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Schotschen bis Schotten (Bd. 6, Sp. 13 bis 15)
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Artikelverweis Schotschen, seemännisch soviel wie ruckweise rutschen.
 
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Schott, auf eisernen Schiffen eine wasserdichte Quer- oder Längswand im Schiffsinnern; Halbschott, ein S., das nicht bis zum Oberdeck hinausgeführt ist. Vgl. Kollisionsschott u. Schiffbau, S. 771.
 
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Schott, arab. Name für die im N. und Süden des Atlas bis an die Große Syrte sich in Reihen hinziehenden Salzsümpfe. Zwischen dem Großen und dem Kleinen Atlas liegt die 8001100 m hohe Hochebene der Schotts, und auf dieser sind, von W. nach O. gerechnet, am wichtigsten S. Tigri und S. el Gharbi, dann der sehr lange, in drei Teile zerfallende S. el Schergi, dann die Sebcha Naama südwestlich von letzterm. Östlich folgen Zahrez Rharbi und Zahrez Schergi in 900 m Höhe, dann der S. el Hodna zwischen dem südlichen Atlas und der Querkette von Aumale bis Batna, durch die ein Gebiet mit mehreren kleinen Schotts zwischen Setif und Tebessa abgetrennt wird. Diese Hochebene der Schotts, im O. nur 80, im W. 170 km breit, ist eine Steppenregion mit hartblätterigen Gräsern (Esparto), die zu Papier verarbeitet werden. Weit bedeuten der ist das Gebiet der tiefgelegenen Schotts, das sich am Südrande des Großen Atlas vom südwestlichen Algerien durch das südliche Tunis bis zum Golf von Gabes zieht; hier sind die wichtigsten das S. Meruan, S. el Melrhir, S. Gharsa, S. el Dscherid, S. el Fedschedsch mit vielfachen Verzweigungen. Diese Schotts sind Reste eines ehemaligen größern Binnensees, der durch die zunehmende Trockenheit des nordafrikanischen Klimas mehr und mehr einschrumpfte, so daß der Spiegel des S. el Melrhir sogar bis 31 m, der S. Gharsa 20 m unter den Meeresspiegel gesunken ist. Der Plan, das Gebiet der letztgenannten Schotts (14,000 qkm) durch Durchstechung der 22 km breiten und an 52 m hohen, aus Kalk und Sandstein bestehenden Landenge von Gabes unter Wasser zu setzen, wurde wegen der hohen Kosten und zu geringer Vorteile aufgegeben (s. Sahara, S. 424). Jetzt sind einige der Schotts trocken gelegt und durch Entwässerung des Fetzara bei Bone und des Sebcha von Oran 3400 Hektar guten Landes gewonnen. Vgl. Roudaire, Une mer intérieure en Algérie (Par. 1874).
 
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Schott, bei Pflanzennamen für Heinrich Wilhelm Schott, geb. 7. Jan. 1794 in Brünn, gest. als Direktor der kaiserlichen Gärten in Schönbrunn bei Wien 5. Febr. 1865; schrieb über Arazeen, Farne, Rutazeen, Ranunkeln und Primeln.
 
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Schott, 1) Andreas, gelehrter Jesuit, geb. 12. Sept. 1552 in Antwerpen, gest. daselbst 23. Jan. 1629, studierte in Löwen, Douai und Paris, wanderte 1579 nach Spanien, wurde 1581 Professor des Griechischen in Toledo, 1584 in Saragossa, trat 1586 in den Jesuitenorden, studierte in Valencia Theologie, wurde dann Lehrer am Kollegium in Gandia, 1594 Professor der Rhetorik in Rom und kehrte 1597 nach Antwerpen zurück, wo er am Kollegium seines Ordens Griechisch lehrte. S. war ein fleißiger Sammler (auch von Manuskripten), aber auch tüchtiger Übersetzer und Herausgeber. Wir nennen: die Ausgaben des Aurelius Victor (Douai 1577, Antwerp. 1579, Frankf. 1606; bereichert durch die neuentdeckte »Origo gentis romanae«), des Theophylakt (Heidelb. 1599) und des Rhetors Seneca (Par. 1607 u. 1613); »Adagia Graecorum« (Antwerp. 1612); »Observationum libri V« (1615); »Hispania illustrata« (Frankf. 160308, 4 Bde.). Auch besorgte er einen großen Teil der Kölnischen »Bibliotheca Patrum« von 1618.
   2) Bernhard, Begründer eines der größten Musikverlagsgeschäfte, gest. 1817, eröffnete sein Geschäft 1770 in Mainz, wo noch heute der Hauptsitz ist, während sich bedeutende Filialen in Paris und London, Vertretungen in Brüssel, Amsterdam und Leipzig befinden. Das Geschäft vererbte sich auf seine Söhne J. J. und A. S. und 1840 auf seinen Enkel Franz Philipp S. (gest. 8. Mai 1874), dessen Gattin Betty (v. Brannrausch, gest. 5. April 1875) eine ausgezeichnete Pianistin war. Die jetzigen Inhaber der Firma »B. Schotts Söhne« sind ein Urenkel des Begründers: Franz v. Landwehr, und Dr. Ludwig Strecker. Der Verlag (der seinerzeit das Eigentumsrecht von Beethovens neunter Symphonie und »Missa solemnis« sowie von Richard Wagners »Meistersingern«, »Nibelungen« und »Parsifal« erwarb) umfaßt jetzt ca. 28,000 Nummern.
   3) Wilhelm, hervorragender Orientalist und einer der bedeutendsten Sinologen, geb. 3. Sept. 1807 in Mainz, gest. 21. Jan. 1889 in Berlin, studierte in Gießen orientalische Sprachen, in Halle Theologie und wandte sich dann in Berlin dem Studium der ostasiatischen Sprachen zu, deren Lehrstuhl an der dortigen Universität er von 1838 an einnahm. Seit 1841 war er Mitglied der Akademie. Von seinen Arbeiten sind außer Aufsätzen für Zeitschriften und einem Katalog der chinesischen Werke der königlichen Bibliothek zu Berlin (Berl. 1840) hervorzuheben: »Versuch über die tatarischen Sprachen« (1836); »Älteste Nachrichten von Mongolen und Tataren« (1846); »Über den Buddhaismus in Hochasien und in China« (1844); »Über das altaische oder finnisch-tatarische Sprachengeschlecht« (1849); »Das Reich Karachatai oder Si-Liao« (1849); »Über die finnische Sage von Kullervo« (1852); »Entwurf einer Beschreibung der chinesischen Literatur« (1854); »Zur Beurteilung der anamitischen Schrift und Sprache« (1855); »Über die sogen. indochinesischen Sprachen, insonderheit das Siamische« (1856); »Chinesische Sprachlehre« (1857); »Über die chinesische Verskunst« (1857); »Über die Cassiasprache im nordöstlichen Indien« (1859); »Über die esthnischen Sagen vom Kalewi-Poëg« (1863); »Über finnische und esthnische Heldensagen« (1866), »Zur Literatur des chinesischen Buddhismus« (1874);

[Bd. 6, Sp. 14]


»Zur Uigurenfrage« (187475, 2 Tle.); »Über die Sprache des Volkes Róng oder Leptscha in Sikkim« (1881). Eine Sammlung interessanter Essays ist in den »Altaischen Studien« (Berl. 186072, 5 Hefte) enthalten.
   4) Joseph, deutscher Offizier und Militärschriftsteller, geb. 16. Juli 1835 in Wetzlar, gest. 2. Jan. 1907 in Großlichterfelde, trat 1852 bei der rheinischen Artilleriebrigade Nr. 8 ein, wurde 1856 Leutnant. 1861 Oberleutnant, führte 1866 eine Munitionskolonne und, nachdem er Lehrer an der Kriegsschule zu Erfurt geworden war, 1870 die schwere Reservebatterie rheinischen Feldartillerieregiments Nr. 8, wirkte bis 1873 nochmals als Lehrer in Erfurt, dann als Kompaniechef im niederschlesischen Fußartillerieregiment Nr. 5 und nahm 1874 den Abschied. Von 1875 bis 1883 war er Lehrer an der Selekta der Hauptkadettenanstalt. S. schrieb: »Grundriß der Waffenlehre« (Darmst. 1868, 3. Aufl. 1876); »Frankreichs Kriegsvorbereitung seit 1889« (Berl. 1894, Nachtrag 1895); über die Kaisermanöver in Württemberg 1899, in Pommern 1900, Westpreußen 1901, an der märkisch-posener Grenze 1902 (Berl.) und war auch als Schriftsteller für Zeitschriften (»Militär-Wochenblatt«, »Loebells Jahresberichte«, »Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine«, »Revue militaire Suisse« u. v. a.) auf artilleristischem Gebiet äußerst tätig.
   5) Otto, Chemiker, geb. 17. Dez. 1851 zu Witten in Westfalen, studierte seit 1870 in Aachen, Würzburg, Leipzig, arbeitete dann in chemischen Fabriken, erbaute 1878 eine chemische Fabrik zu Oviedo in Spanien und errichtete 1884 nach jahrelangen umfangreichen Vorstudien in Verbindung mit Professor Meyers Abbe (s. d.) in Jena und mit Unterstützung der preußischen Staatsregierung das auf wissenschaftlicher Grundlage arbeitende Glaswerk »Schott u. Genossen« in Jena, das sich vorwiegend mit der Darstellung von Glas für die Optik, für Thermometer und verbesserte Laboratoriumsgeräte beschäftigt (vgl. Glas, S. 889 u. 895). Er schrieb: »Beiträge zur Kenntnis der unorganischen Schmelzverbindungen« (Braunschw. 1878).
   6) Walter, Bildhauer, geb. 18. Sept. 1861 in Ilsenburg am Harz, erhielt seine erste künstlerische Ausbildung bei Professor Dopmeyer in Hannover und studierte dann von 188083 auf der Kunstakademie in Berlin, wo er sich besonders der Richtung von R. Begas anschloß. Außer einer großen Zahl von Büsten (Kaiser Wilhelm II., Großherzog von Hessen, Peters) hat er eine Reihe von anmutigen mythologischen und Genrefiguren geschaffen und sich auch in der dekorativen und monumentalen Plastik bewährt. Seine Hauptwerke sind: die Marmorfigur Phryne, Diana, eine Gruppe der Wohltätigkeit, die Kugelspielerin (in zwei Fassungen: bekleidet und unbekleidet, s. Tafel Meyers »Bildhauerkunst XIX«, Fig. 4), eine Reihe von Kandelabern mit Gruppen von lebhaft bewegten männlichen und weiblichen Figuren für die Gartenrampe des Neuen Palais bei Potsdam, das in Kupfer getriebene Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. für das Kaiserhaus in Goslar, die Statue König Friedrich Wilhelms I. für den Weißen Saal des königlichen Schlosses in Berlin und das Standbild Albrechts des Bären für die Siegesallee in Berlin. 1899 erhielt S. den Titel Professor.
 
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Schott von Schottenstein, Max, Freiherr, württemberg. Kriegsminister, geb. 2. Nov. 1836 in Ulm, besuchte 185558 die Kriegsschule in Ludwigsburg, wurde 1858 Leutnant, studierte 185861 an der bayrischen Artillerie- und Genieschule in München, ward 1862 Oberleutnant im Ingenieurkorps, 1866 Hauptmann im Generalstab und 1867 Referent im Kriegsministerium, nahm 1870/71 am Kriege gegen Frankreich teil, ward 1872 Kompaniechef, 1873 Bataillonskommandeur, 1883 Kommandeur des Grenadierregiments Königin Olga, 1884 Oberst, 1888 Generalmajor und Kommandeur der 51. Infanteriebrigade, 1890 Generalleutnant und Kommandeur der 30. Division und war, seit 1896 General der Infanterie, 18921901 württembergischer Kriegsminister, seit Meyers Mittnachts (s. d.) Rücktritt 1900 auch Ministerpräsident.
 
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Schottelĭus, 1) Justus Georg, Schriftsteller, geb. 23. Juli 1612 in Einbeck, gest. 25. Okt. 1676 als Hofkonsistorialrat in Wolfenbüttel, eifriges Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, machte sich besonders durch seine Bemühungen um Erforschung der deutschen Sprache verdient. Neben seiner »Teutschen Sprachkunst« (Braunschw. 1641) ist vor allem seine »Ausführliche Arbeit von der teutschen Haubtsprache« (das. 1663) durch die Einsicht, daß nicht der Sprachgebrauch der vornehmen Welt, sondern die Kritik des Forschers maßgebend sein müsse, in der Geschichte der deutschen Philologie von Bedeutung. In seiner »Teutschen Vers- oder Reimkunst« (Wolfenb. 1845) empfiehlt er das einseitigste Quantitätsprinzip und liebäugelt mit den Spielereien der Nürnberger. Seine Dichtungen sind unbedeutend, doch sein Freudenspiel »Friedens Sieg« (1648; Neudruck von Koldewey, Halle 1900) historisch bemerkenswert. Vgl. Schmarsow, Leibniz und S. (Straßb. 1877); Koldewey, Justus Georg S. (Wolfenb. 1899).
   2) Max, Hygieniker, geb. 15. Nov. 1849 in Braunschweig, studierte Medizin in Würzburg, habilitierte sich 1879 als Privatdozent in Marburg und wurde 1881 zum außerordentlichen Professor ernannt. In dieser Zeit arbeitete er über physiologische und pathologische Texturveränderungen der Kehlkopfknorpeln, über Hydronephrose, Inhalationspneumonie, Tuberkulose etc. Er beschäftigte sich dann mehrere Jahre mit bakteriologischen Studien in Berlin, München und Paris, unternahm seit 1886 Reisen nach Italien und Indien zum Studium der Cholera und der Pest und wurde 1889 Professor der Hygiene in Freiburg. Er lieferte biologische Untersuchungen über den Micrococcus prodigiosus, eine Feststellung der desinfizierenden Wirkung der Teerprodukte und untersuchte die Bedeutung der Darmbakterien für die Ernährung. Dabei erbrachte er durch Züchtung steriler Hühnchen den Nachweis, daß für den normalen Verdauungsprozeß, also für das Leben der Warmblüter, Bakterien erforderlich sind. Er veröffentlichte: »Sektionstafeln mit erläuterndem Text« (Wiesbad. 1878); »Die Kehlkopfknorpel. Untersuchungen über deren physiologische und pathologische Texturveränderungen« (das. 1879); »Denkschrift zur Einweihung des neuen Hygienischen Instituts in Freiburg« (Freib. 1897); »Bakterien, Infektionskrankheiten und deren Bekämpfung« (Stuttg. 1905).
 
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Schotten, s. Meyers Molken.
 
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Schotten, soviel wie Hohlheringe, s. Meyers Hering, S. 209.
 
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Schotten, Kreisstadt in der hess. Provinz Oberhessen, an der Nidda, 282 m ü. M., am Vogelsgebirge und an der Staatsbahnlinie Nidda-S., hat eine evang. Kirche, Synagoge, ein Schloß, höhere Bürgerschule, Amtsgericht, 2 Oberförstereien, Fabrikation von Wurst, Zigarren, Strumpfwaren und Möbeln, Weberei, Branntweinbrennerei, Holzschneiderei, Viehmärkte und (1905) 2121 Einw. S. ist seit 1354 Stadt.

[Bd. 6, Sp. 15]



 
Artikelverweis 
Schotten, 1) die Bewohner von Meyers Schottland (s. d., S. 19); 2) s. Meyers Schottenmönche.

 

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