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Luynes bis Luzerner Hammer (Bd. 6, Sp. 887 bis 890)
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Artikelverweis Luynes (spr. lūīn'), Dorf im franz. Depart. Indre-et-Loire, Arrond. Tours, auf einem Hügel nahe dem rechten Ufer der Loire, mit malerischem Schloß aus dem 16. und 17. Jahrh., nebst einer Kapelle aus dem 15. Jahrh., Ruinen eines gallorömischen Aquädukts, Steinbrüchen und (1901) 962 (als Gemeinde 1846) Einw. L. hieß ursprünglich Maillé und erhielt seinen jetzigen Namen 1619 nach dem Herzog von L. (s. den folgenden Artikel 1).
 
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Luynes (spr. lüīn'), 1) Charles d'Albert, Herzog von, Günstling Ludwigs XIII. von Frankreich, geb. 5. Aug. 1578 in Pont-St.-Esprit (Gard) aus einer ursprünglich florentinischen Familie, gest. 14. Dez. 1621, kam früh als Page an den Hof Heinrichs IV. und erwarb sich hier die Gunst des Dauphins und nachherigen Königs Ludwig XIII. Durch seinen Einfluß auf den König veranlaßte er 1617 die Ermordung des Marquis d'Anere und wußte sich sodann dessen sehr bedeutendes Vermögen und seine Ämter anzueignen. 1619 ward er vom König zum Herzog und Pair von Frankreich erhoben, und 1621, während des von ihm betriebenen Feldzugs gegen die Protestanten, erhielt er das Schwert als Connétable

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und kurze Zeit darauf das Kanzleramt. Er war vermählt mit Anna de Rohan, der spätern Herzogin von Chevreuse, einer ehrgeizigen, ränkesüchtigen Dame. Vgl. B. Zeller, Le Connétable de L. (Par. 1879). Einer seiner Nachkommen, Charles Philippe, Herzog von L., geb. 30. Juli 1695, gest. 2. Nov. 1758, heiratete 1732 in zweiter Ehe eine Marquise von Béthune, Ehrendame der Königin Maria Leszczynska, und war der letztern bis zu seinem Tode treu ergeben. Er hat über das Leben am Hof interessante, wenn auch parteiisch gefärbte Mitteilungen hinterlassen in seinen Memoiren (hrsg. von Dussieux und Soulié, 186065, 17 Bde.).
   2) Honoré Théodoric Paul Joseph d'Albert, Herzog von, Archäolog und Numismatiker, Nachkomme des vorigen, geb. 15. Dez. 1802 in Paris, gest. 14. Dez. 1867 in Rom, war viel auf Reisen, besonders in Italien und im Orient, oder lebte auf seinem Stammschloß Dampierre, überall ein Förderer der Künste, wurde 1830 Mitglied der Akademie der Inschriften, 1848 der Konstituierenden und 1849 der Gesetzgebenden Versammlung und ward beim Staatsstreich, 2. Dez. 1851, auf kurze Zeit verhaftet, söhnte sich aber mit dem Kaisertum aus. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: »Métaponte« (mit F. J. Debacq, Par. 1833); »Description de quelques vases peints« (1840); »Essai sur la numismatique des Satrapies, etc.« (1846); »Numismatique et inscriptions cypriotes« (1852). Aus seinem Nachlaß gab der Graf Vogué heraus: »Voyage d'exploration à la Mer Morte, à Petra et sur la rive gauche du Jourdain« (187176, 3 Bde.).
 
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Luz (spr. lüs), Stadt im franz. Depart. Oberpyrenäen, Arrond. Argelès, in einem schönen Gebirgstal an der Mündung des Bastan in den Gave de Pau, am Fuß des aussichtsreichen Pic de Bergons (2070 m) gelegen, 685 m ü. M., hat eine von den Tempelherren im 12. Jahrh. erbaute, befestigte Kirche mit kleinem Museum, Schloßruinen, eine Badeanstalt, in die seit 1881 die Schwefelquelle von Barzun (bei Barèges) geleitet ist (27,6°), Fabrikation von Wollenstoffen (Barège), Kupfer-, Silber- und Bleibergbau und (1901) 1062 (als Gemeinde 1509) Einw. Südwestlich der Badeort Meyers Saint-Sauveur (s. d.).
 
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Luzan (spr. ludsān), Ignacio de, span. Dichter, geb. 28. März 1702 in Saragossa, gest. 14. März 1754 in Madrid, kam noch sehr jung nach Italien, wo er in Palermo und Neapel die Rechte studierte, sich aber noch eifriger mit Literatur und Poesie befaßte. In den italienischen Akademien führte er den Namen Egidio Abenalipa. 1733 nach Spanien zurückgekehrt, machte er sich durch einige gewandte Übersetzungen griechischer Dichter sowie durch Bearbeitungen französischer und italienischer Stücke für die spanische Bühne bekannt und trat dann mit seiner »Poetica« (Saragossa 1737; Madr. 1789, 2 Bde.) auf, durch die es ihm gelang, den französischen Geschmack in die heimische Dichtkunst einzuführen. Die spanische Akademie und die Akademie der Geschichte ernannten ihn zum Mitglied; auch war er ciner der Gründer der Akademie von San Fernando. Außer der Poetik ist von seinen Werken wenig gedruckt. Seine Gedichte, die sich nur durch Korrektheit und Eleganz der Sprache auszeichnen, sind im 61. Bande der »Biblioteca de Autores Españoles« abgedruckt.
 
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Luzérn, ein Kanton der Zentralschweiz, grenzt im O. an die Kantone Aargau, Zug und Schwyz, im S. an Unterwalden, im W. an Bern und im N. an Aargau und hat einen Flächeninhalt von 1500,8 qkm (27,3 QM.). L. gehört zum größten Teil der Hochebene an, und zwar mit dem sogen. Gäu, zu dem die voralpine Talschaft des Entlebuch, die von-den Meyers Emmentaler Alpen (s. d.) eingerahmt wird, den Gegensatz bildet. Höchster Gipfel des Kantons ist das Brienzer Rothhorn (2351 m) an der Südgrenze, während vom Pilatus nur der Nordwestabhang, vom Rigi der Südwestabhang zu L. gehören. Die Hauptentwässerung erfolgt durch die Meyers Reuß (s. d.), die sofort nach ihrem Austritt aus dem Vierwaldstätter See die vom Entlebuch herabkommende Kleine Emme aufnimmt und nach kurzem Lauf auf aargauisches Gebiet übertritt, während Wigger, Suren, Wyna und (Hallwiler) Aa, die Suren unter Bildung des Sempacher, die Aa unter Bildung des Baldegger und Hallwiler Sees, auf längern Strecken den luzernischen Gäutälern angehören und, gleich der Reuß, direkt der Aare zugehen. Das Land ist also Aare-, d. h. Rheingebiet. Das Klima ist nach der Höhe verschieden, im S. rauh, auf der Hochebene milder, am gelindesten am Fuß des Rigi; die Stadt L. hat eine Jahrestemperatur von 8,5°, die Menge der Niederschläge beträgt dort 117 cm, steigt aber im gebirgigen Teil auf 138 cm. Der Kanton zählt (1900) 146,912 Einw. (98 auf 1 qkm), fast ausschließlich deutschen Stammes, da nur 2204 Italienisch, 747 Französisch und 64 romanische Sprachen sprechen, und meist katholischer Konfession (12,085 Protestanten, 315 Israeliten), aber nach Mundart, Temperament und Beruf wesentlich verschieden in dem Ackerbau treibenden Gäu und in dem Viehzucht und Alpenwirtschaft treibenden Hinterlande des Entlebuch. Der Kanton zerfällt in die fünf Bezirke Entlebuch und Sursee, wo sämtliche Einwohner zwischen 500 und 999 m Höhe leben, L., Hochdorf und Willisau, wo bez. 83,60 und 37 Proz. der Bevölkerung unter 500, die übrigen zwischen 555 und 999 m Höhe wohnen. L. besteht aus 107 Gemeinden, bildet 4 Nationalratswahlkreise mit 7 Mandaten und gehört in militärischer Hinsicht zum 4. Divisionskreis. Die produktive Bodenfläche beträgt 1373,6 qkm (91,5 Proz. des Areals), wovon 1064 qkm auf Wiesen, Acker- und Gartenland, 0,17 qkm auf Rebland und 309,3 qkm auf Waldungen entfallen. Der Ackerbau ist der wichtigste Erwerbszweig und wird intensiv und rationell betrieben. Es überwiegt die Hofansiedelung gegenüber der Ansiedelung in Dörfern. Hauptgetreide ist das Korn (Spelz), daneben werden Roggen und Hafer, weniger Weizen und Gerste gebaut. Ausgedehnt ist der Anbau von Klee und andern Futterkräutern sowie am Vierwaldstätter See (Meggen) der Obstbau. Der Weinbau (besonders in Hitzkirch) lieferte 1902: 1052 hl (zu zwei Drittel Weißwein). 1900 zählte man im Kanton 6882 Pferde, 106,603 Rinder (55 Proz. Braunvieh, 45 Proz. Fleckvieh), 56,784 Schweine, 5494 Schafe, 12,831 Ziegen und 22,498 Bienenstöcke. Neben der Milchwirtschaft und bedeutender Käsefabrikation (»Emmentaler«) wird auch Aufzucht von Rindern getrieben. 1902/03 bestanden 10 Fischbrutanstalten; es wurden besonders Eier von Felchen, See- und Flußforellen (zusammen 3,9 Mill.) eingesetzt. Im Bezirk L. und im untern Wiggertal besteht auch eine bedeutende Industrie, die sich auf Baumwollspinnerei und -Weberei (Wiggertal), Seidenfabrikation (Kriens), Eisengießerei und Kettenschmiederei (Emmenweid), Maschinen- (Kriens), Papier- (Perlen), Glas-, Ziegel-, Möbelfabrikation, Bierbrauerei und Sägemüllerei erstreckt. Der Industrie dienen (1904) 322 Wasserkraftanlagen (inkl. Elektrizitätswerke) von zusammen

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4534 Pferdestärken; am bedeutendsten ist das Elektrizitätswerk Rathausen (974 Pferdestärken). Der Handel wird durch zahlreiche Eisenbahnen, für welche die Stadt L. einen wichtigen Knotenpunkt bildet, gute Straßen und den Dampferverkehr auf dem Vierwaldstätter See unterstützt; zur Ausfuhr kommen: Getreide, Käse, Vieh, Kirschwasser; die Einfuhr erstreckt sich auf Salz, Öl, Kolonialwaren, Metalle. Die Stadt L. ist Ausgangspunkt des Transitverkehrs nach Italien über die Gotthardroute. Dort wie in den Uferorten am Vierwaldstätter See bildet die Fremdenindustrie einen lohnenden Erwerbszweig. Die Kantonalbank in Luzern ist Staatsinstitut. Das Schulwesen ist gut entwickelt; an die Primärschule mit 6 Jahreskursen schließt sich die obligatorische zweijährige Wiederholungsschule an. Von höhern Schulen bestehen die Kantonschule in der Stadt L., die ein Gymnasium, eine Realschule, eine Handels-, eine Kunstgewerbeschule, ein Priesterseminar u. a. umfaßt, ferner ein Progymnasium in Beromünster, Mittelschulen in Sursee und Willisau und 8 Privatschulen. Ein staatliches Lehrerseminar befindet sich in Hitzkirch, eine Taubstummenanstalt in Hohenrain, auf dem Sonnenberg (bei Luzern) eine von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (1859) gegründete Rettungsanstalt »Katholisch-Bächtelen«, eine landwirtschaftliche Winterschule in Sursee. Der Kanton gehört nebst Solothurn und Zug zum Bistum Basel. Nach der Verfassung vom 28. Febr. 1875, die am 11. Okt. 1882 und 26. Nov. 1892 unwesentlich abgeändert wurde, bildet L. einen demokratischen Freistaat. Die Legislative ist der Große Rat (143 Mitglieder, je 1 auf 1000 Einw.) mit vierjähriger Wahlperiode. Er wählt den aus 7 Mitgliedern bestehenden Regierungsrat von vierjähriger Amtsdauer, darunter seinen Vorsitzenden, den Schultheiß. Das Erziehungswesen liegt in den Händen eines Erziehungsrates von 5 Mitgliedern, die Verwaltung der Bezirke steht je einem Statthalter zu, der vom Großen Rat auf vier Jahre ernannt wird. Die Gemeinden üben die Lokalverwaltung durch einen selbstgewählten Gemeinderat unter Vorsitz eines Ammanns aus. Die Rechtspflege wird von Friedensrichtern, Bezirksgerichten (mit 79 Mitgliedern), einem Kriminalgericht von 5 und einem Obergericht von 9 Mitgliedern ausgeübt; die beiden erstgenannten Behörden werden vom Volk, die letztern beiden vom Großen Rat gewählt. Nach der Staatsrechnung von 1904 betrugen die Einnahmen des Kantons 2,872,706 Frank, die Ausgaben 2,870,706 Fr., das reine Vermögen belief sich Ende 1904 auf 6,087,786 Fr. Das Kantonswappen ist ein von Blau und Silber gespaltener Schild. Die alten Fahnen von L. zeigen aber ein von Silber über Blau geteiltes Tuch. Landesfarben sind Weiß und Blau.
 
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Luzérn, Hauptstadt des gleichnamigen schweizer. Kantons (s. oben), liegt reizend am Ausfluß der Reuß aus dem Vierwaldstätter See, 439 m ü. M., mit dem Blick auf Rigi und Pilatus, ist Knotenpunkt der Bahnlinien Basel-Olten-L., Zug-L., L.-Gümlingen-Bern, der Gotthardbahn, der Brünigbahn sowie der Straßenbahn L.-Kriens und zählt (1900) 29,600 Einw., darunter 4933 Protestanten und 299 Juden. Die Stadt selbst ist eng angelegt, gegen N. von einer Reihe hoher, mittelalterlicher Schutztürme eingefaßt, hat sich aber durch Kai- und Häuserbauten, namentlich eine größere Zahl prächtiger Gasthöfe (wie Schweizerhof, Grand Hôtel National u. a.), erweitert und verschönert. Über die Reuß führen 3 Fahr-, 3 Fußgänger- und eine Eisenbahnbrücke. Unter den kirchlichen Gebäuden steht voran die Stiftskirche St. Leodegar (163335 erbaut) mit zwei schlanken Türmen von je 75 m Höhe (der eine trägt die Jahreszahl 1406) und einer vorzüglichen Orgel von 95 Registern. Andre hervorragende Gebäude sind: das Regierungsgebäude, die Jesuitenkirche (von 166773), das ehemalige Ursulinerinnenkloster Mariahilf (jetzt Mädchenschulhaus), die reformierte Kirche (von 1860), die englische Kirche (1898), das Rathaus, das Postgebäude, der neue Bahnhof (1896), das Kurhaus (1882), das internationale Kriegs- und Friedensmuseum (1901), das Verwaltungsgebäude der Gotthardbahn, das große Stadtspital, das Pfründehaus in der Sente, das Waisenhaus, das Theater, das neue Korrektionshaus, das Museum, das Bibliothekgebäude, das neue Schulhaus am Krienbach und das Zeughaus mit alten Trophäen, das neue Kantonsspital etc. Die Wasserversorgung (1876), das Gaswerk (1853) und das Elektrizitätswerk (1897) stehen im Dienst der Stadtverwaltung. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört der »Gletschergarten« mit Riesentöpfen, Gletscherschliffen und dem zum Gedächtnis der am 10. Aug. 1792 bei der Verteidigung der Tuilerien gefallenen Schweizergardisten 1820 errichteten Monument, einem nach Thorwaldsens Modell in die Felsenwand eingehauenen Löwen von 9 m Länge und 5,6 m Höhe. Der Fremdenverkehr belief sich 1902 auf 136,481 abgestiegene Fremde. Es bestehen 67 Hotels und Gasthäuser und zahlreiche Pensionen, ferner 15 Banken, darunter 2 Notenbanken. Endlich verdient Erwähnung das Pfyffersche Relief der Urkantone, vom Anfang des 19. Jahrh., über 6,5 m lang und 3,5 m breit. Schöne Aussichtspunkte sind: die Fluhmatt, die Allenwindenhöhe, die drei Linden am Gizlisberg, der Gütsch, mit Drahtseilbahn zugänglich, die Ruinen des Schlosses Stollberg; im W. von L. liegt das Kurhaus Sonnenberg (870 m), wohin Drahtseilbahn führt. Vgl. Heer, Führer für L., Vierwaldstätter See und Umgebung (14. Aufl., Luzern 1905); Wapf, Das Wirtschaftswesen der Stadt L. in alter und neuer Zeit (Zürich 1895) und Literatur zu folgendem Artikel. Die Stadt L. verdankt ihren Ursprung und wahrscheinlich auch ihren Namen (Ludgaria, Luciaria) dem Kloster St. Leodegar, das um 740 von Mönchen der Abtei Murbach im Elsaß gestiftet wurde und mit seinen Besitzungen unter der Herrschaft des Mutterklosters verblieb. Dieses verkaufte die Stadt 1291 an Rudolf von Habsburg, aber zur Wahrung seiner unter der geistlichen Herrschaft errungenen städtischen Freiheiten trat L. 7. Nov. 1332 in den Bund der Waldstätte. Das dadurch gelockerte Verhältnis zu Österreich wurde durch die Schlacht von Sempach 1386 vollends zerrissen, und 1390 erhielt die Stadt von König Wenzel mit dem Blutbann die Bestätigung ihrer Reichsfreiheit. Im 14. und 15. Jahrh. erwarb sich L. durch Kauf, Verpfändung und Eroberung ein bedeutendes Untertanengebiet. Gegen die Reformation verhielt es sich feindselig; es wurde der Mittelpunkt der gegenreformatorischen Bestrebungen in der Schweiz. Auf Veranlassung des kriegsberühmten Schultheißen Ludwig Meyers Pfyffer (s. d.) wurden 1574 die Jesuiten nach L. berufen, wo seit 1586 auch ein päpstlicher Nunzius seinen ständigen Sitz hatte. Am 5. Okt. 1586 beschworen die sieben katholischen Orte

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den Borromeischen Sonderbund in L. Auch in L. entwickelte sich die städtische Verfassung durch das Selbstergänzungsrecht der Räte und die Erhöhung der Befugnisse derselben auf Kosten der Bürgergemeinde im 16. und 17. Jahrh. zu einer patrizischen Oligarchie; die Landschaft aber litt durch Mißachtung ihrer verbrieften Rechte, Erhöhung der Abgaben und Willkür der Landvögte. Daher nahm 1653 in dem luzernischen Entlebuch der große Bauernkrieg in der Schweiz seinen Anfang, dessen Niederwerfung die unumschränkte Herrschaft des Patriziats bis 1798 begründete. Am 31. Jan. 1798 erklärte der Große Rat die aristokratische Regierungsform für abgeschafft, und L. wurde zur Hauptstadt der Helvetischen Republik erhoben. Die Mediationsakte machte den Kanton L. 1803 wieder zu einem besondern Staatswesen mit repräsentativer Verfassung. Allein 1814 wurde dieselbe durch einen Handstreich des Schultheißen Rüttimann gestürzt und die Staatsform derjenigen vor 1798 angenähert mit dem Unterschiede, daß die Landschaft die Hälfte der Repräsentanten im Großen Rat erhielt. Eine Verfassungsrevision beseitigte 1829 das Selbstergänzungsrecht des Kleinen Rates und entzog demselben die richterliche Gewalt; nach der Julirevolution wurde auf das Verlangen einer Volksversammlung in Sursee (21. Nov.) ein Verfassungsrat gewählt, dessen am 30. Juni 1831 angenommener Entwurf der Landschaft eine gerechtere Repräsentation gewährte, Gleichheit vor dem Gesetz, Denk- und Preßfreiheit verkündete. Aber da das liberale Regiment, das 1830 zur Herrschaft kam, die Interessen der katholischen Kirche zu verletzen schien, strebte eine klerikal-demokratische Partei unter der Führung des Bauers Joseph Len von Ebersol und des Staatsschreibers Konstantin Siegwart-Müller dahin, den Sturz desselben mittels einer Verfassungsrevision herbeizuführen. Diese wurde von dem durch Jesuitenmissionen bearbeiteten Volk beschlossen (31. Jan. 1841) und der Verfassungsrat vollständig im Sinne der »Leuenpartei« bestellt. Das neue, 1. Mai angenommene Grundgesetz raubte der (liberalen) Stadt das letzte Vorrecht, indem es die Vertretung nach der Kopfzahl feststellte, gab dem Volk das Veto gegen mißliebige Gesetze, befreite die Kirche von aller staatlichen Hoheit und überlieferte ihr das Unterrichtswesen. Die neue Regierung, deren Haupt Siegwart-Müller war, bezeichnete ihre Stellung, indem sie den Papst um seinen Segen zu dem Werk bat. Die Krönung desselben durch die Berufung der Jesuiten an die höhern Lehranstalten (W. Okt. 1844), die verunglückten Schilderhebungen und Freischarenzüge der Radikalen (8. Dez. 1844 und 30./31. März 1845), die Verurteilung und Flucht des Dr. Steiger, ihres Hauptes, die Ermordung Leus, die Stiftung des Sonderbundes (im Dezember 1845) und dessen Niederwerfung durch die Eidgenossenschaft (im November 1847) gehören der allgemeinen Geschichte der Meyers Schweiz (s. d.) an. Unmittelbar nach der Niederlage bei Gislikon (23. Nov. 1847) flüchtete sich die Sonderbundsregierung von L. nach Altorf und löste sich auf, worauf der Stadtrat von L. sich als provisorische Regierung konstituierte und die Neuwahl des Großen Rates anordnete, der in der Mehrzahl liberal bestellt wurde. Als die von ihm ernannte Regierung, um die Kriegskosten zu bestreiten, die Klöster St. Urban und Rathausen aufhob, ergriffen die Klerikalen das Veto, brachten es aber nicht auf die nötige Stimmenzahl. Ebenso wurde eine Abänderung der Verfassung, die alle tendenziös klerikalen Bestimmungen daraus entfernte, 13. Febr. 1848 angenommen. Am 6. Dez. 1856 wurden auf Antrag der liberalen Regierung sämtliche Mitglieder des sonderbündischen Kriegsrats, die 1850 zum Schadenersatz verurteilt worden waren, mit Ausnahme des im Exil lebenden Siegwart-Müller, vom Großen Rat amnestiert. 1863 wurde durch eine Totalrevision der Verfassung an Stelle der teilweisen Erneuerung der Behörden die Integralerneuerung gesetzt, 1869 durch eine Partialrevision das Veto erleichtert und die Berücksichtigung der Minderheit bei Bestellung der Regierung vorgeschrieben. Am 7. Mai 1871 ergaben die Neuwahlen eine klerikale Mehrheit im Großen Rat, der dann auch die Regierung zum größten Teil aus Klerikalen bestellte. Wie die von Zug, erkannte sie die von den übrigen Solothurner Diözesanständen gegen den Bischof Lachat gefaßten Beschlüsse nicht an, worauf dieser 1873 in L. seinen Sitz nahm. Die Revision der Bundesverfassung von 1874, die übrigens von L. verworfen wurde, machte auch eine solche der kantonalen Verfassung notwendig; das am 28. Febr. 1875 vom Volke genehmigte neue Grundgesetz erlitt indes 1882 und 1890 Abänderungen; durch die erstere wurde infolge der Aufhebung des eidgenössischen Verbots die Todesstrafe, durch die letztere die Volksinitiative für Verfassungsänderungen eingeführt und die Entscheidung bei Volksabstimmungen der Mehrheit der Stimmenden statt der Stimmfähigen zugewiesen. Vgl. Pfyffer, Geschichte der Stadt und des Kantons L. (Zür. 185052, 2 Bde.) und Der Kanton L. (St. Gallen 185859, 2 Tle.); v. Segesser, Rechtsgeschichte der Stadt und Republik L. (Luz. 185158, 4 Bde.) und Fünfundvierzig Jahre im luzernischen Staatsdienst (Bern 1887); B. v. Meyer, Erlebnisse (Wien 1875, 2 Bde.); v. Liebenau, Das alte L. (Luzern 1882); »Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des historischen Vereins der fünf Orte L., Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug« (Einsiedeln und Stans 1843 ff.).
 
Artikelverweis 
Luzérne, s. Medicago.
 
Artikelverweis 
Luzerneälchen, s. Meyers Aaltierchen.
 
Artikelverweis 
Luzernemüdigkeit, s. Meyers Bodenmüdigkeit.
 
Artikelverweis 
Luzerner Alpen, s. Meyers Emmentaler Alpen.
 
Artikelverweis 
Luzerner Hammer, besonders im 14. Jahrh. beliebte Stangenwaffe, in der sich der Streithammer (Hakenhammer) mit dem Spieß verbindet, wobei die einzelnen Teile in ganz verschiedener Länge vorkommen, s. die Abbildungen.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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