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Ludwig bis Ludwigshall (Bd. 6, Sp. 791 bis 794)
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Artikelverweis Ludwig, 1) Otto, hervorragender Dichter und Schriftsteller, geb. 11. Febr. 1813 zu Eisfeld im Herzogtum Meiningen, gest. 25. Febr. 1865 in Dresden, verlebte in engen Umgebungen eine bewegte Jugend voll zum Teil düsterer und schwer lastender Eindrücke. Seine poetischen und musikalischen Talente übte er zunächst autodidaktisch, nahm eifrig an einem Liebhabertheater seines Heimatstädtchens Anteil und verstieg sich zur Komposition eines größern Singspiels, das die Aufmerksamkeit des regierenden Herzogs von Sachsen-Meiningen auf ihn lenkte, der ihm eine weitere Bildungslaufbahn erschloß. L. ging zunächst nach Leipzig, um unter Mendelssohn das Studium der Musik zu beginnen. Teils nervöse Reizbarkeit, die ihn am Klavier- und Orgelspiel hinderte, teils wohl auch der stärker werdende Drang zur poetischen Produktion (L. schrieb in dieser Zeit seine ersten Novellen und entwarf zahlreiche Dramen, von denen die Dramatisierung der E. T. A. Hoffmannschen Novelle »Das Fräulein von Scudéry« erhalten blieb) veranlaßten ihn, die Musik als Lebensberuf aufzugeben. Mit der ganzen Energie seines Willens warf sich L. jetzt auf literarische Studien, zog sich mehrere Jahre teils in sein Heimatstädtchen, teils in die Abgeschiedenheit eines Dorfes bei Meißen zurück, wo er mehrere unveröffentlichte Tragödien schrieb und 1850 das bürgerliche Trauerspiel »Der Erbförster« (Leipz. 1853) vollendete. Die kraftvolle Frische des darin offenbarten dramatischen Talents, die seltene Wärme und Ursprünglichkeit realistischer Charakteristik, die fortreißende Lebendigkeit und Fülle des Details namentlich der ersten Akte halfen über die bedenkliche Tatsache, daß die Tragödie nicht tragisch angelegt war, bald hinweg. Einen höhern Schwung nahm der Dichter dann in der historischen Tragödie »Die Makkabäer« (Leipz. 1855), die sich gleichfalls durch die Plastik und Farbenfülle

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des realistischen Details auszeichnete, aber im dramatischen Aufbau, in der psychologischen Anlage der Gestalten wie in der schwungvollen, bilderreichen Sprache das ideale Pathos nicht ausschloß. L. hatte sich mittlerweile verheiratet und war 1852 nach Dresden übergesiedelt, wo er die Tragödie »Agnes Bernauer« begann und seine frühern novellistischen Versuche wieder aufnahm. Als Beginn einer Reihe von Geschichten aus seiner Heimat (»Thüringer Naturen«) veröffentlichte der Dichter die vortreffliche Novelle »Die Heiterethei und ihr Widerspiel« (Leipz. 1857; 3. Aufl., Berl. 1874; illustriert von E. Liebermann, Leipz. 1899). Noch mächtiger erschien die Erzählung »Zwischen Himmel und Erde« (Frankf. a. M. 1857; 5. Aufl., Berl. 1877), ein Meisterwerk voll psychologischer Tiefe, packender Momente und eherner Konsequenz der Entwickelung, von innerster, aber dumpfer, bedrückender, nicht befreiender und erquickender Gewalt. Die weitern poetischen Bestrebungen des Dichters wurden durch schweres körperliches Siechtum unterbrochen und gehemmt. Dazu ergab sich L. vorwiegend theoretischen Reflexionen, als deren Resultat aus seinem Nachlaß einzig die »Shakespeare-Studien« (hrsg. von Heydrich, Leipz. 1871; 2. Aufl., Halle 1901; vermehrt in den »Studien«, als Bd. 5 u. 6 der Gesammelten Werke erschienen), Reflexionen, die zwar seine Produktionsfrische nicht minder niederhielten als die Krankheit, aber zu einer wertvollen Fundgrube ästhetischer Kenntnisse geworden sind. Zahlreiche Dramenfragmente (»Agnes Bernauer«, »Marino Faliero«, »Tiberius Gracchus« u. a.) zeugen dafür, daß von Zeit zu Zeit in dem Dichter die alte Kraft aufflammte, ohne daß es ihm gelungen wäre, einen dieser Anfänge auszuführen. Seinen literarischen Nachlaß mit biographischer Einleitung gab Heydrich (Leipz. 1874) heraus. Eine mit neuen, z. T. wertvollen, bisher ungedruckten Werken (darunter drei Novellen) bereicherte Ausgabe von Ludwigs »Gesammelten Schriften« veranstalteten Adolf Stern und Erich Schmidt (Leipz. 1891, 6 Bde.), mit Biographie von A. Stern (auch in Sonderausgabe: »Otto L., ein Dichterleben«); dazu veröffentlichte seine Tochter Cordelia noch aus seinem Nachlaß: »Gedanken« (Leipz. 1903). Ausgaben von Ludwigs ausgewählten Werken besorgten V. Schweizer (in Meyers Klassiker-Bibliothek, Leipz. 1898, 3 Bde.), A. Bartels (in Hesses Klassikern, das. 1900, 6 Bde.), W. Eichner (Berl. 1902, 2 Bde.), Brausewetter u. a. Vgl. Gust. Freytag, Gesammelte Aufsätze, Bd. 2 (Leipz. 1888); H. v. Treitschke, Historische und politische Aufsätze, Bd. 1 (6. Aufl., das. 1903); Kühnlein, O. Ludwigs Kampf gegen Schiller (das. 1900); Eick, O. Ludwigs Wallenstein-Plan (Dissertation, Greifsw. 1900); Rich. Müller, O. Ludwigs Erzählungskunst (Berl. 1905); Greiner, Die ersten Novellen O. Ludwigs und ihr Verhältnis zu L. Tieck (Dissertation, Jena 1904); R. M. Meyer, O. Ludwigs »Maria« (im »Euphorion«, Bd. 7, 1900); Lublinski, Jüdische Charaktere bei Grillparzer, Hebbel und Otto L. (Berl. 1898).
   2) Karl, Physiolog, geb. 29. Dez. 1816 zu Witzenhausen im Hessischen, gest. 23. April 1895 in Leipzig, studierte in Marburg und Erlangen, habilitierte sich 1842 in Marburg, wurde 1846 außerordentlicher Professor der vergleichenden Anatomie daselbst, 1849 Professor der Anatomie und Physiologie in Zürich, 1855 Professor der Physiologie und Physik am Josephinum in Wien und 1865 Professor der Physiologie in Leipzig. Es gibt kaum ein Gebiet der Physiologie, auf dem sich nicht an Ludwigs Namen wichtige Untersuchungen und Entdeckungen knüpften; auch waren einzelne seiner Arbeiten von durchaus fundamentaler Bedeutung für die gesamte Medizin und die Naturwissenschaften überhaupt. Mit Brücke, Du Bois-Reymond und Helmholtz beseitigte er die Lehre vom Vitalismus aus der deutschen Wissenschaft. Seine Arbeiten über die Zirkulation des Blutes und die Druckschwankungen im Blutgefäßsystem (Erfindung des Kymographion, durch das die graphische Methode in die Physiologie eingeführt wurde; s. Abbildung auf der Tafel Meyers »Blut und Blutbewegung II«, S. III), über die Resorption und die Anfänge der Lymphgefäße, über den Gasaustausch und die Bestimmung der Spannung der Blutgase, über den Stoffwechsel im tätigen und ruhenden Muskel, über das vasomotorische Zentrum, seine Filtrationstheorie zur Erklärung der Harnbildung in der Niere, seine Entdeckung des direkten Nerveneinflusses auf die Drüsenzellen der Absonderungsorgane und zwar zunächst der Speicheldrüsen gehören zu den schönsten Errungenschaften der neuern Physiologie. Er schrieb: »Lehrbuch der Physiologie des Menschen« (Leipz. 18521856, 2 Bde.; 2. Aufl. 185861) und gab seit 1866 »Arbeiten aus der physiologischen Anstalt zu Leipzig« heraus. Vgl. His, Karl L. und K. Thiersch, Gedächtnisrede (Leipz. 1895).
   3) Alfred, Sanskritist und vergleichender Sprachforscher, geb. 1832 in Wien, wurde 1860 als außerordentlicher Professor nach Prag berufen, 1871 daselbst zum Ordinarius ernannt und trat 1901 in den Ruhestand. Er schrieb: »Der Infinitiv im Veda« (Prag 1871); »Agglutination oder Adaption, eine sprachwissenschaftliche Streitschrift« (das. 1873) u. a. Sein Hauptwerk ist eine Übersetzung des »Rigveda«, mit Einleitung und Kommentar (Prag 187588, 6 Bde.).
   4) Karl, Maler, geb. 18. Jan. 1839 zu Römhild in Sachsen-Meiningen, gest. 19. Sept. 1901 in Berlin, besuchte 185556 die Kunstschule in Nürnberg und die Akademie in München, widmete sich hier bei Piloty der Landschaftsmalerei, ging 1868 nach Düsseldorf, wurde 1877 Professor der Landschaftsmalerei an der Kunstschule in Stuttgart, siedelte aber schon 1880 nach Berlin über. Seine Bilder, deren Motive meist dem Hochgebirge entnommen sind, zeichnen sich durch großartige, poesievolle Auffassung, treffliche Zeichnung, wirkungsvolle Farbe und breite, aber doch solide Behandlung aus. Hervorzuheben sind: das verfallene Parktor (in der Schackschen Galerie zu München), Frühling, Sommer und Herbst (im Besitz des Herzogs von Meiningen), Mondnacht (in der Galerie zu Barmen), Schmugglerweg im Gebirge, St. Gotthardpaß (Berliner Nationalgalerie), Kyklopenschlucht, Eisacktal mit dem Schlern (1880), stürmische Mondnacht am Bodensee (1881), ein Sommertag in den Graubündner Alpen (1883), der Albulapaß in Graubünden im Schnee (1884), Frühling im Gschnitztal in Tirol (1886), die vier Jahreszeiten im Hochgebirge (ein Zyklus in 4 Bildern, 1888), Bergschloß im Mondschein, Lütschinetal im Berner Oberland, die Zwillinge am Albulapaß in Graubünden, Fondo in Südtirol, bei Wimpfen am Neckar, Hohenzollern (Frühlingsmorgen), Hohenstaufen (Herbstabend), die Marienburg in Westpreußen, Morgen am Wendelstein und auf dem hohen Frassen bei Bludenz (1899). Für das Reichstagsgebäude hat er drei landschaftliche Wandgemälde ausgeführt. L. war Mitglied der Akademie. Von seinen Schwestern ist Auguste L., geb. 1854 zu Gräfenthal in Thüringen, eine talentvolle Genremalerin,

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und Julie L., geb. 1832 ebendaselbst, gest. 1894 in Berlin, war als Novellistin (»Altes und Neues«, Düsseld. 1868; »Mein Großoheim«, Stuttg. 1884; »Aus goldner Zeit«, das. 1885; »Im kühlen Grund und andre Geschichten«, das. 1890) bekannt.
   5) Hubert, Zoolog, geb. 22. März 1852 in Trier, studierte seit 1870 in Würzburg, wurde 1874 Assistent am zoologischen Institut in Göttingen, habilitierte sich daselbst 1875 als Privatdozent und wurde 1878 Direktor der städtischen Sammlungen für Naturgeschichte und Ethnographie in Bremen, 1881 Professor der Zoologie und vergleichenden Anatomie und Direktor des Zoologischen Instituts in Gießen, 1887 in Bonn, 1894 auch Dozent in Poppelsdorf. Er schrieb: »Über die Eibildung im Tierreich« (Würzb. 1874); »Morphologische Studien an Echinodermen« (Leipz. 187782); »Die Wirbeltiere Deutschlands« (Hannov. 1884); »Arktische Seesterne und Holothurien« (Jena 1900); »Die Seesterne der antarktischen Expedition der Belgica« (Antwerpen 1903). Auch bearbeitete er die Echinodermen für Bronns »Klassen und Ordnungen des Tierreichs« (Leipz. 1888 ff.), die Tiefseeholothurien und die Tiefseeasteroiden der amerikanischen Albatroß-Expedition (New Cambridge 1894 u. 1905), die Seesterne des Mittelmeers für das Sammelwerk: »Fauna und Flora des Golfs von Neapel« (Berl. 1897), die Holothurien, Ophiuroiden und Krinoiden in den »Ergebnissen der Hamburger Magalhaensischen Sammelreise« (Hamb. 189899) sowie die 3. Auflage von Leunis' »Synopsis der Zoologie« (Hannov. 1886, 2 Bde.) und die neuen Auflagen der Leunisschen Schulbücher.
 
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Ludwig Amadēus von Savoyen, Herzog der Abruzzen, Sohn des Prinzen Amadeus von Aosta, ehemaligen Königs von Spanien (s. Amadeus 6), geb. 29. Jan. 1873 in Madrid, kurz vor der Thronentsagung seines Vaters, trat in die italienische Marine und machte 1893/94 als Leutnant zur See seine erste größere Fahrt nach der italienischen Kolonie Erythräa. Nach der Rückkehr zum Senator ernannt, trat er 1894 an Bord des Cristoforo Colombo eine zweijährige Reise um die Welt an. Durch zahlreiche Hochtouren in den piemontesischen Alpen zu einem tüchtigen Bergsteiger ausgebildet, unternahm er 1897 eine Expedition zur Ersteigung des Eliasberges in Alaska. Mit seinem Adjutanten Cagni, den Alpinisten Sella und Gonella, dem Arzt Filippo de' Filippi und fünf Alpenführern landete er 23. Juni 1897 an der Nordwestküste Amerikas in der Jakutatbai, brach 1. Juli auf und erreichte nach 30tägiger Wanderung über Schnee und Eis und nach Überschreitung des Malaspina-, Seward-, Agassiz- und Newton-Gletschers 31. Juli mit Sella und zwei Führern den Gipfel, dessen Höhe er zu 5514 m bestimmte. Nach dieser glücklich ausgeführten Expedition faßte er den Plan zu einer Nordpolfahrt, kaufte einen norwegischen Dampfwaler, der zweckmäßig umgebaut und Stella Polare getauft wurde, und brach 12. Juni 1899 mit Cagni, dem Leutnant zur See Guerini, dem Schiffsarzt Cavalli, 3 Alpenführern, 2 italienischen und 10 norwegischen Seeleuten von Christiania auf. Nachdem L. in Archangel 120 Schlittenhunde an Bord genommen hatte, fuhr er nach Franz Joseph-Land, wo er in der Teplitzbai, an der Westseite von Kronprinz Rudolf-Land, unter 81°55´ nördl. Br. den Winter 1899/1900 verbrachte. Die Führung der für das Frühjahr geplanten Schlittenexkursion mußte er, selbst durch schweren Frostschaden an der Teilnahme verhindert, an Cagni übertragen, der mit drei Begleitern bis zu 86°34´, der höchsten je von Menschen erreichten Breite, vordrang (vgl. Nordpolexpeditionen). Am 17. Aug. 1900 trat die Stella Polare die Heimfahrt an und erreichte 5. Sept. Hammerfest. L. schrieb: »La Stella Polare nel mare artico 18991900« (Mail. 1903; deutsch u. d. T.: »Die Stella Polare im Eismeer«, Leipz. 1903), dazu: »Osservazioni scientifiche eseguite durante la spedizione polare di Luigi Amedeo di Savoia, Duca degli Abruzzi, 18991900« (Mail. 1903). Über die Expedition nach dem Eliasberg veröffentlichte sein Reisegefährte Filippo de' Filippi: »La spedizione di sua Altezza Reale il principe Luigi Amedeo di Savoia al monte Sant' Elia (Alaska) 1897« (Mail. 1900; deutsch, Leipz. 1900).
 
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Ludwig Philipp, König der Franzosen, s. Meyers Ludwig 39).
 
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Ludwig von Granada, s. Meyers Luis de Granada.
 
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Ludwigīt, Mineral, ein Magnesiumeisenborat, das sich in feinfaserigen bis dünnstängeligen Aggregaten von dunkelgrüner Farbe, Härte 5, spez. Gew 4,0, zu Moravicza im Banat zusammen mit Magneteisen findet.
 
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Ludwigsbad, Mineralbad, s. Meyers Wipfeld.
 
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Ludwigsbrunnen, Mineralquelle in der hess. Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg, bei Großkarben, an der Staatsbahnlinie Frankfurt a. M.-Niederwalgern. Das Wasser gehört zu den kräftigsten erdigsalinischen Säuerlingen und wird jährlich in mehreren Millionen Krügen versandt.
 
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Ludwigsburg, zweite Residenzstadt des Königreichs Württemberg, Hauptstadt des Neckarkreises, 2 km vom Neckar, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bretten-Friedrichshafen und L.-Heutingsheim, 292 m ü. M., ist im Geschmack des 17. Jahrh. gebaut, hat schöne Plätze (auf dem Wilhelmsplatz ein Denkmal Schillers, von Hofer), 2 evangelische und 2 kath. Kirchen (darunter die neue Garnisonkirche), Synagoge, 8 Tore und anmutige Spaziergänge und Alleen. Das königliche Schloß (mit Park), ein umfangreicher Prachtbau, enthält viele Säle, eine Hof- und Ordenskapelle, die Fürstengruft, eine Galerie württembergischer Regenten und eine Gemäldegalerie. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1900) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 121, ein Dragonerregiment Nr. 25, ein Ulanenregiment Nr. 20, 2 Feldartillerieregimenter Nr. 29 und 65 und ein Trainbataillon Nr. 13) auf 19,436 Seelen, davon 2319 Katholiken und 243 Juden. Die Industrie beschränkt sich auf Fabrikation von Metall-, Eisen- und Drahtwaren, Korsetten und Zichorie, auf Woll-, Baumwoll- und Leinweberei, Orgel- und Pianofortebau, Ziegelfabrikation, Bierbrauerei etc. L. ist Sitz einer Regierung, eines Oberamtes, eines Amtsgerichts, des Stabes der 26. Artillerie- und der 52. Infanteriebrigade, eines Generalsuperintendenten und hat ein Gymnasium, eine Realschule, Handelsschule, ein Stift für verwahrloste Kinder, Augenheilanstalt, Kinderheilanstalt etc. In der Umgebung liegen die Lustschlösser Monrepos und Favorite. Herzog Eberhard Ludwig ließ hier 1704 ein Jagdschloß bauen, dem er später ein Hauptgebäude hinzufügte, und bald erweiterte sich diese Anlage zu einer Stadt, als die Geliebte desselben Herzogs, Fräulein v. Grävenitz, diesen bewog, die Residenz nach L. zu verlegen (1724). L. ist Geburtsort des Schriftstellers David Friedr. Strauß, der Dichter Justinius Kerner und Ed. Mörike und des Ästhetikers Fr. Vischer. Vgl. Hänle, Württembergische Lustschlösser, Teil 1 (Würzb. 1846);

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Schanzeubach, Alt-Ludwigsburg (Ludwigsburg 1897); Belschner, L. in zwei Jahrhunderten (das. 1904). Von 17581824 bestand in L. eine zuerst auf Rechnung des Herzogs Karl Eugen geführte, später von seinen Nachfolgern übernommene Porzellanfabrik, die Figuren, Vasen, Prachtservice, Spielereien etc. in Rokokogeschmack und später auch im Empirestil erzeugte. Charakteristisch für dieses in Prachtstücken seltene Ludwigsburger Porzellan ist seine Dekoration mit Vögeln, Käfern, Schmetterlingen und Blumengirlanden in Relief und Malerei. Die bis 1806 geführte Fabrikmarke s. Abbildung. Bis 1818 folgte FR und unter Wilhelm I.: WR. Nach der Krone hieß das Ludwigsburger Porzellan im Handel Kronenburger. Vgl. Jäger, Rokokomalereien auf Ludwigsburger Porzellan (10 Tafeln, Stuttg. 1893).
 
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Ludwigsdor, bad. Goldmünze, das Fünftalerstück von 1828 zu 500 Kreuzer, 65/72 fein = 14,4368 Mk.
 
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Ludwigshafen, 1) (L. am Rhein) Bezirksamtsstadt im bayr. Regbez. Pfalz, am linken Ufer des Rheins, Mannheim gegenüber (s. den Stadtplan von Mannheim in Bd. 13), mit dem es durch eine feste Eisenbahnbrücke und eine Dampffähre verbunden ist, 90 m ü. M., hat 4 evangelische und 4 kath. Kirchen, eine Synagoge, 2 Monumentalbrunnen (Luitpoldbrunnen und Jubiläumsbrunnen) und (1900) 61,914 (1840: 90) Einw., davon 29,370 Evangelische, 31,198 Katholiken und 505 Juden. Der außerordentliche Aufschwung der Stadt, der sich auch in der beispiellosen Zunahme der Bevölkerung zeigt, ist der Industrie und dem Handel zu verdanken. L. hat bedeutende chemische Fabriken, darunter eine große Anilin- und Sodafabrik (6000 Arbeiter), Fabrikation von Kunstwolle, Maschinen, Schamotte- und Tonwaren, Kochherden, Büfett- und Eisschränken, künstlichem Dünger, Leim, eine Trikotweberei, Bierbrauerei, eine Kunstmühle, ein Dampfsägewerk etc. Der Handel wird durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine Reichsbanknebenstelle, die Pfälzische Bank, eine Filiale der Königlichen Bank und andre Geldinstitute, durch ein italienisches u. ein serbisches Konsulat, durch die Schiffahrt etc. unterstützt und ist besonders ansehnlich in Eisen, Holz, Steinkohlen und Landesprodukten. Dem Verkehr in der Stadt und mit Mannheim dient eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist L. Knotenpunkt der Linien Neunkirchen-Worms, L.-Großkarlbach und L.-Dannstadt der Pfälzischen Eisenbahn mit Anschluß an die Badische Staatsbahn in Mannheim. L. hat ein Gymnasium, eine Realschule und ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Hauptzollamts. L. war früher als »Rheinschanze« der Brückenkopf von Mannheim. Als Ort erst 1843 von König Ludwig I. angelegt, ward L. 1853 eine selbständige Gemeinde und 1859 Stadt. Hier 15. Juni 1849 Gefecht zwischen Preußen und Badenern. Vgl. Esselborn, Geschichte der Stadt L. (Ludwigsh. 1888); »Geschichte der Stadt L. 18531903« (das. 1903). 2) Dorf im bad. Kreis Konstanz, Amt Stockach, am Überlinger See und an der Staatsbahnlinie Radolfzell-Friedrichshafen, hat eine kath. Kirche, eine orthopädische Heilanstalt, ein Sanatorium für Nervenkranke, Dampfschiffahrt und (1900) 875 Einw. Dabei im See Reste von Pfahlbauten. L. hieß bis 1826 Sernatingen.
 
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Ludwigshall, Saline, s. Meyers Wimpfen.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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