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Schönefeld bis Schönerer (Bd. 6, Sp. 1 bis 2)
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Artikelverweis Schönefeld (Altschönefeld), Dorf in der sächs. Kreis- und Amtsh. Leipzig, an der Parthe, nordöstlich nahe bei Leipzig (s. Meyers Plan »Leipzig mit den Vororten«) und mit diesem durch elektrische Straßenbahn verbunden, an der preuß. Staatsbahnlinie Eilenburg-Leipzig, hat eine evang. Kirche, ein Schloß, eine bedeutende Farbenfabrik, einen Dampfhammer, Kunstschmiederei, Metallgießerei, Hasenfellschererei und (1905) 12,189 Einw.
 
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Schöne Künste, im 18. Jahrh. nach dem Französischen (beaux-arts) aufgekommene, jetzt nur noch selten angewendete Bezeichnung für Dichtkunst, Musik, darstellende, bildende u. reproduzierende Künste (s. Meyers Kunst).
 
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Schöne Literatur, s. Meyers Belletristik.
 
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Schönemann, 1) Johann Friedrich, Theaterdirektor, geb. 21. Okt. 1701 in Krossen, gest. 16. März 1782 in Schwerin, trat als Schauspieler 1724 zuerst in Hannover auf, wurde 1730 Mitglied der Neuberschen Truppe und begründete 1739 eine eigne Gesellschaft, die zuerst in Lüneburg, später in Leipzig, wo sie von Gottsched unterstützt wurde, Hamburg, Breslau, Berlin, Braunschweig etc. Vorstellungen gab. Von 175056 war S. als Hofkomödiendirektor in Schwerin angestellt, spielte dann noch einige Zeit in

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Hamburg und zog sich 1757 von der Bühne zurück. S. hat sich um die Hebung des Theaterwesens große Verdienste erworben. Er sah in seiner Gesellschaft streng auf Ordnung und Sitte, suchte einen guten Spielplan herzustellen, brachte die komische Oper und das Singspiel auf die Bühne und gab im allgemeinen den Ton an, der bis zur französischen Revolution für Spiel, Darstellung und Personal auf deutschen Bühnen vorherrschte. Die ersten großen deutschen Schauspieler: Ekhof, Ackermann, Schröder u. a., haben sich unter ihm gebildet. Vgl. Hans Devrient, J. F. S. und seine Schauspielergesellschaft (Hamb. 1895).
   2) Anna Elisabeth, berühmt als Goethes »Lili«, geb. 23. Juni 1758 in Frankfurt a. M. als die Tochter eines reichen Bankiers, gest. 6. Mai 1817 in Straßburg, verlobte sich im Frühjahr 1775 mit Goethe und heiratete, nachdem sich das Verhältnis schon im folgenden Herbst wieder gelöst hatte, im August 1778 den Freiherrn v. Türckheim, der damals Maire von Straßburg war und 1831 als Präsident des Konsistoriums daselbst starb. Infolge der Revolution mußte sie 1793 mit ihrem Gatten flüchten, bewährte sich in dieser Zeit als ein überaus starker Charakter, lebte dann einige Zeit in Erlangen und kehrte später nach Straßburg zurück. Vgl. E. Graf v. Dürckheim, Lillis Bild, geschichtlich entworfen (2. Aufl., Münch. 1894); Bielschowsky, Friederike u. Lili (das. 1905).
 
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Schonen (schwed. Skåne), schwed. Landschaft, 11,307 qkm (205,3 QM.) mit (1905) 651,059 Einw., umfaßt den südlichen Teil von Gotland und zerfällt in die zwei Läns Meyers Malmö (s. d.) und Meyers Christianstad (s. d.). S. ist die Kornkammer von Schweden. Die Bewohner zeichnen sich durch eine eigne Mundart sowie durch althergebrachte Sitten vor den übrigen Schweden aus (vgl. Tafel Meyers »Nordische Kultur I«, Fig. 6, Tafel II, Fig. 13). S. gehörte vormals zu Dänemark und ward erst durch den Frieden von Roskilde 1658 definitiv an Schweden abgetreten. Spätere Einfälle der Dänen (zuletzt 1709) mißlangen. Vgl. Hörlén, Illustrerad beskrifning ōfver Skåne (3. Aufl., Stockh. 1900); Hennig, Geologischer Führer durch S. (Berl. 1900).
 
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Schönen, in der Färberei soviel wie Avivieren (s. Meyers Färberei, S. 322); in der Bier- und Weinbehandlung soviel wie klären, besonders das Klären mit Hausenblase oder Leim.
 
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Schonenberg, Edle von, s. Meyers Dassel, Grafen.
 
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Schoner (Schooner, Schuner), ursprünglich ein zweimastiges Segelschiff mit hohen Untermasten ohne Marsen und mit kurzen Stengen. An jedem Mast befindet sich ein Gaffelsegel (Schonersegel). An den Stengen werden Gaffeltoppsegel (Toppsegel) geführt. Außerdem sind dreieckige Stagsegel vorhanden. Zur Bedienung der Schonertakelung gehören weniger Mannschaften als bei Rahetakelung. Zweimastige S. sind: der Briggschoner mit Rahesegeln am Fockmast, ähnlich die Schonerbrigg (Marssegelschoner, Brigantine, Maufardeibrigg, Hermaphroditebrigg); der Gaffelschoner (Vor- und Achterschoner) hat nur Schonersegel (Gaffelsegel). Dreimastige S. sind: der Barkschoner mit Rahesegeln am Fockmast, ähnlich die Schonerbark; der Dreimastschoner nur mit Schonersegeln; der Toppsegelschoner (zuweilen auch nur zweimastig), Fockmast mit Rahesegeln, alle Masten Toppsegel über den Gaffelsegeln. Ähnlich, nur mit Schonerzeug (Gaffel- und Toppsegeln) getakelt, sind die Viermast- bis Siebenmastschoner (die fast nur in Nordamerika vorkommen, besonders an der Westküste). Lotsenschoner ist meist ein schnellsegelnder kleiner Gaffelschoner.
 
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Schöner, Johannes, Mathematiker, geb. 1477 zu Karlstadt in Franken, gest. 1547 als Professor der Mathematik in Nürnberg, gab mehrere Schriften von Regiomontan und Joh. Werner heraus und verfertigte viele der ältesten Globen, die in der Entdeckungsgeschichte eine Rolle spielen. Vgl. Fiorini, Erd- und Himmelsgloben (deutsch bearbeitet von S. Günther, Leipz. 1895) und die »Karten zur Geschichte der Erdkunde I«, Fig. 5.
 
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Schonerbark, s. Meyers Schoner.
 
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Schönerer, Georg, österreich. Politiker, geb. 17. Juli 1842 in Wien, widmete sich der Landwirtschaft, die er auf seinem Gute Rosenau bei Zwettl in Niederösterreich mit bedeutendem Erfolg praktisch betätigte. 1873 wurde er zum Reichstagsabgeordneten gewählt und trat in extrem nationaler Richtung für die Sache der Deutschen auf; ja, er sprach sogar von dem steigenden Wunsche der deutschen Bevölkerung Österreichs, mit dem Deutschen Reiche vereinigt zu werden. Doch beeinträchtigte er seine Wirksamkeit durch maßlose Übertreibungen und Vorurteile, besonders durch antisemitische Agitation, namentlich unter der Studentenschaft, und geriet wiederholt mit den Gerichten in Konflikt. Wegen gewaltsamen Eindringens in das Lokal des Neuen Wiener Tagblattes, das eine verfrühte Nachricht vom Tode Kaiser Wilhelms I. gebracht hatte, ward er 5. Mai 1888 zu vier Monaten Kerker, Verlust des Adels (er besaß den Titel »Ritter von«) sowie des Abgeordnetenmandats verurteilt. 1897 und 1901 von neuem gewählt, wurde er Führer der »Alldeutschen Partei«. Er ist einer der Hauptförderer der »Los von Rom-Bewegung« und trat selbst zum protestantischen Glauben über. 1904 verzichtete er auf die Würde eines Ehrenbürgers von Eger, wo er lange seinen mächtigsten Anhang besessen hatte, weil die Gemeindevertretung den in Karlsbad weilenden Kaiser begrüßte. Sein Organ ist die Zeitschrift »Unverfälschte deutsche Worte«; auch erschienen von ihm unter anderm: »Zwölf Reden« (Wien 1886) und »Fünf Reden« (das. 1891).

 

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