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Lupfen bis Lupow (Bd. 6, Sp. 861 bis 863)
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Artikelverweis Lupfen, Berg, s. Meyers Jura, deutscher, S. 383.
 
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Lupiae (Lupia), Stadt, s. Meyers Lecce.
 
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Lupīne (Feigbohne, Wolfsbohne, Lupinus L.), Gattung der Leguminosen, Kräuter oder Halbsträucher, selten Sträucher mit einfachen oder gefingerten, 315zähligen Blättern, endständigen, oft quirligen Blütentrauben und weit aus dem Kelch vorragender, meist seidenhaariger Hülfe mit schwammigen Querwänden. Etwa 100 Arten, hauptsächlich im westlichen Nordamerika, einige in Brasilien und im Mittelmeergebiet. Die weiße L. (L. albus L.), mit weißen

[Bd. 6, Sp. 862]


Blüten und gelbweißen Samen, findet sich im Orient, kultiviert im Mittelmeergebiet und in Mitteleuropa, wurde von den Römern gebaut und auch als Gründünger benutzt; die mehlreichen, aber bittern Samen wurden gegessen. Sie wird auch jetzt noch in Italien kultiviert; im 16. Jahrh. baute man sie am Rhein, im 18. in Sachsen; sie hat als Gründünger Wert, das Vieh aber verschmäht Blattwerk und Samen. Die gemeine Gartenlupine (L. hirsutus L.), mit blauen oder purpurroten, auch fleischfarbenen Blüten und an allen Teilen weichhaarig, wächst in den Mittelmeerländern, wurde von den alten Griechen kultiviert, bei denen ihre Samen den Ärmern, wie noch heute den Mainoten, zur Speise diente. Das Vieh frißt Kraut und Samen begierig, doch fordert die Pflanze bessern Boden und gewährt keinen Vorteil vor der gelben L. Sie wird vielfach in Gärten als Zierpflanze kultiviert. Die sizilische L. (ägyptische, römische, neapolitanische L., L. Termis Forsk.) ist mehr oder minder weichhaarig, hat weiße Blüten mit blauem Schiffchen und Samen, die denen der weißen L. gleichen, aber größer und eckiger sind. Sie wächst in den Mittelmeerländern und wird in Südeuropa häufig kultiviert. Sie gibt reiche Futtermassen, bringt aber bei uns ihre Samen nicht oder sehr spät zur Reise; die Ägypter essen die letztern in Salzwasser gekocht und geschält. Die perennierende L. (L. perennis L.). mit kriechendem Wurzelstock, aus mehreren halben Blütenquirlen bestehenden Blütentrauben, blauen Blumen und kleinen Samen, stammt aus Nordamerika, wo die Samen von Kanada bis Florida gegessen werden, erträgt unsre Winter recht gut, fordert einen guten, wasserhaltenden Boden, nimmt aber den Untergrund nicht in Anspruch und kann daher die perennierenden Kleearten ersetzen, wo der Untergrund fehlerhaft ist. Sie gibt früh und reichlich Futter, das dem Vieh viel weniger zuwider ist als das der gelben L. (L. luteus L.). Diese und die blaue L. (L. angustifolius L.) sind für die Landwirtschaft weitaus am wichtigsten. Die gelbe L. (s. Tafel Meyers »Futterpflanzen II«, Fig. 5) hat eine lange, aus mehreren Quirlen zusammengesetzte Blütenähre, große, goldgelbe, wohlriechende Blüten und rundliche, weiße, schwarz gefleckte Samen. Die pfahlförmige Wurzel dringt über 1 m in den Boden. Die gelbe L. stammt aus Sizilien, wurde in Deutschland zuerst 1840 in Groß-Ballerstedt in der Altmark gebaut und verbreitete sich von da sehr bald im Sandland. Die blaue L., die aus Spanien zu uns kam, hat einen nach oben stark verästelten Stengel, kurze, ährenförmige Trauben mit blauen Blüten und rötlichgraue, weiß punktierte Samen von der Größe der Wicken. Die L., und besonders die gelbe, ist für ärmern sandigen Boden wegen ihrer mannigfaltigen Benutzung zur Weide, zu Grünfutter, zur Heu- und Körnergewinnung und ganz besonders auch zur Kräftigung und Hebung des Bodens, als Gründünger, von großem Wert. Sie gedeiht am besten in freier, sonniger Lage, wenn der Ober- und der Untergrund aus Sand besteht und von stagnierender Nässe frei ist. Zunehmender Kalk- und Tongehalt sind von ungünstigem Einfluß. Lehmiger Sand paßt für Futtergewinn, armer Sand, der noch Roggen trägt, für Kornernten; Gips befördert den Blattwuchs. Auf geeignetem Boden kann man sie ein- oder mehreremal nach sich selbst folgen lassen und erhält aus der zweiten und dritten Bestellung das beste Saatgut. Zur Bestellung genügt ein einziges Tiefpflügen, bei trocknem Klima im Herbst. Die Vegetationsdauer beträgt 2024 Wochen; man erntet, sobald sich die Hülsen am Hauptstengel bräunen, zur Heugewinnung aber bei Halbreife. Die blaue L. ist genügsamer als die gelbe und gedeiht noch auf grandigem Boden und im Sand mit grandigem Untergrund. Das Vieh frißt die Körner der blauen L. lieber als die der gelben. Bei ersterer dringen aber die Wurzeln nicht tief in den Boden ein, und die Nachfrucht, namentlich Roggen, fällt daher viel schlechter aus. Die Keimfähigkeit der L. dauert zwei Jahre. Vgl. Futterbau und Futter und Fütterung. Lupinen enthalten etwa:

Die Lupinenkörner bilden ein leichtverdauliches, bei richtiger Verwendung für Mastzwecke vortrefflich geeignetes Futter. Alle Tiere müssen aber an Lupinen erst gewöhnt werden, und Pferde und Rinder fressen nicht leicht die bittern Kerne. Zur Entbitterung der Lupinen sind zahlreiche Methoden angegeben worden (vgl. Futterbereitung). Die Samen werden auch als Arzneimittel zu kosmetischen Salben und Pflastern benutzt. Häufiger, als man glaubt, werden Lupinen als Kaffeesurrogat benutzt. Anleitung zum Lupinenbau geben die Schriften von Thaer (Berl. 1859), Kette (9. Aufl., das. 1891); vgl. auch Seeling-Säulenfels, Ist die Verallgemeinerung des Lupinenanbaues und der Verfütterung der entbitterten Lupinenkörner wünschenswert? (Wien 1890); Simpson, Anleitung zur vollständigen Entbitterung der blauen L. (Mohrungen 1891). In Gärten kultiviert man besonders mehrere einjährige Arten und Hybriden, von perennierenden Lupinus polyphyllus Lindl. und L. perennis L., beide aus Nordamerika, mit blauen Blüten.
   Die Lupinen enthalten ein kristallisierbares Alkaloid, das Lupinin C21H40N2O2, das farblose, luftbeständige Kristalle bildet, angenehm fruchtartig riecht, intensiv bitter schmeckt, in Wasser, Alkohol und Äther sich löst, bei 68° schmilzt, im Wasserstoffraum bei 255257° ohne Zersetzung siedet, aber auch schon bei 70° in sehr merkbarer Menge verdampft und sich mit Wasserdämpfen destillieren läßt. Es reagiert stark alkalisch und bildet mit Säuren neutrale kristallisierbare Salze. Neben Lupinin kommt gelbes, dickflüssiges, in Wasser untersinkendes, stark bitteres Lupinidin C8H15N vor, das gegen Sauerstoff sehr empfindlich ist und keinen konstanten Siedepunkt zeigt. Die blaue und die weiße L. enthalten inaktives und rechtsdrehendes Lupanin C15H24N2O. Die Alkaloide des Lupinensamens wirken als Nervengift. Aus dem Kraute der Lupinen wurde auch ein Glykosid, Lupinin C29H32O16+7H2O, dargestellt, und bisweilen enthalten die Lupinen giftiges Lupinotoxin (s. Meyers Lupinose). Vgl. Baumert, Das Lupinin (Berl. 1881).
 
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Lupinenmüdigkeit, s. Meyers Bodenmüdigkeit.
 
Artikelverweis 
Lupinīn und Lupinidīn, s. Lupine.
 
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Lupinose (bösartige oder akute Gelbsucht, Icterus gravis), eine durch Verfütterung von Lupinen entstehende Krankheit, tritt besonders bei Schafen auf, doch sind auch Pferde, Rinder und Ziegen und namentlich das Wild für die Schädlichkeit der Lupinen empfänglich. Die ersten Massenerkrankungen von

[Bd. 6, Sp. 863]


Schafen sind 1872 in Pommern beobachtet worden. Die L. wird hervorgebracht durch das Lupinotoxin (Ictrogen), das nicht das Produkt einer Verderbnis der Lupinen ist, sondern auch bei tadelloser Beschaffenheit in Körnern und Heu vorzugsweise bei gelben, aber auch bei blauen und weißen Lupinen sich findet, jedoch keineswegs konstant, sondern nur unter gewissen Umständen (Witterungseinflüsse während der Vegetation?) und dann in sehr wechselnder Menge; die Ursachen seiner Bildung in den Pflanzen sind noch nicht nachgewiesen. Die Lupinen sind daher an sich ein unschädliches und nahrhaftes Futter, das aber durch gelegentliches Vorhandensein des Toxins nachteilig wirken kann und deshalb stets mit Vorsicht, bez. nach Prüfung zu füttern ist. Das Toxin kann festgestellt werden durch chemische Analyse, praktisch am besten durch mehrtägige Verfütterung von Proben aus den verschiedenen Lupinenschlägen an einzelne Schafe; andernfalls muß bei der Fütterung sorgfältig auf das etwaige Auftreten der ersten Krankheitserscheinungen geachtet werden, die sofortige Futteränderung nötig machen. Schädlich befundene Lupinen können unschädlich gemacht werden durch Dämpfen bei 2 Atmosphären Überdruck oder durch Auslaugen, wobei allerdings viel Nährstoffe verloren gehen (man läßt sie 48 Stunden mit 1 Proz. Sodalösung unter Erneuerung derselben stehen); Heu wird unschädlich, wenn es in kleinen Haufen längere Zeit im Freien, besonders im Regen, liegt. Die Symptome der L., die nach mehrtägiger Verfütterung auftreten, sind Appetitverringerung, insbes. Widerwille gegen die Lupinen, Fieber-, Puls- und Atembeschleunigung, Beeinträchtigung des Bewußtseins bis zu förmlicher Betäubung, Gelbfärbung aller Schleimhäute und der äußern Haut und Diarrhöe. Leichtere Fälle gehen in Genesung über, andre führen zur Abzehrung; bei hochgradiger Erkrankung erfolgt der Tod in 310 Tagen. Für die Behandlung ist sofortige Futteränderung die Hauptsache. Bei den gestorbenen Tieren ist am meisten auffällig die Gelbfärbung verschiedener Organe und Häute und die Veränderung der Leber, die geschwollen und hell- bis rotgelb ist. Ähnliche krankhafte Störungen sind auch beobachtet worden bei Schafen nach Verfütterung großer Quantitäten von Kartoffelschlempe, sollen gelegentlich auch durch Erbsen-, Bohnen- und Wickenstroh herbeigeführt sein. Vgl. Kühn und Liebscher, Untersuchungen über die L. der Schafe (Dresd. 1884); Dammann, Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere (3. Aufl., Berl. 1902).
 
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Lupinotoxīn, s. Meyers Lupinose.
 
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Lupīnus, Pflanzengattung, s. Lupine.
 
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Lupodūnum, s. Meyers Ladenburg.
 
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Lupold von Bebenburg, Bischof von Bamberg und kirchenpolitischer Schriftsteller, geb. vor 1300 in Bebenburg (jetzt Bemberg an der Brettach), gest. Ende Oktober 1363, studierte 131422 mit Unterbrechungen in Bologna, war gleichzeitig schon Domherr in Würzburg, ward dies 1325 auch in Mainz und 1326 dazu noch Propst zu St. Severin in Erfurt, 1328 auch Archidiakonus in Würzburg. L. beteiligte sich 1333 an der zwiespältigen Würzburger Bischofswahl zugunsten des Kaisers und gehörte 1335 bei der Erledigung des Stuhles zu den Bistumsverwesern. Seit 1353 Bischof von Bamberg, betätigte sich L. als Anhänger Karls IV., der dem Bistum unter anderm 1354 das Recht der Goldprägung verlieh, und Förderer des Landfriedens. Von seinen Schriften ist die wichtigste »De iuribus regni et imperii« (hrsg. zuerst von Wimpheling, Straßb. 1508, zuletzt Heidelb. 1664). In diesem ersten deutschen Staatsrecht, bald nach 1338 verfaßt, verfocht L. die Unabhängigkeit der deutschen Königswahl vom Papsttum. Vgl. Riezler, Die literarischen Widersacher der Päpste (Leipz. 1874); Joel, L. II. von Bebenburg, Bischof von Bamberg (Dissertation, Halle 1891).
 
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Lupow, Fluß in Hinterpommern, 120 km lang, entspringt aus dem Lupowsker See und mündet durch den Gardenschen See in die Ostsee.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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