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Luxembourg bis Luxulliān (Bd. 6, Sp. 883 bis 886)
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Artikelverweis Luxembourg (spr. lückßangbūr), Francois Henri de Montmorency-Boutteville, Herzog von, Marschall von Frankreich, geb. 8. Jan. 1628, gest. 4. Jan. 1695, nachgeborner Sohn des wegen eines Duells enthaupteten Grafen Boutteville, aus einer Nebenlinie der Montmorencys, nahm 1661 nach seiner Verheiratung mit Magdalene, der Erbin des Hauses Luxembourg-Piney, dessen Namen an. 1647/48 focht er in Katalonien und in Flandern unter dem großen Condé, auf dessen Seite er auch in den Kriegen der Fronde stand; 1659 wurde ihm äußerlich des Königs Amnestie zuteil. 1668 zeichnete er sich bei der Eroberung der Franche-Comté aus und brandschatzte die Provinz Limburg. 1672 rückte er, vereint mit den deutschen Hilfstruppen Ludwigs XIV., in Holland ein, wurde nach der Heimkehr des Königs Gouverneur von Utrecht, konnte jedoch die auf dem Eiswege versuchte Eroberung Hollands wegen Tauwetter nicht durchführen. Ende 1673 bewerkstelligte er in meisterhafter Weise, aber mit Grausamkeit und Habgier, die Räumung der Niederlande und den Rückzug. 1674 focht er mit bei Meyers Seneffe (s. d.). 1675 mit dem Marschallstab belohnt, eroberte er, nachdem er 1676 versagt hatte, 17. März 1677 Valenciennes und Cambrai, schlug den Prinzen von Oranien 11. April bei (Mont) Cassel und nochmals, vier Tage nach dem Frieden von Nimwegen, unentschiedener 14. Aug. 1678 bei St.-Denis. Entzweit mit dem ihm früher befreundeten allmächtigen Louvois, blieb er elf Jahre ohne Kommando und ward sogar 1679 in den Prozeß der Giftmischerin Voisin verwickelt, aber nach viermonatiger Hast 1680 unter Verbannung auf ein Jahr von der Chambre ardente freigesprochen. 1690 befehligte L. wieder in Flandern und schlug 1. Juli die Alliierten bei Fleurus und seinen alten Gegner Wilhelm 3. Aug. 1692 bei Steenkerken sowie 29. Juli 1693 bei Neerwinden. Der zahlreichen Fahnen wegen, die er erbeutet, und mit denen die Kathedrale von Paris geschmückt wurde, hieß er beim Volk »le tapissier de Notre-Dame«. Er zeichnete sich als Feldherr durch strategische Begabung, scharfen und raschen Blick, Verschlagenheit, persönlichen Mut und die Kühnheit seiner Maßregeln aus; doch war er ausschweifend, charakterlos, selbstsüchtig und dabei indolent, was ihn an der Ausbeutung seiner Siege hinderte. Schon die während des Eisfeldzuges 1672 von den Franzosen bei der Zerstörung von Bodegrave und Swammerdam verübten Greuel, die von holländischen Schriftstellern, namentlich von Wicquefort in seinem »Advis fidelle aux véritables Hollandais«, (1673), stark übertrieben und L. zur Last gelegt wurden, hatten L. als maßlos gehaßte Persönlichkeit in den Mund des holländischen und deutschen Volkes gebracht. Als dann die Gerüchte von einem Prozeß nach Deutschland drangen, strömte hier der Teufelsglaube seiner Zeit auf ihn zusammen; er wurde zum Helden einer faustähnlichen Volkssage, die 1680 in einem Volksbuche: »Pacta und Verbündnis des Herzogs von L., so er mit dem leidigen Satan getroffen«, ihren Niederschlag fand und sich schnell einbürgerte. Das Volksbuch, nach dem Tode Luxembourgs durch die Erzählung von dessen Abholung durch den Teufel erweitert, wurde seitdem außerordentlich oft gedruckt. In Holland dauerte die Sage, von den Pamphletisten halb ironisch genährt, nicht weit über das 17. Jahrh. hinaus; in Deutschland aber blieb sie in Volksbüchern, auf der Volksbühne und in mündlicher Überlieferung bis in die Mitte des 19. Jahrh. lebendig und scheint an Beliebtheit zeitweilig sogar die Faustsage (s. Meyers Faust) übertroffen zu haben. Vgl. Beaurain, Histoire militaire du duc de L. (Haag 1756); »Memoires pour servir à l'histoire du maréchal de L., écrits par lui-même« (das. 1758); P. de Ségur, La jeunesse du maréchal de L. 16281668 (Par. 1900), Le maréchal de L. et le prince d'Orange, 16681678 (das. 1902) und Le Tapissier de Notre-Dame. Les dernières années du maréchal de L. (das. 1904); Kippenberg, Die Sage vom Herzog von L. und die historische Persönlichkeit ihres Trägers (Leipz. 1901). Einer seiner Söhne, Chrétien Louis, Herzog von L., geb. 1675, zeichnete sich im Spanischen Erbfolgekrieg aus, ward 1734 Marschall von Frankreich und starb 1746.
 
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Luxembourgpalast, ein seit 1612 für Maria von Medici, Witwe Heinrichs IV., von Jacques de Brosse in florentinischem Rustikastil erbautes Schloß in Paris, das seinen Namen von dem frühern Besitzer des Grundstücks, dem Herzog von Luxembourg-Piney, erhalten hat. Es wurde bis zur Revolution von verschiedenen königlichen Prinzen bewohnt, war dann Staatsgefängnis, seit 1795 Sitz des Direktoriums und des Konsulats, wurde 1804 durch Chalgrin für den Senat und 183144 durch de Gisors für die Pairskammer umgebaut und war bis 1870 wieder Sitz des Senats. Jetzt enthält es die Bureaus der Seinepräfektur sowie ein Museum von Gemälden und Skulpturen französischer Künstler, die hier bis etwa zehn Jahre nach dem Tod ihrer Schöpfer bleiben und dann nach erfolgter Sichtung nach dem Louvre übergeführt werden. Auch die große von Rubens für Maria von Medici gemalte Reihe von 21 Bildern aus der Geschichte der Königin (die sogen. Luxembourggalerie) ist nachdem Louvre gebracht worden. Aus der spätern künstlerischen Ausschmückung des Palastes sind die Malereien in der Bibliothek von Delacroix hervorzuheben. Vgl. L. Favre, Le Luxembourg, récits et confidences sur un vieux palais (Par. 1882); Bénédite, Le Musée du Luxembourg (das. 1894); Hustin, Le palais du Luxembourg, ses transformations, etc. (das. 1904).

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Luxemburg, 1) ein 181566 zum Deutschen Bund gehöriges, seit 1867 unabhängiges und neutrales Großherzogtum (s. Karte »Rheinprovinz«), grenzt im O. an Rheinpreußen (durch die Our, Sauer und Mosel davon geschieden), im S. an Deutsch-Lothringen und Frankreich, im W. und N. an die belgische Provinz L. und hat ein Areal von 2597 qkm (47,16 QM.). Der nördliche Teil des Landes ist ein waldreiches, von vielen Tälern durchzogenes Plateau, der Ösling oder Eisling, der den Übergang vom lothringischen Bergland und den Ardennen zur Eifel bildet und in einzelnen Erhebungen bis 565 m Höhe ansteigt. Der südliche Teil, das fruchtbare »Gutland«, gehört der Trias- (Buntsandstein-), der Jura- und jüngern Formationen an, während im unfruchtbaren Norden die devonischen Gesteine oft bis an die Oberfläche herantreten. An Steinkohlen ist völliger Mangel, um so größer der Reichtum an Eisenerz. L. gehört zum größten Teil dem Gebiete der Sauer (Nebenfluß der Mosel) an, die es in westöstlichster Richtung durchfließt und von S. her die Alzette aufnimmt; nur die Chiers wendet sich zur Maas. Die Bevölkerung beträgt (1900) 236,543 Seelen (91 auf 1 qkm). Die Einwohner sind deutschen Stammes; auf dem Lande spricht man einen dem Französischen verwandten Dialekt. Die Gebildeten verstehen meist Deutsch und Französisch, doch ist letzteres die amtliche und Gerichtssprache. Nach dem Geburtsort waren 1900: 206,898 Einheimische und 29,549 Ausländer (darunter 14,241 Angehörige des Deutschen Reiches, ferner Italiener, Belgier, Franzosen etc.). Der Konfession nach sind sie bis auf 2269 Protestanten und 1201 Juden durchaus Katholiken, und das Land bildet seit 1873 ein eignes Bistum. Das Klima ist im N. rauh mit schneereichen Wintern und kühlen Sommern, im S. milder (in der Stadt L. mittlere Jahrestemperatur 9,8°); die Niederschläge, die besonders im Herbst stark sind, erreichen 745 mm. Fast die Hälfte des reichbewässerten Bodens (1246 qkm) nimmt Getreide-, Flachs-, Hanf- und Rübsamenbau ein; auf Wald und Lohhecken kommen 775 qkm, auf Weideland 407 qkm. Weinbau wird vorzugsweise an der Mosel und Sauer auf 876 Hektar betrieben und bringt in guten Jahren bis 60,000 hl. Der Viehstand umfaßt 18,000 Pferde, 93,000 Stück Rindvieh, 25,000 Schafe, 85,000 Schweine und 12,000 Ziegen. Die Viehzucht liefert gute Rinder und Pferde zur Ausfuhr. Daneben beschäftigt sich die Bevölkerung vorzugsweise mit der Gewinnung und Verarbeitung von Eisenerzen. Das Oolitheisenerz im obern Lias, die sogen. Minette, liegt 2,54 m mächtig in zwei Flözen im Becken von Esch-Rümlingen und bis 10 m mächtig in einem Flöz im Becken von Beles-Differdingen-Rodingen; die ganze Ablagerung nimmt 3800 Hektar ein, von denen über die Hälfte durch Tagbau zu gewinnen ist. 1902 wurden von 5197 Arbeitern in 76 Gruben 5,130,069 Ton. Eisenerz im Werte von 11,6 Mill. Mk. gefördert und 1,080,306 T. Roheisen im Werte von 47,8 Mill. Mk. in 8 Hüttenwerken produziert. Im ganzen waren 27 Hochöfen im Betrieb. Von den nicht im Lande verarbeiteten Erzen wird der größere Teil nach Belgien, der Rest nach Preußen ausgeführt. Neben der Eisenindustrie wird noch Fabrikation von Leder, Handschuhen, Fayence, Papier, Tuch, Strickwaren (Trikots), Zucker, Bier und Essig betrieben. Den Hauptbestandteil der Einfuhr bilden Koks, Steinkohlen und Getreide. Das Großherzogtum bildet, solange die Wilhelm-Luxemburg-Bahn vom Reiche verwaltet wird, ein Glied des Deutschen Zollvereins; der deutschen Branntweinsteuergemeinschaft ist L. nicht beigetreten. Das Eisenbahnnetz umfaßt 525 km, wovon auf die Wilhelm-Luxemburg-Bahn 192 km, auf die Prinz Heinrich-Bahn 194 km, die Kantonalbahn 54 km und auf Sekundärbahnen 85 km entfallen. Seit 1881 ist der Schulbesuch obligatorisch. An Unterrichtsanstalten besitzt L. zwei Normalschulen (zur Bildung von Lehrern und Lehrerinnen), ein Gymnasium (in Diekirch) und ein Progymnasium (in Echternach), eine Ackerbauschule (in Ettelbrück), ein Athenäum und ein Priesterseminar (in Luxemburg) und 750 Volksschulen. Das Großherzogtum bildet, wie erwähnt, ein selbständiges neutrales Gebiet (seit 11. Mai 1867). Großherzog ist seit 23. Nov. 1890 Adolf, ehemaliger Herzog von Nassau. Die Verfassung ist monarchisch-konstitutionell und datiert vom 9. Juli 1848 (1856 und 1868 abgeändert). Die Ständeversammlung besteht nach dem Wahlgesetz vom 22. Juni 1901 aus 48 Abgeordneten, die von den Kantonen direkt auf sechs Jahre gewählt und zur Hälfte alle drei Jahre erneuert werden; die Wahlberechtigung ist an eine Steuerzahlung von mindestens 10 Frank geknüpft, zur Wählbarkeit ist das vollendete 24. Lebensjahr erforderlich. Die Versammlung hat vollständige Mitwirkung bei der Gesetzgebung und das Recht der Steuerverweigerung. Der Präsident der Regierung ist der Staatsminister; neben demselben stehen die Generaldirektoren der Finanzen, der öffentlichen Arbeiten und des Innern. Es besteht ein Staatsrat von 15 Mitgliedern. Der Rechnungsabschluß für 1902 ergab 13,316,321 Fr. Einnahme und 13,252,259 Fr. Ausgabe, mithin einen Überschuß von 64,062 Fr.; das Budget für 1904: 12,418,790 Fr. Einnahme gegen 13,518,149 Fr. Ausgabe; daneben besteht ein durchlaufendes Budget von 8,382,640 Fr. Einnahme und Ausgabe. Die Zivilliste beträgt 200,000 Fr. Die lediglich im Interesse von Eisenbahnbauten kontrahierte Staatsschuld beläuft sich auf 12 Mill. Fr. Das Militär besteht aus 2 Kompanien (Freiwillige und Gendarmen) und zählt 300 Mann mit 8 Offizieren. Für die Rechtspflege ist der Code Napoléon maßgebend. Ein oberster Gerichtshof befindet sich in der Hauptstadt, daneben bestehen zwei Bezirksgerichte (Luxemburg und Diekirch); jeder Kanton hat ein Friedensgericht. Seit 1841 besteht der Orden der Eichenkrone in vier Klassen (s. Tafel Meyers »Orden II«, Fig. 12); 1890 sind hinzugekommen der nassauische Hausorden vom Goldenen Löwen und der Militär- und Zivilorden Adolfs von Nassau (beide 1858 gestiftet). Das Wappen (s. Tafel Meyers »Wappen II«, Fig. 12) bildet, wie das der Stadt, im zehnmal Silber über Blau gestreiften Schild ein ausgerichteter, doppeltgeschwänzter, goldgekrönter, gezungter und bewehrter, roter Löwe; in neuerer Zeit auch öfter belegt mit dem nassauischen Schild. Landesfarben sind Rot, Weiß, Blau. Eingeteilt ist L. in die Stadt L. und die drei Bezirke: Diekirch, Grevenmacher und L.
   2) Belgische Provinz, bis 1839 der westliche Teil des gleichnamigen Großherzogtums, bildet jetzt die südöstlichste Ecke des Königreichs Belgien, im O. vom Großherzogtum L., im S. von Frankreich, im W. von der belgischen Provinz Namur, im N. von Lüttich begrenzt, und hat 4417,84 qkm (80,23 QM.) Flächeninhalt. Die Bevölkerung betrug 1903: 225,963 Seelen (51 auf 1 qkm). Die Bewohner sind meist Germanen. Hauptstadt ist Arlon. S. Karte »Belgien«.
   [Geschichte.] Siegfried, Graf im Moselgau und Urenkel des in Lothringen reichbegüterten Markgrafen Eberhard von Friaul, erwarb durch Tausch 963 die

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Burg L. (s. S. 886). Erst sein Ururenkel nannte sich nach ihr »Graf von Lützelburg«. Nach dem Tode Konrads II. (1136) fiel die Grafschaft L. an seinen Großneffen Heinrich I. von Namur, 1196 an dessen Tochter Ermesinde und ihren zweiten Gemahl, Walram, Herzog von Limburg und Markgrafen von Arlon. Ihr ältester Sohn, Heinrich II. (gest. 1272), ward Stifter der zweiten luxemburgischen Linie. Sein Enkel Heinrich IV. (als deutscher König seit 1308 Heinrich VII.) übertrug L. 1310 an seinen Sohn Johann von Böhmen. Unter dessen Sohn Wenzel war die 1354 von Kaiser Karl IV. zum Herzogtum erhobene Grafschaft L. mit Brabant (s. d.) vereinigt. Nach seinem kinderlosen Tod (1383) ging L. an seinen Neffen König Wenzel, Karls IV. ältesten Sohn, über, der es 1388 an seinen Vetter Jobst von Mähren, 1411 an den mit seiner Nichte Elisabeth von Görlitz vermählten Herzog Anton von Burgund (gest. 1415) verpfändete. Als mit Kaiser Siegmund 1437 das luxemburgische Herrscherhaus erlosch, bemühte sich König Albrecht II. um die Nachfolge in L.; doch verkaufte Elisabeth 1441 alle ihre Rechte an den burgundischen Herzog Philipp den Guten. Seit 1444 mit Burgund vereinigt, fiel L. 1477 an das Haus Habsburg-Österreich, 1555 an Spanien, ward aber als ein Teil des burgundischen Kreises zum Deutschen Reich gerechnet. 1659 ging der südliche Teil von L. (Diedenhofen, Montmédy etc.) an Frankreich verloren. Der Rest kam 1713 wieder an Österreich und gehörte, seit 1795 in französischem Besitz, größtenteils zum Departement Les Forêts. Der Wiener Kongreß erhob 24. Aug. 1815 L. als Großherzogtum zu einem besondern deutschen Bundesstaat und teilte es dem König der Niederlande, Wilhelm I., als Entschädigung für den Verlust seiner nassauischen Erblande zu; doch sollte die Stadt L. (s. d.) eine deutsche Bundesfestung sein. Für die Erbfolge blieb der Erbverein des Hauses Nassau-Oranien von 1783 maßgebend, der die kognatische Sukzession ausschloß und dem Haus Nassau die Erbfolge zusicherte. Zugleich ward L., nach Abtretung einiger Orte an Preußen, durch Meyers Bouillon (s. d.) und einen Teil von Meyers Lüttich (s. d., S. 878) vergrößert. An der belgischen Revolution nahm ganz L., mit Ausnahme der Bundesfestung und ihres Rayons, teil und ward 28. Okt. 1830 von der Brüsseler provisorischen Regierung zum Bestandteil Belgiens erklärt. Erst 19. April 1838 kam der östliche deutsche Teil durch den Londoner Traktat wieder an Wilhelm I., sollte aber nicht mit den Niederlanden vereinigt, sondern als selbständiger Staat verwaltet werden und Mitglied des Deutschen Bundes bleiben. Seit 1842 zum Zollverein gehörig, blieb L. 1866 neutral. Da Preußen weder sein Besatzungsrecht in L. durch die Auflösung des Deutschen Bundes als erloschen betrachtete, noch dem Vertrag vom 21. März 1867 zustimmen wollte, durch den Wilhelm III. L. an Napoleon III. verkauft hatte, erklärte es sich 26. April mit einer von Rußland vorgeschlagenen Konferenz einverstanden, an der die Großmächte, Holland und Belgien teilnahmen. Schon 11. Mai 1867 stellte der Londoner Vertrag die Neutralität Luxemburgs unter die kollektive Garantie der unterzeichnenden Mächte und verfügte die Schleifung der von Preußen zu räumenden Festung L. Am 8. Juli d. J. ward die Zollvereinigung mit Preußen erneuert, 1868 die jetzige Verfassung eingeführt, 1872 durch 40jährige Verpachtung der Eisenbahnen an Deutschland die französische Ostbahngesellschaft aus L. verdrängt, 1881 das Militär durch ein Gendarmeriekorps ersetzt. Seit Spätsommer 1888 ist Paul Meyers Eyschen (s. d.) Ministerpräsident. Als die Ärzte im März 1889 den König-Großherzog Wilhelm III. wegen schwerer Erkrankung für regierungsunfähig erklärten, übernahm sein nächster männlicher Verwandter, Herzog Adolf (s. d. 5) von Nassau, verfassungsgemäß die Regentschaft in L., ward aber nach der unvermuteten Wiederherstellung Wilhelms (4. Mai) ziemlich unhöflich zu sofortiger Abreise genötigt. Eine neue schwere Erkrankung Wilhelms berief ihn Anfang November 1890 abermals zur Regentschaft, und 23. Nov. bestieg er den Thron des Großherzogtums, das seitdem ein völlig selbständig es Dasein führt. Unter der Regierung Adolfs, der wegen seines Gesundheitszustandes Anfang April 1902 seinen Sohn Wilhelm zum Statthalter ernannte, schloß sich L. vielfach der Sozial- und Steuergesetzgebung des Deutschen Reiches an. Auch ward im März 1903 ein Vertrag, der die Verlängerung der mit Deutschland bestehenden Zollgemeinschaft und der deutschen Verwaltung der Luxemburger Bahnen bis 1959 festsetzt, von den Volksvertretungen beider Länder genehmigt. Nach Adolfs Tode (17. Nov. 1905) folgte Großherzog Wilhelm Vgl. Gläsener, Le grand-duché de Luxembourg (Luxemb. 1886); van Werveke, Beiträge zur Geschichte des Luxemburger Landes (das. 188687); Tandel, Les communes luxembourgeoises (Arlon 1889 ff.); Pflips, Das Luxemburger Land (Aachen 1894); Eyschen, Staatsrecht des Großherzogtums L. (Freib. i. Br. 1889); Prat, Histoire d'Arlon et de la province de Luxembourg (Arlon 187274, 2 Bde.); Felsenhart, Le Luxembourg belge sous la domination romaine (Gent 1874); Schötter, Geschichte des Luxemburger Landes (Luxemb. 1882 ff.); F. Richter, Der Luxemburger Erbfolgestreit 14381443 (Trier 1889); Eltz, Aus Luxemburgs Vergangenheit und Gegenwart (das. 1891); Mohr, Die Finanzverwaltung der Grafschaft L. im Beginn des 14. Jahrhunderts (Jena 1892); H. Neumann, Statistique historique du grand-duché de Luxembourg, 18901891 (Luxemb. 1894); Keiffer, La langue et la littérature du grand-duché de Luxembourg (in den »Annales internationales d'histoire«, Congrès de Paris 1900, das. 1901). Zeitschriften: »Das Luxemburger Land« (Luxemb. 188286); »Ons Hemecht« (das. 1894 ff.); die Reisehandbücher für Belgien, Holland und L. von Bädeker, Joanne (franz.) u. a. Über die Karten des Großherzogtums s. Textbeilage »Landesaufnahme«.
 
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Luxemburg (ehemals Lützelburg), die Hauptstadt des gleichnamigen Großherzogtums, in und über dem engen, malerisch schönen Felsental der Alzette und Knotenpunkt der Linien der Wilhelmsbahn L.-Bettenburg (nach Elsaß-Lothringen und Frankreich), L.-Kleinbettingen und L.-Ulflingen (nach Belgien) und L.-Wasserbillig (nach Preußen), sowie L.-Petingen der Prinz Heinrich-Bahn und der Sekundärbahnen L.-Remich und L.-Echternach, zerfällt in die auf einer steil abfallenden Hochebene erbaute Oberstadt, die nur nach W. sich fortsetzt, und in die Unterstädte: Pfaffenthal (nördliche), Klausen (östliche) und Grund (südliche Vorstadt) im Tal, über das seit neuerer Zeit vier großartige Viadukte führen. Die zum großen

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Teil in den Felsen eingearbeiteten berühmten Festungswerke, an denen über 500 Jahre lang gebaut worden ist, die L. zu einer der stärksten Festungen Europas gemacht haben, wurden seit 1867 bis auf die ältesten Bauten (namentlich die sogen. »spanischen Türme«) geschleift. Ein weit in das Alzettetal vorspringendes schmales Felsriff, der »Bock«, ist von oben bis unten ausgehöhlt und kasemattiert; am östlichen Abhang desselben steht der sogen. Melusinenturm, ein Überbleibsel der im 14. Jahrh. erweiterten Befestigung. L. hat 6 kath. Kirchen (darunter die gotische Kathedrale Notre-Dame), ein evang. Bethaus und eine Synagoge. Unter den Gebäuden der Stadt sind das Schloß (früher Palais du Roi, 189394 umgebaut), das Stadthaus mit Gemäldegalerie am Wilhelmsplatz, den seit 1884 ein Reiterstandbild König Wilhelms II. (von Mercier) schmückt, die bedeutendsten. Erwähnung verdient außerdem der auf den abgetragenen Festungswerken angelegte prächtige Park (mit Denkmal der Prinzessin Amalie, ersten Gemahlin des verstorbenen Prinzen Heinrich der Niederlande). Von dem prächtigen Schloß des spanischen Statthalters Grafen Ernst von Mansfeld (15451604) sind nur noch-wenige-Mauern und zwei Torwege mit einigen eingemauerten römischen Reliefs und Inschriften vorhanden; die ehemals berühmten Mansfeldschen Gärten sind bis auf den Namen verschwunden. L., dessen Bevölkerung 1900: 20,928 Seelen betrug, hat ein Athenäum, ein Priesterseminar, Normalschulen für Lehrer und Lehrerinnen, ein Taubstummeninstitut, eine Altertümersammlung (in der Baubankaserne), Stadtbibliothek, Handelskammer, ein Altersheim (in den Parkanlagen), Fabriken für Maschinen, Leder, Handschuhe, Fayencewaren, Champagner, Essig etc., Handel mit Wollwaren und Leder und ist Sitz eines Bischofs. Die Burg L., die im Mittelalter Lucilinburch (wohl von luzil, »klein«) oder Lützelburg hieß, und wo schon im 3. Jahrh. n. Chr. ein römisches Kastell gestanden haben soll, ward 738 von Karl Martell der Abtei Trier geschenkt, 963 vom Grafen Siegfried erworben, in der Nacht zum 22. Nov. 1443 von den Burgundern erstürmt und 1479 von den Franzosen vorübergehend erobert. 154243 in französischen, seit 1541 in spanischen Händen, gelangte L. 1684 nach hartnäckiger Verteidigung von neuem in französischen Besitz, worauf die Festung durch Vauban die Gestalt erhielt, die sie im wesentlichen bis zur Neuzeit zeigte. Seit 1697 wieder zu Spanien, seit 1714 zu Österreich gehörig, fiel L. nach tapferer siebenmonatiger Verteidigung im Juni 1796 an Frankreich. 1815 durch die Wiener Schlußakte zur deutschen Bundesfestung erklärt, hatte L. seitdem eine Friedensbesatzung von 4000 Preußen, die aber infolge des Londoner Vertrags vom 11. Mai 1867 im September d. J. die Stadt verließen. Die damals verfügte Schleifung der Festungswerke erfolgte erst 1872. Vgl. Coster, Geschichte der Festung L. (Luxemb. 1869); Biermann, Abrégé historique de la ville et forteresse de Luxembourg (das. 1890); Kellen, L., Stadt und Land (Darmst. 1898) und Literatur zum vorhergehenden Artikel.
 
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Luxemburger Sandstein, weißer konglomeratischer Sandstein in Luxemburg und Lothringen, eine dem untern Lias (s. Meyers Juraformation) entsprechende Küstenbildung.
 
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Luxemburgisch-lüttichsche Mundart, s. Meyers Deutsche Sprache, S. 744.
 
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Luxeuil (spr. lückßöj oder lüßöj), Stadt im franz. Depart. Obersaône, Arrond. Lure, 304m ü. M., am Breuchin und an der Ostbahn, hat eine schöne Kirche aus dem 14. Jahrh., Reste einer 590 vom heil. Columbanus gestifteten Abtei, ein Stadthaus (15. Jahrh.), mehrere Häuser aus dem 16. Jahrh., ein Kommunalcollège, ein Seminar, eine Bibliothek, eine Antikensammlung, ein großes Badeetablissement, Mineralquellen (18 an der Zahl), die Chlornatrium enthalten, teilweise auch eisenhaltig sind, eine Temperatur zwischen 21 und 53° haben und zur Trink- und Badekur verwendet werden, Fabrikation von Kupferwaren, Papier und Kirschwasser, Baumwollspinnerei und -Weberei und (1901) 5162 Einw. L. hieß im Altertum Luxovium und wurde seiner Quellen wegen schon von den Römern besucht. Vgl. Baumont, Etude historique sur l'abbaye de L. (Luxeuil 1896).
 
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Luxferprismen, Vorrichtungen zur bessern Verteilung des in einen geschlossenen Raum durch Fenster etc. eindringenden Lichtes, besonders zur Beleuchtung der von den Fenstern entferntern Teile. Die L. sind viereckige Platten aus sehr hellem weißen Glas von 10 cm im Geviert mit abgeschrägten Ecken. Die eine Seite der Platten ist eben, die andre besitzt parallele Querleisten von Prismenform. Solche L. werden in beliebiger Zahl in einem Kupferrahmen zusammengefügt uno vor die Fensteröffnungen gebracht. Das Licht muß also die Prismen durchdringen, wird dabei abgelenkt, und man kann es durch verschiedene Stellung der Rahmen dorthin führen, wo man es braucht. Für jeden einzelnen Fall ist die ergiebigste Querschnittform der Prismenleisten zu bestimmen und die beste Lagerung der Leisten auf der Platte (sie liegen parallel zu einer Kante oder quer) herauszufinden. Für Kellerräume kommen Platten zur Deckung der Lichtschächte in Anwendung. Vgl. Classen, Untersuchungen über den durch Luxferprismenfenster zu erreichenden Helligkeitsgewinn (Hamb. 1901).
 
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Luxor, Seidenstoff mit 128160 Ketten- und 2628 doppelten Schußfäden auf 1 cm.
 
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Luxor, Ort in Ägypten, s. Meyers Luksor.
 
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Luxulliān (Luxulian), an Turmalin reiche, porphyrartig ausgebildete Granite von Luxulion bei Lostwithiel in Cornwall.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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