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Schorndorf bis Schoßbein (Bd. 6, Sp. 11 bis 12)
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Artikelverweis Schorndorf, Oberamtsstadt im württemberg. Jagstkreis, an der Rems und der Staatsbahnlinie Kannstatt-Nördlingen, 251 m ü. M., hat eine gotische evangelische und eine kath. Kirche, ein altes Schloß, eine Latein- und Realschule, Frauenstift, Amtsgericht, Forstamt, Fabrikation von Eisenmöbeln, landwirtschaftlichen Geräten, Porzellan, Leder und (1905) 6335 meist evang. Einwohner. S. ward 1514 von den aufrührerischen Bauern besetzt, 153844 durch Herzog Ulrich in eine Festung umgewandelt und 1688 durch den Mut der Frauen unter Anführung der Frau Bürgermeister Walch (später an den Bürgermeister Künkelen verheiratet) vor den Franzosen unter Mélac gerettet; in Dichtungen haben diese Tat Paul Heyse und Karl Mayer verherrlicht.
 
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Schornstein (Schlot, Esse, Rauchrohr), aufrechter Kanal zur Abführung der Verbrennungsgase und zur Erzeugung des »Zuges« einer Feuerung. Der S. wirkt zugfördernd, weil die in ihm enthaltene Säule erwärmter Luft leichter ist als eine gleich hohe Säule der freien, kältern Luft. Je höher der S. ist, um so energischer befördert er den Zug. Schornsteine mit rundem Querschnitt sind zweckmäßiger als eckige, ebenso quadratische besser als rechteckige, weil sie dem spiralförmig aufsteigenden Rauch weniger Hindernisse entgegensetzen. Diese zu beseitigen, sind die Schornsteine auch mit möglichst glatten Innenwänden herzustellen. Eiserne Schornsteinröhren erfüllen diese Bedingung, leiden aber (besonders bei Feuerungen mit sehr schwefelhaltigen Steinkohlen) durch die Bildung von Schwefeleisen und Eisenvitriol. Gemauerte Schornsteine sind von weit längerer Dauer und veranlassen, wenn sie innen sorgfältig geputzt oder voll und glatt gefugt sind, auch nur geringe Reibung. Tonröhren zum Auskleiden von Schornsteinen sind unzweckmäßig, da sie beim Reinigen leicht zertrümmert werden. Die Rauchrohre in Wohngebäuden liegen, um vor Abkühlung möglichst geschützt zu sein, zweckmäßig nicht in den Umfassungswänden, sie müssen zur Verhinderung der Feuersgefahr 25 cm von jeglichem Holzwerk entfernt bleiben und dürfen keine geringere Wandstärke als 1/2 Backsteinlänge erhalten. Die Rohre sind entweder unbesteigbar oder besteigbar (Steigerohre). Das zulässige Mindestmaß des Querschnitts der erstern ist zumeist auf 250 qcm festgesetzt. Diese engsten Rohre werden russische genannt. Weitere unbesteigbare Rohre (für Kochherde, Kamine etc.) erhalten etwa 625 qcm Querschnitt.

[Bd. 6, Sp. 12]


Steigerohren gibt man eine Weite von 40×47 cm bis 47 cm im Quadrat. Im allgemeinen führt man die Schornsteine zur Vermeidung des Einrauchens wenigstens 0,30 m über den Dachfirst hinaus. Der Wind läßt den Zug mindestens ganz unverändert; wagerecht wehender Wind wirkt sogar saugend. Um aber das Aufsteigen des Windes am S. zu begünstigen, darf der Schornsteinkopf nur wenig ausladen. Gegen das Eintreten des Windes in die Schornsteinöffnung und das Einregnen bedient man sich besonderer Schornsteinaufsätze. Die einfachste Art besteht aus einer auf mehreren Stützen ruhenden wagerechten Deckplatte. Andre sind teils fest, teils beweglich, gemauert, von Metall oder Ton und laufen darauf hinaus, den Austritt des Rauches unter Ausnutzung der Windwirkung zu begünstigen. Fabrikschornsteine erhalten meist quadratischen oder runden Querschnitt und bisweilen sehr bedeutende Höhe. Zum Besteigen werden Steigeisen eingemauert. Werden sehr hoch erhitzte Gase abgeführt, so gibt man dem S. Doppelmauern und kleidet ihn mit Schamotte aus. Auch tritt, wie beim Hoffmannschen Ringofenschornstein, eine Verstärkung des äußern Mantels durch lotrechte Rippen hinzu. Die Fabrikschornsteine stehen meist ganz frei und sind mit dem Kesselhaus durch einen Fuchs (s. Meyers Feuerungsanlagen, S. 521) verbunden. Ihre lichten Durchmesser oben und unten sind abhängig von der Größe der Rostfläche der Feuerungsanlage und von der durch diese in einer Stunde verzehrten Brennstoffmenge, ihre Höhe von diesen beiden Faktoren und dem Durchmesser, und ihre Wandstärke wesentlich von dem zu etwa 150 kg für 1 qm ebener, zur Windrichtung normaler Fläche anzunehmenden Winddruck. In jedem einzelnen Fall ist also eine besondere Berechnung vorzunehmen. Zur Erhöhung ihrer Festigkeit werden die Fabrikschornsteine gebunden, d. h. mit starken eisernen Bändern gegürtet, die das übermäßige Auseinandertreiben der Fugen durch Temperaturunterschiede verhindern sollen. Vgl. Artikel »Feuerungsanlagen«; Pinzger, Über die Stabilität von Fabrikschornsteinen (im »Notizblatt des Architekten- und Ingenieurvereins für Niederrhein-Westfalen«, Köln 1877); Menzel, Der Steinbau (9. Aufl. von Heinzerling, Fulda 1893); Pietzsch, Der Fabrikschornstein (Freiberg 1896); Lang, Der Schornsteinbau (Hannov. 18961901, 3 Hefte); Claussen, Die statische Berechnung der Fabrikschornsteine (Lüneb. 1897); Bastine, Berechnung und Bau hoher Schornsteine (Leipz. 1898); Klasen, Bau der Fabrikschornsteine (Wien 1903); Rauls, Lexikon des Schornsteinbaues (Köln 1907); Jahr, Anleitung zum Entwerfen und zur Berechnung der Standfestigkeit für gemauerte Fabrikschornsteine (4. Aufl., Hagen 1904); Landmann, Tabellen zur Bestimmung der Randspannungen von Fabrikschornsteinen (Wiesb. 1904) u. Art. »Schornsteinfeger«.
 
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Schornsteinabzeichen, besonderer Anstrich oder farbige Ringe, Sterne, Buchstaben am Schornstein der Dampfer, die gleich den Hausflaggen der Reeder die Zugehörigkeit zu einer Dampferlinie angeben (z. B. Schornstein gelb = Norddeutscher Lloyd, Bremen). In der deutschen Marine sind S. der Geschwader durch ein- bis vierfarbige Ringe (weiß, rot, gelb, blau) hergestellt; die Zahl der Ringe bezeichnet den Schiffsplatz im Geschwader.
 
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Schornsteinfeger, Gewerbtreibender, der die Schornsteine der Häuser in regelmäßigen Zwischenräumen vom Ruß reinigt und sie, wie überhaupt die Feuerungsanlagen, auf Feuersicherheit prüft. Im Deutschen Reiche gab es nach der Zählung vom 14. Juni 1895 in diesem Gewerbe 4009 (darunter 123 Neben-) Betriebe und 9404 (darunter 246 weibliche) beschäftigte Personen. Sie waren früher häufig in Zünften organisiert, heute gehören sie meist Innungen an, die sich zu einem Zentral-Innungsverband zusammengeschlossen haben. Es gibt auch Schornsteinfegerschulen (Berlin, Dresden), die von den Innungen unterhalten werden und den Lehrlingen Gelegenheit zur allgemeinen und sachlichen Ausbildung gewähren. Nach § 39 der Reichsgewerbeordnung können die Landesgesetze die Einrichtung von Kehrbezirken für S. gestatten, aber auch nach Bedarf und ohne Entschädigung die Kehrbezirke aufheben oder ändern. Nach § 77 können, falls solche Kehrbezirke gebildet worden sind, die Taxen und nach § 47 die Stellvertretung obrigkeitlich geregelt werden. S. auch Meyers Berufsgenossenschaft der Schornsteinfegermeister des Deutschen Reiches. Vgl. Rahn, Handbuch für S. (6. Ausg., Berl. 1895); H. und P. Meyer, Handbuch für S. (Großstrehlitz 1906); »Schornsteinfeger-Kalender« (Berl., seit 1883); »Organ für Schornsteinfegerwesen« (das., seit 1873).
 
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Schornsteinfegerkrebs, s. Meyers Krebs, S. 609.
 
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Schortens, Gemeinde im oldenburg. Amt Jever, mit dem dazugehörigen Heidmühle an der Staatsbahnlinie Sande-Wittmund, hat eine evang. Kirche, die Ruine des Klosters Östringfelde, eine Kalksandsteinfabrik, Dampfbrauerei und (1905) 2550 Einw.
 
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Schoschonen (Shoshonies), nordamerikan. Indianerstamm, auch Snake- oder Schlangenindianer genannt, zum uto-aztekischen Sprachstamm gehörig, in Idaho und den angrenzenden Teilen von Wyoming, Nevada und Oregon. Die S. wohnen in Dörfern mit großen, hölzernen Häusern, stehen unter erblichen Häuptlingen und zählen gegen 6000 Seelen. In neuester Zeit haben sie sich dem Ackerbau zugewandt. S. Tafel Meyers »Amerikanische Völker I«, Fig. 11.
 
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Schoschong (Shoshong), Hauptstadt von Meyers Betschuanenland (s. d.).
 
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Schosdorf, Dorf mit drei Rittergütern im preuß. Regbez. Liegnitz, Kreis Löwenberg, hat eine evang. Kirche, Weberei, eine chemische Fabrik für Herstellung von künstlichem Dünger und (1905) 2116 Einw.
 
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Schoß, früher Benennung für Steuern, insbes. für Vermögenssteuern (Hufen-, Giebelschoß).
 
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Schoßbein, s. Meyers Becken.

 

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