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Schotten bis Schottisches Drehkreuz (Bd. 6, Sp. 15 bis 16)
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Artikelverweis Schotten, 1) die Bewohner von Meyers Schottland (s. d., S. 19); 2) s. Meyers Schottenmönche.
 
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Schottenmönche (Schottenbrüder, Schotten), brit. Benediktiner, errichteten seit dem 10. Jahrh. an einer Anzahl von Orten in Deutschland sogen. Schottenklöster, die durch Bulle Lucius' III. 1185 dem Abt von St. Jakob in Regensburg (1862 aufgehoben) unterstellt wurden. Vgl. Wattenbach, Die Kongregation der Schotten in Deutschland (in der »Zeitschrift für christliche Archäologie«, Bd. 1, 1856).
 
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Schotter, zerschlagene Steine, Geröll, Kies u. dgl., die im Bauwesen, besonders auch im Straßenbau (Schotterstraßen, Beschotterung) Verwendung finden.
 
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Schotterstraßen, s. Meyers Straßenbau.
 
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Schottisch, Tanz, s. Meyers Écossaise und Polka.
 
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Schottische Feilen, soviel wie Mineralfeilen.
 
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Schottische Kirche, die in Schottland herrschende Kirche, die sich von der anglikanischen durch strenges Festhalten an den calvinistischen Lehren und an einfacherm Kultus, vorzüglich aber durch die freie, demokratische Verfassung unterscheidet. Diesen ihren Charakter hat ihr zumeist John Meyers Knox (s. d.) ausgeprägt. Unter seinem Einfluß nahm das Parlament 1560 die sogen schottische Konfession und 1561 die Kirchenordnung (book of discipline) an. Auf dieser Grundlage entwickelte sich die Verfassung der Kirche. Ein von der Gemeinde gewähltes, weiterhin sich selbst ergänzendes, aus sogen. Ältesten oder Kirchenvorstehern und dem Geistlichen als Vorsitzendem bestehendes geistliches Gericht (kirk-session) ist Verwaltungs- und Disziplinarbehörde. Das Presbyterium (local presbytery), die nächst höhere Behörde, ist aus sämtlichen Pfarrern einer unbestimmten Anzahl benachbarter Kirchspiele sowie je einem Kirchenältesten aus jeder Gemeinde zusammengesetzt. Über dem Presbyterium stehen die mehrere Presbyterialbezirke repräsentierenden Synoden; die höchste Behörde ist die Generalsynode (general assembly), die jedes Jahr zusammentritt. Diese theokratisch reformierte Verfassung, insonderheit die den Gemeinden zustehen de Pfarrerwahl war Gegenstand beständigen Streites zwischen Kirche und Regierung, die zeitweise sogar geneigt war, die Ansprüche der anglikanischen Kirche auf Wiedererlangung ihres Einflusses in Schottland zu unterstützen. Doch war Jakob I. 1592 genötigt, der schottischen Kirche die volle Freiheit zu gewähren, und der zur Abwehr der vom Erzbischof Land mit Zustimmung Karls I. aufgezwungenen englischen Liturgie 1638 gestiftete Meyers Covenant (s. d.) gab das Signal zum Ausbruch der englischen Revolution. Ein Gesetz von 1690 hob das Patronatsrecht der Regierung bezüglich der Pfarrbesetzungen auf, gab den Grundeigentümern nur das Präsentationsrecht, der ganzen Gemeinde aber die Wahl anheim. Jedoch wurde unter Königin Anna durch Gesetz von 1712 das Patronatsrecht wieder eingeführt. Daraufhin schieden 1733 unter Führung von Ebenezer Erskine eine Anzahl von Geistlichen mit ihren Gemeinden aus der Staatskirche aus (Seceders). Diese separierten Gemeinschaften wuchsen rasch an, zählten schließlich an 500 Gemeinden und wurden 1847 als vereinigte presbyterianische Kirche (united presbyterian church) zur Einheit verschmolzen. Aber auch innerhalb der Staatskirche blieb der Widerspruch gegen das Patronatswesen rege, indem man wenigstens auf Einschränkung desselben hinarbeitete. 1834 erklärte die Generalsynode, es sei ein Grundgesetz der Kirche, daß kein Geistlicher einer Gemeinde aufgedrungen werden könne. Dieser Beschluß, im nächsten Jahr unter dem Namen Veto-Akte erneuert, rief bei dem Widerstand der britischen Regierung den Gegensatz der Nonintrusionisten, kürzer Nons (d. h. die von einer Aufdrängung, intrusion, eines Geistlichen nichts wissen wollen), hervor. 1843 erklärten die Nons ihren Austritt aus der Staatskirche, konstituierten sich als freie schottische Kirche (free church of Scotland) und wählten Thomas Meyers Chalmers (s. d.) zum Vorsitzenden. Da sich immer mehr zeigte, daß die Verschiedenheiten zwischen den beiden großen separierten Gemeinschaften nur theoretischen Charakter hatten, vereinigten sie sich 31. Okt. 1900 zur unierten Freikirche von Schottland (united free church of Scotland). Eine kleine Minderheit der Freikirche erhob gegen diese Union Einspruch, in dem sie durch das 1904 erfolgte Urteil des aus dem Hause der Lords konstituierten Appellationsgerichtshofs bestärkt wurden, wonach die Freikirche nur unter Darangabe ihres Eigentums als zum Eintritt in die Union berechtigt erklärt wurde. Um die Schwierigkeiten der so entstandenen Lage zu heben, ist 1905 vom Parlament beschlossen worden, das Eigentum unter die beiden Kirchen zu teilen. Der gegenwärtige Bestand der schottischen Kirche ist folgender: 1) die Staatskirche, amtlich Church of Scotland, zählte Ende 1904: 1401 Parochien, 99 nichtparochiale Pfarrämter und 121 Predigt- und Missionsstationen mit 686,698 Kommunikanten. Sie verfügt über die staatlichen theologischen Fakultäten in Edinburg, Glasgow, Aberdeen und St. Andrews. 2) Die Unierte Freikirche von Schottland zählte Ende 1904: 1658 Gemeinden mit 503,301 Kommunikanten. Sie erhält drei theologische Fakultäten in Edinburg, Glasgow und Aberdeen. 3) Die Freikirche von Schottland zählte Ende 1904: 37 Geistliche mit 138 teilweise sehr kleinen Gemeinden. Sie ist im Besitz der Fakultätsgebäude der Freikirche in Edinburg. In Lehre und Kultus nimmt sie den konservativsten Standpunkt unter den drei Gemeinschaften ein und verhält sich insbes. gegenüber der Bibelkritik schlechthin ablehnend. Außer diesen kirchlichen Gemeinschaften gibt es in Schottland noch die Episcopal Church of Scotland (s. Meyers Anglikanische Kirche, S. 522) mit (1904) 7 Bischöfen (Moray, Aberdeen, Brechin, St. Andrews, Edinburg, Glasgow und Argyll), 372 Gemeinden, 323 Geistlichen und 48,468 Kommunikanten; Kongregationalisten, nämlich: 1) Kongregationalistische Union, feil 1896 mit der Evangelischen Union vereinigt, mit (1904) 196 Gemeinden, 174 Geistlichen, 35,688 Kommunikanten und einer theologischen Fakultät in Edinburg, und 2) Baptistische Union mit (1904) 125 Gemeinden und 18,809 Kommunikanten; Methodisten, Quäker, Irvingianer, Swedenborgianer, Unitarier in geringer Stärke; endlich römische Katholiken, die in sechs Diözesen (St. Andrews und Edinburg, Glasgow, Aberdeen, Dunkeld, Galloway, Argyll) organisiert (1903) 226 Gemeinden und über 1/2 Mill. Anhänger zählten. Die sich von der Kirche fernhaltende Bevölkerung wurde 1904 auf etwa 1,600,000 Seelen angegeben. Vgl. J. Köstlin, Die schottische Kirche (Hamb. 1852); Cunningham, Church history of Scotland (2. Aufl., Lond. 1883, 2 Bde.); Bellesheim, Geschichte der katholischen Kirche in Schottland (Mainz 1883, 2 Bde.; engl. von Blair, Lond. 188790, 4 Bde.); R. M. Stewart, The Church of Scotland (bis 1690; das. 1892); Bayne, The Free Church of Scotland (2. Aufl., Edinb. 1894); Stephen, A history of the Scottish Church (das. 189496, 2 Bde.); W. R. Taylor, Religious life and Scottish Church thought

[Bd. 6, Sp. 16]


in the XIX. century (Lond. 1900); Craik, A century of Scottish history from the days before the '45 to those within living memory (Edinb. 1901, 2 Bde.); McCrie, Church of Scotland, her divisions and her re-unions (Lond. 1901); A. Taylor Innes, Law of creeds in Scotland (neue Ausg., das. 1902); J. Macpherson, History of the Church in Scotland (das. 1901); Orr, The Free Church of Scotland appeals; authorised report (Edinb. 1904).
 
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Schottische Leinwand, s. Meyers Gingan.
 
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Schottische Literatur. Im Mittelalter, bis gegen Ende des 14. Jahrh., bildeten die südschottischen Denkmäler (Hochschottisch ist eine keltische Zunge) mit den nordenglischen zusammen einen schier untrennbaren Dialektkreis. Eigenartiges leisteten erst die Epiker BarberBruce«, 1375) und Huchown. Im 15. und zu Anfang des 16. Jahrh. blühte am Edinburger Hof die Schule Chaucers, die hier besondern Nachdruck auf Realistik und volkstümlichen Humor legte; ihre Hauptdichter waren Dunbar und Lindsay. Als dann im Gefolge der Reformation die englische Schriftsprache in Edinburg einzog, wurde die schottische Muse für zwei Jahrhunderte schwach und karg. Aber zu Anfang des 18. Jahrh., gerade als mit dem Edinburger Parlament der letzte Rest schottischer Unabhängigkeit verschwand, wandte man dort der volkstümlichen Mundart und Dichtung ein neues Interesse zu; Balladen wurden ausgezeichnet; Allan Ramsay (s. d. 1) gab altheimische Lieder heraus und suchte sie zu modernisieren. Eine Neublüte des schottischen Sanges entstand dann durch Burns. Neben ihm ist eine Reihe Jakobitensänger zu nennen, ferner Balladendichterinnen (vgl. S. Taylor und J. L. Watson, Songstresses of Scotland, Lond. 1871, 2 Bde.), deren Schule bis auf den heutigen Tag gedeiht. Dagegen strebten Thomson, Smollet, Beattie im 18., Walter Scott, Campbell, Carlyle im 19. Jahrh. nach einem Platz auf dem englischen Parnaß, schrieben im wesentlichen die Londoner Schriftsprache und sind literarisch entschieden zu England zu zählen. Seit der Mitte des 18. Jahrh. traten die Schotten auch auf allen wissenschaftlichen Gebieten mit den Engländern in einen Wettkampf, dessen glücklichen Erfolg vor allem der stete Verkehr erklärt, der seit alten Zeiten zwischen Schottland und den Lehranstalten Frankreichs und Hollands bestanden hatte. Der den Schotten eigne Geist philosophischer Forschung zeigte sich in der Lehre der sogen. schottischen Philosophen, welche die in England herrschende empirische Philosophie tiefer zu begründen und zugleich den Skeptizismus Humes zu überwinden suchten. Den Weg, den der seit 1729 in Schottland angesiedelte Ire Hutcheson durch die systematische Darstellung der Moralphilosophie bahnte, verfolgten Adam Ferguson und die beiden Denker Gerard und Home, die durch ihre psychologischen Erörterungen über die Ästhetik viel Einfluß auf die britische Kunstkritik erlangten. Hume war ebenfalls Schotte und gelangte, von der Erfahrungsphilosophie Lockes ausgehend, zur Negation aller Metaphysik, Thomas Reid (s. d. 1) wollte Humes Ansichten durch Berufung auf die entscheidenden Aussprüche des gemeinen Menschenverstandes (common sense) widerlegen, Dugald Stewart u. a. suchten sie zu erläutern. Die Lehre Reids hat, allerdings verändert, später durch William Hamilton (s. d. 10, S. 696) viel Verbreitung gefunden. Trotz aller Gegner aber wirkte Hume bestimmend auf die philosophische Denkart in Großbritannien ein, sowie er auch über Staatswirtschaft (1752) zuerst richtigere Ansichten verbreitete, die dann sein Landsmann Adam Smith seit 1776 vollständiger entwickelte und zu höchst bedeutsamen Folgerungen benutzte. Die »schottische Philosophie« hat im 18. Jahrh. auch in Deutschland (z. B. auf die sogen. Popularphilosophen und auf Herder), im Anfang des 19. in Frankreich (z. B. auf Royer-Collard und durch diesen auf Cousin) bedeutenden Einfluß geübt. Neuausgaben der ältern schottischen Literaturdenkmäler besorgte die 1882 in Edinburg gegründete Scottish Tett Society. Vgl. David Irving, History of Scottish poetry (Edinb. 1861); J. Roß, Early Scottish literature (Lond. 1884); H. Walker, Three centuries of Scottish literature (das. 1893, 2 Bde.); Laing, Ancient Scottish poetry (hrsg. von Hazlitt, das. 1894, 2 Bde.); Henderson, Scottish vernacular literature (das. 1898); J. H. Millar, A literary history of Scotland (das. 1903); M'Cosh, The Scottish philosophy (das. 1875); Seth, Scottish philosophy (2. Aufl., das. 1890) und The Scottish contribution to moral philosophy (das. 1898); G. Dandolo, La dottrina della memoria presso la scuola scozzese (Mail. 1894), und Artikel »Englische Literatur«.
 
Artikelverweis 
Schottische Philosophen, s. Meyers Schottische Literatur.
 
Artikelverweis 
Schottisches Drehkreuz, s. Meyers Reaktion.

 

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