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Lüssum bis Lustige Person (Bd. 6, Sp. 867 bis 868)
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Artikelverweis Lüssum, Dorf im preuß. Regbez. Stade, Kreis Blumenthal, hat 2 Dampfziegeleien und (1900) 2754 Einw.
 
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Lussy, Mathis, Musikschriftsteller, geb. 8. April 1828 zu Stans in der Schweiz, erhielt seine erste musikalische Ausbildung durch den dortigen Organisten Businger und später auf dem Seminar zu St. Urban; 1847 kam er nach Paris, um Medizin zu studieren, ging aber bald ganz zur Musik über und wurde in der Folge ein geschätzter Lehrer. Seine Hauptschrift ist der »Traité de l'expression musicale« (1873, 7. Aufl. 1897; deutsch von F. Vogt, Leipz. 1886), ein an geistvollem Detail reicher Versuch einer Theorie des musikalischen Vortrags; inhaltlich demselben verwandt ist »L'anacrouse dans la musique moderne« (1903). Außerdem gab er heraus eine »Histoire de la notation musicale« (mit Ernest David, 1882, von der Akademie preisgekrönt, aber wertlos), »Le rythme musical« (Abdruck eines Kapitels des »Traité«, 1883, 3. erweiterte Aufl. 1897) und »Exercices de mécanisme à composer, à écrire et à exécuter« (1863).
 
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Lust heißt die der Unlust entgegengesetzte, nicht weiter definierbare Modifikation des Meyers Gefühls (s. d.). Entgegen der durch Sokrates und in neuerer Zeit durch Schopenhauer ausgesprochenen Ansicht, daß zwar die Unlust ein selbständiger, unabhängig von der L. möglicher Zustand der Seele sei, letztere aber lediglich in der Verminderung oder dem Verschwinden einer vorhandenen Unlust bestehe, halten die meisten neuern Psychologen L. und Unlust für gleich ursprüngliche und aufeinander nicht zurückführbare Zustände. Beide sind immer an bestimmte Empfindungen und Vorstellungen geknüpft (worauf z. B. die Unterscheidung sinnlicher und geistiger L. und Unlust beruht); während nun aber nach Locke, Leibniz und Wolff L. und Unlust selbst Vorstellungen sind, indem sie in der dunkeln oder verworrenen Erkenntnis des Nützlichen und Schädlichen, bez. des Vollkommenen und Unvollkommenen bestehen, unterschied Kant beide scharf als Äußerungen des »Gefühlsvermögens« von den Erzeugnissen des Erkenntnisvermögens, und seitdem erkennt die Psychologie allgemein L. und Unlust als eigenartige (von den Vorstellungen wesentlich verschiedene) seelische Erscheinungen an. In betreff des Verhältnisses der Gefühle zum Vorstellen und Wollen nimmt Herbart an, daß L. und Unlust aus der Wechselwirkung (Förderung und Hemmung) der Vorstellungen entspringen; nach Schopenhauer und v. Hartmann wurzelt dagegen das Gefühl im Willen, dessen Hemmung Unlust, dessen Befriedigung L. hervorbringt; nach Wundt ist das Gefühl durch die »Reaktion der Meyers Apperzeption (s. d.) auf die sinnliche Erregung« bedingt, eine Ansicht, die in ihren Folgerungen mit der ältern Lehre übereinkommt, daß das Gefühl auf der Rückwirkung der Seele oder des Ichs gegen die Empfindungen und Vorstellungen beruhe. Als die leibliche Grundlage des Gefühls betrachtet Wundt den zentralen physiologischen Prozeß, der zu der von den Sinnesorganen ausgehenden Erregung hinzukommen muß, wenn sich die Tätigkeit des Bewußtseins ihr zuwenden soll. Daß eine solche Grundlage existiert, beweisen auch die physischen Rückwirkungen der L. und Unlust. Nach Lehmann sind »lustbetonte Zustände jeglicher Art begleitet von Gefäßerweiterung

[Bd. 6, Sp. 868]


an der Oberfläche des Körpers, erhöhter Innervation der willkürlichen Muskeln und wahrscheinlich von Vergrößerung des Umfangs der Herzbewegungen; unlustbetonte von Gefäßverengerung an der Körperoberfläche, Innervationsstörungen der willkürlichen und der organischen Muskeln und wahrscheinlich gewöhnlich von Gefäßerschlaffungen im Innern in Verbindung mit Verminderung des Umfangs der Herzkontraktionen«. Über die objektiven Unterschiede der L. und Unlust bewirkenden Reize sind sehr mannigfache, durchweg unsichere Hypothesen aufgestellt worden. So nahe es liegt, L. und Unlust als die natürlichen Zeichen der Nützlichkeit oder Schädlichkeit einer äußern Einwirkung für den empfindenden Organismus aufzufassen, so ist doch diese Anschauung wegen der zahlreichen Ausnahmen zum mindesten dahin zu modifizieren, daß immer nur die unmittelbare Förderung der Lebenstätigkeit (der vielleicht eine Schädigung nachfolgt) durch das Lustgefühl angezeigt wird und umgekehrt. Nach einer andern Annahme beruhen L. und Unlust auf dem Einklang oder dem Widerstreite des Reizes mit den Bedingungen der Erregbarkeit der Nerven, nach einer dritten auf dem Überschuß der positiven Molekulararbeit im Nervenprozeß über die negative, bez. dieser über jene. Vgl. außer den Lehrbüchern der Psychologie: Bouillier, Du plaisir et de la douleur (4. Aufl., Par. 1891); Dumont, Vergnügen und Schmerz (Leipz. 1876); Duboc, Die L. als sozial-ethisches Entwickelungsprinzip (das. 1900).
 
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Lustbarkeiten, öffentliche, wie Schau- und Vorstellungen, Musikaufführungen, bei denen kein höheres künstlerisches Interesse obwaltet, Tanzmusiken etc., unterliegen allenthalben teils sitten-, teils gewerbepolizeilichen Beschränkungen, insbes. soweit es sich um Darbietungen im Umherziehen handelt. Die deutsche Reichsgewerbeordnung enthält hierüber zahlreiche Vorschriften. Auch sind solche Lustbarkeiten, wie besonders Abhaltung von Tanzmusiken und andre dergleichen öffentliche Vergnügungen, Gegenstand von Luxussteuern, sei es zugunsten des Staates oder, was häufiger ist, zugunsten der Gemeinde und vornehmlich der Armenkassen.
 
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Lustenau, Dorf in Vorarlberg, Bezirksh. Feldkirch, am Rhein und an der Staatsbahnlinie Bregenz-St. Margrethen, Hauptsitz der Vorarlberger Stickereiindustrie, mit Bierbrauerei und (1900) 6221 Einw.
 
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Lüster (franz. lustre), glänzender Damenkleiderstoff aus Baumwollenkette und Mohair- oder Alpakaschuß; oft ist die Kette dunkel und der Schuß hell, so daß die Ware ein schillerndes Aussehen hat; häufig wird der Stoff mit kleinen, vom Schuß gebildeten Müsterchen versehen. L. heißt auch ein halbwollener gestärkter Futterstoff, Bindung Leinwand. Mixed L., ein Damenkleiderstoff aus Baumwollenkette und zwirnartigem hellen und dunkeln Wollenschuß 18/22 Fäden auf 1 cm. L. nennt man auch den äußerst dünnen, glänzenden Anflug auf Porzellan, Fayence oder Glas, der zu dekorativen Zwecken in verschiedenen Farben (rötlich, gelb, rot, grau) mit Metallpräparaten, meist mit Lösungen von Metallharzseifen in ätherischen Ölen dargestellt wird. Wismut gibt weißen, mit andern Metalloxyden gemischt farbigen Perlmutterlüster, auch Blei und Zink geben farblosen L. Mit Eisenoxyd erhält man Rot, Rotbraun, Orange bis Nankinggelb, mit Wismut gemischt Goldgelb, Kupferlüster ist rötlichbraun, Uranlüster grüngelb und gelb, Kobeltlüster braun. Von den Kombinationslüstern gibt Gold mit Wismut zu gleichen Teilen goldiges Kupfer, mit mehr Gold Rosenrot (Burgoslüster) und Rotgelb, mit überwiegendem Wismut Hellblau. Silberlüster ist gelb und gibt auf blauem Grunde den schönen grünen Kantharidenlüster. Wird Geschirr mit Bleiglasur beim Brennen reduzierenden Dämpfen ausgesetzt, so entsteht der glänzende, in Regenbogenfarben spielende Bleilüster, der besonders schön bei Gegenwart von Chlorsilber in der Glasur erscheint. Wird blei- und silberhaltiges Glas in reduzierenden Gasen erhitzt, so erscheint es im durchfallenden Licht gelb, im reflektierten weiß oder gelb metallisch glänzend. Lüsterdekor war schon seit Ende des 12. Jahrh. in der Fayencefabrikation des ganzen Orients üblich. Über die fälschlich L. genannte Salzglasur s. Glasur. Vgl. Lustre.
 
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Lüstergarn, Wollengarn aus grober, langer, schlichter, aber stark glänzender Kammwolle.
 
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Lüstersteine, s. Meyers Glaskorallen.
 
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Lustfeuerwerkerei, s. Meyers Feuerwerkerei.
 
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Lustgas, soviel wie Stickstoffoxydul.
 
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Lustige Person, ständige Figur der Komödie, die, bereits in dem Parasiten der antiken Bühne vorgebildet, besonders seit dem 16. und 17. Jahrh. zu großer Beliebtheit gelangte, so daß sie zeitweilig selbst im ernsten Drama, wo sie den tragischen Helden parodierte, ungern entbehrt wurde. Sie ist verschiedenen Ursprungs, und es läßt sich für ihre abweichenden Erscheinungsformen nicht immer die Verbindung durch die literarische Überlieferung nachweisen; der Wunsch des Publikums nach burlesker Erheiterung machte sich an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten selbständig geltend. Häufig wird aber die l. P., in welcher der Charakter des Parasiten immer wieder durchschlägt, nach ihrem Lieblingsgericht bezeichnet, wodurch sich die Namen Jean Potage, John Bouset (nach einem süßen würzigen Getränk), Pickelhering, Hanswurst u. a. erklären. S. Meyers Hanswurst u. Harlekin.

 

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81) Johann
 ... krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone
 
82) Johannisfest
 ... Johannistag, Johannisnacht ), das von der abendländischen Kirche früh dem Weihnachtsfest gegenübergestellte Geburtsfest Johannis des Täufers (24. Juni), kirchlich jetzt meist
 
83) Jūlfest
 ... Julbrot etc., an das alte heidnische Fest (s. Weihnachten ). Vgl. Bilfinger , Das germanische J. (Stuttg.
 ... Gelübde abzulegen. An die Stelle des Julfestes trat später unser Weihnachtsfest; aber noch heute erinnern im skandinavischen Norden sowie im frühern
 ... die Namen verschiedener Gebräuche und Gerichte, wie der Julklapp (Weihnachtsgeschenk, das vom Geber heimlich, aber mit lautem Schall ins Haus
 
84) Jundt
 ... lebe Frankreich!, die französischen Internierten verlassen die Schweiz und der Weihnachtsbaum. Jundts Arbeiten atmen Poesie, Natürlichkeit und Humor. Auch als Karikaturenzeichner
 
85) Kalender
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86) Karageorgiević
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87) Karl
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88) Kinderlieder
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89) Kirchenjahr
 ... - und Festtage. Das K. mit seinen drei Festzyklen, dem Weihnachts - , Oster - und Pfingstfestkreis, beginnt, unabhängig vom bürgerlichen
 
90) Knecht
 ... zottiger Kleidung, mit einer Rute und einem Sack versehen, vor Weihnachten den Kindern erscheint und den ungehorsamen mit Schlägen droht, den
 
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