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Lowe bis Löwenanteil (Bd. 6, Sp. 745 bis 750)
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Artikelverweis Lowe (spr. lö), 1) Sir Hudson, Gouverneur von St. Helena während Napoleons Gefangenschaft, geb. 28. Juli 1769 in Irland, gest. 10. Jan. 1844, trat in die englische Armee, wurde 1791 Leutnant, 1803 Major und 1804 Oberstleutnant. 1805 diente er in Neapel unter Sir James Craig, verteidigte 1808 die Insel Capri gegen die Franzosen und erhielt, als er schließlich kapitulieren mußte, freien Abzug nach Sizilien. Später war er bei der Einnahme von Zante und Kephallinia tätig, avancierte 1812 zum Obersten, wurde 1813 englischer Kommissar bei dem Hauptquartier Blüchers und hierauf zum Generalmajor und 1815 zum Gouverneur von St. Helena ernannt. Wegen der ihm von der Regierung zur Pflicht gemachten Strenge, mit der er bei der Bewachung Napoleons verfuhr und jeden Fluchtversuch unmöglich machte, ist L., wenigstens zum Teil ohne seine Schuld, der Gegenstand ingrimmigen Hasses und vieler Verdächtigungen von seiten des gestürzten Imperators und seiner Gefährten in der Verbannung geworden. Nach Napoleons Tod kehrte er nach England zurück, ward 1823 Gouverneur der Bermudasinseln und 1830 Generalleutnant. Zu seiner Verteidigung schrieb er: »Mémorial relatif à la captivité de Napoléon à Ste-Hélène« (Par. 1830, 2 Bde.; deutsch, Stuttg. 1830). Vgl. außerdem die von dem ihm feindlichen O'Meara veröffentlichten Anekdoten aus seinem Leben (Par. 1822) und Lowes »Letters and journals from St. Helena« (hrsg. von Forsyth, Lond. 1853, 3 Bde.); Seaton, Sir Hudson L. and Napoleon (das. 1898) und Napoleon's captivity in relation to Sir Hudson L. (das. 1904).
   2) Robert L., Viscount Sherbrooke, brit. Staatsmann, geb. 4. Dez. 1811 zu Bingham in Nottinghamshire, gest. 27. Juli 1892, studierte in Oxford, wo er später eine Zeitlang als Lehrer wirkte. Im Januar 1842 ward er Rechtsanwalt in London, doch wanderte er noch in demselben Jahre nach Australien aus, wo er es bald zu einer ausgebreiteten Praxis brachte. 1850 nach England zurückgekehrt, machte er sich durch Artikel über Kolonialverhältnisse in der »Times« bekannt, ward 1852 ins Unterhaus gewählt und erhielt im Ministerium Aberdeen die Stelle eines Sekretärs beim Indischen Amte, die er bis Februar 1855 bekleidete. Unter Lord Palmerston war er vom August 1855 bis zum Februar 1858 Vizepräsident des Handelsamtes und in dessen neuem Kabinett 1859 Vizepräsident des Unterrichtsrats, wurde jedoch 1864 durch ein von Lord R. Cecil beantragtes Tadelsvotum zum Rücktritt gezwungen, weil er die Berichte der Schulinspektoren tendenziös entstellt haben sollte. An der Regierung, die ihn nicht ausreichend unterstützt hatte, rächte er sich 1866, indem er durch seine Beredsamkeit wesentlich zur Verwerfung der Gladstone-Russellschen Reformbill beitrug; er war damals der eigentliche Führer der nach Brights spottendem Ausdruck sogen. Adullamiten (s. Meyers Adullam). Dessenungeachtet lehnte er den Eintritt in die neue Regierung des Lord Derby ab und opponierte mit gleicher Schärfe auch der Disraelischen Reformbill. Im Dezember 1868 trat er als Schatzkanzler in das Gladstonesche Kabinett. Seine Finanzverwaltung zeichnete sich durch große Sparsamkeit aus, war aber wenig populär, so daß Gladstone im Herbst 1873 das Amt selbst übernahm und L. zum Minister des Innern machte, welchen Posten er bis zum Februar 1874 behielt. In Gladstones zweites Ministerium trat L. nicht ein, wurde aber dafür 1880 mit dem Titel eines Viscount Sherbrooke zum Peer erhoben. Vgl. A. P. Martin,

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Life and letters of Robert L., viscount Sherbrooke (Lond. 1893, 2 Bde.); Hogan, Robert L., viscount Sherbrooke (das. 1893); Bryce, Studies in contemporary biography (das. 1903).
 
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Löwe (Felis leo L.), Raubtier aus der Familie und der Gattung der Katzen, hat einen kurzen, gedrungenen Körper, kurze, glatt anliegende, einfarbige Behaarung, eine ansehnliche Mähne um Hals und Vorderbrust des männlichen Tieres, breites Gesicht mit verhältnismäßig kleinen Augen, runden Augensternen und einen hornigen, leicht abfallenden Nagel (der »Stachel« des Löwen) in der Schwanzquaste. Man unterscheidet nach der sehr veränderlichen Mähne den Perser-, Senegal-, Kaplöwen (s. Tafel Meyers »Raubtiere V«, Fig. 2) und den kleinern mähnenlosen Löwen von Gudscharat. Die ausgezeichnetste Abart, der L. der Berberei (Leo barbarus Cuv.), wird 1,5 m lang und 8090 cm hoch, hat einen 80 cm langen Schwanz, eine breite Brust und schlanke Weichen. Der dicke, fast viereckige Kopf verlängert sich in eine breite, stumpfe Schnauze; die Ohren sind abgerundet, die Gliedmaßen gedrungen und außerordentlich kräftig; die Pranken sind größer als bei allen übrigen Katzen. Die Behaarung ist lebhaft rötlichgelb oder fahlbraun. Die dichte, stark mit Schwarz gemischte Mähne reicht vorn bis zur Handwurzel, hinten bis fast zur Hälfte des Rückens und der Seiten herab. Auch der Unterleib besitzt eine dichte, längere, schlichte, schwarze Behaarung, und an den Ellbogen und den Vorderteilen der Schenkel stehen schwarze Haarbüschel. Neugeborne Löwen sind etwa 33 cm lang, haben weder Mähne noch Schwanzquaste, sind mit wolligen, gräulichen Haaren bedeckt, am Kopf und an den Beinen schwarz gefleckt, an den Seiten, über dem Rücken und am Schwanz mit kleinen, schwarzen Querstrichen gebändert und mit schwarzer Rückenlinie gezeichnet. Schon im ersten Jahre verschwinden Flecke und Streifen, und im dritten Jahre erscheinen mit der Mähne alle Zeichen der Mannbarkeit. Bei der Löwin ist höchstens eine Andeutung der Mähne vorhanden. Der Berberlöwe findet sich in den Ländern des Atlas, der Perserlöwe von Persien bis Indien, der Senegallöwe vom 20.° nördl. Br. bis zum Kap und von der West- bis zur Ostküste, der Kaplöwe außer im Kapland, wie es scheint, auch in Abessinien; der Gudscharatlöwe lebt in den Dschangelwaldungen längs der Flüsse im Küstengebiet südlich von der Indusmündung. Zur Zeit der Römer war der L. in ganz Afrika und im südwestlichen Asien, in Syrien und Palästina, auch in Griechenland und Mazedonien verbreitet. Der L. der Berberei lebte früher im ganzen nördlichen Afrika mit Einschluß Ägyptens. Jetzt ist er aus dem untern Niltal verschwunden, und in Tunis, in der Oase Fezzan, in Algerien und Marokko findet er sich bei weitem nicht mehr so häufig wie früher. Am zahlreichsten ist noch der Senegallöwe, obwohl auch er immer weiter zurückgedrängt wird.
   Der L. hält sich nur von der Brunstzeit an, und bis die Jungen ein gewisses Alter erreicht haben, zu seinem Weibchen. Jeder L. hat sein Gebiet, doch vereinigen sich oft mehrere Löwen zu größern Jagdzügen. In den Gebirgen steigt er bis zu 1500 m empor. An einem geschützten Ort scharrt er sich eine flache Vertiefung als Lager und ruht hier einen oder mehrere Tage lang, je nachdem er Nahrung findet und sich sicher fühlt. Im Ostsudân folgt er den nomadischen Bewohnern, von ihren Herden Tribut erhebend. Gern siedelt sich der L. in der Nähe der Dörfer an. Bei Tage hält er sich verborgen, aber mit hereinbrechender Nacht beginnt er die Jagd, oft mit furchtbarem Gebrüll die andern Tiere aufscheuchend und verwirrend, oft auch lautlos heranschleichend; namentlich sind die Wasserplätze in den Steppen Mittel- und Südafrikas ergiebige Jagdorte für ihn. Gewöhnlich frißt er nur selbsterlegte frische Bente; in der Not geht er auch an Aas. Er macht Sprünge bis zu 9 m und darüber, sitzt in Einem Sprung einem Pferd oder andern großen Tier auf dem Nacken, und mit Einem Biß zermalmt er die Halswirbelknochen seiner Beute. Schakale und noch größere Tiere tötet er mit einem einzigen Schlag seiner Tatze. Mit einem zweijährigen Rind im Rachen springt er über einen fast 3 m hohen Zaun. Den Menschen greift er nicht leicht an; hat er aber einmal Menschenfleisch gefressen, dann soll er dieses jedem andern vorziehen. Er soll den Menschen oder ein Tier, das nicht vor ihm flieht, nie angreifen, ohne sich vorher in einer Entfernung von 1012 Schritt zum Sprung niederzulegen. Wer nun entflieht, ist verloren; wer aber ruhig stehen bleibt und ihm fest ins Auge schaut, gegen den wird er den Sprung nicht wagen. Durch Wachtfeuer geschützte Lager überfällt er niemals. Die körperlichen Vorzüge des Löwen mögen immerhin berechtigen, ihn als den König der Tiere anzusehen; im übrigen ist seine Geschichte mit vielen Fabeln ausgeschmückt. In dem Charakter des Löwen wechseln Mut, Kühnheit und Feigheit. Verfehlt er einen Sprung auf Raub, so flieht er; er ist nicht so beharrlich und kühn wie der Tiger, der ihm weder weicht noch ihn fürchtet. Sein Mut erwacht erst, wenn ihn der Hunger plagt, oder wenn er gereizt und angegriffen wird. Zur Zeit der Paarung folgen oft mehrere Löwen einer Löwin, und es entspinnen sich dann blutige Kämpfe unter ihnen. Hat die Löwin aber den Gatten erwählt, so ziehen die andern ab, und beide leben nun treu zusammen. 1516 Wochen (108 Tage) nach der Begattung wirft die Löwin in einem Dickicht, möglichst nahe einem Tränkplatz, 16, gewöhnlich 23 Junge, die sie mit großer Zärtlichkeit pflegt und etwa 6 Monate lang säugt; später wird sie in der Herbeischaffung der Nahrung vom Löwen unterstützt. Im Durchschnitt erreicht der L. ein Alter von 30 Jahren, in der Gefangenschaft haben Löwen 70 Jahre gelebt, wiewohl sie auch bei bester Pflege bald ein greisenhaftes Aussehen bekommen. Sie bedürfen täglich 5 kg gutes Fleisch. In den zoologischen Gärten züchtet man Löwen fast ebenso sicher wie Hunde. Man hat auch Bastarde zwischen L. und Tigerin (Löwentiger) erhalten, aber nur weibliche Tiere mit dem Kopf des Löwen und dem Körper des Tigers, von der Nase bis zur Schwanzoberseite dunkel gefärbt und mit stärkern Querstreifen, auf andern Körperteilen undeutlich dunkel gefleckt. Im Atlasgebirge stellt man große Treibjagden auf den Löwen an; auch erlegt man ihn auf dem Anstand oder fängt ihn in Fallgruben. Die Hottentotten töten ihn mit vergifteten Pfeilen. Jung eingefangene Löwen werden bei verständiger Pflege sehr zahm und bezeigen ihrem Pfleger große Anhänglichkeit, auch hat der L. für empfangene Wohltaten ein treues Gedächtnis. Jedoch hat schon mancher Tierwärter ein tollkühnes Wagestück mit seinem Leben bezahlt. Das Fleisch des Löwen wird von den Mauren und Südafrikanern gegessen. Die Haut, im Altertum ein Schmuck der Helden, wird jetzt nur zu Bett- und Pferdedecken verarbeitet. Auf den ältesten ägyptischen Denkmälern kommen afrikanische und asiatische, wilde und gezähmte Löwen und Löwenjagden vor. Auch im Alten Testament wird

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der L. häufig erwähnt; er fand sich in Judäa, namentlich am Libanon und selbst am Jordan. Xenophon, Aristoteles, Strabon, Plinius u. a. sprechen von Löwenjagden in Syrien und Arabien, wo die Löwen stärker und zahlreicher seien als in Libyen. Bei dem Marsch des Xerxes durch Mazedonien fielen Löwen über die Kamele her, die das Gepäck trugen. Nach Pausanias kamen sie oft von den Bergen herunter in die Ebenen von Mazedonien und Thessalien. Zahlreiche Erzählungen handeln von der Großmut des Löwen, welche die Alten rühmten. Den ersten Löwenkampf zu Rom gab der Ädil Q. Scävola (94 v. Chr.), nachher Sulla einen mit 100 Löwen, Pompejus einen im Zirkus mit 600, Julius Cäsar einen mit 400. M. Antonius spannte gezähmte Löwen vor seinen Wagen. Hadrian tötete im Zirkus mehrmals 100 Löwen. Über den amerikanischen Löwen s. Meyers Puma.
   Das Bild des Löwen galt bei vielen alten Völkern als Symbol des Heldentums. In Ägypten war der L. das heilige Tier des Gottes Meyers Schow (s. d.) und der Göttin Meyers Sechmet (s. d.), die daher auch löwenköpfig dargestellt wurden. Ferner wurde der König in der Gestalt eines Löwen dargestellt, dem häufig das Porträt des Herrschers an Stelle des Löwenantlitzes gegeben wurde (s. Meyers Sphinx). Auch der syrischen und griechischen Kybele (s. d.) war der L. geheiligt; sie wurde auf einem Löwen stehend oder reitend dargestellt. Er diente wohl auch als Symbol der alles durchdringenden, belebenden und bändigenden Feuerkraft. In der Architektur der Assyrer und alten Griechen ward er zum Palastwächter (s. Tafel Meyers »Bildhauerkunst II«, Fig. 2 u. 8), in der der spätern Griechen und Römer zum Quellwächter (Krenophylax), und aus Löwenrachen floß das Wasser der Brunnen; Löwenköpfe waren in der dorischen Bauart gewöhnliche Verzierung auf dem Karnies der Gebäude, um die Löcher zu verbergen, die zum Ablauf des Regenwassers von dem Dache dienten. Als Sinnbild der Tapferkeit ist der L. auch eins der beliebtesten Wappentiere, und zwar hat er als solches eine typische Stellung, so wie er sich auf seine Beute stürzt: auf den Hinterfüßen stehend mit vorgeworfenen Vorderpranken, das Maul aufgerissen und die Zunge herausgestreckt, die Mähne flatternd, den Schwanz nach oben gestreckt, in der heraldischen Kunstsprache »aufrecht« oder »steigend« genannt (Fig. 1); seltener erscheint er »schreitend« mit aufgehobener rechter Vorderpranke (Fig. 2), dann oft zu zweien und dreien übereinander. Vgl. Leopard.
 
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Löwe (Leo), in der Astronomie das fünfte Zeichen des Tierkreises (); auch Sternbild des nördlichen Himmels, enthält einen Stern erster Größe (α, Regulus). Das Sternbild enthält den Radiationspunkt der Novembersternschnuppen (s. Meyers Sternschnuppen), die deshalb auch Leoniden heißen. Der kleine L. (Leo minor) ist ein kleineres Sternbild über Kopf und Nacken des Löwen. Vgl. Textbeilage zu Artikel und Karte »Fixsterne«.
 
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Löwe, 1) Name einer vielverzweigten Schauspielerfamilie, deren Stammvater Johann Karl (geb. 1731 in Dresden, gest. 1807 in Lübeck) nebst seiner Frau Katharina Magdalena Ling (geb. 1745) bei verschiedenen Truppen (unter anderm in Berlin) angestellt war, längere Zeit auch die Direktion des Hoftheaters in Schwedt führte. Er glänzte in komischen, seine Frau besonders in Soubrettenrollen. Sein Sohn Johann Heinrich, geb. 1766 in Berlin, gest. 1835 in Bromberg, wurde 1799 Konzertmeister in Bremen, später Musikdirektor und machte sich auch als Komponist und Violinvirtuos bekannt. 1815 zog er nach Bromberg. Dessen Bruder Friedrich August Leopold, geb. 1767 in Schwedt, gest. 1816 als Theaterdirektor in Lübeck, war ein tüchtiger Sänger und Schauspieler; seine Operette »Die Insel der Verführung« fand allgemeinen Beifall. Dessen Sohn Ferdinand, geb. 1787 in Mansfeld, gest. 13. Mai 1832 in Wien, wirkte an den Bühnen in Magdeburg, Braunschweig, Düsseldorf, Kassel, Leipzig, Mannheim und Frankfurt und war namentlich als Held im Trauerspiel ausgezeichnet. Seine Tochter Johanna Sophie, eine der berühmtesten Sängerinnen Deutschlands, geb. 24. März 1815 in Oldenburg, gest. 29. Nov. 1866 in Pest, bildete sich seit 1831 in Wien bei Ciccimara und trat 1832 mit solchem Glück im Kärtnertortheater auf, daß sie alsbald engagiert wurde. Eine Gastspielreise in Norddeutschland hatte 1837 ihr Engagement an der Berliner Hofbühne zur Folge. Nach mehreren Kunstreisen nach England, Frankreich und Italien vermählte sie sich 1848 mit dem k. k. Feldmarschalleutnant Fürsten Friedrich von Liechtenstein. Mit vollendeter Gesangskunst vereinigte sie ein sein nuanciertes, geistreiches Spiel. Ihr Bruder Franz Ludwig Feodor, geb. 5. Juli 1816 in Kassel, gest. 21. Juni 1890 in Stuttgart, wirkte erst an den Bühnen in Hamburg und Frankfurt und seit 1841 an der Hofbühne in Stuttgart, wo er bis zu seinem Tode, auch als Regisseur, tätig war. Seine vollendetsten Schöpfungen waren Hamlet, Leicester (in »Maria Stuart«), Faust, Bolingbroke und Karl Moor. Auch hat L. durch Schwung und Formschönheit ausgezeichnete »Gedichte« (Stuttg. 1854, 2. Aufl. 1860), »Neue Gedichte« (das. 1875) sowie Freimaurerdichtungen: »Den Brüdern« (4. Aufl., das. 1901), »Aus eigner Werkstatt« (das. 1881) u. a., veröffentlicht. Julie Sophie, Tochter von Friedrich August Leopold L., geb. 1786, gest. 11. Sept. 1852 in Wien, war bis 1809 Mitglied des Petersburger deutschen Theaters, kam später nach Prag, 1812 an das Theater an der Wien und war von 18131842 eine Zierde des Hofburgtheaters in Wien, namentlich im feinern Lustspiel und Konversationsstück. Ihr Bruder Johann Daniel Ludwig, der berühmteste unter den männlichen Sprossen der Familie, geb. 29. Jan. 1795 in Rinteln, gest. 7. März 1871 in Wien, trat 1808 in die Kindergesellschaft des Direktors Nuth ein, wirkte 181119 in Prag erst im Fach der niedern Komik, trat später auch in Liebhaber- und Heldenrollen auf und ging 1821 an die Hofbühne in Kassel, 1826 an das Hofburgtheater in Wien, an dem er 1838 Regisseur, später Ehrenmitglied wurde. L. hat auf fast allen bedeutenden Bühnen gastiert, überall mit gleichem Beifall. Im Lustspiel glänzte er durch seinen, ungezwungenen Ton und liebenswürdigen Humor. Auch seine Tochter Anna (Nina), geb. 1821 in Kassel, gest. 27. April 1884 in

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Lemberg, war eine geschätzte Schauspielerin im Fach der jugendlichen Liebhaberinnen und in tragischen Rollen. Sie hatte 1833 am Hofburgtheater debütiert, gehörte ihm bis 1849 als Mitglied an und war darauf in Lemberg engagiert, wo sie später einen Grafen Potocki heiratete.
   2) Karl, Balladenkomponist, geb. 30. Nov. 1796 in Löbejün bei Halle, gest. 20. April 1869 in Kiel, besuchte das Gymnasium in Halle, daneben Türks musikalischen Unterricht genießend, und studierte dann daselbst Theologie, nahm aber 1822 die Stellung eines Gymnasialgesanglehrers und städtischen Musikdirektors in Stettin an, die er fast ein halbes Jahrhundert bekleidete. 1866 trat er in den Ruhestand. Der unvergängliche Ruhmestitel Löwes sind seine zahlreichen Balladen, für welches Genre der Liedkomposition er zuerst eine unterscheidende Form gefunden hat, die durch Umbildung festgehaltener Motive den epischen Charakter zur Geltung bringt. Die ersten derselben (darunter »Der Erlkönig«) schrieb er schon als Student 1818. Besonders beliebt sind: »Archibald Douglas«, »Tom der Reimer«, »Edward«, »Heinrich der Vogler«, »Prinz Eugen«, »Oluf«, »Der Nöck« u. a. Eine Abart der Balladen sind seine Legenden: »Gregor auf dem Stein«, »Der Weichdorn« u. a., von seinen sonstigen Liedern ist besonders beliebt »Die Uhr«. Seine Oratorien, von denen einige (»Der Apostel von Philippi«, »Johannes der Täufer«, »Die Heilung des Blindgeborenen«) für Männerchor a cappella komponiert sind, desgleichen seine Opern, Kammermusikwerke und Klaviersonaten sind vergessen. Denkmäler wurden ihm in Löbejün (1896), im Düsternbrooker Gehölz bei Kiel (1896, von Schaper), ein drittes (von v. Glümer) 1897 in Stettin errichtet. Eine Gesamtausgabe der Balladen, Legenden und Gesänge redigierte M. Runze (Leipz. 18991903, 17 Tle.). Als Schriftsteller trat L. auf mit einer »Gesanglehre für Gymnasien, Seminarien und Bürgerschulen« (2. Aufl., Stett. 1828) und mit einem kurzen Kommentar zum zweiten Teil von Goethes »Faust« (Berl. 1834), der von Rob. Prutz in einer besondern Schrift (das. 1834) beurteilt worden ist. Seine »Selbstbiographie« wurde von Bitter (Berl. 1870) herausgegeben. Vgl. Runze, Karl L., eine ästhetische Beurteilung (Leipz. 1884), dessen Biographie Löwes in Reclams Universal-Bibliothek (das. 1903) und. Löwe redivivus' (gesammelte Aufsätze, Berl. 1888); Wossidlo, K. L. als Balladenkomponist (das. 1894); H. Bulthaupt, Karl L., Deutschlands Balladenkomponist (das. 1898).
   3) Wilhelm, deutscher Politiker (L.-Kalbe), geb. 14. Nov. 1814 in Olvenstedt bei Magdeburg, gest. 2. Nov. 1886 in Meran, studierte Medizin, ward Arzt in Kalbe und kam 1848 in das Frankfurter Parlament, wo er zur demokratischen Linken gehörte. 1849 zum ersten Vizepräsidenten, bei der Übersiedelung nach Stuttgart zum Präsidenten gewählt, ward er, wie alle Teilnehmer an den Stuttgarter Beschlüssen, angeklagt, aber in zwei Instanzen freigesprochen, bis ihn das Obertribunal zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilte. L. lebte inzwischen in der Schweiz, in London und acht Jahre lang in New York, wo er die ärztliche Praxis ausübte, bis ihm der Amnestieerlaß vom 12. Jan. 1861 die Rückkehr ermöglichte. 1863 ward er in das Abgeordnetenhaus und 1867 in den Reichstag gewählt, wo er sich der Fortschrittspartei anschloß und dem Sechsunddreißiger-Ausschuß angehörte. 1874 schied er aus der Fortschrittspartei aus und vertrat 1879 eifrig das Schutzzollsystem, ward aber 1881 nicht wieder gewählt. Im Abgeordnetenhaus war er von 187175 Vizepräsident, lehnte aber 1876 eine Wiederwahl ab.
   4) Ludwig, Industrieller, geb. 27. Nov. 1837 in Heiligenstadt, gest. 11. Sept. 1886 in Berlin, widmete sich dem Kaufmannsstand, dann dem Maschinenfach, studierte in Nordamerika den Maschinenbau und begründete in Berlin 1869 eine Nähmaschinenfabrik in amerikanischem Stil. Er arbeitete mit amerikanischen Werkzeugmaschinen, die hier zum erstenmal in Deutschland zur Verwendung kamen, und brachte die dem amerikanischen System eigne Präzision bei der Massenfabrikation in so hohem Maße zur Geltung, daß das preußische Kriegsministerium 1871 beschloß, die eigne Waffenfabrikation nach gleichem System einzurichten, zumal L. durch die Bereitwilligkeit zur Anfertigung von einer Million Visieren Garantien für den Erfolg übernommen hatte. L. baute jetzt auch selbst amerikanische Werkzeugmaschinen, lieferte der Armee Revolver und nebenbei zahlreiche Maschinen und Ausrüstungsgegenstände für die preußischen Staats- und für Privatwerkstätten. Die Nähmaschinenfabrikation war 1879 aufgegeben worden. Seit 1864 gehörte er bis zu seinem Tode den Berliner Stadtverordneten an und wirkte hier namentlich für die Entwickelung des Volksschulwesens. 1876 wurde er ins preußische Abgeordnetenhaus und 1878 in den Reichstag gewählt, in dem er sich der Fortschrittspartei anschloß.
   5) Isidor, Industrieller, Bruder des vorigen, geb. 24. Nov. 1848 in Heiligenstadt, trat 1875 in die Gesellschaft Ludwig Löwe u. Komp. ein und führte die Direktion in Gemeinschaft mit seinem Bruder bis zu dessen Tode, seitdem allein. Er errichtete in den 1890er Jahren eine große Werkzeugmaschinenfabrik in Martinikenfelde bei Berlin, um die Herstellung von erstklassigen Präzisionswerkzeugmaschinen im großen rationeller und billiger als bisher zu betreiben. Die Fabrik gilt als Muster für moderne Eisenbearbeitungswerkstätte n. Schon 1887 hatte er die Gewehr- und Gewehrmunitionsfabrikation, speziell die Herstellung kleinkalibriger Waffen und rauchloser Munition in Martinikenfelde begonnen. Er vereinigte die Fabrik 1887 mit der Gewehrfabrik von Mauser in Oberndorf, die dem deutschen Heer mehrere Gewehrmodelle (M/71 und 71/84, 98 sowie die wesentlichen Bestandteile des neuen kleinkalibrigen Gewehrs M/88) gegeben hat, und konstituierte im Verein mit den Vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabriken die zu hoher Entwickelung gelangte Deutsche Metallpatronenfabrik in Karlsruhe, trennte dann die Waffenfabrik der Gesellschaft Ludwig Löwe u. Komp. von dieser ab und vereinigte sie unter der Firma »Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken« mit der deutschen Metallpatronenfabrik zu einer selbständigen Gesellschaft, der er als Vorsitzender des Aufsichtsrates vorsteht. Auf Grund der von L. geschaffenen Organisation entwickelte sich die Fabrikation der Militärhandfeuerwaffen in Deutschland zu so hoher Blüte, daß sie jetzt den Weltmarkt, von dem sie früher ganz ausgeschlossen war, fast allein beherrscht. Seit 1891 richtete L. die Tätigkeit der Fabrik auch auf das elektrische Gebiet und konstituierte 1892 mit der Thomson-Houston-Elektrizitätsgesellschaft in Boston die Union, Elektrizitätsgesellschaft in Berlin, die nach dem System der Thomson-Houston-Gesellschaft elektrische Bahnen baut. Die Kommanditgesellschaft auf Aktien Ludwig Löwe u. Komp. wurde 1893 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Gesellschaft arbeitete ursprünglich mit einem Kapital von 3/4 Mill. Mk., das sich im Laufe der Jahre verzehnfachte (7,5 Mill. Mk.), die Reserven

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betrugen Ende 1904 ebenfalls 7,5 Mill. Mk., und ein gleicher Betrag ist in Obligationen ausgegeben. Außerdem hat die Gesellschaft Verpflichtungen im Betrage von 2 Mill. Mk. Dagegen repräsentieren Grundstücke und Gebäude 6, die Betriebsmittel 2 und die Vorräte 3 Mill. Mk. Die Debitoren betragen 2,25 Mill. Mk. Außerdem hat die Gesellschaft einen Effektenbestand von 13 Mill. Mk. Die seit Bestehen der Gesellschaft durchschnittlich gezahlte Dividende beträgt 131/2 Proz. Das Aktienkapital der deutschen Waffen- und Munitionsfabriken beträgt 15 Mill. Mk., die Reserven ca. 5, die Kreditoren 4,5 Mill. Mk. Dagegen sind in Grundstücken und Gebäuden angelegt ca. 5, in Betriebsmitteln ca. 4, in Effekten ca. 5, in Vorräten ca. 6 Mill. Mk. Die Debitoren betrugen 8 Mill. Mk. Die Dividende betrug seit Bestehen der Gesellschaft durchschnittlich 153/4 Proz. L. ist Vorsitzender des Kuratoriums für wissenschaftlich-technische Untersuchungen in Neubabelsberg, Mitglied des Landeseisenbahnrates und des Bezirkseisenbahnrates Berlin und Stettin.
 
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Lowell (spr. lō-el), eine der beiden Hauptstädte der Grafschaft Middlesex im nordamerikan. Staat Massachusetts, an der Vereinigung von Concord und Merrimac, dessen Pawtucketfälle (10 m) seiner Industrietätigkeit sehr förderlich sind. 1900 erzeugte es in 981 Betrieben mit 31,377 Arbeitern für 44,774,525 Doll. Waren, vor allem Baumwollgewebe (8 Fabriken, 13,730 Arbeiter, 17,038,576 Doll.), Strumpfwaren (8 Fabriken, 4165 Arbeiter, 3,148,110 Doll.), Wollzeug (5 Fabriken, 1573 Arbeiter, 3,275,613 Doll.), Maschinen und Gußwaren (47 Fabriken, 2938 Arbeiter, 4,258,047 Doll.). L. ist Sitz einer großen Webschule und eines Lehrerseminars. Noch 1820 zählte es kaum 200 Einw., 1823 wurde die erste Spinnerei angelegt, und jetzt ist es ein »amerikanisches Manchester« mit (1900) 94,969 Einw., darunter 40,974 im Ausland (12,147 in Irland, nur 67 in Deutschland) Geborne. Das steuerpflichtige Eigentum betrug 1903: 71,613,907, die städtische Schuld 2,933,441 Dollar.
 
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Lowell (spr. lō-el), James Russell, amerikan. Schriftsteller, geb. 22. Febr. 1819 in Cambridge (Massachusetts), gest. daselbst 12. Ang. 1891, studierte die Rechte, vertauschte sie aber mit der Schriftstellerei. Eine dichterische Individualität von großer Vielseitigkeit, stellte sich L. in seinem ersten Bändchen: »A Year's life« (1841), als feinsinniger Lyriker vor; in seinen »Conversations on some of the old poets« (1844) als Kritiker. Ein zweiter Gedichtband: »Poems« (1848), einige längere Dichtungen, wie »Rhaecus« und »A legend of Brittany«, enthaltend, folgte; aber erst seine vom Abolitionsstandpunkt geschriebenen politischen Gedichte im Yankeedialekt: »The Bigelow papers« (1846), machten ihn in weitesten Kreisen bekannt und stellten durch ihre Popularität seine dichterischen Veröffentlichungen auf längere Zeit in den Schatten. 1855 wurde L. Longfellows Nachfolger in Harvard. Zwei Jahre darauf übernahm er die Redaktion der »Atlantic Monthly«, u. von 186372 redigierte er die »North American Review«. Seine inzwischen veröffentlichten Prosaschriften: »Fireside travels« (1864), »Among my books« (1870) und »My study window« (1871), zeigten ihn als scharfsinnigen Kritiker und vollendeten Stilisten. Eine zweite Serie der »Bigelow papers« (1866) erwies sich als ebenso erfolgreich wie die erste, und die Gedichtbände »Under the willows« (1868), »The cathedral« (1870) und »Three memorial poems« (187576) sowie ein weiterer Band literar-historischer Essays: »Among my books« (1876), befestigten seinen Ruhm. L. wurde nun nacheinander zum amerikanischen Gesandten in Madrid und in London ernannt, wo er bis zum Jahr 1885 verblieb. Seitdem veröffentlichte er noch einen Band seiner Reden: »Democracy and other addresses« (1886), den Gedichtband »Heartsease and Rue« (1888) und »Political essays« (1888). Nach seinem Tod erschienen »Literary essays and addresses« (1891), »The old English dramatists« (1892) und »Letters«, herausgegeben von Norton (1893). Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in 13 Bänden (Boston 1896, mit Biographie von H. E. Scudder). Vgl. Curtis, »James Russell L., an address« (New York 1892); Underwood, James Russell L., the poet and the man (Boston 1893); Hale, J. R. L. and his friends (das. 1899); Scudder, J. R. L., a biography (das. 1901, 2 Bde.).
 
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Lowell-Mitrailleuse, Feuerwaffe mit vier Gewehrläufen, von denen einer so lange benutzt wird, bis er zu heiß ist, um dann vom folgenden abgelöst zu werden. Sie hat sich nirgends dauernd eingebürgert.
 
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Löwen, 1) (niederländ. u. fläm. Leuven, franz. Louvain) Hauptstadt eines Arrondissements in der belg. Provinz Brabant, am Fluß Dyle und Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Brüssel- Lüttich, L.-Mecheln und Aarschot-Charleroy und der Nebenbahnen L.-Diest, L.-Tervueren und L.-Jodoigne, ist größtenteils altertümlich gebaut. Die Wälle der Stadt, jetzt zu Spaziergängen umgewandelt, haben an 10 km Umfang; aber ein großer Teil des Raumes, den sie umschließen, ist mit Gärten und Anpflanzungen bedeckt. Die vorzüglichsten Gebäude von L. sind: das 14481463 von Matthäus De Layens im spätgotischen Stil errichtete, 1842 und 1904 restaurierte Rathaus; die Kirche zu St. Peter (Basilika, ebenfalls aus dem 15. Jahrh.); die gotische Gertrudenkirche (15. Jahrh., mit schönem Chorgestühl); die sogen. Hallen, 1317 als Warenniederlage für die Tuchmachergilde erbaut und 1679 der Universität eingeräumt; die Ruinen des im 9. Jahrh. vom König Arnulf erbauten Schlosses, das der Volksglaube dem römischen Imperator Julius Cäsar als Erbauer zuschreibt. Die Bevölkerung zählt (1904) 42,194 Seelen. Die Industrie ist seit dem Mittelalter sehr zurückgegangen, zumal die einst berühmte Tuchfabrikation. Die Stadt hat große Brauereien, Maschinenbau, Fabrikation von Stärke, Essig, Chemikalien, Strohhüten und Spitzen und treibt Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Berühmt war im 16. Jahrh. die 1426 von Philipp dem Guten von Burgund gegründete Universität von L., die zur Zeit ihrer Blüte mehr als 6000 Studenten zählte und der Sitz der antijesuitischen, die gallikanischen Freiheiten verteidigenden Theologie war. Sie wurde 1793 infolge der französischen Invasion aufgehoben, 1817 aber wiederhergestellt. 1834 vom Staat aufgehoben, ward sie 1835 vom Klerus aus eignen Mitteln neu dotiert und verfolgt seitdem als sogen. freie Universität eine streng katholische Richtung. Sie umfaßt fünf Fakultäten und Brauerei-, Ackerbau- und Gewerbeschulen und zählte 1903/04: 2044 Studierende. Außerdem befinden sich in L. ein Athenäum, Staatsmittelschulen für Knaben und Mädchen, eine Haushaltungsschule, ein Lehrer- und ein Lehrerinnenseminar, eine Kunstschule (seit 1889) und ein Tribunal. L., wo König Arnulf 891 die Normannen entscheidend besiegte, war lange die Residenz der Grafen von L., spätern Herzoge von Brabant (s. d.). Seit Mitte des 12. Jahrh. von dem Durchgangsverkehr zwischen Meyers Brügge (s. d.)

[Bd. 6, Sp. 750]


und Köln berührt, entwickelte es sich, obwohl häufig durch innere Kämpfe erschüttert, bald zu einer blühenden Handels- und Industriestadt mit berühmter Tuchfabrikation. Ende des 14. Jahrh. begann der Verfall, der, trotz Gründung einer Universität (1426), rasche Fortschritte machte und im 16. Jahrh. durch eine Seuche, die fast die halbe Bevölkerung hinwegraffte, vollendet ward. Vgl. Molanus, Historiae Lovanensium libri XIV (hrsg. von de Ram, Brüssel 1861, 2 Bde.); Verhaeghen, Les 50 dernières années de l'ancienne université de Louvain (Lüttich 1884); van Even, Louvain dans le passé et dans le présent (Löwen 189195); van der Linden, Histoire de la constitution de la ville de Louvain an moyen-âge (Gent 1892); »Geschiedenis van de stad Leuven« (Löwen 1899). 2) Stadt im preuß. Regbez. Breslau, Kreis Brieg, an der Glatzer Neiße und der Staatsbahnlinie Brieg-Oderberg, 152 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Schloß, höhere Privatschule, Amtsgericht, eine Zuckerfabrik (in dem anliegenden Dorfe Fröbeln), eine Ofenfabrik, Molkerei, Gerberei, Färberei, Ziegeleien, eine große Mühle, wichtige Wochen- und Viehmärkte und (1900) 3245 meist evang. Einwohner. 1903 große Überschwemmung.
 
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Löwen, Johann Friedrich, Dichter, geb. 1729 in Klausthal, gest. 23. Dez. 1771 in Rostock, studierte in Göttingen die Rechte, lebte 175157 als Schriftsteller in Hamburg, dann als Sekretär in Schwerin und war 1767 bei dem Versuch beteiligt, in Hamburg ein Nationaltheater zu errichten. Er hatte die Aufgabe, die Repertoirestücke auszuwählen und mit den Schauspielern Vortragsübungen anzustellen. Seine Frau, eine Tochter des Schauspielers Schönemann und selbst Schauspielerin, wird in Lessings »Hamburgischer Dramaturgie« öfters erwähnt. Nach dem Scheitern des Unternehmens (1768) wurde er Registrator in Rostock. Obschon von schwächlichem Talent, hat sich L. doch auf allen Gebieten der Poesie versucht: man hat von ihm Epigramme, Oden und Lieder, Kantaten, Romanzen, komische Gedichte und Erzählungen, Lehrgedichte, poetische Episteln und Trauer-sowie Lustspiele. Seine gesammelten »Schriften« umfassen 4 Bände (Hamb. 176566), Bd. 4 enthält eine Geschichte des deutschen Theaters (Neudruck durch Stümcke, Berl. 1905), zu der L. wertvolle Mitteilungen Ekhofs benutzte. Vgl. Potkoff, Joh. Friedr. L., der erste Direktor eines deutschen Nationaltheaters (Heidelb. 1904).
 
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Löwenäffchen, s. Meyers Seidenaffe.
 
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Löwenanteil, ein unverhältnismäßig großer Anteil, den bei einer Teilung der Stärkere für sich beansprucht (vgl. Löwengesellschaft).

 

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91) Koleda
 ... des heidnischen Festes der Wintersonnenwende getretene Feier der Zeit von Weihnachten bis zum Tage der heiligen drei Könige. Heutigestags versteht man
 
92) Krag
 ... Berl. 1897), »Rachel Strömme« (1898), »Aus den niedrigen Hütten« (1898), »Weihnachten«, »Marianne« (1899) und die unterhaltenden kulturhistorischen Romane: »Isaak Seehufen« (1900)
 
93) Kremser,
 ... mit Orchester (»Balkanbilder«, »Prinz Eugen«, »Das Leben ein Tanz«, »Altes Weihnachtslied«), Operetten, Gesänge für gemischten Chor, Lieder, Klaviersachen etc.
 
94) Krippe
 ... Pappe gefertigt. Seitdem der heil. Franziskus 1223 zur Feier des Weihnachtsfestes die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur
 ... bayrische Nationalmuseum in München (vgl. darüber Hager , Die Weihnachtskrippe, Münch. 1901, illustriert). Mit dem Wort K. ( Crèche
 ... die erste K. errichtete, hat sich die fromme Gewohnheit, zur Weihnachtszeit Krippen (auch Präsepien genannt) zu bauen, in allen katholischen
 
95) Kurz
 ... 1905; auch in Hendels »Bibliothek der Gesamtliteratur«, Halle 1905); »Der Weihnachtfund« (Berl. 1855, 2. Aufl. 1862); »Erzählungen« (Stuttg. 185861, 3 Bde.)
 
96) Ladenschluß
 ... 40 von der Ortspolizeibehörde zu bestimmenden Tagen (meist um die Weihnachtszeit, bei Jahrmärkten, Kirchweihen, Messen etc.), jedoch bis spätestens 10 Uhr
 
97) Lametta
 ... hauptsächlich als Christbaum - L . zum Schmücken der Weihnachtsbäume und wird für diesen Zweck auch gefärbt, indem man sie
 
98) Lauff
 ... von O. Eckmann, das. 1897, 2. Aufl. 1898), »Advent«, drei Weihnachtsgeschichten (das. 1898, 4. Aufl. 1901), »Die Geißlerin«, epische Dichtung (das.
 
99) Lewald
 ... Deutschland und Frankreich« (das. 1880); »Helmar«, Roman (das. 1880); »Zu Weihnachten«, drei Erzählungen (das. 1880); »Vater und Sohn«, Novelle (das. 1881);
 ... die Frauen«, Briefe (das. 1870, 2. Aufl. 1875); »Nella, eine Weihnachtsgeschichte« (das. 1870); »Die Erlöserin«, Roman (das. 1873, 3 Bde.); »Benedikt«
 
100) Lostage
 ... im allgemeinen die »Zwölften«, d. h. die zwölf Tage zwischen Weihnachten (dem frühern Jahresanfang) und Epiphanias, weil nach der bis in
 ... Martin (10. November), Lucia (13., früher 25. Dezember), Weihnachten . In frühern Zeiten, in denen neben Bibel und Gebetbuch
 
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