und Ziegen und nur 9 Kamele. Die Pferdezucht ist zurückgegangen, die Rinder sind klein und mager, die Schafe hochbeinig und grobwollig. Ernten und Viehstand haben wiederholt durch Dürren gelitten, und Hungersnot hat, zuletzt 190001, Hunderttausende hinweggerafft. Die Industrie zeichnete sich früher durch seine und schöne Baumwollgewebe aus; heute haben europäische Fabrikate ihre Stelle eingenommen. Von einheimischen Produkten stehen die Juwelierarbeiten von Tritschinapalli, die Horn- und Elfenbeinarbeiten von Wisagapatam und die Sandelholzarbeiten von Kanara noch in gutem Ruf (s. Tafel Meyers »Ostindische Kultur II«). In Gandscham werden durch Europäer Zucker, Rum und Arrak hergestellt. Größere Industriezweige sind nur Spinnerei, Weberei, Zucker-, Zigarrenfabrikation und Ölpresserei. Für den Handel ist die Stadt M. der wichtigste Zentralpunkt; nennenswert sind noch die Häfen Negapatam, Tutikorin, Kalikut, alle mit dem Innern durch Eisenbahnen verbunden. Die Ausfuhr im Fremdhandel betrug 1902: 120,006,021, die Einfuhr 86,998,668 Rupien, wovon auf Deutschland 3,831,011, bez. 1,371,760 entfallen; der Küsten- und Zwischenhandel betrug 101,354,912 Rupien. An Schiffen gingen 1902 ein 1974 von 1,117,006 Ton., davon 49 deutsche von 147,240 T. Drei große Schienenwege durchziehen die Präsidentschaft und verbinden die Stadt M. mit Bombay, Goa und Beypur im W. und mit Ponditscherri, Negapatam, Tutikorin im O. sowie mit Bangalor und Maisur. Auch die Kanäle, insbes. der zwischen Kistna und Kaweri, dienen dem Verkehr. Die Hauptausfuhrartikel bilden Kaffee, Baumwolle, Häute und Leder, Reis, Öle, Zucker, wogegen namentlich Baumwoll- und Metallwaren eingeführt werden.
   Die Präsidentschaft steht unter einem Gouverneur, der zwar dem in Kalkutta residierenden Vizekönig von Indien unterstellt ist, aber auch direkt mit dem Minister für Indien in London korrespondiert; er residiert in der Stadt M., während der heißen Zeit in den Nilgiri. Ihm steht ein Rat aus den höchsten Beamten und acht vom Gouverneur ernannten Mitgliedern zur Seite. Eingeteilt wird die Präsidentschaft in 22 Distrikte, die wieder in Bezirke (Taluk) zerfallen. Für öffentliche Sicherheit sorgt ein Polizeikorps von 23,419 Mann. Das Militär der Präsidentschaft bildet ein besonderes, in sich abgeschlossenes Korps, die (1903) 43,787 Mann starke Madrasarmee, zu zwei Dritteln aus Eingebornen bestehend, wozu noch die Nairbrigade und die Maisurtruppen kommen. Sie sind

[Bd. 6, Sp. 46]


in 21 Garnisonen untergebracht; einzelne Abteilungen stehen in Birma, den Straits Settlements und Aden. Die Madrasarmee hat von den indischen Truppen den auswärtigen Dienst bisher immer allein versehen.
   Madras (patam) bestand schon im vorchristlichen Zeitalter der mächtigen Drawidareiche. Seit 1370 gehörte es dem Reiche der Jadawa an. Anfang des 17. Jahrh. machten die Engländer den ersten Versuch, in Palikat (nördlich von M.) eine Handelsniederlassung zu erwirken; 1639 wurden mit Bewilligung der regierenden Hindufürsten die Festungen St. George bei Madras, 1691 St. David bei Kudalur erbaut. Seit 1654 war der Bezirk von M. eine besondere Präsidentschaft der Ostindischen Kompanie. In den Kriegen des 18. Jahrh. traten die Engländer, die 174648 M. an die Franzosen verloren, wiederholt als Vermittler auf zwischen dem Nawab des Karnatik, dessen Gebiet um M. herumlag, und seinem südlichen Nachbar, dem Radscha von Tandschur; letzterer trat 1776 schimpflicherweise die Stadt Nagur mit 277 Dörfern an Warren Hastings ab, und 1799 ging sein ganzer Besitz an England über.
 
Artikelverweis 
Madras, Hauptstadt der gleichnamigen britischindischen Präsidentschaft (s. oben), an der Koromandelküste unter 13°4' nördl. Br., drittgrößte Stadt des britisch-indischen Kaiserreichs, im Sommer Europäern durch Cholera, Fieber und Dysenterie gefährlich, im Winter gesund; höchste Temperatur im Januar 20°, im Juni 34°. Sein Trinkwasser bezieht M. aus zwei großen Bassins von 20, bez. 6 qkm im NO. der Stadt. Sie bedeckt 70 qkm und umfaßt 23 Ortschaften, die einen besondern Verwaltungsdistrikt bilden. Der kleine, unsaubere Fluß Kuwam teilt M. in zwei ziemlich gleichgroße Teile. Im N. liegt Black Town, das Quartier der Eingebornen, mit engen Straßen, Sitz des Handels mit den Banken, Zollhaus, Hafen, Geschäftshäusern, Obergericht. Im S. davon erhebt sich, von einer Esplanade umschlossen, das Fort St. George, als Festung heute unbedeutend, mit den Bureaus der Zivil- und Militärverwaltung. Nördlich davon steht der 38 m hohe Leuchtturm, dessen Feuer 24 km weit reicht. Jenseit des Flusses liegt im Quartier Tiruallikane (Triplicane) die von Gärten umgebene Residenz des Gouverneurs, der Palast des pensionierten Nawabs von Karnatik und das Villenviertel. M. hat 15 anglikanische, 11 andre protestantische und 15 kath. Kirchen neben vielen Bethäusern und Hindutempeln. Mit seinem Kranz von Seen im W., seinen Parken und botanischen Gärten hat M. einen mehr ländlichen Anstrich als andre große indische Städte. Die Bevölkerung einschließlich der Garnison betrug 1901: 509,346 Personen (256,730 männlich, 252,616 weiblich), davon 410,648 Hindu, 57,331 Mohammedaner und 40,958 Christen. Die Industrie ist noch nicht bedeutend, doch ist die Baumwollfabrikation von steigender Wichtigkeit. 1894 waren in der Stadt und Umgebung 11 Baumwollfabriken mit 239,200 Spindeln und 973 Kraftstühlen tätig, die Musseline, Tücher (Madrastaschentücher) etc. herstellen; von Belang sind ferner Gerberei, Lederzurichtung, Ölpressen, Glas-, Zigarren- und Zuckerfabrikation, Töpferei, Salzsiederei. Der Handel, der 1902 bei der Einfuhr einen Wert von 67,679,230, bei der Ausfuhr von 45,972,136 Rupien hatte, führt namentlich Baumwollwaren und Baumwollengarn, Getreide, Metalle und Metallwaren, Eisenbahnmaterial, Schiffsvorräte, Schreibwaren, Drogen ein und besonders Häute und Felle, Indigo, Baumwolle, Kaffee, Sämereien aus. Der Handel richtet sich vornehmlich nach England und indischen Häfen; Deutschland ist bei der Einfuhr mit 1,09 Mill. Rupien beteiligt. Im Hafen von M. verkehren regelmäßig die Dampfer der Hansa (Hamburg), des Österreichisch-Ungarischen Lloyd, der British India Steam Navigation Co. und der Messageries-Maritimes. Eisenbahnen führen nach drei Richtungen ins Land. Von Banken sind nennenswert die Agra Bank, Bank of Bengal, London and China Bank, Madras Bank, Commercial and Land Mortgage Bank u. a. Von Unterrichtsanstalten bestehen eine Universität (nur Prüfungsbehörde), ein Presidency College mit 26 Dozenten, eine medizinische Schule, eine Polytechnische Schule, Gewerbeschule, Feuerwerkerschule, 19 höhere Colleges, eine Abteilung der Asiatischen Gesellschaft, ein naturhistorisches Museum, eine Sternwarte. M. hat 26 Zeitungen, darunter 9 in englischer Sprache, und 102 Buchdruckpressen, davon 36 englische. M. ist Sitz der Regierung und obersten Rechtspflege der Präsidentschaft, Hauptquartier der Madrasarmee mit einer Garnison von 3250 Mann, Residenz zweier katholischer Bischöfe und eines protestantischen sowie Sitz eines deutschen Konsuls. Von den Vorstädten sind zu nennen Rajapet mit der schönen St. Georgskirche westlich von Tiruallikane, das aristokratische Adyar und 5 km südlich das befestigte St. Thomas Mount oder Malaïpur, eine portugiesische Gründung, von Thomaschristen bewohnt, mit dem isolierten Mount Thomas, Wallfahrtsort der syrischen Christen.
   Die Englisch-Ostindische Kompanie erlangte bereits 1639 vom Radscha von Bisnagar die Erlaubnis, an der Stelle des heutigen M. eine Niederlassung zu gründen. Das Fort St. George oder Madraspatnam wurde erbaut, und die Kaufleute der ausgegebenen Station Armagárn siedelten hierher über. Das war der erste englische Besitz in Indien. Die schnell aufblühende Agentschaft, die Ende des 17. Jahrhunderts bereits 300,000 Seelen zählte, wurde 1653

[Bd. 6, Sp. 47]


zur Präsidentschaft erhoben, 1746 von einer französischen Flotte fast ohne Schwertstreich genommen, im Aachen er Frieden 1748 wieder zurückgegeben. Gegen Haider Ali 1767 wurde die Stadt von den Engländern gehalten. Aber erst nachdem 1799 Seringapatam im Sturm genommen war, wobei Tippu Sahib fiel, ist England im ungestörten Besitz der Stadt geblieben. Vgl. Wheeler, M. in the olden time (Madras 186162, 3 Bde.); W. Foster, The founding of Fort St. George (Lond. 1902); Lawson, Memories of M. (das. 1905).
 
Artikelverweis 
Madrashanf, soviel wie Bengalischer Hanf, s. Crotalaria.
 
Artikelverweis 
Madrastücher, bunt gegitterte baumwollene Tücher, werden wegen ihrer echten glänzenden Farben und ihrer Feinheit in Asien und Afrika sehr geschätzt und kommen auch nach Europa.
 
Artikelverweis 
Madrazo y Agūdo (spr. madrādso), 1) José de, span. Maler, geb. 22. April 1781 in Santander, gest. 8. Mai 1859 in Madrid, erhielt seine Ausbildung auf der Akademie in Madrid, unter David in Paris und in Rom, wurde nach seiner Rückkehr in sein Vaterland zum königlichen Kammermaler und 1818 zum Dirktor der Akademie von San Fernando ernannt und gewann durch seine Werke sowie durch zahlreiche Schüler bedeutenden Einfluß auf die Kunstentwickelung Spaniens. Seine besten Werke sind: Jesus in dem Hause des Hannas (Museum in Madrid); Tod der Lucretia; Tod des Viriathus; Kampf der Griechen und Trojaner um die Leiche des Patroklos (im Quirinal); Triumph der göttlichen Liebe über die weltliche (Museum in Madrid); Madonna mit dem Kind, umgeben von Engeln; Schlacht von Cerignola; Einnahme von Breda; das heilige Herz Jesu mit der Glorie der Engel (Kloster der Salesianerinnen in Madrid). Er veröffentlichte: »Coleccion lithographica de cuadros del rey de España« (Madr. 1826 bis 1832, 3 Bde.).
   2) Federico, Sohn des vorigen, geb. 12. Febr. 1815 in Rom, gest. 10. Juni 1894 in Madrid, bildete sich bei seinem Vater und bei Winterhalter in Paris zum Geschichts- und Bildnismaler und machte sich vorzugsweise durch seine vornehm aufgefaßten Bildnisse bei der spanischen Aristokratie beliebt. Von seinen Geschichtsbildern sind hervorzuheben: Gottfried von Bouillon zum König von Jerusalem ausgerufen (1839, Museum in Versailles); Marie Christine als Nonne am Bett Ferdinands VII. (1843); die Frauen am Grabe Christi; die Bestattung der heil. Cäcilia in den Katakomben. In der letzten Zeit malte er auch Genrebilder mit glänzender Technik (die musikalische Matinee etc.). Sein Bruder Pedro de M. y Kuntz (geb. 1816, gest. 20. Aug. 1898 in Madrid) hat sich als Maler, Dichter und Kunstschriftsteller einen Namen gemacht und verfaßte unter anderm den Katalog der Madrider Galerie. Er war zuletzt Direktor des Museums für moderne Kunst und der Akademie der schönen Künste in Madrid, lebenslänglicher Sekretär der königlichen historischen Akademie und Senator.
   3) Raimondo, Maler, geb. 24. Juli 1841 in Rom als Sohn von M. 2), bildete sich nach Fortuny und malt in dessen Art Genrebilder aus dem spanischen Volksleben und elegante Damenbildnisse mit lebhafter Färbung und pikanter Auffassung. Von seinen Genrebildern sind eine Pierrette und das Ende des Maskenballes am bekanntesten geworden.
 
Artikelverweis 
Madre, Laguna de la, seichtes Haff an der Küste von Texas, nördlich vom Rio Grande, 180 km lang, durch die Inseln Mustang und Isla del Padre vom Golf von Mexiko getrennt und im N. mit der tiefern Corpus Christi- Meyers Bai (s. d.) sowie mit der Aransasbai und Masagordabai verbunden, öffnet sich im S. durch den stark versandeten, schlecht schiffbaren Brazos de Santiago (s. d.).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 91 bis 100 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer
91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
Artikel 91 bis 100 von 183 Nächste Treffer Vorherige Treffer