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Zwischenregierung bis Zwischenwerk (Bd. 6, Sp. 1048 bis 1049)
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Artikelverweis Zwischenregierung (Zwischenherrschaft) nennt man eine Regierung, die nach Umsturz einer früher bestandenen, später wiederhergestellten Regierung in der Zwischenzeit die Staatsgewalt besessen hat. So wurden z. B. Napoleon I. und die von ihm in Spanien, Neapel, Westfalen und anderwärts eingesetzten Fürsten von den wiedereingesetzten frühern Fürsten als Zwischenherrscher betrachtet. Inwiefern die Handlungen einer Z. für den zurückgekehrten frühern Landesherrn bindend sind, ist eine z. B. hinsichtlich des ehemaligen Königreichs Westfalen viel bestrittene Frage. Hat der frühere Herrscher für sich und die Seinen auf sein Herrscherrecht förmlich verzichtet, so sind natürlich Zweifel nicht möglich. Fehlt dieser Verzicht, so fragt es sich, ob die Untertanen berechtigt und verpflichtet sind, die neue Herrschaft anzuerkennen und ihr zu gehorchen, solange der alte Herrscher oder dessen rechtmäßige Erben leben und ihre Rechte auf die ihnen entrissene Gewalt fortwährend, wenn auch nur durch Protestation, behaupten. Die Frage ist zu bejahen, da für die Staatsangehörigen das tatsächliche Verhältnis entscheidend ist und eine angesprochene Staatsgewalt, die nicht geltend gemacht werden kann, keine Staatsgewalt ist. Auch bei der feindlichen Besetzung (Okkupation) eines Landesteils während eines Krieges muß sich die Bevölkerung der von der feindlichen Macht eingesetzten Regierung fügen. Die Anerkennung ihrer Maßregeln nach Aufhebung der Besetzung durch die rechtmäßige Regierung ist wesentlich aus dem Gesichtspunkt der Verpflichtung zur Erstattung der Kriegsschäden zu beurteilen. Z. wird auch das in Wahlreichen vorkommende Zwischenreich oder Interregnum (s. d.) genannt. Vgl. S. Brie, Die Legitimation einer usurpierten Staatsgewalt (Heidelberg 1886); H. Triepel, Das Interregnum (Leipz. 1892).
 
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Zwischenreich, s. Meyers Zwischenregierung.
 
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Zwischenrippenneuralgie, eine Neuralgie im Verlauf der Zwischenrippennerven.
 
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Zwischenspiele, kleine dramatische Spiele, die zwischen die Akte der Dramen eingelegt wurden. Sie dienten zu Ruhepunkten, ohne die künstlerische Illusion des Zuschauers zu unterbrechen. Die Griechen kannten musikalische Z.; bei den Römern traten die Mimen und Pantomimen hinzu. Das Drama der Neuern aber erhielt die Z. aus vierfacher Quelle: es entwickelte sie aus dem volkstümlichen Possenspiel, aus dem Volkslied, aus den Entremets (s. Entremes) und aus den Chören des wieder auflebenden antiken Dramas. Aus jenen Possenspielen gingen die Späße der extemporierenden Clowns und Hanswürste sowie die Jetts, Jiggs und Rüpelspiele hervor. Sie traten wohl auch mit dem Volkslied in Verbindung, wovon sich bei Shakespeare noch Reste zeigen. In Italien wurde das letztere (frottola) wohl selbst zwischen die Akte gelegt. Aus ihnen entwickelten sich scherzhafte Z., später aber auch noch das Singballett und das Intermezzo, die sich rasch über die andern Länder verbreiteten. Dagegen dürften aus den Entremets die Entremeses und Sainétes der spanischen Bühne, die Interludes der Engländer und die Tableaus der Niederländer entstanden sein. Von allen diesen Formen ist das Meyers Intermezzo (s. d.) die wichtigste, da sich aus ihm die Opera buffa und, unter dem Einfluß des Vaudevilles, überhaupt die ganze moderne komische Oper entwickelte (vgl. Oper). Mit der Ausbildung der Orchestermusik gewann aber auch diese allmählich Raum in den Zwischenakten. Schon 1630 war sie in Paris an die Stelle der Z. getreten; Davenant führte sie etwas später auf der englischen Bühne ein. 1767 scheiterte in Paris Beaumarchais' letzter Versuch, das Zwischenspiel in seiner »Eugénie« wieder einzuführen. In Deutschland erhielt es sich am längsten, wurde aber endlich doch von der Instrumentalmusik völlig verdrängt. Beim Choralspiel heißen Z. (Interludien) die kurzen Sätze

[Bd. 6, Sp. 1049]


oder Akkordfolgen, durch die von einer Verszeile des Chorals zu dem Ton und Akkord der nächstfolgenden übergeleitet wird. Treffliche Beispiele geben Töpfers »Choralbuch« und Rincks »Choralbearbeitungen«.
 
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Zwischenstellung, s. Meyers Festungskrieg, S. 485.
 
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Zwischenstoß, s. Meyers Fechtkunst, S. 371.
 
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Zwischenstreit (Inzidentstreit, Inzidentprozeß), ein im Lauf eines bürgerlichen Rechtsstreites auftauchender besonderer Streitpunkt, der die Streitsache selbst nicht unmittelbar betrifft, dessen Entscheidung durch ein Meyers Zwischenurteil (s. d.) aber erforderlich ist. Ein solcher Z. kommt vor als Streit der Parteien untereinander, z. B. über die Herausgabe einer Beweisurkunde, oder als Streit einer Partei mit einem Dritten, z. B. einem solchen, der als Nebenintervenient auftreten will, oder mit einem Zeugen, der das Zeugnis verweigert. Kein Z. entsteht durch die sogen. Meyers Inzidentfeststellungsklage (s. d.).
 
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Zwischenstufen, geschlechtliche, Zustände von Menschen, die, ohne Hermaphroditen zu sein, eigenartige Abweichungen von den normalen geschlechtlichen Typen, Mann und Weib, darstellen. Bei normalen Männern und Weibern sind primäre und sekundäre Geschlechtseigentümlichkeiten (s. d.) homolog, bei dem paradoxen Mißverhältnis zwischen männlichen Geschlechtsdrüsen und scheinbar weiblichen Geschlechtsorganen und umgekehrt ergibt sich Hermaphroditismus. Sind aber die Geschlechtsorgane entschieden männlich oder entschieden weiblich und nur gewisse sekundäre Geschlechtseigentümlichkeiten dem Geschlechtsorgan nicht entsprechend, so spricht man von Maskulismus eines Weibes (Mannjungfer, Mannweib, s. Meyers Mannjungfrauschaft), resp. Feminismus eines Mannes. Diese Zustände können nur somatisch sein (weiblicher Bau eines Mannes und umgekehrt) oder nur psychisch (weibliches Empfinden beim Mann und umgekehrt) oder beides zusammen. Diese verschiedenen Kombinationen geben unzählige mehr oder weniger ausgeprägte Varianten, und in der Tat ist die Zahl der geschlechtlichen Zwischenstufen überaus groß. Vgl. Hirschfeld, Geschlechtsübergänge (sexuelle Zwischenstufen) (Leipz. 1906); »Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen« (hrsg. von Hirschfeld, das. 18991906).
 
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Zwischensubstanz, s. Meyers Interzellularsubstanz.
 
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Zwischenurteile heißen nach der deutschen Zivilprozeßordnung (§ 303) im Gegensatz zu den Endurteilen diejenigen Urteile, durch die nicht über den Rechtsstreit selbst (ganz oder zum Teil), sondern nur über ein einzelnes selbständiges Angriffs- oder Verteidigungsmittel oder über einen Meyers Zwischenstreit (s. d.) entschieden wird. Das Zwischenurteil ist zwar nach § 318 für das Gericht bindend; es darf aber regelmäßig nicht durch ein selbständiges Rechtsmittel an gefochten werden, sondern unterliegt (nach den § 512 und 548) nur (mit dem angefochtenen Endurteil) der Beurteilung des Berufungs- oder Revisionsgerichts. Dabei wird noch vorausgesetzt, daß das Zwischenurteil nicht unanfechtbar oder mit der Beschwerde anfechtbar ist. Z., die sich auf einen Zwischenstreit beziehen, unterliegen vielfach der sofortigen Beschwerde und können deshalb in Rechtskraft erwachsen. Gewisse Z., die auch vorläufige Urteile oder Vorbehaltsurteile genannt werden, stellt das Gesetz (in den § 275, 304, 540 und 600) in Ansehung der Rechtsmittel den Endurteilen gleich. Das gilt von Urteilen, durch die eine prozeßhindernde Einrede nach abgesonderter Verhandlung verworfen, oder über den nach Grund und Betrag streitigen Anspruch über den Grund vorab entschieden oder ein Verteidigungsmittel unter Vorbehalt der Geltendmachung zurückgewiesen wird, sowie von den Urteilen, durch die der Beklagte im Urkunden- und Meyers Wechselprozeß (s. d.) unter Vorbehalt der Ausführung seiner Rechte verurteilt wird. Das letztere Zwischenurteil steht auch in Ansehung der Meyers Zwangsvollstreckung (s. d.) einem Endurteile gleich. Die österreichische Zivilprozeßordnung handelt von den Zwischenurteilen in § 393. Sie kennt zwei Urteile dieser Art, nämlich: das Zwischenurteil, durch das über den Grund eines Anspruches vorab entschieden, und dasjenige, durch das im Laufe des Prozesses über das Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses entschieden wird. Beide Z. sind in Ansehung der Rechtsmittel als Endurteile anzusehen.
 
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Zwischenwerk, s. Meyers Festung, S. 476.

 

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