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Schöntal bis Schoonhoven (Bd. 6, Sp. 6 bis 7)
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Artikelverweis Schöntal, Dorf im württemberg. Jagstkreis, Oberamt Künzelsau, an der Jagst, an der Eisenbahn Möckmühl-Dörzbach, hat eine schöne kath. Kirche (ehemalige Klosterkirche, in deren Kreuzgang Götz von Berlichingen begraben liegt), ein evangelisch-theologisches Seminar, ein Forstamt und (1905) 470 Einw. S. war ehedem reichsfreie Cistercienserabtei, wurde 1802 säkularisiert und fiel als Entschädigung an Württemberg. Vgl. Bossert, E. Paulus und Schmid, Schöntal. Beschreibung und Geschichte des Klosters und Seminars (Stuttg. 1884).
 
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Schönthan, Franz von, Edler von Pernwald, Bühnendichter, geb. 20. Juni 1849 in Wien, trat in die österreichische Marine, verließ aber nach vier Jahren den Dienst und ging, seiner Neigung folgend, zur Bühne. Zugleich begann er zu schreiben, anfänglich Feuilletons, Novellen für Zeitschriften, endlich Bühnenstücke; doch gelang es ihm erst 1879, mit dem Lustspiel »Das Mädchen aus der Fremde«, seinen Namen in weitern Kreisen bekannt zu machen. S. ward infolgedessen als Theaterdichter am Wallner-Theater in Berlin angestellt, brachte zunächst (1880) seinen Schwank »Sodom und Gomorrha«, sodann die in Gemeinschaft mit G. v. Moser verfaßten Stücke: »Der Zugvogel« und »Krieg im Frieden« zur Ausführung, welche die Runde über die deutschen Bühnen machten. 1883 wurde er zum Oberregisseur am Wiener Stadttheater ernannt, doch fand seine Wirksamkeit daselbst durch den Brand des Theaters (1884) ein baldiges Ende. Er lebte seitdem teils in Berlin, teils auf seiner Besitzung in Brunn am Gebirge bei Wien, dann längere Zeit in Dresden und ließ sich schließlich in Wien nieder. Er schrieb ferner die Lustspiele, die oft possenhaften Charakter haben: »Unsre Frauen« (mit G. v. Moser, 1881), »Der Schwabenstreich« (1883), »Kleine Hände« (nach Labiche, 1883), »Roderich Heller« (1884), »Villa Blancmignon« (1885), »Cornelius Voß« (1888), »Papa« (1890), »Das goldene Buch«, Schauspiel (1891), »Zirkusleute« (1893), »Maria Theresia« (1903), »Klein Dorrit« (1905), »Drei Erlebnisse eines englischen Detektivs« (1906); mit seinem Bruder Paul (s. unten) die beiden Schwänke: »Der Raub der Sabinerinnen« (1885) und »Das Gelobte Land« (1892); im Verein mit Gustav Meyers Kadelburg (s. d.) die Lustspiele: »Goldfische« (1886), »Die berühmte Frau« (1887), »Zwei glückliche Tage« (1893), »Der Herr Senator« (1894), »Zum wohltätigen Zweck« (1895), und mit Franz Koppel-Ellfeld (s. d.): »Komtesse Guckerl« (1896), »Renaissance« (1896), »Die goldne Eva« (1896), »Helgas Hochzeit« (1897), »Frau Königin« (1900), »Florio und Flavio« (1901); mit Chiavacci das Volksstück: »Aus'n Herzen heraus« (1901); mit Graf Baudissin: »Im bunten Rock« (1902). Außerdem veröffentlichte er: »Kleine Münze. Epigramme und Sinnsprüche« (Berl. 1890) und die Erzählung »Der General« (Bresl. 1894). Mit seinem Bruder Paul v. S., geb. 19. März 1853, der als Journalist in Wien lebte und daselbst 5. Aug. 1905 starb, gab er auch »Kleine Humoresken« (Leipz. 188287, 4 Bde.) u. a. heraus. Selbständig veröffentlichte der letztere zahlreiche Erzählungen und Romane: »Welt- und Kleinstadtgeschichten« (Dresd. 1889), »Aus der großen und kleinen Welt« (Berl. 1891), »Ringstraßenzauber« (Wien 1894; 5. Aufl., Berl. 1899), »Schlechte Rasse« (Dresd. 1894), »Gebärden der Liebe« (Wien 1895), »Gefärbte Frauen und Andere« (Gotha 1895). »Prinzessin Turandot« (Stuttg. 1895), »Stickluft« (Dresd. 1896), »Frau Lot« (Stuttg. 1901), »Die Blauen« (Leipz. 1902), »Pariser Modell« (Dresd. 1903), »Das Fräulein« (Stuttg. 1903), sowie »Die elegante Welt, Handbuch der vornehmen Lebensart« (6. Aufl., Berl. 1895) u. a.
 
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Schonung, in der Forstwirtschaft ein junger Holzbestand, der dem Maul des Weideviehes noch nicht entwachsen ist und daher mit solchem nicht betrieben werden darf. Die Gesetze fast aller Staaten bedrohen Weidefrevel in Schonungen mit strengen Strafen. Es müssen aber die betreffenden Holzbestände durch Tafeln oder Strohwische ausdrücklich als Schonungen bezeichnet sein.
 
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Schönwald, 1) Dorf und Luftkurort im bad. Kreis Villingen, Amt Triberg, im Schwarzwald, an der Gutach, 983 m ü. M., hat eine kath. Kirche, eine Strohflechtschule, Uhrmacherei, Strohflechterei und (1905) 1621 Einw. 2) Dorf im preuß. Regbez. Oppeln, Kreis Tost-Gleiwitz, an der Kleinbahn Gleiwitz-Markowitz, hat eine kath. Kirche, Dampfziegeleien und (1905) 3618 Einw. Die Bewohner des Dorfes, Nachkommen der im 13. Jahrh. eingewanderten Sachsen, haben sich inmitten der polnischen Bevölkerung rein deutsch erhalten.
 
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Schonzeit (Hegezeit), die gesetzlich festgestellte Frist, innerhalb der nutzbares Wild nicht abgeschossen werden darf. Die Bemessung der S. richtet sich nach dem Verlauf des Fortpflanzungsgeschäfts, ist aber in den einzelnen Staaten verschieden. Einige Staaten verbieten auch das Abschießen gewisser weiblicher Tiere gänzlich. Rehgeißen, Wildkälber, Gems-, Rehkitzen, Auer- und Birkhennen dürfen in Bayern und einigen andern deutschen Staaten gar nicht geschossen werden. Gesetze: Preußen 14. Juli 1904 (hrsg. und erläutert von Vigelius, Berl. 1905), Bayern 5. Okt. 1863, Sachsen 22. Juli 1876, Württemberg 30. Juli 1886, Baden 29. April 1886, Hessen 19. Aug. 1893, Elsaß-Lothringen 7. Mai 1883 und 8. Mai 1889 etc. Schonzeiten in Preußen: Männliches Elchwild 1. Okt. bis 31. Aug., weibliches Elchwild und Elchkalb das ganze Jahr, männliches Rot- und Dammwild 1. März bis 31. Juli, weibliches Rot- und Dammwild und deren Kälber 1. Febr. bis 15. Okt., Rehböcke 1. Jan. bis 15. Mai, weibliches Rehwild und Rehkälber 1. Jan. bis 31 Okt., Dachs 1. Jan. bis 31. Aug., Biber 1. Dez. bis 30. Sept., Hasen 16. Jan. bisa 30. Sept., Auerhahn 1. Juni bis 30. Nov., Auerhennen 1. Febr. bis 30. Nov., Birk-, Hasel- und Fasanenhähne 1. Juni bis 15. Sept., desgleichen Hennen 1. Febr. bis 15. Sept., Rebhühner, Wachteln und schottische Moorhühner 1. Dez. bis 31 Aug., wilde Enten 1. März bis 30 Juni, Schnepfen 16. April bis 30. Juni, Truppen 1. Aug., wilde Schwäne, Kraniche, Brachvögel, Wachtelkönige und alle andern jagdbaren Sumpf- und Wasservögel mit Ausnahme der wilden Gänse 1. Mai bis 30. Juni, Drosseln 1. Jan. bis 20. Sept. (Bei den Angaben sind die zuletzt genannten Tage stets inkl. zu verstehen.)

[Bd. 6, Sp. 7]



   Aus Rücksichten der Landeskultur oder der Jagdpflege kann der Minister für Landwirtschaft den Abschuß des weiblichen Elchwildes vom 16. bis 30. Sept. gestatten. Für Birk- und Haselwild, Fasanen, Rebhühner, Wachteln und schottische Moorhühner kann Anfang und Schluß der S. um 14. Tage durch den Bezirksausschuß verschoben werden, ebenso der Schluß der S. für Rehböcke um 14 Tage, das Ende der S. für Drosseln bis zum 30. Sept. Die S. für Dachs und wilde Enten kann durch dieselbe Behörde eingeschränkt oder aufgehoben, für Rehkälber und Biber verlängert oder auf das ganze Jahr ausgedehnt werden. Für die im deutschen Vogelschutzgesetz vom 22. März 1888 geschützten Vögel erstreckt sich die S. auf den Zeitraum vom 1. März bis 15. Sept. Für Robben ist durch Reichsgesetz vom 4. Dez. 1876 eine S. eingeführt. Auch für Fische sind Schonzeiten festgesetzt.
 
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Schoof (Kitte), die mit der Mutter sich zusammenhaltenden Jungen der wilden Gänse und Enten.
 
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School Board (engl., spr. ßkūl-bōrd, »Schulkollegium oder -Ausschuß«), in England Bezeichnung der das Volksschulwesen überwachenden Ortsbehörde. Nach der Elementary Education Act von 1870 gilt als Bezirk des S. im allgemeinen das Kirchspiel (parish), bez. das municipal borough. Das S. besteht aus 515 (männlichen oder weiblichen) Mitgliedern, die auf 3 Jahre von den Steuerzahlern erwählt werden, und ist nötigenfalls auch zur Errichtung von Gemeindeschulen (Board Schools) befugt.
 
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Schoolcraft (spr. ßkūlkräft), Henry Rowe, amerikan. Reisender und Ethnograph, geb. 28. März 1793 zu Watervliet im Staate New York, gest. 10. Dez. 1864 in Washington, studierte Naturwissenschaften, bereiste 1817 und 1818 den Westen, dann 1820 die Kupfergegenden des Obern Sees und ging 1823 als Indianeragent nach Michigan, wo er die Enkelin eines Indianerhäuptlings heiratete. Von 182832 war S. Mitglied der Territorialgesetzgebung, entdeckte 1832 die Quelle des Mississippi in dem Itaskasee, setzte 1836 bei den Indianern eine Abtretung von 16 Mill. Acres an die Union durch und wurde 1839 zum Hauptagenten des nördlichen Departements ernannt. Sein Hauptwerk: »Historical and statistical information respecting the history, condition and prospects of the Indian tribes of the United States of America« (Philad. 185157, 6 Bde.), wurde auf Kosten der Regierung veröffentlicht. Von seinen zahlreichen übrigen Werken verdienen Erwähnung: »Scenes and adventures in the semi-alpine region of the Ozark Mountains« (2. Aufl., Philad. 1853), »Personal memoirs of a residence of thirty years with the Indian tribes« (das. 1853), »Narrative of an exploratory expedition to the sources of the Mississippi River 1832« (das. 1854), »Algic researches« (New York 1839, 2 Bde.; 2. Aufl., Philad. 1856), »Notes on the Iroquois« (Albany 1848).
 
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Schoon (latinisiert Schonaeus), Kornelis van, neulat. Dichter, geb. 1541 in Gouda, gest. 28. Nov. 1611 als Rektor der Schule in Haarlem; schrieb: »Tobaeus comoedia« (Antwerp. 1580, Straßb. 1583), »Terentius Christianus sive Comoediae sacrae« (Köln 1592, 1652; zuletzt Frankf. 1712), »Elegias et epigrammata«, eine »Grammatica latina« u. a.
 
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Schooner, s. Meyers Schoner.
 
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Schoonhoven (spr. ß-chōnhoven), Stadt in der niederländ. Provinz Südholland, Bezirk Rotterdam, rechts am Lek, Sitz eines Kantonalgerichts und einer Handelskammer, hat 4 Kirchen, einen Hafen, Bleiweißfabrikation, zahlreiche Gold- u. Silberschmieden, Lachsfang und (1904) 4849 Einw.

 

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