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Lucaya bis Lucera (Bd. 6, Sp. 764 bis 766)
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Artikelverweis Lucaya, Insel, s. Bahamainseln.
 
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Lucca, ital. Provinz mit gleichnamiger Hauptstadt in Toskana, bis 1847 souveränes, sodann zum Großherzogtum Toskana gehöriges Herzogtum, grenzt an die Provinzen Massa e Carrara, Modena, Florenz, Pisa und das Ligurische Meer und umfaßt 1445 qkm (26,3 QM.) mit (1901) 319,523 Einw. (221 auf 1 qkm). Sie bildet nur einen Kreis des gleichen Namens. S. die Geschichtskarten beim Artikel »Italien« (S. 82).
 
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Lucca, Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz (s. oben), früher Hauptstadt des Herzogtums L., liegt in fruchtbarer Ebene, am Serchio und an den Eisenbahnlinien Pistoja-Livorno, Viareggio-Bagni di L. und L.-Ponte a Moriano. Die Stadt ist von Wällen umgeben, die als Promenaden dienen und von vier Toren durchbrochen sind. Unter den Plätzen zeichnet sich die Piazza grande mit dem Marmordenkmal der Herzogin Marie Luise (von Bartolini) aus, die sich durch Anlage der großen, 182332 ausgeführten Wasserleitung um die Stadt verdient gemacht hat. In den letzten Jahrzehnten sind auch Viktor Emanuel II. und Garibaldi in L. Denkmäler errichtet worden. Au hervorragenden Bauwerken besitzt die Stadt den romanischen Dom San Martino (aus dem 11. Jahrh., im 14. Jahrh. in gotischem Stil ergänzt), der neben Skulpturen und andern Kunstwerken ein achteckiges Marmortempelchen zur Aufbewahrung eines hochverehrten orientalischen Bildnisses des Gekreuzigten enthält, die Basilika San Frediano (12. Jahrh.), die Kirche San Michele mit imposanter Säulenfassade (12. Jahrh.), den Palazzo pubblico (1578 von Ammanati begonnen) mit wertvoller Gemäldesammlung (worin zwei schöne Werke von Fra Bartolomeo), den erzbischöflichen Palast, endlich die Reste eines römischen Amphitheaters, dessen Arena jetzt vom Marktplatz eingenommen wird, und mittelalterliche Mauern und Tore. Die Einwohner, (1901) 30,634, im Gemeindegebiet 74,971, betreiben Seidengewinnung, Seidenweberei (die früher viel bedeutender war und im 16. Jahrh. 3000 Webstühle beschäftigte), Fabrikation von Flanell, Bändern, Posamentierwaren, Nähzwirn und Spulen, Gerberei und Tabakfabrikation wie auch lebhaften Handel. In dem zur Gemeinde L. gehörigen Ponte a Moriano befindet sich eine Intemanufaktur und Baumwollspinnerei. L. hat ein Seminar, ein königliches Lyzeum, Gymnasium, eine Technische Schule, ein Lehrerinnenseminar, eine königliche Kunstakademie, 2 wissenschaftliche Akademien, eine öffentliche Bibliothek von 58,000 Bänden, 5 an Urkunden reiche Archive, mehrere Theater, zahlreiche Wohltätigkeitsanstalten und ein Zuchthaus.

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Die Stadt ist Sitz des Präfekten, eines Erzbischofs, eines Appell- und Assisenhofes und einer Handels- und Gewerbekammer. In der Nähe liegen viele schöne Villen und 26 km nordöstlich der besuchte Badeort Bagni di L. (s. Meyers Bagni 1).
   Geschichte. L. (im Altertum Luca) in Ligurien war seit 178 v. Chr. eine römische Kolonie und gehörte zu Gallia cisalpina, später zu Etrurien. Cäsar hielt hier während des Gallischen Krieges (56) Winterquartier und erneuerte seinen Bund mit Pompejus und Crassus. Unter den Langobarden Hauptort eines Herzogtums, gehörte es in der fränkisch-deutschen Zeit zur Markgrafschaft Tuscien und scheint lange deren bedeutendste Stadt gewesen zu sein. Im Kampfe Heinrichs IV. mit der Großgräfin Mathilde stand L. auf seiten des Königs und erhielt 1081 von ihm ein Privileg, das die Grundlage seiner im 12. Jahrh. weiter ausgebildeten kommunalen Freiheit wurde. Im 13. Jahrh. hielt es unter der Leitung des Geschlechts der Obizzi zur guelfischen Partei. 1308 vertrieb die demokratische Partei den Adel, aber infolge der daraus entstehenden Kämpfe fiel L. 1314 in die Hände Ugucciones della Faggiuola, der auch Pisa beherrschte und seinen Sohn Francesco als Capitano in L. ein setzte. Dieser fiel 1315 in der Schlacht bei Montecatino, und nun riß Castruccio Castracani die Herrschaft an sich, der L. auf die Seite der Ghibellinen brachte, wofür ihn Kaiser Ludwig 1327 zum Herzog von L. ernannte und Teile von Florenz und Pisa zu seinem Gebiet schlug. In den nächsten Jahren nach Castruccios Tode (September 1328) wechselte die Stadt mehrfach den Herrn; 1329 kam sie an den Genuesen Gherardo Spinola, 1331 an den König Johann von Böhmen, 1333 an die Rossi von Parma. 1335 wurde L. von diesen an Mastino della Scala, Herrn von Verona, abgetreten, der es 1341 für 100,000 Goldgulden an Florenz verkaufte. Als die Florentiner L. einnehmen wollten, kamen ihnen jedoch die Pisaner zuvor (1342). Nachdem Kaiser Karl IV. der Stadt 1369 ihre Reichsunmittelbarkeit für 100,000 Gulden zurückgegeben hatte, wußte sie diese zu behaupten und blieb eine Republik, deren Verfassung, anfangs demokratisch, später immer mehr im aristokratischen Sinn umgestaltet wurde, so daß ein Gonfaloniere und sechs Anziani (Älteste) aus dem Adel an ihrer Spitze standen. Im Februar 1799 wurde L. von den Franzosen in Besitz genommen, erhielt 1801 eine neue Verfassung und wurde 1805 mit Piombino als eignes Fürstentum an Napoleons I. Schwager und Schwester, Pasquale und Elise Meyers Bacciocchi (s. d.), überlassen. Der Wiener Kongreß übertrug 1815 L. als Herzogtum der ehemaligen Königin von Etrurien Maria Luise, Tochter des Königs Karl IV. von Spanien, und deren Kindern mit voller Souveränität bis dahin, daß sie mit ihrer Familie zum Besitz Parmas, das die Witwe Napoleons I., Marie Luise, auf Lebenszeit erhielt, gelangen würde. L. sollte dann, mit Ausnahme einiger an Modena abzutretender Landstriche, an Toskana fallen. 1818 trat die Infantin die Regierung an und führte sie bis zu ihrem Tode, 13. März 1824. Unter ihr wie unter ihrem Sohn und Nachfolger, dem Herzog Karl II. Ludwig, blühte das Land auf; doch war die despotische Herrschaft des englischen Günstlings des Herzogs, Ward, verhaßt, und 1847 wurde in L. eine Sturmpetition an den Herzog um Verleihung einer Verfassung gerichtet, vor der er nach Massa floh. Er kehrte nicht lange darauf zurück, trat aber 5. Okt. 1847 das Herzogtum an Toskana ab, weil er nahe Aussicht auf Parma hatte, das ihm durch den Tod der Erzherzogin Marie Luise 18. Dez. zufiel. Vgl. »Memorie e documenti per servire alla storia di L.« (Lucca, bis 1903: 15 Bde.); Mazzarosa, Storia di L. (das. 1833).
 
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Lucca (Abbatia Luceensis), s. Meyers Lokkum.
 
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Lucca, Pauline, Opernsängerin, geb. 25. April 1841 in Wien, erhielt daselbst von R. Leroy ihre künstlerische Ausbildung und trat, 16 Jahre alt, als Choristin bei der Hofoper ein. 1859 ging sie an die Bühne nach Olmütz, 1860 nach Prag, und ein Jahr später folgte sie einem glänzenden Antrag an die königliche Hofoper in Berlin, wo sie später der erklärte Liebling des Publikums wurde, durch Gastspiele zugleich ihren Ruf nach auswärts verbreitend. Ihre Hauptpartien waren die beiden Zerlinen, Cherubin, Afrikanerin, Margarete, Carlo Broschi. 1873 verließ sie die Berliner Bühne und sang in den folgenden Jahren gastierend erst in Amerika, später in Wien, endlich (1880) auch wieder in Berlin, wo sie die früher gefeierten Triumphe sich erneuern sah. Seit 1868 mit einem Herrn v. Rhaden verheiratet, setzte sie in Amerika die Lösung dieser Ehe durch, um sich mit Herrn v. Wallhofen (gest. 1899 in Wien) zu vermählen. Sie lebte in der Folge längere Zeit in der Nähe von Zürich, jetzt in Wien.
 
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Lucchesini (spr. luckesīni), Girolamo, Marchese, preuß. Staatsmann, geb. 7. Mai 1751 aus einer Patrizierfamilie in Lucca, gest. 20. Okt. 1825 in Florenz, wurde 1780 von Friedrich II. zum Kammerherrn ernannt, gehörte zu dessen täglicher Tischgesellschaft und diente auch ihm und Friedrich Wilhelm II. durch mehrere diplomatische Missionen. Unter anderm brachte er im März 1790 in Warschau ein Bündnis zwischen Preußen und Polen zustande, wohnte 1790 den Friedensverhandlungen zu Sistowa als preußischer Bevollmächtigter bei, begleitete 1792 den König auf dem Feldzug in die Champagne und wurde 1793 preußischer Gesandter in Wien. Im März 1797 von Wien zurückberufen, ward er im September 1802 als außerordentlicher Botschafter nach Paris gesandt. Stets eine Verständigung mit Frankreich anstrebend, schloß er im November 1806 in Charlottenburg einen Waffenstillstand mit Napoleon I. und nahm, als diesen der König nicht genehmigte, seine Entlassung. Später wurde er Kammerherr von Napoleons I. Schwester, der Fürstin von Lucca. Unter seinen Schriften ist sein Werk über den Rheinbund: »Sulle cause e gli effetti della confederazione renana etc.« (deutsch von Halem, Leipz. 182125, 3 Bde.), zu erwähnen. Seine Gespräche mit Friedrich d. Gr. gab Bischoff in deutscher Übersetzung heraus (Leipz. 1885). Sein Bruder Cesare L., geb. 2. Juli 1756, gest. 17. Mai 1832 als Staatsrat in Lucca, machte sich durch sprachliche und geschichtliche Schriften bekannt. Seine »Opere« erschienen in 22 Bänden (Lucca 183234).
 
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Luce (spr. lūß'), Siméon, franz. Historiker, geb. 29. Dez. 1833 in Bretteville-sur-Ay (Manche), gest. 14. Dez. 1892, wurde 1858 zum Archivar des Depart. Deux-Sèvres ernannt, 1862 einer der Direktoren der Bibliothek der Ecole des chartes, 1866 Archivar im Nationalarchiv und 1882 Professor an der Ecole des chartes sowie Mitglied des Instituts. Er schrieb außer vielen Artikeln für die »Revue de l'instruction publique«: »Histoire de la Jacquerie« (1859, neue Ausg. 1894); »De Gaidone, carmine gallico vetustiore, disquisitio critica« (1860), welches Gedicht er auch mit Guessard herausgab (in den »Anciens poètes de France«, Bd. 7); »Chronique des quatre premiers Valois« (1862); »Histoire de Bertrand Dugueselin

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et de son époque; la jeunesse de Bertrand« (1876, 2. Aufl. 1883); »Jeanne d'Arc à Domemy« (1886) und »La France pendant la guerre de Centans« (1890). Sein Hauptwerk ist die Ausgabe der Chronik Froissarts (186988, 8 Bde.), die 1874 von der Akademie den großen Gobertschen Preis erhielt.
 
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Lucēna, Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Cordoba, an der Eisenbahnlinie Puente Genil-Linares, hat Öl- und Weinbau, Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, berühmte Pferdezucht und (1900) 21,179 Einw. Hier wurde der Maurenkönig Boabdil 1483 von den Kastiliern besiegt und gefangen. In der Nähe die Schwefelquellen del Horcajo.
 
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Lucēna, ein Kastilier, verfaßte um 1497 das älteste uns (soweit bekannt, in fünf Exemplaren) erhaltene Druckwerk über das moderne Schachspiel, zugleich ein Prachtstück ältester Buchdruckerkunst. Der Inhalt ist bis auf eine Anzahl Endspiele übersetzt und mitgeteilt in Heydebrand v. d. Lasas »Berliner Schacherinnerungen« (Berl. 1859).
 
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Lucendrosee, s. Meyers Sankt Gotthard.
 
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Lucera (spr. -tschēra), Stadt in der ital. Provinz und dem Kreise Foggia, 250 m ü. M., am rechten Ufer des Salsola und an der Eisenbahn Foggia-L., Bischofssitz, hat eine gotische Kathedrale (von 1302), Reste eines von Friedrich II. erbauten, von Karl I. von Anjou umgebauten Kastells, ein Tribunal, ein Lyzeum, eine Technische Schule, Tonwarenfabrikation, Handel und (1901) 15,563 Einw. Es ist das alte Luceria, das im zweiten Samniterkriege Gegenstand mehrfacher Kämpfe war. Später römische Kolonie, dann im Besitz der Goten und Langobarden, wurde es 663 von Constans II. eingenommen und zerstört. Kaiser Friedrich II., der 1250 in dem nahegelegenen Castel Fiorentino starb, bevölkerte L. mit Sarazenen aus Sizilien, die in der Folge von den rechtgläubigen Königen (besonders Karl II.) ausgerottet wurden.

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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