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Luftröhre bis Luftröhrenwurmseuche (Bd. 6, Sp. 816 bis 817)
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Artikelverweis Luftröhre (Trachea, Arteria aspera), ein Rohr im Tierkörper zum Ein- und Auslaß der Atemluft. (Über die Luftröhren der Wirbellosen s. Tracheen.) Bei den luftatmenden Wirbeltieren ist die L. im weitern Sinne der von der Lunge in den Mund führende Kanal, im engern nur derjenige Abschnitt, der hinten am Kehlkopf beginnt und mit dem Eintritt in die Lunge endet. Die Knorpel (s. Tafel Meyers »Kehlkopf«, Fig. 8) in ihrer Wandung halten sie beständig offen, so daß sie nur durch die beiden Stellknorpel des Kehlkopfes verschlossen werden kann. Die Knorpel selbst sind teils der Länge, teils der Quere nach angeordnet und bilden in letzterm Fall oft geschlossene Ringe. Die L. teilt sich an ihrem untern Ende in zwei Äste (bronchi) von gleichem Bau wie die L. selbst; diese verzweigen sich weiter innerhalb der Lungen in die Bronchien (bronchia). Bei den Vögeln, deren L. meist sehr lang ist, zuweilen sogar große Schleifen macht, ist am Beginn der Teilung in die Bronchien fast immer ein unterer Kehlkopf zur Erzeugung der Stimme angebracht (s. Tafel Meyers »Kehlkopf«, Fig. 6 u. 7). Die L. des Menschen ist 9,512 cm lang, 23 cm breit und 1,51 cm dick; sie beginnt in der Höhe des fünften Halswirbels, läuft am Hals herab und teilt sich in der Höhe des dritten oder vierten Brustwirbels in ihre beiden Äste. Dicht hinter ihr liegt die Speiseröhre (s. Tafel Meyers »Eingeweide II«, Fig. 3 u. 4). Ihre etwa 2 mm starke Wandung enthält 1620 hinten offene, 3,54,5 mm hohe Knorpelringe. Der Länge nach werden sie durch derbes Fasergewebe, in querer Richtung durch Bündel glatter Muskelfasern zusammengehalten. So kann die hintere Wand der L. nach innen zu eingedrückt werden, wenn beim Essen der Bissen in der Speiseröhre nach dem Magen hinabgleitet. Die ganze innere Fläche der L. ist mit einer flimmernden Schleimhaut, der Fortsetzung der Kehlkopfschleimhaut, überkleidet, die auch zahlreiche Schleimdrüsen enthält. Von den beiden Bronchien hat der rechte 78, der linke 912 Knorpelringe; wegen der Bronchien s. Meyers Lunge.
   Krankheiten der L. Zu kalte oder mit Staub und andern schädlichen Bestandteilen (Gasen) geschwängerte Luft ruft einen Entzündungszustand der Luftröhrenschleimhaut hervor, der gewöhnlich mit einer gleichen Erkrankung der Kehlkopf- und Bronchialschleimhaut einhergeht. Man empfindet Schmerzen in der Gegend der L., ein schneidendes, rauhes Gefühl im Hals und befördert durch mei st sehr quälenden Husten einen zähen Schleim heraus. Warmhalten des Halses, feuchte Umschläge in der Form eines

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in Wasser getauchten und gut ausgerungenen Handtuchs und Einatmen einer warmen, gleichmäßig temperierten Luft reichen in der Regel zur Hebung des Übels aus. Außer dem eben erwähnten, auch chronisch auftretenden Katarrh der L. (Tracheïtis, s. Meyers Bronchialkatarrh) und der Diphtherie (Krupp) versetzt besonders häufig die Lungentuberkulose die L. in Mitleidenschaft, wobei es zu ausgedehnten Schleimhautgeschwüren kommen kann (Luftröhrenschwindsucht, meist mit Kehlkopfschwindsucht verbunden). Durch Kropf und durch Geschwülste in der Nähe der L., d. h. also am Hals oder im Mediastinum, kann die L. stark (säbelscheidenartig) zusammengedrückt werden, so daß häufig plötzliche Erstickung eintritt. Auch kann durch Narbenbildung eine Verengerung der L. zustande kommen. Nach Verwundungen bleibt wohl zuweilen eine Luftröhrenfistel zurück.
   Fremdkörper können unter Umständen in die L. geraten, 1) durch Mundhöhle und Kehlkopf, und zwar Knochenstückchen, Knöpfe, Münzen, Nadeln, Gräten etc., ausgezogene, der Zange entglittene Zähne, künstliche Zähne, Teile abgestorbener Kehlkopfknorpel (z. B. bei Kehlkopfschwindsucht), Eiter, Blut, zersetzter Speichel (bei schwerer Verwundung der Kiefer, Zunge etc.), Nahrungsmittel bei Geisteskrankheiten, das von Bewußtlosen (oder sinnlos Betrunkenen) Erbrochene; 2) von außen her, z. B. bei Schußverletzung des Kehlkopfes abgesprengte Knorpelstücke etc. Die Fremdkörper können durch eine starke Ausatmung wieder aus der L. herausgeschleudert werden, oder sie können, falls sie nicht zu groß sind, sich darin festsetzen und in die Wand der L. einwachsen, zuweilen sogar oberflächlich durch kalkartige Ablagerungen inkrustiert werden. Fremdkörper, die 12,15 und mehr Jahre in der L. festsaßen, wurden dann doch noch ausgeworfen. Die Fremdkörper müssen durch Kunsthilfe entfernt werden, wenn sie nicht schon durch einen plötzlichen Erstickungsanfall den Tod herbeiführten. Dieser Ausgang tritt sofort nach dem Hineingeraten des Fremdkörpers in die L. ein, falls letzterer sehr groß ist. Ist er kleiner, so zeigen sich die Merkmale der Luftröhrenverengerung, die je nach der Lage des oft frei beweglichen Körpers abwechselnd sich verstärken und freierer Atmung Platz machen; die Einatmung ist oft von einem pfeifenden Geräusch begleitet. Manchmal vernimmt man mittels des Hörrohrs ein klappendes, die Atmung begleitendes Geräusch. Die Prognose ist immer ernst, denn erst nach Entfernung des Fremdkörpers ist in der Regel jede Gefahr beseitigt. Die Behandlung muß daher auf Entfernung des Fremdkörpers gerichtet sein, die in den meisten Fällen mittels des Luftröhrenschnittes erreicht wird. Oft fliegt der Fremdkörper sofort nach Vollendung der Operation mit einer starken Ausatmung heraus; wird aber der Fremdkörper nicht von selbst ausgehustet, so muß man mittels der Tracheoskopie seinen Sitz zu ermitteln und ihn mit einer Zange herauszuziehen suchen. Die unblutige Entfernung von Fremdkörpern mittels des Bronchoskops, eines röhrenförmigen, durch den Mund in die L. einzuführenden Instruments, das Besichtigung des Luftröhreninnern und gleichzeitige Handhabung eingeführter Zangen erlaubt, kommt vorläufig nur in besonders günstigen Fällen und in der Hand geübter Virtuosen in Betracht.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenäste, s. Meyers Luftröhre.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenatmer, die durch Luftröhren oder Tracheen atmenden Gliederfüßer.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenerweiterung, soviel wie Bronchiektasie.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenfistel, s. Meyers Luftröhre, S. 817.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenkatarrh, soviel wie Bronchialkatarrh.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenkrampf, soviel wie Bronchialasthma, s. Meyers Asthma.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenschnitt (griech. Tracheotomie), die Öffnung der Luftröhre durch Einschnitt in ihre vordere Wand, um den Aus- und Eintritt von Luft aus und in die Lungen auch dann noch zu ermöglichen, wenn dies durch den Kehlkopf nicht oder nicht mehr genügend erfolgt. Am häufigsten findet dieser Fall statt bei Diphtheritis (sogen. Rachenbräune) des Kehlkopfes, wo die obern Luftwege, namentlich der Kehlkopf, mit festen Ausschwitzungsmassen verlegt sind, und wo die Gefahr der Erstickung um so gewisser ist, je jünger das Kind und je enger daher die Luftwege sind. Auch die Verengerungen des Kehlkopfes durch polypöse und andre Geschwülste, durch tuberkulöse Geschwüre mit Schwellung des Kehlkopfeinganges, syphilitische Narben etc. können den L. erheischen. An und für sich ist der L. eine ungefährliche Operation. Die hohe Sterblichkeit beim L. ist nicht in der Operation, sondern in den dazu führenden, meist schweren Diphtherieerkrankungen zu suchen. Nach der Operation legt man in die frische Luftröhrenwunde eine gekrümmte silberne Kanüle ein, damit der Luftstrom frei aus- und eintreten kann. Nach Beseitigung des Hindernisses im Kehlkopf, wegen dessen man die Operation vorgenommen hat, entfernt man die Kanüle und sucht die Luftröhrenfistel wieder zum Verschluß zu bringen. Gegenwärtig wird der L. vielfach durch die Meyers Intubation (s. d.) ersetzt. Auch bei Tieren ist der L. seit langem in Anwendung und namentlich bei den großen Haustieren leicht, selbst am stehenden Tier ohne Zwangsmittel auszuführen. Ganz besonders häufig wird er beim Pferde notwendig. Dieses kann nämlich infolge seines langen Gaumensegels (Zäpfchen des Menschen) überhaupt nicht durch die Mundhöhle, sondern nur durch die Nasenhöhle atmen, so daß nicht bloß Verengerungen des Kehlkopfeinganges, sondern auch alle Verschwellungen der Nasengänge und Nasenöffnungen, wie solche selbständig und als Nebenerscheinungen bei andern Krankheiten häufig vorkommen, den L. erforderlich machen. Auch bei sehr hochgradigem Kehlkopfpfeifen mit Atembeschwerde wird der L. gemacht, und es können solche Pferde jahrelang mit einliegendem Tracheotubus arbeiten, wenn die Öffnung stets sorgfältig reingehalten und vor Eindringen von Staub etc. möglichst geschützt wird. Die Verheilung der Wunde erfolgt übrigens leicht; Nachteile treten nur selten ein.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenschwindsucht, Tuberkulose der Luftröhrenschleimhaut, meist mit Kehlkopfschwindsucht verbunden.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenwurm (Syngamus), s. Strongyliden.
 
Artikelverweis 
Luftröhrenwurmseuche des Geflügels, keine durch einen Ansteckungsstoff im engern Sinn erzeugte Sei. he, vielmehr eine Herdenkrankheit, die durch den gepaarten Luftröhrenwurm, Syngamus trachealis, verursacht wird. Der Wurm siedelt sich bei vielen Vogelarten an und befällt namentlich Hühner, junge Gänse und Fasanen. Er wohnt in der Luftröhre und führt durch seine Anwesenheit zur Erstickung; seine Eier kommen beim Husten in den Rachen, werden abgeschluckt, gehen mit dem Kot ab und werden so verbreitet. Die im Freien sich ausbildenden Embryonen werden von dem Geflügel beim Futtersuchen wieder aufgenommen. Die Krankheit ist schon 1797 in Amerika beobachtet worden, ist hier ungeheuer verbreitet, von da nach England und nach Frankreich

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gekommen, nach Deutschland jedoch noch nicht vorgedrungen. In England sterben daran jährlich eine Million Hühner; besonders große Verwüstungen richtet sie in den Fasanerien an.

 

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102) Lyra
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103) Mannhardt
 ... »Die Götter der deutschen und nordischen Völker« (das. 1860) und »Weihnachtsblüten in Sittte und Sage« (das. 1864). Aus Gesundheitsrücksichten zog er
 
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110) Narrenfest
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